WDR Zeitzeichen

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1945 wird massenhaft Weltkriegsmunition in der Ostsee versenkt

1945 wird massenhaft Weltkriegsmunition in der Ostsee versenkt WDR Zeitzeichen 04.07.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 05.07.2099 WDR 5

Kurz nach Ende des 2. Weltkriegs fahren Fischerboote im Auftrag der Alliierten auf die Ostsee, um tonnenweise deutsche Granaten, Bomben und Chemie-Kampfstoffe zu versenken. Dort liegen sie größtenteils bis heute...

Wer gibt den Anstoß zu den Versenkungen? Einen wichtigen Hinweis dazu liefert ein vergilbtes Stück Papier aus den Akten der britischen Marine, datiert auf den 4. Juli 1945. Darin legen die Briten mehrere Versenkungsgebiete in der Ostsee fest: vor Kiel, Kappeln, Flensburg und in der Lübecker Bucht. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Claus Böttcher (Nichtregierungsorganisation JPI Oceans) ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Joachim Heinz und Markus Harmann:
  • wie viele Tonnen Munition und chemischer Kampfmittel im deutschen Teil der Ostsee noch vermutet werden,
  • zu welcher tödlichen Explosion es im August 1946 beim Verklappen von Sprengstoffen kommt,
  • warum Munition auch außerhalb der von den Briten vorgegebenen Versenkungsgebiete entsorgt wird,
  • welche Gefahr für Mensch und Umwelt heute noch vom Weltkriegsmüll ausgeht,
  • wie der Rest der Weltkriegsmunition geortet, geborgen und entsorgt werden soll.

Mehr als zwei Millionen Tonnen Munition lagern am Ende des Zweiten Weltkriegs in deutschen Depots - von Kisten voller frisch produzierter Patronen bis zu einsatzbereiten Fliegerbomben. Sie im Meer zu versenken, erscheint damals als einfachste und beste Methode. Selbst als es zu Unterwasserexplosionen kommt.

Viele deutsche Fischer, die die Versenkungen ausführen, sind für den Verdienst dankbar, den Briten und Amerikaner ihnen bezahlen. In der Lübecker Bucht finden im Januar 1949 die letzten Verklappungen statt.

Kurz danach kommen die ersten Munitionsfischer und holen das Material wieder aus dem Wasser: Die Buntmetalle und der Stahl sollen als Rohstoffe wiederverwendet werden. Der Großteil der Munition bleibt allerdings auf dem Boden der Ostsee. Deren Bergung ist eine Generationenaufgabe.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Claus Böttcher (Nichtregierungsorganisation JPI Oceans)
  • Uwe Wichert (ehem. Marinesoldat und Unterwasserwaffenexperte)
  • Karin Bühring (Vorsitzende des Vereins für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung)
  • Museum für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung: Munition im Meer - das explosive Erbe. Pönitz 2025

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Autoren: Joachim Heinz und Markus Harmann
Redaktion: David Rother

Queerer Opernstar, gefürchtete Fechtkämpferin: Julie D'Aubigny

Queerer Opernstar, gefürchtete Fechtkämpferin: Julie D'Aubigny WDR Zeitzeichen 03.07.2025 14:39 Min. Verfügbar bis 04.07.2099 WDR 5

Operndiva, Duellantin, queere Rebellin des 17.Jahrhunderts - und ein angeblich aus Liebe angezündetes Kloster: Das Leben von "La Maupin" ist filmreif. Was davon ist Fakt?

Die Quellen über Julie d'Aubignys Leben sind spärlich und nicht besonders zuverlässig. Die meisten Informationen stammen entweder aus subjektiv gefärbten Memoiren ihrer Zeitgenossen - oder aus fiktionalen Erzählungen, die erst nach ihrem Tod entstanden sind. Sicher ist: Ihr kurzes Leben klingt wie für einen Abenteuerroman ausgedacht. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Anuschka Tischer (Professorin für neuere Geschichte an der Universität Würzburg) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Fischer:
  • wie Julie d'Aubigny als Kind die Kunst des Fechtens lernt,
  • wie sie zu ihrem Künstlernamen "La Maupin" kommt,
  • warum Julie eine tote Nonne ins Bett einer ihrer Geliebten gelegt haben soll,
  • welche Rolle Duelle bei Konflikten der Opernsängerin spielen,
  • wie Julie d'Aubigny 1696 beim Ball des Bruders von König Ludwig XIV. für einen Eklat sorgt.

Beinahe nichts weiß man sicher über das Leben von Julie d'Aubigny. Klar ist nur, dass und welche Rollen sie an der Pariser Oper gesungen hat. Der Rest: Hörensagen, Spekulation - und Skandalgeschichten.

Julie wächst in Versailles auf, am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Ihr Vater ist Reitmeister des Königs. Im Teenager-Alter kommt es zum ersten Skandal: Sie verwickelt sich in eine Liebesaffäre mit einem verheirateten Grafen, dem Chef ihres Vaters.

Später tritt Julie bei Schaukämpfen als Fechterin gegen Männer an - unerhörterweise angeblich als Mann verkleidet. Als sie sich in Marseille als Opernsängerin versucht, tritt zum ersten Mal eine Frau in ihr bewegtes Liebesleben. Auch an der Pariser Oper werden "La Maupin" diverse Affären nachgesagt. Dann beendet Julie ihre Bühnenkarriere mit Anfang dreißig abrupt. Warum? Auch darüber wird spekuliert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Anuschka Tischer (Professorin für neuere Geschichte an der Universität Würzburg)
  • Camille Rogers (Doctor of Musical Arts, University of Toronto)
  • Camille Rogers: Playing Queer and Performing Gender at the Turn of the Eighteenth Century - The Unconventional Life, Voice, and Body of Julie D’Aubigny Maupin. Toronto 2023

Noch viel mehr spannende Frauen-Geschichte gibt es bei @frauen_geschichte vom BR auf Instagram

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Autorin: Jana Fischer
Redaktion: Matti Hesse

Der konvertierte Jude, der den Islam modernisierte

Der konvertierte Jude, der den Islam modernisierte WDR Zeitzeichen 02.07.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 03.07.2099 WDR 5

Bei seiner Geburt am 2.7.1900 ist Leopold Weiss vieles: Lemberger, Pole, Österreicher, Jude. Sein zweites Leben beginnt 1926, als er zum Islam konvertiert.

Leopold Weiss ist ein Grenzgänger: Er besucht jüdische Schulen, lernt Hebräisch und studiert den Talmud. Als Heranwachsender hinterfragt er die Religionen in spinozianischer Manier. In Jerusalem lernt "Poldi" die muslimische Gemeinschaft kennen und liest den Koran. Er ändert seinen Namen in Muhammad Asad, fordert den mündigen Muslim und wird zum Vermittler des Islam. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Rauf Ceylan (Religionssoziologe und Professor für Gegenwartsbezogene Islamforschung an der Uni Osnabrück) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • wie Leopold Weiss in Berlin Journalist und Assistent von Regisseur Friedrich Murnau wird,
  • warum ein Aufenthalt in Jerusalem zum Wendepunkt in "Poldis" Leben führt,
  • was Leopold Weiss alias Muhammad Asad mit dem saudi-arabischen König Abdul Aziz Ibn Saud verbindet,
  • wie er versucht, seinen Vater und seine Schwester vor dem KZ zu bewahren.

"Ich wurde als Europäer geboren. Mit 13 Jahren war ich der Meinung, dass Muslime Barbaren sind und der Islam etwas Schlechtes ist", sagt Leopold Weiss alias Muhammad Asad. So sei es ihm in der Schule beigebracht worden. Erst viel später habe er die islamische Welt bereist. "Erst dann erfuhr ich einiges über den Islam und erkannte, wie falsch ich lag."

Seine Neugierde und sein Wissensdurst führen ihn in Metropolen wie Berlin und New York. Auch in die entlegensten Ecken des Nahen und Mittleren Ostens. Dabei erlebt er Abenteuer, die so legendär sind, dass sie einen Indiana Jones erblassen lassen würden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Rauf Ceylan (Religionssoziologe und Professor für Gegenwartsbezogene Islamforschung an der Uni Osnabrück)
  • Georg Misch (Dokumentarfilmer und Professor an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien)
  • Günther Windhager (Kultur- und Sozialanthropologe, Muhammad-Asad-Biograf)
  • Muhammad Asad: Der Weg nach Mekka. Düsseldorf 2009
  • Muhammad Asad: Die Botschaft des Koran. Düsseldorf 2009
  • Günther Windhager: Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Von Galizien nach Arabien 1900-1927. Wien 2002

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Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Thomas Bleul

Gummi, Glanz und Elend: der tragische Erfinder Charles Goodyear

Gummi, Glanz und Elend: der tragische Erfinder Charles Goodyear WDR Zeitzeichen 01.07.2025 14:53 Min. Verfügbar bis 02.07.2099 WDR 5

Der Amerikaner Charles Goodyear, "Vater der Vulkanisation", ist sehr erfindungsreich aber zeitlebens kein guter Geschäftsmann. So stirbt er am 1.7.1860 hochverschuldet.

Auf der Weltausstellung 1851 erhält Charles Goodyear einen eigenen Ausstellungshof, den "Goodyear’s Vulcanite Court". Das Besondere: Alles ist komplett aus Gummi. Wände, Möbel, sogar Musikinstrumente. Sie sollen zeigen, was mit dem Werkstoff möglich ist. Für Goodyear ist es mehr als Show: ein sichtbarer Ausdruck seiner Vision von einer flexiblen, industriellen Zukunft. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Volker Krings, Chemiker beim Deutschen Kautschuk-Verband ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann :
  • wie Goodyear durch einen Klecks auf dem Herd den modernen Werkstoff Gummi entdeckt,
  • warum seine geniale Erfindung ihm Schulden bringt, aber keinen Ruhm,
  • warum ein Besuch in einem New Yorker Geschäft Goodyears "Erweckungserlebnis" wird,
  • wie seine Entdeckung nach einem römischen Feuergott benannt wird.

Ohne Charles Goodyear hätte Flugzeug bei der Landung keine Chance. Die Reifen, die die Maschine sicher auf den Boden bringen, verdanken ihre Elastizität einem Zufall: Goodyear experimentiert 1839 mit Naturkautschuk und Schwefel - als plötzlich etwas von der Mischung auf die heiße Herdplatte tropft. Der Effekt ist verblüffend, denn der Stoff verbrennt nicht, sondern wird elastisch, stabil - und wetterfest. Das Verfahren: Vulkanisation.

Goodyear ist ein erfinderischer Tüftler, aber kein erfolgreicher Geschäftsmann. Seine Forschungen bringen ihn zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. So verkauft er die Schulbücher seiner Kinder, lebt in Armut und sitzt sogar zeitweise im Gefängnis. Die Reifenfirma, die später seinen Namen trägt, erlebt er nicht mehr. Doch sein Werkstoff bleibt – und prägt bis heute Produkte des Alltags: vom Flugzeugreifen bis zum Babyschnuller.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Autor: Kay Bandermann
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Technik: Nico Söllner

Nazis auf den Kanalinseln: Die vergessene Besatzung

Nazis auf den Kanalinseln: Die vergessene Besatzung WDR Zeitzeichen 30.06.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 01.07.2099 WDR 5

Am 30.6.1940 beginnt die Nazi-Besetzung der Kanalinseln - Besitz der britischen Krone. Eine jenseits der Inseln vergessene Geschichte von Anpassung, Kontrolle und Schuld.

Anfangs sind die Keller noch voll mit gelagerten Äpfeln und Kartoffeln, aber hinter Heidekraut und Strandhafer wächst schnell der Atlantikwall mit Betonbunkern und Panzerwällen. Die Kanalinseln Guernsey und Jersey, die zunächst noch als vermeintlicher Zufluchtsort vor dem Krieg gelten, sind über Nacht selbst zur Front geworden. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Amy Malcolm, Vicepresident of the Channel Island Occupation Society ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:
  • dass die Kanalinseln im Besitz der britischen Krone, aber kein britisches Staatsgebiet sind,
  • warum sich viele Familien mit Kaffee aus verbrannten Pastinaken und Kaninchenbraten über Wasser halten müssen,
  • wieso die Insel bis weit nach dem D-Day besetzt bleibt und nicht von den Briten zurückerobert wird,
  • wie ein ehemaliger deutscher Bunkerkommandant sich selbst als "ungewöhnlichen Nachbarn" bezeichnet - und daraus eine Freundschaft entsteht,
  • und wieso sich heute noch Enkelkinder in den alten Bunkern auf Spurensuche begeben.

Nur 25 Kilometer vor der französischen Küste liegen sie im Ärmelkanal - die Kanalinseln Guernsey und Jersey. Als Hitler im Juni 1940 Frankreichs Atlantikküste erobert, wendet er seinen Blick auch auf die britischen Außenposten. In London beschließt Premierminister Winston Churchill, keine Soldaten zu opfern - die Inseln sollen dem Feind kampflos überlassen werden.

Am 30. Juni landet ein deutsches Aufklärungsflugzeug auf Guernsey. Kein Schuss fällt. Weiße Fahnen liegen auf den Plätzen, es wird nicht gekämpft. Einen Tag später ist auch Jersey in deutscher Hand. Für Hitler ein Propagandasieg - obwohl die Inseln nicht zum Vereinigten Königreich gehören, sind sie geografisch gesehen ein Teil der britischen Inseln.

Für die Insulaner beginnt eine fünfjährige Besatzung - mit Ausgangssperren, Propaganda und später: Hunger - auf beiden Seiten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Peter Tabb: A pecculiar Occupation. New Perspectives on Hitler's Channel Islands. Surrey 2005.
  • Roy McLoughlin: Living with the Enemy. What really happened. St. Mary, Jersey 2014.
  • Charles Cruickshank: The German Occupation of the Channel Islands. Guernsey 1975.
  • Paul Sanders: The Ultimate Sacrifice. Jersey 1998.
  • Jonas Hoffmann-Schmidt: All you need to know about the Channel Islands. 2024.
  • Hans Max Freiherr von Aufseß: Tagebuch aus der Okkupationszeit der britischen Kanalinseln 1943-1945. Hamburg 2020.
  • Gilly Carr: Protest, Defiance and Resistance in the Channel Islands. German Occupation 1940-1945. London 2015.

Und das sind unsere InterviewpartnerInnen:
  • Amy Malcolm, Vicepresident of the Channel Island Occupation Society
  • Peter Tabb, Autor
  • Michael Billings, Geschäftsführer Jersey War Tunnels
  • Prof. Dr. Gilly Carr, außerordentliche Professorin für Konflikt, Archäologie und Holocaust-Erbe an der Universität von Cambridge

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AutorIn: Jana Magdanz
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Ein Degendieb als Symbol für den antikolonialen Kampf des Kongo

Ein Degendieb als Symbol für den antikolonialen Kampf des Kongo WDR Zeitzeichen 29.06.2025 14:42 Min. Verfügbar bis 30.06.2035 WDR 5

Es ist ein kurzer Augenblick des Triumphs in der traurigen Kolonialgeschichte des Kongo. Ein einziges Foto hält fest, wie sich Ambroise Boimbo am 29.6.1960 den Degen des belgischen Königs schnappt.

Der Fotograf Robert Lebeck ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Als einziger hält er mit seiner Kamera fest, wie ein Kongolese dem belgischen König Baudouin den Degen klaut. Das Foto wird zum Symbol für die Überwindung des Kolonialzeitalters - auch wenn die westliche Presse dem Degendieb zunächst einen erfundenen Namen gibt. *** Für das Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Dr. Boniface Mabanza, Handels- und Entwicklungsexperte, Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:
  • von einem Terrorregime und einer jahrhundertelangen Jagd auf Sklaven im Kongo,
  • warum die Rede von Regierungschef Patrice Émery Lumumba für Fassungslosigkeit bei den westlichen Gästen sorgt,
  • warum Lumumbas gewaltsamer Tod dem Land eine große Chance nimmt,
  • wie das Leben von Ambroise Boimbo nach dem Degendiebstahl weitergeht.

Es ist der 29. Juni 1960, ein Tag vor der Unabhängigkeit des Kongo. Der belgische König Baudouin grüßt anlässlich der Feierlichkeiten die Menschenmenge auf dem Prachtboulevard von Léopoldville, dem heutigen Kinshasa. In weißer Generals-Uniform steht er im offenen Cadillac, sein königlicher Degen liegt hinter ihm auf der Rückbank.

Ein elegant gekleideter Mann geht neben dem langsam fahrenden Wagen her. Plötzlich greift er zu und rennt los - genau vor die Linse des deutschen Fotografen Robert Lebeck. Der drückt schnell ab.

Der Mann wird nur wenig später von Soldaten überwältigt und der König erhält seinen Degen zurück. Erst viel später wird bekannt, dass der Dieb Ambroise Boimbo heißt, 30 Jahre alt und ein arbeitsloser Elektriker ist.

Lebecks Foto hingegen wird sofort berühmt und vielfach abgedruckt. Es gilt als das Symbolbild für die Unabhängigkeit Afrikas. Es vereint koloniale Unterdrückung, Hoffnung auf Freiheit und auch die Enttäuschung dieser Hoffnung.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Boniface Mabanza, Handels- und Entwicklungsexperte, Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika
  • Soundtrack to a Coup d’Etat. Dokumentationsfilm von Johan Grimonprez, Belgien, Frankreich. Niederlande 2024
  • Adam Hochschild: Schatten über dem Kongo. Stuttgart 2000
  • Dominic Johnson: Kongo. Kriege, Korruption und die Kunst des Überlebens. Frankfurt am Main 2014

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Autor: Thomas Pfaff
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Christoph Schneider

17 Stunden Angst: Der Bankraub von Berlin-Zehlendorf

17 Stunden Angst: Der Bankraub von Berlin-Zehlendorf WDR Zeitzeichen 28.06.2025 14:21 Min. Verfügbar bis 29.06.2099 WDR 5

Der Plan ist nahezu perfekt: Bankräuber stürmen eine Commerzbank-Filiale in Berlin. Am 28.6.1995 entkommen sie mit einer Millionen-Beute durch einen zuvor gegrabenen Tunnel.

17 Stunden lang täuschen die Bankräuber das SEK und entkommen in der Zeit durch einen selbst gegrabenen Tunnel. Ein (fast) perfekter Coup: Ein einzelner Fingerabdruck im Tunnel führt die Polizei schließlich doch zu den Tätern. *** Für das Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Ralf Kahlbau, damals Leiter beim zuständigen Raubdezernat ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer:
  • wie die Geiseln die dramatischen Stunden erleben und welche Folgen der Raub für sie hat,
  • welche zum Teil abwegigen Forderungen die Täter stellen,
  • warum ein Regenwasserrohr den Tätern jede Menge Zeit erspart,
  • wie die Polizei im Anschluss von der Presse verhöhnt wird.

In der Nacht zum 28. Juni 1995 flüchten in Berlin-Zehlendorf mehrere Bankräuber durch einen Tunnel. Im Gepäck: mehr als zehn Millionen D-Mark. Vorausgegangen ist dem Raub ein spektakuläres Ablenkungsmanöver.

Vier Männer stürmen bereits am Vortag eine Bankfiliale. Sie nehmen Angestellte und Kunden als Geiseln und fordern 17 Millionen D-Mark Lösegeld. Es folgen Telefonate, Verhandlungen und immer weitere Forderungen. Wie sich später herausstellt nur zu einem Zweck: Zeit zu gewinnen.

Kurz nach Mitternacht reißt der Kontakt zu den Geiselnehmern ab. Nach über 17 Stunden stürmt das SEK die Bank und befreit die Geiseln. Die Täter sind da längst weg - geflohen durch einen über Monate selbst gegrabenen Tunnel. Sechs von vermutlich elf Bankräubern werden später gefasst und gut die Hälfte der Beute sichergestellt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Hörtipp:

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Erik Hlacer
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Nico Söllner

Bewundert von Chaplin und Twain: die taubblinde Helen Keller

Bewundert von Chaplin und Twain: die taubblinde Helen Keller WDR Zeitzeichen 27.06.2025 14:37 Min. Verfügbar bis 28.06.2099 WDR 5

Als Kleinkind verliert Helen Keller (geb. am 27.6.1880) Hör- und Sehkraft. Doch sie lernt per Hand zu kommunizieren und wird Schriftstellerin, Aktivistin und Weltreisende.

Als Kleinkind wird Helen Keller blind und gehörlos. Ihre Lehrerin Anne Sullivan bringt ihr bei, sich mit in die Hand buchstabierten Worten auszudrücken und in Blindenschrift auf mehreren Sprachen zu lesen. Doch Keller will sprechen lernen - und schafft auch das. *** Für das Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Ursula Braun, Sonderpädagogin und Mitbegründerin der Deutschen Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:
  • wie das "Lormen", also das Buchstabieren von Texten in die Hand, funktioniert,
  • wie die einfühlsame Lehrerin Anne Sullivan Helen Kellers Leben verändert,
  • von Kellers Liebe zu Literatur, Musik und Kino,
  • von ihrem Engagement für Frauenrechte und die Ausbildung blinder Menschen.

Helen Keller ist ein gesundes Mädchen, als sie am 27. Juni 1880 im US-Bundesstaat Alabama geboren wird. Im Alter von eineinhalb Jahren erkrankt sie schwer, verliert ihr Hör- und Sehvermögen. Sprachlos und eingeschlossen in sich selbst, so erlebt Helen ihre ersten Jahre.

Kurz vor ihrem siebten Geburtstag engagieren die Eltern eine Blindenlehrerin - für das Mädchen "der wichtigste Tag meines Lebens". Anne Sullivan, eine 21-jährige Irin und selbst fast blind, öffnet ihr die Tür zur Außenwelt. Helen Keller lernt, in Blindenschrift zu lesen und schafft es an die Elite-Uni-Harvard. Ihr Studienabschluss macht weltweit Schlagzeilen und gibt Millionen Menschen, die ihr Schicksal teilen, neuen Lebensmut.

Keller schreibt zahlreiche Bücher und Essays über ihren Weg aus der Dunkelheit, tritt in TV-Shows auf und hält weltweit Vorträge. Mit mehreren Ehrendoktortiteln und Auszeichnungen überhäuft, stirbt Helen Keller mit fast 88 Jahren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ursula Braun, Sonderpädagogin und Mitbegründerin der Deutschen Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation
  • Helen Keller: Die Geschichte meines Lebens. Stuttgart 1905
  • Helen Keller: Mein Weg aus dem Dunkel. Bern 1994
  • Helen Keller: Meine Welt. Berlin 1987
  • Nella Braddy: Anne Sullivan Macy. The Story behind Helen Keller. New York 1934
  • Katja Behrens: Alles Sehen kommt von der Seele. Weinheim 2001
  • William Stern: Helen Keller - Die Entwicklung und Erziehung einer Taubstummblinden. Burbank 2022

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Autorin: Doris Arp
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Jan Roloff

Wie Conrad D. Magirus die moderne Feuerwehr erfand

Wie Conrad D. Magirus die moderne Feuerwehr erfand WDR Zeitzeichen 26.06.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 27.06.2099 WDR 5

Am 26.6.1895 stirbt in Ulm Conrad Dietrich Magirus: ein Mann, der mit Mut und Erfindergeist die Brandbekämpfung revolutioniert. Seine Ideen retten bis heute Leben.

Conrad Dietrich Magirus ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Für ihn ist es unbegreiflich, warum das Löschwesen seiner Zeit so schlecht organisiert ist. Darum macht er sich Gedanken, wie man bei Bränden Menschen schneller und besser retten kann. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Ulrich Laschet (Pressesprecher Feuerwehr Köln) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • welche Ausbildung Conrad Dietrich Magirus in Italien absolviert,
  • was der Ulmer Turnverein mit seinen Ideen zur Feuerbekämpfung zu tun hat,
  • wie er hautnah miterlebt, wie das Wort Feuerwehr erfunden wird,
  • warum seine Erfindung der Ulmer Leiter Magirus weltberühmt macht,
  • welche Leitsätze von Magirus noch heute bei der Alarmierung der 112 beachtet werden.

Drei Jahre nach dem katastrophalen Brand im Großherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe, bei dem 65 Menschen sterben und rund 200 Theaterbesucher verletzt werden, erscheint 1850 der Bestseller "Alle Theile des Feuerlöschwesens". Darin entwickelt Conrad Dietrich Magirus den Plan, die Feuerwehren militärisch zu organisieren und regt dafür eine gesetzliche Grundlage an.

Zu Hause in Ulm gründet Magirus sein erstes Unternehmen. Er verkauft im ehemaligen Kaufmannsgeschäft seines Vater Feuerwehrausrüstungsgegenstände, wie zum Beispiel seine patentierten Feuerwehrspritzen, die er noch bei anderen Fabrikanten produzieren lässt.

1874 baut er im Keller seiner Villa eine große Werkstatt. Im Garten errichtet er einen Turm, an dem er seine selbstkonstruierten Leitern ausprobiert. Das Geschäft wird ein Erfolg. Die Kundschaft sitzt nicht nur in Deutschland, sondern auch in Russland oder Japan.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ulrich Laschet (Pressesprecher Feuerwehr Köln)
  • Bernd Klaedtke (Historiker im Verband der Feuerwehren in Deutschland)
  • Martin Nestler (Ulmer Regionalhistoriker, Buchautor)
  • Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg: Miteinander, Füreinander - zum 150-jährigen Bestehen des Verbandes, Filderstadt 2013
  • Conrad Dietrich Magirus: Das Feuerlöschwesen, Ulm 1877
  • Martin Nestler: Der Feuerwehrpionier und Unternehmer Conrad Dietrich Magirus, Tübingen 2011

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Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
Technik: Christine Reinartz

Als der Kalte Krieg heiß wurde: Konfrontation in Korea

Als der Kalte Krieg heiß wurde: Konfrontation in Korea WDR Zeitzeichen 25.06.2025 14:42 Min. Verfügbar bis 26.06.2099 WDR 5

Auch 75 Jahre nach Kriegsbeginn gibt es in Korea keinen Friedensvertrag zwischen Nord und Süd. Der Beginn des tödlichen Konflikts am 25.6.1950 hatte auch Auswirkungen auf Deutschland.

Drei Jahre dauert der Koreakrieg, in dem mehr als drei Millionen Menschen ihr Leben verlieren. Der im Sommer 1953 vereinbarte Waffenstillstand zementiert die Teilung am 38. Breitengrad in einen kommunistischen Norden und einen kapitalistischen Süden. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf die Bundesrepublik. Weil die Alliierten weitere Eskalationen zwischen Ost und West befürchten, unterstützen die Westmächte nun schnelle die Wiederbewaffnung. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Bernd Stöver, Historiker Universität Potsdam, Prof. em. Rolf Steininger, Historiker Universität Innsbruck ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • warum der Koreakrieg die westdeutsche Wiederbewaffnung beschleunigt,
  • welchen Einfluss Stalins Tod auf den Frieden in Korea hat,
  • warum die deutsche Wirtschaft vom Koreakrieg profitiert,
  • wie die TV-Satire M.A.S.H. Anfang der 1970er Jahre den Koreakrieg wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt.

Die Alliierten des Zweiten Weltkriegs legen die Grenze zwischen Nord- und Südkorea entlang des 38. Breitengrads. So zerfällt das zuvor von Japan besetzte Land in zwei politische Systeme: Der Norden Koreas steht unter dem Einfluss von Stalin und Mao, der Süden ist durch die USA geprägt. Dennoch wünschen sich viele Koreaner eine Wiedervereinigung.

Auch die kommunistischen Nordkoreaner wollen die Einheit – notfalls mit Gewalt. Am 25. Juni 1950 überschreiten ihre Truppen die Grenze und greifen den Süden an. Ein solcher Akt der Aggression zeige die Gefahr für die Sicherheit aller freien Nationen, wendet sich der US-Präsident Harry Truman an seine Landsleute.

Die UN unter dem Oberbefehl der USA schicken Soldaten und Kriegsmaterial nach Korea. Es folgt ein dreijähriger Krieg mit Millionen Toten und ohne Sieger: Korea bleibt bis heute geteilt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Bernd Stöver, Professor für Internationale Geschichte, Universität Potsdam
  • Rolf Steininger, Professor em. Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck
  • Rolf Steininger: Der vergessene Krieg. Korea 1950-1953, München 2008
  • Bernd Stöver: Geschichte des Koreakriegs, München 2015
  • Odd Arne Westad: Der Kalte Krieg. Eine Weltgeschichte, Stuttgarg 2019

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Andrea Kath
Redaktion: Frank Zirpins

Der Schneider von Ulm: Pionier der Fliegerei und gefallener Held

Der Schneider von Ulm: Pionier der Fliegerei und gefallener Held WDR Zeitzeichen 24.06.2025 14:52 Min. Verfügbar bis 25.06.2099 WDR 5

Zu Lebzeiten verspottet, heute verehrt: Albrecht Berblinger, geboren am 24.6.1770 in Ulm, will über die Donau fliegen – und stürzt ab. Sein Scheitern liefert den Stoff für Literatur, Opern und und Filme.

Ursprünglich will Albrecht Berblinger von einem Turm des Ulmer Münsters springen, aber ein Geistlicher rät ihm dringend ab. Deshalb wählt der "Schneider von Ulm" eine hohe Mauer an der Donau, die er durch ein weiteres Holzgerüst aufstockt. So hofft er, den nötigen "Fliegewind", wie er es nennt, zu haben. Aber der Platz ist mehr als unglücklich gewählt. Durch den Temperaturunterschied zwischen Fluss und Land bilden sich am Flugplatz statt thermischer Aufwinde Abwinde – und das Unglück nimmt seinen Lauf. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochem mit: Michael Wettengel, Leiter des Stadtarchivs Ulm ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • dass Albrecht Berblinger ein talentierter Schneider ist,
  • wie er Beinprothesen und Kinderwagen konstruiert,
  • warum heute unklar ist, wie seine Flugmaschine ausgesehen hat,
  • dass sein gescheiterter Flug auch zum sozialen Absturz führt,
  • wie seine Geschichte in Literatur und Film festgehalten wird.

Von früher Jugend an hat Albrecht Berblinger ein besonderes Interesse an Technik. Doch als Waisenkind muss der am 24. Juni 1770 Geborene einen geldbringenden Beruf ergreifen. So erlernt der Ulmer das Schneider-Handwerk und baut sich ein florierendes Geschäft auf. Das Tüfteln gibt er indes nicht auf. Wie die Brüder Montgolfier, die in Frankreich erste Flugversuche im Ballon absolvieren, zieht es Albrecht Berblinger auch in die Lüfte. Sein Vorbild sind die Vögel, deren Flugtechnik er genau studiert.

Als im Mai 1811 der König Friedrich I. von Württemberg nach Ulm kommt, will Albrecht Berblinger den Flug wagen: Der Schneider von Ulm springt aus rund 20 Metern Höhe mit seinen selbst gebauten Flügeln ab, um auf die andere Seite der Donau zu gleiten. Doch es kommt anders, Berblinger stürzt plump ins Wasser. Anstatt mit Ruhm und Ehre wird er mit Spott und Hohn überhäuft. Erst zwei Jahrhunderte später wird er als Held gefeiert – als Flugpionier, der seiner Zeit um mindestens hundert Jahre voraus war.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Michael Wettengel, Leiter des Stadtarchivs Ulm

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Redaktion: Matti Hesse
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Sabotage aus der Luft? Die DDR und der Amikäfer

Sabotage aus der Luft? Die DDR und der Amikäfer WDR Zeitzeichen 23.06.2025 14:34 Min. Verfügbar bis 24.06.2099 WDR 5

Juni 1950: DDR-Protest gegen "imperialistische" US-Kartoffelkäfer. Staatliche Propaganda - oder steckt eine kuriose Sabotage hinter dem Käferbefall auf DDR-Feldern?

Wer nicht mitspielt, wird zum Problem. So auch Schädlingsbekämpfer Werner Herbig, der sich weigert, einen Artikel zu unterzeichnen, in dem den Amerikanern der Käferabwurf unterstellt wird - und prompt seinen Job verliert. In der DDR können sogar Insekten politische Karrieren beenden. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Lars-Broder Keil, Historiker, Journalist, Leiter des Unternehmensarchivs von Axel Springer und Klaus Zeyringer, Publizist, ehem. Literaturkritiker und Professor für Germanistik in Frankreich ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Gerdener:
  • wie aus einem Schädling ein Staatsfeind wird,
  • warum der Kartoffelkäfer 1950 plötzlich als US-amerikanische Biowaffe gilt,
  • wie der Spruch "Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer – achte auf den Kartoffelkäfer" in den Alltag einzieht,
  • wieso sich ganze Schulklassen auf Käfersuche machen,
  • was der "Amikäfer" mit Fake News, Propaganda und der Macht der Schlagzeile zu tun hat.

Der gelb-schwarze Kartoffelkäfer hat es schwer in der DDR - nicht nur wegen seines Appetits auf Kartoffelpflanzen, sondern auch wegen seines vermeintlichen Ursprungs. Im Frühsommer 1950 melden Bauern einen massenhaften Käferbefall - kurz nachdem angeblich westliche Flugzeuge über die Felder geflogen sind.

Die DDR-Regierung wittert Sabotage: Die Amerikaner sollen gezielt "Amikäfer" abgeworfen haben, um die Versorgung zu stören. Beweise? Fehlanzeige. Doch Propaganda-Plakate, Gedichte von Bertolt Brecht und Suchaktionen auf dem Acker machen aus dem Käfer einen politischen Gegner.

In Wahrheit sind es Hitze und eigene Versäumnisse, die eine ideale Umgebung für die Vermehrung der Schädlinge schaffen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: Fake News machen Geschichte. Gerüchte und Falschmeldungen im 20. und 21. Jahrhundert. Berlin 2017
  • Klaus Zeyringer: Breaking News. Zeitgeschehen in der Presse von 1648 bis 2001. Innsbruck 2023

Und das sind unsere Interviewpartner:
  • Lars-Broder Keil, Historiker und Journalist, Leiter des Unternehmensarchivs von Axel Springer
  • Klaus Zeyringer, Publizist, ehem. Literaturkritiker und Professor für Germanistik in Frankreich

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Autor: Christian Gerdener
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christoph Schneider

Bonnie Prince Charlie: Schottlands letzte Chance auf die Krone

Bonnie Prince Charlie: Schottlands letzte Chance auf die Krone WDR Zeitzeichen 22.06.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 23.06.2099 WDR 5

Am 22.6.1745 sticht Bonnie Prince Charlie in See, um mit den Jakobiten den britischen Thron zurückzuerobern. Er scheitert, flieht - und überlässt seine Landsleute der Verfolgung.

Charles Edward Stuart wird 1720 in Rom geboren - als Sohn eines vertriebenen Thronanwärters und einer polnischen Königsenkelin. Früh verliert er seine Mutter, wächst zwischen Machtanspruch und Entfremdung auf und ringt zeitlebens mit dem Einfluss seines dominanten Vaters. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. em. Michael Maurer, ehem. Uni Marburg ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Edda Dammüller:
  • warum sich Charles Edward Stuart ohne Wissen seines Vaters aufmacht, den Thron zurückzuerobern,
  • wie der Prinz als Zofe verkleidet den englischen Truppen entkommt,
  • was die Schlacht von Culloden zum Wendepunkt der schottischen Geschichte macht,
  • und wieso der Dudelsack nach der Niederlage verboten wird.

"He’s a bonnie lad!" - ein hübscher Bursche, schwärmen die Damen über Charles Edward Stuart. Der junge Prinz aus dem Exil will, was seiner Familie einst gehörte: den Thron in London.

Ohne offizielle Bündnispartner, aber mit viel Charme und einer guten Portion Übermut segelt Charles mit wenigen Getreuen nach Schottland - in der Hoffnung, Frankreich werde sich anschließen. Tatsächlich bringt er für kurze Zeit die Highlands in Aufruhr. Doch bei Culloden scheitert sein Aufstand blutig. Der "schöne Prinz" flieht über die Hebriden - und kehrt nie zurück.

Charles Edward Stuart wird in Schottland zur Symbolfigur. Auch wenn seine Geschichte nicht von politischen Erfolgen erzählt, sondern von Kühnheit, verlorener Hoffnung und tragischem Scheitern.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Edda Dammmüller
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Als 1935 die Schriftsteller laut wurden – und die Welt zuhörte

Als 1935 die Schriftsteller laut wurden – und die Welt zuhörte WDR Zeitzeichen 21.06.2025 14:24 Min. Verfügbar bis 22.06.2099 WDR 5

Vor 90 Jahren sind Faschismus und Tyrannei auf dem Vormarsch. In Paris wollen weltberühmte Autorinnen und Autoren die Kultur verteidigen, auf dem ersten Schriftsteller-Kongress ab dem 21.6.1935.

Die Freiheit des Geistes soll gegen den drohenden Krieg und gegen den Faschismus verteidigt werden. So lautet die Mission beim großen Treffen der Schriftsteller, das am 21.6.1935 in Paris beginnt. Wenig überraschend diffamiert die Nazi-Propaganda den Kongress als "zersetzend". Außerhalb Deutschlands fällt die Presseberichterstattung jedoch meist positiv aus und lobt die Vielfalt der Stimmen, die in Paris zu Wort gekommen sind. *** Für das Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Prof. Susanne Zepp-Zwirner, Romanistin, Universität Duisburg-Essen; Dr. Ralph Schock, Gustav-Regler-Experte, ehemaliger SR-Literaturchef ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • dass Bertolt Brecht um ein "wanzenfreies" Zimmer in Paris bittet,
  • über einen Streit zwischen Ilja Ehrenburg und André Breton, der mit den Fäusten endet,
  • wie Teilnehmer den Kongress in ihren Memoiren festhalten,
  • wann plötzlich "die Internationale" gesungen wird.

Lion Feuchtwanger, Robert Musil, Aldous Huxley, Bertolt Brecht: Sie alle bekunden ihre Bereitschaft, gegen das faschistische und antisemitische Hitler-Deutschland zu kämpfen. Der Schock über Hitlers Machtübernahme samt der folgenden Bücherverbrennung und Verfolgungen sitzt tief.

"Die Kultur, die wir verteidigen wollen, entsteht aus der Summe der besonderen Kulturen jedes Landes", sagt André Gide in seiner Eröffnungsrede. Die Teilnehmenden aus 38 Ländern treffen sich zweimal täglich. Fünf Tage lang wird diskutiert – und gestritten. Auch, weil der Kongress aus der Sowjetunion heraus geplant ist und man dort auf die Unterstützung der Schreibenden für den Kommunismus hofft.

"Der Kongress war nicht übel, nicht einmal ganz vergebens, glaube ich. Es ist gut, sich zu zählen", urteilt Heinrich Mann später. Moskau ist es jedoch nicht gelungen, das Treffen zu einer sozialistischen Propaganda-Veranstaltung zu verbiegen. Zu unterschiedlich sind die Weltanschauungen, die in Paris aufeinandertreffen. Eine Vielfalt, die ihre Freiheit mit Federn statt mit Waffen gegen den Faschismus verteidigen will.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Susanne Zepp-Zwirner, Romanistin, Universität Duisburg-Essen
  • Dr. Ralph Schock, Gustav-Regler-Experte, ehemaliger SR-Literaturchef
  • Susanne Zepp-Zwirner: Regions of History. The International Congress for the Defense of Culture, Paris 1935, in: Ruth Fine, Arie M. Kacowicz, Galia Press-Barnathan (Hg): The Relevance of Regions in a Globalized World, London 2018
  • Wolfgang Klein: Als der Apparat nicht funktionierte. Geschichte der Vorbereitung des Pariser Schriftstellerkongresses 1935, in: Wolfgang Asholt u.a. (Hg.): Unruhe und Engagement. Blicköffnungen für das Andere. Festschrift für Walter Fähnders zum 60. Geburtstag, Bielefeld 2004
  • Gisèle Freund: 1. Internationaler Schriftsteller-Kongress zur Verteidigung der Kultur, Paris 1935. Fotografien. Ausstellungskatalog 1996.

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Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: David Rother
Technik: Thomas Bleul

Kim Philby - vom Cambridge-Studenten zum Sowjet-Spion

Kim Philby - vom Cambridge-Studenten zum Sowjet-Spion WDR Zeitzeichen 20.06.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 21.06.2099 WDR 5

Ein sowjetischer Spion als Chef des britischen Geheimdienst? Mit Kim Philby wäre der Coup beinahe gelungen. Eine Agentengeschichte, die sich wie ein Roman liest.

Der britische Agent Kim Philby verkauft keine Geheimnisse an Moskau, er verrät sie aus Überzeugung: Den Reichen sei es viel zu lange zu gut gegangen, und den Armen viel zu lange zu schlecht, findet er schon als Student in Cambridge. 1940 wird er vom britischen Geheimdienst angeworben – zu diesem Zeitpunkt steht Philby bereits im Dienst der Sowjetunion. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Phillip Knightley, Journalist und Philby-Biograf; Thomas Riegler, Historiker ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • wie der Journalist Phillip Knightley 25 Jahre auf ein Interview mit Kim Philby wartet.
  • was James Bond mit Kim Philby zu tun hat,
  • über seine Arbeit für den Wiener Untergrund,
  • wie Kim Philby geheime Akten dem KGB zukommen lässt,
  • dass der britische Geheimdienst Philby schon 1953 als Doppelagenten ausgemacht hat.

Als Sohn eines britischen Kolonialbeamten gehört Kim Philby zur Oberschicht des Empire und besucht die besten Schulen des Landes. Während seines Studiums in Cambridge kommt er mit der Kommunistischen Internationalen in Kontakt und sympathisiert mit deren "Gleichheitsideal". Bald schon wird er vom KGB angesprochen. Der sowjetische Geheimdienst sucht junge Studenten, denen aufgrund ihrer Herkunft eine glänzende Karriere prognostiziert wird.

Philby sagt aus Überzeugung zu und empfiehlt gleich noch weitere Kandidaten, mit denen er gemeinsam den Agentenring der Cambridge Five bildet. Im Sommer 1940 gelangt Kim Philby über die Kontakte des Vaters zum britischen Geheimdienst. Nun kann er noch wertvollere Dokumente und Geheimnisse liefern. Zwischenzeitlich arbeitet er sogar in Washington und hat Zugang zu US-Akten.

Dann werden die westlichen Geheimdienste misstrauisch. Kim Philby wird 1963 enttarnt und setzt sich nach Moskau ab, wo er 1988 stirbt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Phillip Knightley, Journalist und Philby-Biograf
  • Thomas Riegler, Historiker, Wien, spezialisiert auf Geheimdienste im Kalten Krieg
  • Thomas Riegler: Der Wiener Spionagezirkel. Wien 2024

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Autor: Martin Herzog
Redaktion: Frank Zirpins

Medienzar und Hitlers Helfer: Alfred Hugenberg

Medienzar und Hitlers Helfer: Alfred Hugenberg WDR Zeitzeichen 19.06.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 20.06.2099 WDR 5

Alfred Hugenberg, am 19. Juni 1865 geboren, lenkt Presse und Politik in der Weimarer Republik. Seine Schlagzeilen ebnen dem Nationalsozialismus den Weg an die Macht.

Der kaisertreue und konservativ-deutschnationale Unternehmer Alfred Hugenberg ebnet Adolf Hitler 1933 den Weg zur Macht. Diese Zusammenarbeit wird er später bereuen: "Ich habe die größte Dummheit meines Lebens gemacht, ich habe mich mit dem größten Demagogen der Weltgeschichte verbündet", soll er kurz nach Hitlers Eid geäußert haben. Die von Hugenberg geführte Deutsch-Nationale Volkspartei und er selbst sind nach Hitlers Machtergreifung schnell ohne Bedeutung. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Harald Jähner, Kultur-Journalist, Jens Bisky, Kulturforscher ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz:
  • warum Alfred Hugenberg vom ersten Tag der Weimarer Republik an als Abgeordneter gegen die Demokratie arbeitet,
  • wieso die von ihm geführte Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) die NSDAP unterstützt,
  • dass er von Adolf Hitler nach der Machtübernahme 1933 zum Minister ernannt wird,
  • warum Alfred Hugenberg schon im Juni 1933 seinen Rücktritt einreicht,
  • wie die Nationalsozialisten Hugenbergs Konzern Stück für Stück zerschlagen.

Die parlamentarische Republik hat Alfred Hugenberg nie gewollt: "Seit 1919, seit Weimar, sitze ich im deutschen Parlamente, und bin doch nie Parlamentarier geworden", sagt Hugenberg einmal. Vielmehr träumt der Verleger davon, im Osten neuen Lebensraum für die "Deutschen" zu erobern. Er hegt auch keinen Zweifel an der "Ungleichheit der Menschen" aufgrund ihrer "rassen-anthropologischen Merkmale".

Um seine Ideen zu verbreiten, kämpft sich Alfred Hugenberg an die Macht: Spitzen-Beamter, Bankdirektor, Finanzchef bei Krupp. 1916 steigt er ins Mediengeschäft ein, ein Jahrzehnt später übernimmt der Kaisertreue die UfA in Potsdam. Nun kann er diktieren, welche Informationen verbreitet werden.
Unterstützung findet Alfred Hugenberg bei den alten Eliten, die sich in der von ihm geführten Deutsch-Nationalen Volkspartei einfinden. Seine Strategie, mit Hitler an der Spitze die konservativen Stimmen einzusammeln, um den NSDAP-Führer später zu zähmen, entpuppt sich indes als verhängnisvolle Fehleinschätzung.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Harald Jähner, Kulturjournalist
  • Jens Bisky, Kulturwissenschaftler
  • Michael Schellhorn: Alfred Hugenberg. Göttingen 2025.
  • Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches. München 2019.
  • Walter Mühlhausen: Das Weimar-Experiment. Die erste deutsche Demokratie 1918–1933. Bonn 2019.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Uwe Schulz
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

Der Goldrausch und ein Schweizer in Kalifornien: John Sutter

Der Goldrausch und ein Schweizer in Kalifornien: John Sutter WDR Zeitzeichen 18.06.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 19.06.2099 WDR 5

Ohne den Schweizer Johann August Sutter (gestorben am 18.6.1880) wäre die Geschichte Kaliforniens wohl anders verlaufen. Er wurde als John Sutter berühmt - und verarmte in dem Goldrausch, den er mit ausgelöst hatte...

Sutter Park Way, Sutter Club, Suttersville Elementary School: John Sutter ist bis heute untrennbar mit der kalifornischen Hauptstadt Sacramento verbunden. Die Statue von John Sutter steht allerdings nicht mehr vor dem Sutter Medical Center: Sie wurde auf Wunsch indigener Gruppen entfernt, die in ihm weniger den Wild-West-Pionier sehen als einen Repräsentanten von Sklaverei und Kolonisierung. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Dr. Heike Bungert, Universität Münster ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
  • dass Johann August Sutter in der Schweiz wegen Betrug zur Fahndung ausgeschrieben wird,
  • wie er sein umtriebiges Leben in den USA fortsetzt,
  • warum er über Vancouver und Hawaii nach Kalifornien geht,
  • über seinen brutalen Umgang mit der indigenen Bevölkerung,
  • wie der Goldrausch seine Siedlung zerstört.

Sein Abschied aus der Schweiz gleicht eher einer Flucht: Johann August Sutter lässt 1834 seine Frau mit den fünf Kindern und jede Menge Schulden zurück, als er über den Atlantik auswandert. Auch in den USA schlägt er sich zunächst mehr schlecht als recht durch, hinterlässt geprellte Investoren und unbezahlte Kredite.

Doch John Sutter, wie er sich in der neuen Heimat nennt, tritt wortgewandt und weltmännisch auf. So erhält er von der mexikanischen Regierung ein Stück Land zur Besiedlung. Dort, wo später das Sacramento Valley entstehen wird, regiert Sutter mit harter Hand: "Ich war alles: Patriarch, Priester, Vater, Richter." Teile der indigenen Bevölkerung soll er zur Zwangsarbeit verpflichtet haben.

Als 1848 auf seinem Grundstück Gold gefunden wird, kann er sich vor dem Ansturm der Menschen nicht mehr retten. Verbissen kämpft Sutter um eine Entschädigung für seinen zerstörten Besitz von der US-Regierung. Doch vergeblich: Er stirbt am 24. Juni 1880 in einem Hotel in Washington.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Heike Bungert, Lehrstuhl für Nordamerikanische Geschichte Universität Münster
  • John Fraser: Sutter's Fort State Historic Park
  • Johann August Sutter: Neu-Helvetien - Lebenserinnerungen. Frauenfeld 1934
  • Stephan Bierling: Kleine Geschichte Kaliforniens. München 2006
  • Theophile de Rutté: Abenteuer Goldrausch. Basel 2008

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Autor: Christoph Tiemann 
Redaktion: David Rother
Technik: Tobias Thomas-Wübbena

Er wollte nicht "Dr. Ecstasy" sein: Alexander Shulgin

Er wollte nicht "Dr. Ecstasy" sein: Alexander Shulgin WDR Zeitzeichen 17.06.2025 14:38 Min. Verfügbar bis 18.06.2099 WDR 5

Vor 100 Jahren, am 17.6.1925, wird der US-Chemiker Alexander Shulgin geboren. Er synthetisiert erstmals die Substanz MDMA, heute besser bekannt als Partydroge Ecstasy.

Jahrzehntelang entwickelt der russischstämmige Chemiker und Pharmakologe Alexander "Sasha" Theodore Shulgin systematisch synthetische Halluzinogene. Mehr als 300 psychoaktive Verbindungen synthetisiert er – und testet sie im Selbstversuch mit seiner Frau Ann Shulgin. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Tobias Schwarz, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte:
  • warum Alexander Shulgin von einem Glas Orangensaft mit einer Prise Zucker bewusstlos wird,
  • wie die US-amerikanische Drogenbehörde DEA Shulgin seine Experimente mit psychoaktiven Substanzen ermöglicht,
  • wie MDMA als Partydroge den Weg von den USA nach Ibiza und schließlich nach Großbritannien findet,
  • warum MDMA Streitobjekt in einem Kulturkampf wird.

Der Chemiker und Pharmakologe Alexander Theodore Shulgin wächst als Lehrerkind in Berkeley an der US-Westküste auf. Mit 16 Jahren geht er zum Chemiestudium nach Harvard und unterbricht das Studium mit 19 Jahren, um zur US Navy zu gehen. Nach seinem Kriegsdienst studiert Shulgin weiter, promoviert 1955 in Biochemie. Kurz darauf beginnt er, für den Konzern Dow Chemical zu arbeiten, wo er ein sehr erfolgreiches Insektenvernichtungsmittel entwickelt.

1965 synthetisiert Shulgin in den USA erstmals das Molekül, das später als Ecstasy bekannt wird: 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin, kurz MDMA. Die New York Times bezeichnet ihn daraufhin als "Doctor E" – E für Ecstasy. Doch Shulgin wehrt sich: Er habe die Substanz nicht so genannt – und der Name führe zu nichts Gutem.

Sein Arbeitgeber Dow Chemical hält nicht viel von Shulgins Experimenten mit psychoaktiven Drogen. 1966 verlässt er das Unternehmen und baut sich sein eigenes Labor in der Nähe von San Francisco auf, wo er als forensischer Chemiker fortan an neuen psychoaktiven Substanzen arbeitet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Phil Hartnoll, Technoproduzent bei Orbital
  • Tobias Schwarz, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
  • Torsten Passie, Psychiater und Autor
  • Rachel Nuwer: I feel love. MDMA and the Quest for Connection in a Fractured World, London 2023
  • Torsten Passie: The History of MDMA, Oxford 2023

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Autor: Christian Werthschulte
Redaktion: David Rother
Technik: Sarah Fitzek

Brille tragen leicht gemacht: Die "Glasmacherin" Marga Faulstich

Brille tragen leicht gemacht: Die "Glasmacherin" Marga Faulstich WDR Zeitzeichen 16.06.2025 14:21 Min. Verfügbar bis 17.06.2099 WDR 5

Die Chemikerin Marga Faulstich, am 16.6.1915 in Weimar geboren, prägte als Pionierin der Optik mit über 40 Patenten maßgeblich die moderne Brillenglasherstellung.

Die deutsche Chemikerin Marga Faulstich ist die erste weibliche Führungskraft bei Schott-Glas in Mainz und eine der besten auf ihrem Gebiet: 44 Jahre lang entwickelt sie für die Schott-Glaswerke Hunderte Typen optischer Gläser. Noch im Ruhestand hält sie Vorträge auf Glas-Kongressen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Judith Hanft, Archivarin bei Schott in Jena ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • wie Marga Faulstich zum Spitznamen "Kugelblitz" kommt,
  • warum die westlichen Alliierten 41 Mitarbeiter der Glaswerke Schott aus der sowjetischen Besatzungszone nach Heidenheim, Zwiesel und Landshut bringen,
  • warum der Vorstandvorsitzende Erich Schott die Mitarbeiterin Marga Faulstich recht unpassend als "teuerstes Mädchen von Schott" bezeichnet,
  • warum das Brillenglas "Schwerflint 64" so revolutionär ist.

Marga Faulstich fängt 1935 als Laborantin bei den Glaswerken Schott in Jena an. Im Laufe ihres Lebens entwickelt sie 300 optische Gläser und bekommt mehr als 40 Patente. Ihre wohl wichtigste Erfindung ist ein Leichtgewichtglas mit hoher Lichtbrechung für Brillengläser. Brillenfassungen werden damit leichter und filigraner, dazu werden in der Herstellung Rohstoffe gespart.

44 Jahre lang arbeitet Marga Faulstich für Schott. Ihr gelingt in dieser Zeit eine weitere grandiose Erfindung: die selbsttönende Sonnenbrille. 1972, nach unzähligen Versuchsschmelzen mit verschiedensten Stoffen und Zusammensetzungen, findet sie die richtige Mischung für das "phototrope" Glas. Spezielle Metalloxide führen dazu, dass sich das Glas bei Sonneneinstrahlung selbst verdunkelt und wieder aufhellt, wenn es keine Sonneneinstrahlung mehr gibt. 1998 stirbt Marga Faulstich im Alter von 82 Jahren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Judith Hanft, Archivarin bei Schott in Jena
  • Archiv der Firma Schott
  • Schott Glaswerke (Hrsg.): Von Jena nach Mainz - und zurück. Schott-Geschichte zwischen Kaltem Krieg und deutscher Wiedervereinigung, Mainz 1995

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Autorin: Martina Meißner
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Rückkehr aus dem Reich des Todes: Amundsens Nordpolflug 1925

Rückkehr aus dem Reich des Todes: Amundsens Nordpolflug 1925 WDR Zeitzeichen 15.06.2025 14:52 Min. Verfügbar bis 16.06.2099 WDR 5

Roald Amundsens größter Triumph? Nicht das gewonnene Rennen zum Südpol - die Rückkehr vom dramatisch gescheiterten Nordpolflug am 15.6.1925: Ein Kampf ums Überleben im Eis.

Obwohl Roald Amundsen sein eigentliches Ziel nicht erreicht, gilt die Flugexpedition zum Nordpol als sein größter Triumph. Der Forscher und Abenteurer schafft es, sich selbst und sein gestrandetes Team nach drei Wochen im Eis wieder lebend nach Norwegen zu bringen. Wohl auch, weil alle ihm vertrauen. Immerhin war er von all seinen Forschungsreisen lebend zurückgekehrt. *** Gesprochen haben wir unter anderen mit: Tor Bomann-Larsen, Historiker ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • warum Roald Amundsen den US-Amerikaner Lincoln Ellsworth für die Flugexpedition benötigt,
  • welche Rolle der Dornier-Techniker Karl Feucht spielt,
  • mit wie wenig Nahrung die Expeditionsteilnehmer im Eis überleben,
  • über die zermürbende arktische Ödnis, "die weiße Leere", die den Gestrandeten mental zusetzt.

Als Roald Amundsen am 21. Mai 1925 zum Nordpol aufbricht, ist er bereits weltberühmt: Der Norweger hat als erster den Südpol mit dem Schlitten erreicht und die Nordwestpassage mit dem Boot durchquert. Nun zieht es ihn in die Luft. Das zweimotorige Flugboot Dornier Do J, auch "Wal" genannt, scheint ihm dafür ideal, denn es kann auf Wasser starten und landen.

Mit zwei Flugzeugen und jeweils drei Mann Besatzung heben die Forscher gen Norden ab. Doch nach nur acht Stunden müssen sie notlanden – und sitzen im unebenen Eis fest. Ein Abflug vom Wasser aus ist nicht möglich. Also hacken die Männer wochenlang eine Startbahn ins Eis, bewegen dabei mindestens 500 Tonnen Gefrorenes. In letzter Sekunden heben die Totgeglaubten ab und werden bei ihrer Rückkehr als Helden gefeiert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Tor Bomann-Larsen, Historiker, Biograf der norwegischen Königsfamilie
  • Angela Libal, Kuratorin Dornier-Museum Friedrichshafen
  • Tor Bomann-Larsen: Amundsen. Bezwinger beider Pole. Hamburg 2019
  • Roald Amundsen, Linclon Ellswoth: Our Polar Flight. The Amundsen-Ellsworth Polar Flight, New York 1925

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Autor: Martin Herzog
Redaktion: Matti Hesse

Der Jesuit, der Japan beschrieb: Luis Froís

Der Jesuit, der Japan beschrieb: Luis Froís WDR Zeitzeichen 14.06.2025 14:28 Min. Verfügbar bis 15.06.2099 WDR 5

Am 14.6.1585 beginnt der Missionar Luis Froís mit Berichten über das ferne Japan. 440 Jahre später taucht der Portugiese wieder auf: im Videospiel Assassin's Creed.

Mit 16 verlässt Luis Froís den Hof von König Johann dem Frommen in Lissabon, um am St. Pauls College der Jesuiten in Goa zu studieren. Mehr Abenteurer als frommer Kirchenmann zieht er sich schließlich nach Japan weiter - und berichtet ausführlich, was er dort erlebt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dr. Bernhard Scheid, Japanologe an der Akademie der Wissenschaften Wien ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
  • welche Eindrücke die ersten Europäer in Japan sammeln,
  • wie die Jesuiten vom indischen Goa aus ihre Missionsarbeit auf Japan und China ausweiten,
  • wie detailliert der Jesuit Luis Froís über die Menschen und das Land Japan berichtet,
  • warum ihn noch immer Millionen Menschen kennen.

Europa im 16. Jahrhundert. Die seefahrenden Nationen erkunden die Weltmeere. Aber über Japan wissen sie kaum etwas. Erst 1543 kommt es zu einem ersten Kontakt, als portugiesische Händler mit einem chinesischen Schiff auf Tanegashima landen, einer Insel im Süden Japans. Der erste Missionar lässt nicht lange auf sich warten.

Francisco Xavier ist bekannt als heiliger Franz Xaver. Er gehört zu den Mitbegründern des Jesuitenordens. Sein Auftrag: Die Lehre Christi in Asien zu verbreiten. Auch der Portugiese Luis Froís ist ein Bruder dieser Gesellschaft Jesu. Wie Xaver ist er zunächst in Goa stationiert, der portugiesischen Enklave in Indien. Erste Meriten verdient er sich als Chronist und Verfasser von Jahresberichten. In Goa begegnet er auch Franz Xaver, der begeistert von Japan berichtet. Dorthin will auch Froís. 1563 erfüllt sich dieser Traum.

Froís verfasst ein Traktat ohne Titel. Darin schreibt er über Männer, Frauen, Kinder. Künste, Theater, Tänze und Instrumente. Über Essen und Trinken, Medizin und Krankheiten, Religion und Kriegsführung. Er vergleicht und beschreibt die Gärten, die Architektur und die Seefahrt. Froís stellt heute die wichtigste Einzelquelle zur Jesuitenmission dar.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Dr. Bernhard Scheid, Japanologe an der Akademie der Wissenschaften Wien

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Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock
Redaktion: Christoph Tiegel, David Rother und Sefa Inci Suvak

Visionär eines Palästina im Frieden: Martin Buber

Visionär eines Palästina im Frieden: Martin Buber WDR Zeitzeichen 13.06.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 14.06.2099 WDR 5

Martin Buber spricht unbequeme Dinge aus, eckt politisch und in Religionsfragen an. Und er streckt im Dialog eine Hand der Versöhnung aus. Am 13.6.1965 stirbt Buber.

Martin Buber ist als Religionsphilosoph eine prägende Stimme des europäischen Judentums, dabei hält er wenig von Synagogengängen und religiösen Traditionen. Er habe keine Lehre, sagt er, sondern nehme andere an der Hand, führe sie zum Fenster und zeige auf das, was draußen ist. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Hans-Peter Müller, Soziologe, Humboldt-Universität Berlin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • was Martin Buber als Dreijährigen schwer traumatisiert,
  • wieso Martin Buber viersprachig aufwächst,
  • warum Bubers Ehefrau bis in sein hohes Alter seine Texte korrigieren muss,
  • wie die SA Martin Buber 1933 zum Rücktritt von seiner Professur nötigt,
  • wie Buber 1953 mit der Annahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels für Empörung sorgt.

Martin Buber träumt von einem lebendigen Judentum. Einem Glauben, der nicht in Gesetzen erstarrt, sondern in menschlichen Beziehungen lebt.

Der Religionsphilosoph wächst in Lemberg, dem heute ukrainischen Lwiw, bei seinen Großeltern Salomon und Adele Buber auf. Er hat eine glückliche Kindheit und er liebt die Stadt Lemberg. Deutsch lernt Martin von Großmutter Adele, die sich die Sprache mittels deutscher Literatur selbst beibringt. Heimlich. Denn für jüdische Mädchen gilt jede Art von Lektüre als unziemlich.

Nach dem Studium arbeitet Buber als Journalist und Verlagslektor. Wird eine der wichtigsten Stimmen der jüdischen Bevölkerung Europas. Er zieht mit seiner Frau und den zwei Kindern nach Heppenheim und lehrt ab 1924 jüdische Religionslehre an der Universität Frankfurt.

1938 migriert die gesamte Familie nach Palästina und Buber wird Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Doch in Israel bleibt Martin Buber ein Außenseiter. Er wird zwar geachtet als Gelehrter. Aber Israels Gründerväter können seine fortwährende Kritik am Umgang mit den Palästinensern nicht akzeptieren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Hans-Peter Müller, Soziologe, Humboldt-Universität Berlin
  • Dr. Wolfgang Krone, Vorsitzender der Martin-Buber-Gesellschaft
  • Martin Buber: Das dialogische Prinzip. Ich und Du, Gütersloh 2024
  • Martin Buber: Begegnung. Autobiographische Fragmente, Heidelberg 1986
  • Paul Mendes-Flohr: Martin Buber. Ein Leben im Dialog, Berlin 2022

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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

Hitlers Vorzeige-Boxer: "Tiefschlag-Weltmeister" Max Schmeling

Hitlers Vorzeige-Boxer: "Tiefschlag-Weltmeister" Max Schmeling WDR Zeitzeichen 12.06.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 13.06.2099 WDR 5

Ein gegnerisches Foul macht ihn am 12.6.1930 zum Weltmeister. Erst dafür verspottet, wird Schmeling dann doch zum Jahrhundertboxer – und zum Propaganda-Liebling der Nazis.

Max Schmeling wurde 1905 im Kaiserreich geboren, in der Weimarer Republik Box-Weltmeister, in der NS-Zeit zum Helden und im Wirtschaftswunder reich: Er sicherte sich als erster deutscher Boxer im Schwergewicht seinen Platz in der deutschen Geschichte, die er fast ein Jahrhundert lang erlebte. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderen mit: Dr. Andreas Höfer, Direktor des Deutschen Sport- und Olympia-Museums in Köln ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • dass ein Kinofilm den jungen Max Schmeling zum Boxen inspiriert hat,
  • wie er sich innerhalb kürzester Zeit an die deutsche Spitze trainiert,
  • welche Rolle Schmeling im Zweiten Weltkrieg spielt,
  • wie er nach der Sport-Karriere dank Coca Cola zum erfolgreichen Geschäftsmann aufsteigt.
Es ist ein Duell der Giganten: Am 12. Juni 1930 beobachten knapp 80.000 Fans im New Yorker Yankee Stadium wie Max Schmeling und Josef Paul Zukauskas, alias Jack Sharkey, um den Weltmeister-Titel kämpfen. Der US-Amerikaner ist der klar bessere Boxer – macht aber Fehler. Das wird ihm zum Verhängnis, denn in der vierten Runde landet sein Schlag unterhalb der verbotenen Gürtellinie. Der Schiedsrichter disqualifiziert Sharkey. Max Schmeling ist damit der erste deutsche Boxweltmeister im Schwergewicht.

In der Heimat wird Max Schmeling jedoch als "Tiefschlag-Weltmeister" verspottet. Fokussiert und voller Ehrgeiz lässt sich der Boxweltmeister nicht unterkriegen und trainiert weiter. Im Juni 1936 trifft er auf Joe Louis. Der junge Schwarze US-Amerikaner gilt als unschlagbar: In 27 Kämpfen hat er 27 Mal gewonnen. Alles spricht für Louis. Doch Schmeling schlägt Louis K.O. – eine Sensation! Jetzt jubelt ganz Deutschland. Und das Nazi-Regime stilisiert Max Schmeling zum deutschen Helden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Andreas Höfer, Direktor des Deutschen Sport- und Olympia-Museums in Köln
  • Volker Kluge: Max Schmeling – eine Biografie in 15 Runden, Berlin 2004
  • Max Schmeling: Erinnerungen, Berlin 1995
  • Horst Vetten: 40 Jahre Ruhm: Max Schmeling. Hörfunk-Feature, Gemeinschaftsproduktion von WDR, BR und SFB, 1970

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Autor: Burkhard Hupe
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

Für sie saß jeder still: Julia Margaret Cameron

Für sie saß jeder still: Julia Margaret Cameron WDR Zeitzeichen 11.06.2025 14:39 Min. Verfügbar bis 12.06.2035 WDR 5

Mit einer geschenkten Kamera stürzt sich Julia Margaret Cameron (geboren am 11.6.1815) in ein künstlerisches Abenteuer. Sie wird zur wichtigsten Fotopionierin des viktorianischen Zeitalters.

Julia Margaret Cameron hält sich nicht an Konventionen, auch nicht beim Fotografieren. Wer von der resoluten Engländerin fotografiert werden will, muss sich Zeit nehmen. Cameron zelebriert das Einrichten und Komponieren eines Bildes. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Anita Hachmann, Kunsthistorikerin am Clemens-Sels-Museum in Neuss ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • wie sich das Leben Camerons ändert, als ihr Mann in Rente geht,
  • warum es der temperamentvollen Britin manchmal an Geduld fehlt,
  • wieso ihre Fotos oft unscharf sind,
  • warum sie wieder und wieder dieselben Menschen fotografiert,
  • dass ihre Schaffenszeit nur zehn Jahre währt.

Julia Margaret Cameron macht Kohlenkeller und Hühnerstall zu Dunkelkammer und Atelier. Mit 48 bekommt sie von ihrer Tochter ihre erste Kamera geschenkt - eigentlich nur zum Zeitvertreib. Doch das Geschenk markiert den Wendepunkt in ihrem Leben.

Bei Belichtung ruft Cameron "Stillsitzen, ich zähle bis 400". Was dann folgt, macht sie zu einer der wichtigsten Fotoschaffenden des 19. Jahrhunderts. In Nahaufnahmen fängt sie das Wesen von Menschen ein. Unschärfen erhebt sie zum Stil. Binnen zehn Jahren schafft sie ein wegweisendes Gesamtwerk. Ihr Blick prägt die Fotokunst bis heute.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Anita Hachmann, Kunsthistorikerin, Clemens-Sels-Museum in Neuss
  • Anita Hachmann (Hrsg.): Katalog der Ausstellung "Foto, Kunst, Foto - von Julia Margaret Cameron bis Thomas Ruff", Köln 2024

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Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Nicolas Dohle

Hattie McDaniel: Ausgegrenzt bis in den Tod

Hattie McDaniel: Ausgegrenzt bis in den Tod WDR Zeitzeichen 10.06.2025 15:56 Min. Verfügbar bis 11.06.2099 WDR 5

Geboren wird Hattie McDaniel am 10.6.1895 - und zum Hollywood-Star. Als erste Person of Color holt sie einen Oscar - und wird wegen ihrer Hautfarbe doch immer wieder ausgegrenzt.

Hattie McDaniel ist Mitte der 1920er Jahre die erste Afroamerikanerin, die in den USA im Radio singen darf, allerdings zu mickrigen Gagen. Also versucht sie ihr Glück in Hollywood - und hat überraschend schnell Erfolg. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Karin Esders (Lektorin für Cultural History/Amerikanistik an der Universität Bremen) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • Dass Hattie McDaniel anfangs als Tellerwäscherin Geld verdient,
  • dass sie in einem Club erst als Klofrau arbeitet, ehe sie auf die Bühne darf,
  • mit welchen Superstars sie in Hollywood arbeitet,
  • warum Rassismusvorwürfe gegen "Vom Winde verweht" erhoben werden,
  • wie trotzig Hattie McDaniel auf die Kritik reagiert.

Hattie McDaniel schreibt Filmgeschichte: Als resolute "Mammy" im Film "Vom Winde verweht" erhält sie als erste Afroamerikanerin einen Oscar - bleibt bei Premiere und Gala jedoch an den Katzentisch verbannt.

Noch im selben Jahr wird ihr persönlicher Triumph überschattet von den Rassismusvorwürfen, die schwarze Bürgerrechtsorganisationen gegen den Film erheben. In vielen Bereichen ist McDaniel die erste Afroamerikanerin, gerät dadurch aber auch oft zwischen alle Stühle.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Karin Esders, Lektorin für Cultural History/Amerikanistik (Universität Bremen)
  • Roland Flamini: Vom Winde verweht – Der berühmteste Film der Welt und seine Geschichte. München, 1982
  • Jill Watts: Hattie McDaniel - Black Ambition, White Hollywood. Amistad, 2007
  • Carlton Jackson: Hattie. The Life of Hattie McDaniel. Lanham, New York, London, 1990

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Hörtipp: COSMO Lost Sheroes

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Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Theo Kramer

Wiener Kongress: Als Europas Landkarte neu gezeichnet wurde

Wiener Kongress: Als Europas Landkarte neu gezeichnet wurde WDR Zeitzeichen 09.06.2025 14:36 Min. Verfügbar bis 10.06.2099 WDR 5

Monatelang feiern Europas Mächtige nach Napoleons Niederlage und verhandeln die Grenzen auf dem Kontinent neu. Erst als er zurückkehrt, einigt man sich eilig (am 9.6.1815).

Mehr als 20 Jahre führt Napoleon Krieg in Europa. Nach dessen Niederlage treffen sich Vertreter vieler Staaten in Wien, um Europa neu zu ordnen. Der Wiener Kongress wird das politische und gesellschaftliche Großereignis seiner Epoche. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Thomas Schuler (Historiker und Napoleon-Experte) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:

  • wie Napoleon nach 20 Jahren Krieg an Russland scheitert,
  • warum der Kongress ausgerechnet in Wien stattfindet,
  • warum dort Diplomatie und Tanz zusammengehören,
  • wie Staaten neu formiert werden,
  • warum die Rückkehr Napoleons alle unter Druck setzt,
  • warum am Ende des Kongresses niemand mehr tanzt.

Am 9. Juni 1815 besiegelt die Schlussakte des Wiener Kongresses Europas Neuordnung nach Napoleons Sturz. Zuvor haben die Großmächte unter der Regie des österreichischen Außenministers Metternich in Wien über Grenzen, Legitimität und das Kräftegleichgewicht verhandelt.

Napoleons Rückkehr von Elba beschleunigt dabei die Entscheidungen: Preußen bekommt Gebiete im Rheinland, Polen fällt unter die Herrschaft des russischen Zaren und ein neues Königreich der Vereinigten Niederlande soll als Pufferstaat vor zukünftigen Expansionsgelüsten Frankreichs schützen. Das Ergebnis bringt dem Kontinent jahrzehntelange Stabilität.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Thomas Schuler, Historiker und Napoleon-Experte
  • Reinhard Stauber, Historiker, Universität Klagenfurt

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Autor: Herwig Katzer
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

Andrew Jackson - der schlechteste US-Präsident?

Andrew Jackson - der schlechteste US-Präsident? WDR Zeitzeichen 08.06.2025 15:17 Min. Verfügbar bis 09.06.2099 WDR 5

Andrew Jackson (gestorben am 8.6.1845) war der 7. US-Präsident, von vielen als "Old Hickory" verehrt. Andere halten seine zwei Amtszeiten für katastrophal - und sehen Ähnlichkeiten zu Donald Trump...

Er belohnt loyale Gefolgsleute mit Ämtern und setzt auf persönliche Netzwerke statt Fachkompetenz: Als 7. US-Präsident baut Andrew Jackson in seinen beiden Amtszeiten die USA um. Historiker ziehen Parallelen zu Donald Trump. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Michaela Hampf (Historikerin an der Ruhr-Universität Bochum) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • Woher Andrew Jacksons Hass auf Engländer rührt,
  • warum er versehentlich eine Ehe mit einer bereits verheirateten Frau schließt,
  • dass er als der US-Präsident mit den meisten Duellen gilt,
  • weshalb er bei seiner ersten Niederlage Wahlbetrug wittert,
  • dass er die Gewaltenteilung zugunsten des Präsidenten verschiebt,
  • welche Parallelen und Unterschiede es zu Donald Trump gibt.

Andrew Jackson stammt aus einfachen Verhältnissen. Er ist ehrgeizig, temperamentvoll und ein Haudegen. Er weiß sich durchzusetzen - zur Not mit der Pistole. Er gibt sich als Vorkämpfer des "kleinen Mannes" und wird so schließlich 7. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Seine Regierungszeit prägen radikale Entscheidungen: die Entmachtung der Second Bank of the United States, ein Zollstreit, die brutale Vertreibung indigener Völker sowie die Ausweitung der Präsidialmacht zulasten von Kongress und Ministerien.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michaela Hampf (Historikerin), Ruhr-Universität Bochum
  • Jasper Trautsch (Historiker), Universität Bonn
  • Gerste, Ronald D.: Trinker, Cowboys, Sonderlinge - Die 13 seltsamsten Präsidenten der USA. Stuttgart, 2021
  • Sikarov, David: Die USA zwischen Internationalismus und Isolationismus. Bonn, 2023
  • Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): USA - Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft. Bonn, 2024

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Hörtipp: Quarks Daily Spezial: Erfolg und Macht - Wie verändert uns der Job?


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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Irene Geuer
Redaktion: David Rother
Technik: Thomas Bleul

"Olympia des Mittelalters": Das große Königstreffen von 1520

"Olympia des Mittelalters": Das große Königstreffen von 1520 WDR Zeitzeichen 07.06.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 08.06.2099 WDR 5

12.000 Menschen, davon zwei Könige und viel Glanz, Gold und Gloria: Im Juni 1520 findet auf einem windigen Feld in Frankreich das wohl prächtigste Ritterturnier des Spätmittelalters statt.

Im Juni 1520 begegnen sich Heinrich VIII. von England und Franz I. von Frankreich mit großer Geste – doch ohne greifbares Ergebnis. Statt Verträgen gibt es Prunk, Turniere und Festgelage. Kaum ist das Friedensfest vorbei, wendet sich Heinrich dem Habsburger Kaiser Karl V. zu. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Glenn Richardson, Frühe Geschichte der Neuzeit, St Mary's University, London


In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:

  • warum Heinrich VIII. und Franz I. auf einem Feld bei Calais keine Schwerter ziehen, sondern Prunkzelte auffahren lassen,
  • wie tausend Liter Bier und springende Weinfontänen ein diplomatisches Signal setzen sollen,
  • und wer beim heimlichen Ringkampf die königliche Würde verliert.

Zwei junge Könige treffen sich bei Calais auf dem "Feld des Goldenen Tuchs" - einem Ort, der glänzt wie Bernstein in der Sonne. 12.000 Menschen sind dabei, als England und Frankreich sich nicht bekriegen, sondern gegenseitig beeindrucken wollen: mit goldbestickten Zelten, Maskenbällen und einem Bankett der Superlative.

Heinrich VIII. und Franz I. zeigen ihren Reichtum – und wer mehr davon hat. Es ist ein Wettstreit mit politischer Botschaft: Frieden durch Machtdemonstration. Das Bündnis währt nicht lange. Und doch: Für zwei Wochen herrscht ein höfischer Ausnahmezustand – wie eine Prunk-Olympiade des Mittelalters.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Glenn Richardson, Frühe Geschichte der Neuzeit, St Mary's University, London
  • Glenn Richardson: The Contending Kingdoms: France and England 1420–1700, Aldershot 2008.
  • Glenn Richardson: Renaissance Monarchy: The Reigns of Henry VIII, Francis I and Charles V, London 2002.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: David Rother

Erst verhasst, später verehrt: Thomas Mann (geb. am 6.6.1875)

Erst verhasst, später verehrt: Thomas Mann (geb. am 6.6.1875) WDR Zeitzeichen 06.06.2025 15:18 Min. Verfügbar bis 07.06.2099 WDR 5

Die "Buddenbrooks" machen ihn berühmt, seine politischen Schriften heimatlos. In Jahrhundertbüchern verarbeitet Mann Leben und Zeitgeschichte - und wird dafür lange geächtet.

Thomas Mann schreibt gegen den Strom – seine Romane zeigen ein anderes Deutschland: kritisch, nachdenklich, weltoffen. Für ihn ist Literatur kein Zierwerk, sondern ein moralischer Kompass. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Heinrich Breloer, Regisseur und Prof. Dr. Kai Sina, Germanist, Uni Münster. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:
  • wie Thomas Mann sich schon in den 1920er-Jahren gegen die Nazis wendet,
  • aus welchen pragmatischen Gründen Mann sich dafür entscheidet, seine Neigung zu jungen Männern in die Kunst zu verbannen,
  • was es mit Manns Bekenntnis, "Wo ich bin, ist Deutschland", auf sich hat,
  • warum manche Deutsche Thomas Mann als "Luxus-Emigranten" anfeinden.

Thomas Mann wird 1875 in Lübeck geboren, als Sohn eines hanseatischen Kaufmanns und einer brasilianischen Mutter. Schon früh ist er ein feinfühliger Beobachter – seiner Zeit und seiner selbst. Mit den "Buddenbrooks" schafft er sein erstes Meisterwerk, für das er auch den Literaturnobelpreis erhält.

Der Roman macht ihn berühmt, doch Thomas Mann selbst bleibt unsicher. Seine Sehnsucht, seine Zweifel, seine verborgenen Neigungen verwandelt er in Kunst.

Er ist ein Meister der Sprache, ein Künstler des Zwischentons – und zugleich ein unbeirrbarer Demokrat. Mit spitzer Feder verteidigt er später Humanität und Demokratie. Früh erkennt er die Gefahr des Nationalsozialismus – und kämpft mit Worten dagegen an.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Heinrich Breloer, Regisseur
  • Professor Dr. Kai Sina, Germanist an der Uni Münster
  • Heinrich Breloer: Ein tadelloses Glück, Der junge Thomas Mann und der Preis des Erfolgs. München 2024
  • Kai Sina: Was gut ist und was böse Thomas Mann als politischer Aktivist. Berlin 2024

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Autorin: Irene Dänzer-Vanotti
Redaktion: Carolin Rückl, Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Kindheit im Mittelalter: Gefahr, Gewalt und Geborgenheit

Kindheit im Mittelalter: Gefahr, Gewalt und Geborgenheit WDR Zeitzeichen 05.06.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 06.06.2099 WDR 5

30 bis 50 Prozent aller Kinder starben im Mittelalter vor dem Erwachsenwerden. Doch die These, Eltern hätten ihre Kinder generell vernachlässigt, ist inzwischen widerlegt.

Geboren um 1065, ist der Benediktinermönch, Geschichtsschreiber und Theologe Guibert von Nogent zu seiner Zeit fast unbekannt. Inzwischen sind seine ausführlichen autobiographischen Beschreibungen Grundlage für die Forschung zu Leben und Kindheit im Mittelalter. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Professor em. Reinhold Kaiser, Herausgeber der Lebenserinnerungen des Guibert von Nogent ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • von Guibert von Nogents schwerem Start ins Leben, den er und seine Mutter fast nicht überleben,
  • welche Ereignisse im Mittelalter als Fixpunkte in der Kindheit gelten,
  • dass die sogenannte Prügelpädagogik keinesfalls typisch mittelalterlich ist,
  • wie traumatisiert viele Jungen und Mädchen sind, die schon als Kinder ins Kloster gegeben werden.

Die detaillierten Erinnerungen des Abtes Guibert von Nogent zählen zu den wichtigsten Quellen über Kindheit im Mittelalter. Was alle Kinder in dieser Zeit verbindet: Ihr Leben ist ständig bedroht. Sie sterben an Krankheiten, verhungern, fallen ins Feuer, ertrinken in Flüssen, werden im Schlaf erdrückt oder von Tieren zerrissen.

Guibert von Nogent wird um 1055 als Kind adliger Eltern auf einer Burg bei Beauvais geboren. Mit zwölf Jahren tritt er in ein Benediktinerkloster ein, mit ungefähr 50 Jahren wird er Abt von Nogent-sous-Coucy in der Picardie. Guibert von Nogent sieht die Chance, die ihm das Leben im Kloster bietet, und ergreift sie. Er wird ein gebildeter, hochgeachteter Abt und verfasst viele Bücher.

Unter anderem schreibt er seine Lebensgeschichte auf. Guibert leidet als Erwachsener keinen Mangel und ist nicht allein. Aber er vergisst niemals, wie einsam und unglücklich er als Kind gewesen ist. Seine freimütige Erzählung wird heute mit den Bekenntnissen des Kirchenvaters Augustinus verglichen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor em. Reinhold Kaiser, Uni Zürich, Herausgeber der Lebenserinnerungen des Guibert von Nogent
  • Professor em. Gerhard Fouquet, Uni Kiel, Herausgeber eines Quellenlesebuches
  • Gerhard Fouquet: Kindheiten und Jugend in Deutschland (1250-1700). Ein Quellenlesebuch, Frankfurt a.M. 2018.
  • Guibert von Nogent: Monodiae - Einzelgesänge. Bekenntnisse und Memoiren eines Abtes aus Nordfrankreich, Freiburg 2019.
  • Shulamith Shahar: Kindheit im Mittelalter, Reinbek bei Hamburg 1993.
  • Klaus Arnold: Kind und Gesellschaft in Mittelalter und Renaissance, Paderborn, München 1980.

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Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Rettung in letzter Sekunde: Das "Wunder von Dünkirchen"

Rettung in letzter Sekunde: Das "Wunder von Dünkirchen" WDR Zeitzeichen 04.06.2025 14:24 Min. Verfügbar bis 05.06.2099 WDR 5

Der Vormarsch der Wehrmacht überrascht die britischen Truppen in Frankreich. Mit letzter Not können sie am 4.6.1940 aus dem eingeschlossenen Dünkirchen gerettet werden.

Im Frühjahr 1940 droht den Alliierten im französischen Dünkirchen eine vernichtende Niederlage. In einer beispiellosen Evakuierungsaktion gelingt es im letzten Moment, fast 340.000 Soldaten zu retten. Später ermöglicht das die Landung in der Normandie. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Emmanuel Clermont von der Tourismusbehörde der Gemeinde Dünkirchen ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
  • wie die westlichen Alliierten fast 340.000 Soldaten aus Dünkirchen evakuieren,
  • wie ausgerechnet Adolf Hitler den Alliierten einen wichtigen Zeitvorteil verschafft,
  • warum französische und britische Truppen wegen einer Fehleinschätzung bis an die französische Küste gedrängt werden,
  • warum französische Soldaten nach ihrer Evakuierung wieder zurück über den Kanal nach Frankreich geschickt werden.

Am 10. Mai 1940 beginnt die Deutsche Wehrmacht ihren Angriff gegen die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Die drei neutralen Nachbarländer Deutschlands sind Durchmarschgebiet im Kampf gegen die Militärmacht Frankreich und die mit ihr verbündete britische Expeditionsarmee.

Am Nachmittag des 20. Mai 1940 wird erstmals die Evakuierung alliierter Kräfte über den Ärmelkanal Richtung England in Erwägung gezogen. Churchill schlägt der Admiralität vor, eine große Anzahl kleiner Schiffe bereitzustellen. Daraufhin werden überall an der Kanalküste brauchbare Schiffe bis zu tausend Tonnen registriert. Die "Operation Dynamo" beginnt.

Es gibt allerdings zu wenige Kriegsschiffe, um alle schnell rauszuholen. Auch private Schiffe kommen deshalb zum Einsatz. Zum Teil sind es kleine Segelschiffe, Fischerboote, aber auch Fähren und Feuerwehrboote von der Themse. Insgesamt werden fast 340.000 Soldaten nach England evakuiert, unter ihnen etwa 200.000 Briten und 140.000 Franzosen. Die Operation geht als das "Wunder von Dünkirchen" in die Geschichte ein.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Emmanuel Clermont, Tourismusbehörde der Gemeinde Dünkirchen
  • Dr. Hauke Friederichs, sicherheitspolitischer Korrespondent für Zeit Online
  • Dr. Hauke Friederichs: Das Wunder von Dünkirchen, Berlin 2021
  • Winston Churchill: Der Zweite Weltkrieg, 1948-1953, Berlin 2003
  • Willliam L. Shirer: This is Berlin. Rundfunkreportagen 1939-1940, Leipzig 1999

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Autor: Christoph Tiemann
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Paulette Goddard: Filmstar, Glamour-Girl, Freigeist

Paulette Goddard: Filmstar, Glamour-Girl, Freigeist WDR Zeitzeichen 03.06.2025 14:26 Min. Verfügbar bis 04.06.2099 WDR 5

Paulette Goddard wird in den 1930er-Jahren als Filmpartnerin Charlie Chaplins weltberühmt. Zeitlebens versteht sie es, Glamour und Geist zu verbinden.

Dreimal heiratet Paulette Goddard innerhalb der Filmbranche, dreimal lässt sie sich wieder scheiden. Die Ehe mit Mann Nr. 2 macht sie berühmt: Charlie Chaplin, der ihr Schauspielunterricht finanziert und die erste große Hauptrolle gibt. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Andreas Thein, Filmwissenschaftler und Leiter der Sammlung und Restaurierung im Filmmuseum Düsseldorf ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • vom Hass Marlene Dietrichs auf Paulette Goddard,
  • wie Paulette Goddard Einfluss auf das Skript zum Film "Blondinen bevorzugt" nimmt,
  • von der Liste der Männer in Goddards Leben, die sich wie das "Who's Who"-Hollywoods liest,
  • wie Goddards Alkohol- und Medikamentenmissbrauch verhindert, dass Andy Warhol ihre Biografie schreibt.

Die 1920er sind die goldenen Jahre in Hollywood. Die US-Filmindustrie wird zur Weltmarke. Mittendrin: eine junge, schöne, ehrgeizige Frau. Angelockt von der Glitzerwelt des Films mit Aussichten auf Ruhm und Reichtum. Ihr Name: Paulette Goddard.

Anfang der 40er-Jahre beginnt Goddards große Zeit. Für stattliche Gagen übernimmt sie Hauptrollen mit Filmgrößen wie Clark Gable, John Wayne und Fred Astaire.

1951 lernt die Schauspielerin in New York den deutschen Schriftsteller und Emigranten Erich Maria Remarque kennen. Goddard und Remarque werden ein Paar. 1958 heiraten die beiden - Goddards vierte und letzte Hochzeit.

Im Jahr 1970 verstirbt Remarque nach schwerer Krankheit in der Schweiz. Die Schauspielerin ist tief erschüttert. Anschließend verbringt sie viel Zeit in New York, wo sie eine platonische Freundschaft mit dem schüchternen Künstler Andy Warhol pflegt.

Paulette Goddard stirbt am 23. April 1990 in der Schweiz an Herzversagen, wenige Monate vor ihrem 80. Geburtstag.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Andreas Thein, Filmwissenschaftler und Leiter der Sammlung und Restaurierung im Filmmuseum Düsseldorf
  • Juniorprofessorin Dr. Kristina Köhler, Mediengeschichte, Universität zu Köln
  • Julie Gilbert: Erich Maria Remarque und Paulette Goddard. Biographie einer Liebe. Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Gatter. München 1997.
  • Otto Friedrich: Markt der schönen Lügen. Die Geschichte Hollywoods in seiner großen Zeit, Köln 1988.
  • Joe Morella, Edward Z. Epstein: Paulette. The adventurous life of Paulette Goddard, New York 1985.
  • Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens. Frankfurt a.M. 1998.

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Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa Inci Suvak
Technik: Anne Bohnen

Gesittet plündern: Die Vandalen in Rom

Gesittet plündern: Die Vandalen in Rom WDR Zeitzeichen 02.06.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 03.06.2099 WDR 5

14 Tage lang plündern die Vandalen im Juni 455 Rom. Doch mit Vandalismus hat das kaum etwas zu tun - die Männer von Anführer Geiserich gehen methodisch und gesittet vor.

Feuer und Verwüstung, Mord und Totschlag werden den Vandalen nachgesagt. Heute hat sich der Begriff "Vandalismus" schon für kleinere Vergehen eingebürgert. Was die Vandalen allerdings wirklich bei der Eroberung Roms machen, entspricht nicht dieser Vorstellung. Sie ziehen mit Karren durch die Hauptstadt des Römischen Reiches und nehmen alles mit, was besonders wertvoll ist. Gold, Silber, Kunstwerke, Schmuck, die kaiserlichen Insignien, der Tempelschatz aus Jerusalem. Und: Mitglieder reicher Senatorenfamilien für hohe Lösegelder. Ein Plündern nach Plan - in aller Ruhe und Gemütlichkeit. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Roland Steinacher (Professor für alte Geschichte an der Universität Innsbruck) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • warum sich um die Vandalen so unglaubliche Mythen ranken,
  • wie eng eigentlich ihr Verhältnis zum römischen Apparat ist,
  • welche Propaganda der römisch-katholische Kirchenvater Augustinus verbreitet,
  • wohin sich Geiserich nach der Plünderung Roms zurückzieht,
  • wie die Vandalen aus der Weltgeschichte verschwinden.

Im Jahr 428 übernimmt Geiserich die Herrschaft über die Vandalen, als unehelicher Sohn des bisherigen Vandalen-Führers. Er gilt als klug, gerissen und weitsichtig. Unter ihm wagen die Vandalen den großen Sprung von Südspanien nach Afrika. Ihren Ursprung haben sie in Osteuropa, hierher hat sie ihre lange Wanderung geführt, im Nacken die nachrückenden konkurrierenden germanischen Stämme.

Die Vandalen erobern das ganze römische Nordafrika. Geiserich baut eine effektive Kriegsflotte auf und macht damit das westliche Mittelmeer unsicher. Seine Blitzangriffe bringen ihm den Ruf als Fürst der Finsternis ein.

Während sich die Römer in Gallien mit den Hunnen bekriegen, bereitet Geiserich die Übernahme der Macht in Rom vor. Sein Sohn verlobt sich mit der römischen Kaisertochter. Doch dann kommt ein neuer Kaiser auf dem Thron. Die Verlobung wird aufgelöst. Geiserich reagiert sofort. Seine Flotte landet im Hafen vor Rom, seine Truppen erobern die Stadt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Roland Steinacher (Professor für alte Geschichte an der Universität Innsbruck)
  • Konrad Vössing (Professor für Alte Geschichte an der Universität Bonn)
  • Roland Steinacher: Die Vandalen - Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs. Stuttgart 2016
  • Konrad Vössing: Die Vandalen. München 2018

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Autor: Heiner Wember
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Die Suche nach Ägyptens Atlantis: F. Goddio entdeckt Heraklion

Die Suche nach Ägyptens Atlantis: F. Goddio entdeckt Heraklion WDR Zeitzeichen 01.06.2025 14:38 Min. Verfügbar bis 02.06.2099 WDR 5

Es ist die große Sensation der Unterwasserarchäologie: Im Juni 2000 findet der Franzose Franck Goddio im Mittelmeer die Reste der antiken Stadt Thonis-Heraklion.

Der antike Geograf Strabon beschreibt eine Stadt am Nildelta: "Westlich von Kanopus, nahe der kanopischen Nilmündung, liegt Herakleion, in dessen Umgebung es einst auch eine Stadt namens Thonis gab." Doch wo ist diese Stadt heute? Da ist nichts, nur Wasser vor der Küste der Millionenmetropole Alexandria. Deswegen untersuchen der Franzose Franck Goddio und sein Team den Meeresboden - mit Erfolg. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Franck Goddio (Leiter der Ausgrabungen in Thonis-Herakleion in der Bucht von Abukir in Ägypten) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • warum der ehemalige Finanzberater und Mathematiker Franck Goddio 1983 auf Unterwasserarchäologie umsattelt, 
  • warum er drei Städte sucht, aber nur zwei findet,
  • wie sie den größten Schiffsfriedhof der Antike finden,
  • warum die Stadt Thonis-Herakleion vor über tausend Jahren im Meer versunken ist.

Es ist die größte Unterwassergrabung der Geschichte: Franck Goddio und sein Team suchen am Nildelta in Ägypten nach drei Städten, die in antiken Texten beschrieben werden: Kanopus, Thonis und Herakleion. Prachtvolle Städte sollen es gewesen sein, mit Tempeln, Promenaden und Hafenanlagen.

Da sich an Land keine Spuren finden lassen, vermutet Franck Goddio, dass sich die Städte unter Wasser befinden müssen. Er stellt ein Team aus internationalen Experten zusammen. Jahrelang suchen sie den Meeresboden in der Bucht von Abukir ab und vermessen ihn akribisch Meter für Meter.

Dann, im Jahr 2000, tauchen halb verborgen unter Sand, Algen und Seegras kolossale Statuen auf. Die Taucher entdecken auch eine rosa und eine schwarze Granitstele mit Inschriften, die beweisen: Sie haben das antike Thonis-Herakleion gefunden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Franck Goddio (Leiter der Ausgrabungen in Thonis-Herakleion in der Bucht von Abukir in Ägypten)
  • Max Fiederling (Unterwasserarchäologe, Universität Trier)
  • Christoph Gerigk (Unterwasserfotograf)

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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: David Rother
Technik: Sarah Fitzek

Filmikone Clint Eastwood: Western, Waffen, Widersprüche

Filmikone Clint Eastwood: Western, Waffen, Widersprüche WDR Zeitzeichen 31.05.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 01.06.2099 WDR 5

Clint Eastwood (am 31.5.1930 geboren) ist eine US-Filmikone: als Schauspieler verehrt, als Regisseur gefeiert – und ein Mann voller Widersprüche.

Seit 70 Jahren prägt Clint Eastwood die Filmgeschichte, als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Komponist. Niemand sonst im US-amerikanischen Kino kann auf eine so lange Karriere zurückblicken: 65 Hauptrollen, 41 Filme als Regisseur, 5 Oscars. Einspielergebnis weltweit: um die 1,5 Milliarden Dollar. *** Für das Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Kai Bliesener, Autor von "Clint Eastwood. Mann mit Eigenschaften."***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:
  • welches Möbelstück mit Familie Eastwood immer umzieht,
  • wie der Schauspieler zum Western-Star avancierte,
  • warum Eastwoods Kult-Figur "Dirty Harry" heute umstritten ist,
  • wie der bekennende Republikaner zu Donald Trump steht.
Aufgewachsen ist Clint Eastwood in ärmlichen Verhältnissen, seine Eltern ziehen als Wanderarbeiter durch Kalifornien. Ein Freund empfiehlt ihm, es mal in Hollywood zu probieren – so groß und gutaussehend wie Clint Eastwood als junger Mann ist. Sein Glücksfall ist die Serie "Rawhide": Sechs Jahre lang verkörpert Eastwood den sympathischen Cowboy Rowdy Yates.

Er bleibt ein Cowboy. Zusammen mit dem noch unbekannten Regisseur Sergio Leone entwickelt Eastwood den Italo-Western. 1971 wechselt der Schauspieler mit dem Stoppelbart zum Actionfilm und der radikale Polizist "Dirty Harry" wird seine neue Paraderolle. Dass er auch große Gefühle darstellen kann, zeigt Eastwood 1995 mit seiner Inszenierung von "Die Brücken am Fluss", einer Liebesgeschichte zwischen einem Fotografen und einer verheirateten Farmersfrau.

Stars wie Meryl Streep, Morgan Freeman oder Gene Hackmann loben zudem seine ruhige Art am Set, auch als Regisseur und Produzent. Mit 94 Jahren hat er gerade seinen jüngsten und angeblich letzten Film in die Kinos gebracht: Juror #2.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Kai Bliesener, Buchautor
  • Kai Bliesener: Clint Eastwood. Mann mit Eigenschaften. Marburg 2020
  • Richard Schickel: Ich bin nur ein Typ, der Filme macht. Clint Eastwood. Hamburg 2010.
  • Dokumentarfilm: Clint Eastwood. A Cinematic Legacy. Warner Bros.
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Autor: Christian Kosfeld
Redaktion: Matti Hesse

Als der Rote Baron den Boden unter den Füßen verlor

Als der Rote Baron den Boden unter den Füßen verlor WDR Zeitzeichen 30.05.2025 14:15 Min. Verfügbar bis 31.05.2099 WDR 5

Seine ersten Flugstunden sammelt Manfred von Richthofen ab de, 30.5.1915 als Luftbeobachter. Doch der Adlige will vor allem Ruhm und Orden. Und so wechselt er bald auf den Pilotensitz.

Obwohl Freiherr Manfred von Richthofen bei seinem Tod erst 25 Jahre alt ist, gilt er bereits als Nationalheld. Mit 80 Luftsiegen ist er der erfolgreichste Jagdflieger im Ersten Weltkrieg - bis er selbst in seiner knallrot angemalten Maschine nahe Corbie sur Somme abgeschossen wird. Seinen ersten Flug startet er als Flugbeobachter vom Kölner Flughafen Butzweiler Hof. ***Für dieses Zeitzeichen sprachen wir unter anderem mit Dr. Lutz Budraß, Luftfahrthistoriker an der Universität Bochum. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Raoul Mörchen :
  • wie der Kavallerist Richthofen vom Pferd ins Flugzeug kommt,
  • warum Piloten zu Beginn der 1. Weltkriegs als bessere Chauffeure gelten,
  • wie sich der Flugaufklärer Richthofen über Köln verfliegt,
  • wie aus einer Kuhweide bei Köln ein Flughafen wird,
  • wie Richthofen mit seinen Memoiren die eigene Legende beflügelt.

In den Memoiren des "Roten Barons" klingt die Fliegerei wie ein Kinderspiel. Der Flug ohne Fallschirm in klapprigen Maschinen, deren Holzflügel unterwegs auch schon mal wegbrechen, umknickende Höhenruder, zerfetzte Bespannungen, explodierende Motoren: für Manfred von Richthofen kein Grund, die gute Laune zu verlieren. Die Fliegerei, auch die unter Feindbeschuss, ist einfach "ein großer Spaß". Dieser Spaß beginnt für den gerade 23-Jährigen am 30. Mai 1915 auf dem Flugplatz Butzweiler Hof im Nordwesten Kölns.

Das spätere Flieger-Ass, der gefürchtete Rote Baron, ist als Pilot kein Naturtalent. Das Fliegen hat er nicht im Blut, er muss es mühsam lernen. Zweimal fällt er durch die Pilotenprüfung, gibt nicht auf, bis er an Heiligabend des Jahres 1915 endlich die ersehnte Nachricht erhält: bestanden!

Der Rest ist Geschichte: 80 Abschüsse gelingen ihm, so viel, wie keinem anderen - bis Manfred von Richthofen am 21. April 1918 im Alter von 25 Jahren selbst vom Himmel stürzt. Er wird am 22. April von britischen Soldaten mit allen militärischen Ehren beerdigt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Lutz Budraß, Luftfahrthistoriker, Universität Bochum
  • Werner Müller, Leiter Historisches Luftfahrtarchiv Köln
  • Joachim Castan: Der rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Stuttgart 2007/2016
  • Manfred Freiherr von Richthofen: Der rote Kampfflieger. Berlin 1917, viele Nachdrucke, auch gemeinfrei im Internet
  • Michael Schlosser: Richthofen. Der rote Baron. Stuttgart 2010
  • Geschichte der Kölner Luftfahrt

Weiterführende Links:

Hörtipp: Tatort Geschichte in der ARD-Audiothek.

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Autor: Raoul Mörchen
Redaktion: Frank Zirpins

Louise Michel, die "Königin der Anarchisten"

Louise Michel, die "Königin der Anarchisten" WDR Zeitzeichen 29.05.2025 14:28 Min. Verfügbar bis 30.05.2099 WDR 5

Mehr Rebellion passt kaum in ein Leben: Louise Michel, geboren am 29.5.1830, war Lehrerin, Frauenrechtlerin, Soldatin, Schriftstellerin – eine unangepasste Persönlichkeit.

Louise Michel, Revolutionärin und Anarchistin, genannt die "rote Jungfrau" oder "moderne Jeanne d'Arc", ist die zentrale Gestalt des Volksaufstands, der sich im Frühjahr 1871 der neuen bürgerlichen Regierung und den preußischen Siegern widersetzt. Louise Michel versorgt die Hungernden und Verwundeten und beteiligt sich auch am bewaffneten Kampf. Nach dem blutigen Ende des Aufstands macht man den RevolutionärInnen den Prozess. 1873 werden die meisten in die Strafkolonie Neukaledonien nordöstlich von Australien deportiert. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit der Biographin und Historikerin Marie-Hélène Baylac gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Sabine Mann:
  • welch seltenes Glück der unehelich geborenen Louise Michel zuteil wird,
  • warum Louise Michel als Lehrerin mittellosen Menschen Privatunterricht erteilt,
  • wie Louise Michel 1871 zur Heldin der Pariser Kommune wird,
  • was den Streetart-Künstler Banksy, die Kapitänin Pia Klemp und Louise Michel miteinander verbindet.

Louise Michel verfasst schon als Teenager Gedichte und scheut sich nicht, sie Victor Hugo zu schicken, dem berühmtesten Dichter ihrer Zeit. Es beginnt eine regelmäßige Korrespondenz über viele Jahrzehnte.

Mit 20 Jahren legt Michel das Lehr-Examen ab und organisiert Privatunterricht für Mittellose, zieht jedoch schnell nach Paris, um mit den revolutionären Kreisen dort aktiv werden zu können.

Louise Michel gründet Schulen, kämpft beim Aufstand der Pariser Kommune, wird verbannt, zur Anarchistin und schließlich Pionierin für Frauenrechte. Beim Aufstand der Pariser Kommune 1871 ist sie ohne zu zögern als Propagandistin, Sanitäterin, aber auch mit der Waffe in der Hand und in Uniform dabei. Sie schlägt sogar vor, eigenhändig den Regierungschef umzubringen.

Ihr Aktivismus bringt Louise Michel mehrere Gefängnisstrafen ein. Nach der blutigen Revolution 1871 nimmt sie nie wieder eine Waffe in die Hand.
Louise Michel stirbt am 9. Januar 1905 in Marseille. Zu ihrer Beisetzung kommen rund 120.000 Menschen.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen:
  • Marie-Hélène Baylac, Biographin und Historikerin
  • Sidonie Verhaeghe, Dozentin für politische Wissenschaften an der Universität Lille.
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Autorin: Sabine Mann
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Jürgen Becker

Der Zauberer von Oz: Ein amerikanisches Märchen

Der Zauberer von Oz: Ein amerikanisches Märchen WDR Zeitzeichen 28.05.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 29.05.2099 WDR 5

Der Mythos "Zauberer von Oz": Das Buch von Lyman Frank Baum ist jetzt 125 Jahre alt (erschienen: 28.5.1900) - seine Motive sind feste Bestandteile der Popkultur.

Weit weg wünscht sich die kleine Dorothy - ein Waisenkind, das bei armen Verwandten auf einer kleinen Farm lebt. Und weit weg kommt sie, als ein Wirbelsturm sie mit sich reißt - fort in das Märchenland Oz. Dort trifft Dorothy eine Vogelscheuche, einen Kerl aus Blech und einen Löwen. Zusammen ziehen sie zum Zauberer von Oz, der Dorothy helfen soll, den Heimweg zu finden. Die schlichte Moral des Märchens: Zuhause ist es am Schönsten. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit Prof. Robin Curtis vom Institut für Medienkultur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • wie "Der Zauberer von OZ" zum amerikanischen Mythos wird,
  • wie ein Musical von 1939 zahlreiche Zitate liefert, die im Buch von 1900 gar nicht vorkommen,
  • was "Der Zauberer von Oz", "Alice im Wunderland" und "Pinocchio" gemeinsam haben,
  • wie Salman Rushdie, Autor der "Satanischen Verse", den Zauberer von Oz deutet.

Als Lyman Frank Baum am 28. Mai 1900 die ersten Exemplare seines Buches in Händen hält, ist er sicher, etwas Besonderes geschaffen zu haben. "The Wonderful Wizard of Oz", wie das Buch ursprünglich heißt, ist seinerzeit ein ähnlicher Erfolg wie gut hundert Jahre später "Harry Potter": Die ersten Auflagen finden reißenden Absatz und erlösen den 44-jährigen Baum von seinen finanziellen Sorgen. Danach möchte der Autor sich eigentlich mit etwas anderem beschäftigen. Doch das Publikum will nur "Oz" von ihm, so dass er bis zu seinem Tod 13 weitere Bände folgen lässt.

Baum verlegt den Beginn seiner Geschichte nach Kansas, dem wohl unmärchenhaftesten Ort der USA. Wirbelstürme fegen über das karge Land, die Arbeit der Farmer ist mühsam und bringt wenig ein. Auf den ersten Seiten kommt neunmal das Wort "grau" vor. Doch dann trägt ein Wirbelsturm Dorothy nach Oz, wo alles bunt und phantastisch ist.

So wie sich das Mädchen sofort ins graue Kansas zurücksehnt, haben auch die Gefährten, die sie auf ihrer Reise trifft, einen Wunsch: Die Vogelscheuche möchte Verstand, der Blechmann ein Herz und der feige Löwe Mut. Oz, der Große und Mächtige, soll diese Wünsche erfüllen. Die Pointe der Geschichte ist, dass alle längst haben, wonach sie sich sehnen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Robin Curtis, Institut für Medienkultur, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Johanna Weißert, Regisseurin, Kinder- und Jugendtheater Dortmund
  • Michael Patrick Hearn: Alles über den Zauberer von Oz, Hamburg und Wien 2003
  • Frank Kelleter: Film Remakes, Adaptations and Fan Productions. Edited by Kathleen Loock and Constantine Verevis. New York 2012

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Theo Kramer

Seeschlacht von Tsushima: Als Japan Russlands Flotte vernichtete

Seeschlacht von Tsushima: Als Japan Russlands Flotte vernichtete WDR Zeitzeichen 27.05.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 28.05.2099 WDR 5

Es ist der erste Sieg asiatischer Truppen über eine europäische Großmacht: Japan versenkt am 27.5.1905 Russlands Flotte. Damit endet der Russisch-Japanische Krieg.

Zwei imposante Schiffe erinnern heute an die Seeschlacht von Tsushima, in der das kleine Kaiserreich Japan das riesige russische Zarenreich herausforderte. 11.000 Kilometer voneinander entfernt liegen sie vor Anker: Die "Mikasa", das Flaggschiff der japanischen Flotte, kann man südlich von Yokohama besichtigen und in Sankt Petersburg liegt der Panzerkreuzer "Aurora". *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Frank Jacob, Historiker und Buchautor ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Struck-Schloen
  • was hinter dem Slogan "Reiches Land, starke Armee" steckt,
  • wie Preußen und England zum Vorbild für die japanische Aufrüstung werden,
  • mit welcher Strategie das kleine Japan das Zarenreich besiegt,
  • warum der Ukrainekrieg den Blick auf die Schlacht von Tsushima verändert.

Rund zwei Jahrhunderte lang schotten sich die Japaner weitgehend vom Weltgeschehen ab, dann entwickeln auch sie einen imperialistischen Ehrgeiz. Im Februar 1904 schreiten sie zur Tat: Ohne eine offizielle Kriegserklärung abzugeben, beschießen die japanischen Soldaten Port Arthur, einen unter russischer Verwaltung stehenden Hafen auf der chinesischen Halbinsel Liaodong.

Am Ende sind 75.000 Soldaten tot. "Die Körper der Toten bildeten Hügel auf Hügel", schreibt später der Schriftsteller Sakurai Tadayoshi, der bei der Schlacht verwundet wurde. Nachdem durch Kämpfe auf See auch die russische Pazifikflotte nahezu kampfunfähig geworden ist, beordert der russische Zar kurzerhand die Ostseeflotte ins Chinesische Meer. Hier wartet am 27. Mai 1905 bei der Insel Tsushima eine hochmoderne japanische Flotte auf die veralteten russischen Schiffe.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Frank Jacob, Historiker und Buchautor
  • Frank Jacob: Tsushima 1905. Ostasiens Trafalgar, Paderborn 2017
  • Film: Battle of the Japan Sea (1969)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Michael Struck-Schloen
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

Keine Heldengeschichte im Wilden Westen: Der Indian Removal Act

Keine Heldengeschichte im Wilden Westen: Der Indian Removal Act WDR Zeitzeichen 26.05.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 27.05.2099 WDR 5

Die Eroberung des "Wilden Westens" durch weiße Siedler war oft keine Heldengeschichte, wie wir sie aus vielen Filmen kennen. Ein Gesetz zur Umsiedlung der Indianerstämme vom 28.5.1830 löste eine ethnische Säuberung aus.

Der "Indian Removal Act" ist die letzte grausame Etappe einer ethnischen Säuberung. Mehr als 95 Prozent der indigenen Völker Nordamerikas sind damals längst ausgerottet. Zu Beginn der europäischen Invasion um 1500 gibt es zwischen fünf und zehn Millionen Ureinwohner. Zwei Jahrhunderte später sind es nur noch rund 1,5 Millionen. Und um 1830 beträgt die Anzahl gerade einmal 250.000. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Michael Hochgeschwender (Professor für Amerikanistik, LMU München) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • welche Rolle die Kirche im Umgang mit den nordamerikanischen Ureinwohnern spielt,
  • was die Kanarischen Inseln und Irland mit der Indianer-Ausrottung in den USA zu tun haben,
  • warum der Fund von Gold der unmittelbare Anlass für das Indianer-Umsiedlungsgesetz ist,
  • wie die Cherokee-Indianer ihre Vertreibung mit einer Petition an den US-Senat verhindern wollen,
  • welchen Helden- und Opfermythos die US-Populärkultur über die Bezwingung der Indianer verbreitet.

"Trail of Tears" ("Pfad der Tränen") nennen die Indianer den Weg, auf den sie nach Westen gezwungen werden - weil ein Viertel von ihnen dabei stirbt, verhungert, erfroren, der Grippe erlegen. Tatsächlich gibt es mehrere "Trails of Tears". Insgesamt werden über einen Zeitraum von knapp acht Jahren mehr als 100.000 Menschen nach Oklahoma deportiert. Die Gegend ist damals noch kein Staat, sondern "Indian Territory" ("Indianergebiet").

Der "Indian Removal Act" verspricht den Ureinwohnern des nordamerikanischen Ostens: In eurer neuen Heimat im Westen dürft ihr auf ewig bleiben. Doch diese Ewigkeit dauert keine sechs Jahrzehnte: bis zum 22. April 1889. Dann beginnt der sogenannte "Oklahoma Land Rush". 50.000 Weiße stürmen innerhalb eines Tages das "Indian Territory". Die Regierung in Washington hat es zur Besiedlung freigegeben. 1907 wird Oklahoma als 46. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten aufgenommen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Hochgeschwender (Professor für Amerikanistik, LMU München)
  • Michael Hochgeschwender: Die Amerikanische Revolution - Geburt einer Nation 1763-1815. München 2016
  • Heike Bungert: Die Indianer - Geschichte der indigenen Nationen. München 2020
  • Aram Mattioli: Verlorene Welten - Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas. Stuttgart 2017

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Almut Finck
Redaktion: David Rother
Technik: Annette Skrzydlo

Rock am Ring startet am 25.5.1985: Beginn eines Festivalmythos

Rock am Ring startet am 25.5.1985: Beginn eines Festivalmythos WDR Zeitzeichen 25.05.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 26.05.2099 WDR 5

Bis zu 90.000 Musikfans, Weltstars in der Eifel, Rock´n´Roll bei jedem Wetter: Das alles begründet den Kult um Deutschlands erstes großes Rockmusik-Festival.

Das erste große deutsche Mainstream-Festival findet in der Eifel statt. In Deutschland gibt es zwar durchaus schon im Bereich Rock und Pop Großveranstaltungen, aber nicht mit so vielen Bands und so vielen Genres auf einem Festival. Genau das wollen die Konzertveranstalter Marek Lieberberg und Marcel Avram ändern. Heute hat "Rock am Ring" Kultstatus. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Christoph Graf (Autor von zwei Büchern über "Rock am Ring") ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Amy Zayed:
  • warum "Rock am Ring" nicht schon 1980 startet,
  • was am Festival am Nürburgring so besonders ist,
  • warum das Festival zwei Jahre lang auf dem 35 Kilometer entfernten Flughafen Mendenich stattfindet.

Eigentlich soll es nur ein Einzel-Event werden - organisiert von Konzertveranstalter Marek Lieberberg und Marcel Avram auf der Südschleife des Nürburgrings, einer international bekannten Rennstrecke. Doch das Festival ist ein überwältigender Erfolg: "85.000 Menschen, die zusammen kamen, um so ein Spektrum zwischen Simply Red und U2, Huey Lewis & the News und Joe Cocker zu hören", erinnert sich Lieberberg. Ihm ist klar: Er hat eine Marktlücke entdeckt.

Lieberberg macht weiter und vergrößert das Festival jährlich. 1987 sind es bereits zwei Bühnen, weil David Bowie für seine komplizierte Show eine eigene Bühne will. Doch als 1988 die Ticketverkäufe von 75.000 rapide auf 30.000 zurückgehen, beschließt Lieberberg, das Festival zwei Jahre auszusetzen, um dann mit einem überarbeiten Konzept zurückzukehren. Mit Erfolg. Was seitdem wie ein Selbstläufer wirkt, hat aber auch mit Problemen zu kämpfen. Dazu gehören Streit um Geld, mehrere Unwetter, eine Terrorwarnung und die Zwangspause wegen Corona.

Nach der Pandemie startet das Festival mit einem neuen Veranstalter wieder durch: 2022 ist das Festival mit 90.000 Tickets restlos ausverkauft. Was 1985 mit 17 Bands angefangen hat, ist mittlerweile eine Veranstaltung mit über hundert Bands, mehreren Bühnen und einer eigenen Infrastruktur.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Christoph Graf (Event-Experte und Autor)
  • Nina Fingskes (Musikjournalistin, Festival-Mitarbeiterin und Festival-Besucherin)
  • Ingo Knollmann (Sänger der "Donots")

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Autorin: Amy Zayed
Redaktion: David Rother
Technik: Petra Laubach

Der wilde Lebensritt der Lady Florence Dixie

Der wilde Lebensritt der Lady Florence Dixie WDR Zeitzeichen 24.05.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 25.05.2099 WDR 5

Florence Dixie, geboren am 24.5.1855, ist eine ungewöhnliche viktorianische Lady. Sie reitet durch Patagonien, schreibt Bestseller, kämpft für Tier- und Frauenrechte.

Zeitlebens verfasst Florence Dixie Romane, Gedichte, Pamphlete, Zeitungsartikel und Reiseberichte. Bis zu ihrem Lebensende setzt sie sich für Gleichberechtigung ein. Ihre feministischen Ideen gelten als revolutionär. Auch in der damals aufkommenden Debatte um Tierschutz erhebt Florence Dixie ihre Stimme. An die imperialistische Ideologie des Empires wagt sie sich jedoch nicht heran. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Marlena Tronicke (Professorin für englische Literatur und Kulturwissenschaft, Uni Köln) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • warum Florence Dixie ausgerechnet durch Patagonien reist,
  • wie sie sich als Exzentrikerin bewusst von Rollenbildern abgrenzt,
  • wie sie aber auch die Lage der indigenen Bevölkerung romantisiert,
  • wie sie durch ihren Einsatz als Südafrika-Korrespondentin zur Aktivistin wird,
  • welche persönlichen Schicksalsschläge sie treffen.

Florence Dixie ist 24 Jahre alt, als sie durch Patagonien reitet. Die gebürtige Schottin stammt aus hochadligem Haus, ist verheiratet mit Sir Alexander Beaumont Churchill Dixie. Beide teilen die Leidenschaft für Sport und Reisen. Ihre Söhne - der eine ein paar Monate alt, der andere zwei Jahre – lassen die Eltern auf dem Familiensitz zurück. Sechs Monate sind sie im Süden Lateinamerikas unterwegs.

Weltreisende Frauen sind im 19. Jahrhundert die Ausnahme und erregen Aufsehen. Florence Dixie ist eine der wenigen Abenteurerinnen, die das nötige Geld haben, um das teure Vergnügen zu finanzieren. Sie hat aber auch die nötige Courage, sich über die rigiden Geschlechterrollen hinwegzusetzen. Und sie macht sich nichts daraus, als sonderbar zu gelten. Im Gegenteil: Florence Dixie pfeift auf Konventionen. Die kolonialen Praktiken des Empires stellt sie allerdings nicht infrage.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Autorin: Claudia Friedrich
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

Kampf gegen Windmühlen: Don Quijote ist unsterblich

Kampf gegen Windmühlen: Don Quijote ist unsterblich WDR Zeitzeichen 23.05.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 24.05.2099 WDR 5

Miguel de Cervantes' "Don Quijote" (1605/1615) wird bei einer Wahl von 2002 zum "besten Buch der Welt" erklärt - und wirkt heute aktueller, als man denkt.

Bis heute ist Don Quijote nicht aus dem Sattel gestiegen. 2002 wählten Autorinnen und Autoren aus mehr als 50 Ländern den Roman zum besten Buch aller Zeiten. Für die ersten Leser im 17. Jahrhundert ist der "Ritter von der traurigen Gestalt", wie sich die Hauptfigur des Buches selbst bezeichnet, vor allem ein Schenkelklopfer. Erst in Idealismus und Romantik wird Don Quijote zum tragischen Helden. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Christoph Strosetzki (emeritierter Professor für Romanistik an der Universität Münster, Cervantes-Experte) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • warum Autor Miguel de Cervantes behauptet, "Don Quijote" sei ein Anti-Ritter-Roman,
  • welchen "wohlklingenden Namen" das Pferd von Don Quijote hat,
  • wen die Romanfigur Don Quijote für ihr Scheitern verantwortlich macht,
  • was ein arabischer Geschichtsschreiber mit dem Roman zu tun hat,
  • welches abenteuerliche Leben der Schriftsteller Cervantes selbst führt.

Seit über 400 Jahren reitet der "Ritter von der traurigen Gestalt" nun schon mit seinem Knappen Sancho Pansa durch die Literaturgeschichte. Trotz seiner Verrücktheiten - wie dem berühmten Kampf gegen Windmühlen - gilt Don Quijote als positiver Held. Er will das Edle und Wahre. Doch seine verzerrte Sicht der Dinge führt dazu, dass er an der Realität scheitert.

Als der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra 1605 den ersten Teil des Romans veröffentlicht, wird der ein Riesenerfolg. Cervantes plant deshalb einen zweiten Teil. Doch bevor der 1615 gedruckt wird, veröffentlicht ein bis heute unbekannter Autor unter dem Pseudonym Avellaneda eine unautorisierte Don-Quijote-Fortsetzung.

In seiner eigenen Fortsetzung des Romans stellt Cervantes deshalb klar, dass alles, was sein Konkurrent über Don Quijote erzählt hat, Lüge ist. Um weitere falsche Don Quijotes zu verhindern, beendet Cervantes seine Erzählung so, dass sie keine Fortsetzung erlaubt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Christoph Strosetzki (emeritierter Professor für Romanistik an der Universität Münster, Cervantes-Experte)
  • Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote, Stuttgart 1985.
  • Horst Weich: Meisterwerke kurz und bündig: Cervantes' Don Quijote, München 2001.
  • Christoph Strosetzki: Miguel de Cervantes. Epoche - Werk - Wirkung, München 1991.
  • Christoph Strosetzki (Hrsg.): Miguel de Cervantes' Don Quijote. Explizite und implizite Diskurse im Don Quijote. Berlin 2005.

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Technik: Moritz Raestrup

Wie Johann Weck das Haltbarmachen revolutionierte

Wie Johann Weck das Haltbarmachen revolutionierte WDR Zeitzeichen 22.05.2025 15:07 Min. Verfügbar bis 23.05.2099 WDR 5

Im Jahr 1895 erwirbt Johann Weck das Patent zur luftdichten Lagerung von Lebensmitteln. Die werden praktisch unbegrenzt haltbar durch das nach ihm benannte Einwecken.

Ende des 19. Jahrhunderts tüftelt der Chemiker Rudolf Rempel gemeinsam mit seiner Frau an der Sterilisation von Lebensmitteln. Am 24. April 1892 erhält er das Patent für einen Apparat zum selbsttätigen Schließen und Entlüften von Sterilisiergefäßen. Nach Rempels Tod kauft 1895 Johann Weck das Patent. Seine Weckgläser finden schnell Verbreitung auf der ganzen Welt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Steffi Burmeister, Verpackungsexpertin und Inhaberin des Youtube-Kanals "Steffi kocht ein" ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • wie ein zu früh verstorbener Chemiker, ein schrulliger Antialkoholiker und ein pfiffiger Kaufmann eine wichtige Erfindung auf den Weg bringen,
  • welche Rolle sogenannte "Wanderlehrerinnen" bei der Verbreitung des neuen Verfahrens spielen,
  • seit wann der Begriff "einwecken" im Duden zu finden ist,
  • dass der Erste Weltkrieg gleichermaßen Fluch und Segen für die Firma Weck ist,
  • was es mit der "Ewigen Liebe im Glas" auf sich hat.

Ende des 19. Jahrhunderts. Johann Weck, aktives Mitglied der Antialkoholiker, will ein Verfahren anbieten, das naturreine Lebensmittel auf unbeschränkte Zeit garantiert. Dieses Verfahren hat wenige Jahre zuvor der Chemiker Rudolf Rempel entwickelt und patentieren lassen - kurz vor seinem Tod.

Weck kauft das Patent 1895 und macht sich an die Produktion der Einmachgläser. Doch die erweisen sich zunächst als Ladenhüter - bis Georg van Eyck ins Spiel kommt. Im badischen Ölfingen gründen die beiden Männer im Jahr 1900 eine Firma. Van Eyck, ein junger Kaufmann aus Emmerich, bringt mit großem Erfolg die Gläser unter die Hausfrauen.

Die Blütezeit des Einkochens endet in den 1960er-Jahren. Das Einfrieren löst das Einkochen weitgehend ab. Als nach der Insolvenz der Firma Weck im Jahr 2023 ein neuer Investor das Werk übernimmt, ist die Erleichterung der Einweck-Fans groß. Ob Schnibbelbohnen, Kimchi oder Konfitüre - Einwecken ist wieder Trend.

Auch wenn die Zeiten sich geändert haben, hat eines überdauert. Das Lieblings- und Einstiegsrezept der Einweck-Fans ist unverändert die Erdbeermarmelade.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Steffi Burmeister, Verpackungsexpertin und Inhaberin des Youtube-Kanals "Steffi kocht ein"
  • Eberhard Hackelsberger, Urenkel des Firmengründers Georg van Eyck und Geschäftsführer der Firma Weck bis 2023. Interview von 2012.
  • ARD Archiv
  • Schulungs- und Werbefilme der Firma Weck aus den 1930er-Jahren

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Unser Hörtipp:

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Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
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Der Baader-Meinhof-Prozess: Showdown zwischen Staat und RAF

Der Baader-Meinhof-Prozess: Showdown zwischen Staat und RAF WDR Zeitzeichen 21.05.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 22.05.2035 WDR 5

Der Gerichtssaal wird eigens für diesen Prozess gebaut: Am 21.5.1975 beginnt die Verhandlung gegen die RAF-Terroristen um Andreas Baader in Stuttgart-Stammheim.

"Bei drei großen Prozesskomplexen gibt es Wortprotokolle - Nürnberg, Auschwitz, Stammheim. Das heißt, alle Prozessbeteiligten waren sich in einer Hinsicht einig: Es ist ein historischer Prozess, der da geführt wird", sagt Stefan Aust. Der Journalist ist 2007 bei Recherchen für eine ARD-Dokumentation auf die verschollen geglaubten Tonbänder des Verfahrens gestossen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Stefan Aust (Journalist, Autor) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer:
  • wie Stammheim zum Synonym für die RAF wird,
  • wie der Staat juristisch zwar als Sieger aus dem Prozess hervorgeht, aber bedenkliche Schwächen zeigt,
  • wie auch die Anwälte von Anfang an unter Generalverdacht stehen,
  • wie der Prozess 1977 mit dem "Deutschen Herbst" in einer beispiellosen Welle der Gewalt mündet.

Am 21. Mai 1975 beginnt im eigens gebauten Hochsicherheits-Prozesssaal der JVA Stuttgart-Stammheim ein Prozess der Superlative. Fast zwei Jahre dauert der zermürbende Showdown zwischen Rechtsstaat und den Köpfen der Roten Armee Fraktion, die sich als Kriegsgefangene bezeichnen und einen politischen Prozess inszenieren wollen.

Angeklagt sind Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Ihnen werden vier Morde, 54 Mordversuche und sechs Sprengstoff-Anschläge vorgeworfen. Der ursprünglich mitangeklagte Holger Meins stirbt ein halbes Jahr zuvor an den Folgen eines Hungerstreiks im Gefängnis. Ulrike Meinhof erhängt sich im Mai 1976 in ihrer Zelle.

Der Prozess wird immer wieder durch Wortgefechte der Angeklagten und ihrer Verteidiger mit dem Richter Theodor Prinzing unterbrochen. Am 28. April 1977 werden die verbliebenen Angeklagten nach 192 Verhandlungstagen zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Die zweite Generation der RAF beginnt eine blutige Offensive, um die Terroristen freizupressen. Angeführt wird sie von Brigitte Mohnhaupt, die kurzzeitig ebenfalls im Stammheimer Hochsicherheitstrakt einsitzt und von Baader Befehlsgewalt erhält.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Stefan Aust (Journalist, Autor)
  • Heribert Prantl (Journalist, Autor, Jurist)
  • Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex, aktualisierte Ausgabe. München 2020
  • Butz Peters: 1977: RAF gegen Bundesrepublik. München 2017

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Autor: Christopher Heimer
Redaktion: Frank Zirpins

Jürgen Hinzpeter dokumentiert das Militärmassaker in Südkorea

Jürgen Hinzpeter dokumentiert das Militärmassaker in Südkorea WDR Zeitzeichen 20.05.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 21.05.2099 WDR 5

Am 20.3.1980 gelingt es dem Kameramann Jürgen Hinzpeter unter Lebensgefahr, das Militärmassaker im südkoreanischen Gwangju zu dokumentieren. Dabei sollte die Welt davon nichts erfahren.

Im Mai 1980 geht das südkoreanische Militär mit äußerster Brutalität gegen Demonstranten in der Stadt Gwangju vor. Bis zu 2.000 Menschen verlieren ihr Leben. Der ARD-Kameramann Jürgen Hinzpeter, der Tontechniker Henning Ruhmor und ihr Fahrer Kim Sa-Bok begeben sich in Lebensgefahr und können als einzige ausländische Berichterstatter Film- und Tonmaterial von den Gewalttaten außer Landes bringen und die Weltöffentlichkeit informieren. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Hannes Mosler, Professor für Ostasienkunde an der Universität Duisburg und Südkorea-Experte ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:
  • wie ARD-Kameramann Jürgen Hinzpeter und sein Team ihre Leben riskieren, um aus der Stadt Gwangju zu berichten,
  • wie eine gut erzählte Geschichte Wunder bewirkt,
  • welche wichtige Rolle eine Keksdose in dem dramatischen Geschehen bekommt,
  • wie die Bilder des Kameramanns Jürgen Hinzpeter weltweit Empörung auslösen und so Druck auf das südkoreanische Militärregime erzeugen.

Ab 1961 regiert in Südkorea Diktator Park Chung Hee. Als dieser 1979 von seinem eigenen Geheimdienstchef ermordet wird, hoffen viele südkoreanische Studenten auf Demokratie. In dieser Phase des Umbruchs aber reißt General Chun Doo-Hwan mit einem Putsch die Macht an sich.

Das Militär verhängt das Kriegsrecht, schließt die Universitäten und lässt zahlreiche Oppositionelle verhaften. Dagegen formiert sich massiver Widerstand. Allein in Seoul gehen an die 100.000 Studierende auf die Straße und fordern die Rücknahme des Kriegsrechts. Das Militär reagiert mit Härte und verbietet am 17. Mai 1980 sämtliche politische Aktivitäten - der Beginn des Aufstandes in der Provinzhauptstadt Gwangju, der gewaltsam niedergeschlagen wird.

Der ARD-Kameramann Jürgen Hinzpeter fliegt nach Absprache mit der Redaktion in Hamburg gemeinsam mit dem Tontechniker Henning Rumohr von Tokio noch am selben Tag in die südkoreanische Hauptstadt Seoul. Unter höchsten Gefahren fahren Hinzpeter, Ruhmohr und ihr Fahrer Kim Sa-Bok nach Gwangju. Hinzpeter ist der einzige Journalist, der über die Ereignisse und das brutale Vorgehen des Militärs gegen die Demonstranten berichtet.

Jürgen Hinzpeter stirbt am 25. Januar 2016 im Alter von 78 Jahren in der Universitätsklinik Lübeck. Als "der Zeuge mit den blauen Augen" wird er in Südkorea verehrt - für Mut, Wahrheit und journalistische Verantwortung.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Hannes Mosler, Professor für Ostasienkunde an der Universität Duisburg und Südkorea-Experte

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Mau
Redaktion: Matti Hesse

Vietnams Nationalheld und 68er-Ikone: Ho Chi Minh

Vietnams Nationalheld und 68er-Ikone: Ho Chi Minh WDR Zeitzeichen 19.05.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 20.05.2099 WDR 5

Als Nguyen Sinh Cung wird er am 19. Mai 1890 in einem nordvietnamesischen Dorf geboren. Als Ho Chi Minh, den Revolutionär und Freiheitskämpfer, kennt ihn bis heute die Welt.

"Ho-Ho-Ho Chi Minh"! Sein Name ist in den 60er Jahren der Schlachtruf der Studentenbewegung. Der hagere Mann mit dem spitzen Bart, der 1945 die Unabhängigkeit Vietnams verkündet, wird zum Symbol für die Befreiung unterdrückter Völker. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Peter Neville, britischer Historiker und Verfasser einer Biographie über Ho Chi Minh ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • wie Ho Chi Minh vom Tellerwäscher zum Revolutionär wird,
  • dass er mit den Franzosen und den USA paktiert - und dafür in der eigenen Partei in die Kritik gerät,
  • von Ho Chi Minh und Che Guevara - zwei Ikonen der 68er-Bewegung,
  • warum sich Ho Chi Minh eigentlich ein ganz anderes Begräbnis gewünscht hat.

Ho Chi Minh ("Der weise Gewordene") kommt am 19. Mai 1890 in der vietnamesischen Stadt Kim Lien als Sohn eines Provinzbeamten zur Welt. Geboren wird er als Nguyen Sin Cung - im Laufe seines Lebens ändert er mehrfach seinen Namen. Er studiert in Moskau und ist doch immer mehr Nationalist als Kommunist im verworrenen Kampf um die Unabhängigkeit und die Einheit Vietnams.

Unter seiner Führung besiegen vietnamesische Kämpfer zuerst die französischen Kolonialherren und später die Supermacht USA. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Ho Chi Minh diese Kriege gar nicht wollte. In Vietnam ist "Onkel Ho" noch immer eine Kultfigur, das Mausoleum in Hanoi bis heute eine Pilgerstätte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Peter Neville, britischer Historiker und Verfasser einer Biographie über Ho Chi Minh
  • Martin Großheim, Historiker für vietnamesische Geschichte, Universität Seoul und Verfasser einer Biographie über Ho Chi Minh
  • Pierre Brocheux: Ho Chi Minh. A Biography. New York, 2007
  • Martin Großheim: Ho Chi Minh. Der geheimnisvolle Revolutionär. München, 2011
  • Peter Neville: Ho Chi Minh. London, 2019

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Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Technik: Sarah Fitzek

Inspiration Rossinis: Pauline Viardot-Garcia (gest. 18.5.1910)

Inspiration Rossinis: Pauline Viardot-Garcia (gest. 18.5.1910) WDR Zeitzeichen 18.05.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 19.05.2099 WDR 5

Sie wird als Opernstar berühmt, komponiert aber lieber. Viardot vereint Musikstile Europas, ist politisch - und so modern, dass höhere Damen schon mal den Saal verlassen.

Sie ist eine der magischen Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts - und sie denkt und lebt ausgesprochen international: Pauline García, die nach der Heirat zusätzlich den Namen ihres Mannes, des Schriftstellers Louis Viardot, annimmt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Beatrix Borchard, Musikwissenschaftlerin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz:
  • von Pauline Viardot-Garcías musikalischen Wurzeln,
  • vom russischen Dichter Iwan Turgenjew, mit dem sie eine erotische Freundschaft verbindet,
  • wie das politische Geschehen stets Paulines Leben beeinflusst,
  • vom Schicksalsjahr 1883, in dem ihr Mann und ihr Freund sterben.

Pauline García verfügt über eine außergewöhnlich charismatische Mezzosopran-Stimme. Doch ihre ganze Liebe gehört zunächst dem Klavierspiel und dem Komponieren. Der junge Franz Liszt wird ihr Lehrer. Erst nach dem frühen Tod ihres Vaters und ihrer Schwester widmet sich Garcia auf Wunsch ihrer Mutter dem Gesang - um ihre Familie zu ernähren.

Das gelingt prächtig. Fast ein Vierteljahrhundert feiert Pauline, die nach der Hochzeit mit dem Kunstsammler und Schriftsteller Louis Viardot auch den Namen ihres Mannes trägt, Triumphe auf allen großen Bühnen Europas. Auch als Komponistin ist Pauline Viardot-García hochgeachtet. In ihren Salons sind die berühmtesten Künstler jener Zeit zu Gast.

Als weibliche Leitfigur in der männerdominierten Musikwelt fördert Viardot-García junge Komponisten wie Jules Massenet oder Gabriel Fauré. Am 18. Mai 1910 stirbt Pauline Viardot-Garcia mit 89 Jahren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Beatrix Borchard, Musikwissenschaftlerin
  • Beatrix Borchard: Pauline Viardot-Garcia. Fülle des Lebens. Köln, 2016
  • Ursula Keller/Natalja Sharansak: Iwan Turgenjew und Pauline Viardot. Eine außergewähnliche Liebe. Berlin, 2018
  • Désirée Wittkowski (Hrsg.): Herzensschwestern der Musik. Pauline Viardot und Clara Schumann. Briefe einer lebenslangen Freundschaft. Laaber, 2019.

Diese Musik haben wir verwendet:
  • Pauline Viardot: Vor Gericht. "… die Seele lebt im Liede …" Zu Gast im Salon der Sängerin und Komponistin Pauline Viardot, Julia Sukmanova (Sopran); Elena Sukmanova (Klavier); Dr. phil. Birgit Kiupel (Wort und Bild). Fontenay Classics CD FCI0006; 4260230740060; LC 24538
  • Pauline Viardot: Er ist's. Miriam Alexandra (Sopran); Eric Schneider (Klavier). Oehms Classics CD OC 1878; 4260330918789; LC 12424
  • Pauline Viardot: Hai, Luli! Esther Abrami Ensemble. Sony CD 019802900182; 0198029001822; LC 06868
  • Pauline Viardot: Sérénade, aus: Klavierstücke VWV 3015. David Kadouch (Klavier). Mirare CD MIR532; 3760127225331; LC 12654
  • Manuel Garcia: Soy contrabandista. Cecilia Bartoli (Mezzosopran); Orchestra La Scintilla; Adam Fischer (Ltg.). Decca CD 475 9077; 028947590781; LC 00171
  • Maria Malibran: Rataplan. Cecilia Bartoli (Mezzosopran); Orchestra La Scintilla; Adam Fischer (Ltg.). Decca CD 475 9077; 028947590781; LC 00171
  • Christoph Willibald Gluck/ Hector Berlioz: Orphée & Eurydice. Anne Sofie von Otter (Mezzosopran); Orchestre de l’Opéra de Lyon; John Eliot Gardiner (Ltg.). EMI CD 5 56885; 724355688521; LC 06646
  • Gioacchino Rossini: Il Barbiere di Siviglia. Münchner Rundfunkorchester; Ralf Weikert (Ltg.). nightingale CD NC 004022; LC 3323
  • Pauline Viardot: Plainted‚ amour. Ina Kancheva (Sopran); Ludmil Angelov (Klavier). Toccata CD TOCC 0303; 5060113443038; LC 14674
  • Gabriel Fauré: Cendrillon. Sandrine Piau (Sopran); Nicholas Kok (Klavier). Virgin CD 50999 088470 2; 509990884702; LC 07873
  • Pauline Viardot: La gallina. Helena Ressurreição (Sopran), Natalia Labourdette (Sopran); Francisco Soriano (Klavier). Odradex CD ODRCD426; 810042704268; LC 37063
  • Pauline Viardot: Tarantelle, aus: Six morceaux. Thomas Albertus Irnberger (Violine) Barbara Moser (Klavier). Gramola CD 98966; 9003643989665; LC 20638

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Autor: Christoph Vratz
Redakteure: Carolin Rückl und Matti Hesse

Aufbruch ins Ungewisse: Die Expedition Ra II

Aufbruch ins Ungewisse: Die Expedition Ra II WDR Zeitzeichen 17.05.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 18.05.2099 WDR 5

Mit einem Papyrusfloß über den Atlantik - mit dieser abenteuerlichen Reise beweist Thor Heyerdahl, dass schon in der Antike hochseetaugliche Boote gebaut wurden - und lernt viel über die Verschmutzung der Meere.

Schon die abenteuerliche Fahrt der Kon-Tiki 1947 macht Thor Heyerdahl weltberühmt. Zwei Jahrzehnte später will er den Nachweis führen, dass bereits die alten Ägypter den Atlantik überquert haben könnten und startet den Selbstversuch im Papyrusboot - mit Erfolg. Heyerdahl ist einer der bekannteste Norweger der Welt, seine Thesen aber sind in der Fachwelt umstritten. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Liv Heyerdahl, Direktorin des Kon Tiki-Museums Oslo und Enkelin von Thor Heyerdahl ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • warum ein Aufenthalt auf der Südsee-Insel Fatu Hiva Heyerdahls Leben verändert,
  • was die Papyrusboote "Ra" und "Ra II" unterscheidet,
  • von einem Affen namens Safi,
  • dass Heyerdahl Thesen in der Fachwelt stets umstritten waren.

Am 17.5.1970 startet Thor Heyerdahl mit dem Papyrusfloß "Ra II" von der Westküste Marokkos aus zur Atlantiküberfahrt. Es ist der zweite Versuch - und dieses Mal geht alles gut. Nachdem die Überquerung mit der "Ra" im Jahr zuvor noch kurz vor dem Ziel gescheitert war, erreichen Heyerdahl und seine Crew diesmal nach 56 Tagen und rund 6.000 Kilometern tatsächlich Barbados in der Karibik.

Es ist nicht das erste Mal, dass Heyerdahl weltweit Schlagzeilen macht. Er ist der Kon-Tiki Mann, der es schon 1947 mit einem primitiven Holzfloß geschafft hatte, von Südamerika über den Pazifik in die Südsee zu segeln. Mit der geglückten Expedition der "Ra II" hat er jetzt bewiesen, dass zumindest theoretisch schon die alten Ägypter - lange vor Kolumbus - über den Atlantik hätten segeln können.

Auf seiner Fahrt entdeckt Heyerdahl zahlreiche Ölklumpen im Wasser. Er funkt die Verseuchung an die UN und initiiert damit das erste internationale Abkommen gegen Meeresverschmutzung durch Schiffe.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Liv Heyerdahl, Direktorin des Kon Tiki-Museums Oslo und Enkelin von Thor Heyerdahl
  • Ragnar Kvam, norwegischer Journalist und Biograf von Thor Heyerdahl
  • Ragnar Kvam: Biografie Heyerdahl. Auf dem Floß zum Forscherruhm (2012)
  • Thor Heyerdahl: Expedition Ra. Mit dem Sonnenboot in die Vergangenheit (1980)

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Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

Schicksalsjahre einer französischen Königin: Marie Antoinette

Schicksalsjahre einer französischen Königin: Marie Antoinette WDR Zeitzeichen 16.05.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 17.05.2099 WDR 5

Am 16. Mai 1770 heiratet die 14-jährige Marie Antoinette Frankreichs Thronfolger. Was als prachtvolles Bündnis zwischen Habsburg und Bourbon beginnt, endet auf dem Schafott.

Der Satz "Dann sollen sie eben Kuchen essen" wurde Marie Antoinette jahrhundertelang in den Mund gelegt – als Beweis ihrer Arroganz gegenüber dem hungernden Volk. Doch das Zitat stammt aus einer Schrift von Rousseau, lange vor ihrer Zeit. Es ist reine Propaganda – und ein Beispiel dafür, wie leicht man Frauen zur Zielscheibe machen kann. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Johanna Hellmann, Historikerin, Stuttgart und Michaela Lindinger, Historikerin, Wien ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Edda Dammüller:
  • wie die 14-jährige Maria Antonia mit Zahnschmerzen zu einer bedeutenden Hochzeit aufbricht,
  • wie aus einem Modeskandal das berühmteste Porträt einer Königin entsteht,
  • warum Marie Antoinette ihre Kinder vor Publikum zur Welt bringen muss,
  • wie ein Friseur, eine Malerin und ein Schwede das Hofleben aufmischen,
  • und warum ein Diamanthalsband einem ganzen Königreich zum Verhängnis wird.

Sie kommt mit einem Tross von Dutzenden Kutschen - und mit einer Zahnspange: Maria Antonia, jüngste Tochter Maria Theresias. Sie soll Frankreichs Thronfolger heiraten. Aus der schüchternen Erzherzogin wird Marie Antoinette: Frankreichs Königin, Stilvorbild, Projektionsfläche. Ihre Ehe? Kalt. Ihr Umfeld? Feindselig. Versailles verlangt Fassade statt Gefühl.

Doch die junge Frau tanzt lieber, lacht laut, wagt Neues. Sie wirft das Korsett der Konvention ab - und gerät ins Kreuzfeuer. Als Frankreich brodelt, wird aus "der Österreicherin" eine Hassfigur. Die Revolution fordert ihren Kopf. Und doch: Am Ende ist sie mutiger als je zuvor.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Johanna Hellmann: Marie Antoinette in Versailles, Politik, Patronage und Projektionen, Münster 2020.
  • Michaela Lindinger: Marie Antoinette. Zwischen Aufklärung und Fake News - Im Zentrum der Revolution - Königin der Lust, Wien 2023.
  • Rolf Reichardt (Hg.): Ploetz. Die Französische Revolution, Freiburg 1988.

Und das sind unsere Interviewpartnerinnen:
  • Johanna Hellmann, Historikerin, Stuttgart
  • Michaela Lindinger, Historikerin, Wien

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