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Ein Manifest gegen Frauenhass im Mittelalter: Christine de Pizan

Ein Manifest gegen Frauenhass im Mittelalter: Christine de Pizan WDR Zeitzeichen 24.08.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 25.08.2099 WDR 5

Im Jahr 1405 wagt eine Frau in Paris das Unvorstellbare: Sie widerspricht. Christine de Pizans "Stadt der Frauen" ist ein Meilenstein feministischer Literaturgeschichte.

Die Ich-Erzählerin in dem "Buch der Stadt der Frauen" erhält Besuch von drei vornehmen Damen. Sie heißen Vernunft, Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit. Die Damen möchten allen edlen und tüchtigen Frauen einen Ort der Zuflucht, eine umfriedete Festung gegen die Schar der boshaften Belagerer bieten. Die französische Schriftstellerin Christine de Pizan erzählt 1405 in ihrem Buch eine Geschichte über eindrucksvolle, solidarische Frauen. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir mit Prof. Margarete Zimmermann gesprochen, Romanistin und Übersetzerin der Werke Christine de Pizans. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann:
  • wie Christine de Pizan dafür sorgt, dass sie als Frau und Autorin zu Lebzeiten sichtbar ist,
  • wie übel das Schicksal Christine ab 1380 mitspielt,
  • warum sie als Schriftstellerin im 14. Jahrhundert zunächst Geld mitbringen muss, bevor sie welches verdient,
  • dass über Christine de Pizans Tod wenig bekannt ist.

Christine de Pizan wird in Venedig als Tochter des Arztes Tommaso da Pizzano geboren. Als ihr Vater zum Astrologen und Leibarzt von König Karl V., genannt der Weise, ernannt wird, kommt Christine als Vierjährige nach Paris. Ihrem Vater verdankt sie eine gute Bildung in Latein, Geometrie und Arithmetik, die sie durch Lektüre theologischer und profaner Literatur in französischer und lateinischer Sprache erweitert.

Als kurz hintereinander ihr Vater und der Ehemann sterben, muss die alleinerziehende Mutter Christine de Pizan ab 1390 zusehen, wie sie sich, ihre Kinder, ihre Mutter und weitere Familienangehörige ernährt. Um Geld zu verdienen, besinnt sie sich auf ihr dichterisches Talent und beginnt zu schreiben.

In schneller Folge entstehen Erziehungsratgeber, eine Biographie über König Karl V., religiöse Texte und sogar ein Buch über das Waffenhandwerk. 1405 veröffentlicht sie "Das Buch von der Stadt der Frauen". Eine Streitschrift und eine Antwort auf die Flut hasserfüllter Reden gegen Frauen, die um 1400 Konjunktur haben.

Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
  • Prof. Margarete Zimmermann, Romanistin und Übersetzerin der Werke Christine de Pizans

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Claudia Belemann
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

Der Untergang der HMS Wager: Schiffbruch am Ende der Welt

Der Untergang der HMS Wager: Schiffbruch am Ende der Welt WDR Zeitzeichen 23.08.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 24.08.2099 WDR 5

Am 23.8.1740 sticht die britische HMS Wager für eine riskante Mission in See. Was folgt, ist eine nahezu unglaubliche Geschichte von Heldenmut, Feigheit und Überlebenskampf.

Die HMS Wager wird um 1734 als Ostindienfahrer gebaut und unternimmt zwei Reisen für die Britische Ostindien-Kompanie, bevor die Royal Navy sie 1739 kauft. Das umgebaute Handelsschiff wird auf einen waghalsigen Rachefeldzug geschickt - und sinkt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Professor (em.) Robert Bohn, Historiker ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:
  • wie ein abgetrenntes Ohr einen militärischen Konflikt auslöst,
  • mit welch abenteuerlicher Crew die HMS Wager auf gefährliche Fahrt geht,
  • welche Herausforderungen die Passage um das Kap Horn bereithält,
  • warum die juristische Nachbereitung des Wager-Schicksals verpufft.

Die Geschichte der HMS Wager handelt von Seenot, Schiffbruch und vom Überlebenskampf ihrer Besatzung. Zu der gehört John Bulkeley, der Herr über die Kanonen auf der Wager. Der Dreimaster mit 28 Kanonen soll 1740 als Teil einer Kriegsflotte eine spanische Galeone kapern und ihr Gold rauben.

Im Sturm vor Kap Horn verliert sich die englische Flotte. Die Wager unter Käpt'n David Cheap stemmt sich allein gegen die tobende See - und verliert den Kampf. Im Mai 1741 sinkt die HMS Wager vor der chilenischen Küste.

Nach dem Schiffbruch führen Auseinandersetzungen zwischen Offizieren und Mannschaft zu einem Zusammenbruch der Disziplin. 81 Männer machen sich unter dem Geschützmeister John Bulkeley in kleinen Booten auf den Weg, um über die Ostküste Südamerikas nach England zurückzukehren. 20 Männer, darunter Kapitän Cheap, bleiben auf einer Insel, die heute den Namen "Wager Island" trägt. Nach einer Reihe von Katastrophen schaffen es gerade einmal zehn der ursprünglich 120 Mann nach England zurück - sechs aus Bulkeleys Gruppe und vier aus der Gruppe von Kapitän Cheap.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner:

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Herwig Katzer
Redaktion: Matti Hesse

Wie der IS-Terror das Weltkulturerbe Palmyra verwüstet

Wie der IS-Terror das Weltkulturerbe Palmyra verwüstet WDR Zeitzeichen 22.08.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 23.08.2099 WDR 5

Fast 100 Jahre lang haben Archäologen die prächtigen Ruinen von Palmyra für die Welt sichtbar gemacht. Im August 2015 beginnt deren brutale Zerstörung durch Terroristen.

Am 20. Mai 2015 erobert die Terrororganisation "Islamischer Staat" die antike Stadt Palmyra in Syrien und zerstört in der Folge jahrtausendealte Kunstwerke und Gebäude. Die unvergleichliche antike Ruinenstätte bleibt lediglich in der Erinnerung von Millionen Touristen erhalten. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Dr. Michael Sommer, Althistoriker an der Universität Oldenburg ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • wie der IS die historische Stätte für ein grausames Schauspiel missbraucht,
  • wie Palmyra ab dem 3. Jahrhundert zur "Königin der Wüste" wird,
  • welche tragende Rolle Kamele bei der Warenpreisfindung spielen,
  • warum die Römer in der Antike sogar in ihrem Nachtisch Pfeffer verwenden.

Die martialisch vermummten Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" präsentieren sich wie antike Feldherren in Siegerpose auf den Ladeflächen ihrer Pickups: Im Mai 2015 erobern sie die syrische Oasenstadt Tadmor mit den weltberühmten Ruinen der antiken Stadt Palmyra.

Wenige Monate später beginnen die Sprengungen der monumentalen Ruinen durch den IS. Nach dessen Vertreibung aus Palmyra offenbaren Satellitenbilder das Ausmaß der Zerstörungen: Der Bel- und der Baalshamin-Tempel, der Triumphbogen, Teile der fast 1,5 km langen Säulenstraße quer durch die antike Stadt sind verwüstet. In Palmyra ist nichts mehr wie es war.

Unschätzbare Funde sind für das kulturelle Gedächtnis Syriens für immer verloren. Münzen, Gold, Silber, Bronzen, Statuetten verkauft der Islamische Staat übers Darknet auf dem internationalen Schwarzmarkt. Abnehmer gibt es genug.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Michael Sommer, Althistoriker, Universität Oldenburg
  • Michael Sommer: Palmyra. Biografie einer verlorenen Stadt. Darmstadt 2017
  • Paul Veyne: Palmyra. Requiem für eine Stadt. München 2016

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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
Technik: Sascha Schiemann

Kreativität als Kampfzone: Künstler Christoph Schlingensief

Kreativität als Kampfzone: Künstler Christoph Schlingensief WDR Zeitzeichen 21.08.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 22.08.2099 WDR 5

Er provoziert mit Kettensägen und toten Hasen - ist verletzlich und bewegt sich stets zwischen Trash und Kunst. Christoph Schlingensief stirbt am 21.08.2010 in Berlin.

Mit zwölf Jahren beginnt Christoph Schlingensief, mit Filmen zu experimentieren. Im Keller seiner Eltern veranstaltet er "Kulturabende", bei denen unter anderem damals noch junge Künstler wie Helge Schneider oder Theo Jörgensmann auftreten. Mit 44 Jahren ist Schlingensief als Künstler weltberühmt - mit 49 Jahren stirbt er an Krebs. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Sven Lindholm, Szenische Forschung Ruhr-Uni Bochum, Regisseur und Medienkünstler ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:
  • wie ein produktiver Fehler den Künstler in Schlingensief weckt,
  • von Schlingensiefs ersten Filmproduktionen mit der Kamera des Vaters,
  • mit welchem Projekt Schlingensief in Wien Proteste, aber auch entlarvende Zustimmung provoziert,
  • wie Schlingensief sein eigenes Leben und Sterben künstlerisch verarbeitet.

Christoph Schlingensief dreht schon als Kind mit der Kamera des Vaters und Freunden Filme: Slapstick, Stop-Trick, Krimis. Den ersten künstlerischen Gehversuchen folgen Film, Theater, Hörspiele und öffentliche Performances. Mit Anfang 40 ist Christoph Schlingensief einer der bekanntesten und umstrittensten Künstler seiner Zeit: 1997 wird er wegen Störung der öffentlichen Ordnung auf der Documenta in Kassel verhaftet.

Anfang 2008 wird bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert und ein Lungenflügel entfernt. Christoph Schlingensief spricht öffentlich über seine Erkrankung. Auch dafür wird er kritisiert, doch viele Menschen sind berührt von seiner Offenheit. Schlingensief stirbt am 21. August 2010 mit 49 Jahren in Berlin.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Autor: Christian Kosfeld
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Mit der Kleinen Eiszeit kommt das große Zittern über Europa

Mit der Kleinen Eiszeit kommt das große Zittern über Europa WDR Zeitzeichen 20.08.2025 15:13 Min. Verfügbar bis 21.08.2099 WDR 5

Im Jahr 1560 mehren sich Berichte über Kälte, Ernteausfälle und verschobene Jahreszeiten. Die Kleine Eiszeit stellt die Menschen in Mitteleuropa vor extreme Probleme.

In ganz Mitteleuropa ist es extrem kalt und schneereich. In Köln fließt der Rhein unter einer dicken Eisschicht. Der Karneval wird abgesagt. Noch im April frieren die Weinstöcke ein. Der Weinhändler Hermann Weinsberg notiert: "Ich gewöhne mich daran, im Bett einen wollenen, pelzgefütterten Schlafanzug und eine gestrickte weiche Schlafmütze zu tragen." Solche Ereignisse markieren eine Epoche, die heute Kleine Eiszeit heißt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Rüdiger Glaser (Lehrstuhl für Physische Geographie an der Universität Freiburg) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:
  • wie lange die Kleine Eiszeit dauert,
  • wie in den Berner Alpen die Gletscher wachsen und Wiesen, Bauernhäuser sowie eine Kapelle unter sich begraben,
  • warum die Bevölkerung versucht, mit Bußgottesdiensten und Prozessionen gegen die Witterung vorzugehen,
  • weshalb bei den extremen Wetterverhältnissen die Hexenverfolgung eskaliert,
  • welche Erklärungen es für die Ursache der Kleinen Eiszeit gibt.

Mit dem Begriff Kleine Eiszeit ist kein Erdzeitalter gemeint, sondern eine jahrhundertelange Kälteepoche mehr als 10.000 Jahre nach der letzten großen Eiszeit. Sie stellt die Gesellschaften Mitteleuropas vor extreme Herausforderungen. Zumal auch noch die Pest wütet und die Folgen des Dreißigjährigen Krieges die Menschen plagen. Die Krisen jener Zeit sorgen für gesellschaftliche Veränderungen, die bis heute nachwirken.

Die Kleine Eiszeit beginnt etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts - nach einer wärmeren Phase im späten Mittelalter, als in Köln, Duisburg und England noch Wein angebaut wird. Besonders kalt ist es während der sogenannten Grindelwald-Fluktuation. Dieser Begriff bezeichnet eine Phase zwischen 1560 und 1630, in der der Schweizer Grindelwald-Gletscher in den Berner Alpen besonders stark wächst.

Im Mittel ist es zu dieser Zeit etwa zwei Grad Celsius kälter als die Durchschnittstemperatur im 20. Jahrhundert. Es folgen immer wieder besonders kalte Winter auf besonders nasse Sommer. Der Lebensmittelanbau kommt ins Stocken. Viele Menschen müssen hungern.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Rüdiger Glaser (Lehrstuhl für Physische Geographie an der Universität Freiburg)
  • Philipp Blom (Schriftsteller, Autor, Historiker)
  • Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. München 2007
  • Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. Darmstadt 2008
  • Philipp Blom: Die Welt aus den Angeln. München 2017

Das ist unser Hörtipp:

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Autor: Thomas Mau
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Schrödingers Katze: Das Symbol der Quantenphysik

Schrödingers Katze: Das Symbol der Quantenphysik WDR Zeitzeichen 19.08.2025 14:41 Min. Verfügbar bis 20.08.2099 WDR 5

Tot und lebendig zugleich? Erwin Schrödingers Gedankenexperiment sprengt unser Weltbild. Und selbst manche Physiker verzweifeln daran. Am 19.8.1935 wurde sie "geboren".

Die Quantenphysik ist ein revolutionäres Konzept der Welt, das seit gut einem Jahrhundert Physiker und Philosophen begeistert - und ihnen zugleich Kopfschmerzen bereitet. Denn in den winzigen Grundbausteinen unserer Existenz scheinen völlig andere Regeln zu gelten als in der Welt, die wir täglich erleben. Bis heute besteht in der Frage, wie die Quantenwelt letztlich zu verstehen ist, keine endgültige Einigkeit. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Gernot Münster (emeritierter Professor für Theoretische Physik an der Universität Münster) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • was es mit dem Gedankenexperiment von "Schrödingers Katze" auf sich hat,
  • wie Physik und Quantenphysik zueinander in Beziehung stehen,
  • welche zwei Physiker-Gruppen sich in den 1920er-Jahren über die Interpretation der Quantenphysik streiten,
  • was Max Planck, Albert Einstein und Niels Bohr mit der Quantenphysik zu tun haben,
  • welche Rolle Quantenphysik in unserem Alltag spielt.

Die Quantenphysik beschäftigt sich mit den Naturgesetzen im atomaren und subatomaren Bereich. Unsere materielle Welt ist zusammengesetzt aus einer Vielzahl von Quantenobjekten: Atome, die ihrerseits aus unzähligen weiteren Quantenobjekten wie Elektronen, Protonen und Neutronen bestehen. Quanten sind kleinste Einheiten von Energie, Materie oder anderen physikalischen Eigenschaften.

Jedes dieser Quantenobjekte für sich genommen unterliegt den Gesetzen der Quantenmechanik und kann in Überlagerungszuständen gegensätzliche Eigenschaften zur selben Zeit haben. Doch je mehr Quantenobjekte zusammenkommen zu komplexen Molekülsystemen wie Menschen, Tieren oder Objekten, desto weniger gelten die Gesetze der Quantenmechanik.

Das klingt kompliziert? Das finden auch Experten. Der Physiker Richard Feynman hat einmal gesagt: "Ich verstehe die Quantenphysik nicht wirklich und ich glaube, es gibt niemanden, der sie wirklich versteht."

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Gernot Münster (emeritierter Professor für Theoretische Physik an der Universität Münster)
  • Brigitte Röthlein: Schrödingers Katze. Einführung in die Quantenphysik. München 1999
  • John Gribbin: Auf der Suche nach Schrödingers Katze. Quantenphysik und Wirklichkeit. München 1991
  • Wolfgang W. Osterhage: Eine Rundreise durch die Quantenphysik. Von der Unschärferelation bis zu Schrödingers Katze. Heidelberg 2014

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Moritz Raestrup

Laborheld und Kinderliebling: Siegeszug des Goldhamsters

Laborheld und Kinderliebling: Siegeszug des Goldhamsters WDR Zeitzeichen 18.08.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 19.08.2099 WDR 5

Alle Goldhamster weltweit stammen von vier Tieren ab - ein Inzucht-Experiment. Der erste Wurf in Gefangenschaft kommt am 18.8.1930 in Jerusalem zur Welt.

Vier Geschwister - Millionen Nachkommen. Forscher sprechen von einem genetischen Flaschenhals, durch den die gezüchteten Goldhamster gegangen sind. Das bedeutet: Die genetische Vielfalt dieser Goldhamster ist deutlich kleiner als jene ihrer Vorfahren in der ursprünglichen Wildpopulation. Doch ein Vergleich zeigt: Zumindest im äußeren Erscheinungsbild bestehen zwischen Wild- und Zucht-Exemplaren keine Unterschiede. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Peter Fritsche (Verhaltensbiologe, Spezialgebiet Hamster) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • wer den Syrischen Goldhamster, den Vorläufer des heutigen Goldhamsters, im 18. Jahrhundert zum ersten Mal schriftlich erwähnt,
  • warum Hamster-Mütter in besonderen Fällen ihren Nachwuchs totbeißen,
  • woran Labor-Weibchen die von ihnen zur Paarung favorisierten Wild-Männchen erkennen,
  • weshalb Kinder und Hamster nur schlecht zusammenpassen.

1930 untersuchen Forscher der Universität Jerusalem die Entstehung und Übertragung einer Tropenkrankheit. In Tierversuchen sollen Behandlungsmöglichkeiten erforscht werden. Dafür werden chinesische Streifenhamster genutzt, die aber teuer importiert werden müssen. Sie im Labor zu züchten, gelingt offenbar nicht. Deshalb sollen syrische Hamster als Ersatz dienen.

Eine Expedition gräbt schließlich in der Gegend von Aleppo auf einem Weizenfeld ein Hamster-Nest aus - mit einer Mutter und elf Jungen. Davon überleben schließlich vier Geschwister: ein Weibchen und drei Männchen. Da neugeborene Tiere nach rund einem Monat selbst geschlechtsreif sind, beginnt schon bald die Zucht.

Am 18. August 1930 werden im Parasitologischen Institut der Hebräischen Universität Jerusalem die ersten Goldhamster in Gefangenschaft geboren. Sie erweisen sich als leicht zu reproduzierende Labortiere mit erstaunlicher Fertilität - ein einziger Wurf bringt im Schnitt acht Junge. Auch als Haustiere werden sie entdeckt. Sie alle sind direkte Nachkommen der vier Hamster-Geschwister aus Aleppo.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Peter Fritsche (Verhaltensbiologe, Spezialgebiet Hamster)
  • Anna Lena Reister (Hamsterhilfe NRW)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Marko Rösseler
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Sarah Fitzek

Die Freimaurer: eine Loge im Fadenkreuz der NS-Propaganda

Die Freimaurer: eine Loge im Fadenkreuz der NS-Propaganda WDR Zeitzeichen 17.08.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 18.08.2099 WDR 5

Die Freimaurer stehen für eine Welt mit Toleranz, Freiheit und Humanität. Am 17.8.1935 werden sie von den Nationalsozialisten als "verschwörerischer Geheimbund" verboten.

Die Freimaurer verstehen sich als ethischen Zusammenschluss, der unter anderem für Gleichheit und Menschlichkeit steht. Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten kostet sie Räumlichkeiten, Eigentum und Mitglieder. Heute gibt es in Deutschland wieder rund 16.000 Freimaurer, 650 von ihnen sind Frauen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Werner H. Heussinger, Ökonom, Autor und Vorsitzender einer Freimaurerloge ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • warum Freimaurer sich selbst nicht als Geheimgesellschaft verstehen,
  • wie die Freimaurer sich schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Handwerkerbund zur geistig-symbolischen Gemeinschaft wandeln,
  • wie sich bei den Freimaurern auch nationalistische und antisemitische Tendenzen breitmachen,
  • wen Rudolf Hess als "abgefeimteste Feinde" ausmacht.

Schon Anfang der 1930er beginnen die Nationalsozialisten mit Einschüchterungen und auch mit der Auflösung von Freimaurerlogen. Das offizielle Verbot folgt 1935, wird damals allerdings nicht einmal im Reichsgesetzblatt veröffentlicht. Lediglich eine ministerielle Verfügung geht an die Behörden und Polizeistellen, die das Verbot durchsetzen sollen. Das Vermögen der Freimaurer wird beschlagnahmt, ihre Bibliotheken geplündert.

Ab 1945 bauen die Freimaurer unter schwierigen Bedingungen ihre Strukturen in Deutschland wieder auf. Logenhäuser müssen wiederhergestellt, Ritualgegenstände aufgebaut werden. Gegen eine Folge des Verbots während des Nationalsozialismus kommen die Freimaurer bis heute nicht an: Verschwörungsmythen über die Gesellschaft.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Werner H. Heussinger, Ökonom, Autor und Vorsitzender einer Freimaurerloge
  • Werner H. Heussinger, Heike Görner, Ralph-Dieter Wilk und Hans-Peter Quandt: Freimaurer in Deutschland zwischen den Weltkriegen. Verfolgt, verboten, wiederauferstanden. München 2021

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Klug
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
Technik: Holger Maerten

Kaschmir: ein Paradies im ständigen Belagerungszustand

Kaschmir: ein Paradies im ständigen Belagerungszustand WDR Zeitzeichen 16.08.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 17.08.2099 WDR 5

So schön die Region am Fuß des Himalayas ist, so konfliktbeladen ist sie seit Jahrzehnten. Im August 1965 beginnt der zweite Kaschmir-Krieg zwischen Indien und Pakistan.

Der Zweite Indisch-Pakistanische Krieg wird ab August 1965 um die Region Kaschmir geführt. Ihm gehen einige Scharmützel um das ebenfalls umstrittene Sumpfgebiet des Rann von Kachchh im südlichen Abschnitt der indisch-pakistanischen Grenze voraus. Der Krieg um Kaschmir endet nach wenigen Wochen im September 1965 - mit der Wiederherstellung des Grenzen vor Kriegsbeginn. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Pascale Schild, Ethnologin an der Universität Basel und Friedensforscherin bei Swisspeace ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:
  • wie Trump sich 2025 im Kaschmirkonflikt mal wieder selbst Lorbeeren verleiht,
  • was der britische Vizekönig Lord Mountbatten im August 1947 mit viel Pathos und Naivität verkündet,
  • in welcher Angelegenheit USA und Sowjetunion in den 1960ern überraschend einmütig handeln,
  • warum man bis heute nicht weiß, was die Menschen in Kaschmir selbst wollen.

Die Region Kaschmir mit ihren Grenzen zu Indien, Pakistan und China ist strategisch wichtig. Seit 1949 ist sie geteilt in einen indischen Teil mit 12,5 Millionen Menschen und einen pakistanischen mit knapp fünf Millionen. Es ist eines der am stärksten militarisierten Gebiete der Welt: Allein im indischen Teil sind 500.000 Soldaten und Paramilitärs stationiert.

Im August 1965 startet Pakistan den zweiten Versuch, Kaschmir zu erobern - oder, aus pakistanischer Sicht, zu befreien. Anfangs gelingen Geländegewinne, doch man hat sich verkalkuliert. Die indische Armee kontert mit einem militärischen Gegenschlag außerhalb von Kaschmir im pakistanischen Punjab.

Es droht ein langer Stellungskrieg. Auf Drängen der USA, Sowjetunion und der UNO wird ein Abkommen geschlossen, das gerade mal fünf Jahre hält. Schon 1971 kommt es zum nächsten Krieg zwischen Indien und Pakistan. Pakistan verliert dabei seinen östlichen Teil, der sich als Staat Bangladesch unabhängig erklärt.

Das ist unsere wichtigste Quelle und unsere Interviewpartnerin:
  • Pascale Schild, Ethnologin an der Universität Basel und Friedensforscherin bei Swisspeace
  • Arundhati Roy: Das Ministerium des Äussersten Glücks. Frankfurt 2017

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Autor: Thomas Pfaff
Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse
Technik: Beate Prantner

Ein Betrugsskandal erschüttert Versailles: Die Halsband-Affäre

Ein Betrugsskandal erschüttert Versailles: Die Halsband-Affäre WDR Zeitzeichen 15.08.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 16.08.2099 WDR 5

Versailles, 15.8.1785: Kardinal de Rohan wird verhaftet - wegen eines Betrugs um ein Collier von unfassbarem Wert. Ein Vorspiel zur Französischen Revolution.

Die Halsband-Affäre findet in einer wilden Gemengelage statt: ein Kardinal, der noch an die alte, vorrevolutionäre Ordnung des Ancien Régime glaubt; eine Königin, die genau diese Ordnung ignoriert; zwei Juweliere, die sich mit der Fertigung eines monströsen Halsschmucks an den Rand des Ruins gebracht haben - und: eine Gaunerin, die nach oben will. Dem Kardinal wird schließlich der Prozess gemacht. Doch der Skandal hat noch weitaus größere Folgen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Michaela Lindinger (Kuratorin im Wien Museum) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Reinhardt:
  • in welcher Situation Kardinal de Rohan festgenommen wird,
  • warum Königin Marie Antoinette den Kardinal seit ihrer Jugend nicht ausstehen kann,
  • wie raffiniert die Drahtzieherin der Affäre, Jeanne de la Motte, ihre Intrige inszeniert,
  • wie teuer das Diamant-Halsband ist, das König Ludwig XVI. für seine Frau zum Kauf angeboten wird,
  • weshalb die Halsband-Affäre zum Sturz des Ancien Régime beiträgt.

Die Halsband-Affäre am Hof von König Ludwig XVI. hat einen langen Vorlauf: Kardinal de Rohan, der das höchste geistliche Amt bekleidet, möchte die Gunst des Herrschers erlangen. Darum versucht er zunächst, einen guten Kontakt zu Königin Marie Antoinette aufzubauen.

Rohans Wunsch ist so groß, dass er der Betrügerin Madame de La Motte gern glaubt. Sie genießt angeblich das Vertrauen der Königin und bietet dem Kardinal eine unglaubliche Chance: Er kann für die Königin ein teures Collier kaufen und in mehreren Raten bezahlen, um später das Geld von der Herrscherin zurückzuerhalten.

Doch das Halsband kommt nie bei der Königin an und die Raten nicht beim Hofjuwelier. De la Motte verkauft das Schmuckstück auf eigene Rechnung. Der Kardinal wird vor Gericht zwar freigesprochen, aber der Skandal hat politische Auswirkungen: Das Ancien Régime ist am Ende.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michaela Lindinger (Kuratorin im Wien Museum)
  • Leonhard Horowski (Historiker)
  • Michaela Lindinger: Marie Antoinette. Wien 2023
  • Leonhard Horowski: Das Europa der Könige. Hamburg 2018
  • Benedetta Craveri: Marie Antoinette und die Halsbandaffäre. Berlin 2015
  • Stefan Zweig: Marie Antoinette. Leipzig 1932

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Autorin: Anja Reinhardt
Redaktion: Matti Hesse

Vom Flop zum Kult: Die Geburt der "Rocky Horror Picture Show"

Vom Flop zum Kult: Die Geburt der "Rocky Horror Picture Show" WDR Zeitzeichen 14.08.2025 14:40 Min. Verfügbar bis 15.08.2099 WDR 5

Am 14.8.1975 kommt das Trash-Musical in London ins Kino - und floppt. Heute gilt es als Kultfilm der queeren Szene und Symbol sexueller Befreiung.

Anfang der 1970er-Jahre schreibt der britische Schauspieler Richard O'Brien das Musical "Rocky Horror Show". Zwei Jahre später wird der Theater-Hit verfilmt, doch die Kritiken sind zunächst miserabel. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dr. Susanne Bach, Anglistin an der Universität Kassel ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • wie durch einen Marketing-Trick aus einem Flop doch noch ein Hit gemacht wird,
  • was den Erfolg der "Rocky Horror Picture Show" ausmacht,
  • wie ein ehemals mäßig erfolgreicher Apostel einen Blockbuster kreiert,
  • welche Bezüge zur Kulturgeschichte in der Show eingebaut sind,
  • was die "Rocky Horror Picture Show" mit dem "Weißen Hai" zu tun hat.

Die "Rocky Horror Picture Show" ist an grandioser Verrücktheit kaum zu überbieten: Ein Außerirdischer aus der Galaxie Transsylvanien will einen künstlichen Menschen erschaffen. Vorher muss er jedoch den Rocker Eddie beseitigen, der aus dem Eisschrank ausgebrochen ist. Das biedere Paar Brad und Janet verliert in der Nacht nicht nur seine Unschuld, sondern weiß bald gar nicht mehr so genau, wer es eigentlich ist.

Das Ende der 1960er und die frühen 1970er sind eine angstbesetzte Zeit für viele homosexuelle und queere Menschen. Ein Coming-out ist schwierig. Umso gewagter erscheint die "Rocky Horror Picture Show": Lustvoll verstößt sie gegen alle gängigen Normen und Moralvorstellungen. Für viele junge Schwule und Lesben wirkt sie wie eine Befreiung.

Der Reiz der "Rocky Horror Picture Show" ist unverwüstlich: Die "Museum Lichtspiele" in München zeigen den Film seit nunmehr 48 Jahren ununterbrochen jedes Wochenende.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Susanne Bach, Anglistin an der Universität Kassel
  • Matthias Stolz, Kino-Betreiber
  • Prof. Dr. Susanne Bach: Vom B-Movie zum Be-Movie. The Rocky Horror Picture Show. In: Angela Fabris und Jörg Helbig (Hg.): Science-Fiction-Kultfilme. Marburg 2016
  • Mick Rock: Rocky Horror. Das Buch zum Kultfilm. Berlin 2005
  • Jeffrey Andrew Weinstock (Hg.): Reading Rocky Horror. The Rocky Horror Picture Show and Popular Culture. New York 2008

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Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Theo Kramer

Der vergessene Krieg: Die Schlacht bei Warschau 1920

Der vergessene Krieg: Die Schlacht bei Warschau 1920 WDR Zeitzeichen 13.08.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 14.08.2099 WDR 5

Am 13.8.1920 beginnt die Schlacht um Warschau. Polen schlägt überraschend die sowjetische Rote Armee zurück. Wurde so die bolschewistische Weltrevolution verhindert?

Hat das "Wunder an der Weichsel" - der polnische Sieg über die angreifende Rote Armee 1920 - tatsächlich Europas Freiheit gerettet? Der Blick hinter die patriotische Verklärung der polnischen Verteidiger zeigt: Statt des großen Kampfes Gut gegen Böse gibt es damals eine unübersichtliche Gemengelage aus Nationalideologie, Herrschaftsansprüchen und Territorialstreitigkeiten. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Stephan Lehnstaedt (Lehrstuhl für Holocauststudien, Touro University, Berlin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • wie konfliktreich es nach dem Ersten Weltkrieg in Osteuropa weitergeht,
  • welche Bevölkerungsgruppe unter den polnisch-sowjetischen Kämpfen am meisten leidet,
  • mit welcher Taktik es den Polen gelingt, Warschau zu verteidigen,
  • warum es in Warschau einen Gedenkstein für den polnischen Priester Ignacy Skorupka gibt,
  • was Stalin von der Grenzziehung im Riga-Vertrag von 1921 hält.

Der Erste Weltkrieg endet in Westeuropa 1918. Der östliche Teil des Kontinents hingegen versinkt in einer Reihe bewaffneter Regionalkonflikte - alle ausgelöst durch den Kollaps der europäischen Kaiserreiche: Russland, Österreich-Ungarn und Deutschland. Ein Machtvakuum entsteht.

Wie andere osteuropäische Länder erklärt auch Polen seine Unabhängigkeit und beansprucht seine alten Staatsgrenzen. Doch das widerspricht den sowjetischen Interessen. Es kommt zum Polnisch-Sowjetischen Krieg. Nach anfänglichen Erfolgen muss die polnische Armee die eroberten Gebiete weitgehend aufgeben. Im August 1920 stehen sowjetische Truppen kurz vor Warschau.

Dann gelingt es der polnischen Armee überraschend, die Rote Armee zu stoppen. Der Preis für das "Wunder an der Weichsel": 10.000 sowjetische Leben und 4.500 polnische. Der Wendepunkt sichert Polens Unabhängigkeit - vorläufig.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Stephan Lehnstaedt (Lehrstuhl für Holocauststudien, Touro University, Berlin)
  • Professor Maciej Górny (Polnische Akademie der Wissenschaften)
  • Stephan Lehnstaedt: Der vergessene Sieg - Der Polnisch-Sowjetische Krieg 1919-1921 und die Entstehung des modernen Osteuropa. München 2019
  • Maciej Górny: Der vergessene Weltkrieg - Europas Osten 1912-1923. Stuttgart 2018

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Autor: Martin Herzog
Redaktion: Matti Hesse

Japans "Titanic-Moment": Der Absturz von Flug "JL 123"

Japans "Titanic-Moment": Der Absturz von Flug "JL 123" WDR Zeitzeichen 12.08.2025 15:44 Min. Verfügbar bis 13.08.2099 WDR 5

Bei keinem einzelnen Flugzeugabsturz sind bisher mehr Menschen gestorben als beim Absturz von Flug "JL 123" am 12.08.1985. Doch Japan hat aus dem Unglück gelernt.

Später Nachmittag, Airport Haneda. Fünf Starts und Landungen hat die Boeing 747 der Japan Airlines an diesem Montag schon absolviert. Ihr Flug mit der Nummer "JL 123" von Tokio nach Osaka ist der letzte für heute. Um 18.24 Uhr hören die Männer im Cockpit einen dumpfen Knall aus dem hinteren Bereich des Flugzeugs - auf dem Stimmrekorder der Maschine ist er ganz entfernt zu hören. Es kommt zum Absturz: 520 Menschen sterben, vier überleben. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Christopher P. Hood (Japanologe, Universität Cardiff) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Frank Zirpins:
  • wie eine überlebende JAL-Stewardess die Situation im abstürzenden Flugzeug schildert,
  • wie erstaunlich lange die Piloten die Maschine noch in der Luft halten können,
  • welche Nachrichten die verzweifelten Passagiere für ihre Angehörigen notieren,
  • warum in Japan immer wieder eine Neuuntersuchung des Unglücks gefordert wird,
  • wie die Japan Airlines seit 2006 an den Absturz erinnert.

Um 18.12 Uhr hebt der Jumbo-Jet der Japan Airlines ab. An Bord des Fluges "JL 123" sind 509 Passagiere. Geschäftsleute wie der Präsident des Baseball-Teams Hanshin-Tigers. Ein bekannter Sänger. Menschen auf dem Weg zu ihren Verwandten in Osaka, um das Obon-Fest zu feiern - wie ein Neunjähriger, der zum ersten Mal allein zu den Großeltern fliegen darf. Betreut wird das Flugzeug von 15 Besatzungsmitgliedern, drei davon im Cockpit.

Plötzlich kommt es zu einem Druckverlust. Die Kabinenluft entweicht explosionsartig. In der Kabine bildet sich weißer Rauch, Teile der Deckenverkleidung fallen herunter. Das Heck des Jumbos wird abgesprengt. Das Flugzeug verliert sein Leitwerk - und kann nicht mehr gesteuert werden. Es rast in einen Bergkamm. 520 Menschen sterben beim Absturz, doch es gibt auch Überlebende: vier Frauen können gerettet werden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Christopher P. Hood (Japanologe, Universität Cardiff)
  • Andreas Spaeth (Flugforensik.de)

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Autor: Frank Zirpins
Redaktion: David Rother

Antiker Cold Case: Mord an der Universalgelehrten Hypatia

Antiker Cold Case: Mord an der Universalgelehrten Hypatia WDR Zeitzeichen 11.08.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 12.08.2099 WDR 5

Hypatia ist einzigartig für eine Frau der Antike: Sie ist Mathematikerin, Philosophin, Astronomin und politische Beraterin. 415 wird sie von christlichen Fanatikern ermordet.

Es gibt nur wenige Quellen zu Hypatia. Doch fast alle schildern das heimtückische Verbrechen an ihr: Eine Gruppe Christen greift sie auf offener Straße an und tötet sie auf grausame Art. Warum muss die Mathematikerin und Philosophin so sterben?


In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • was Kyrill, der Patriarch von Alexandria, mit dem Lynchmord zu tun haben könnte,
  • wie die Philosophin die Lehren von Platon und Aristoteles unter die Bevölkerung Alexandrias bringt,
  • warum Hypatia wohl auch eine begabte Konstrukteurin von wissenschaftlichem Gerät ist,
  • wie gefährlich ihr Kontakt zu Orestes, dem kaiserlich-römischen Präfekten von Ägypten, ist,
  • welche Folgen der Lynchmord hat.

Über die Hintergründe der Tat an der Mathematikerin und Philosophin Hypatia kann bis heute nur spekuliert werden: Warum richtet sich derart entfesselte Gewalt gegen eine einzelne Frau? Fest steht: Eine weibliche Universalgelehrte, Philosophin, Mathematikerin und Astronomin, ist ungewöhnlich in einer von Männern dominierten Gelehrtenwelt.

Leider sind von Hypatia selbst keine Schriften überliefert. Aber die wenigen Quellen über sie berichten mit höchster Bewunderung. Der antike Kirchenhistoriker Cassiodor notiert zum Beispiel: "Sie war die Tochter des Philosophen Theon und hatte in ihrer Gelehrsamkeit solche Fortschritte gemacht, dass sie die Philosophen ihrer Zeit weit hinter sich ließ."

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Henriette Harich-Schwarzbauer (Altphilologin, Universität Basel)
  • Professor Johannes Hahn (Althistoriker, Universität Münster)
  • Henriette Harich-Schwarzbauer: Hypatia - Die spätantiken Quellen. Bern 2011
  • Hartmut Leppin: Theodosius der Große. Darmstadt 2003

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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
Technik: Nicolas Dohle

Die "rote" Gräfin: Sophie von Hatzfeldt

Die "rote" Gräfin: Sophie von Hatzfeldt WDR Zeitzeichen 10.08.2025 15:43 Min. Verfügbar bis 11.08.2099 WDR 5

Im revolutionären Vormärz wird die Scheidung der Gräfin (geb. 10.8.1805) zum Kampf um Demokratie und Frauenrechte. Mitten drin: Arbeiterführer Ferdinand Lassalle.

Wegen ihres Engagements für die Arbeiterbewegung gerät Sophie von Hatzfeldt in ihrem Leben immer wieder zwischen alle Fronten. Die "rote" Gräfin stammt aus dem Hochadel und ist mit einem der reichsten Männer des Landes verheiratet. Doch nach 23 Jahren Horror-Ehe verlangt sie die Scheidung. Mithilfe ihres jungen Rechtsbeistands Ferdinand Lassalle fordert sie Freiheit und Selbstbestimmung. Ein Skandal im 19. Jahrhundert. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Christiane Kling-Mathey (Historikerin, Biografin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • welche Ehe-Hölle für die 17-jährige Sophie 1822 beginnt,
  • wie alt Sophie von Hatzfeldt ist, als sie ihren jüngeren Lebensgefährten Ferdinand Lassalle kennenlernt,
  • was die "rote" Gräfin mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, einem Vorläufer der SPD, zu tun hat,
  • warum Marx und die Frauenbewegung sich mit Sophie von Hatzfeldt schwer tun,
  • wie Sophie von Hatzfeldt einsam in Wiesbaden stirbt.

Die Scheidung der Gräfin Sophie von Hatzfeldt ist einer der spektakulärsten Prozesse des 19. Jahrhunderts: Die Schlammschlacht zieht sich über acht Jahre hin - begierig verfolgt der Öffentlichkeit. Dass die Gräfin Freiheit und Selbstbestimmung fordert, gilt als unerhört. Und dann hat sie als Rechtsbeistand auch noch den jungen Revolutionär Ferdinand Lassalle erwählt.

Es gärt damals in Europa: Auch in Deutschland erheben sich im Vormärz immer mehr Menschen gegen die alten Eliten mit ihren Privilegien. Sie fordern einen liberalen Nationalstaat und mehr Mitbestimmung. Lassalle erkennt sofort, dass der Hatzfeldt-Prozess auch als ein Kampf für die deutsche Demokratie funktionieren könnte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Christiane Kling-Mathey (Historikerin, Biografin)
  • Christiane Kling-Mathey: Gräfin Hatzfeldt 1805-1881 - Eine Biographie. Bonn 1989
  • Helmut Hirsch: Sophie von Hatzfeldt in Selbstzeugnissen, Zeit- und Bilddokumenten. Düsseldorf 1981
  • Britta Stein: Der Scheidungsprozess Hatzfeldt (1846 - 1851). Berlin und Münster 1999
  • Annette Seemann: Sinnlichkeit und Eigensinn - Außergewöhnliche Frauenleben. Reinbek bei Hamburg 2002

Weiterführende Links:

Hörtipp:
Der ARD-History-Podcast "Vier Töne gegen Stalin – der Fall Schostakowitsch"

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Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
Technik: Theo Kramer

Der Mann, der zwei Atombomben überlebte: Tsutomu Yamaguchi

Der Mann, der zwei Atombomben überlebte: Tsutomu Yamaguchi WDR Zeitzeichen 09.08.2025 14:53 Min. Verfügbar bis 10.08.2099 WDR 5

Verletzt überlebt Yamaguchi die erste Atombombe von Hiroshima. Irgendwie schafft er es zurück zu seiner Familie nach Nagasaki - dann fällt am 9.8.1945 die zweite Bombe.

Tsutomu Yamaguchi überlebt das Unvorstellbare – zweimal. Doch als er nach der zweiten Bombe zurück zur Werft will, heißt es: entlassen. Ohne Rücksicht auf sein Leiden, ohne Erklärung. Ein altes Zeitungsinserat zeigt später: Wer nicht binnen zwei Wochen zur Arbeit erscheint, verliert seinen Platz – selbst nach einem nuklearen Inferno. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Dr. Chad Diehl, Historiker mit Schwerpunkt moderne japanische Geschichte ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Felicita Scholten:
  • wie ein Mann zur Arbeit geht und dabei zwei Atombomben überlebt,
  • warum das Überleben in Japan lange als Makel gilt,
  • wie ein Löffel Kokosöl zu einem Akt der Menschlichkeit wird,
  • und wie er den Schmerz der Erinnerung zunächst nur durch Gedichte in Worte fasst.

Am 6. August 1945 explodiert über Hiroshima die erste Atombombe. Tsutomu Yamaguchi, 29 Jahre alt, wird verletzt - aber überlebt. Am nächsten Tag reist er zurück in seine Heimatstadt. Drei Tage später fällt auch über Nagasaki eine Atombombe. Und Yamaguchi überlebt ein zweites Mal.

Jahrzehntelang schweigt er über das Erlebte. Zu groß ist die Angst vor Ausgrenzung als "Hibakusha", als einer, der der Explosion ausgesetzt war. Erst spät beginnt er zu sprechen, in Schulen, bei den Vereinten Nationen, in Gedichten: "Denkt an die Verzweiflung der Sterbenden unter der Bombe", sagt er. "Lernt aus der Geschichte." Tsutomu Yamaguchi stirbt 2010 in Nagasaki - als der einzige Mensch, der offiziell anerkannt beide Atombomben überlebt hat.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Chad Diehl, Historiker mit Schwerpunkt moderne japanische Geschichte
  • Tsutomu Yamaguchi: Double A bomb Victim. My Life beneath the Atomic Clouds. Nagasaki 2007
  • Chad Diehl: And the River Flowed as a Raft of Corpses. The Poetry of Yamaguchi Tsutomu, Survivor of Both Hiroshima and Nagasaki. New York 2010
  • Chad Diehl (Hg.): Shadows of Nagasaki. Trauma, Religion, and Memory after the Atomic Bombing. New York 2024

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Gianna Felicita Scholten
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christine Reinartz

Geheime Waffe im US-Bürgerkrieg: Das Rätsel um das U-Boot "Hunley"

Geheime Waffe im US-Bürgerkrieg: Das Rätsel um das U-Boot "Hunley" WDR Zeitzeichen 08.08.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 09.08.2099 WDR 5

Am 8.8.2000 wird die "Hunley" geborgen: das erste U-Boot, das ein gegnerisches Schiff versenkt hat – und das schon im US-Bürgerkrieg. Doch warum sank es selbst?

Clive Cussler schreibt Abenteuerromane – und lebt sie auch. Mit den Einnahmen aus seinen Büchern macht er sich mit seinem Team auf die Spur der legendären "H. L. Hunley". 15 Jahre lang sucht er nach dem verschollenen U-Boot – und findet es schließlich. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Dr. Michael Scafuri, Meeresarchäologe, Leiter des Restaurationsteams der "H. L. Hunley"


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
  • warum ein U-Boot aus dem amerikanischen Bürgerkrieg 130 Jahre lang verschollen bleibt,
  • wie ausgerechnet ein Bestsellerautor zu seiner Bergung beiträgt,
  • und weshalb der Fund der "Hunley" mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.

Charleston, South Carolina, 8. August 2000. Ein Kran hebt langsam ein metallenes Wrack aus dem Wasser. Es ist die "H. L. Hunley" – das erste U-Boot der Geschichte, dem es gelungen ist, ein feindliches Kriegsschiff zu versenken. 1864 führt die Hunley ihren Angriff unter dramatischen Umständen durch. Dann verschwindet sie. Spurlos. Über 130 Jahre lang bleibt unklar, warum sie nicht zurückkehrt – und wo sie liegt.

Jahrzehntelang wird das Wrack gesucht – und schließlich gefunden. Nur 300 Meter von der Untergangsstelle entfernt. Doch der Fund wirft neue Fragen auf: Die Männer an Bord sitzen noch immer auf ihren Plätzen, keine Spur von Panik. War es ein technischer Defekt? Ein Feindschuss?

Bis heute geben die letzten Minuten der Hunley Rätsel auf – und liefern Stoff für eine der ungewöhnlichsten Geschichten der Militär- und Technikgeschichte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Michael Scafuri, Meeresarchäologe, Leiter des Restaurationsteams der "H. L. Hunley"
  • Spencer Dunmore: Gesunkene U Boote - von der Hunley bis zur Kursk - Untergang, Verlust und Bergung, München 2002
  • Robert Hutchinson: War beneath the Waves, London 2001
  • Originaldokumente der U.S. Navy: The Sinking of the USS Housatonic by the Submarine CSS H.L. Hunley, off Charleston, South Carolina, 17 February 1864

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Autor: Christoph Tiemann
Redaktion: Matti Hesse

Sex, Drugs und Sexismus: Der Beginn der Hippie-Bewegung

Sex, Drugs und Sexismus: Der Beginn der Hippie-Bewegung WDR Zeitzeichen 07.08.2025 14:06 Min. Verfügbar bis 08.08.2099 WDR 5

Eines der folgenreichsten Treffen von Hippies am 7.8.1965 offenbart deren Sexismus. Die Frauen der Bewegung kontern: mit männerfreien Kommunen und einer Welle des Feminismus.

Viele verbinden die Hippie-Bewegung mit der 68er-Generation. Doch die Wurzeln liegen tiefer. Schon in den frühen 60ern entwerfen Musiker und Schriftsteller eine Gesellschaftsutopie, die von Frieden, Liebe und Grenzerfahrungen geprägt ist. Auf einer Party im kalifornischen La Honda zeigt sich jedoch: Diese Utopie gilt nicht fürjeden in der Bewegung. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Diederich Diederichsen, Kulturwissenschaftler ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte:
  • wie San Francisco zum Hippie-Mekka wird,
  • von den Merry Pranksters, der berühmtesten Gruppe der Hippie-Zeit, und ihrer Freundschaft zu den Hells Angels,
  • vom Frauenbild in der Szene und warum es oft dem der restlichen USA ähnelt.

Selbstbestimmung, Freiheit und das Streben nach Glück - darauf gründen die USA ihre Identität. Mitte der 60er Jahre werden diese Werte aber vor allem von einer Gruppe hochgehalten, die so gar nicht US-amerikanisch wirkt: den Hippies. Junge Menschen mit langen Haaren und Interesse an Selbsterfahrung und neuen Lebensformen.

Die Hippie-Bewegung hat ihren Ursprung in und um San Francisco. In La Honda, rund eine Autostunde südlich der Stadt, lädt der Schriftsteller Ken Kesey am 7. August 1965 zu einer LSD-Party. Gemeinsam high sein, dazu gute Musik - doch das Treffen offenbart auch die Abgründe der Bewegung.

Dem Ansturm der Jugend aus aller Welt sind die Ur-Hippies in San Francisco nicht gewachsen. Harte Drogen und Gewalt halten Einzug in die Szene. Schon Ende der 60er beginnt der Niedergang der Bewegung. Und trotzdem: Der gesellschaftliche Traum der Hippies prägt die USA und auch Europa bis heute.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Diederich Diederichsen, Kulturwissenschaftler
  • Nona Willis-Aronowitz, Journalistin
  • Dominick Cavallo: A Fiction of the Past. The Sixties in American History, New York 1999
  • Diedrich Diederichsen und Anselm Franke (Hg.): The Whole Earth. Kalifornien und das Verschwinden des Außen. Berlin 2013
  • Gretchen Lemke-Santangelo: Daughters of Aquarius. Women of the Sixties Counterculture, Lawrence 2009
  • Tom Wolfe: Der Electric Kool-Aid Acid Test, München 2009
  • Ellen Willis: Out of the Vinyl Deeps, Minneapolis 2011

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Werthschulte
Redaktion: Carolin Rückl und David Rother

Der gescheiterte Versuch, human hinzurichten

Der gescheiterte Versuch, human hinzurichten WDR Zeitzeichen 06.08.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 07.08.2099 WDR 5

"Man hätte es besser mit einer Axt getan", lautet das Urteil aller Zeugen nach der ersten Hinrichtung eines Menschen mit Elektrizität am 6. August 1890. Die Justiz hält dennoch an der Tötungsmethode fest.

Die erste Hinrichtung mit elektrischem Strom am 6. August 1890 ist ein Desaster. William Kemmler ist nach dem ersten Stromstoß noch am Leben, leidet offensichtlich. Der Strom wird erneut angestellt, allerdings mit 70 Sekunden viel zu lang. Kemmler wird vor dem anwesenden Publikum langsam elektrisch verbrannt. Dennoch ist dieser brutale Anfang nicht das Ende des elektrischen Stuhls. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dr. Markus Hedrich, Historiker ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
  • wie Elektrizität die Medizin des 19. Jahrhunderts verändert,
  • von grausamen Tierversuchen im Dienste der Wissenschaft,
  • vom "Stromkrieg" zwischen Thomas Edison und George Westinghouse,
  • vom qualvollen Todeskampf des William Kemmler.

Im Jahr 1888 erlässt New York ein Gesetz, das den elektrischen Stuhl als Hinrichtungsmethode vorschreibt. Sauber, bequem und effektiv soll die neue Technik sein. Die erste Anwendung an einem Menschen findet am 6. August 1890 statt.

Der Alkoholiker William Kemmler wird gegen 6.30 Uhr in die Todeskammer geführt. Er hat laut Urteil nach einem Saufgelage seine Lebensgefährtin mit einer Axt erschlagen. Nach dem ersten Stromstoß lebt Kemmler noch. Ein zweiter Stromstoß ist nötig - nach einer Erholungspause für den Generator. Kemmler leidet und wird schließlich langsam elektrisch verbrannt.

Trotz dieses Desasters halten Justiz, Medizin und Politik an der neuen Methode fest. Die Technik wird weiterentwickelt, die Voltzahl erhöht. Bis heute sind in den USA fast 4.500 Verurteilte durch den elektrischen Stuhl getötet worden. Mittlerweile wird er kaum noch eingesetzt, ist überhaupt nur noch in vier US-Staaten erlaubt. In allen übrigen, in denen es die Todesstrafe noch gibt, wird die Giftspritze verwendet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Markus Hedrich, Historiker
  • The New York Times, 7. August 1890: Far worse than hanging. Kemmler's Death Proves an Awful Spectacle.

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Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock
Redaktion: Frank Zirpins

Der schwule preußische Kronprinz, aus dem der "Alte Fritz" wurde

Der schwule preußische Kronprinz, aus dem der "Alte Fritz" wurde WDR Zeitzeichen 05.08.2025 14:55 Min. Verfügbar bis 06.08.2099 WDR 5

Am 5.8.1730 flieht Preußens Kronprinz Friedrich vor seinem tyrannischen Vater. Friedrichs Freund ist eingeweiht und wird später vor seinen Augen hingerichtet - ein Wendepunkt im Leben des "Alten Fritz".

Am 5. August 1730 unternimmt der preußische Kronprinz Friedrich einen Fluchtversuch. Er will weg von seinem Vater, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., der ihn jahrelang quält und demütigt. Doch der Plan fliegt auf. Friedrichs Fluchthelfer Hans Hermann von Katte wird zum Tode verurteilt und vor den Augen seines Freundes geköpft. Es ist der Höhepunkt im Konflikt zwischen Kronprinz Friedrich und seinem Vater. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Professorin Barbara Stollberg-Rilinger (Präsidentin Wissenschaftskolleg zu Berlin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • wie aus dem jungen, fröhlichen Friedrich ein zynischer alter Fritz wird,
  • was der Begriff "effeminiert" bedeutet,
  • welche fragwürdigen Aktivitäten König Friedrich Wilhelm mit seinen Gästen im "Tabakskollegium" pflegt,
  • wie drakonisch König Friedrich Wilhelm seinen Sohn und dessen vermutlichen Geliebten nach der gescheiterten Flucht des Kronprinzen bestraft.

Preußens Kronprinz Friedrich ist ein sensibles Kind. Er musiziert, verehrt die französische Literatur - und fühlt sich zu Männern hingezogen. Auch wenn Friedrich seine Homosexualität nie offen auslebt, ist seine "weibische" Art seinem Vater ein Dorn im Auge. Der sogenannte Soldatenkönig Friedrich Wilhelm drillt seinen Sohn - und das mit Gewalt.

Um sich den drastischen Erziehungsmethoden seines Vaters zu entziehen, plant der 18-jährige Friedrich seine Flucht. Am 5. August 1730 will er sich auf dem Pferd zunächst nach Frankreich absetzen, ehe es weiter Richtung England gehen soll. Zu seinen wichtigsten Helfern gehören Leutnant Hans Hermann von Katte und Peter Karl Christoph von Keith.

Das Unternehmen ist jedoch so dilettantisch vorbereitet, dass es bereits bei Sinsheim scheitert. Keith kann fliehen, Friedrich und Katte werden festgenommen und wegen Hochverrats und Desertion angeklagt. Wohl auch um seinen Sohn zu bestrafen, setzt der König für Katte das Todesurteil durch. Zwar wird Friedrich selbst begnadigt, das tödliche Drama um seinen Freund aber prägt ihn für den Rest seines Lebens.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Barbara Stollberg-Rilinger (Präsidentin Wissenschaftskolleg zu Berlin)
  • Tim Blanning: Friedrich der Große - König von Preußen. Eine Biographie. Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Nohl. München 2018
  • Ewald Frie: Friedrich II. Reinbek 2012

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Autor: Heiner Wember
Redaktion: David Rother
Technik: Alexander Buske

Frankreichs vergessener König: Wer war Philipp der Erste?

Frankreichs vergessener König: Wer war Philipp der Erste? WDR Zeitzeichen 04.08.2025 14:22 Min. Verfügbar bis 05.08.2099 WDR 5

Mit nur acht Jahren wird Philipp am 4.8.1060 zum König. Fast ein halbes Jahrhundert regiert er - stets bedroht von machthungrigen Nachbarn und dem Druck der Kirche.

Wegen seiner behutsamen Politik gilt Philipp I. in Frankreich als schwacher König. Dabei legt sein Bündnis mit dem Papst den Grundstein für die jahrhundertelange Vormachtsstellung der Könige von Frankreich. Und das, nachdem man ihn zwischenzeitlich exkommuniziert hatte. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Rolf Große, Historiker und Biograf von Philipp I.***


In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:
  • warum Thronwechsel im Mittelalter eine riskante Sache sind,
  • womit Philipps Mutter Anna ihrem Sohn zusetzt,
  • nach welchem Ereignis Papst Gregor VII. den französischen König als Raubritter bezeichnet.

Philipp I. hat ein durchaus wechselhaftes Verhältnis zu den Päpsten Gregor VII. und Urban II. Grund hierfür ist unter anderem sein Privatleben: Er ist mit Bertha von Holland verheiratet, liebt aber die schöne, allerdings auch verheiratete Bertrada von Anjou. Philipp verstößt seine eigene Frau, entführt Bertrada und lässt die Verbindung mit ihr vom Bischof von Senlis als rechtmäßige Ehe segnen.

Auch als König steht Philipp I. Schwierigkeiten gegenüber. Seine Regentschaft ist geprägt von der Bedrohung Frankreichs durch Wilhelm den Eroberer, der 1066 England einnimmt und auch auf die französische Krone aus ist. Trotzdem regiert Philipp I. fast 50 Jahre lang. Es ist die drittlängste Amtszeit eines französischen Königs.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Rolf Große, Historiker und Biograf von Philipp I.
  • Hanna Vollrath, Mittelalter-Historikerin
  • Rolf Große: Philipp I. von Frankreich, in: Joachim Ehlers, Heribert Müller und Bernd Schneidmüller (Hrsg.): Die französischen Könige des Mittelalters, München 1996
  • Joachim Ehlers: Geschichte Frankreichs im Mittelalter, Darmstadt 2009
  • Hanna Vollrath: Wilhelm I., der Eroberer, in: Hanna Vollrath und Natalie Fryde (Hrsg.): Die Englischen Könige im Mittelalter, München 2018

Weiterführende Links:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Herwig Katzer
Redaktion: Viviane Jelenc und Matti Hesse

Vertrag von Greenville 1795: Indigene Völker verlieren ihr Land

Vertrag von Greenville 1795: Indigene Völker verlieren ihr Land WDR Zeitzeichen 03.08.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 04.08.2099 WDR 5

Ursprünglich bestellen die indigenen Völker Nordamerikas ihre Felder nach ihren Regeln. Die europäischen Siedler übernehmen das Land und ändern die Eigentumsverhältnisse. Der Vertrag von Fort Greenville wird am 3.8.1795 unterzeichnet.

Wem gehört Land? Für den englischen Philosophen John Locke ist das klar: Nur wer es aktiv „nutzt“, darf es besitzen. Ein Denkmodell, das die indigenen Völker Nordamerikas systematisch entrechten wird – und den Raub von Land in ein vermeintlich fortschrittliches Projekt verwandelt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Dr. Barbara Buchenau, Nordamerikastudien, Universität Duisburg-Essen***


In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • wieso viele indigene Gruppen im Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der britischen Krone kämpfen,
  • warum das heutige Ohio ohne eine Holzfestung mitten im Niemandsland vielleicht nie ein Bundesstaat geworden wäre,
  • weshalb Privateigentum im amerikanischen System politische Mitsprache bedeutet – und Landverlust Sprachlosigkeit,
  • und warum Shawnee-Krieger Tecumseh im Vertrag kein Friedensabkommen, sondern Verrat sieht.

3. August 1795. Fort Greenville - ein militärischer Vorposten im Grenzland. Dort unterzeichnen die USA und Vertreter mehrerer indigener Völker einen Vertrag, der den blutigen Northwest Indian War beenden soll. Doch der Frieden hat seinen Preis: Die First People treten riesige Landflächen ab. Im Gegenzug versprechen die USA Lebensmittel, Werkzeuge, Decken - ein Grundeinkommen auf Zeit.

Der Vertrag öffnet das heutige Ohio für weiße Siedlerfamilien und markiert so den Beginn einer folgenreichen Verdrängung und das Ende eines kulturellen Miteinanders im sogenannten „Middleground“. Was auf dem Papier wie ein gerechter Ausgleich wirkt, bedeutet für viele Native Nations den endgültigen Verlust von Land, Mitspracherecht und Zukunft.

Das sind unsere InterviewpartnerInnen:
  • Prof. Dr. Barbara Buchenau, Nordamerikastudien, Universität Duisburg-Essen
  • Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Und das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Barbara Buchenau et.al.: Revolutionszeit und frühe Republik, in: Hubert Zapf und Timo Müller (Hg.): Amerikanische Literaturgeschichte, Berlin, Heidelberg 2024, S. 45-104.
  • Michael Hochgeschwender: Die amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763-1815, München 2021.
  • Michael Hochgeschwender: Der amerikanische Bürgerkrieg, München 2020.
  • Aram Mattioli: Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910, Stuttgart 2018.
  • Tecumseh, in: Lenelotte Möller und Renate Kiefer (Hg.): Die großen Reden der Indianer. Marixwissen, Wiesbaden 2016, S. 104-118.

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Autorin: Claudia Friedrich
Redaktion: Frank Zirpins

Roms blutige Niederlage gegen Hannibal: Die Schlacht bei Cannae

Roms blutige Niederlage gegen Hannibal: Die Schlacht bei Cannae WDR Zeitzeichen 02.08.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 03.08.2035 WDR 5

Eine der größten Schlachten der Antike findet (wahrscheinlich) am 2.8.216 v. Chr. statt: Rom unterliegt Karthagos Truppen - und gewinnt später doch den Zweiten Punischen Krieg.

Noch im 20. Jahrhundert beschwören Saddam Hussein und der US-amerikanische General Norman Schwarzkopf in ihren Propagandareden die Symbolik von "Cannae": Eines der größten militärischen Desaster in der Geschichte des Römischen Reichs steht heute synonym für eine unerwartete, vernichtende Niederlage. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dr. Christian Rollinger, Althistoriker an der Universität Trier ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • warum dem karthagischen Feldherrn Hannibal der Durchblick fehlt,
  • mit welcher ausgeklügelten Taktik Hannibal die Römer ins offene Messer laufen lässt,
  • warum viele Römer sterben, ohne dass Karthager die Hände im Spiel haben,
  • womit die Römer in ihrer Verzweiflung auf die Niederlage reagieren,
  • was die Operation "Desert Storm" im Zweiten Golfkrieg mit der Schlacht von Cannae zu tun hat.

Nachdem der erste Punische Krieg zwischen Karthagern und Römern vorwiegend auf See und auf Sizilien geführt wird, orientiert sich der karthagische Feldherr Hannibal im zweiten Krieg Richtung Rom. Mit vermutlich 37 Kriegselefanten und 50.000 Infanteristen und Reitern überquert er die Alpen, gewinnt eine Schlacht nach der anderen und richtet schließlich in Cannae südlich von Rom sein Lager ein.

Rom reagiert und schickt Hannibal bis zu 85.000 Soldaten entgegen. Am 2. August 216 vor Christus stehen sich die gewaltigen Verbände gegenüber. Hannibals Truppen sind in der Unterzahl, aber ihr Anführer verfolgt eine Strategie, die noch Jahrtausende später berühmte Feldherren wie Napoleon inspiriert. Dank seiner Taktik siegen Hannibals Truppen. Mehr als 70.000 Römer verlieren ihr Leben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Christian Rollinger, Althistoriker an der Universität Trier
  • Polybios: Historien, 3. Buch, Ditzingen 1974
  • Livius: Ab urbe condita, 22. Buch, Ditzingen 2000
  • Michael Sommer: Schwarze Tage. Roms Kriege gegen Karthago, München 2021
  • Jan-Markus Kötter: Hannibal. Roms größter Feind, München 2024

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Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: David Rother

Pionierin der Kriegsfotografie: Sie erfand Robert Capa

Pionierin der Kriegsfotografie: Sie erfand Robert Capa WDR Zeitzeichen 01.08.2025 14:29 Min. Verfügbar bis 02.08.2099 WDR 5

Ihren eigenen Ruhm hat Gerda Taro (geboren am 1.8.1910) nicht mehr erlebt. Zu jung ist sie im Spanischen Bürgerkrieg gestorben. Ihr Vermächtnis: Ein Koffer voller Negative und zwei Namen.

Die deutsche Fotografin Gerda Taro dokumentiert mit ihrem Lebensgefährten Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg, wie sich Frauen auf den Kampfeinsatz vorbereiten und junge Männer voller Hoffnung für Freiheit und Demokratie in den Krieg ziehen. Die jungen Fotografen bringen die Kamera an die Front und zeigen der Welt so ein Gesicht des Krieges, das sie bis dahin noch nicht gesehen hat. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Irme Schaber, Biografin von Gerda Taro ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Richmann:
  • warum Paris Mitte der 1930er Jahre nicht nur die Stadt der Liebe ist,
  • warum Gerda Taro während ihrer Zeit in Paris ganze Wochenenden im Bett verbringt,
  • wie aus der gebürtigen Gerta Pohorylle "Gerda Taro" und aus Endre Ernö Friedmann "Robert Capa" wird,
  • wie Gerda Taro zur Jeanne d'Arc der Linken im Spanischen Bürgerkrieg wird.

Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli 1936 entschließt sich das Fotografen-Paar Gerda Taro und Robert Capa, das Geschehen vor Ort zu dokumentieren. In den folgenden Monaten fotografieren sie aus republikanischer Sicht und prägen damit bis heute das deutsche Bild vom Spanischen Bürgerkrieg.

Gut fürs Geschäft, dass Robert Capa schon im September 1936 das ikonische Bild vom "Fallen Soldier" macht. Sein großer Name führt aber auch dazu, dass viele Magazine nur noch unter dem Label "Capa/Taro" publizieren - oder komplett ohne Taros Namen.

Doch Gerda Taro will auch eigene Wege gehen. Die französische Zeitschrift "Ce Soir" schickt sie als Fotografin zur Schlacht bei Brunete. Es ist ihr letzter Auftrag. Die deutsche Legion Condor bombt alles in Schutt und Asche. Auf der Flucht wird Gerda Taro von einem Panzer überrollt. Am 26. Juli 1937 stirbt sie im Alter von 26 Jahren in einem Krankenhaus in Escorial.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Irme Schaber (Biografin)
  • Nora Pester (Leiterin des Capa-Hauses in Leipzig)
  • Rosario Peiro (Kuratorin des Museo Sofia Reina)
  • Rolf Sachsse (Foto-Historiker)
  • Irme Schaber: Freiheit im Fokus - Gerda Taro und Robert Capa in Leipzig. Berlin/Leipzig 2024
  • Irme Schaber: Gerda Taro, Fotoreporterin - Mit Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg. Die Biografie. Marburg 2013
  • Richard Whelan: Robert Capa - Die Sammlung. New York 2005

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Autor: Michael Richmann
Redaktion: Frank Zirpins

Rumration gestrichen: Das Ende des "Daily Tot" in der Royal Navy

Rumration gestrichen: Das Ende des "Daily Tot" in der Royal Navy WDR Zeitzeichen 31.07.2025 14:53 Min. Verfügbar bis 01.08.2099 WDR 5

Am 31. Juli 1970 kippt die Royal Navy eine jahrhundertealte Tradition: die tägliche Rumration für britische Matrosen - das Ende des legendären "Daily Tot".

Normalerweise bekommen britische Matrosen ihren Rum streng abgemessen - in einem "Tot", nicht mehr, nicht weniger. Als in den 1960er-Jahren beim Verladen ein ganzes Fass auf dem Schiffsdeck zerschellt, ist der Schreck nur kurz. Denn plötzlich sind auffallend viele Seeleute zur Stelle – und helfen beim "Aufwischen". *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Matthew Heaslip (Marine-Historiker) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer:
  • wie Glockenschlag und Dudelsackpfeife zum heimlichen Signal für einen besonderen Moment an Bord werden,
  • wie ein Admiral mit altmodischem Mantel dem Grog seinen Namen gibt,
  • was Rum mit Sklaverei und kolonialer Kontrolle zu tun hat,
  • weshalb der tägliche "Tot" an Bord mehr ist als nur Seemannsroutine,
  • und wie die letzte Rumration 1970 zur feierlichen Beerdigung auf See wird.

Jahrhundertelang gehört der "Daily Tot" zum rauen Alltag auf See: eine genau abgemessene Portion Rum, täglich, für jeden Seemann der Royal Navy. Im 18. Jahrhundert verfügt Admiral Edward Vernon, dass Rum nur noch mit Wasser, als Grog, getrunken werden darf, weil er genug von taumelnden Matrosen hat. Trotzdem bleibt Rum für viele mehr als ein Rauschmittel: Trost in stürmischen Zeiten, Mittel gegen Keime, Vitamin-C-Lieferant – und ein Stück gelebte Tradition.

Doch am 31. Juli 1970 ist Schluss: Der sogenannte "Black Tot Day" markiert das Ende des Rumausschanks. Manche Matrosen tragen schwarze Armbinden, andere inszenieren einen Leichenzug. Die Rumfässer werden feierlich versenkt. Eine Ära geht unter – und lebt doch in Geschichten und Gläsern bis heute weiter.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Matthew Heaslip (Marine-Historiker)
  • Marco Pierini (bezeichnet sich selbst als Rumhistoriker)
  • James Pack: Nelson's Blood: The Story of Naval Rum. Annapolis, Maryland 1995.

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Autor: Erik Hlacer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Petra Laubach

Revolutioniert die Geologie vom Schreibtisch aus: Marie Tharp

Revolutioniert die Geologie vom Schreibtisch aus: Marie Tharp WDR Zeitzeichen 30.07.2025 14:40 Min. Verfügbar bis 31.07.2099 WDR 5

Marie Tharp (geb. am 30.7.1920) kartiert als Erste den atlantischen Meeresboden. Sie beweist auch, dass Kontinentalplatten sich bewegen. Nur glaubt ihr lange niemand.

Die Erde bewegt sich nicht nur um die Sonne. Auf ihrer Oberfläche bewegen sich auch Erdplatten. Immer genauere Messmethoden beweisen die Thesen von Marie Tharp. Ihre Karten des Meeresbodens gehen um die Welt und sind inzwischen digitaler Bestandteil der Karten-App Google Earth. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Heidrun Kopp (Geophysikerin, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • bei wem Marie Tharp kartografieren lernt,
  • was der japanische Angriff auf Pearl Harbor mit ihrem Geologiestudium zu tun hat,
  • wie Marie Tharp mit den Daten von Echolot-Messungen Tiefenprofile des Meeresbodens erstellt,
  • wie Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau ihre Hypothese der Kontinental-Drift bestätigt,
  • welches Resümee Marie Tharp am Ende ihrer Karriere zieht.

Der Pionierin der Ozeanografie darf kein Forschungsschiff betreten. Frauen sind zu ihren Lebzeiten an Bord verpönt. So muss Marie Tharp das geologische Weltbild vom Schreibtisch aus revolutionieren. Dazu setzt sie die Einzeldaten von Echolotmessungen in einer unendlichen Puzzlearbeit zusammen. Das Ergebnis ist eine Sensation: Es zeigt ein Abbild des Meeresbodens.

Zu sehen ist, dass sich quer durch den Atlantik zwei Gebirgsketten ziehen. Und in ihrer Mitte: eine tiefe Senke. Damit liefert Marie Tharp einen Beleg für die sogenannte Kontinental-Drift, die ständige langsame Bewegung der Kontinentalplatten. Die männlich dominierte Wissenschaftswelt, die ihre Thesen zunächst als "Girls Talk" abkanzelt, muss ihr schließlich recht geben.

Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
  • Professor Heidrun Kopp (Geophysikerin, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa İnci Suvak

Todesurteil für eine Lehrerin mit Gewissen: Elisabeth v. Thadden

Todesurteil für eine Lehrerin mit Gewissen: Elisabeth v. Thadden WDR Zeitzeichen 29.07.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 30.07.2099 WDR 5

In der Nazi-Zeit reicht es für ein Todesurteil, seinem Gewissen zu folgen und kritisch zu sein: Dies ist die Geschichte der Elisabeth von Thadden, geboren am 29.7.1890.

Im September 1943 lädt die Lehrerin Elisabeth von Thadden zu einer Teegesellschaft ein. Die Gäste gehören zum Solf-Kreis, einer Gruppe von regimekritischen Akademikern und Adeligen. Unter den Gästen befindet sich auf Empfehlung von Freunden auch Paul Reckzeh. Doch der entpuppt sich später als Spitzel der Geheimen Staatspolizei. Er liefert das Material für das Todesurteil von Elisabeth von Thadden. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir gesprochen mit: Marianne Wellershoff, Journalistin und Nichte von Elisabeth von Thadden ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • wie die Lehrerin Elisabeth von Thadden von einer Schülerin bei den Nationalsozialisten denunziert wird,
  • dass sie daraufhin die von ihr gegründete Mädchenschule verliert,
  • wie sie unwissend einen Gestapo-Spitzel einlädt und damit ihre Hinrichtung einleitet,
  • warum Marianne Wellershoff, Journalistin und von Thaddens Nichte, beim Verräter ihrer Tante ein narzisstisches Problem erkennt.

"Wir wollten soziale Hilfe leisten, in dem Augenblick, wo diese Hilfe Not tat. Wir wollten barmherzige Samariter sein", schreibt Elisabeth von Thadden während ihrer Gefangenschaft. Angeklagt ist sie wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegüngstigung. Den Nationalsozialisten ist sie schon lange ein Dorn im Auge.

Denn Elisabeth von Thadden will ihre christlichen Werte nicht gegen die Ideologie von Adolf Hitler eintauschen. Sie setzt auf Nächstenliebe statt auf Hass. Geboren wird sie am 29.7.1890 in eine preußisch-evangelische Adelsfamilie hinein, in der die Sorge um andere gelebt wird.

So unterrichtet die Lehrerin noch jüdische Kinder, obwohl dies von den Nazis längst verboten war. Sie verweigert den Hitler-Gruß, kritisiert die Gewalt des NS-Regimes und hilft Opfern der Nationalsozialisten.

Im Januar 1944 wird Elisabeth von Thadden verhaftet und zum Tode verurteilt. Ihren festen Glauben können auch ihre Mörder nicht brechen. Auf dem Weg zum Schafott singt sie das Kirchenlied: "Mach End’, o Herr, mach’ Ende mit aller unserer Not."

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Autor: Thomas Klug
Redaktion: David Rother
Technik: Holger Maerten

Mythos Cyrano: scharfe Zunge, kurze Lunte und lange Nase

Mythos Cyrano: scharfe Zunge, kurze Lunte und lange Nase WDR Zeitzeichen 28.07.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 29.07.2099 WDR 5

Frecher Dichter, notorischer Duellant, kühner Kirchenkritiker? Wer war dieser Cyrano de Bergerac wirklich? Auch sein früher Tod am 28.7.1655 gibt bis heute Rätsel auf.

Der Dramatiker Edmond Rostand erzählt Cyrano de Bergeracs Geschichte als die eines hoffnungslosen Romantikers, dessen Liebe zu seiner Cousine Roxane kein glückliches Ende findet. Dabei ist Cyrano weit mehr: Ein rebellischer Geist mit visionären Ideen, der das Weltbild seiner Zeit herausfordert. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Andreas Gipper, Professor für Französische und Italienische Kulturwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • was die katholische Kirche mit den USA und "America first" zu tun hat,
  • dass Zeitgenossen, die Cyrano wegen seiner großen Nase schräg anschauen, gefährlich leben,
  • welcher weltberühmte Satz im 17. Jahrhundert Gelehrte erschüttert,
  • warum Cyrano sich vor der Kirche in Acht nehmen muss.

Cyrano de Bergerac wird im März 1619 als Hector Savinien de Cyrano geboren. Mit seinem Schulfreund Henri Le Bret, seinem späteren Nachlassverwalter, zieht es ihn noch als Minderjährigen zu den Waffen. Doch lange bleibt er nicht Soldat. Nach seiner zweiten Verwundung quittiert er mit Anfang 20 den Dienst und beginnt zu schreiben.

Cyrano will die neuen Erkenntnisse der Wissenschaften unters Volk bringen: Nicht die Sonne dreht sich um die Erde, sondern umgekehrt – wie Kopernikus schon ein Jahrhundert vorher beschrieben hat. Sein bekanntestes Werk wird die "Reise zum Mond und zur Sonne", eine wilde Mischung aus Burleske, philosophischem Roman, Populärwissenschaft, Science-Fiction, Utopie und Satire. Die Veröffentlichung erlebt er nicht mehr: 1655 wird Cyrano de Bergerac unter mysteriösen Umständen erschlagen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Andreas Gipper, Professor für Französische und Italienische Kulturwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
  • Cyrano de Bergerac: Reise zum Mond und zur Sonne, Frankfurt am Main 2004
  • Edmond Rostand: Cyrano de Bergerac. Romantische Komödie in fünf Aufzügen, Berlin 2016
  • Andreas Gipper: Wunderbare Wissenschaft. Literarische Strategien naturwissenschaftlicher Vulgarisierung in Frankreich. Von Cyrano de Bergerac bis zur Encyclopédie, München 2001
  • Cyrano von Bergerac. Spielfilm nach dem Theaterstück von Edmond Rostand. Regie: Jean-Paul Rappeneau, Concorde 1990

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse

Alles geben für einen Olivenzweig: Die ersten Spiele von Olympia

Alles geben für einen Olivenzweig: Die ersten Spiele von Olympia WDR Zeitzeichen 27.07.2025 15:36 Min. Verfügbar bis 28.07.2099 WDR 5

Die Siegerliste des ersten Wettkampfs in Olympia im Juli 776 v. Chr. ist kurz: Der Name eines einzigen Läufers ist dort eingemeißelt. Schon in der Antike wird ein riesiges Sportfest daraus.

Kein Feuerwerk, keine Maskottchen, keine Dopingproben. Nur Staub, Sonne - und ein Stadionlauf über knapp 192 Meter. So sollen die allerersten Olympischen Spiele ausgesehen haben. Dieser Wettkampf gilt als offizieller Start zum größten Sportevent der antiken Welt, das zu Hochzeiten von mehr als 50.000 Zuschauern besucht wird. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Hans Beck (Geschäftsführender Direktor des Seminars für Alte Geschichte an der Universität Münster) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Nik Berger:
  • welchen Beruf der erste Olympia-Sieger Koroibos von Elis gehabt haben soll,
  • was die Olympischen Spiele in der Antike mit Religion zu tun haben,
  • welche blutige Disziplin zeitweise zu den Olympischen Spielen gehört,
  • warum die Sportler damals wohl nackt zu den Wettkämpfen antreten,
  • was es bei den Spielen in Olympia zu gewinnen gibt.

Bei den Olympischen Spielen herrschen strenge Regeln. Zum einen, was das Fair-Play angeht: Sportler und Schiedsrichter müssen einen Eid schwören. Zum anderen, was Teilnahmebedingungen für Athleten und Zuschauer angeht: Mitmachen dürfen nur freie Männer mit belegbarer griechischer Herkunft. Zusehen dürfen auch Frauen - aber nur, wenn sie unverheiratet sind. Sklaven sind theoretisch ebenfalls als Publikum zugelassen.

Obwohl sich mehrere der teilnehmenden Stadtstaaten immer wieder untereinander bekriegen, laufen die Spiele weitgehend friedlich ab. Das liegt daran, dass in Olympia keine Waffen erlaubt sind und der sogenannte Olympische Frieden gilt. Mit der Eroberung Griechenlands durch die Römer im 2. Jahrhundert vor Christus nehmen die Spiele an Bedeutung ab. Im Jahr 393 werden sie beendet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Hans Beck (Geschäftsführender Direktor des Seminars für Alte Geschichte an der Universität Münster)
  • Professor Stephan Wassong (Direktor des Zentrums für Olympische Studien der Deutschen Sporthochschule Köln)
  • Rosmarie Günther: Olympia. Kult und Spiele in der Antike. Darmstadt 2004
  • Ulrich Sinn: Das antike Olympia. Götter, Spiel und Kunst. München 2004

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Nik Berger
Redaktion: Frank Zirpins

"Pakal der Große" wird König der Maya-Stadt Palenque

"Pakal der Große" wird König der Maya-Stadt Palenque WDR Zeitzeichen 26.07.2025 14:11 Min. Verfügbar bis 27.07.2099 WDR 5

Am 26.7.615 besteigt K’inich Janaab Pakal I. den Thron von Palenque. Heute gilt er als einer der berühmtesten Maya-Könige - der Fund seines Grabes war eine Sensation.

K’inich Janaab Pakal I., auch bekannt als Pakal der Große, ist der bedeutendste Herrscher der Maya-Stadt Palenque. Er ist gerade mal zwölf Jahre alt, als er den Thron besteigt. Trotz seines jungen Alters gelingt es ihm, Palenque in seiner jahrzehntelangen Regentschaft militärisch zu stärken und die Stadt zu einer neuen architektonischen Blüte zu führen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Nikolai Grube, Altamerikanist von der Universtät Bonn ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer:
  • welche Schlüsse Forschende aus dem Skelett des Königs K’inich Janaab Pakal I. ziehen können,
  • welchen Torturen sich Maya-Könige aussetzen, um die Aufmerksamkeit der Götter zu gewinnen,
  • wie Pakal auch als bedeutender Bauherr in die Geschichte eingeht,
  • welche Rätsel der Maya-Stadt Palenque bis heute ungelöst sind.

Im Jahr 1949 erreicht der Archäologe Alberto Ruíz im Urwald der mexikanischen Halbinsel Yucatán die uralte Maya-Stadt Palenque. Bei den folgenden Grabungen stoßen die Archäologen in 25 Metern Tiefe auf eine Grabkammer.

Ruíz findet in einem luftdicht verschlossenen Sarkophag ein Skelett. Die Inschriften kann zunächst niemand entziffern. Erst Jahrzehnte später gelingt es Forschern, rund zwei Drittel der Schriftzeichen zu entschlüsseln. Deshalb kennen sie heute den Namen des hier bestatteten Königs: K'inich Janaab Pakal.

K'inich heißt große Sonne oder stark wie die Sonne. K'inich Janaab Pakal besteigt am 26. Juli 615 den Thron von Palenque und führt die Stadt in eine außergewöhnliche Blütezeit. Nach 68 Herrschaftsjahren auf dem Thron stirbt Pakal im Jahr 683. Er wird 80 Jahre alt. Zwei seiner Söhne folgen Pakal nacheinander auf den Thron.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Vera Tiesler, Archäologin, Universidad Autonoma de Yucatán
  • Nikolai Grube, Altamerikanist, Universtät Bonn
  • Simon Martin und Nikolai Grube: Chronicle of the Maya Kings and Queens. New York 2008
  • Berthold Riese: Die Maya. 8., überarbeitete Auflage. München 2018
  • Vera Tiesler und Andrea Cucina (Hrsg.): Janaab' Pakal of Palenque. Reconstructing the Life and Death of a Maya Ruler. Tucson 2006

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Tobias Sauer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Nicolas Dohle

Mathilde von England wird mit acht Jahren römisch-deutsche Königin

Mathilde von England wird mit acht Jahren römisch-deutsche Königin WDR Zeitzeichen 25.07.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 26.07.2099 WDR 5

Ihr Wille zur Herrschaft und ihr politisches Talent gelten als unweiblich, obwohl sie beliebt bei ihren Untertanen ist und sogar Heere anführt. Am 25.7.1110 wird Mathilde von England in Mainz zur Königin gekrönt.

Mathilde von England wird überwiegend durch die Männer an ihrer Seite definiert. So ist es im Mittelalter üblich. Greift eine Frau selbst nach der Macht, ist das - vor allem aus Sicht der Chronisten - gegen die Natur. Nach dem Tod ihres Mannes Heinrich V. kehrt Mathilde kinderlos in ihre Heimat zurück. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Dr. Claudia Zey von der Universität Zürich ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • warum Heinrich V. um die Hand einer sechsjährigen englischen Prinzessin anhält,
  • warum Mathilde einen großen Teil ihrer Kindheit beim Erzbischof von Trier verbringt,
  • wie die 25-jährige Mathilde nach dem Tod ihres Mannes mit einem 15-Jährigen verheiratet wird,
  • wie Mathilde und ihr Cousin Stefan von Blois England in einen Bürgerkrieg stürzen,
  • wie Mathilde in einem letzten Coup Ahnherrin eines neuen Königsgeschlechts wird.

Mathilde von England wird um das Jahr 1102 geboren. Über ihre Kindheit ist wenig bekannt, aber als Tochter des englischen Königs genießt sie mit Sicherheit eine sorgfältige Erziehung, um eines Tages als gute Heiratskandidatin zu gelten. Denn genau das wird von Prinzessinnen erwartet: Sie sind die Bande, mit denen die Königshäuser Europas verknüpft werden. Und tatsächlich ist Mathilde erst sechs oder sieben Jahre alt, als der römisch-deutsche König Heinrich V. um ihre Hand anhält.

Am 25. Juli 1110 wird die achtjährige Mathilde im Dom von Mainz zur römisch-deutschen Königin gekrönt. Als Mathilde zwölf Jahre alt ist, heiraten sie und Heinrich V., der inzwischen die Kaiserkrone trägt. 1117 wird auch Mathilde in Rom zur Kaiserin ernannt, allerdings nicht vom legitimen Papst, der wegen eines Streits mit Heinrich der Stadt fernbleibt. Mathilde behält daher zunächst ihren Titel als Königin bei.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Claudia Zey, Universität Zürich
  • Claudia Zey: Frauen und Töchter der salischen Herrscher. Zum Wandel salischer Heiratspolitik in der Krise, in Tilman Struwe: Die Salier, das Reich und der Niederrhein, Köln 2008
  • Claudia Zey: Mathilde von England, in Amalie Fößel: Die Kaiserinnen des Mittelalters. Regensburg 2011
  • Karl Schnith: Kaiserin Mathilde. Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Graz 1997

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Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Sascha Schiemann

Mutiger Liebesratgeber des Mittelalters: Albrecht von Eyb

Mutiger Liebesratgeber des Mittelalters: Albrecht von Eyb WDR Zeitzeichen 24.07.2025 15:14 Min. Verfügbar bis 25.07.2099 WDR 5

Er schreibt über Ehe und Liebe. Offen, klug und riskant. Sein "Ehebüchlein" stellt damals unerhörte Fragen. Am 24.7.1475 stirbt der Jurist und Geistliche Albrecht von Eyb.

Die Ehe interessiert Abrecht von Eyb als Jurist und Theologe: Das Zusammenleben zwischen Mann und Frau und das daraus resutierende Erbe sorgen Mitte des 15. Jahrhunderts noch für viel Streit, der sich bei einer besseren Rechtslage verhindern ließe. Aus theologischer Sicht ist die Ehe der einzige Weg für ein "sittliches" Miteinander von Mann und Frau, was eine enorme zwischenmenschlichen Sprengkraft birgt. So verfasste der Kleriker Abrecht von Eyb 1472 den ersten Eheratgeber in deutscher Sprache. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir gesprochen mit: Jakob Frohmann, Goethe Universität Frankfurt ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • warum ein eheloser katholischer Geistlicher sich um die Ehe kümmert,
  • welches Frauenbild Albrecht von Eyb zugrunde legt,
  • wieso das Ehebüchlein zur Vorlage für viele spätere Eheratgeber wird.

Albrecht von Eyb hat Glück: Er kommt 1420 als fränkischer Adliger zur Welt und wird vom Vater für den geistlichen Stand bestimmt. Mit dem Geld der Familie im Rücken studiert er Theologie und Jura und lässt es sich 15 Jahre in Italien gutgehen.

Jenseits der Alpen kommt im 15. Jahrhundert der italienische Humanismus mit einem im mittelalterlichen Franken noch unbekannten Wertekanon auf: Selbstbestimmung, Bildung, Gewaltfreiheit und Respekt vor jeden Menschen rücken in den Fokus.

Diese humanistischen Ideale nimmt Albrecht von Eyb mit nach Deutschland und lässt sie 1472 in seinem Ehe-Ratgeber "Ob eynem manne sey zunemen ein eelichs weyb oder nicht" einfließen. Sein Tipp: Die Auserwählte sollte nicht allzu schön sein – weil sie sonst auch anderen Männern gefällt. Sie sollte nicht allzu reich sein – sonst fühlt sie sich zu unabhängig. Und bitte: Hütet euch vor Witwen!

Überprüfen konnte Albrecht von Eyb seine Tipps nicht. Er stirbt am 24. Juli 1475 – wie es die katholische Kirche von ihm verlangt – unverheiratet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Jakob Frohmann, Sammlungskurator für Handschriften, Inkunabeln und Alte Drucke an der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • Albrecht von Eyb: Ob eynem manne sey zunemen ein eelichs weyb oder nicht. Mit einer Einführung zum Neudruck von Helmut Weinacht (=Texte zur Forschung. Band 36), Darmstadt 1984.

Weiterführende Links:

Hörtipp:
Quarks Daily - der tägliche Wissenspodcast über die Frage: Hass, Wut und Spaltung - Driften wir immer weiter auseinander?

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Christoph Tiegel / Frank Zirpins

Warum Revolutionen scheitern: Poppers Warnung vor der Utopie

Warum Revolutionen scheitern: Poppers Warnung vor der Utopie WDR Zeitzeichen 23.07.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 24.07.2099 WDR 5

Karl Popper flieht vor den Nazis und analysiert totalitären Terror. In "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" plädiert er 1945 für Demokratie - und gegen Heilslehren.

Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produziere stets die Hölle, schreibt der österreichische Philosoph Karl Popper. Das mache totalitäre Ideologien so gefährlich: Ihr Anspruch auf absolute Wahrheiten, die der Komplexität der Welt nicht gerecht werden. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Hans-Peter Müller (Soziologe, Humboldt Universität Berlin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • aus welchem Elternhaus Karl Popper stammt,
  • nach welchem Erlebnis der jugendliche Karl aus der Kommunistischen Partei austritt,
  • wie er als bekannter Philosoph den Nazis entgeht,
  • was Platon, Hegel und Marx nach Poppers Meinung mit Hitler und Stalin zu tun haben,
  • warum Popper die britische Königin Elisabeth II. trifft.

Karl Popper ist einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" ist sein berühmtestes Werk. Es umfasst 1.000 Seiten und wird in 23 Sprachen übersetzt. Darin fragt er: "Wie kann eine Gesellschaft dauerhaft offenbleiben: für Kritik, Reform und individuelle Freiheit, um so der totalitären, geschlossenen Gesellschaft entgegenzuwirken?"

Seine Antwort: Das utopische Denken vom idealen Staat müsse vermieden werden. Genau dieses Denken habe zu totalitären, mörderischen Ideologien des frühen 20. Jahrhunderts geführt. Popper propagiert friedfertige Reformen, keine gewaltsamen Revolutionen. Er sagt: "Wir haben die Wahrheit nicht in der Tasche." In die Wissenschaftstheorie geht seine Position als "Kritischer Rationalismus" ein.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Hans-Peter Müller (Soziologe, Humboldt-Universität Berlin)
  • Professor Volker Gerhardt (Philosoph, Humboldt-Universität Berlin)
  • Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Tübingen 2003
  • Robert Zimmer, Martin Morgenstern: Karl R. Popper. Tübingen 2015
  • Jürgen August Alt: Karl R. Popper. Frankfurt 2001

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Rose Kennedy: 104 Jahre zwischen Macht, Glanz und Tragödie

Rose Kennedy: 104 Jahre zwischen Macht, Glanz und Tragödie WDR Zeitzeichen 22.07.2025 14:55 Min. Verfügbar bis 23.07.2099 WDR 5

Rose Kennedy (geboren am 22.7.1890) begründet eine mächtige Politikerfamilie. Die Mutter von "JFK" muss Schicksalsschläge verkraften - und lange ein Geheimnis hüten.

Sie steht am Anfang einer Dynastie. Ihre Söhne werden Senatoren und Minister. Und einer sogar Präsident der USA. Rose Kennedy verkehrt mit internationalen Berühmtheiten und Staatschefs. Sie kennt die Queen und pflegt Kontakt zum Papst. Doch es gibt Seiten der Familiengeschichte, die die Matriarchin verborgen hält. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Professorin Barbara Perry (Kennedy-Forscherin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Kolja Sand:
  • welches Geheimnis Rose Kennedy um ihre Tochter Rosemary macht,
  • wie streng und perfektionistisch sie als Mutter ist,
  • welche tödlichen Familientragödien Rose Kennedy erleben muss.

Ihr Vater - ein bekannter Politiker und der Bürgermeister von Boston - nimmt Rose als junges Mädchen oft mit zu Veranstaltungen. Doch selbst darf sie keine Karriere machen. Statt ans College zu gehen, muss sie 1908 nach Europa in eine Klosterschule. Roses Karriere ist es, Mutter zu sein und eine Familie hervorzubringen. Und dieser Karriere widmet sie ihr Leben und ihr ganzes Können.

Rose Kennedy hilft, das perfekte Image der Familie aufzubauen - aber sie fällt nie politische Entscheidungen. In den Hinterzimmern der Macht sitzen andere: ihr Mann und ihre Söhne. Rose nimmt an anderer Stelle Einfluss. Sie setzt sich für Kinder mit Behinderungen ein und ermutigt deren Mütter, offen über ihre Kinder zu sprechen. Über ihre eigene Tochter Rosemary jedoch ist sie bis zum Ende ihres Lebens nie vollkommen ehrlich.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Barbara Perry (Kennedy-Forscherin)
  • Barbara Perry: The Life and Times of a Political Matriarch. New York 2013
  • Rose Kennedy: Alles hat seine Stunde - Meine Lebenserinnerungen. Frankfurt am Main 1974
  • Kate Clifford Larson: Rosemary: The Hidden Kennedy Daughter. New York 2015

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Autor: Kolja Sand
Redaktion: David Rother
Technik: Alexander Buske

Der "Affenprozess": Als die Evolution zur Glaubensfrage wurde

Der "Affenprozess": Als die Evolution zur Glaubensfrage wurde WDR Zeitzeichen 21.07.2025 14:38 Min. Verfügbar bis 22.07.2099 WDR 5

Dayton, USA, 21.7.1925: Im "Affenprozess" fällt heute das Urteil. Angeklagt ist John Thomas Scopes - weil er es gewagt hat, im Unterricht über Darwin zu sprechen.

Charles Darwins Evolutionstheorie gilt in den frommen US-Südstaaten lange als Blasphemie. Der Mensch sei schließlich Gottes Schöpfung. Darum verbietet der Kongress in Tennessee, Darwins Erkenntnisse in Schulen zu lehren. Lehrer John Scopes bringt das Verbot vor Gericht. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir mit Thorsten Dietz, Professor für Systematische Theologie, gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
  • dass die Erde nach dem Glauben der Kreationisten am 23. Oktober 4004 erschaffen wurde,
  • wie der Butler Act alle gottlosen Lehren in staatlichen Schulen unterbinden will,
  • wie die Amerikanische Bürgerrechtsunion einen Angeklagten für einen Schauprozess sucht,
  • dass es im Scopes- oder auch "Affenprozess" um mehr geht als den Streit zwischen Darwinisten und Kreationisten.

Im März 1925 beschließt die Generalversammlung des Staates Tennessee das Verbot, "irgendeine Theorie zu unterrichten, welche die göttliche Schöpfung des Menschen leugnet, wie sie in der Bibel gelehrt wird, und stattdessen unterrichtet, dass der Mensch von einer niedrigeren Tierart abstammt."

Im Juli 1925 steht der Lehrer John Scopes in Dayton, Tennessee, vor Gericht, weil er sich nicht an dieses Verbot hält. Es ist ein Schauprozess, in dem Scopes von Clarence Darrow verteidigt wird. Dem geht es aber nicht darum, Scopes Unschuld zu verteidigen, sondern er will zeigen, wie verfehlt religiöser Fundamentalismus ist.

Das Urteil ist nach nur acht Prozesstagen und neun Minuten Beratung erwartbar. Ungerührt nimmt John T. Scopes die Strafe von 100 Dollar hin. Zwei Jahre später streicht eine höhere Instanz die Geldstrafe aus formalen Gründen wieder ein. Das Urteil und der Butler Act bleiben aber bestehen. Und auch andere US-Staaten verbannen die Evolutionslehre aus ihren Schulbüchern.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Thorsten Dietz, Professor für Systematische Theologie

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Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock
Redaktion: Matti Hesse

Klinisches Fasten: Wenn die Selbstheilung aktiviert wird

Klinisches Fasten: Wenn die Selbstheilung aktiviert wird WDR Zeitzeichen 20.07.2025 13:52 Min. Verfügbar bis 21.07.2099 WDR 5

Als Otto Buchinger im Juli 1920 seine ersten Patienten zum Fasten auffordert, wird er von Kritikern belächelt. Ihm selbst hat der gezielte Verzicht die Gesundheit zurückgegeben.

Otto Buchinger glaubt an das Heilfasten, weil er selbst sein Leben dadurch gerettet sieht. Er entwickelt seine Methode des Heilfastens durch akribische Beobachtung der Patienten. So kommt er zum Schluss, dass "die Heilmittel Luft, Licht, Wasser, Diät, Homöopathie, Gut-Zureden des Arztes und Fasten fast alles zu leisten im Stande sind, was nötig ist, um Menschen vor Krankheiten zu bewahren und zu heilen". *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Dr. Andreas Michalsen, Internist, Fastenarzt, Charité Berlin und Immanuel-Krankenhaus Berlin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Susanne Rabsahl:
  • warum den Menschen das Fasten in den Genen liegt,
  • gegen welche Erkrankungen positive Wirkungen des Fastens inzwischen durch klinische Daten belegt sind,
  • was hinter dem Begriff der "Heilenden Seelenführung" steckt.

Als Dr. Otto Buchinger mit 40 Jahren schwer erkrankt, empfiehlt ihm ein alter Marinekamerad, zu fasten. 19 Tage lang ernährt Buchinger sich nur von Wasser und Tee. Wie durch ein Wunder kann er wieder laufen. Fasten, davon ist er überzeugt, muss Selbstheilungskräfte aktivieren.

Von da an widmet er sich ganz der Naturheilkunde, absolviert das homöopathische Examen und wird an der einzigen deutschen Kolonialschule in Witzenhausen an der Werra Dozent für Tropenmedizin. Hier nimmt er im Juli 1920 die ersten Fastenpatienten zur stationären Behandlung in sein Wohnhaus auf.

1935 eröffnet er eine eigene Klinik in Bad Pyrmont. Heilfasten spricht sich auch als erfolgreiche Abnehm-Methode herum, seine Klinik lockt Prominenz an. 1953 erhält Otto Buchinger das Bundesverdienstkreuz und wagt spät noch einen Neuanfang. Er folgt seiner jüngsten Tochter Maria und ihrem Mann Helmut Wilhelmi nach Überlingen, um eine weitere Klinik aufzubauen. Otto Buchinger fastet regelmäßig, bis zu seinem Tod 1966 mit 88 Jahren.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Andreas Michalsen, Internist, Fastenarzt, Charité Berlin und Immanuel-Krankenhaus Berlin
  • Leonard Wilhelmi, Urenkel Otto Buchingers, Leiter der Buchinger-Klinik in Überlingen
  • Raimund Wilhelmi, Enkel Otto Buchingers, bis 2019 Leiter der Klinik in Überlingen
  • Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo, Ehefrau von Raimund und bis 2019 Leiterin der Klinik
  • Helmuth Klepzig, Biograf und Wegbegleiter Otto Buchingers

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Autorin: Susanne Rabsahl
Redaktion: Frank Zirpins

Das beste Netz der Welt - im Pariser Untergrund

Das beste Netz der Welt - im Pariser Untergrund WDR Zeitzeichen 19.07.2025 13:42 Min. Verfügbar bis 20.07.2099 WDR 5

Fast hätte es die beste U-Bahn in Europa nicht gegeben - dann aber legt sich Paris doch noch ins Zeug und baut Tag und Nacht an seiner Métro. Bis heute ein unterirdischer Schatz.

Ende des 19. Jahrhunderts gibt es in Paris Pferdestraßenbahnen und Pferdefuhrwerke. Aber man man braucht dringend leistungsfähigere Beförderungsmittel. Nach langen Überlegungen und Streit um Zuständigkeiten wird 1898 die Baugenehmigung erteilt. Nur zwei Jahren später nimmt die Pariser Métro ihren Betrieb auf. 10 Kilometer lang ist sie und führt von der Porte Maillot zur Porte de Vincennes, von Ost nach West, quer durch die Stadt. Heute besitzt Paris, das als die am dichtesten besiedelte Millionenstadt Europas gilt, eines der engmaschigsten Schienennahverkehrsnetze. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit Ulrich Wickert gesprochen, dem langjährigen Leiter des ARD-Studios in Paris.***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • was die Weltausstellung mit dem Bau der Pariser Métro zu tun hat,
  • warum die ersten europäischen U-Bahnen eine schmutzige Sache sind,
  • warum Victor Hugo sein Veto gegen den Bau von Hochbahntrassen einlegt,
  • wie die Pariser Métro-Bauer der staatlichen Eisenbahn ein Schnippchen schlagen.

Die Entstehungsgeschichte der Pariser Métro gleicht eher einem verknoteten Wollknäuel denn einem taktgenauen Nahverkehrssystem. Der Grund: Die Stadt Paris ist knapp fünfzig Jahre lang nicht kompromissbereit.

Sie will zum Beispiel keinesfalls mit der staatlichen Eisenbahn kooperieren. Bis es fast zu spät ist. Ein französischer Ingenieur muss sein gesamtes Können zur Verfügung stellen, um die erste Linie der Pariser Métro pünktlich auf die Schienen zu setzen.

Im März 1898 liegt die Genehmigung für den Baubeginn der Métro vor. Es schlägt die große Stunde für den 46-jährigen Fulgence Bienvenüe: Als Chefingenieur ist er fortan verantwortlich für die Entstehung der unterirdischen Schnellbahn. Fulgence Bienvenüe und seine Männer arbeiten Tag und Nacht. Vor ihnen liegt die große, manchmal zunächst unlösbare Herausforderung, unterirdische Röhren zu bauen.

Nach nur zwei Jahren Bauzeit kann die Linie 1 am 19. Juli 1900 ihren Betrieb aufnehmen. 10 Kilometer lang ist sie und führt von der Porte Maillot zur Porte de Vincennes, von Ost nach West, quer durch die Stadt. Nur zehn Jahre später ist das 65 Kilometer lange Grundnetz der Métro vollendet. Beliebig erweiterbar für nachfolgende Generationen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ulrich Wickert, Journalist und langjähriger ARD-Studioleiter in Paris
  • Christoph Groneck, Projektleiter Nahverkehrsplanung im Rhein-Sieg-Kreis
  • Christoph Groneck: U-Bahn, S-Bahn und Tram in Paris. Berlin 2020.
  • Ulrich Wickert: Und Gott schuf Paris. Hamburg 1993.
  • Heidi Wiese: Unter den Straßen von Paris. Münster 1995.

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Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

"Mein Kampf": Sammelband rechtsextremer Verschwörungstheorien

"Mein Kampf": Sammelband rechtsextremer Verschwörungstheorien WDR Zeitzeichen 18.07.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 19.07.2035 WDR 5

Das Buch ist harte Kost für den Leser. Voller Hass und kruder Thesen. Auch stilistisch ist es schwer zu ertragen. Am 18.7.1925 erscheint Band 1 von Hitlers "Mein Kampf".

In "Mein Kampf" biegt sich Hitler schon 1925 sein Feindbild zurecht, wie es ihm gerade ideologisch passt. Mal sind die Juden für ihn profitgierige amerikanische Bonzen, mal stalinistische russische Bolschewiken. Und dann wieder sexbesessene Vergifter anderer Kulturen. Bekanntes Gerede aus völkischen Kreisen. Neu ist: Hitler meint es ernst – und wird es umsetzen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Othmar Plöckinger, Mitherausgeber "Mein Kampf. Eine kritische Edition" ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • welche autobiografischen Teile "Mein Kampf" enthält,
  • dass der Eher-Verlag den Titel des Buchs verändert,
  • dass Hitler ein Frauenhasser ist,
  • dass "Mein Kampf" außerhalb Europas noch immer als Hetzschrift dient.

Hitlers "Mein Kampf" ist voller Bandwurm-Sätze, aufgemotzt mit Superlativen und menschenverachtenden Beschimpfungen: "Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, des Mädchens Volke raubt."

Hitlers chauvinistische, nationalistische und antisemitische Hetzschrift, die er während eines Gefängnisaufenthalts formuliert, erscheint am 18. Juli 1925. Ein zweiter Band folgt eineinhalb Jahre später. Ab 1930 werden beide Teile in einer Volksausgabe vereint, die beispielsweise Ehepaare beim Standesamt geschenkt bekommen.

Nach dem Krieg untersagen die Alliierten in Deutschland eine Neuauflage, dennoch kursieren immer wieder Raubdrucke. 2016 legen sechs Historikerinnen und Historiker eine Edition von "Mein Kampf" mit 3.500 kritischen Anmerkungen auf. Der Text ist nun frei zugänglich für jeden und verliert so seinen Sensationscharakter.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Autor: Heiner Wember
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
Technik: Alexander Buske

Treffen sich zwei Raumschiffe: Annäherung von USA und UdSSR

Treffen sich zwei Raumschiffe: Annäherung von USA und UdSSR WDR Zeitzeichen 17.07.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 18.07.2099 WDR 5

Am 17.7.1975 öffnet sich die Schleuse zwischen einer Sojus- und einer Apollo-Kapsel im Weltall. Es folgt ein Handschlag, der den Kalten Krieg in weite Ferne rücken lässt.

Damit sich die russischen Kosmonauten und US-amerikanischen Astronauten verständigen können, lernen sie Russisch und Englisch. Schwerer tun sich beide Seiten damit, mitten im Kalten Krieg technische Details auszutauschen. Doch ohne Wissenstransfer keine globale Zusammenarbeit. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Reinhold Ewald, Physiker und Astronaut ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • über die rasante Geschwindigkeit von Raumschiffen in der Erdumlaufbahn,
  • wie sich die US-Amerikaner auf das Treffen im All vorbereiten,
  • warum die sowjetischen und US-amerikanischen Raumfahrer entspannt miteinander umgehen,
  • ob den Russen das amerikanische Essen schmeckt.

Im Juli 1975 haben drei amerikanische Astronauten ein Date in der Unendlichkeit: Sie wollen sich, mitten im Kalten Krieg, mit zwei russischen Kosmonauten treffen. Zwei Tage dauert der Anflug von Houston in Texas und der kasachischen Steppe aus in den Orbit, wo sie ihre Luftschiffe bei 28-facher Schallgeschwindigkeit verbinden wollen.

Am 17. Juli 1975 wird das Kupplungsmanöver live in die ganze Welt übertragen. Das passende Verbindungsmodul, um die ganz unterschiedlichen Sojus- und Apollo-Kapseln zusammenzubringen, haben die Amerikaner im Gepäck. Es funktioniert: 44 Stunden arbeiten und essen die Raumfahrer der am Boden verfeindeten Nationen gemeinsam. Dann fliegt jeder wieder zurück – auf seine Seite des eisernen Vorhangs.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Reinhold Ewald, Physiker, Weltraumfahrer
  • Volker Kluge: Raumfahrt-Geschichte. Stuttgart 2021

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Autor: Burkhard Hupe
Redaktion: Frank Zirpins

Klick, Kauf, Kontrolle: Das Online-Imperium Amazon

Klick, Kauf, Kontrolle: Das Online-Imperium Amazon WDR Zeitzeichen 16.07.2025 14:34 Min. Verfügbar bis 17.07.2099 WDR 5

Am 16.7.1995 verkauft Amazon das erste Buch. Wenig später ist der Handel nicht mehr derselbe – und Jeff Bezos’ Unternehmen macht Millionenumsatz, auch dank dubioser Praktiken.

Online-Handel, Streaming, KI, Logistik, Cloud-Computing - aus Amazon, einst als Online-Buchhandel gegründet, ist in drei Jahrzehnten ein globaler Konzern geworden, an dem kaum einer vorbeikommt. Gründer Jeff Bezos, heute einer der reichsten Männer der Welt, spart nicht an Gelegenheiten, seinen Reichtum öffentlich zur Schau zu stellen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Investigativjournalistin und Buchautorin Dana Mattioli. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer:
  • wie Jeff Bezos in den Anfängen selbst die Buchbestellungen zur Post bringt,
  • warum die ersten Mitarbeiter glauben, sie könnten mit Amazon die Welt verbessern,
  • mit welchen Tricks Amazon die Zahlung von Umsatzsteuern umgeht,
  • warum Amazon die Zerschlagung drohen könnte.

Schon als Kleinkind ist Jeff Bezos neugierig und experimentierfreudig. Mit einem Schraubenzieher zerlegt er seine Wiege, weil er in einem richtigen Bett schlafen will. Ein Grund, warum der Junge auf eine Schule für Hochbegabte kommt. Mit 30 Jahren hängt er seinen Job als Investmentbanker an den Nagel und gründet 1994 einen Online-Buchladen in seiner Garage. Da haben noch weniger als fünf Prozent der US-Amerikaner einen Internetzugang.

Am 16. Juli 1995 geht das erste Buch in den Verkauf, zwei Jahre später erzielt Amazon bereits einen Umsatz von 150 Millionen US-Dollar. Statt gutgläubiger Nerds dominieren nun scharfkantige und kaltschnäuzige Absolventen der Elite-Unis das Unternehmen. Gründer Jeff Bezos steigt zum reichsten Mann der Welt auf – nicht ohne Kritik. Ins Fadenkreuz gerät der Konzern immer wieder wegen skrupellosen Geschäftsgebarens und strengen Arbeitsbedingungen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dana Mattioli, Investigativjournalistin vom Wall Street Journal
  • Prof. Stefan Sell, Hochschule Koblenz
  • Brad Stone: The Everthing Store: Jeff Bezos and the Age of Amazon. Boston 2013
  • Dana Mattioli: The Everything War: Amazon’s Ruthless Quest to Own the World and Remake Corporate Power. Boston. 2024

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Autor: Erik Hlacer
Redaktion: Carolin Rückl, Matti Hesse
Technik: Anne Bohnen

Entdecker in der Wüste und "the Kaiser's Spy": Max von Oppenheim

Entdecker in der Wüste und "the Kaiser's Spy": Max von Oppenheim WDR Zeitzeichen 15.07.2025 14:52 Min. Verfügbar bis 16.07.2099 WDR 5

Er soll das Kölner Bankhaus der Familie übernehmen, doch Max von Oppenheim (geb. 15.7.1860) wird als Archäologe berühmt. Im Ersten Weltkrieg ist seine Rolle umstritten.

Max von Oppenheim ist ein Abenteurer und Entdecker. Er gräbt nicht nur einen Palast im syrischen Sand aus. Er ist auch politisch aktiv im Orient. Diese Welt fasziniert ihn so, dass er sie mit Deutschland verknüpfen will. Das bringt ihm den Ruf ein, ein Spion des Kaisers zu sein. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Gabriele Teichmann (Kölner Archivarin und Buchautorin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • welches wegweisende Buch Max von Oppenheim als Gymnasiast geschenkt bekommt,
  • mit welchem Transportmittel er den Orient üblicherweise bereist,
  • warum Bismarck ihm eine Karriere mit dem offiziellen Rang eines Diplomaten verweigert,
  • wie seine erste große Liebe endet,
  • warum Oppenheim trotz seiner jüdischen Wurzeln den Zweiten Weltkrieg überlebt.

Wegen seiner Orienterfahrungen wird Max von Oppenheim 1896 dem deutschen Generalkonsulat in Ägypten als Gesandter zugeteilt. So verlebt er in Kairo "eine herrliche Zeit": 13 Jahre in seinem Traumland. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland beginnt der Erste Weltkrieg und Oppenheim dient sich dem Kaiser als Orientexperte an.

Er gründet in Berlin eine Nachrichtenstelle für den Orient - mit einem doppelten Ziel. Er will die Idee des Panislamismus unterstützen, der Einheit aller Muslime. Zugleich will er, dass sich die islamische Welt gegen die Briten erhebt, die Kriegsgegner des Deutschen Reichs sind.

Oppenheim erhofft sich eine Win-win-Situation: Deutschland und der Orient sollen wirtschaftlich voneinander profitieren. Doch sein Plan geht nicht auf. Der Aufstand endet in kolonialer Herrschaft - und Oppenheim widmet sich fortan der Wissenschaft.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Gabriele Teichmann (Kölner Archivarin und Buchautorin)
  • Christopher von Oppenheim (Urgroßneffe von Max von Oppenheim)

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Autorin: Irene Geuer
Redaktion: David Rother

Rätsel um "Für Elise": Wem klimpert Beethoven wirklich?

Rätsel um "Für Elise": Wem klimpert Beethoven wirklich? WDR Zeitzeichen 14.07.2025 14:04 Min. Verfügbar bis 15.07.2099 WDR 5

Spurensuche zu Beethovens rätselhaftem Ohrwurm: War es Liebe? Ein Irrtum? Oder gar ein Fake? Die Geschichte beginnt am 14.7.1865 mit der Kopie eines Notenblatts.

40 Jahre nach Beethovens Tod kommt "Für Elise" erstmals an die Öffentlichkeit. Gedruckt wird es 1867 vom Musikschriftsteller Ludwig Nohl, der das Blatt zwei Jahre zuvor kopiert hat. Die Erläuterung, die Nohl dazu schreibt, wirft allerdings Fragen auf: Wo ist das Original? Und wer ist Elise? *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Luca Chiantore (Musikwissenschaftler) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Holger Noltze:
  • wie der Beethoven-Gelehrte Ludwig Nohl an die Komposition "Für Elise" gelangt sein will,
  • was die Wiener Bankierstochter Therese Malfatti mit dem Stück zu tun hat,
  • welche Mutmaßungen es zur bis heute unbekannten "Elise" gibt,
  • von welchen Frauen Beethoven Körbe erhält.

"Neue Briefe Beethovens nebst einigen ungedruckten Gelegenheitscompositionen und Auszügen aus seinem Tagebuch" - so nennt der Musikschriftsteller Ludwig Nohl sein Buch, das er 1867 veröffentlicht. Darin enthalten ist auch ein bis dahin unbekanntes Albumblatt des 40 Jahre zuvor verstorbenen Beethoven. Es trägt den Titel "Für Elise".

Nohl hat das Werk bereits am 14. Juli 1865 kopiert - von einem Original, das seither verschollen ist. Seine Ausführungen dazu werfen Fragen auf: zur Herkunft der Komposition, zur Person "Elise", zu den notierten Daten auf dem Albumblatt. Doch die Unklarheiten beeinträchtigen den Erfolg der Melodie keineswegs. Dem Nachleben des Ohrwurms hat der Expertenstreit kein bisschen geschadet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Luca Chiantore (Musikwissenschaftler)
  • Klaus Martin Kopitz (Musikwissenschaftler)
  • Klaus Martin Kopitz: Beethoven, Elisabeth Röckel und das Albumblatt "Für Elise". Köln 2010
  • Jan Caeyers: Beethoven - Der einsame Revolutionär. München 2020
  • Sven Hiemke (Hg.): Beethoven-Handbuch. Kassel 2009

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Autor: Holger Noltze
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christina Gabriel

Deutschlands erste Doktorin in Philosophie: Dorothea Schlözer

Deutschlands erste Doktorin in Philosophie: Dorothea Schlözer WDR Zeitzeichen 12.07.2025 14:34 Min. Verfügbar bis 13.07.2099 WDR 5

Am 12. Juli 1825 stirbt Dorothea Schlözer. Mit nur 17 Jahren wurde sie als erste deutsche Frau im Fach Philosophie promoviert – ein Meilenstein für Frauen in der Wissenschaft.

Der Göttinger Professor August Ludwig von Schlözer fördert seine Tochter von Geburt an – zum Missfallen seiner Umgebung. Namhafte Gelehrte vertreten in dieser Zeit die Ansicht, dass Frauen zu wissenschaftlichem Denken nicht fähig seien. Dorothea Schlözer beweist das Gegenteil, doch sie lebt zur falschen Zeit. So bleibt sie die exotische Zierde für ihren Ehemann, der sie am Ende durch seinen Bankrott in Armut stürzt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Anne Bentkamp, Autorin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • was eine Wette mit Dorothea Schlözers Karriere zu tun hat,
  • vom Rollenbild der Frau im Zeitalter der Aufklärung,
  • wie schwer sie als promovierte Frau Mann und Beruf findet,
  • von Schlözers tragischen letzten Jahren.

Die 1770 in Göttingen geborene Dorothea Schlözer ist schon als Kind ein Genie: Mit vier Jahren lernt sie Schreiben, mit fünf studiert sie Geometrie, mit 16 beherrscht sie zehn Sprachen. Mit 17 Jahren erhält sie ihren Titel: "Dr. phil", Doktorin der Philosophie – als erste deutsche Frau überhaupt.

Urkunde und Doktorhut nimmt ihr Vater, der Göttinger Professor August Ludwig von Schlözer entgegen. Denn Frauen werden offiziell erst Anfang des 20. Jahrhunderts zum Universitätsstudium zugelassen.

Dorothea Schlözer ist in vielerlei Hinsicht eine Pionierin der Frauenemanzipation. Sie besteht nach der Heirat auf einen Doppelnamen, führt einen berühmten Salon und lebt in einer Ehe zu dritt. Am 12. Juli 1825 stirbt Dorothea Schlözer mit 54 Jahren an einer Lungenentzündung.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und unsere Interviewpartnerin:
  • Anne Bentkamp, Autorin
  • Anne Bentkamp: La Doctoresse. Roman über Dorothea Schlözer. Göttingen 2020
  • Bärbel Kern und Horst Kern: Madame Doctorin Schlözer. Ein Frauenleben in den Widersprüchen der Aufklärung. München 1988
  • Lieselotte J. Eberhard: Von der berühmten, gelehrten, schönen und trefflichen Dorothea Schlözer. Doctor der Philosophie verehelichte von Rodde in Lübeck. Eine Sammlung von Bildern und historischen Texten. Lübeck 1995
  • Eckart Kleßmann: Universitätsmamsellen. Fünf aufgeklärte Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik. Frankfurt am Main 2008

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Autorin: Martina Meißner
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Die Terrakotta-Armee: Chinas sagenumwobener Zufallsfund

Die Terrakotta-Armee: Chinas sagenumwobener Zufallsfund WDR Zeitzeichen 11.07.2025 13:55 Min. Verfügbar bis 12.07.2099 WDR 5

Mehr als 2.000 Jahre liegen die chinesischen Terrakotta-Krieger unter der Erde, dann findet ein Bauer sie auf der Suche nach Wasser. Am 11.7.1975 wird der Fund verkündet.

1974 wollen chinesische Bauern im Herzen Chinas einen Brunnen bauen. Statt Wasser finden sie eine archäologische Sensation. Nur wenige Handbreit unter der Erde stoßen sie auf die berühmte Gräberlandschaft des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi (259-210 v. Chr.). Sofort reisen Archäologen an, um die Bauern bei ihren mühevollen Grabungsarbeiten abzulösen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dr. Catharina Blänsdorf, Leitung Restaurierung in der Archäologischen Staatssammlung München ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch:
  • warum die Ton-Figuren für Bedienstete und Soldaten des chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi ein Segen sind,
  • wonach der Kaiser Seeleute auf mysteriösen Inseln suchen lässt,
  • welche Gräueltaten dem Kaiser vorgeworfen, aber nicht nachgewiesen werden,
  • mit welch aufwändigen Techniken versucht wird, die Terrakotta-Figuren zu erhalten.

Bei Grabungen nach Wasser stoßen chinesische Bauern auf Unmengen an Tonfiguren und Bruchstücke davon. Schnell ist ihnen klar, dass in ihrem kleinen Dorf in Nordchina nicht irgendwelche alten Scherben liegen, sondern dass sie auf einen richtigen Schatz gestoßen sind. Die Brunnengräber informieren die Behörden. Vier Monate später beginnen die Grabungsarbeiten und bald stellt sich heraus: Das, was die Bauern hier zufällig gefunden haben, ist eine der größten archäologischen Sensationen aller Zeiten.

Das Mammutprojekt bringt Wissenschaftler aus zahlreichen Disziplinen zusammen. Auf einem Gelände, das so groß ist wie rund 8.000 Fußballfelder, graben sie Zeugnisse einer hoch entwickelten Kultur aus. Am 11. Juli 1975 wird in China die Entdeckung der Terrakotta-Armee offiziell bekanntgegeben.

Stück für Stück werden die Tonkrieger des Kaisers ausgegraben, aber an den Grabhügel, in dem der kaiserliche Leichnam liegt, wagt sich bislang niemand heran. Vielleicht wird er nie geöffnet, denn dabei könnten irreparable Schäden entstehen. Außerdem zeigen Studien eine erhöhte Quecksilberbelastung im Boden. Damit hätte der erste Kaiser von China seine letzte Ruhe tatsächlich für die Ewigkeit gefunden.

Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
  • Dr. Catharina Blänsdorf (Leitung Restaurierung in der Archäologischen Staatssammlung München)

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Autorin: Laura Dresch
Redaktion: Matti Hesse

Kurs Galápagos: Fünf Brüder wollen raus aus Nazideutschland

Kurs Galápagos: Fünf Brüder wollen raus aus Nazideutschland WDR Zeitzeichen 10.07.2025 14:52 Min. Verfügbar bis 11.07.2099 WDR 5

Aufbruch ins Unbekannte statt Wehrpflicht und drohende Einberufung in der NS-Diktatur: Am 10.7.1935 starten die Hamburger Angermeyer-Brüder auf eine abenteuerliche Reise.

Nach Hitlers Machtergreifung warnt Maria Angermeyer ihre fünf Söhne, dass sie wohl bald für den Frontdienst einzogen werden. Die Jungs schlagen den Eltern eine Ausreise über See mit Galápagos als Ziel vor. Ein ausgesprochen kühnes Vorhaben. Die Brüder machen sich 1935 auf den Weg und erreichen trotz einiger Widrigkeiten fast zwei Jahre später die Galápagosinseln im Pazifik. ***Für dieses Zeitzeichen sprachen wir mit Matthias Stolt, einem Großneffen der Gebrüder Angermeyer. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer:
  • wer den Angermeyer-Brüdern die Idee von Galápagos in die Ohren setzt,
  • mit welchem radikalen Schnitt die Angermeyer-Eltern ihren Söhnen die Fahrt finanzieren,
  • warum die Angermeyer-Brüder ohne Papiere aufbrechen müssen,
  • welche widrigen Umstände dafür sorgen, dass Fritz, Karl, Gusch und Hans erst fast zwei Jahre nach Aufbruch ihr Ziel erreichen,
  • wie drei der ursprünglich fünf Brüder mit ihren Familien großen Einfluss auf die Entwicklung "ihrer" Insel nehmen.

1935 brechen fünf junge Männer aus Hamburg Richtung Galápagos auf. Angesichts des erstarkenden NS-Regimes und der drohenden Einberufung zum Militär hoffen sie, auf Galápagos eine neue, freie Existenz zu finden. Heinrich bricht das Abenteuer aus Heimweh und Sehnsucht nach seiner Freundin vorzeitig ab.

Fast zwei Jahre nach ihrem Aufbruch erreichen Fritz, Karl, Gusch und Hans am 27. Juni 1937 Galápagos. Sie roden, säen, ernten, bauen Häuser und Boote. Vor allem der Bootsbau und der Fischfang entwickeln sich zu langfristigen Einnahmequellen.

Im Laufe der kommenden Jahre entwickeln sich die Brüder außerdem zu kundigen Führern - für Touristen, aber auch für namhafte Forscher wie zum Beispiel Jacques Cousteau oder Thor Heyerdahl.

1988 besucht Großneffe Matthias Stolt seine Familie auf Galápagos zum ersten, 2003 zum zweiten Mal, und berichtet von deren abenteuerlichem Leben und ihrem Neustart im Pazifik.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Matthias Stolt, Zeitzeuge und Neffe zweiten Grades der Gebrüder Angermeyer.
  • Matthias Stolt (Hrsg.): Kurs Galápagos - Das abenteuerliche Leben der Gebrüder Angermeyer. MALIK/National Geographic. 2014.

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Autor: Fritz Schaefer
Redaktion: Matti Hesse

Der Mann, der Lübeck vor dem Feuersturm rettete

Der Mann, der Lübeck vor dem Feuersturm rettete WDR Zeitzeichen 09.07.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 10.07.2099 WDR 5

Sein Einsatz für die Geschichte war diskret, aber effektiv. Bis zu seinem Tod am 9.7.1990 bleibt Eric Warburg ein überzeugter Transatlantiker.

Eric Warburg wird in eine der einflussreichsten Bankiersfamilien im deutschsprachigen Raum geboren. Er entscheidet sich für eine eigene unternehmerische und philanthropische Karriere. Besonders in Lübeck hinterlässt er bleibenden Eindruck. Nicht zuletzt, weil er die Lübecker Altstadt im Zweiten Weltkrieg vor der vollständigen Zerstörung bewahrt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit der Autorin Jeanette Erazo Heufelder gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayı:
  • warum im Hause Warburg der Schinken weggeräumt wird, wenn die Oma zu Besuch kommt,
  • wie Erich Warburgs Onkel Aby eine kulturwissenschaftliche Bibliothek von Weltrang aufbaut,
  • wie aus Erich Moritz Warburg der US-Air-Force-Verhöroffizier Eric M. Warburg wird,
  • warum Eric Warburg ein ganz besonderes Erinnerungsfoto von Hermann Göring behält,
  • wie Eric Warburg bei Kriegsende 160 Wissenschaftler vor den Sowjets rettet.

Als Angehöriger einer renommierten Bankiersfamilie weiß Erich Warburg, wie man diskret, aber effektiv handelt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten greift er entscheidend in die Geschichte seiner Heimat ein und hilft Menschen, auszuwandern. Und wird im Krieg zum Retter Lübecks.

1938 entzieht sich die jüdische Bankiersfamilie Warburg dem Nazi-Terror und wandert in die USA aus. Aus Erich wird der US-Staatsbürger Eric.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs meldet Eric Warburg sich zur Armee und wird in Großbritannien zum Verhöroffizier ausgebildet. Zurück in den USA erfährt er, dass Lübeck ein zweites Mal bombardiert werden soll. Eric Warburg findet die Bombardierung militärisch sinnlos und verhindert sie mit Hilfe seines Cousins bei der Hilfskommission des Internationalen Roten Kreuzes.

Als Offizier der US-Luftwaffe ist er der Erste, der einen der ranghöchsten Naziverbrecher überhaupt verhört - Hermann Göring. Und ihm gelingt es, Raketen- und Atomwissenschaftler aus der sowjetischen Besatzungszone in die USA zu bringen. Bis zu seinem Tod bleibt er als einer der Gründer der "Atlantikbrücke" ein Streiter für die Zusammenarbeit der USA und der europäischen Staaten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Jeanette Erazo Heufelder, Autorin
  • Dorothea Hauser, Historikerin, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Warburg Archiv
  • Jeanette Erazo Heufelder: Alle Guten gehören zu uns
  • Dorothea Hauser: Banking on Emigration, aus Disposession – Plundering German Jewry

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Autor: Murat Kayı
Redaktion: Frank Zirpins

Israels Premier in Bonn: Der erste Besuch im Land der Täter

Israels Premier in Bonn: Der erste Besuch im Land der Täter WDR Zeitzeichen 08.07.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 09.07.2099 WDR 5

Willy Brandt war als erster Bundeskanzler 1973 auf Staatsbesuch in Israel. Zwei Jahre später, am 8.7.1975, folgt Jitzchak Rabins Gegenbesuch.

Jitzchak Rabins erste Worte nach seiner Ankunft in Berlin sind optimistisch: "Ich komme hierher mit der Hoffnung auf eine künftige bessere Verständigung." Seine Hoffnung erfüllt sich - allerdings zu spät für Rabin, der 1995 ermordet wird. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Dr. Ghilad Shenhav, Historiker und Koordinator des Zentrums für Israel-Studien an der LMU München ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • von Jitzchak Rabin - einem neuen Typus des modernen israelischen Staatsmanns,
  • vom langen und holprigen Weg zu uneingeschränkter Solidarität Deutschlands mit Israel,
  • wofür Rabin, Arafat und Peres 1994 den Friedensnobelpreis erhalten,
  • welche Folgen die Ermordung Rabins für Israel hat.

Am 8. Juli 1975 reist Jitzchak Rabin als erster israelischer Regierungschef in die Bundesrepublik Deutschland. Die Symbolkraft ist immens: 27 Jahre nach Gründung des Staates Israel und drei Jahrzehnte nach Ende des Holocaust mit sechs Millionen ermordeten Juden ist Rabin der erste, der in seiner offiziellen Funktion das Land der Täter und ihrer Nachfahren besucht.

Rabin beginnt seine Visite im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen und spricht anschließend in West-Berlin mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz. Der Besuch in West-Berlin ist in der Sowjet- und DDR-Presse umstritten. In Bonn trifft Rabin mit Bundeskanzler Helmut Schmidt zusammen. Einzelheiten des Besuchs werden aus Sorge vor Anschlägen streng geheim gehalten. Auch mit dem US-amerikanischen Außenminister Henry Kissinger finden Gespräche statt.

Ende 1995 wird Jitzchak Rabin von einem rechtsextremistischen Israeli erschossen. Es dauert weitere vier Jahre, ehe mit Ehud Barak 1999 ein weiterer amtierender israelischer Premier nach Deutschland reist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Ghilad Shenhav, Historiker mit Schwerpunkt jüdische Geschichte, moderne Philosophie und Israel-Studien sowie Koordinator des Zentrums für Israel-Studien an der LMU München
  • Prof. Dr. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank
  • Meron Mendel: Über Israel reden. Eine deutsche Debatte. Köln, 2023
  • Itamar Rabinovich: Jitzchak Rabin. Als Frieden noch möglich schien. Eine Biographie. Göttingen, 2019

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Autorin: Almut Finck
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
Technik: Annette Skrzydlo

Zwei Jahre als Kaiser: Mittelalter-Hochstapler Tile Kolup

Zwei Jahre als Kaiser: Mittelalter-Hochstapler Tile Kolup WDR Zeitzeichen 07.07.2025 14:51 Min. Verfügbar bis 08.07.2099 WDR 5

Als Friedrich II. hält Kolup Hof - obwohl der seit 30 Jahren tot ist. Erfolgreich täuscht er Adel und Volk. Der rechtmäßige König macht dem Spuk am 7.7.1285 ein Ende.

Als wiedergekehrter Friedrich II. gibt Tile Kolup Audienzen, schreibt an die gekrönten Häupter der Welt, vergibt an Untertanen Privilegien und feiert rauschende Feste. Er hat eine täuschend echte Krone, Siegel und Wappen - und zugute kommt ihm auch, dass damals kaum jemand weiß, wie der echte Kaiser eigentlich aussieht. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Valentin Groebner, Mittelalterhistoriker, Universität Luzern ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • wie in Wetzlar noch heute an den vermutlich dreistesten Hochstapler des Mittelalters erinnert wird,
  • warum Tile Kolup nicht der Einzige ist, der sich im 13. Jahrhundert als Pseudo-Kaiser ausgibt,
  • was Kolup im Namen von Friedrich II. alles macht,
  • wie Tile Kolup eigentlich heißt und dass ihn selbst Gefängnis und Spott nicht von seiner Behauptung abbringen.

Die Geschichte ist voll von Hochstaplern. Immer wieder gibt es erfundene Prinzen und Prinzessinnen, angebliche Könige - und sogar falsche Kaiser. Tile Kolup ist einer der bekanntesten. Er taucht erstmals um das Jahr 1283 in Köln auf und behauptet, Stauferkaiser Friedrich II. zu sein. Der ist damals allerdings schon mehr als 30 Jahre tot.

Gut zwei Jahre lang kann Kolup die Menschen an der Nase herumführen. Vermutlich unterstützt von Mitgliedern des Hochadels, die sich durch ihn gegenüber dem regierenden König Rudolf I. von Habsburg politische Vorteile erhoffen. Kolup ist von einem ganzen Hofstaat umgeben, hält in Neuss sogar Gerichtstage ab.

Schließlich bereitet König Rudolf dem Spuk ein Ende. Er lässt den falschen Friedrich am 7. Juli 1285 in Wetzlar auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Valentin Groebner, Mittelalterhistoriker, Universität Luzern
  • Alexander Schubert, Mittelalterhistoriker und Leiter des Historischen Museums der Pfalz in Speyer
  • Sonja Veelen, Soziologin, Psychologin und Medienwissenschaftlerin, Expertin für Hochstapelei
  • Valentin Groebner: Der Schein der Person. Steckbrief, Ausweis und Kontrolle im Europa des Mittelalters. München, 2004
  • Gerhard Menzel: Falsche Könige zwischen Thron und Galgen. Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne. Frankfurt a.M., 2012
  • Alexander Schubert: Herausforderer aus der Vergangenheit. König Rudolf und die falschen Friedriche. In: Die Habsburger im Mittelalter. Aufstieg einer Dynastie. Darmstadt, 2022
  • Victor Meyer: Tile Kolup (der falsche Friedrich) und die Wiederkunft eines ächten Friedrich, Kaisers der Deutschen. Historische Studie, Königsberg, 1868
  • Sonja Veelen: Hochstapeln - eine strukturell gefo(e)rderte Kulturpraktik? Soziologische Analyse am Beispiel von Bewerbung und Personalauswahl. Dissertation, 2019

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Wie prügelnde Eltern endlich zu Gesetzesbrechern wurden

Wie prügelnde Eltern endlich zu Gesetzesbrechern wurden WDR Zeitzeichen 06.07.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 07.07.2099 WDR 5

Körperliche Bestrafung von Kindern gilt lange Zeit als normal. Erst am 6.7.2000 wird Gewalt als Erziehungsmaßnahme in Deutschland gesetzlich verboten.

Der Bundestag beschließt das "Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung" mit großer Mehrheit. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Schließlich galten Prügel über Jahrhunderte als übliches Erziehungsinstrument, Schläge mit dem Rohrstock waren in vielen Familien und Schulen selbstverständlich. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Reinhard Wiesner, langjähriger Leiter des Referats für Kinder- und Jugendhilferecht im Bundesfamilienministerium ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:
  • von Astrid Lindgren - einer vehementen Verfechterin einer Erziehung ohne Gewalt,
  • wie der "Struwwelpeter" Generationen von Kindern Albträume bereitet,
  • wie lang und debattenreich der Weg zu einer gewaltfreien Erziehung war und immer noch ist,
  • welchen Einfluss Religion und die deutsche Geschichte auf die Erziehung haben.

Viele heute Erwachsene wurden in ihrer Kindheit noch ganz selbstverständlich geschlagen. "Wer nicht hören will, muss fühlen", hieß es dann - und von Gesetzes wegen war das völlig legal. Noch 1968 musste das Bundesverfassungsgericht darüber verhandeln, ob die Rechte des Grundgesetzes für Kinder überhaupt gelten.

Wer heute sein Kind schlägt, kann angezeigt und bestraft werden. Denn am 6. Juli 2000 wird das "Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung" verabschiedet. Darin steht: "Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig."

Gleichzeitig macht eine Kampagne auf das neue Gesetz aufmerksam. Für Eltern werden Beratungsstellen und Trainings eingerichtet, in denen sie lernen können, ihre Kinder auch in Stresssituationen gewaltfrei zu erziehen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Reinhard Wiesner, langjähriger Leiter des Referats für Kinder- und Jugendhilferecht im Bundesfamilienministerium
  • Sabine Andresen, Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Goethe-Universität Frankfurt und Präsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes
  • Viertklässler der Grundschule Nikolaus-Groß in Hattingen-Niederwenigern
  • Horst Petri: Erziehungsgewalt. Frankfurt am Main, 1989
  • Alice Miller: Am Anfang war Erziehung. Frankfurt am Main, 1980
  • Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, München und Berlin, 1938
  • Klaus Harney und Heinz-Hermann Krüger (Hrsg.): Einführung in die Geschichte der Erziehungswissenschaften und Erziehungswirklichkeit. Opladen, 1997

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Autorin: Jana Magdanz
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Technik: Sarah Fitzek

Erfinder der Wettervorhersage: Robert FitzRoy

Erfinder der Wettervorhersage: Robert FitzRoy WDR Zeitzeichen 05.07.2025 15:28 Min. Verfügbar bis 06.07.2099 WDR 5

Mit Charles Darwin umsegelt FitzRoy (geb. am 5.7.1805) die Welt. Der Kapitän der HMS "Beagle" verfolgt dabei eine eigene Mission: Stürme vorhersagen und so Leben retten.

Für seine Weltumseglung mit der HMS "Beagle" wählt Robert FitzRoy seine Crew gut aus. Auf der Suche stößt er auch auf ein junges Talent: Charles Darwin, den späteren Begründer der Evolutionstheorie. Während der knapp fünf Jahre langen Fahrt entwickeln die beiden eine enge Freundschaft - die FitzRoy Jahre später in eine tiefe Krise stürzt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Peter Moore (Journalist und Sachbuchautor) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting:
  • durch welchen traurigen Umstand Robert FitzRoy mit 23 Jahren Kapitän wird,
  • was ihn mit Forscher Charles Darwin verbindet - und warum sich die beiden streiten,
  • warum FitzRoy Mitglied des britischen Parlaments und Gouverneur von Neuseeland wird,
  • wie er mit seiner Wettererfahrung ein Passagierschiff in der Magellan-Straße vor dem Untergang bewahrt,
  • weshalb Robert FitzRoy trotz seines Erfolges immer wieder Ziel von Spott wird.

Nach vielen Jahren als Kapitän tritt Robert FitzRoy 1854 eine neue Stelle an: als meteorologischer Statistiker in der Abteilung für Meteorologie der britischen Handelsbehörde. Er soll Schiffsrouten so berechnen, dass Stunden, vielleicht Tage einer Fahrt eingespart werden können. Dazu gehört auch, dass er sich eingehend mit Wetterdaten beschäftigt.

FitzRoy sorgt dafür, dass Häfen und Küstenorte mit Barometern und Thermometern ausgestattet werden. Er baut ein Netz auf und sammelt Daten. Auf diese Weise bekommt er eine Vorstellung der Wetter-Muster, die er immer besser nutzen kann - in dem von ihm gegründeten "Met Office", dem späteren nationalen meteorologischen Dienst des Vereinigten Königreichs.

Im August 1861 verarbeitet FitzRoy für sein Sturmwarnsystem bereits Daten aus 130 Beobachtungsstationen. Seine täglichen Auswertungen werden nun an Tageszeitungen verschickt, inklusive Blick auf die nächsten Tage. Es ist die Geburtsstunde der Wettervorhersage.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Peter Moore (Journalist und Sachbuchautor)
  • Peter Moore: Das Wetterexperiment - Von Himmelsbeobachtern und den Pionieren der Meteorologie, Hamburg 2016
  • John und Mary Gribbin: FitzRoy - The Remarkable Story of Darwin’s Captain and the Invention of the Weather Forecast, London 2003
  • Peter Nichols: Evolutions Captain - The Tragic Fate of Robert FitzRoy, the Man who Sailed Charles Darwin Around the World, London 2003

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Autor: Stephan Beuting
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse