WDR Zeitzeichen

Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

Download? Rechte Maustaste!

Um das Audio herunterzuladen, klicken Sie bitte mit der rechten Maustaste auf "Download". Dann wählen Sie "Ziel speichern unter ..." oder "Link speichern unter ...", um das Audio zu speichern.

Europas beste Mittelalter-Diplomatin: Margarete von Österreich

Europas beste Mittelalter-Diplomatin: Margarete von Österreich WDR Zeitzeichen 01.12.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 02.12.2099 WDR 5

Zum dritten Mal Witwe, will Margarete mehr sein als taktisches Heiratsmaterial. Sie stirbt am 1.12.1530 als erfolgreiche Politikerin und Architektin eines historischen Friedens.

Nach drei Ehen will Margarete von Österreich mehr sein als nur eine Schachfigur im Hochzeitsspiel der Habsburger. Und tatsächlich: Sie wird zur besten Diplomatin Europas, wie Mittelalter-Historiker ihr attestieren. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Birgit Studt, Universität Freiburg


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • dass Margarete ihr Stammland Österreich nie gesehen hat,
  • warum ihre dritte Ehe die schönste ist und die letzte bleibt,
  • wie sie den "Damenfrieden von Cambrai" verhandelt
  • und wie Margarete zur besten Diplomatin Europas wird.

Schon früh wird Margarete von Österreich zum ersten Mal verheiratet - mit nur drei Jahren. Es folgen zwei weitere Ehen, die alle kurz bleiben und für Margarete herbe Schicksalsschläge bereit halten. Als ihr Vater sie zum vierten Mal verheiraten will, weigert sie sich - und wird stattdessen mit 27 Jahren zur Statthalterin der burgundischen Niederlande.

Sie führt ein Leben als Regentin und arbeitet für ihren Neffen, den späteren Karl V.. Als dieser mit dem französischen König Franz I. aneinander gerät, verhandelt Margarete als Tante des deutschen Königs mit der Mutter des französischen Königs den "Damenfrieden von Cambrai". Für viele Mittelalter-Historiker gilt Margarete deshalb bis heute als beste Diplomatin Europas.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Birgit Studt, Universität Freiburg
  • Thea Leitner: Europas bester Diplomat. Margarete 1480-1530. Wien, 1987
  • Ursula Tamussino: Margarete von Österreich: Diplomatin der Renaissance. Graz, 1995

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Sascha Schiemann

"Gottesurteile" werden 1215 verboten

"Gottesurteile" werden 1215 verboten WDR Zeitzeichen 30.11.2025 14:26 Min. Verfügbar bis 01.12.2099 WDR 5

Glühende Eisen an den Füßen, gefesselte Menschen im Wasser: Mittelalterliche "Gottesurteile" waren oft grausam - und werden 1215 vom päpstlichen Laterankonzil verboten. Was folgt, ist ein Schritt zur modernen Rechtsprechung - aber auch zur gefürchteten "Inquisition".

Ehebruch oder Meuchelmord - Verbrechen ohne Zeugen gibt es im Mittelalter genug. Als unschuldig gilt, wer mit Gottes Hilfe rituelle Prüfungen besteht. Eine Praxis, die man nicht nur im europäischen Mittelalter, sondern auch in Asien und Afrika kennt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Matthias Becher, Institut für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • warum einige Menschen im Mittelalter in siedendes Wasser greifen müssen,
  • woher der Ausdruck "heißes Eisen anfassen" kommt,
  • warum es schon früh Zweifel an den "Gottesurteilen" gibt,
  • wie sich unter Papst Innozenz III. alles ändert - aber nicht zum Guten.

Mal müssen Beschuldigte über glühende Kohlen laufen, mal werden sie in tiefes Wasser gestoßen. Im Mittelalter gibt es viele rituelle Prüfungen, um die eigene Unschuld zu beweisen. Die Idee dahinter: Gott beschützt den Gerechten und lässt den Ungerechten ins Unglück fallen.

Doch die Prüfungen sind nicht nur grausam, sie sind auch manipulationsanfällig. Deshalb spricht sich Papst Innozenz III. 1215 gegen diese "Gottesurteile" aus. An ihre Stelle rückt etwas nicht minder Grausames: die Inquisition.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Matthias Becher, Institut für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn
  • Prof. Arnold Angenendt, Theologe und Kirchenhistoriker an der Universität Münster († 2021)
  • Arnold Angenendt: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Freiburg 2009
  • Peter Dinzelbacher: Lebenswelten des Mittelalters, Badenweiler 2010
  • Peter Dinzelbacher: Das Fremde Mittelalter. Gottesurteil und Tierprozess, Essen 2006
  • Wolfgang Schild: Alte Gerichtsbarkeit, München 1980

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: David Rother und Ronald Feisel
Technik: Sascha Schiemann

Parlament statt Samurai: Japans erster Schritt zur Demokratie

Parlament statt Samurai: Japans erster Schritt zur Demokratie WDR Zeitzeichen 29.11.2025 14:40 Min. Verfügbar bis 30.11.2099 WDR 5

Mit der Eröffnung des ersten Parlaments in Japan beendet Kaiser Meiji am 29.11.1890 die Militärdiktatur der Samurai. Doch bis zu einer echten Demokratie ist es noch weit.

Weil Japan sich im 19. Jahrhundert erneuern muss, beendet Kaiser Meiji die Ära der Samurai und eröffnet 1890 das erste Parlament Japans. Zur Demokratie wird das Land dadurch nicht: Nur ein Prozent der japanischen Bevölkerung darf im Entstehungsjahr des Parlaments wählen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Dr. Sven Saaler, Professor für moderne japanische Geschichte an der Sophia-Universität in Tokio ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Nikolas Fischer:
  • warum der japanische Kaiser die lange Ära der Samurai beendet,
  • wie er eine Verfassung aufsetzt, um Japan zu modernisieren,
  • warum er dadurch nicht weniger, sondern mehr Macht erhält,
  • warum der erste Premierminister "Bismarck Japans" genannt wird.

Für die erste japanische Verfassung lassen sich die Autoren auch von Deutschland inspirieren. Ein extra aus Deutschland eingereister Rechtsgelehrter rät zwar von der Schaffung eines Parlaments ab, doch davon wollen die Japaner nichts wissen. 1890 eröffnet Kaiser Meiji nach 250 Jahren Militärdiktatur das erste Parlament in der Geschichte Japans.

Was fortschrittlich klingt, ist es im Grunde nicht: Meiji handelt nur auf Druck von außen, das Parlament hat keine richtige Macht. Auch eine Gewaltenteilung ist nicht vorgesehen. Der Kaiser bleibt der Inhaber aller politischen Macht in Japan. Das ändert sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Nikolas Fischer
Redaktion: Jakob Schiffer und Matti Hesse
Technik: Christine Reinartz

"Cablegate": Als Wikileaks die Weltpolitik erschüttert

"Cablegate": Als Wikileaks die Weltpolitik erschüttert WDR Zeitzeichen 28.11.2025 14:11 Min. Verfügbar bis 29.11.2099 WDR 5

Am 28.11.2010 veröffentlicht Julian Assange 250.000 geheime US-Dokumente. Es folgt ein diplomatischer Skandal - und die Frage, wie viel Transparenz Demokratie verträgt.

US-Botschaften aus der ganzen Welt verfassen regelmäßig Lagebeurteilungen. Adressat: die Regierung in den USA. Doch es gibt eine undichte Stelle: Am 28. November 2010 veröffentlicht die Enthüllungsplattform "Wikileaks" Hunderttausende dieser Geheimdokumente. Mit weitreichenden Folgen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Holger Stark, Journalist und stellvertretender Chefredakteur von "Die Zeit" ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:
  • was in der geheimen Diplomatenpost über die Mächtigen in aller Welt vermeldet wird,
  • was etablierte Medien wie The Guardian, Le Monde oder Spiegel Online mit der Veröffentlichung zu tun haben,
  • welche Folgen "Cablegate" für Manning und Assange hat,
  • warum "Wikileaks" erst gehyped und dann zunehmend kritisch gesehen wird.

Es ist ein digitaler Stich mitten ins Herz der USA: Am 28. November 2010 veröffentlicht die Enthüllungsplattform "Wikileaks" über 250.000 Depeschen von US-Botschaften. Deren Angestellte berichten aus aller Welt an die USA, was von Politikern im Ausland zu halten sei - auch von deutschen. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa sei "selten kreativ" und verhalte sich wie "Teflon", alles perle an ihr ab.

Die damals noch als Mann lebende US-Soldatin Chelsea Manning hatte die geheimen Dokumente heruntergeladen und "Wikileaks"-Gründer Julian Assange zugespielt. Dieser schlägt mit seiner Idee radikaler Transparenz ein neues Kapitel der Informationsgesellschaft auf - und legt zugleich ihre Grenzen offen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Holger Stark, Journalist und stellvertretender Chefredakteur, Die Zeit
  • Markus Beckedahl, Netzaktivist und Gründer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie
  • Marcel Rosenbach und Holger Stark: Staatsfeind WikiLeaks. Wie eine Gruppe von Netzaktivisten die mächtigsten Nationen der Welt herausfordert, München 2011

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Jonas Colsman
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Petra Laubach

Nackt unter Palmen: Aussteiger August Engelhardt

Nackt unter Palmen: Aussteiger August Engelhardt WDR Zeitzeichen 27.11.2025 15:38 Min. Verfügbar bis 28.11.2099 WDR 5

Fast nur von Kokosnüssen lebt Engelhardt (geb. 27.11.1875) im "Sonnenorden" in der Südsee. Er verspricht seinen Anhängern ewiges Leben. Die sterben einer nach dem anderen.

August Engelhardt aus Nürnberg wandert auf der Suche nach dem Paradies 1902 in die Südsee aus. Was er findet, sind jede Menge Kokosnüsse, tropische Krankheiten und am Ende den Tod. Seine Geschichte ist so unglaublich, dass sie auch literarisch verewigt wird. Unter anderem im Roman "Imperium" des Schweizer Schriftstellers Christian Kracht. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Sven Mönter, Historiker ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • auf welchen Wegen und mit welchen Versprechungen Engelhardt für sein Aussteigerleben wirbt,
  • warum der Traum vom Südseeparadies Ende des 19. Jahrhunderts viele anzieht,
  • von Heinrich Aueckens, der als erster Europäer auf Engelhardts Insel kommt und dort den Tod findet,
  • von einem tödlichen Streit zwischen Engelhardt und seinem Mit-"Kokovoristen" August Bethmann.

August Engelhardt ist seit seiner Jugend Anhänger der neuen Lebensreform-Bewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts en vogue wird. In einer zunehmend industrialisierten und verstädterten Umwelt propagieren ihre Anhänger dazu einen Gegenentwurf: zurück zur Natur, vegetarische Ernährung, Freikörperkultur und Homöopathie.

Engelhardt wandert in die Südsee aus, wo er 1902 den "Sonnenorden" gründet. Seine Botschaft: Das nahezu ausschließliche Essen von Kokosnüssen mache unsterblich und vereine mit Gott. Mehr als ein Dutzend Anhänger des Sonnenordens gibt es vermutlich nie. Malaria, Hitze und die karge Kost machen den "Kokovoristen" zu schaffen.

Für Engelhardt, den viele nur als lebendes Kuriosum sehen, kommt Aufgeben nicht in Frage. Er bleibt bis zu seinem Tod in der Südsee. Er wird nur 43 Jahre alt.

Das ist unser Hörtipp:

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Sven Mönter, Historiker
  • Rainer Buschmann, Historiker, Kolonialgeschichte Papua-Neuguineas
  • Rainer F. Buschmann: Hoarding New Guinea. Writing Colonial Ethnographic Collection Histories for Postcolonial Futures, Lincoln 2023
  • Dieter Kiepenkracher (Hrsg.): Hoch der Äquator! Nieder mit den Polen! Eine sorgenfreie Zukunft im Imperium der Kokosnuss, Norderstedt 2012
  • Sven Mönter: The "Sonnenorden". A cultural-historical case study of German colonists in the Pacific, Masterarbeit, Auckland 2005

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

Reichskanzler und Totengräber der Demokratie: Heinrich Brüning

Reichskanzler und Totengräber der Demokratie: Heinrich Brüning WDR Zeitzeichen 26.11.2025 14:30 Min. Verfügbar bis 27.11.2099 WDR 5

Heinrich Brüning, geboren am 26.11.1885, regiert als Reichskanzler der Weimarer Republik ab 1930 mit Notverordnungen - und wird zum Symbol für das Ende der Demokratie.

Es ist eine gefährliche Gemengelage in der Politik der Weimarer Republik: Reichskanzler Heinrich Brüning ist für eine Monarchie mit demokratischen Elementen und regiert selbst ohne eigene Mehrheit. Reichspräsident Hindenburg ist ein Gegner der Demokratie. Die Probleme häufen sich - und eine Partei wartet geduldig, bis sie ihre Diktatur errichten kann. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Michael Dreyer (außerplanmäßiger Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte und Vorsitzender des Vereins Weimarer Republik) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • warum Brüning als Totengräber der Demokratie gilt,
  • von Brünings verklärter Sicht auf den Ersten Weltkrieg,
  • wie sich Brünings Notverordnungen auf das alltägliche Leben der Menschen auswirken,
  • von seiner schwankenden Haltung gegenüber der NSDAP.

Geboren als Sohn eines Essigfabrikanten, legt Heinrich Brüning eine erstaunliche politische Karriere hin: Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reichstagsabgeordneter, Fraktionsvorsitzender und ab 1930 Reichskanzler der Weimarer Republik. Seine Amtszeit dauert aber nur zwei Jahre, denn wegen seiner Sparmaßnahmen ist Brüning sehr unbeliebt.

Nach der Machtübertragung an die Nazis wird er Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei und stimmt 1933 dem Ermächtigungsgesetz zu. Ein Jahr später flieht Brüning aus Deutschland, verbringt den Rest seines Lebens vor allem in den USA.

Seine Memoiren lösen später heftige Kontroversen unter Historikern und Publizisten aus. Hat Brüning wirklich versucht, den Marsch in eine Diktatur aufzuhalten? Welchen Handlungsspielraum hatte er? Fest steht nur: Selbstkritik ist von ihm nicht überliefert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Dreyer (außerplanmäßiger Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte und Vorsitzender des Vereins Weimarer Republik)
  • Webseite des Weimarer Republik e.V.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Klug
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Weißes Schiff: Mittelalter-Drama, das England bis heute prägt

Weißes Schiff: Mittelalter-Drama, das England bis heute prägt WDR Zeitzeichen 25.11.2025 14:42 Min. Verfügbar bis 26.11.2099 WDR 5

Richard Löwenherz und die Magna Carta hätte es ohne den Untergang des Weißen Schiffs bei Barfleur am 25.11.1120 wohl nicht gegeben. 300 Menschen sterben - auch der Thronfolger.

Am 25. November 1120 zerschellt das Schiff des einzigen ehelichen Sohns Heinrich I. vor der Küste der Normandie. Der Thronfolger ertrinkt. Als Heinrich seine Tochter Matilda zur Nachfolgerin erklärt, entbrennt ein fast 20-jähriger Bürgerkrieg. "Kein Schiff hat England je so viel Unglück gebracht", schreibt ein Chronist. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Richard Huscroft (Historiker und Experte für englische Geschichte des 12. Jahrhunderts) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • von gleich mehreren entscheidenden Wendungen in der englischen Geschichte des 11. und 12. Jahrhunderts,
  • von einem Alkohol-Gelage und schlechter Seemannskunst,
  • was die uneheliche Schwester mit dem Tod des Prinzen zu tun hat,
  • warum es ohne den Schiffbruch wohl keine Magna Carta gegeben hätte.

Am 25. November 1120 sticht das "Weiße Schiff" an der Küste der Normandie in See, um nach England zu segeln. Doch die Fahrt nimmt kein gutes Ende. Unmittelbar nach der Abfahrt aus dem Hafen von Barfleur läuft das Schiff auf einen Felsen und sinkt. 300 Menschen ertrinken - unter ihnen auch William Aetheling, der einzige legitime Erbe von König Heinrich I. von England.

Fast 20 Jahre streiten Heinrichs Tochter Matilda und sein Neffe Stephen von Blois anschließend um die Krone. Historiker geben den blutigen Thronwirren später den Namen "The Anarchy". Am Ende steht ein Kompromiss und mit Matildas ältestem Sohn Heinrich II. ein neuer König. Er ist der erste Monarch aus dem Hause Plantagenet. Weitere sind etwa Richard Löwenherz und der "Magna-Carta-Begründer" König John. Ohne den Untergang des Weißen Schiffs wäre Englands Geschichte vermutlich anders verlaufen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Richard Huscroft (Historiker und Experte für englische Geschichte des 12. Jahrhunderts)
  • Richard Huscroft: Tales from the Long Twelfth Century. The Rise and Fall of the Angevin Empire. New Haven and London 2016
  • Richard Huscroft: Ruling England 1042-1217. 2nd Edition. London and New York 2016
  • Charles Spencer: The White Ship - Conquest, Anarchy and the Wrecking of Henry I’s Dream. London 2020

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

Amadeu Antonio: Todesopfer der "Baseballschlägerjahre"

Amadeu Antonio: Todesopfer der "Baseballschlägerjahre" WDR Zeitzeichen 24.11.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 25.11.2099 WDR 5

Am 24.11.1990 wird Amadeu Antonio in Eberswalde Opfer eines rassistischen Angriffs. Sein Tod erschüttert das Land und zeigt die Gefahr rechter Gewalt.

Der Überfall auf Amadeu Antonio am 24.11.1990 ist kein spontaner Gewaltausbruch, sondern das Ergebnis von Hass und Hetze gegen Ausländer. Diese Stimmung entstand schon in der DDR und nimmt mit dem Mauerfall zu. Frust und Perspektivlosigkeit entladen sich auf Migranten – und auch in Westdeutschland kommt es zu Übergriffen. Erst Mitte der 1990er Jahre reagiert die Politik entschieden: Mit einer Welle von Verhaftungen und Vereinsverboten setzt sie ein klares Zeichen gegen den erstarkenden Rechtsextremismus. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Jone Munjunga, Projektleiterin Kulturverein Palanca in Eberswalde ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer
  • wie die Polizei dem Gewaltopfer Amadeu Antonio nicht zur Hilfe kommt,
  • dass die fünf Angeklagten vor Gericht keine Reue zeigen,
  • über die Ursachen der Ausländerfeindlichkeit nach der Wende,
  • und wie sich Rassismus heute in der Politik etabliert.

Am 24. November 1990 rotten sich in Eberswalde, Ostdeutschland, rund 50 Skinheads und Neonazis zusammen, um es mal "ordentlich krachen zu lassen". Das nennen sie "Neger aufklatschen". Die bewaffnete und gröllende Meute zieht zum Hüttengasthof, eine der wenigen Kneipen der Stadt, in denen Angolaner geduldet werden.

Amadeu Antonio kann nicht mehr rechtzeitig fliehen und wird brutal verprügelt. Auch als er schon am Boden liegt, springen Skins auf seinen Kopf. Elf Tage später stirbt Amadeu Antonio an seinen Verletzungen. Er gilt als erstes Todesopfer rassistischer Gewalt nach der deutschen Wiedervereinigung.

Eberswalde ist keine Einzelfall, sondern markiert den Beginn der Zeit, die als "Baseballschlägerjahre" in die Geschichte eingehen wird. Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen werden zu Synonymen für brutale Gewalt gegen Ausländer.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Jone Munjunga, Projektleiter im Kulturverein Palanca in Eberswalde
  • Bettina Kohlrausch, Soziologin, Hans Böckler Stiftung
  • Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Wie das Aufstauen der Alster Hamburg groß machte

Wie das Aufstauen der Alster Hamburg groß machte WDR Zeitzeichen 23.11.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 24.11.2099 WDR 5

Wer heute von der Hamburger Alster spricht, meint meistens den idyllischen innerstädtischen See. Seinen Ursprung hat er in einem Wassermühlenbau im Jahr 1195.

Eigentlich ist die Alster nur ein kleiner Fluss, der vor gut 800 Jahren aufgestaut wird. Das hat ökonomische Gründe: Man braucht die Triebkraft des Wassers für die Getreide- und Malzmühlen. Dafür wird der Fluss mit einem Damm aufgestaut, sodass ein Gefälle entsteht und das herabströmende Wasser die hölzernen Mühlräder in Bewegung setzen kann. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Sönke Knopp (Historiker und Kurator, Museum für Hamburgische Geschichte) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heide Soltau:
  • was in der einzigen heute noch existierenden Urkunde zur Entstehung des Alstersees steht,
  • was das Domkapitel der katholischen Bischofskirche Hamburg mit der Überflutung von Wiesen zu tun hat,
  • was im 17. Jahrhundert zur Trennung von Binnen- und Außenalster führt,
  • welche Umweltprobleme die wirtschaftliche Nutzung der Alster im 19. Jahrhundert verursacht,
  • welche Bedeutung die Alster heute für Kultur und Freizeit hat.

Von der Quelle in Schleswig-Holstein schlängelt sich die Alster über 52 Kilometer durch die norddeutsche Landschaft, bis sie in Hamburg ankommt. Dort hat im 12. Jahrhundert die Obrigkeit ein großes Interesse am Aufstauen des Flusses. Denn dadurch können die Mühlen effizient betrieben werden - und deren Erträge stehen dem Landesherrn zu. Es wird Getreide gemahlen und Malz für die Bierherstellung geschrotet.

Die zweite, bedeutendere Aufstauung des Alsterflusses findet vermutlich zwischen 1230 und 1235 statt. Adolf IV. von Holstein und Stormarn lässt einen weitaus größeren Damm bauen und macht Hamburg im Mittelalter zur bedeutenden Bierstadt. Geplant ist das alles nicht: Die Hamburger verdanken ihre "Alster", wie sie den See liebevoll nennen, gewissermaßen einem Kollateralschaden - und zu einem großen Teil auch dem Bier.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Kapitän Jörg Ipsen (Alster-Touristik)
  • Ralf Wiechmann (Historiker)
  • Sönke Knopp (Historiker und Kurator, Museum für Hamburgische Geschichte)
  • Olaf Matthes (Historiker, Museum für Hamburgische Geschichte)
  • Friedrich von Hagedorn: Die Alster. Hamburg 1744
  • Volker Looks: Die Alster. Der Fluss und die Stadt. Neumünster 2012
  • Wilhelm Melhop: Die Alster. Geschichtlich, ortskundlich und flussbautechnisch beschrieben. Hamburg 1932

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Heide Soltau
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Flucht vor der Wirklichkeit: Der Regisseur Terry Gilliam

Flucht vor der Wirklichkeit: Der Regisseur Terry Gilliam WDR Zeitzeichen 22.11.2025 14:35 Min. Verfügbar bis 23.11.2099 WDR 5

Als "sechster Monty Python" stand Terry Gilliam (geboren am 22.11.1940) selten vor der Kamera - er schuf die markanten Animationen. Berühmt wurde er mit Filmen wie "Brazil" und "12 Monkeys".

In der Kirche gilt sein Witz als "unangemessen". Terry Gilliam, der eigentlich Missionar werden will, erkennt früh, dass er mit Humor mehr bewirken kann als mit Predigten. Der Rauswurf aus dem religiösen Umfeld führt ihn dorthin, wo Spott und Fantasie erlaubt sind: ins Satiremagazin Mad und schließlich zu Monty Python, wo sein Humor ein kreatives Zuhause findet. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Harald Mühlbeyer, Filmwissenschaftler und Filmbuchverleger ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg :
  • wie ausgerechnet ein Amerikaner den britischen Humor revolutioniert,
  • wie aus ausgeschnittenen Engeln, Hühnerkörpern und Luftmalerei Kunst wird,
  • und warum Realität und Fantasie bei Terry Gilliam nie klar zu trennen sind.

Terry Gilliam, geboren 1940 in Minnesota, wächst zwischen Farbtöpfen, Holzspänen und Kinoleinwänden auf. Früh entdeckt er seine Liebe zu allem, was schrill und absonderlich ist: im Zirkus, in Comics, später in der Satire. Als die USA gegen Vietnam Krieg führen, zieht er nach England und schließt sich John Cleese und der Truppe von Monty Python’s Flying Circus an. Seine wilden Collage-Animationen verbinden die Sketche der Komiker - grotesk, verspielt, unverwechselbar.

Bald wagt Gilliam den Sprung zum Spielfilm. In Werken wie Brazil, 12 Monkeys oder Time Bandits kämpft er mit Fantasie gegen die Enge der Wirklichkeit. Hollywood nennt ihn schwierig, Fans nennen ihn visionär. Er selbst sagt: "Ich wollte immer wissen, wo die Klippe ist - und bin dann einfach einen Schritt weitergegangen."

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Harald Mühlbeyer, Filmwissenschaftler und Filmbuchverleger
  • Harald Mühlbeyer: Perception is a strange thing - Die Filme von Terry Gilliam, Marburg, 2010.
  • Terry Gilliam: Gilliamesque - Meine Prä-posthumen Memoiren, München, 2015.
  • BBC4 Interview mit Terry Gilliam

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Frieden für Bosnien und Herzegowina: das Dayton-Abkommen

Frieden für Bosnien und Herzegowina: das Dayton-Abkommen WDR Zeitzeichen 21.11.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 22.11.2099 WDR 5

Am 21.11.1995 einigen sich in Dayton, Ohio, Vertreter Bosniens, Kroatiens und Serbiens auf ein Friedensabkommen: Ende des Bosnienkriegs, in dem 100.000 Menschen starben.

Als Jugoslawien zerbricht, werden jahrzehntelange Nachbarn plötzlich zu Feinden. Serben, Kroaten und Bosniaken kämpfen um Territorien, Identität und Macht - mitten in Städten, in denen sie einst Tür an Tür lebten. Erst das Friedensabkommen von Dayton legt den Grundstein für ein Zusammenleben, das bis heute auf Bewährung steht. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Harry Blain, Politikwissenschaftler an der California State University in Sacramento ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • welchen Einfluss der Tod Titos auf die Region hat,
  • wie sich aus ethnischen Spannungen auf dem Balkan ein Krieg entwickelt, der Nachbarn zu Feinden macht,
  • wie US-Diplomatie einen der längsten und blutigsten Kriege Europas beendet,
  • warum der Friede von Dayton zwar hält, aber nie wirklich heilte,
  • und weshalb Bosnien-Herzegowina bis heute ein Staat mit zwei Seelen ist.

Einen Krieg zu beenden ist schwer. Im November 1995 gelingt es - nach dreieinhalb Jahren Belagerung, Vertreibung und Massakern. In Dayton, Ohio, sitzen sich die Präsidenten Serbiens, Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas an einem US-Luftwaffenstützpunkt gegenüber. Drei Wochen lang wird verhandelt, gestritten, gezögert - bis der Durchbruch kommt. Das Abkommen von Dayton macht den Weg frei für Frieden, aber nicht für Versöhnung.

Bosnien bleibt ein Land, geteilt in zwei eigenständige Teile: die Föderation der Bosniaken und Kroaten - und die Republik Srpska. Präsident Alija Izetbegovic sagt damals: „Das ist kein gerechter Friede. Aber er ist besser als die Fortsetzung des Krieges.“ Dreißig Jahre später gilt das noch immer. Der Friede von Dayton hält – fragil, aber ungebrochen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Harry Blain, Politikwissenschaftler an der California State University in Sacramento
  • The Futility of Force: The U.S. Intelligence Community and the War in Bosnia,
  • Fink, Matthias: Srebrenica. Chronologie eines Völkermords oder Was geschah mit Mirnes Osmanović, Hamburg, 2015.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heiner Wember
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Der wahre Moby Dick: Wie ein Pottwal die Essex angriff

Der wahre Moby Dick: Wie ein Pottwal die Essex angriff WDR Zeitzeichen 20.11.2025 15:57 Min. Verfügbar bis 21.11.2099 WDR 5

20.11.1820: Ein Pottwal rammt ein Walfangschiff - der Gejagte schlägt zurück. Melville macht daraus Moby Dick. Eine Geschichte von Gier, Kannibalismus und Überleben.

Der Angriff kommt aus dem Nichts: Ein riesiger Pottwal, eigentlich ein friedliches Tier, stößt am 14.12.1820 zweimal mit voller Wucht gegen die Essex - bis das Schiff sinkt. Warum der Wal das tut, ist bis heute unklar. Forschende vermuten, er habe sich zunächst erschrocken, dann in blinder Wut erneut angegriffen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Dr. Oliver Völker, Literaturwissenschaftler, Melville-/Moby-Dick-Kenner ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting:
  • wie ein Pottwal im Jahr 1820 zum Angreifer und seine Jäger zu Gejagten werden,
  • wie die Männer der Essex am Ende selbst zu dem werden, was sie so sehr fürchten,
  • und wie der Untergang des Walfangschiffs zur Vorlage für Herman Melvilles Moby Dick wird.

Im Sommer 1819 verlässt die Essex den Hafen von Nantucket, damals die Welthauptstadt des Walfangs. An Bord: 20 Männer auf der Suche nach Walöl, dem Brennstoff der frühen Industrialisierung. Was als Routinefahrt beginnt, endet in einer Katastrophe, die Geschichte schreibt.

Ein riesiger Pottwal rammt das Schiff zweimal, bis es sinkt. Wochenlang treiben die Überlebenden in kleinen Booten über den Pazifik, geplagt von Hunger, Durst und Verzweiflung. Ihr Bericht wird später den jungen Schriftsteller Herman Melville inspirieren. Aus der wahren Begebenheit macht er einen Roman über Rache, Hybris - und die zerstörerische Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Stephan Beuting
Redaktion: Matti Hesse

Suez-Triumph und Panama-Pleite: Ferdinand de Lesseps

Suez-Triumph und Panama-Pleite: Ferdinand de Lesseps WDR Zeitzeichen 19.11.2025 14:38 Min. Verfügbar bis 20.11.2099 WDR 5

Am 19.11.1805 wird Ferdinand de Lesseps geboren. Der Bau des Suezkanals macht den französischen Diplomaten zum Nationalhelden. Am Panamakanal scheitert er.

Mit der Eröffnung des Suezkanals feiert der französische Diplomat und Ingenieur Ferdinand de Lesseps am 17. November 1869 einen großen Erfolg - zwei Tage vor seinem eigenen 64. Geburtstag. Mit seinem zweiten Großprojekt, einem Versuch den Panama-Kanal zu bauen, erleidet er dagegen furchtbaren Schiffbruch. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit der Historikerin an der Sorbonne und Suez-Kanal-Expertin Dr. Caroline Piquet gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • welche Rolle der Suezkanal im Kampf der Franzosen und Engländer um koloniale Vorherrschaft spielt,
  • wie der Franzose Ferdinand de Lesseps vom Diplomaten zum Ingenieur wird,
  • mit welchen Mitteln die Engländer den Bau des Suezkanals bei jeder Gelegenheit stören,
  • wie Ferdinand de Lesseps nach seinem Erfolg mit dem Suezkanal am Projekt Panama-Kanal scheitert.

Der französische Jurist und Diplomat Ferdinand de Lesseps befasst sich schon während der Jahre als Diplomat in Alexandria und Kairo mit den Ideen eines Kanals. Als er im Alter von 55 Jahren im unfreiwilligen Ruhestand ist, wird sein Jugendfreund Muhammad Said zum ägyptischen Vizekönig ernannt. Lesseps gratuliert, wird nach Ägypten eingeladen und kann Said von der Idee für einen Kanal überzeugen. Lesseps bekommt eine erste Konzession für den Bau des Suezkanals.

Großbritannien übt diplomatischen Druck aus, um den Kanalbau zu verhindern, kann Lesseps aber nicht davon abhalten. Am 17. November 1869 findet im Beisein vieler Fürsten und geladener Europäer die feierliche Eröffnung des Kanals statt. Die dreitägigen Festlichkeiten sollen rund 20 Millionen Francs gekostet haben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Thierry Chambolle, Ehemaliger Präsident der "Association du Souvenir de Ferdinand de Lesseps et du Canal de Suez"
  • Dr. Caroline Piquet, Historikerin an der Sorbonne und Suez-Kanal-Expertin
  • Ghislain de Diesbach: Ferdinand de Lesseps. Biographie. Perrin, Paris 1998.
  • Christian Schmidt-Häuer: Tatort Panama. Konquistadoren, Kanalbauer, Steuerflüchtige. 500 Jahre Kolonialisierung und Globalisierung. Münster 2018.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa-Inci Suvak
Technik: Jürgen Beiner

Neue Heimat im Meer: Die ersten Wikinger auf Island

Neue Heimat im Meer: Die ersten Wikinger auf Island WDR Zeitzeichen 18.11.2025 14:39 Min. Verfügbar bis 19.11.2099 WDR 5

Die Namen der ersten Siedler auf Island sind im Landnahmebuch erfasst. Aber wer überwinterte eigentlich als Erster auf der Insel? Und war das wirklich im Jahr 870?

Um 870 wird das heutige Island von Menschen besiedelt. Der ersten Einwanderer, norwegische Wikinger, finden gute Verhältnisse vor: Wälder liefern Holz zum Heizen und die klirrende Kälte kennen sie bereits aus der Heimat. Auf der neuen Insel gibt es zudem reichlich Land, auf das niemand Besitzansprüche erhebt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Prof. Natascha Mehler, Universität Tübingen ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • warum Island für Archäologen eine Schatzkammer ist,
  • was ein "Pape" im Ortsnamen über die Besiedlung aussagt,
  • wie die ersten Siedler sich gegen die Kälte wappnen,
  • welche Rätsel römische Kupfermünzen den Historikern aufgeben.

Um die erste Besiedelung Islands ranken sich viele Sagen und Legenden. Der Schwede Gardar Svavarsson soll einst zufällig auf der Insel gestrandet und dann am 18.11.870 zum Überwintern zurück gekehrt sein. Lyrischer ist die Geschichte um Flóki Vilgerdarson. Der Norweger hat angeblich drei Raben ausgesetzt, die seinem Schiff den Weg nach Island zeigten.

Die isländische Geschichtsschreibung nennt Ingólfr Arnarson und Hjörleifr Hródmarsson als erste Dauersiedler. Wer tatsächlich als erster Mensch auf Island übernachtet hat, ist bis heute nicht bewiesen.

Belegt ist hingegen, dass um 870 die ersten Wikinger aus Norwegen Island besiedelt haben. Nach der Machtübernahme durch Harald Schönhaar waren sie auf der Suche nach einer neuen Heimat – und richten sich mit Fellen und viel Gras auf der eisigen Vulkaninsel ein.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Natascha Mehler, Universität Tübingen
  • Natascha Mehler: Viking age and medieval craft in Iceland: Adaptation to extraordinary living conditions on the edge of the Old World
  • Rudolf Siemeck: Die Wikinger, München 1998

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Frank Zirpins

Die Computermaus: Zwei Erfinder, eine Revolution

Die Computermaus: Zwei Erfinder, eine Revolution WDR Zeitzeichen 17.11.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 18.11.2099 WDR 5

Gleichzeitig in den USA und Deutschland entwickelt, wird die Maus am 17.11.1970 patentiert. Der Durchbruch kommt erst 15 Jahre später - dank einer anderen Erfindung.

In den 1960er-Jahren entwickelt der amerikanische IT-Experte Douglas Engelbarter mit seinem Team die Computermaus. Dass die Maus unabhängig voneinander gleich zweimal erfunden wird ist eine Kuriosität der Technikgeschichte. So hat die Maus zwei Väter, den Amerikaner Douglas Engelbart und den Deutschen Rainer Mallebrein. Auch wenn nur einem von ihnen am 17. November 1970, heute vor 55 Jahren, ein Patent bewilligt wird. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit Stefan Kastigen, dem Gründer und Leiter des Bielefelder Computermuseums, gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Seebaum:
  • warum die Erfindung des Mikroprozessors die Computer-Geschichte innerhalb weniger Jahre verändert,
  • wie der Zufallsfund in einer philippinischen Pfahlhütte die Geschichte des Computers anschiebt,
  • wo die Maus erst 15 Jahre nach ihrer Entwicklung eine passende Anwendungsmöglichkeit bekommt,
  • von der Vorteilen der Maus gegenüber der Touch-Interaktion direkt auf dem Display.

In den 1960er-Jahren probieren der US-amerikanische Computertechniker Doug Engelbart und sein Team in Stanford, Kalifornien, systematisch verschiedene Steuerungsmöglichkeiten für Computer aus: Den Joystick etwa oder den Light Pen, bei dem mit einem an einem dicken Kabel hängenden Stift direkt am Bildschirm markiert wird. Auch exotische Lösungen wie die Steuerung mit Pedalen oder mit dem Knie mittels einer unter den Schreibtisch montierten Apparatur werden getestet.

Mitte der 1960er-Jahre fällt die Entscheidung für das Eingabegerät der Wahl. Inzwischen ist der Computeringenieur Bill English zu Engelbarts Team gestoßen und hat den ersten Prototyp einer Maus gebaut, aus Holz und mit der Ergonomie einer Butterdose. Sie steht auf zwei um 90 Grad versetzten Rädchen, die jeweils die horizontale und vertikale Bewegung registrieren.

Die studentischen Probanden lieben die Maus, weil sie schnell ist und präzise. 1967 stellt Engelbarts einen Patentantrag. Am 17. November 1970 wird es ihm als Patent US3541541 zugewiesen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:


Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Seebaum
Redaktion: Carolin Rückl

Wie ein Missverständnis Coca-Cola groß machte

Wie ein Missverständnis Coca-Cola groß machte WDR Zeitzeichen 16.11.2025 13:34 Min. Verfügbar bis 17.11.2099 WDR 5

Am 16.11.1915 patentiert Coca-Cola eine eigene Flasche. Ihre Form sticht heraus und verhilft der Marke zum Durchbruch. Dabei basiert das Design auf einem Missverständnis.

Die Coca-Cola-Konturflasche ist das Ergebnis eines von der Coca-Cola Company im Jahr 1915 ausgeschriebenen Wettbewerbs. In der patentierten Form findet das Design jedoch nie Verwendung, da die Flasche durch den großen Bauchumfang zu wackelig steht. Eine Überarbeitung bringt der Flasche größere Stabilität. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit Dr. Peter Zec, dem Leiter des Design Zentrums Nordrhein-Westfalen, gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch:

  • Mit welchem Problem Coca-Cola Anfang des 20. Jahrhunderts zu kämpfen hat,
  • vom vielleicht besten Missverständnis aller Zeiten,
  • warum das erste Flaschendesign nicht in Produktion geht,
  • wie ausgerechnet der Weihnachtsmann zum Getränke-Maskottchen wird,
  • welchen großen Fehler das Unternehmen in den 1980er-Jahren macht.Bei mehr als 170 Konkurrenzprodukten will Coca-Cola Anfang des 20. Jahrhunderts auf Nummer sicher gehen und eine einzigartige Flasche designen. Man soll sie selbst erkennen, wenn man sie im Dunkeln anfasst. Aber noch besser, wenn die Flasche zerbrochen ist, soll man aus einer einzelnen Scherbe sehen können, das es eine Coca-Cola-Flasche ist.

Coca-Cola schreibt einen Wettbewerb für eine unverwechselbare Flasche aus. Unter den Teilnehmern: Die Root Glass Company aus Indiana. Auf der Suche nach besonderen Formen schickt der Betriebsleiter zwei Mitarbeiter in die Stadtbibliothek. Einer von ihnen heißt Earl Dean.

Dean schlägt in der Encyclopædia Britannica bei C nach und findet neben dem Wort Cacao das Bild einer Kakaoschote. Die hat zwar nichts mit Coca-Cola zu tun, sieht aber wunderschön aus. Coca-Cola ist begeistert von der kurvenreichen Flasche mit den markanten Rippen. 16. November 1915 wird das Patent angemeldet.

Der Flaschendesigner Earl Dean erhält gerade mal 500 Dollar für seinen Entwurf. Möglicherweise gingen die nicht einmal an ihn selbst, sondern an seinen Arbeitgeber. Dean wird in der Designgeschichte kaum erwähnt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

  • Prof. Cordula Meier, Folkwang Universität der Künste
  • Dr. Peter Zec, Leiter des Design Zentrums Nordrhein-Westfalen, Initiator und CEO von Red Dot
  • Norman L. Dean: The Man Behind The Bottle: The Origin and History of the Classic Contour Coca-Cola Bottle As Told By The Son Of Its Creator. 2010

Weiterführende Links:

  • Stichtag: 8. Juli 1831: Coca-Cola-Erfinder John S. Pemberton geboren
  • Stichtag: 8. Mai 1886: Coca-Cola kommt auf den Markt
  • Planet Wissen: Werkstoffe - Glas

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Laura Dresch
Redaktion: Jakob Schiffer / David Rother

Albertus Magnus: Der Bettelmönch, der alles wissen wollte

Albertus Magnus: Der Bettelmönch, der alles wissen wollte WDR Zeitzeichen 15.11.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 16.11.2099 WDR 5

Er war bedeutendste Gelehrte seiner Zeit. Kölns klügstem Star im Mittelalter (gestorben am 15.11.1280) verdankt die Domstadt nicht zuletzt ihren Weltruhm.

Dante erwähnt ihn in seiner Göttlichen Komödie. Heinrich der Poet besingt ihn in einem Gedicht: Albert den Großen, Albertus Magnus. Legenden zufolge habe er den Bauplan des Kölner Doms entworfen. Der Dominikanermönch gilt schon zu Lebzeiten als einer der berühmtesten Gelehrten in Mitteleuropa – und legt den Grundstock für die Universität zu Köln. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Maria Burger, Theologin, Albertus-Magnus-Institut Bonn ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • was über die Jugendjahre von Albertus Magnus bekannt ist,
  • wie der Theologe in Paris in den Talmud-Streit gerät,
  • was sich hinter der "Scholastik" verbirgt,
  • warum Albertus Magnus zum Star des Mittelalters avanciert.

Auf einer Reise nach Padua tritt der junge Albertus Magnus dem Dominikaner-Orden bei. Sein Noviziat absolviert er in Köln, später lehrt er als Professor an der angesehenen Universität von Paris. 1248 kehrt er an den Rhein zurück, um im Auftrag seines Ordens in der größten und reichsten Stadt nördlich der Alpen ein Generalstudium einzurichten. Es ist der Vorläufer der späteren Universität zu Köln.

Der Theologe taucht in alle Bereiche der damaligen Wissenschaft ein und übernimmt von Aristoteles den Ansatz, die Welt mit rationalen Mitteln und eigener Anschauung zu deuten. So schafft Albertus Magnus den Spagat, rationale Wissenschaft mit christlicher Schöpfungslehre zu verbinden. Seine Lehre und Schriften machen ihn schon zu Lebzeiten weltbekannt. Thomas von Aquin ist sein wohl berühmtester Schüler.

Wenn Albertus Magnus nicht lehrt, forscht und schreibt, vermittelt er in Konflikten zwischen der Bürgerschaft und der Kirche oder besucht Frauenklöster in ganz Europa. Am 15. November 1280 stirbt er in Köln – hochgeachtet und rund 80 Jahre alt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Maria Burger, Theologin am Albertus-Magnus-Institut Bonn
  • Alexander Fidora, Professor für Philosophie an der Autonomen Universität Barcelona
  • Andreas Speer, Philosophieprofessor an der Universität zu Köln
  • Maria Burger: Codex 30 der Dombibliothek Köln. Ein Arbeitsexemplar für Thomas von Aquin als Assistent Alberts des Großen, in: Symposion "Mittelalterliche Handschriften der Kölner Dombibliothek", Köln 2005
  • Maria Burger: Albertus Magnus. Über Theologie als Wissenschaft, in: Karl Lehmann: Zum Begriff der Theologie bei Albertus Magnus (Lectio Albertina 8), Münster 2006
  • Alexander Fidora: Albertus Magnus und der Talmud. Münster 2020
  • Andreas Speer: "Göttin der Wissenschaften" – "Torheit vor Gott". Albertus Magnus über philosophische und biblische Weisheit, Münster 2018

Weiterführende Links:
  • Albertus-Magnus-Institut
  • Thomas-Institut der Universität zu Köln
  • ICREA – Catalan Institution for Research and Advanced Studies

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Claudia Friedrich
Redaktion: Matti Hesse und Hildegard Schulte
Technik: Thomas Bleul und Claudia Friedrich

Mit der "Roten Kapelle" gegen Hitler: Cato Bontjes van Beek

Mit der "Roten Kapelle" gegen Hitler: Cato Bontjes van Beek WDR Zeitzeichen 14.11.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 15.11.2099 WDR 5

Sie liebt das Leben, die Freiheit und das Fliegen. Mit 22 Jahren wird Cato Bontjes van Beek (geb. 14.11.1920) hingerichtet - weil sie Flugblätter gegen den Krieg verteilt.

Als junge Frau segelt Cato Bontjes van Beek in Berlin durch die Luft - so freiheitsliebend, dass sie dafür sogar den Beitritt zum Nationalsozialistischen Fliegerkorps in Kauf nimmt. Doch ihre Freiheit bleibt nicht an den Himmel gebunden: Sie wird zur inneren Haltung, die Cato später in den Widerstand führt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Saskia Bontjes van Beek, Verwalterin des Familienarchivs ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heide Soltau:
  • dass Cato ein fröhliches Mädchen ist, das sich gern verkleidet, improvisiert und andere imitiert,
  • wie aus ihr eine junge Frau wird, die Gestapo-Verhören standhält,
  • warum Cato Bontjes van Beek selbst nach ihrem Todesurteil ihre Hoffnung und Menschlichkeit bewahrt,
  • warum ihre letzten Zeilen an die Mutter kein Pathos enthalten, sondern den Wunsch, dass Schmerz in Kunst verwandelt wird.

Cato Bontjes van Beek wird 1920 in Fischerhude geboren: in ein offenes und künstlerisches Elternhaus, in dem Freiheit und Neugier selbstverständlich sind. Als Kind reist sie allein nach Amsterdam, später lebt sie in England, lernt Sprachen und macht den Pilotinnenschein. Sie fliegt Loopings und lacht gern und oft. Doch ihre Welt verändert sich: Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus wird Cato ernst.

In Berlin tritt sie einer Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen bei, verteilt Flugschriften, versteckt Verfolgte. 1942 wird sie verhaftet. Im Gefängnis schreibt sie Briefe voller Klarheit und Trost - für andere, nicht für sich. Selbst nach ihrem Todesurteil bleibt sie furchtlos und menschlich.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Cato Bontjes van Beek, Hermann Vinke (Hrsg.): Leben will ich, leben, leben. Die junge Frau, die gegen die Nazis kämpfte und ihr Leben ließ, München 2020.
  • Hermann Vinke: Cato Bontjes van Beek. Ein Porträt, Fischerhude 2021.
  • Hermann Vinke: Leben will, leben, leben - Die lange Nacht über die Widerstandkämpferin Cato Bontjes van Beek. Deutschlandfunkkultur, August 2023.
  • CATO Konzertfilm von Helge Burggrabe zum 100. Geburtstag der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek. Mit Julia Jentsch, Lorenz Meyboden, Christoph Jöde. Gesang: Vokalensemble SJAELLA.

Und das sind unsere InterviewpartnerInnen:
  • Saskia Bontjes van Beek, Verwalterin des Familienarchivs
  • Hermann Vinke, Journalist und Autor
  • Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heide Soltau
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Sarah Fitzek

Weil's auch dem König so gefiel: erste Doktorin der Medizin

Weil's auch dem König so gefiel: erste Doktorin der Medizin WDR Zeitzeichen 13.11.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 14.11.2099 WDR 5

Dorothea Christiane Erxleben, geboren am 13.11.1715, erreicht, was für Frauen damals eigentlich nicht vorgesehen war. Sie promoviert in Medizin. Als erste in Deutschland.

Sie gehört zu den Frauen, die sich wehren gegen die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts in Ausbildung und Beruf: Dorothea Christiane Erxleben entlarvt Vorurteile und kämpft gegen Widerstände. Aber die Pionierin des Frauenstudiums bekommt auch Unterstützung von Männern – sogar vom König. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professorin Eva Brinkschulte (emeritierte Medizinhistorikerin und Medizinethikerin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Steffi Tenhaven:
  • wie Dorothea Christiane Erxleben schon früh mit dem Fach Medizin in Berührung kommt,
  • mit welchen Mitteln sie als 23-Jährige gängige Vorurteile gegen Frauen entlarvt,
  • warum sie 1753 von drei Ärzten angezeigt wird,
  • wie ungleich Frauen und Männer heutzutage im Medizinstudium behandelt werden.

Dorothea Christiane Erxleben traut sich was. Weil Frauen damals nicht studieren dürfen, schreibt sie an Friedrich den Großen und bittet ihn, ihr das Medizinstudium und die Promotion an der Universität in Halle zu gestatten. Der König zeigt sich großzügig und erteilt 1741 seine Genehmigung.

Doch das Leben hat zunächst andere Pläne. Als eine Cousine stirbt und fünf kleine Kinder hinterlässt, kümmert sie sich um die Halbwaisen und heiratet später den Witwer – den Diakon Johann Christian Erxleben. Mit 26 Jahren ist sie plötzlich Stiefmutter, Hausfrau und Pfarrersfrau.

Vier eigene Kinder bekommt sie auch noch. Erst Jahre später kann sie von ihrer königlichen Sondergenehmigung Gebrauch machen und wird, inzwischen 38 Jahre alt, Deutschlands erste Ärztin mit Doktortitel.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Eva Brinkschulte (emeritierte Medizinhistorikerin und Medizinethikerin)
  • Jule Stock (Ärztin, Doktorarbeit zur Genderdiskriminierung an medizinischen Fakultäten in Deutschland)
  • Eva Brinkschulte: Dorothea Christiane Erxleben - Weibliche Gelehrsamkeit und medizinische Profession seit dem 18. Jahrhundert. Halle 2006
  • Dorothea Christiane Erxleben: Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsichern Heilung der Krankheiten. Reprint der Dissertation von 1755. Dößel 2006

  • Jule Stock und Andrea Kaifie: The effects of gender discrimination on medical students‘ choice of specialty for their (junior) residency – a survey among medical students in Germany. Berlin 2024

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Steffi Tenhaven
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Neil Young wird 80: Der ewige Rebell des Rock

Neil Young wird 80: Der ewige Rebell des Rock WDR Zeitzeichen 12.11.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 13.11.2035 WDR 5

Am 12.11.1945 wird Neil Young geboren: Rocklegende, Umweltaktivist, Eigenbrötler. Ein Musiker, der nie mit dem Strom schwimmt - und damit Generationen prägt.

Als "Pate des Grunge" prägt Neil Young Bands wie Nirvana und Pearl Jam - nicht durch Perfektion, sondern durch rohe Energie und kompromisslose Haltung. Seine Musik bleibt stets unbequem, ehrlich und laut, ein Vorbild für eine ganze Generation von Alternative-Rock-Künstlern. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Heinz Rebellius, Musiker und Journalist ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer:
  • wie Neil Young auf einem 5.400-Kilometer-Roadtrip in einem alten Leichenwagen nach Los Angeles gelangt,
  • wie er mit brüchiger Stimme alle Trends ignoriert und trotzdem Rockgeschichte schreibt,
  • wie er mit der radikal ehrlichen, düsteren Ditch-Trilogie seine Karriere riskiert und zugleich sein wahrhaftigstes Werk schafft,
  • und wie er bis heute unbeirrbar für Umwelt, Freiheit und die eigenen Überzeugungen kämpft.

"It’s better to burn out than to fade away" - dieser berühmte Satz fasst Neil Youngs Karriere wohl am besten zusammen. Über 50 Alben, Hall-of-Fame-Ehren als Solokünstler und mit der Band Buffalo Springfield: Der Sänger bleibt ständig in Bewegung. Mal leise mit Akustikgitarre, mal laut mit der Gruppe Crazy Horse, immer kompromisslos und eigenwillig.

Schon früh von Bob Dylan inspiriert, wagt er den Sprung von Kanada nach Los Angeles, wird Stimme der Protestgeneration und landet Welthits wie "Heart of Gold". Der Ruhm bremst ihn nicht. Er singt gegen Krieg, Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit, baut ein Elektroauto und nimmt Alben auf, als wären es musikalische Tagebucheinträge. Bis heute bleibt Neil Young der unbequeme, leidenschaftlich Suchende. Und ein Musiker, der lieber riskiert auszubrennen, als stehenzubleiben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Heinz Rebellius – Musiker und Journalist
  • Neil Young: Ein Hippie-Traum. Köln 2012
  • Navid Kermani: Das Buch der von Neil Young getöteten Kinder. Berlin 2013
  • Scott Young: Neil & Me. Ontario 1984

Weiterführende Links:
  • WDR Rockpalast: Neil Young – Interview und Konzertmitschnitt
  • WDR Rockpalast: Alles zu Neil Young
  • WDR Kulturnachrichten: Neil Young besorgt um Wiedereinreise in die USA
  • Under The Rusted Moon: All about Neil Young

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christopher Heimer
Redaktion: David Rother

Tupaia: James Cooks vergessener Navigator

Tupaia: James Cooks vergessener Navigator WDR Zeitzeichen 11.11.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 12.11.2099 WDR 5

Er kennt den Pazifik wie kein Europäer: Tupaia, der polynesische Navigator, führt James Cook über unbekannte Meere – und zahlt am 11.11.1770 mit seinem Leben.

"Sollte ein Schiff mit Tupaia auslaufen, dann hätte dieses Schiff einen enormen Vorteil gegenüber allen Schiffen, die zuvor in diesen Meeren auf Entdeckungsfahrt waren", notiert James Cook in seinem Logbuch. Es ist einer der wenigen Hinweise auf den polynesischen Navigator Tupaia. Dabei wird sein Wissen über den Südpazifik und sein Sprachtalent zum Schlüssel für Cooks erfolgreiche Entdeckungsreise. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Frank Vorpahl, Historiker, Journalist und Autor ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Kolja Sand:
  • welche Hoffnung Tupaia in James Cook setzt,
  • wie Tupaia anhand der Sterne Schiffe navigieren kann,
  • warum sein Neffe Taiato auf der Expedition zu "everybody's darling" wird,
  • dass Tupaia sich trotz sichtlichem Vitamin-C-Mangel weigert, vitaminreiches Sauerkraut und Zitronengelee zu essen.

Als James Cook vor Tahiti ankert, kommt es schon bald zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Indigenen. Tupaia, ein Priester von einer der Nachbarinseln Tahitis, versucht zu vermitteln und bringt die Anliegen der Inselbewohner vor.

Cook erkennt schnell, dass Tupaia nicht nur ein geschickter Diplomat ist, sondern sich auch im Pazifik bestens auskennt. Er kann Tupaia überzeugen, mit ihm in See zu stechen. Dank Tupaias Navigationskunst erreichen die Briten bald Neuseeland. Dort kann sich Tupaia mit den Māori verständigen und ermöglicht Cook so, Neuseeland zu erkunden.

Ohne Tupaia wäre Cook wahrscheinlich nicht als erfolgreicher Entdecker in die Geschichte eingegangen. Erwähnt hat er ihn in seinen Berichten dennoch kaum – obwohl Tupaia im Dienste Cooks stirbt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Frank Vorpahl, Historiker, Journalist und Autor
  • Frank Vorpahl: Aufbruch im Licht der Sterne. Wie Tupaia, Maheine und Mai Captain Cook den Weg durch die Südsee erschlossen, Köln 2023
  • James Cook: Captain Cook’s Journal During His First Voyage Round the World, made in H.M. Bark Endeavour, 1768-71, London 1893

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Kolja Sand
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Moritz Raestrup

Der Gammelfleisch-Skandal 2005

Der Gammelfleisch-Skandal 2005 WDR Zeitzeichen 10.11.2025 14:56 Min. Verfügbar bis 11.11.2099 WDR 5

Ein Fund in einem Kühlhaus löst Entsetzen aus: Verdorbenes Fleisch, trotzdem verkauft. Im November 2005 erreicht der Skandal seinen Höhepunkt - mit Ekel-Funden in ganz Deutschland.

Ende 2005 wird klar: Ein Geflecht aus Schlachtern, Händlern, Lieferanten und Fleischverarbeitern hat Verbrauchern tonnenweise Abfälle untergejubelt – etikettiert als hochwertiges Fleisch. Der Skandal wird zum viel diskutierten Ereignis. Die Politik muss einräumen, dass laxe Kontrollen den Betrug erst ermöglicht haben. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Matthias Wolfschmidt, Foodwatch ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Gerdener:
  • was die Rinderseuche BSE mit dem Gammelfleisch zu tun hat,
  • warum niemand kontrolliert, wo Fleischabfälle landen,
  • was die Politik in Folge des Skandals ändert.

Ein Hotelzimmer zur Dauermiete und ein Telefon. Mehr braucht Uwe Domenz nicht, um seine Geschäfte zu führen. Er kauft und verkauft massenhaft Fleisch, vor allem günstiges - mit gutem Gewinn. Sein Geschäftsmodell platzt nach einer unangemeldeten Routinekontrolle in einem Gelsenkirchener Kühlhaus. Die Lebensmittelprüfer stellen fest: Das von Domenz angebotene Fleisch hat das Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten.

Das Veterinäramt stellt weitere Tonnen Fleisch sicher – seit Jahren tiefgefroren und überlagert. Am Ende sind es 400 Tonnen "Gammelfleisch", die Uwe Domenz den Verbrauchern unterjubelt: Abfälle, die in Würstchen und Dönerspießen landen, Tierfutter, das als Spanferkel etikettiert wird, Straußenfleisch, das als Rindergulasch verkauft wird.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Matthias Wolfschmidt, Foodwatch
  • Kai Purnhagen, Professor für Lebensmittelrecht, Uni Bayreuth

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Gerdener
Redaktion: Matti Hesse und David Rother

Stockholmer Blutbad: Wie eine Krönung zur tödlichen Falle wird

Stockholmer Blutbad: Wie eine Krönung zur tödlichen Falle wird WDR Zeitzeichen 09.11.2025 14:12 Min. Verfügbar bis 10.11.2099 WDR 5

Die Krönung von Christian II. zum König von Schweden im November 1520 beginnt als fröhliches Fest. Sie endet mit mehr als 100 toten Gästen - nur ein Feind Christians entkommt.

Gustav Eriksson, später als Gustav Wasa bekannt, entgeht dem Stockholmer Blutbad, doch sein Vater gehört zu den Opfern. Das Massaker wird für Gustav Wasa zum Wendepunkt: In den Jahren danach führt er den Widerstand gegen die dänische Herrschaft an und wird schließlich 1523 zum König von Schweden gewählt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Professor Dr. Heiko Droste (Professor für Geschichte an der Universität Stockholm) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:
  • wie ein prunkvolles Krönungsfest zum Schauplatz politischer Abrechnung wird,
  • warum der Vorwurf der Ketzerei entscheidend ist,
  • wie Christian II. versucht, sein Handeln gegenüber Rom zu rechtfertigen,
  • warum der Vatikan trotz Kenntnis der Vorgänge nicht einschreitet,
  • wie das "Stockholmer Blutbad" zu einem Wendepunkt der schwedischen Geschichte wird.

Anfang November 1520 strömt die schwedische Elite nach Stockholm. Der dänische König Christian II. feiert seine Krönung zum Herrscher über Schweden. Drei Tage lang scheint alles in bester Ordnung: freundliche Gesten, festliche Stimmung, Versprechen von Amnestie für ehemalige Kontrahenten. Der Schein trügt.

Am dritten Tag werden die Türen des Schlosses geschlossen. Erzbischof Gustav Trolle erhebt schwere Anklagen: Ketzerei und Hochverrat hätten die begangen, die seinen und damit Christians Rivalen unterstützt haben. Was folgt, ist ein Akt kalkulierter Gewalt. Auf dem Marktplatz werden mehr als 120 Adlige, Geistliche und Bürger hingerichtet. Ein Schock für das ganze Land.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Dr. Heiko Droste (Professor für Geschichte an der Universität Stockholm)
  • Heiko Droste und Kurt Villads Jensen: The Stockholm Bloodbath of 1520, Amsterdam 2025
  • Sven Ekdahl: Das Stockholmer Blutbad 1520, München 1990

Weiterführende Links:
  • Stadtgeschichtliche Internetseite Stockholms zum Blutbad
  • Zeitzeichen 20.07.1397: Die "Union von Kalmar" wird geschlossen
  • Zeitzeichen 12.01.1528: Gustav I. Wasa wird König von Schweden

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Mau
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

Nobelpreis für einen Zufall: Röntgens revolutionäre Strahlen

Nobelpreis für einen Zufall: Röntgens revolutionäre Strahlen WDR Zeitzeichen 08.11.2025 14:09 Min. Verfügbar bis 09.11.2099 WDR 5

Am 8.11.1895 entdeckt Wilhelm Röntgen Strahlen, die alles durchdringen. Erst gefährliches Jahrmarkt-Spektakel, retten sie bald Leben und bringen Röntgen den ersten Nobelpreis ein.

Wilhelm Röntgens Weg in die Wissenschaft beginnt mit einem Rückschlag: Er wird der Schule verwiesen, weil er einen Freund nicht verraten will, der eine Karikatur des Lehrers gezeichnet hat. Ohne Abitur darf er eigentlich nirgends studieren. Doch er findet Wege, hört als Gasthörer Vorlesungen und arbeitet sich Schritt für Schritt in die Forschung vor. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Anna Kätker (stellvertretende Direktorin des Deutschen Röntgen-Museums) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer:
  • wie ein Professor in Zürich den jungen Tüftler fördert und ihm damit Türen öffnet,
  • wie ein schlichtes Experiment die Welt der Medizin revolutioniert,
  • wie Röntgens Entdeckung in Rekordzeit um die Welt geht, lange vor Internet und E-Mail,
  • weshalb seine Strahlen erst Begeisterung, dann auch Schrecken auslösen.

Es ist der 8. November 1895. Im Physikalischen Institut in Würzburg brennt noch Licht. Wilhelm Conrad Röntgen sitzt über einer Glasröhre, als plötzlich ein Leuchtschirm aufblitzt, auch dann noch, als er die Röhre abdeckt. Bücher, Leder, Holz: Nichts hält das geheimnisvolle Leuchten auf. Kurz darauf entsteht das erste Bild einer Hand - Knochen und Ehering klar zu erkennen.

Die Nachricht verbreitet sich rasend schnell, ein weltweites Röntgenfieber setzt ein. Ärzte, Schausteller, sogar Schuhläden nutzen die neue Technik. Lange, bevor man ihre Risiken kennt. Röntgen selbst bleibt bescheiden, lehnt Adelstitel ab und meldet kein Patent an. 1901 erhält er den ersten Nobelpreis der Geschichte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und InterviewpartnerInnen:
  • Anna Kätker (stellvertretende Direktorin des Deutschen Röntgen-Museums)
  • Thorsten Bley (Direktor des Instituts für Radiologie am Universitätsklinikum Würzburg)
  • Wilhelm Conrad Röntgen: Über eine neue Art von Strahlen, Leipzig 1898
  • Uwe Busch: Wilhelm Conrad Röntgen. Den X-Strahlen auf der Spur, Remscheid 2020
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg: Wilhelm Conrad Röntgen - 125 Jahre neue Einsichten - Festakt zum Röntgenjubiläum

Weiterführende Links:
  • 10.12.1954: Der Physiker Max Born erhält den Nobelpreis
  • 10.12.1933: Der Brite Paul Dirac erhält den Physiknobelpreis
  • Planet Wissen: Nobelpreisträger - Conrad Röntgen und die Entdeckung der Röntgenstrahlen

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Erik Hlacer
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Christine Reinartz

Mord mit Ansage: Die Kentucky-Tragödie

Mord mit Ansage: Die Kentucky-Tragödie WDR Zeitzeichen 07.11.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 08.11.2099 WDR 5

Am 7.11.1825 wird Solomon P. Sharp ermordet. Die daraus folgende "Kentucky-Tragödie" ist eine blutige Bühne für verletzte Ehre, Doppelmoral, Rache und politische Intrigen.

Was als uneheliche Affäre beginnt, entwickelt sich im konservativen Kentucky des 19. Jahrhunderts zu einem spektakulären Medienereignis. Im Mittelpunkt steht Anna Cooke, deren Rachefeldzug drei Menschen das Leben kostet – und einen brisanten politischen Hintergrund offenbart. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Michael Hochgeschwender, Prof. für Nordamerikanische Kulturgeschichte und Kulturanthropologiean der LMU München ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayı:
  • wie sich eine Affäre zu einem Medienereignis entwickelt,
  • dass Anna Cooke eine für ihre Zeit ungewöhnlich emanzipierte Frau ist,
  • welche Rolle die Wirtschaftskrise beim Mord spielt,
  • warum hinter der Kentucky-Tragödie auch ein politisches Komplott vermutet wird.

Anna Cooke bringt 1819 ein uneheliches Kind tot zur Welt. Im biederen Kentucky eine Katastrophe. Solomon P. Sharp, ein angesehener Jurist und aufstrebender Politiker, streitet die Vaterschaft beharrlich ab. Und während er weiter die Karriereleiter hochsteigt, lebt Anna Cooke geächtet und isoliert.

Ein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten, mit dem Sharp vermutlich durchgekommen wäre – wäre nicht Jeroboam Beauchamp ins Leben von Anna Cooke getreten. Gemeinsam schmieden sie einen Racheplan, der am 7.11.1825 nicht nur den vermeintlichen Kindsvater das Leben kostet, sondern später auch Beauchamp und Cooke selbst.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Hochgeschwender, Prof. für Nordamerikanische Kulturgeschichte und Kulturanthropologie, LMU München
  • J.W. Cooke: Portrait of a Murderess: Anna Cooke Beauchamp. The Filson Club History Quarterly, Louisville 1991

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Murat Kayı
Redaktion: Matti Hesse

Rivale des Shōgun: Samurai Ishida Mitsunari

Rivale des Shōgun: Samurai Ishida Mitsunari WDR Zeitzeichen 06.11.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 07.11.2099 WDR 5

Ishida Mitsunaris größte Schlacht ist ein Wendepunkt in Japans Geschichte. Doch der Samurai ist kein Stratege - und verliert. Am 6.11.1600 wird er hingerichtet.

Im Oktober 1600 kommt es zum Showdown in einem Tal bei Sekigahara: Die japanische West- und Ostarmee, beides Allianzen verschiedener japanischer Fürstenhäuser, liefern sich eine blutige Schlacht. Feldherr Ishida Mitsunari unterliegt. Jahrhunderte später gelangt der unterlegene Samurai dennoch zu Ruhm – als Vorbild im Buch und der Fernsehserie "Shōgun". *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Reinhard Zöllner, Japanologe Universität Bonn ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • wie Japan im 16. Jahrhundert in mehrere hundert Fürstentümer zersplittert ist,
  • warum Samurai-Kämpfer mehr als nur Krieger sind,
  • dass die unerschütterliche Treue der Samurai ein Mythos ist,
  • wie Ishida Mitsunaris Leben anstelle einer Hinrichtung enden hätte sollen.

Unter Toyotomi Hideyoshi erlebt Japan Ende des 16. Jahrhunderts eine relativ friedliche Phase. Mit seinem Tod endet diese abrupt. Der folgende Machtkampf um die Vorherrschaft im Land mündet in die Schlacht bei Sekigahara, eine der blutigsten Auseinandersetzungen dieser Zeit.

Im Oktober 1600 treffen im Tal von Sekigahara zwei große Heere aufeinander: die Westarmee unter der Führung von Ishida Mitsunari und die Ostarmee unter Tokugawa Ieyasu. Mitsunari, einst die rechte Hand Hideyoshis, gilt als fähiger Verwaltungsbeamter, aber weniger begabter Diplomat und Feldherr.

Tokugawa Ieyasu hingegen erweist sich als brillanter Stratege. Eine übergelaufene Armee-Einheit verhilft ihm zum Sieg. Ishida Mitsunari muss fliehen, wird jedoch gefasst und am 6. November 1600 mit einem Samurai-Schwert geköpft. Seinen abgeschlagenen Schädel findet man 1907 zufällig in einem Tempel in Kyoto. Wer ihn dort begraben hat, ist bis heute ein Rätsel.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Reinhard Zöllner, Japanologe an der Universität Bonn
  • Julien Peltier, Historiker und Samurai-Experte
  • Anthony J. Bryant: Sekigahara 1600: The final struggle for power. Oxford 1995
  • Chris Glenn: The Battle of Sekigahara. The Greatest, Bloodiest, Most Decisive Samurai Battle Ever. Barnsley 2021
  • Julien Peltier: Sekigahara. La plus grande bataille de samouraïs. Paris 2020
  • Stephen Turnbull: The Samurai and the Sacred – The Path of the Warrior. Oxford 2011

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin Andrea Kath
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
Technik: Christina Gabriel

Beinahe hätte er England gesprengt: Guy Fawkes

Beinahe hätte er England gesprengt: Guy Fawkes WDR Zeitzeichen 05.11.2025 15:01 Min. Verfügbar bis 06.11.2035 WDR 5

Am 5.11.1605 fliegt in London eine Verschwörung auf. Guy Fawkes und seine Mitstreiter scheitern im Versuch, Parlament und protestantischen König in die Luft zu sprengen.

2005 macht der britische Fernsehsender ITV einen Versuch. Er läßt das britische Parlament von 1605 nachbauen, deponiert darin lebensgroße Puppen, wie man sie aus Crashtests kennt – und im Keller darunter 36 Fässer Schwarzpulver. Die Frage: Hätte Guy Fawkes tatsächlich das Parlament mit bis zu 150 Menschen darin in die Luft sprengen können? Einschließlich des Königs? *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor André Krischer (Historiker an der Universität Freiburg) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • woran der Anschlag scheitert und was der englische Geheimdienst damit zu tun haben könnte,
  • wie der festgenommene Guy Fawkes zum Reden gebracht werden soll,
  • warum die Verschwörer das Gegenteil ihres Zieles erreichen,
  • welches globale Beben ein gelungener Anschlag wohl ausgelöst hätte,
  • wie der 5. November heute in England begangen wird.

Es geht um Religion und um Macht. Als der Papst sich im 16. Jahrhundert weigert, eine der vielen Ehen von Englands König Heinrich VIII. für nichtig zu erklären, sagt sich der Herrscher von der Katholischen Kirche los und gründet einfach seine eigene: die Anglikanische Kirche. Jahrzehnte später drangsaliert König Jakob seine katholischen Untertanen.

Eine katholische Verschwörergruppe bildet sich. Sie will Englands politische Elite mit einem Schlag in die Luft jagen. Das Attentat soll bei der feierlichen Eröffnung des Parlaments durch den König im Palast von Westminster stattfinden. Dort versammeln sich alle einmal im Jahr in einem Raum.

Am 5. November 1605 ist es wieder soweit. Sprengmeister Guy Fawkes will mehr als zwei Tonnen Schwarzpulver in 36 Fässern gleichzeitig zur Explosion bringen. Doch der Plan fliegt auf – und Fawkes wird im Keller des Gebäudes verhaftet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor André Krischer (Historiker an der Universität Freiburg)
  • André Krischer (Hg.): Verräter. Geschichte eines Deutungsmusters. Köln 2019
  • Nick Holland: The real Guy Fawkes. Barnsley 2017

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heiner Wember
Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse
Technik: Alexander Buske

Túpac Amaru II, der letzte große Inka-Rebell

Túpac Amaru II, der letzte große Inka-Rebell WDR Zeitzeichen 04.11.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 05.11.2099 WDR 5

In Peru starten Ende des 18. Jahrhunderts Túpac Amaru II. und seine Frau Micaela Bastidas eine Rebellion gegen Spaniens Kolonialmacht. Den Kampf gewinnen sie beinahe.

Im 16. Jahrhundert wird der letzte Inka-Herrscher durch das Schwert der spanischen Eroberer hingerichtet. Rund 200 Jahre später nimmt José Gabriel Condorcanqui dessen Namen an: Túpac Amaru. In der Literatur heißt er deshalb oft auch: Túpac Amaru II. - weil er ein Nachfahre des Inkafürsten ist. Mit seiner Frau Micaela Bastidas organisiert er einen breiten landesweiten Widerstand gegen die spanische Unterdrückung und Ausbeutung. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Charles Walker (Professor für Geschichte an der University of California) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • warum Túpac Amaru II. den Glauben ans spanische Rechtssystem verliert,
  • wie die Rebellion mit einem Mittagessen und einer Entführung beginnt,
  • dass eine öffentliche Hinrichtung die indigene Bevölkerung mobilisiert,
  • wie Micaela Bastidas als Logistikerin die Revolution organisiert,
  • mit welchen Methoden die Spanier den jahrelangen Aufstand niederschlagen können.

Im Kolonialstaat Peru sind Mitte des 18. Jahrhunderts Spanisch die offizielle Sprache und der Katholizismus die vorherrschende Religion. Doch nach wie vor sprechen die indigenen Menschen Quechua und kleiden sich in der Tradition der Inka - obwohl die spanische Krone alles versucht, die indigenen Wurzeln zu kappen.

Im Dienste des spanischen Königs Karl III. peitschen Beamte Reformen durch, die Geld in Spaniens Staatskasse spülen sollen. Leidtragende sind die bäuerlichen Familien im Hochland. Unter grausamen Bedingungen verrichten sie Arbeitsdienste auf Kokafeldern, in Textilfabriken und Silberminen. Sie werden mit hohen Kopfsteuern und Zwangshandel belegt.

1780 starten indigene Menschen deshalb die größte Rebellion in der spanischen Kolonialgeschichte Amerikas. An der Spitze stehen Túpac Amaru und seine Frau Micaela Bastidas - bis sie in einem Gewaltexzess der spanischen Kolonialbehörden im Frühling 1781 getötet werden. Den Aufstand jedoch können die Spanier erst gut zwei Jahre später niederschlagen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Charles Walker (Professor für Geschichte an der University of California)
  • Charles Walker: The Tupac Amaru Rebellion. Cambridge, Massachusetts, London 2014
  • Charles Walker (Text) und Liz Clarke (Illustrationen): Witness to the Age of Revolution: The Odyssey of Juan Bautista Tupac Amaru. Oxford 2020
  • Charles Walker: Tu ausencia ha sido causa para todo esto: Cartas de amor y guerra. Túpac Amaru, Micaela Bastidas, Tomasa Tito Condemayta. München 2024

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Claudia Friedrich    
Redaktion: Matti Hesse

Mörder mit päpstlichem Freibrief: Goldschmied Benvenuto Cellini

Mörder mit päpstlichem Freibrief: Goldschmied Benvenuto Cellini WDR Zeitzeichen 03.11.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 04.11.2099 WDR 5

Er vergewaltigt und tötet gleich mehrfach. Benvenuto Cellini (geb. 3.11.1500) wird von den Mächtigen hofiert und posthum als Genie verehrt – auch wegen seiner Brutalität.

Cellini ist ein gewalttätiger Mann, der mehrere Menschen ermordet, der Frauen verachtet und gerne mit seinen Heldentaten protzt. Aber er gilt auch als einer der begabtesten Renaissance-Künstler überhaupt. Cellini fasziniert bis heute, auch weil er sich in seiner Autobiographie selbst zum Mythos stilisiert. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Andreas Beyer (Kunsthistoriker) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Reinhardt:
  • von Cellinis Leben voller Gewalt, Sex und Kunst,
  • von seinen Morden und warum er immer ohne Strafe davonkommt,
  • dass Cellini nicht nur Künstler, sondern auch Geschäftsmann ist,
  • von seinem Wandel im Alter – ohne Kunst, dafür mit fünf Kindern.

Der am 3. November 1500 geborene Benvenuto Cellini ist weder bescheiden noch diplomatisch. Er ist hochmütig, jähzornig und frauenverachtend. Gleichzeitig ist er einer der berühmtesten Renaissance-Künstler, umworben von Fürsten und Päpsten. Nach seinem Tod 1571 gerät er in Vergessenheit – bis seine Autobiografie rund 150 Jahre später wiederentdeckt wird.

Es ist ein Lebensbericht, in dem er sich selbst zum Mythos stilisiert. So drastisch, so anekdotisch und auch so komisch, dass der Goldschmied und Bildhauer seitdem als Inbegriff des "genialischen, ungezähmten Künstlers" gilt. Hector Berlioz widmet ihm eine Oper, Alexandre Dumas einen Roman. Und das, obwohl Cellini in seiner Autobiografie mehrere Morde gesteht. Er prägt ein Künstlerbild, das bis heute nachwirkt – trotz oder vielleicht sogar wegen der Brutalität.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Andreas Beyer, Kunsthistoriker
  • Benvenuto Cellini: Mein Leben. Die Autobiographie eines Künstlers aus der Renaissance. Zürich 2000
  • Andreas Beyer: Cellini. Ein Leben im Furor. Berlin 2024
  • Martin Warnke: Künstlerlegenden. Kritische Ansichten. Göttingen 2019
  • Horst Bredekamp: Der Künstler als Verbrecher. Carl Friedrich von Siemens Stiftung, 2008

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?

Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Anja Reinhardt      
Redaktion: Carolin Rückl und David Rother

Der Mann, der die Nazis auslachte: Karl Küpper

Der Mann, der die Nazis auslachte: Karl Küpper WDR Zeitzeichen 02.11.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 03.11.2099 WDR 5

Karnevalist Karl Küpper (geb. am 2.11.1905) macht Witze über den Hitlergruß, als die meisten anderen Narren schon zu Nazi-Märschen feiern. Gewürdigt wird Küppers Mut erst nach seinem Tod.

"Alaaf" statt "Heil Hitler": Karl Küpper ist Kölns einziger Karnevalist, der sich unter den Nazis ein Redeverbot einhandelt. Ihm zu Ehren wird 2020 der Karl-Küpper-Preis ausgelobt - zur Würdigung von Engagement für Demokratie und Toleranz. Küpper ist da bereits seit 50 Jahren tot. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Fritz Bilz (Historiker und Küpper-Biograf) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • wie sich Küpper als der "Verdötschte" weit über Köln hinaus einen Namen macht,
  • dass für ihn Karneval nicht bloß Volksbelustigung ist,
  • wie ihn sein Humor sogar in Lebensgefahr bringt,
  • von Küppers kraftraubendem Kampf, Alkohol und einem stillen Ende.

Eine Karnevalssitzung in Köln, im Februar 1939. Ein Mann mit riesig geschminktem Mund, Gumminase, Brille und Hütchen betritt die Bühne: Karl Küpper. Er hebt den Arm zum obligatorischen Hitlergruß und sagt dann nur: "Es et am rähne?" - Regnet es? Wegen seiner aufmüpfigen Witze erhält er von den Nazis ein "lebenslanges Redeverbot".

Geboren wird Küpper am 2. November 1905 in Düsseldorf. Unbeugsam stellt er sich allen Widerständen entgegen. Auch nach dem Krieg ist seine Kritik unerwünscht. Selbst Bundeskanzler Konrad Adenauer übt über die Kölner Bürgermeister Druck auf die Karnevalsgesellschaften aus, ihn nicht mehr zu buchen. So bleibt Küpper die Anerkennung für seine Zivilcourage bis an sein Lebensende verwehrt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Fritz Bilz, Historiker und Küpper-Biograf
  • Gerhard A. Küpper, Sohn von Karl Küpper
  • Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig. Der Kölner Karnevalist Karl Küpper 1905-1970, 3. Auflage, Köln 2020

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Christiane Kopka      
Redaktion: David Rother
Technik: Theo Kramer

Christoph 1: Rettung aus der Luft

Christoph 1: Rettung aus der Luft WDR Zeitzeichen 01.11.2025 14:36 Min. Verfügbar bis 02.11.2099 WDR 5

Am 1.11.1970 hebt "Christoph 1" in München ab, Deutschlands erster Rettungshubschrauber. Ein Wendepunkt im Kampf um Minuten und Leben.

Hans-Werner Feder, praktischer Arzt aus Hessen, gilt als einer der Pioniere der Luftrettung. Sein Modellversuch mit einem Arzt-Hubschrauber ist im Sommer 1967 erfolgreich. Daraufhin beginnt man in Bayern, die Luftrettung aufzubauen. Am Münchner Klinikum rechts der Isar entsteht das Projekt "Kolibri". Aus "Kolibri" wird schließlich "Christoph 1": Der erste zivile Rettungshubschrauber der Bundesrepublik Deutschland.


In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann:
  • vom minutiös geplanten Ablauf zwischen Notruf und Start des Rettungshubschraubers,
  • warum es heute deutlich weniger Tote auf Deutschlands Straßen gibt,
  • von der Dauer-Debatte um die Kosten der Luftrettung.

Die Zahl der Verkehrstoten ist im Jahr 1970 mit knapp 20.000 so hoch wie nie. Fast eine halbe Million Schwerverletzte gibt es auf Deutschlands Straßen. Schnelle Hilfe soll ab jetzt aus der Luft kommen: Am 1. November 1970 nimmt der erste zivile Rettungshubschrauber "Christoph 1" seinen Dienst auf.

Verantwortlich ist damals wie heute der ADAC. Der Funkname "Christoph" geht auf die Legende des Heiligen Christophorus zurück, den Schutzpatron der Reisenden. Doch Luftrettung ist teuer. Gleich mehrfach unterstützen Stars wie Udo Jürgens, Gitte oder Heino mit Benefizplatten die Finanzierung.

Mittlerweile gibt es bundesweit ein dichtes Luftrettungsnetz. Der ADAC und die Deutsche Rettungsflugwacht DRF teilen sich fast alle Einsätze. Da es inzwischen deutlich weniger Verkehrsopfer gibt, werden die Rettungshubschrauber heute auch bei anderen Notfällen eingesetzt – etwa bei Schlaganfällen oder Herzinfarkten.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Thomas Kade, Notfallsanitäter und Stationsleiter von "Christoph 8"
  • Bettina Braunschmidt, Forscherin und Autorin
  • Nicolas Eick, Anästhesist
  • Krystian Pracz, Geschäftsführer der DRF-Luftrettung

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Kay Bandermann      
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Nicolas Dohle

Sigmund Freuds Lehrmeisterin: Patientin "Cäcilie M."

Sigmund Freuds Lehrmeisterin: Patientin "Cäcilie M." WDR Zeitzeichen 31.10.2025 13:57 Min. Verfügbar bis 01.11.2099 WDR 5

Anna von Lieben (gest. 31.10.1900) ist reich, gebildet und unglücklich. Ihre "Hysterie" kann nicht einmal Freud heilen. Doch sie hilft ihm, die Psychoanalyse zu entwickeln.

Für Anna von Lieben, geborene von Todesco, ist im Wiener Großbürgertum nur die Mutterrolle vorgesehen. Sie heiratet Leopold von Lieben, den Präsidenten der Börsenkammer. Doch sie wird krank, leidet unter starken psychischen Beschwerden, die man damals als "Hysterie" bezeichnet. Dabei hat sie Glück im Unglück: Sie wird nicht in eine Anstalt abgeschoben, sondern landet auf der Couch des jungen Sigmund Freud, der später Weltruhm erlangen wird. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Dr. Daniela Finzi , wissenschaftliche Leiterin des Sigmund-Freud-Museums in Wien ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Edda Dammmüller:
  • warum Anna von Lieben am liebsten Schachspielerin geworden wäre,
  • weshalb sie stattdessen einen zwölf Jahre älteren Mann heiraten muss,
  • welche Ursache Ärzte sich für die Diagnose "Hysterie" ausdenken,
  • was Sigmund Freud dank seiner Patientin "Cäcilie M." entdeckt.

Als Anna von Lieben 1889 auf den jungen Neurologen Sigmund Freud trifft, hat sie schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich: elektrische Pinselungen, alkalische Wasser, Abführmittel – sogar sieben gesunde Zähne sind ihr gezogen worden.

Wie viele Frauen im Wiener Großbürgertum leidet Anna von Lieben unter "Hysterie". Eine gängige Diagnose für Frauen im 19. Jahrhundert, die sich den gesellschaftlichen Normen nicht beugen wollen und darüber krank werden.

Für Sigmund Freud ist Anna von Lieben ein Glücksgriff. In seinen Studien über Hysterie erwähnt er sie immer wieder unter dem Pseudonym "Cäcilie M.". Mehrmals pro Woche besucht er sie und kehrt dabei die Machtverhältnisse um: Sie spricht, er hört zu, verborgen hinter der Couch.

"Mein schwerster und lehrreichster Fall", notiert Freud später. Helfen kann er ihr nicht. Anna von Lieben betäubt ihre Leiden mit Morphium und stirbt am 31. Oktober 1900 mit 53 Jahren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Daniela Finzi, wissenschaftliche Leiterin des Sigmund-Freud-Museums, Wien
  • Michaela Lindinger, Kuratorin am Wien Museum
  • Prof. Karen Nolte, Medizinhistorikerin, Universität Heidelberg
  • Josef Breuer, Siegmund Freud: Studien über Hysterie (8. Aufl.), Frankfurt 2022
  • Elisabeth Roudinesco und Michel Plon: Wörterbuch der Psychoanalyse, Wien 2004
  • Michaela Lindinger: Außenseiter, Sonderlinge, Femmes fatales. Das "andere" Wien um 1900, Wien 2015

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?

Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Edda Dammmüller      
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Nicolas Dohle

"Max und Moritz": als Kinderbuch gründlich missverstanden

"Max und Moritz": als Kinderbuch gründlich missverstanden WDR Zeitzeichen 30.10.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 31.10.2099 WDR 5

Ende Oktober 1865 erscheint Wilhelm Buschs Bildergeschichte "Max und Moritz". Sie gilt als Vorläufer des Comics und als Klassiker der deutschen Kinderliteratur.

Der Kinderbuchklassiker "Max und Moritz" ist ursprünglich nicht etwa als gruseliges Erziehunginstrument gedacht. Nach neuerer Interpretation ist es eher eine Satire auf die pädagogischen Praktiken der Zeit, die oft mit brutaler Gewalt und dem Versuch einhergehen, den kindlichen Willen zu brechen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Eva Jandl-Jörg, Leiterin des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • dass die Geschichten von "Max und Moritz" bis heute falsch interpretiert werden,
  • wer die Vorbilder für die "Bubengeschichte in sieben Streichen" sind,
  • von Wilhelm Buschs früher Kindheit als jüngstes von sieben Geschwistern,
  • in welchem Land "Max und Moritz" zunächst aus pädagogischen Gründen verboten ist.

Als Wilhelm Busch seinem Verleger Kaspar Braun die Bildergeschichte von "Max und Moritz" schickt, glaubt er selbst nicht mehr an seinen Durchbruch. Seit einigen Jahren zeichnet und textet Busch für die satirische Wochenzeitung "Fliegende Blätter" und für "Der Münchener Bilderbogen". Er kann davon leben, aber stolz ist er darauf nicht.

Kaspar Braun ist sofort begeistert und trifft zwei wegweisende und riskante Entscheidungen. Erstens: "Max und Moritz" werden nicht als Bildergeschichte in einer seiner Wochenzeitschriften erscheinen, sondern als gebundenes Buch. Und zweitens: Kaspar Braun kauft von Wilhelm Busch für 1.000 Gulden sämtliche Rechte an "Max und Moritz". Das ist damals das Jahresseinkommen eines Arbeiters.

Innerhalb weniger Jahre gehören "Max und Moritz" zum festen Inventar deutscher Kinderzimmer. Bis heute ist "Die Bubengeschichte" in rund 300 Sprachen übersetzt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ralph Unger, Bürgermeister von Wiedensahl
  • Tobias Deterding, Leiter der Wilhelm-Busch-Welt in Wiedensahl
  • Dr. Julian Auringer, Comicforscher
  • Eva Jandl-Jörg, Leiterin des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover
  • Gert Ueding (Hrsg.): Das Beste von Wilhelm Busch. Ditzingen 2020
  • Eva Weissweiler: Wilhelm Busch. Der lachende Pessimist. Köln 2007

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Burkhard Hupe
Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse

Schießbilder und Nanas: Die Kunstrebellin Niki de Saint Phalle

Schießbilder und Nanas: Die Kunstrebellin Niki de Saint Phalle WDR Zeitzeichen 29.10.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 30.10.2099 WDR 5

Ihre üppigen und bunten "Nanas" sprengen die Konventionen und feiern Weiblichkeit mit Mut und Humor. Geboren wurde Niki de Saint Phalle am 29.10.1930.

Als die Stadt Hannover 1974 drei große "Nanas" bei Niki de Saint Phalle in Auftrag gibt, regt sich lautstarker Protest. Die bunten Frauen polarisieren – und genau das gefällt der Künstlerin. Die Diskussion sieht sie als Zeichen, dass Kunst gesellschaftspolitisch relevant sein kann. Heute sind die einst umstrittenen Polyesterdamen weltweit begehrt: Städte und Meseen schmücken sich mit den ikonischen "Nanas". *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Sophie Duplaix, Chefkuratorin, Centre Pompidou ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Sabine Mann:
  • wie Niki de Saint Phalle lernt, Wut und Schmerz zum künstlerischen Motor zu machen,
  • wie barsch Niki de Saint Phalle abgekanzelt wird, als sie den ersten Kontakt zur Pariser Kunstszene wagt,
  • was ein Stück Butter damit zu tun hat, dass Niki de Saint Phalle sich in Jean Tinguely verliebt,
  • warum de Saint Phalle auch aufblasbare Skulpturen produziert.

1961 betritt Niki de Saint Phalle die Kunstszene mit einem Paukenschlag: Mit einem Gewehr schießt sie auf Farbbeutel, deren Inhalt sich auf weiße Objekte ergießt. Ihre Motivation ist pure Wut – auf die Religion, ihre wohlhabende, aber strenge Familie, die sexualisierte Gewalt des Vaters.

Sie verlässt ihren verständnisvollen Ehemann für die Kunst und trifft in Paris Jean Tinguely. Der hemdsärmelige Künstler schweißt aus Schrott schräge Kreaturen und bizarre Maschinen. Gemeinsam inspirieren und ergänzen sie sich – auch lange, nachdem ihre Liebesbeziehung endet.

Bekannt wird Niki de Saint Phalle vor allem durch ihre üppigen, farbenfrohen und überdimensionalen Frauenskulpturen, die "Nanas". Vom Erfolg der drallen Damen überwältigt, flüchtet sich die Künstlerin in die Toskana und erfüllt sich ihren Lebenstraum: einen eigenen Skulpturengarten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen und -partner:
  • Bloum Cardenas, Präsidentin der Niki Charitable Art Foundation
  • Sophie Duplaix, Chefkuratorin der zeitgenössischen Sammlungen im Staatlichen Museum für moderne Kunst, Centre Pompidou
  • Claes Britton, Biograph von Pontus Hultén
  • Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely, Pontus Hultén: Grand Palais/Rmn Editions/Centre Pompidou. Paris 2025
  • Claes Britton: Pontus Hultén. Commander of Modern Art, Köln 2025
  • Catherine Francblin: Niki de Saint Phalle La révolte à l‘œuvre, Paris 2013
  • Niki de Saint Phalle, Éditions Serpenoise, Metz 2010

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Sabine Mann
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Jürgen Beiner

Bhagwan: Guru für Gutverdiener und Bürgerschreck

Bhagwan: Guru für Gutverdiener und Bürgerschreck WDR Zeitzeichen 28.10.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 29.10.2099 WDR 5

Bhagwan verspricht Erleuchtung und kassiert Millionen, bis das FBI sein Imperium am 28.10.1985 zum Einsturz bringt – und Baghwan und seine Sekretärin Sheela hinter Gitter.

Am 28. Oktober 1985 beginnt der Niedergang des Imperiums von Sektenführer Bhagwan. Er selbst lässt das FBI auf das Gelände seiner Kommune in Oregon, dann werden führende Vertreter seiner Sekte verhaftet. Unter anderem seine ehemalige rechte Hand Ma Anand Sheela. Der Vorwurf: der bis dato größte Einwanderungsbetrug der US-Geschichte, aber auch versuchter Mord und Massenvergiftung. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Eva Sudholt, Journalistin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christopher Heimer:
  • wie die Utopie eines freien Lebens in Paranoia, Exzess, Gewalt und Missbrauch endet,
  • wie Bhagwans Lehre spirituelle und kapitalistische Ideen mischt,
  • was viele 68er wie den langjährigen Grobschnitt-Bassisten Milla Kapolke an Bhagwans Lehre fasziniert,
  • warum der Guru Ärger mit den Finanzbehörden bekommt.

1974 gründet Philosophieprofessor Chandra Mohan Jain seinen ersten Ashram. Er nennt sich Bhagwan, der Göttliche, bezeichnet sich als "Guru der Reichen" und "verkauft Erleuchtung".

Bhagwan hat das Produkt, seine persönliche Sekretärin Ma Anand Sheela macht es zur finanzkräftigen Marke. In der Wüste Oregons schafft sie für ihren geliebten Anführer ein Königreich, das sie zu einem globalen Imperium ausbaut und mit harter Hand regiert, während der Guru sich nur noch im Rolls Royce sehen lässt.

Sheela setzt sich im Herbst 1985 von der Sekte ab und wird damit für Bhagwan und seine Jünger zur Verräterin. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen sie. Tatsächlich findet das FBI in Sheelas Wohnung Abhöranlagen, Mordanschlagspläne und Bioterror-Versuchseinrichtungen.

Am 28. Oktober 1985 werden Sheela und Bhagwan festgenommen. Beiden wird der bis dato größte Einwanderungsbetrug der US-Geschichte vorgeworfen. Sheela wird Anfang 1986 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, aber schon am 13. Dezember 1988 wegen guter Führung entlassen. Heute lebt sie in der Schweiz und leitet zwei Pflegeheime. Bhagwan kommt nach einem Deal mit der Staatsanwaltschaft schon nach zwölf Tagen aus dem Gefängnis. Bis zu seinem Tod 1990 wirkt er als Osho, als der er heute noch vielen als Achtsamkeitsguru und spirituelle Instanz gilt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Eva Sudholt, Journalistin
  • Milla Kapolke, Musiker, ehemaliger Neo-Sannyasin
  • Mudita Kapolke, Musikerin, ehemalige Neo-Sannyasin
  • Deva Tattva, Musiker, ehemaliger Neo-Sannyasin
  • Martin Papenheim: Der tanzende Spiegel – Bhagwan und die Deutschen 1970-2020. Paderborn 2025
  • Leela Goldmund: Wenn ich groß bin, bin ich erleuchtet – Oshos vergessene Kinder. Kirchheim 2024
  • Erich Follath: Die Frau an Bhagwans Seite. Zeit Magazin, 2020
  • Kai Strittmatter/Thomas Schuler: Bhagwans verlorene Kinder. Süddeutsche Zeitung 2025

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christopher Heimer
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

Vom Volk gefeierte Millionen-Betrügerin: Adele Spitzeder

Vom Volk gefeierte Millionen-Betrügerin: Adele Spitzeder WDR Zeitzeichen 27.10.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 28.10.2099 WDR 5

Gegen gute Zinsen legen Tausende ihr Erspartes bei Adele Spitzeder (gest. 27.10.1895) an. Die finanziert sich mit dem Schneeballsystem ihr Luxusleben – und verliert fast alles.

Als gescheiterte Schauspielerin gründet Adele Spitzeder ohne kaufmännische Kenntnisse in München eine Privatbank und wird somit zur Mutter des Anlagebetrugs. Nach wenigen Jahren platzt ihr Schneeballsystem. Im Juli 1872 wird Spitzeder zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Rund 38 Millionen Gulden fließen durch die "Spitzedersche Privatbank". Heute wäre das eine knappe halbe Milliarde Euro. Über 30.000 Geschädigte verlieren einen Großteil ihrer Einlagen. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Marita Panzer, Historikerin und Autorin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • wie Adele Spitzeder das vermutlich erste Schneeballsystem der Finanzgeschichte ins Rollen bringt,
  • wie sie mit Charisma, Schauspielkunst und betonter Frömmigkeit ihre Geldanleger überzeugt,
  • mit welcher List Polizei und Innenministerium Spitzeders System sprengen,
  • warum Adele Spitzeder zwar zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wird – aber nicht wegen Betrugs.

Adele Spitzeder lebt Mitte des 19. Jahrhunderts in Hotels und Gasthäusern und beschäftigt eine Privatangestellte. Als mäßig erfolgreiche Schauspielerin kann sie sich diesen Lebensstil jedoch nicht leisten.

Um ihren aufwendigen Lebensstil trotzdem zu halten, muss sich die Schauspielerin immer wieder Geld leihen. Bis sie auf die Idee kommt, gegen ein Zinsversprechen von stolzen zehn Prozent pro Monat das Geld anderer Leute einzusammeln. Die Zinsen zahlt sie aus dem frischen Geld, das sie mit eben diesem Versprechen einwirbt. Und so weiter.

Schnell blüht das Geschäft. Doch es gibt auch Gegenwind. Die Neueste Münchener Zeitung enthüllt die Praktiken der "Dachauer Bank" als höchst unseriös. Am 12. November 1872 leitet eine behördliche Kommission einen Haftbefehl gegen die Laien-Bankerin ein. Alles Geld, alle Wertgegenstände und Geschäftspapiere werden beschlagnahmt und Adele Spitzeder vor Gericht gestellt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Julian Nebel, Jurist
  • Marita Panzer, Historikerin und Autorin
  • Dr. Marita Panzer: Adele Spitzeder - Schauspielerin, Bankgründerin, Betrügerin. Regensburg 2023
  • Julian Nebel: Adele Spitzeder. Der größte Bankbetrug aller Zeiten. München 2018
  • Adele Spitzeder: Geschichte meines Lebens. Autobiographie. Der große Münchner Bankskandal 1872. München 1996.

Weiterführende Links:
  • Planet Wissen: Zinsen
  • Planet Wissen: Geld ohne Geld

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak

Der Mann, der Pinocchio erfand: Carlo Collodi

Der Mann, der Pinocchio erfand: Carlo Collodi WDR Zeitzeichen 26.10.2025 12:35 Min. Verfügbar bis 27.10.2099 WDR 5

Carlo Collodi (gestorben am 26.10.1890) erfindet mit Pinocchio eine berühmte Figur der Weltliteratur. Wer ist der Mann hinter der Holzpuppe, deren Nase beim Lügen wächst?

Der Journalist Carlo Collodi ist Mitte fünfzig, als Pinocchio seiner Phantasie entspringt. Er ist als Straßenjunge aufgewachsen, schnell, schlau und pfiffig. Lebenslang schlägt sein Herz für die kleinen Halunken von der Straße, zu denen er selbst einmal gehört hat. Sie sind das Urbild von Pinocchio. *** Als Quelle genutzt haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem: Dieter Richter: Carlo Collodi und sein Pinocchio – Ein weitgereister Holzbengel und seine toskanische Geschichte. Berlin 2004 ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Monika Buschey:
  • warum der Straßenjunge Carlo Lorenzini trotz seiner Lebensumstände eine gute Ausbildung erhält,
  • was ihn später als Journalist zum Pseudonym Collodi inspiriert,
  • was Pinocchio mit der italienischen Alphabetisierungskampagne der 1880er-Jahre zu tun hat,
  • warum Pinocchio zwischendurch stirbt und wieder aufersteht.

Ein Stück Holz, das spricht. Darum wird aus ihm kein Tischbein, sondern ein kleiner Kopf. Als Meister Geppetto die Nase zu Ende schnitzt, passiert es: Sie wächst und wächst. Und wenn er sie kleiner machen will, wächst sie noch mehr. Der fertige Holzbengel bekommt den Namen Pinocchio. Er setzt sich aus dem italienischen Wort "pino" (Pinie/Kiefer) und der Verniedlichungsform von "pinco" (Dummkopf) und "occhio" (Auge) zusammen.

Pinocchio wird zum Star. Kein Medium kommt ohne ihn aus. Mit dem Disney-Film erobert er weltweit das Kinopublikum. Pinocchio als ein Spiegel der italienischen Seele: verspielt, genussfreudig, ungehorsam, nicht zu entmutigen und heiter. Generationen lassen sich von ihm bezaubern.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Carlo Collodi: Die Abenteuer des Pinocchio – Geschichte einer Holzpuppe. Ditzingen 2022
  • Dieter Richter: Carlo Collodi und sein Pinocchio – Ein weitgereister Holzbengel und seine toskanische Geschichte. Berlin 2004

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Monika Buschey
Redaktion: David Rother
Technik: Christina Gabriel

Die Insel Taiwan: Vom Spielball der Mächte zur eigenen Stimme

Die Insel Taiwan: Vom Spielball der Mächte zur eigenen Stimme WDR Zeitzeichen 25.10.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 26.10.2099 WDR 5

Taiwan ist einer der geopolitischen Brennpunkte des 21. Jahrhunderts. Wer den Konflikt darum verstehen will, muss die Geschichte der Insel kennen.

Die Geschichte Taiwans ist kompliziert. Aber sich mit ihr zu beschäftigen hilft, einen der großen geopolitischen Konflikte der Gegenwart zu verstehen. Denn für Xi Jinping und die chinesische Führung ist Taiwan Bestandteil der Volksrepublik China. De facto ist Taiwan zwar ein eigenständiger, sich demokratisch selbst regierender Staat. Andere Länder aber dürfen Taiwan nicht anerkennen, wenn sie Beziehungen zu China unterhalten wollen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Gunter Schubert (Sinologe, Universität Tübingen) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer:
  • wie die japanischen Kolonialherren die Taiwaner abwertend nennen,
  • warum Japan um 1915 seine Kolonialpolitik ändert,
  • wie die alte Bezeichnung für Taiwan lautet,
  • auf welche Weise die japanisierten Taiwaner nach 1945 zu "echten Chinesen" gemacht werden sollen,
  • welche Buttons die Schulkinder in Taiwan damals tragen müssen.

Taiwan hat eine Geschichte der Fremdbestimmung. Jahrtausende leben fast ausschließlich mehrere Gruppen von Ureinwohnern auf der Insel. Dann streiten europäische Kolonialmächte und China um ihren Einfluss. Seit dem 17. Jahrhundert herrschen die chinesischen Kaiser. Doch als China 1895 einen Krieg gegen Japan verliert, wird Taiwan zur japanischen Kolonie.

Das ändert sich erst, als es China im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe der Alliierten gelingt, die Insel – rund 160 Kilometer vor der chinesischen Küste im Pazifik – einzunehmen. Die Taiwaner hoffen nach 50 Jahren Kolonialherrschaft auf Gleichberechtigung und Mitbestimmung. Doch in China bricht nach dem Zweiten Weltkrieg erneut Bürgerkrieg aus. Auf dem Festland kämpfen Anhänger der von Chiang Kai-shek geführten nationalchinesischen Partei KMT gegen die Kommunisten unter Mao Zedong.

Taiwan steht unter KMT-Verwaltung und wird ausgebeutet. Erst Ende der 1980er-Jahre beginnt ein Demokratisierungsprozess. Seither können die Taiwaner erstmals selbst über ihr Schicksal entscheiden. Auch deshalb lehnen Umfragen zufolge rund 90 Prozent eine Vereinigung mit dem chinesischen Festland ab.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Gunter Schubert (Sinologe, Universität Tübingen)
  • Stephan Thome (Autor und Schriftsteller, Taipeh)
  • Stephan Thome: Schmales Gewässer, gefährliche Strömung. Berlin 2024
  • David Demes und Frédéric Krumbein: Taiwan. Bonn 2024
  • Klaus Bardenhagen: Die wichtigste Insel der Welt. Freiburg im Breisgau 2024
  • Gunter Schubert: Kleine Geschichte Taiwans. München 2024

Weiterführende Links:
  • NDR: China-Taiwan-Konflikt - worum geht es?
  • Phoenix: Taiwan - Angst vor der Invasion
  • ZDF: Zehn Fakten zum China-Taiwan-Konflikt

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Tobias Sauer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Holger Maerten

Ich kann, ich will: Der Tag, an dem Island stillsteht

Ich kann, ich will: Der Tag, an dem Island stillsteht WDR Zeitzeichen 24.10.2025 13:30 Min. Verfügbar bis 25.10.2099 WDR 5

Welche Wirkung hat es, wenn in einem Land einen Tag lang alle Frauen die bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen? Am 24.10.1975 probieren es die Isländerinnen aus.

Mit roten Strümpfen für mehr Geschlechtergerechtigkeit kämpfen: Anfang der 1970er schwappen die Ideen des New Yorker "Red Stocking Movements" über Kopenhagen und Stockholm bis nach Reykjavík. Die Frauen in Island beginnen sich zu organisieren und streiken schließlich - mit konkreten Folgen für die Männer. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Gerður Óskarsdóttir (Mitinitiatorin des isländischen Frauenstreiks) ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Merle Schaack und Michael Richmann:
  • weshalb viele Frauen in Island zunächst nicht streiken wollen,
  • wie viele Frauen sich schließlich am Streiktag beteiligen,
  • warum an diesem Tag die Hotdogs ausverkauft sind,
  • welchen Namen der Tag bei den Männern bekommt,
  • welche politischen Auswirkungen der Frauenstreik für die isländischen Frauen hat.

Die Idee hat ihren Ursprung in New York. Dort schließen sich 1969 Feministinnen zum "Red Stocking Movement" zusammen und wollen mit roten Strümpfen für mehr Geschlechtergerechtigkeit kämpfen. Schnell wird die Bewegung weltweit bekannt. Auch in Skandinavien schließen sich Frauen zusammen.

In Island marschieren die Rotsocken erstmals am 1. Mai 1970 bei der Kundgebung zum internationalen Arbeitertag mit und machen auf ihr Anliegen aufmerksam. Als die Vereinten Nationen das Jahr 1975 zum "Jahr der Frau" ausrufen, fragen sich die Rotsocken: Was, wenn einfach mal alle Frauen im Land für einen Tag die Arbeit niederlegen? Und zwar nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch die zu Hause?

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen:
  • Gerður Óskarsdóttir (Mitinitiatorin des isländischen Frauenstreiks)
  • Eva Berendsen (Politikwissenschaftlerin der Bildungsstätte Anne Frank)

Weiterführende Links:
  • WDR: "Ein Tag ohne Frauen" - Doku über Islands Frauenstreik
  • Dokumentation über die Redstocking-Bewegung in Island 1970 bis 1980
  • Homepage der New Yorker Redstockings

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin und Autor: Merle Schaack und Michael Richmann
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Jens Baumgart

Widerstand im Wasser: Gertrude Ederle durchquert den Ärmelkanal

Widerstand im Wasser: Gertrude Ederle durchquert den Ärmelkanal WDR Zeitzeichen 23.10.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 24.10.2099 WDR 5

Sie ist fast taub, unterschätzt, entschlossen – und Vorbild für Frauen: Am 23.10.1905 wird Gertrude Ederle, die erste Frau, die den Ärmelkanal durchschwimmt, geboren.

Die Schwimmerin Gertrude Ederle bricht zwölf Weltrekorde, gewinnt Olympisches Gold und durchquert als erste Frau den Ärmelkanal. Und das alles in einer Zeit, in der Frauenschwimmen gesellschaftlich verpönt ist. Ins Wasser geht es, wenn überhaupt, nur züchtig angezogen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Anne-Kathrin Kilg-Meyer (Juristin und Autorin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • warum Trudy ihr Gehör zeitlebens zu schaffen macht,
  • von ihrer zweiten Leidenschaft: dem Lesen,
  • von Männern, die Gertrude helfen – und solchen, die sie ausbremsen,
  • wie Trudy nebenbei den Bikini erfindet,
  • von ihrem Triumphzug und den schweren Zeiten danach.

Anfang des 20. Jahrhunderts gilt es als unnötig und unschicklich, dass Frauen schwimmen lernen. Aber einem Mädchen ist das völlig egal: Gertrude Ederle. Die am 23. Oktober 1905 in New York geborene "Trudy" lässt sich auch von männlichen Rekorden nicht beeindrucken. Nach unzähligen gewonnenen Titeln, darunter auch Olympia-Gold, sucht sie eine neue Herausforderung: Sie will als erste Frau durch den Ärmelkanal schwimmen. Eine lebensgefährliche Aktion.

Ein erster Versuch scheitert – in erster Linie an der Missgunst ihres Trainers. Doch sie nimmt einen zweiten Anlauf. Mit neuen Begleitern und neuem Anzug trotzt sie Wellen und Nebel, bricht ihr Vorhaben auch nicht ab, obwohl ihr von außen dazu geraten wird. Und tatsächlich: Nach 14 Stunden und 31 Minuten steigt Gertrude Ederle auf wackeligen Beinen am Kingsdown Beach bei Dover aus dem Meer. So schnell hat kein Mann vor ihr den Ärmelkanal durchquert.

Gertrude Ederle stirbt mit 98 Jahren. Ihre Liebe zum Meer bleibt bis zum Schluss.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Anne-Kathrin Kilg-Meyer (Juristin und Autorin)
  • Anne-Kathrin Kilg-Meyer: Gertrude Trudy Ederle. Eine Schwimmerin verändert die Welt, Kellinghusen 2020

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Martina Meißner
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Jürgen Mönkediek

Alessandro Scarlatti: Meister der Harmonie und Mordverdächtiger

Alessandro Scarlatti: Meister der Harmonie und Mordverdächtiger WDR Zeitzeichen 22.10.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 23.10.2099 WDR 5

Der italienische Barock-Komponist Alessandro Scarlatti (gestorben am 22.10.1725) hat die Oper Europas geprägt - und ein spannendes Leben geführt.

Alessandro Scarlattis Kompositionen decken alle im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert gängigen Gattungen ab. Hauptsächlich in Rom und Neapel ist der aus Sizilien stammende Komponist mit großem Erfolg tätig. Um 1700 beeinflusst sein Werk die musikalische Kultur Italiens. Berühmt wird Scarlatti letztlich in ganz Europa. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dorothee Oberlinger, Flötistin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz:
  • was man unter dem Neapolitanischen Opernstil versteht,
  • wie Scarlatti sein berufliches Netzwerk knüpft,
  • wie Papst Innozenz XI. die Oper aus der Öffentlichkeit verbannt,
  • wie der Nachruf auf ein Mordopfer Scarlatti mit der Tat in Verbindung bringt.

Alessandro Scarlatti verlässt mit zwei seiner sieben Geschwister die Heimat Sizilien wegen einer Hungersnot. Der erst Zwölfjährige gelangt nach Rom, wo er wahrscheinlich Unterricht bei Giacomo Carissimi, dem Erfinder der geistlichen Oper, erhält.

Scarlatti hat großes Geschick in der Sponsoren-Aquise. Unter anderem wird er von Pietro Ottoboni gefördert. Ottoboni ist ein Großneffe des Papstes, Vizekanzler der Kirche, dazu Kunstliebhaber und Lebemann, wie sein erster Biograph schreibt. Er liebt Pracht, Verschwendung und die Wollust, ist dabei aber leutselig und guttätig.

Als Scarlatti sich unter dem sittenstrengen Papst Innozenz XI. in Rom in seinen künstlerischen Freiheiten zu eingeschränkt fühlt, zieht er weiter nach Neapel, wo er Hofkapellmeister wird. Es ist der Beginn einer großen Karriere als Opernkomponist, der in in ganz Europa bekannt wird. Scarlatti rüttelt mit seinem Stil die italienische und europäische Musik auf.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dorothee Oberlinger, Flötistin
  • Sabine Ehrmann-Herfort/Gerhard Kuck (Hg.): Alessandro Scarlatti. Das kompositorische Schaffen. Kassel [u.a.] 2024.
  • Silke Leopold: Die Oper im 17. Jahrhundert. 2006
  • Benedikt Poensgen: Die Offiziumkompositionen von Alessandro Scarlatti. Hamburg 2004 (online verfügbar)

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vratz
Redaktion: Matti Hesse

Undercover als Türke: Günter Wallraffs Buch "Ganz unten"

Undercover als Türke: Günter Wallraffs Buch "Ganz unten" WDR Zeitzeichen 21.10.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 22.10.2099 WDR 5

Als "Ali" enthüllt Günter Wallraff die brutalen Arbeitsbedingungen der "Gastarbeiter". Sein Buch "Ganz unten" erscheint am 21.10.1985 und schockiert die Bevölkerung.

Als 1985 "Ganz unten" erscheint, ist der Journalist Günter Wallraff durch seine Undercover-Tätigkeiten bei der "Bild"-Zeitung und im Gerling-Konzern bereits ein bekannter Autor. Seine Reportagesammlung über Arbeitsbedingungen der sogenannten Gastarbeiter in Deutschland katapultiert ihn aber in den Bestsellerlisten endgültig nach ganz oben. Insgesamt wandern vier Millionen deutschsprachige Exemplare über den Ladentisch, in 38 Sprachen wird Wallraffs Anklage gegen menschenunwürdige Verhältnisse in der deutschen Arbeitswelt übersetzt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Günter Wallraff (Investigativjournalist und Autor von "Ganz unten") ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
  • wie Günter Wallraff sich auf seine Rolle als "Ali" vorbereitet,
  • wie schon in den 1980er-Jahren Übergriffe gegen Arbeitsmigranten und -migrantinnen zunehmen,
  • wie ausländische Arbeitnehmende in die illegale Leiharbeit getrieben werden,
  • mit welchen Mitteln Unternehmen gegen die Enthüllungen in "Ganz unten" kämpfen,
  • wieviele Verfahren gegen Unternehmen, Subunternehmer und Zeitarbeitsfirmen eingeleitet werden.

Günter Wallraff, geboren 1942, ist Deutschlands wohl bekanntester Investigativjournalist. Seine Art, in Arbeitswelten der Republik einzutauchen, ist zum Fachbegriff geworden. "Wallraffen" ist für ihn keine rein journalistische Methode, sondern ein persönliches Bedürfnis. Er will Missstände sichtbar machen, um positive Veränderungen zu erreichen.

1985 erscheint sein Buch "Ganz unten", ein Jahr später der gleichnamige Dokumentarfilm. Aufnahmen, die heimlich entstehen, während Wallraff sich als der türkische Leiharbeiter "Ali" abrackert. Ali wird mal zum Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie, dann lässt er sich für die Industriereinigung einstellen. Auch bei McDonalds und auf Bauernhöfen verdingt er sich. Er probiert so ziemlich alles aus, wofür die "Gastarbeiter" damals gerne genommen werden.

Politisch löst "Ganz unten" einen der größten Wirtschaftsskandale in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus. Unternehmen werden zu Millionenstrafen verurteilt. Die Mehrheitsgesellschaft bekommt das erste mal Einblick in die Arbeits- und Lebenswelt von Arbeitsmigranten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Günter Wallraff (Investigativjournalist und Autor von "Ganz unten")
  • Osman Okkan (Übersetzer und Mitarbeiter bei "Ganz unten")
  • Mely Kiyak (Journalistin und Schriftstellerin)
  • Günter Wallraff: Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. Köln 1988
  • "Mittwochs in…" vom 30.10.1985 (WDR Archiv)
  • Archivberichte der ARD aus den Jahren 1986 bis 1990

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor und Autorin: Ulrich Biermann und Veronika Bock
Redaktion: Sefa Inci Suvak

General unter Verdacht: Die Affäre Kießling

General unter Verdacht: Die Affäre Kießling WDR Zeitzeichen 20.10.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 21.10.2099 WDR 5

Verkehrt der Vier-Sterne-General Günter Kießling in Schwulenbars? Allein der falsche Verdacht reicht aus, um den Offizier (geb. am 20.10.1925) aus dem Amt zu drängen.

Der am 20. Oktober 1925 geborene Vier-Sterne-General Günter Kießling wird aus der Bundeswehr geworfen, weil er angeblich schwul ist. Als sich das Gerücht als falsch erweist, wird daraus ein Skandal. Die Diskriminierung homosexueller Soldaten wird erst Jahre später als der eigentliche Fehler erkannt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Heiner Möllers, Historiker und Oberstleutnant der Bundeswehr ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:
  • dass Homosexualität in den 1970er und 80er Jahren schlimmer empfunden wird, als "Nazi sein",
  • wie es zu den Gerüchten um Günter Kießling kommt und wie sie sich aufklären,
  • warum am Ende fast alle beteiligten Personen beschädigt sind.
  • vom § 175, der Homosexualität unter Strafe stellt - und erst zehn Jahre nach der Kießling-Wörner-Affäre abgeschafft wird.

Anfang 1984. In Bonn herrscht helle Aufregung im Verteidigungsministerium. Der höchste deutsche General und stellvertretende NATO-Oberbefehlshaber Europas, Günter Kießling, wird unehrenhaft entlassen - weil er homosexuell sein soll. Udo Röbel ist damals stellvertretender Chefredakteur der Kölner Boulevardzeitung "Express". Er wird in der Kießling-Affäre eine der zentralen Figuren und deckt einen ungeheuerlichen Politskandal auf.

Günter Kießling wird am 20. Oktober 1925 in Frankfurt/Oder geboren. Schon früh entscheidet sich der Mann mit geradezu preußischem Pflichtbewusstsein für ein Leben in Uniform. Kießling macht Karriere - bis im Herbst 1983 die Gerüchte aufkommen. Später wird Kießling zwar öffentlich rehabilitiert und mit großem Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet, doch von seinen Offizierskollegen wird er zeitlebens geschnitten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Heiner Möllers, Historiker und Oberstleutnant der Bundeswehr
  • Udo Röbel, Autor und Journalist ("Express")
  • Heiner Möllers: Die Affäre Kießling. Der größte Skandal der Bundeswehr. Berlin 2019

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Herwig Katzer
Redaktion: Frank Zirpins

Die Honoria-Affäre: Westroms größter Skandal

Die Honoria-Affäre: Westroms größter Skandal WDR Zeitzeichen 19.10.2025 14:02 Min. Verfügbar bis 20.10.2099 WDR 5

Im Jahr 450 rätselt das Weströmische Reich: Hat Kaiserschwester Honoria dem gefürchteten Hunnenkönig Attila einen Heiratsantrag gemacht? Sicher ist: Köpfe werden rollen.

Die Prinzessin Honoria und Eugenios, ihr Vermögensverwalter, sind im Jahr 450 n.Chr. in eine leidenschaftliche Affäre verstrickt - es ist der erste Höhepunkt einer der größten Skandalgeschichten der Spätantike, in die irgendwann auch Attila, der gefürchtete Hunnenkönig verwickelt ist. Im Verlaufe der folgenden Monate erschüttert die Affäre das Weströmische Reich in seinen Grundfesten. Die Honoria-Affäre wird sogar zum Auslöser eines Krieges, der Zehntausende das Leben kosten wird.


In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer:
  • wie eine der größten Skandalgeschichten der Spätantike ihren Anfang nimmt,
  • warum die schöne Kaiser-Schwester Honoria das Image des Herrscherhauses verbessern soll,
  • wie Valentinian sich mit der unverheirateten Schwester potenzielle Rivalen vom Hals halten will,
  • wie Honoria im Widerstand gegen ihren Bruder im Jahr 450 richtig aufdreht.

Justa Grata Honoria, ältere Schwester des römischen Kaisers Valentinian III., glänzt nicht gerade durch ihren vorbildlichen Lebenswandel. Vielmehr wird sie bei einer heimlichen Affäre mit ihrem Vermögensverwalter Eugenios ertappt.

Kaiser Valentinian gefällt das nicht: Eugenius wird getötet, Honoria wird die Macht entzogen, außerdem wird sie mit Herkulanus verlobt, einem Mann konsularischen Ranges und guter Gesinnung.

Offenbar ruft Honoria in dieser Situation ausgerechnet die Hunnen unter Attila zu Hilfe. Später wird erzählt, sie habe Attila durch Übersenden eines Ringes ihre Hand angeboten. Allerdings führt das zu einem folgenschweren Missverständnis und einem Krieg zwischen Westrom und den Hunnen 451/52.

Die Protagonisten überleben diese Geschichte nicht lange: Attila stirbt zu Beginn des Jahres 453 - während der Hochzeitsnacht mit einer anderen Frau. Valentinian wird 455 ermordet. Die Spuren der Prinzessin Honoria, die an ihren Käfigstäben rüttelt und darüber die römische Welt ins Wanken bringt, verlieren sich im Dunkel der Geschichte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Anja Busch, Historikerin, Expertin für Frauen der theodosianischen Dynastie
  • Professor Dr. Mischa Meier, Althistoriker, Universität Tübingen
  • Ernst Doblhofer (Hrsg.): Byzantinische Diplomaten und östliche Barbaren. Aus den Excerpta de legationibus des Konstantinos Porphyrogennetos ausgewählte Abschnitte des Priskos und Menander Protektor. Graz u.a.: Styria. 1955
  • John Given (Hrsg.): The Fragmentary History of Priscus. Attila, the Huns and the Roman Empire AD 430-476. Merchantville NJ: Evolution Publishing. 2014

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Tobias Sauer
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

Widerstand im Ring: Sinto-Boxer Rukelie Trollmann

Widerstand im Ring: Sinto-Boxer Rukelie Trollmann WDR Zeitzeichen 18.10.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 19.10.2099 WDR 5

Am 18.10.29 boxt der Sinto seinen ersten Profikampf. Kurz darauf ist er Deutscher Meister - für drei Tage. Er trotzt den Nazis mit Ironie. Und bezahlt mit seinem Leben.

Der deutsche Boxer Johann Wilhelm "Rukeli" Trollmann wächst in Hannover in einer großen Sinti-Familie auf. Trollmann ist als Boxer überaus erfolgreich und damit den Nazis ein Dorn im Auge. Im Juni 1933, acht Tage nach seinem Sieg über Adolf Witt, wird Johann Trollmann der Titel als Deutscher Boxmeister im Halbschwergewicht aberkannt. Im Juni 1942 wird Trollmann in Hannover verhaftet und einige Wochen später in das KZ Neuengamme überstellt. 1944 wird er im KZ-Außenlager Wittenberge ermordet.


In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Felicita Scholten:
  • warum Boxen im deutschen Kaiserreich verboten ist,
  • wie Rukelie Trollmann mit seinem Kampfstil das Publikum begeistert,
  • mit welch fadenscheinigen Entscheidungen die Nazis Trollmann den Titel aberkennen,
  • wie Trollmann mit blondierten Haaren gegen die Nazis einen Wirkungstreffer erzielt.

Johann Rukelie Trollmann ist ein außergewöhnlicher, unkonventioneller Boxer von internationalem Rang. 1933 gewinnt er überlegen die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht. Doch als Sinto darf er nicht Meister sein. Nazi-Funktionäre und Presse beenden seine Karriere. 1944 wird Trollmann im KZ Neuengamme ermordet - als offizielle Todesursache geben die Nazis aber Herzversagen an.

Rukelie Trollmann wird 36 Jahre alt. Er hat fünf Geschwister, die alle ein anderes Grauen erleben - Zwangsarbeit, Folter, Deportation, Tod. Die, die nicht interniert werden, bleiben in ihrer Heimatstadt Hannover. Ihnen wird der Zutritt zu Luftschutzbunkern verwehrt, während die Bomben fallen.

Nach 1945 werden viele Sinti und Roma nicht in ihre Wohnungen zurückgelassen, sondern auf sogenannte "Sammelplätze" neben Fabriken, Friedhöfen oder Klärwerken am Stadtrand gedrängt. Es beginnt das, was man später "zweite Verfolgung" nennt.

Erst 70 Jahre nach dem Titelgewinn und 59 Jahre nach seinem Tod wird Johann Wilhelm "Rukelie" Trollmann sein Meistertitel von 1933 offiziell zuerkannt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Kelly Laubinger, Sinti Union Schleswig Holstein
  • Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, Berlin 2021
  • Stefanie Bart: Deutscher Meister. Berlin 2014
  • Hans Firzlaff: Knock-out. Hannover 1997

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Gianna Felicita Scholten
Redaktion: Carolin Rückl, David Rother
Technik: Anne Bohnen, Sophie Weber

John Reed: US-Kommunist mit Ehrengrab am Kreml

John Reed: US-Kommunist mit Ehrengrab am Kreml WDR Zeitzeichen 17.10.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 18.10.2099 WDR 5

Ausgerechnet ein US-Amerikaner schreibt als Augenzeuge "Zehn Tage, die die Welt erschütterten" über die Oktoberrevolution. In Moskau gefeiert, in den USA geächtet.

In den USA wird er wegen seiner Sympathie für die Bolschewiki überwacht und verhört - in Russland dagegen als Held der Revolution geehrt. John Reed, Journalist, Dichter und Augenzeuge des Umsturzes von 1917, steht bis heute für die Spannungen zwischen zwei politischen Welten: dem kapitalistischen Amerika und dem sozialistischen Russland. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Maurice Isserman, Dozent für Amerikanische Geschichte am Hamilton College, New York ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
  • warum ein US-Bürger an der Kremlmauer in Moskau begraben liegt,
  • wie ein wohlhabender Harvard-Absolvent zum Revolutionär wird,
  • weshalb sein Buch Lenin begeistert - und die USA empört,
  • und wie ein Hollywoodfilm den Mythos um John Reed neu belebt.

John Reed, geboren 1887 in Portland, Oregon, wächst in einer privilegierten Familie auf. Doch statt im Schutz seines Elternhauses zu bleiben, sucht er die Nähe zu Arbeitern, Armen und Entrechteten. Als Journalist berichtet er von Streiks, vom Krieg - und schließlich von der Russischen Revolution.

1917 erlebt er in Petrograd, wie Lenin und die Bolschewiki die Macht übernehmen. Sein Bericht "Zehn Tage, die die Welt erschütterten" wird zum Klassiker der Zeitgeschichte. Lenin nennt es eine "wahrheitsgetreue und lebendige Darstellung" der Revolution. 1920 stirbt John Reed mit nur 33 Jahren an Typhus in Moskau - und findet seine letzte Ruhestätte dort, wo die Sowjetmacht geboren wurde: an der Kremlmauer auf dem Roten Platz.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Maurice Isserman, Dozent für Amerikanische Geschichte am Hamilton College, New York
  • Norman Markowitz, ehem. Dozent für Geschichte an der Rutgers University, New Jersey
  • John Reed: Zehn Tage, die die Welt erschütterten, Berlin, 1922.
  • John Reed: The War in Eastern Europe, New York, 1916.
  • Maurice Isserman: Reds- The Tragedy of American Communism, New York, 2024.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor:in: Christoph Tiemann
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Moritz Raestrup

Als das Wasser versiegte: Die große Dürre von 1540

Als das Wasser versiegte: Die große Dürre von 1540 WDR Zeitzeichen 16.10.2025 14:42 Min. Verfügbar bis 17.10.2099 WDR 5

Trockene Böden, Missernten, Flüsse als Rinnsale, Schäden an Bäumen und Waldbrände. Die Trockenjahre häufen sich. Noch werden sie übertroffen von der großen Dürre 1540.

In diesem Zeitzeichen erzählt Anne Preger, wie das Jahr 1540 als "Jahrtausenddürre" in die Geschichte eingeht, warum Wein billiger wird als Wasser und die Menschen in Köln betrunken auf den Straßen liegen und weshalb Forscher die Dürre heute als extremes, aber einmaliges Ereignis sehen. Es ist ein Jahr ohne Regen. Elf Monate lang bleibt der Himmel über Mitteleuropa blau und gnadenlos heiß - von Norddeutschland bis Italien, von Polen bis Frankreich. Flüsse trocknen aus, Mühlen stehen still, Vieh verdurstet. 1540 versiegt jedoch nicht nur das Wasser, sondern auch die Energie: ohne Wasserkraft kein Mehl, kein Brot, kein Leben. Chronisten berichten von brennenden Wäldern, toten Tieren und Menschen, die sich in Keller flüchten. Historiker nennen es "das extremste Hitzejahr der letzten Jahrtausende". Und doch: Schon zwei Jahre später kommt der Frost zurück. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Prof. Christian Pfister, emeritierter Historiker an der Uni Bern Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ, Hydrologe und Dürreforscher https://kurz.wdr.de/climate-change https://kurz.wdr.de/nature-studie Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr überall da, wo es Podcasts gibt, auch hier in der ARD Audiothek: https://kurz.wdr.de/podcastpicker-zeitzeichen Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anne Preger Redaktion: Frank Zirpins Technik: Joseph Baader/Thomas Bleuel


In diesem Zeitzeichen erzählt Anne Preger:
  • wie das Jahr 1540 als "Jahrtausenddürre" in die Geschichte eingeht,
  • warum Wein billiger wird als Wasser - und die Menschen in Köln betrunken auf den Straßen liegen,
  • von einer "katholischen Verschwörung", über die sogar auf dem Reichstag beim Kaiser gestritten wird,
  • und weshalb Forscher die Dürre heute als extremes, aber einmaliges Ereignis sehen - im Gegensatz zu den sich häufenden Hitzesommern unserer Zeit.

Es ist ein Jahr ohne Regen. Elf Monate lang bleibt der Himmel über Mitteleuropa blau und gnadenlos heiß - von Norddeutschland bis Italien, von Polen bis Frankreich. Flüsse trocknen aus, Mühlen stehen still, Vieh verdurstet. In Würzburg erinnert eine einzelne Flasche "Steinwein" an diese Katastrophe: süß, schwer, fast sirupartig - und bis heute ungetrunken.

1540 versiegt jedoch nicht nur das Wasser, sondern auch die Energie: ohne Wasserkraft kein Mehl, kein Brot, kein Leben. Chronisten berichten von brennenden Wäldern, toten Tieren und Menschen, die sich in Keller flüchten. Historiker nennen es "das extremste Hitzejahr der letzten Jahrtausende". Und doch: Schon zwei Jahre später kommt der Frost zurück.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.


Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Anne Preger
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Joseph Baader/Thomas Bleuel

Hitler als Witzfigur: Charlie Chaplins "Der große Diktator"

Hitler als Witzfigur: Charlie Chaplins "Der große Diktator" WDR Zeitzeichen 15.10.2025 13:25 Min. Verfügbar bis 16.10.2099 WDR 5

15. Oktober 1940: Premiere von Chaplins "Der große Diktator". Während Hitler Europa verwüstet, hält Chaplin eine Rede für Menschlichkeit - und gegen den Hass.

Charlie Chaplin dreht "Der große Diktator" gegen viele Widerstände. Während Nazi-Organisationen in den USA den Film verhindern wollen, finanziert er das Projekt aus eigener Tasche - überzeugt davon, dass Lachen die wirksamste Waffe gegen Tyrannei ist. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Dr. Norbert Aping (Chaplin-Experte) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • warum Charlie Chaplin in "Der große Diktator" zwei grundsätzlich gegensätzliche Rollen spielt - und welche das sind,
  • wie er mit Pantomime und Witz den Größenwahn des Faschismus entlarvt,
  • und weshalb seine berühmte Schlussrede bis heute nichts von ihrer Kraft verloren hat.

Als "Der große Diktator" 1940 in die Kinos kommt, steht die Welt bereits in Flammen. Chaplin spielt Anton Hynkel, einen selbstverliebten Herrscher, der in Kauderwelsch Reden schwingt, das Volk aufpeitscht - und mit einer einzigen Geste zum Schweigen bringt.

Doch dieser große Diktator ist mehr als eine Parodie auf Hitler: Er steht für alle, die ihre Macht missbrauchen. Chaplin macht ihn zur Karikatur und stellt ihm seine Figur des Tramps entgegen, in diesem Film als jüdischer Friseur - leise, menschlich, verletzlich. In der Gegenüberstellung dieser Figuren liegt die ganze Kraft des Films. Und wenn Chaplin am Ende aus seiner Rolle tritt, wird aus der Satire ein Aufruf: ein leidenschaftliches Plädoyer für Menschlichkeit, Vernunft und Hoffnung.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Norbert Aping (Chaplin-Experte, Schüren-Verlag Marburg)
  • Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens, Frankfurt am Main, 1964.
  • Norbert Aping: Charlie Chaplin in Deutschland, Marburg, 2005.
  • Norbert Aping: Liberty Shtunk. Charlie Chaplin und die Nazis, Marburg, 2014.
  • Norbert Aping: Charlie Chaplin and the Nazis, Jefferson (North Carolina), 2014.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Klasen
Redakteur: Matti Hesse
Technikerin: Sarah Fitzek

Strafe in der DDR: Todesurteil für ein Flugblatt

Strafe in der DDR: Todesurteil für ein Flugblatt WDR Zeitzeichen 14.10.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 15.10.2099 WDR 5

Der 18-jährige Oberschüler Hermann Flade wird mit Protest-Flugblättern gegen Wahlbetrug erwischt. In der DDR ein Grund für einen Schauprozess mit Todesurteil.

Er ist nicht der Einzige, der gegen die ersten Volkskammerwahlen in der DDR Mitte Oktober 1950 protestiert. Er ist auch nicht der Erste, der dafür zum Tode verurteilt wird. Aber er ist der Erste, an dem ein Exempel statuiert wird. Hermann Flade wird in einem öffentlichen Schauprozess im Januar 1951 unter anderem wegen "Boykotthetze" zum Tode verurteilt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Karin König (Autorin einer Biografie über Hermann Flade); Tatjana Flade (älteste Tochter) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • wie Hermann Flades Zeit in der Hitlerjugend ihn für den Protest in der DDR motiviert,
  • warum die Volkskammerwahlen in der DDR nicht demokratisch sind,
  • wie Flade beim Flugblattverteilen von einem vermeintlichen Liebespaar ertappt wird,
  • warum er zunächst kein Gnadengesuch angesichts des Todesurteils einreichen will,
  • wie Hermann Flade geheimer Informant der Stasi wird.

Hermann Flade druckt mit verrutschten Großbuchstaben aus seinem Setzkasten aus Kinderzeiten Flugblätter. Er klebt sie in Olbernhau im Erzgebirge an Bushaltestellen und wirft sie in Briefkästen. Auf den Blättern stehen Slogans wie "Im Oktober geschieht der unglaublichste Wahlbetrug nach sowjetischem Muster" und "Noch ist Zeit zur Besinnung". Denn die ersten Volkskammerwahlen in der DDR sind weder frei noch geheim noch demokratisch.

Das SED-Regime geht gegen jeden vor, der diese Wahlen kritisiert. Das Todesurteil gegen Flade wird auf Druck der Weltöffentlichkeit in eine 15-jährige Haftstrafe umgewandelt. Er kommt nach zehn Jahren Haft frei und zieht nach Westdeutschland. Er stirbt 1980 mit 47 Jahren – vermutlich an den Folgen seiner Haft.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Karin König (Autorin einer Biografie über Hermann Flade)
  • Daniela Münkel (Historikerin, Abteilungsleiterin im Stasi-Unterlagen-Archiv, Berlin)
  • Tatjana Flade (Journalistin und älteste Tochter von Hermann Flade)
  • Hermann Flade: Deutsche gegen Deutsche. Erlebnisbericht aus dem sowjetzonalen Zuchthaus. Freiburg 1963
  • Karin König: Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben. Hermann Flade – Eine Biographie. Berlin 2020

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

Lenny Bruce: Der Comedian, den Trump heute stoppen würde

Lenny Bruce: Der Comedian, den Trump heute stoppen würde WDR Zeitzeichen 13.10.2025 14:42 Min. Verfügbar bis 14.10.2099 WDR 5

Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel beruft sich auf Lenny Bruce: Stand-Up-Pionier und Verfechter der freien Rede, die in den USA unter Präsident Trump unter Beschuss gerät.

Angriffe auf die viel zitierte "uneingeschränkte Rede- und Pressefreiheit" in den USA gibt es nicht erst seit Präsident Donald Trump. Lenny Bruce wird als erster und bisher einziger US-Comedian wegen eines Bühnenprogramms zu einer Haftstrafe verurteilt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Bernhard Hiergeist (Freier Journalist, Comedy-Experte und Betreiber des Online-Magazins Setup/Punchline) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:
  • warum Lenny Bruce Vertreter diskriminierter Gruppen im Publikum mit Schimpfwörtern anspricht,
  • wie seine Drogenprobleme gegen ihn instrumentalisiert werden,
  • warum Bruce 1964 wegen obszöner Darbietungen zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt wird,
  • wie der Comedian mit nur 40 Jahren stirbt,
  • warum das Urteil gegen ihn 37 Jahre nach seinem Tod aufgehoben wird.

Lenny Bruce ist der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt: Sein respektloser Witz und sprühender Charme kommen an beim Publikum, das sich in den christlich-prüden USA zwischen Kaltem Krieg und Ku-Klux-Klan nach freien Geistern und kritischen Tönen sehnt. Auf dem Cover einer seiner Schallplatten liegt er zum Beispiel gemütlich auf einer bunten Picknickdecke mitten auf einem Friedhof.

Der Comedian tritt in berühmten Clubs wie dem New Yorker Village Vanguard auf, 1961 sogar in der ausverkauften Carnegie Hall, und immer wieder im Fernsehen. Doch als er öffentlich über Korruption in Justiz und Polizei spricht, überschreitet Lenny Bruce eine rote Linie. Kaum ein Clubbesitzer will ihn noch engagieren - aus Angst vor Lizenzverlust.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Bernhard Hiergeist (Freier Journalist, Comedy-Experte und Betreiber des Online-Magazins Setup/Punchline)
  • Lenny Bruce: How to talk dirty and influence people. Autobiografie. Chicago 1967
  • Dokumentarfilm "Swear to tell the truth" von Robert Weide. 1998
  • LP "The Best of Lenny Bruce". 1962
  • LPs "The Lenny Bruce Originals". 1992 und 1997

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Kosfeld
Redaktion: David Rother