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Okkulte Magie, Drogen und Sex: Das Rätsel Aleister Crowley

Okkulte Magie, Drogen und Sex: Das Rätsel Aleister Crowley WDR Zeitzeichen 12.10.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 13.10.2099 WDR 5

In Großbritannien galt er als "bösester Mensch der Welt". Wer ist Aleister Crowley wirklich - und warum inspiriert er so viele Musikstars wie Mick Jagger und David Bowie?

Poet, Extrembergsteiger, Yoga-Pionier, Spion, selbst ernannter Prophet, Fürst der Finsternis, "bösester Mann der Welt" – wer Aleister Crowley wirklich ist, ist schwer zu sagen. Festhalten lässt sich allerdings: Für Crowley beginnt nach seinem Tod 1947 so etwas wie ein zweites Leben. Die Rolling Stones, Led Zeppelin, die Beatles, aber auch Metal-Ikone Ozzy Osbourne und David Bowie lassen sich von Crowley inspirieren. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Sabine Doering-Manteuffel (Ethnologin und Präsidentin der Universität Augsburg) ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Markus Harmann und Joachim Heinz:
  • mit welcher Frage der elfjährige Aleister Crowley das erste Mal in der Schule aneckt,
  • wie er als Bergsteiger am K2 und im Himalaya unangenehm auffällt,
  • welche Rituale Crowley auf dem Herrensitz Boleskine House oberhalb des Loch Ness zelebriert,
  • warum der britische Geheimdienst sich im Zweiten Weltkrieg für ihn interessiert,
  • was James Bond mit Aleister Crowley zu tun hat.

Aleister Crowley, der in der englischen Grafschaft Warwickshire zur Welt kommt, beginnt früh damit, bürgerliche Erwartungen zu brechen. Gegen das starre Sittenkostüm der viktorianischen Zeit setzt er auf Provokation – unter Einfluss von Esoterik, Sektiererei und Drogen.

Bevor es soweit ist, beschreitet der junge Alexander Edward Crowley – den Namen Aleister nimmt er erst in seiner Studienzeit in Oxford an – den klassischen Bildungsweg der englischen Upper Class. Berühmt will er werden, egal wofür. Er entwickelt sich zu einem mehr als passablen Schachspieler, versucht sich als Dichter und wendet sich dem Bergsteigen zu.

Er ist ständig auf Reisen, gehört zu den ersten westlichen Yoga-Jüngern, flirtet mit dem Buddhismus – und interessiert sich mehr und mehr für Magie, das Übersinnliche. Sein Leitsatz lautet: "Tu, was Du willst – das sei das ganze Gesetz!"

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Sabine Doering-Manteuffel (Ethnologin und Präsidentin der Universität Augsburg)
  • Manuel Trummer (Kulturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München)
  • Colin Campbell (Mitglied im Stiftungsrat von Boleskine House in Schottland)
  • Sabine Doering-Manteuffel: Das Okkulte. Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung. Von Gutenberg bis zum World Wide Web. München 2008
  • Lawrence Sutin: Do what thou wilt. A life of Aleister Crowley. New York 2000

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Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christine Reinartz

Macht Mathematik zur Frauensache: Sofja Kowalewskaja

Macht Mathematik zur Frauensache: Sofja Kowalewskaja WDR Zeitzeichen 11.10.2025 14:30 Min. Verfügbar bis 12.10.2099 WDR 5

Im Oktober 1870 darf sie nicht offiziell eingeschrieben sein. Doch sie lernt beim berühmten Professor Weierstraß - und wird zur Pionierin in der Männerdomäne Mathematik.

Es ist ein weiter Weg für Sofja Kowalewskaja: von einem Landgut bei St. Petersburg nach Berlin. Dort lehrt Karl Weierstraß, einer der bedeutendsten Mathematiker des 19. Jahrhunderts. Kowalewskaja will unbedingt Mathematik studieren, aber das ist Frauen 1870 verboten. Darum besucht die 20-jährige Russin den Professor zu Hause und löst eine Probeaufgabe mit Bravour. Er nimmt sie als Privatschülerin an. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Eva Kaufholz-Soldat (Mathematikerin, Mathematikhistorikerin, Universität Koblenz) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • wie Sofja in ihrem Kinderzimmer täglich Mathematik umgeben ist,
  • welche Rolle ihr Onkel Pjotr Wassiljewitsch in ihrem Leben spielt,
  • mit welchem Trick Sofja ihren Vater dazu bringt, sie ins Ausland reisen zu lassen,
  • wie Mathematik-Professor Karl Weierstraß seiner Privatschülerin einen offiziellen Studienabschluss ermöglicht,
  • warum Sofja Kowalewskaja gleich drei Doktorarbeiten schreibt.

Sofja Kowalewskaja ist eine Pionierin. Sie erwirbt als erste Frau der Welt einen Doktortitel in Mathematik und wird weltweit die erste Professorin für Mathematik. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg in einer Welt, die damals noch vollständig von Männern dominiert wird.

Geboren wird Sofja Kowalewskaja 1850 als mittleres von drei Kindern in Moskau. Die Familie gehört zum niederen russischen Adel. Der Vater ist General in der zaristischen Armee, die Mutter Tochter eines deutschen Offiziers in russischen Diensten. Sie erhält zwar eine gute Allgemeinbildung, aber Karriere ist für Frauen nicht vorgesehen.

Sofja Kowalewskaja schafft es trotzdem, ihr mathematisches Ausnahmetalent zur Geltung zu bringen. Dank jahrelanger Ausdauer und der Hilfe von Professor Weierstraß, der für sie mehrmals Hindernisse aus dem Weg räumt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Eva Kaufholz-Soldat (Mathematikerin, Mathematikhistorikerin, Universität Koblenz)
  • Sonja Kowalewsky (= Sofja Kowalewskaja): Erinnerungen an meine Kindheit. Weimar 1960
  • Cordula Tollmien: Fürstin der Wissenschaft. Weinheim, Basel 1995

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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins
Technik: Sarah Fitzek

Paulus "Ohm" Kruger: Ein Buren-Führer macht Weltgeschichte

Paulus "Ohm" Kruger: Ein Buren-Führer macht Weltgeschichte WDR Zeitzeichen 10.10.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 11.10.2099 WDR 5

Ein Hinterwäldler wird zum Nationalheld: Paulus Kruger, geb. am 10.10.1825, führt den Buren-Aufstand gegen die britische Kolonialmacht an - und prägt Südafrika bis heute.

Die Südspitze Südafrikas ist seit gut 28 Jahren vom Königreich Großbritannien besetzt, als Paulus Kruger am 10. Oktober 1825 in der Kapkolonie zur Welt kommt. Seine Familie gehört zu den europäischen Einwanderern, den Buren, die die Schwarzen der Region versklaven. Als die Briten die Sklaverei 1833 verbieten, verlassen die Buren die Kolonie und bauen in der Wildnis ihre eigene Republik auf. Für Paulus ist das der Anfang einer steilen Karriere. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Christoph Marx (Professor für Außereuropäische Geschichte, Historisches Institut Universität Duisburg-Essen) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • wie Paulus Krüger Generalkommandant der kleinen Republik Transvaal wird,
  • wie er nach der britischen Annektion von Transvaal für die Unabhängigkeit des Gebietes kämpft,
  • was hinter der sogenannten Krüger-Depesche steckt,
  • wie Krüger am Hafen von Marseille und am Kölner Hauptbahnhof gefeiert wird,
  • wie die Nationalsozialisten Kruger zum Volkshelden stilisieren.

Die Buren stammen von europäischen Einwanderern ab. Von niederländischen, aber auch deutschen und französischen Siedlern, die seit dem 17. Jahrhundert am Kap der Guten Hoffnung seßhaft geworden sind. Sie sind Ackerbauern, Viehzüchter und Winzer.

Dabei setzen sie auf billige Arbeitskräfte und versklaven die Schwarzen der Region, weil sie sie für Menschen zweiter Klasse halten. Paulus Krüger macht hier keine Ausnahme. Im Gegenteil: Er wird zum Präsidenten der Republik Transvaal gewählt. Die Buren sehen sich selbst als Afrikaner und nennen sich aus so: Afrikaners.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Christoph Marx (Professor für Außereuropäische Geschichte, Historisches Institut Universität Duisburg-Essen)
  • Paul Kruger, H. C. Bredell, Piet Grobler: The memoirs of Paul Kruger, four times president of the South African republic, told by himself. Toronto 1902
  • Albrecht Hagemann: Kleine Geschichte Südafrikas. München 2018
  • Christoph Marx: Südafrika. Geschichte und Gegenwart. Stuttgart 2022

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: David Rother

Ikone der Popkultur: John Lennons Rückzug ins Privatleben

Ikone der Popkultur: John Lennons Rückzug ins Privatleben WDR Zeitzeichen 09.10.2025 15:21 Min. Verfügbar bis 10.10.2099 WDR 5

Warum John Lennon 1975 ausstieg: Der Ex-Beatle wird Vater, lässt Bühne, Beatlemania und Business vorerst hinter sich. Ein radikaler Neuanfang im privaten Luxusappartment.

Am 9. Oktober 1975 wird John Lennon nicht nur 35 Jahre alt. An diesem Tag wird auch sein Sohn geboren. Nach einer schwierigen Geburt bringt die aus Japan stammende Künstlerin Yoko Ono das gemeinsame Kind zur Welt. Sein voller Name lautet Sean Taro Ono Lennon. Anschließend zieht sich das vielleicht berühmteste Ehepaar der damaligen Zeit weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Für fünf Jahre, bis kurz vor Lennons Ermordung. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Klaus Voormann (Grafiker, Musiker) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Philip Ritter:
  • warum das FBI John Lennon nach der Beatles-Trennung überwacht,
  • welche 14 Monate Lennon später als "Lost Weekend" bezeichnet,
  • warum der vorübergehende Rückzug aus dem Musikgeschäft für ihn eine Erlösung ist,
  • wie John Lennon sich über sein Familienleben mit Sohn Sean freut,
  • was er rückblickend über seine erste Zeit als Familienvater mit Sohn Julian sagt.

Im Song "Watch The Wheels" – veröffentlicht 1980, kurz vor seinem Tod – beschreibt John Lennon, wie er die vorangegangenen fünf Jahre verbracht hat: Als Privatmensch, der nicht länger auf dem sich so schnell drehenden Karussell sitzt, sondern nur noch genüsslich von außen zuschaut.

Doch warum verlässt John Lennon Mitte der 1970er Jahre plötzlich das Rampenlicht? Was veranlasst den Superstar, der Welt des Showbusiness, nach einer beispiellosen Karriere, plötzlich den Rücken zu kehren?

Der Tag, an dem sich John Lennon aus dem Hamsterrad befreit, ist sein 35. Geburtstag. Ein Zufall. Viel wichtiger: Der 9. Oktober 1975 ist auch der Geburtstag von Sean, dem gemeinsamen Sohn mit Yoko Ono. Anschließend zieht sich Lennon für fünf Jahre aus dem Musikgeschäft zurück.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Klaus Voormann (Grafiker, Musiker)
  • Ocke Bandixen (Journalist, Autor)
  • Philip Norman: John Lennon – The Life. New York 2009

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Heute gibt's gleich zwei musikalische Tipps:
Der Beatles-Podcast "Becoming The Beatles - Die Hamburger Jahre" und außerdem ein ARD-Mediathek-Tipp: Hip Hopp in seiner Vielfalt

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Philip Ritter
Redaktion: Matti Hesse

Von Eseln und Elfenköniginnen: Shakespeares Sommernachtstraum

Von Eseln und Elfenköniginnen: Shakespeares Sommernachtstraum WDR Zeitzeichen 08.10.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 09.10.2099 WDR 5

Liebesverwirrung, Elfenzauber und Theater im Theater: Shakespeares "Sommernachtstraum" mischt Poesie mit Klamauk. Erstmals gedruckt am 8.10.1600.

Shakespeares "Sommernachtstraum“ ist ein wildes Verwirrspiel, in dem bald keiner mehr so genau weiß, wer er eigentlich ist und wen er liebt. Man kann das Stück als federleichtes Feenmärchen inszenieren. Oder aber düster, irritierend und gewalttätig. Traum und Wirklichkeit, Magie und Erotik, derber Klamauk und zarte Poesie mischen sich zu einem wundersamen Theaterzauber, der die Menschen bis heute fasziniert. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Sonja Fielitz (Professorin für Anglistik an der Philipps-Universität Marburg) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • wann der "Sommernachtstraum" vermutlich entstanden ist,
  • welche unterschiedlichen Pole die Stadt Athen und der Wald im Stück symbolisieren,
  • wie Theater im 16. Jahrhundert zur Massenunterhaltung wird,
  • wie Shakespeares Karriere als Schauspieler, Autor und Theaterbetreiber Fahrt aufnimmt,
  • warum Frauenrollen zu Shakespeares Zeiten von Jungen gespielt werden.

Der "Sommernachtstraum" ist nach wie vor eines der meistgespielten Stücke in Deutschland. Ein besonderer Reiz liegt in den verschiedenen Ebenen: Am Fürstenhof von Athen herrschen klare Vernunft und strenge Sitte, während im Wald Traum und Fantasie regieren. Das Schwanken zwischen Illusion und Realität macht offenbar die Attraktivität aus.

Shakespeare führt außerdem vor, wie unberechenbar das Herz sein kann, wie brüchig die Identität und wie chaotisch die Gefühle. Die Rätsel seiner "Sommernacht" rühren an allgemein menschliche Themen, die uns auch heute noch bewegen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Sonja Fielitz (Professorin für Anglistik an der Philipps-Universität Marburg)
  • William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. München 2025
  • Sonja Fielitz: A Midsummer Night’s Dream. Essay in: William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. München 2025
  • Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit – Der Mensch – Das Werk – Die Nachwelt. Stuttgart 1992

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Theo Kramer

Rätselhafte Schrift aus dem Mittelalter: Das Voynich-Manuskript

Rätselhafte Schrift aus dem Mittelalter: Das Voynich-Manuskript WDR Zeitzeichen 07.10.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 08.10.2099 WDR 5

Dieses handschriftliche Rätsel ist und bleibt ein Mysterium: Am 7.10.1915 wird das geheimnisvolle Voynich-Manuskript der Öffentlichkeit vorgestellt. Doch was steht darin?

In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog: welche Spekulationen es über das Voynich-Manuskript gibt, wo das Original-Dokument heute aufbewahrt wird, welche Auffälligkeiten die 200 Pergament-Seiten aufweisen, was außer Pflanzen und nackten Menschen sonst noch darin abgebildet ist, was Kaiser Rudolf II. mit dem Manuskript zu tun hat. Mediävisten, Kryptologen, Stochastiker, Esoteriker, Verschwörungsideologen - viele Fachleute und solche, die sich dafür halten, versuchen, das sogenannte Voynich-Manuskript zu übersetzen. Gefunden hat es der Buchhändler Wilfried Voynich 1912 in der Villa Mondragone, einem Jesuitenstift bei Rom. Doch die mittelalterliche Handschrift kann niemand lesen - bis heute. Lange bevor Voynich das Manuskript wiederentdeckt, rätseln verschiedene Vorbesitzer bereits über dessen Ursprung, Sinn und Inhalt. Das ist zum Beispiel in einem Brief aus dem 17. Jahrhundert nachzulesen, den der Londoner Buchhändler zusammen mit der Schrift aus der verstaubten Bücherkiste klaubt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jürgen Hermes (Computerlinguist, Universität Köln) Torsten Timm (Informatiker) Klaus Schmeh: Codeknacker gegen Codemacher. Die faszinierende Geschichte der Verschlüsselung. London 2007 Torsten Timm: How the Voynich Manuscript was created. Dresden 2017 Weiterführende Links: Das komplette Voynich-Manuskript als hoch auflösender Scan Jürgen Hermes: Video-Vortrag zum Voynich-Manuskript. Institut für Digital Humanities, Universität Köln 2020 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog Redaktion: Matti Hesse Technik: Sarah Fitzek


In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • welche Spekulationen es über das Voynich-Manuskript gibt,
  • wo das Original-Dokument heute aufbewahrt wird,
  • welche Auffälligkeiten die 200 Pergament-Seiten aufweisen,
  • was außer Pflanzen und nackten Menschen sonst noch darin abgebildet ist,
  • was Kaiser Rudolf II. mit dem Manuskript zu tun hat.

Mediävisten, Kryptologen, Stochastiker, Esoteriker, Verschwörungsideologen - viele Fachleute und solche, die sich dafür halten, versuchen, das sogenannte Voynich-Manuskript zu übersetzen. Gefunden hat es der Buchhändler Wilfried Voynich 1912 in der Villa Mondragone, einem Jesuitenstift bei Rom. Doch die mittelalterliche Handschrift kann niemand lesen - bis heute.

Lange bevor Voynich das Manuskript wiederentdeckt, rätseln verschiedene Vorbesitzer bereits über dessen Ursprung, Sinn und Inhalt. Das ist zum Beispiel in einem Brief aus dem 17. Jahrhundert nachzulesen, den der Londoner Buchhändler zusammen mit der Schrift aus der verstaubten Bücherkiste klaubt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Jürgen Hermes (Computerlinguist, Universität Köln)
  • Torsten Timm (Informatiker)
  • Klaus Schmeh: Codeknacker gegen Codemacher. Die faszinierende Geschichte der Verschlüsselung. London 2007
  • Torsten Timm: How the Voynich Manuscript was created. Dresden 2017

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Martin Herzog
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Ferdinand von Richthofen: Erfinder der Seidenstraße

Ferdinand von Richthofen: Erfinder der Seidenstraße WDR Zeitzeichen 06.10.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 07.10.2099 WDR 5

Ferdinand von Richthofen kartierte China, prägte die Forschung zur Seidenstraße und legte Grundlagen für Europas China-Interesse. Er starb am 6. Oktober 1905.

Ferdinand von Richthofen revolutioniert die Geografie, indem er Feldforschung zum Maßstab macht und den "Lehnstuhlgeographen" so den Rang abläuft. Diese Leidenschaft für exaktes Vermessen führt ihn bis in entlegene Regionen Chinas. Dort legt er die Grundlage für seine Idee: die alten Handelswege neu zu denken, so erfindet er die uralte Seidenstraße neu. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Marcus Hernig, Sinologe und Historiker, Professor an der Tongji-Universität Shanghai ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • was der Geologe Ferdinand von Richthofen auf sieben Expeditionen in China erforscht,
  • warum er dem deutschen Kaiserreich präzise Orte in China für mögliche Kolonien vorschlägt,
  • wie Richthofen schon mit 23 Jahren erkennt, dass die markanten Felsen der Dolomiten einst Korallenriffe waren,
  • wieso er die legendäre Seidenstraße nicht entdeckt, sondern am Schreibtisch neu "erfindet",
  • und wie seine Vision von Chinas Westöffnung bis in die heutige Belt-and-Road-Initiative nachwirkt.

Ferdinand von Richthofen, 1833 in Schlesien geboren, ist ein Pionier der modernen Geowissenschaften. Vier Jahre lang reist er durch 13 chinesische Provinzen, kartiert Gebirge und Flüsse und sucht nach dem "schwarzen Gold": Kohle, der Treibstoff der Industrialisierung.

Sein Blick von Ost nach West ist neu und weitsichtig: Er sieht ein China im Umbruch, voller künftiger Dynamik. Die berühmte Seidenstraße bereist er nie. Stattdessen puzzelt er Karten, Berichte und chinesische Quellen zusammen und erfindet das uralte Handelsnetz zwischen China und Europa neu. Am 6. Oktober 1905 stirbt er in Berlin, doch seine Idee von weltumspannenden Handelswegen lebt bis heute fort.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Marcus Hernig, Sinologe und Historiker, Professor an der Tongji-Universität Shanghai, Buchautor und Wirtschaftsberater
  • Marcus Hernig: Ferdinand von Richthofen. Der Erfinder der Seidenstraße. Berlin 2022.
  • Peter Frankopan: Die neuen Seidenstraßen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt. Berlin 2019.
  • Jürgen Osterhammel: “Forschungsreise und Kolonialprogramm. Ferdinand von Richthofen und die Erschließung Chinas im 19. Jahrhundert”. In: Archiv für Kulturgeschichte 69 (1987, 1), S. 150-195, 171.

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Autorin: Almut Finck
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Kindheit im Krieg: verschickt und umerzogen

Kindheit im Krieg: verschickt und umerzogen WDR Zeitzeichen 05.10.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 06.10.2099 WDR 5

Am 5.10.1940 beginnt die Erweiterte Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg. Sie bringt Kinder in Sicherheit - und in die NS-Wehrerziehung.

Es klingt nach Ferien auf dem Bauernhof, folgt aber einem klaren Ziel: Mit der "Erweiterten Kinderlandverschickung" will das NS-Regime die Kinder an sich binden. Schon die Kleinsten werden monatelang von ihren Eltern getrennt, viele sehen ihre Familien nie wieder. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Martin Rüther, Historiker (ehemals NS-Dokumentationszentrum Köln) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:
  • warum man während des Zweiten Weltkriegs von "erweiterter" Kinderlandverschickung spricht,
  • wo die Kinder untergebracht werden und wie ihr Tagesablauf aussieht,
  • wie Erwachsene heute auf ihre Zeit im KLV-Lager zurückblicken,
  • von Heimweh, zensierten Briefen und schlechten Nachrichten von zu Hause.

Im Zweiten Weltkrieg werden rund zwei Millionen Kinder in Gastfamilien, Jugendherbergen oder Lagern weit weg von der Heimat untergebracht. Diese "Erweiterte Kinderlandverschickung", wie es offiziell heißt, soll in erster Linie dem Schutz der Kinder vor den Bomben dienen. Das eigentliche Ziel ist jedoch ein anderes: Der Nachwuchs soll - ungestört von Elternhaus oder Kirche - im Sinne des Nationalsozialismus umerzogen werden.

Oberaufsicht über die Lager haben jeweils ein Lehrer und ein Mitglied der Hitlerjugend oder des Bundes Deutscher Mädel. Besuche oder eine Rückholung ist verboten. In der Regel bleiben die Kinder zwischen sechs und neun Monaten.

Die Kinderlandverschickung ist kostenlos - und zumindest formal freiwillig. Allerdings wird auf die Eltern zunehmend moralischer Druck ausgeübt, sich "nicht am Tode" des eigenen Kindes schuldig zu machen. Trotzdem ist die Verschickung für die meisten Eltern keine Option. Sie bringen ihre Kinder lieber zu Verwandten aufs Land - um sie nicht nur vor den Bomben, sondern auch vor dem NS-Regime zu schützen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Martin Rüther, Historiker (ehemals NS-Dokumentationszentrum Köln)
  • Gerhard Kock: Der Führer sorgt für unsere Kinder. Die erweiterte Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg. Paderborn/München/Wien/Zürich 1997
  • Gerhard E. Sollbach: Flucht vor den Bomben. Kinderlandverschickung aus dem östlichen Ruhrgebiet im 2. Weltkrieg. Hagen 2002
  • Sigrid Bremer: Muckefuck und Kameradschaft - Mädchenzeit im Dritten Reich. Frankfurt am Main 1989
  • Eduard Füller: Kriegsheimat. Die Kinderlandverschickung aus dem nördlichen Westfalen im Zweiten Weltkrieg. Münster 2010

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Autorin: Jana Magdanz
Redaktion: Christoph Tiegel / Frank Zirpins

Stalins James Bond: Der deutsch-sowjetische Spion Richard Sorge

Stalins James Bond: Der deutsch-sowjetische Spion Richard Sorge WDR Zeitzeichen 04.10.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 05.10.2099 WDR 5

Einer der berühmtesten Spione aller Zeiten - zumindest der bekannteste, der erwischt wurde: Richard Sorge (geboren am 4.10.1895) lebte ein filmreifes und komprissloses Leben...

Nach seiner Hinrichtung 1944 tut die Sowjetunion lange so, als kenne sie Richard Sorge nicht. Der Meisterspion, der als Journalist getarnt in Tokio weltpolitisch entscheidende Informationen beschafft, wird von Moskau jahrelang verleugnet. Erst in den 1960er-Jahren, als die Sowjetführung neue Helden braucht, erhebt sie ihn zum Volksidol. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderm mit: Helmut Müller Enbergs, Honorarprofessor an der historischen Fakultät Vigsby, 2015 bis 2021 Leiter der Spionageabwehr beim Verfassungsschutz Berlin. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Joscha Seehausen:
  • warum Richard Sorge als "James Bond der Sowjetunion" gilt,
  • und doch ganz anders handelt,
  • wie sein Charisma Männer und Frauen dazu bringt, ihm bereitwillig vertrauliche Informationen anvertrauten.
  • wie er als scheinbar linientreuer Nazi-Journalist in Tokio die deutsche Botschaft für die Sowjetunion ausspioniert,
  • und damit den Verlauf des Zweiten Wltkriegs beeinflusst.

Richard Sorge wird 1895 in Baku geboren, wächst in Berlin auf und meldet sich als junger Mann freiwillig zum Ersten Weltkrieg. Drei Verwundungen später ist sein Patriotismus verflogen. Eine Krankenschwester macht ihn mit dem Kommunismus bekannt - dem er sein Leben widmet.

Nach Jahren in Moskau schickt ihn die Rote Armee als Agent nach Japan. Dort erwirbt er das Vertrauen deutscher Diplomaten, tritt sogar in die NSDAP ein - und funkt heimlich nach Moskau. Seine entscheidende Botschaft: Japan plant keinen Angriff auf Sibirien. Stalin verlegt daraufhin Truppen nach Westen und stoppt Hitlers Armeen bei Stalingrad.

1941 verhaftet, 1944 in Tokio hingerichtet, wird Sorge später in der Sowjetunion zum Helden stilisiert – ein realer Spion, dessen Leben spannender ist als jeder Agentenfilm.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Helmut Müller Enbergs, Honorarprofessor an der historischen Fakultät Vigsby, 2015 bis 2021 Leiter der Spionageabwehr beim Verfassungsschutz Berlin.
  • Florian Schimikowski, Historiker des Spionagemuseums Berlin
  • Andreas Neuenkirchen, Autor der Richard Sorge Biographie „Einsatz in Tokio“
  • Robert Whymant: Der Mann mit den drei Gesichtern, Berlin 1999.
  • Isabel Kreitz: Die Sache mit Sorge – Stalins Spion in Tokio, Hamburg 2008.
  • Julius Mader: Dr.-SORGE-REPORT. Ein Dokumentarbericht über Kundschafter des Friedens mit ausgewählten Artikeln von Richard Sorge, Berlin 1985.

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Autor: Joscha Seehausen
Redaktion: David Rother

Erziehung im Sinne der NS-Ideologie: Johanna Haarer

Erziehung im Sinne der NS-Ideologie: Johanna Haarer WDR Zeitzeichen 03.10.2025 14:19 Min. Verfügbar bis 04.10.2099 WDR 5

Die Ärztin Johanna Haarer (geb. am 3.10.1900) schreibt mit "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" einen NS-Erziehungsratgeber, der noch jahrzehntelang nachwirken kann.

"Wenn das Kind schreit und auch der Schnuller versagt, dann, liebe Mutter, werde hart." Das empfiehlt Johanna Haarer in ihrem Buch "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" - ein Bestseller nicht nur im Nationalsozialismus, sondern noch über vier Jahrzehnte nach Kriegsende. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Miriam Gebhardt, Buchautorin (Uni Konstanz) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • zu welchen harten Erziehungsmethoden Johanna Haarer rät,
  • wie sehr Kinder auch Jahre später noch unter den Folgen dieser Erziehung leiden,
  • von Haarers nationalsozialistischen Überzeugungen, die sie zeitlebens beibehält,
  • wie es für Haarer und ihr Buch nach Kriegsende weitergeht.

Disziplin und emotionale Distanz: Das sind die Grundpfeiler, auf denen die Erziehungstipps von Johanna Haarer aufbauen. Zärtlichkeit und Nachgiebigkeit produziere "Haustyrannen", warnt die Autorin in ihrem Buch "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind". Fast 700.000 Mal wird ihr Ratgeber im so genannten Dritten Reich verkauft. Auch deshalb gilt Haarer bis heute als Inbegriff von NS-Pädagogik. Dabei sind ihre pädagogischen Leitlinien nicht neu. Schon lange vor dem Nationalsozialismus propagieren vor allem Ärzte eine autoritäre, bindungsarme Erziehung, später "schwarze Pädagogik" genannt.

Geboren wird Haarer am 3. Oktober 1900. Sie ist enorm ehrgeizig und schafft als eine der ersten Frauen in Deutschland den Aufstieg zur Lungenfachärztin. Ihre fünf Kinder erzieht Haarer ebenso streng, wie sie es anderen Müttern rät. Nach Kriegsende sind ihre Bücher in der DDR verboten. In der Bundesrepublik dagegen kommt schon bald eine Neuauflage heraus, die ungebrochen erfolgreich bleibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Miriam Gebhardt, Buchautorin (Uni Konstanz)
  • Margarete Bolten, Leitung Liaisonpsychiatrischer Dienst (Luzerner Psychiatrie AG, Kinderspital Zentralschweiz)
  • Miriam Gebhardt: Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert (2009)
  • Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, München/Berlin 1938

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Autorin: Christoph Vormweg
Redaktion: Christoph Tiegel / Matti Hesse
Technik: Petra Laubach

Pax Romana: Wie lebte es sich zur Zeit des Römischen Friedens?

Pax Romana: Wie lebte es sich zur Zeit des Römischen Friedens? WDR Zeitzeichen 02.10.2025 19:02 Min. Verfügbar bis 03.10.2099 WDR 5

Zeitzeichen-Sonderfolge zum Römischen Frieden: Was ist Klischee und wie lebte es sich wirklich in der Epoche, die 27 v. Chr. begann: als Bürger, als Sklave, als Gladiator - und warum kommen nur Männer in der Geschichtsschreibung vor?

Während der Pax Romana verbinden römische Straßen und Städte das riesige Reich, doch lokale Bräuche und Bauformen bleiben bestehen. Historiker sprechen von Glokalisierung – einem Zusammenspiel von römischer Einheit und regionaler Vielfalt, das den Frieden jener Epoche erst tragfähig macht. Entstanden ist diese Zeitzeichen-Sonderfolge in Zusammenarbeit mit dem historischen SWR-Hörspiel-Podcast „Der Römische Traum“: https://1.ard.de/roemischer-traum *** Gesprochen haben wir für diese Folge unter anderem mit: Prof. Dr. Muriel Moser-Gerber, Historisches Institut, Goethe-Universität Frankfurt. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer:
  • warum der "Römische Frieden" kein völliges Schweigen der Waffen bedeutet,
  • wie Kaiser Augustus innere Ruhe und politische Stabilität für Generationen schafft,
  • was die Einverleibung ins Römische Reich für Provinzen wie Britannien bedeutete,
  • welche Einblicke Plinius der Jüngere in Alltag, Freizeit und Amtsgeschäfte seiner Zeit gibt,
  • und warum Gladiatorenkämpfe oft weniger blutig sind, als Filme und Mythen vermuten lassen.

Aus einem kleinen Dorf am Tiber wächst Rom zum Weltreich - und mitten im Expansionsdrang hält plötzlich Frieden Einzug: die Pax Romana. Von 27 v. Chr. bis etwa 235 n. Chr. bleibt das Reich weitgehend von Bürgerkriegen verschont, auch wenn an den Außengrenzen Legionäre kämpfen. Kaiser wie Augustus inszenieren sich als pflichtbewusste und gerechte Herrscher, deren Bilder auf Münzen, Statuen und in Ritualen bis in die fernsten Provinzen strahlen.

Hinter dem Glanz steckt vor allem ein kluges System: wenige Beamte, präzise Volkszählungen, gut informierte Kaiser und ein fein gesponnenes Netz aus Statthaltern. Handel und Straßenbau lassen die Wirtschaft florieren, lokale Bräuche und Traditionen dürfen weiterleben.

Die Spuren dieser Epoche prägen uns bis heute - von Monatsnamen wie Juli und August über Rechtsgrundsätze bis zu alten Straßenverläufen. Die Pax Romana ist weit mehr als ein politisches Konzept: Sie wird zum Vorbild für Ordnung und Frieden. Der Römische Frieden zu Anfang unserer Zeitrechnung ist ein relativer Frieden: An den Außengrenzen ringen Legionäre immer wieder mit Germanen, Dakern oder Parthern.
Entstanden ist diese Zeitzeichen-Sonderfolge in Zusammenarbeit mit dem Team des SWR-Kultur-Podcasts "Der Römische Traum".

Das ist unser Hörtipp:

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Thoralf Schröder, Archäologisches Institut, Universität zu Köln
  • Prof. Dr. Muriel Moser-Gerber, Historisches Institut, Goethe-Universität Frankfurt
  • Kay Ehling, Saskia Kerschbaum (Hrsg.): Die Kaiser Roms. Von Augustus bis Justinian, Freiburg 2025.
  • David Stone Potter (Hrsg.): A Companion to the Roman Empire, Malden (MA) / Oxford 2006.
  • Esaù Dozio (Hrsg.): Gladiator. Die wahre Geschichte, Basel 2019.
  • Paul Erdkamp (Hrsg.): A Companion to the Roman Army, Malden (MA) 2007.
  • Achim Lichtenberger, H.-Helge Nieswandt, Dieter Salzmann (Hrsg.): Eirene / Pax. Frieden in der Antike, Dresden 2018.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Fritz Schaefer
Redaktion: Matti Hesse

Nat Turners blutige Rebellion: umstrittenes Fanal für Freiheit

Nat Turners blutige Rebellion: umstrittenes Fanal für Freiheit WDR Zeitzeichen 02.10.2025 14:19 Min. Verfügbar bis 03.10.2099 WDR 5

Nat Turner wird am 2.10.1800 in Virginia geboren. Als Anführer eines Sklavenaufstands geht er in die Geschichte ein - um seinen Heldenstatus wird bis heute gerungen.

Nat Turner wächst als Sklave auf einer Plantage in Virginia auf. Unter seiner Führung entsteht – rund dreißig Jahre vor dem US-amerikanischen Bürgerkrieg – ein Sklavenaufstand. Es ist nicht der erste auf dem amerikanischen Kontinent, aber der bis dahin brutalste. Seine Blutspur endet schnell, doch die Folgen spalten die USA bis heute. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Heike Paul, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:
  • von einem Nat Turner, der gleichzeitig Mörder und amerikanischer Held ist,
  • von einem umstrittenen Zeitzeugendokument, in dem Turner seine Taten schildert,
  • vom amerikanischen Bürgerkrieg und dem Ende der Sklaverei in den USA,
  • warum die Trump-Politik für viele ein offener Angriff auf die schwarze Gesellschaft ist.

Der am 2. Oktober 1800 geborene Nat Turner ist einer von Millionen versklavten Menschen in den US-amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts. Unter unwürdigen Bedingungen werden sie ausgebeutet. Vergewaltigungen und Peitschenhiebe sind an der Tagesordnung. Turner, überzeugter Christ, entscheidet sich, Widerstand zu leisten.

Was als Flüstern beginnt, wächst binnen Stunden zu einem Aufschrei: Bei der "Nat-Turner-Rebellion" sterben 55 Weiße, darunter wohl auch Kinder. Als Vergeltung werden mehr als 100 unschuldige Versklavte getötet. Turner selbst gelingt vorerst die Flucht - bis man ihn nach Wochen unweit der Farm in einem Erdloch aufspürt und verhaftet. Zwölf Tage später wird er gehängt.

Auch wenn Nat Turner wegen Gewaltexzessen umstritten bleibt, wird er zum festen Bestandteil der schwarzen Erinnerungskultur, zum Symbol für Widerstand und Selbstbehauptung. Er lebt als Mythos in Büchern, in Songs und auf der Leinwand weiter - bis heute.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Tahir Della, Sprecher der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD)
  • Heike Paul, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin
  • William Styron: The Confessions of Nat Turner
  • Kyle Baker: Nat Turner. A Graphic Novel

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Autor: Jonas Colsman
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Aquavit als Hausmittel: Anna, die patente Kurfürstin

Aquavit als Hausmittel: Anna, die patente Kurfürstin WDR Zeitzeichen 01.10.2025 14:34 Min. Verfügbar bis 02.10.2099 WDR 5

Anna von Sachsen mag etwas kontrollierend gewesen sein. Doch bei ihrem Tod am 1.10.1585 hinterlässt sie einen wahren Wissensschatz darüber, wie man einen Haushalt führt.

Anna von Sachsen, dänische Königstochter und mächtige Kurfürstin, beaufsichtigt ihren Haushalt äußerst penibel: Denn sie kennt sich aus und erklärt ihren Dienstboten, wie es geht: Waschen, Kochen, Gärtnern, Viehzucht. Doch Anna ist nicht nur eine perfekte Hausfrau. Als Kurfürstin ist sie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch eine politisch bedeutende Person. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Katrin Keller (Historikerin, Direktorin des Instituts für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes, Österreichische Akademie der Wissenschaften) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • warum sich Anna von Sachsen so gut mit Haushaltsdingen auskennt,
  • wie viele Briefe sich Anna und ihr Mann August während ihrer Ehe schreiben,
  • welche exotischen Zutaten die von Anna selbst hergestellten Medikamente enthalten,
  • wie begehrt das von ihr produzierte Aqua Vitae bei ihren Zeitgenossen ist,
  • warum Anna Gynäkokratie, also Weiberherrschaft, vorgeworfen wird.

Geboren wird sie am 22. November 1532 als Tochter des Herzogspaares Christian und Dorothea von Schleswig-Holstein, die nur wenige Jahre später den dänischen Königsthron besteigen. Das Königreich Dänemark umfasst damals Teile Schwedens, des heutigen Norwegen, Island, Grönland.

Mit 15 wird Anna nach Sachsen verheiratet, aus politischen Gründen. Sie nimmt es ohne Proteste hin. Annas Bräutigam August erbt das Kurfürstentum und so wird aus Anna von Dänemark 1553 Anna von Sachsen. Die Ehe von Anna und August hält 37 Jahre. Die beiden mögen das Gärtnern und die Arbeit im Labor. August interessiert sich für die Alchemie, Anna mehr für die Heilkunst. Sie stellt unter anderem aus Kräutern Medikamente her.

Doch Anna von Sachsen ist nicht die brave gute Hausfrau - sondern eine Fürstin, die für die Interessen ihrer Familie und ihres Landes kämpft. Sie ist erst Anfang 50 Jahre alt, als sie immer häufiger krank wird. Sie stirbt kurz von ihrem 53. Geburtstag.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Katrin Keller (Historikerin, Direktorin des Instituts für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes, Österreichische Akademie der Wissenschaften)
  • Katrin Keller: Kurfürstin Anna von Sachsen. Biografie. Regensburg 2010
  • Katrin Keller: Anna von Dänemark. In: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. Dresden 2007
  • Dirk Syndram, Antje Scherner: In fürstlichem Glanz. Der Dresdner Hof um 1600. Ausstellungskatalog, Staatliche Kunstsammlungen. Dresden 2004

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

Gelungene Integration: Eine feste Siedlung für fahrende Menschen

Gelungene Integration: Eine feste Siedlung für fahrende Menschen WDR Zeitzeichen 30.09.2025 14:34 Min. Verfügbar bis 01.10.2099 WDR 5

In Rekordzeit hatte die Stadt Köln die Siedlung hochgezogen: Am 30.9.1975 zogen 108 Sinti in die festen Häuser im Kölner Norden ein - ein großer Schritt für sie und ihre Nachbarn.

Schon früh erkennt die katholische Kirche die Not der Familien und bringt Kinder in Schule und Kindergarten. Daraus erwächst der entscheidende Anstoß, das provisorische Leben in den alten Reichsbahnwaggons zu beenden und den Bau der Sinti-und-Roma-Siedlung in Köln-Roggendorf auf den Weg zu bringen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Markus Reinhardt, Musiker ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Reinartz:
  • warum ausrangierte Reichsbahn-Waggons ein moralisches Problem und zugleich Notbehelf für Kölner Sinti und Roma sind,
  • wie Nachbarn anfangs Angst vor Lärm und Wertverlust haben - und warum sich das Zusammenleben dennoch schnell beruhigt,
  • was der Einzug in Steinhäuser für Bildung, Arbeit und Nachbarschaft bis heute bedeutet.

Als Kind sieht man Feuer zwischen Waggons auf freiem Feld - für die Jüngsten ein "Spielplatz", für die Erwachsenen ein Leben ohne Duschen, mit gefrorenen Fenstern im Winter. Die Waggons stammen aus Beständen der alten Reichsbahn, die während der NS-Zeit Sinti und Roma deportiert hatten.

Anfang der 70er ist klar: So kann es nicht bleiben. Daraufhin entsteht der Plan für eine eigene Siedlung für Sinti und Roma. Von Frühjahr bis Spätsommer 1975 im Ortskern gebaut und am 30. September bezugsfertig - mit Stellplätzen für Wohnwagen, aber ohne Tiere. Es ist die erste feste Siedlung für Sinti in Westeuropa.

Es gibt Skepsis, Polizeieinsätze wegen nächtlicher Musik - und doch wächst Normalität: Schule, Handwerk, Fußballverein. Heute wohnen noch rund 50 meist Ältere dort; der Mietvertrag läuft bis Ende September 2049 - wie es danach weitergeht, ist offen.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Markus Reinhardt, Musiker
  • Agnes Esser, Mitglied im Roggendorfer Bürgerverein

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Michael Reinartz
Redaktion: Frank Zirpins

Päpstin Johanna: Legende oder Skandal?

Päpstin Johanna: Legende oder Skandal? WDR Zeitzeichen 29.09.2025 14:33 Min. Verfügbar bis 30.09.2099 WDR 5

Das Pontifikat von Benedikt III. am 29.9.855 entfacht den Mythos der Päpstin Johanna. Als Mann getarnt soll sie das höchste Amt der Kirche eingenommen haben.

Mittelalterliche Chronisten greifen die Geschichte gierig auf und verwandeln eine vage Randnotiz in ein farbiges Legendengeflecht. Später nutzen Reformatoren diese Erzählung, um Päpstin Johanna zum Sinnbild für Betrug und Machtmissbrauch in der Kirche zu machen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Klaus Herbers, Professor für Mittelalterliche Geschichte Universität Erlangen ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:
  • wie Lücken im "Liber pontificalis" Spekulationen über eine geheimnisvolle Päpstin nähren,
  • warum der ehrgeizige Kardinal Anastasius selbst in die Geschichte verwickelt sein könnte,
  • welche mittelalterlichen Chronisten die Legende immer weiter ausschmücken,
  • und wieso Rom bis heute keinen Beleg für eine Frau auf dem Heiligen Stuhl hat.

Die Rede ist von der Päpstin Johanna - einer Gestalt, die im 13. Jahrhundert erstmals in Chroniken auftaucht. Demnach soll sie aus Mainz stammen und im 9. Jahrhundert zwei Jahre, sieben Monate und vier Tage als "Papst" in Rom regieren.
Die Legende erzählt von einer hochgebildeten Frau, die in Männerkleidern Karriere macht, sich das Vertrauen der Kurie erschleicht, bis an die Spitze der Kirche aufsteigt - und schließlich mitten in einer feierlichen Prozession ein Kind zur Welt bringt.

Beweise fehlen jedoch: Zeitgenössische Urkunden bezeugen stattdessen den damals amtierenden Papst Benedikt III.. Die Lücken in den alten Papstbüchern liefern zwar Stoff für Spekulationen, doch die Forschung sieht darin keine verschleierte Wahrheit: eine Geschichte, die sich jeder endgültigen Aufklärung entzieht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Klaus Herbers, Professor für Mittelalterliche Geschichte Universität Erlangen
  • Professorin Elisabeth Gössmann, Professorin für Theologie Universität Bamberg
  • Klaus Herbers und Max Kerners: Die Päpstin Johanna. Biographie einer Legende. Köln, Weimar, Wien, Böhlau 2010
  • Elisabeth Gössmann: Die Päpstin Johanna. Der Skandal eines weiblichen Papstes. München 1994
  • Elisabeth Gössmann: Mulier Papa. Der Skandal eines weiblichen Papstes. Mitschnitt eines Vortrags von Professorin Elisabeth Gössmann an der Karl-Rahner-Akademie 1995

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Autor: Christian Kosfeld 
Redaktion: Viviane Jelenc, Matti Hesse

Der Grüne Punkt: Müll wird zum Milliardengeschäft

Der Grüne Punkt: Müll wird zum Milliardengeschäft WDR Zeitzeichen 28.09.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 29.09.2099 WDR 5

Der "Grüne Punkt" verändert seit dem 28.9.1990, wie Deutschland mit Verpackungen umgeht, der Punkt wird zum Symbol für Recycling und Mülltrennung - und für das Geschäft mit Wertstoffen.

Der "Grüne Punkt" soll seit 1990 dafür sorgen, dass Verkaufsverpackungen einer Wiederverwertung zugeführt werden. Hersteller zeigen damit, dass sie die Regelungen der Verpackungsverordnung einhalten. Die Kosten sowohl für die Markennutzung als auch für die Beteiligung der Verpackung am dualen System trägt grundsätzlich der Hersteller, sie können sich aber im Kaufpreis widerspiegeln. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit Dr. Fritz Flanderka, dem ehemaligen Bevollmächtigten DSD, gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann:
  • wie viel Verpackungsmüll pro Kopf jedes Jahr in Deutschland anfällt,
  • wie Anfang der 1990er-Jahre der "Grüne Punkt" funktioniert,
  • warum dem "Grünen Punkt" schon bald nach dem Start das Aus droht,
  • weshalb Kunststoffe die größte Herausforderung beim Recycling darstellen,
  • wie Algen künftig als alternatives Verpackungsmaterial eingesetzt werden könnten.

Spätestens ab Ende der 1980er-Jahre wachsen den Deutschen mit wachsendem Konsumverhalten die Müllberge über den Kopf. Die politisch Verantwortlichen müssen handeln. Allen voran Klaus Töpfer, damals CDU-Umweltminister.

Töpfer kündigt für 1991 eine strenge "Verpackungsverordnung" an. Die Industrie führt neben dem normalen Hausmüll ein zweites, paralleles Sammelsystem ein. Es ist der Beginn des sogenannten Dualen Systems, das der Öffentlichkeit durch ein einprägsames Symbol bekannt wird: den Grünen Punkt.

Der "Grüne Punkt" funktioniert Anfang der 1990er-Jahre so: Hersteller zahlen für jedes verpackte Produkt, das sie in Umlauf bringen, eine Lizenzgebühr an die eigens gegründete Firma, die DSD - Duales System Deutschland GmbH mit Sitz in Köln. Mit diesen Einnahmen baut die DSD eine Infrastruktur zum Sammeln, Sortieren und Recyceln auf.

Seitdem verbessert sich die Recyclingquote von Jahr zu Jahr. 2023 werden 90 Prozent der registrierten Verpackungen wiederverwertet. Die restlichen zehn Prozent landen fälschlicherweise in der "grauen" Tonne.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Christian Hündgen, Entsorgungsunternehmer aus Swisttal
  • Dr. Fritz Flanderka, ehem. Bevollmächtigter DSD
  • Dr. Bettina Sunderdiek, Sprecherin ZSVR Osnabrück
  • Philipp Wisse, Unternehmer Fa. Greenfoil Nature

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Autor: Kay Bandermann
Redaktion: Carolin Rückl, David Rother
Technik: Sarah Fitzek

Der Erfinder des Weihnachtsmanns: Thomas Nast

Der Erfinder des Weihnachtsmanns: Thomas Nast WDR Zeitzeichen 27.09.2025 14:54 Min. Verfügbar bis 28.09.2099 WDR 5

Von der pfälzischen Provinz nach New York: Thomas Nast (geboren am 26. oder 27.9.1840) wird in den USA zum wichtigsten Zeichner des Landes - geliebt von Präsident Lincoln und bis heute bekannt als Zeichner des Santa Claus.

Der Deutsch-Amerikaner Thomas Nast gilt als Vater der politischen Karikatur. Einige seiner Zeichnungen sind noch heute sehr bekannt. So schafft er die Symbolfigur Elefant für die Republikanische Partei der USA. Er benutzt die Figur der Columbia als Symbol für Amerika sowie das Dollarzeichen, um die Geldbezogenheit einer Person oder Organisation zu unterstreichen. Außerdem trägt er maßgeblich zur Bekanntheit der Figur Uncle Sam bei. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit Gudrun Stübinger-Kohls, der Vorsitzenden des Thomas Nast Vereins Landau, gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • mit welchem Bild Thomas Nast den patriotischen Nerv der kriegsmüden Union im amerikanischen Bürgerkrieg trifft,
  • wie Thomas Nast in der Festungsstadt Landau aufwächst,
  • womit Thomas Nast dazu beiträgt, dass der korrupte Politiker William Tweed für zwölf Jahre ins Gefängnis muss,
  • wie US-Präsident Theodore Roosevelt Junior Gutes tun will und Nast letztlich einen schlechten Gefallen erweist.

Thomas Nast: Ein Deutscher, der als Kind in die USA emigriert und in New York als politischer Zeichner eine beispiellose Karriere hinlegt. Hierzulande sorgt sein Name heute eher für Schulterzucken. Nie gehört. Santa Claus hingegen! Wer kennt ihn nicht, den Typen mit den dicken Wangen, dem Rauschebart, der Zipfelmütze?

Als Chefzeichner von Harper‘s Weekly macht sich Thomas Nast schnell einen Namen. 25 Jahre kommentiert er mit seinen Karikaturen die amerikanische Politik. Als im April 1861 der Bürgerkrieg beginnt, steht Nast klar auf der Seite von Präsident Abraham Lincoln. Für seine Schlachten, die Thomas Nast an der Medienfront schlägt, adelt ihn Präsident Abraham Lincoln.

1886 verlässt Thomas Nast Harper’s weekly. Er gründet eine eigene Wochenzeitung, die aber bald eingestellt wird. Er kauft Eisenbahnaktien und verspekuliert sich. Er erwirbt eine Silbermine, die kein Silber trägt. Am Ende ist das Vermögen verloren. Thomas Nast stirbt am 7. Dezember 1902 im Alter von 62 Jahren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Gudrun Stübninger-Kohls, Vorsitzende des Thomas Nast-Vereins in Landau
  • Til Mette, Cartoonist
  • Clement C. Moore/ Thomas Nast (1823): Der Besuch von St. Nikolaus – The night before Christmas (mit allen Originalillustrationen/ Deutsch-Englisch/ Ü: Walter Sauer) Neckarsteinach 2017
  • Heinz-Helmut Lüger/ Edelgard Schneider-Jahn/ Werner Abriß (Hg.): Thomas Nast. Karikaturist zwischen Kunst und Kritik. Landauer Schriften zur Kommunikations- und Kulturwissenschaft (Band 27). Verlag Empirische Pädagogik. 2/ 2023
  • Thomas-Nast-Verein Landau (Hg.): Ein Landauer in Amerika – Thomas Nast. Karikaturist, Journalist und Künstler. 53 Cartoons von Thomas Nast. Landau 2018

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Autorin: Claudia Friedrich
Redaktion: David Rother
Technik: Claudia Friedrich

Der Schock von München: Bombenanschlag auf das Oktoberfest

Der Schock von München: Bombenanschlag auf das Oktoberfest WDR Zeitzeichen 26.09.2025 14:36 Min. Verfügbar bis 27.09.2099 WDR 5

Ein Volksfest, eine Explosion, eine Katastrophe. Am 26.9.1980 erlebt die Bundesrepublik ihr bis heute schwerstes Attentat. 13 Menschen sterben. Über 200 werden verletzt.

Am 26. September 1980 sterben beim bis dahin schwersten Terrorakt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf dem Münchner Oktoberfest 13 Menschen, 221 werden verletzt. Nach dem Abschlussbericht der Ermittler vom November 1982 verübt der 21-jährige Gundolf Köhler den Anschlag allein und aus persönlichen Motiven. Erneute Ermittlungen ergeben aber später, dass die Tat ein rechtsextremer Terrorakt ist, mit dem Köhler unter anderem die Bundestagswahl 1980 beeinflussen wollte. Anstifter, Mitwisser und Mittäter Köhlers lassen sich weder beweisen noch ausschließen. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir mit dem Opferanwalt Werner Dietrich gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • Warum die Geschichte des Oktoberfest-Anschlags auch eine Geschichte der Vertuschung und Verharmlosung ist,
  • wie Franz Josef Strauß den Anschlag im Bundestagswahlkampf nutzt,
  • warum ein Anwalt und ein Journalist Zweifel an der Theorie vom frustrierten Einzeltäter haben,
  • aus welchen politischen Gründen die Ermittlungen nach zwei Jahren zunächst eingestellt werden,
  • welche Rolle eine abgetrennte Hand bei weiteren Ermittlungen spielt.

Am Abend des 26. September 1980 gibt es um 22.21 Uhr am Haupttor des Münchner Oktoberfestes eine gewaltige Detonation. 13 Menschen sterben sofort, über 200 werden verletzt.

Die Ermittler der Sonderkommission "Theresienwiese" legen sich schnell darauf fest, dass ein frustrierter Einzeltäter die Bombe gelegt hat. Bereits ein halbes Jahr nach dem Anschlag gibt es einen Abschlussbericht.

Der Journalist Ulrich Chaussy und der Anwalt Werner Dietrich zweifeln an der Erklärung, wollen Hintergründe und Hintermänner aufdecken. Sie finden immer mehr Hinweise darauf, dass die Theorie des frustrierten Einzeltäters nicht stimmen kann.

2014 werden die Ermittlungen wiederaufgenommen. Doch trotz aller Gründlichkeit wissen die Ermittler nur in einem Punkt schließlich wirklich mehr. Der Täter handelt aus einer Nationalsozialistisch-faschistischen Gesinnung heraus. Er will mit dem Anschlag den Bundestagswahlkampf beeinflussen. Aber wer Gundolf Köhler motiviert oder unterstützt hat, wird wohl nie geklärt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ulrich Chaussy, Journalist und Autor
  • Werner Dietrich, Opferanwalt
  • Ulrich Chaussy: Das Oktoberfest-Attentat und der Doppelmord von Erlangen. Wie Rechtsterrorismus und Antisemitismus seit 1980 verdrängt wird. München, 2025

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Martina Meißner
Redaktion: Christoph Tiegel, Matti Hesse
Technik: Moritz Raestrup

Widerstand als Lebensweg: Lisa Fittko

Widerstand als Lebensweg: Lisa Fittko WDR Zeitzeichen 25.09.2025 15:16 Min. Verfügbar bis 26.09.2099 WDR 5

Am 25.9.1940 beginnt die Exilaktivistin Lisa Fittko in Südfrankreich, NS-Verfolgte über die Pyrenäen nach Spanien zu führen. Unter ihnen der Philosoph Walter Benjamin.

Im französischen Internierungslager Gurs teilt Lisa Fittko ihre Zelle mit anderen bekannten Exilantinnen. Die junge Widerstandskämpferin lebt dort unter haftähnlichen Bedingungen und in ständiger Angst vor der Gestapo. Doch Gurs ist nur eine von vielen Stationen ihres kompromisslosen Kampfes, um Verfolgten den Weg in die Freiheit zu öffnen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Dr. Eva Weissweiler, Autorin und Journalistin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • wie eine handgezeichnete Skizze ihr den rettenden Weg über die Pyrenäen weist,
  • warum das Risiko des Aufbruchs für Walter Benjamin größer ist als das Bleiben,
  • wie Marseille 1940 zur überfüllten Falle für Hunderttausende Flüchtlinge wird,
  • und wie Lisa Fittko noch im hohen Alter für die Rechte anderer eintritt.

Geboren 1909 als Elisabeth Ekstein in der heutigen Ukraine, wächst Lisa Fittko in einem politisch wachen Elternhaus auf. Früh kämpft sie als Kommunistin gegen den Faschismus, verteilt Flugblätter und lebt im Untergrund. Mit ihrem Mann Hans Fittko flieht sie 1933 nach Prag, später nach Paris.

Nach Internierung im Lager Gurs entkommt sie und schließt sich in Marseille dem amerikanischen Fluchthelfer Varian Fry an. Von einem Bürgermeister erfährt sie von einem verborgenen Schmugglerpfad über die Pyrenäen. Mehrfach führt sie Flüchtlinge auf dieser gefährlichen Route in die Freiheit – unter ihnen der Philosoph Walter Benjamin.

Lisa Fittko überlebt Exil und Verfolgung, stirbt 2005 mit 95 Jahren in Chicago. Bescheiden bis zuletzt bleibt sie eine Ikone des antifaschistischen Widerstands und der Zivilcourage.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Lisa Fittko: Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41. München 2024
  • Dr. Eva Weissweiler: Biografie einer Fluchthelferin. Hamburg 2024
  • Dr. Uwe Wittstock: Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur. München 2024
  • Tania Schlie: Die Wagemutige. Hamburg 2022

Und das sind unsere InterviewpartnerInnen:
  • Dr. Eva Weissweiler, Autorin und Journalistin
  • Uwe Wittstock, Autor
  • Tania Schlie, Autorin

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Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: Frank Zirpins, Christoph Tiegel
Technik: Jens Buchheister

Gott ändert seine Meinung: Die Mormonen und die Vielehe

Gott ändert seine Meinung: Die Mormonen und die Vielehe WDR Zeitzeichen 24.09.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 25.09.2099 WDR 5

Ein Mormone darf ursprünglich mit mehreren Frauen verheiratet sein. Ein Problem für die Zugehörigkeit zu den USA. Mormonen-Präsident Woodruff reagiert pragmatisch und schafft die Mehrehe am 24.9.1890 ab.

Ab 1830 praktizieren etliche Mormonen die Vielehe. Auch deshalb werden sie in den USA diskriminiert. 1890 verbietet Mormonen-Präsident Wilford Woodruff die Polygamie - denn Utah, mehrheitlich von Mormonen besiedelt, will ein US-Bundesstaat werden. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir mit dem US-Buchautor und Satiriker Eric T. Hansen gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • Dass die Mormonen durchaus kreativ mit göttlichen Offenbarungen umgehen,
  • dass auch Mormonenfrauen gegen die Abschaffung der Vielehe protestieren,
  • wie die Vielehe Bildung und Ausbildung der Frauen unterstützt,
  • wie Religion Orientierung in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen bietet.

Zwischen etwa 1830 und 1890 praktizierten etliche männliche Angehörige, vor allem Führungspersönlichkeiten der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", die so genannte Vielehe. Religionsgründer Joseph Smith soll mit etwa 40 Frauen zusammengewesen sein, angeblich auf göttliche Weisung hin.

Insgesamt aber ist die Polygynie unter Mormonen sehr viel weniger verbreitet als oft angenommen. Nur etwa 3 bis 5 Prozent aller Mormonen haben mehrere Frauen. Offiziell verboten, führt die Polygamie dazu, dass Mormonen in den USA vor 1890 Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt sind.

Am 24. September 1890 schließlich verbietet der vierte Mormonen-Präsident Wilford Woodruff seinen Glaubensbrüdern, wiederum auf angeblich göttliche Weisung hin, mehr als einen ehelichen Bund zu besiegeln, wie die Mormonen die Heirat nennen. Die Folge: Utah, mehrheitlich von Mormonen besiedelt, kann im Jahre 1896 der 45. Bundesstaat der USA werden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Eric T. Hansen, US-Buchautor und Satiriker aus Berlin, wuchs in einer Mormonenfamilie auf und ist inzwischen aus der Kirche ausgetreten.
  • Michael Hochgeschwender, Historiker, Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, LMU
  • Laurel Thatcher Ulrich, feministische Historikerin (emer.), Harvard University, Mormonin
  • Eric Hansen: Losing my Religion: Die Mormonen und ich. Berlin 2017
  • Michael Hochgeschwender: Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus. Frankfurt/M 2018.
  • Laurel Thatcher Ulrich: A House full of Females: Plural Marriage and Women’s Rights in Early Mormonism, 1835-1870. New York 2017.

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Autorin: Almut Finck
Redaktion: Sefa Inci Suvak, Frank Zirpins

Dreadlocks für den Frieden: Bob Marleys letztes Konzert

Dreadlocks für den Frieden: Bob Marleys letztes Konzert WDR Zeitzeichen 23.09.2025 14:27 Min. Verfügbar bis 24.09.2035 WDR 5

Mit seiner US-Tour will Bob Marley als Solokünstler durchstarten. Doch als er am 23.9.1980 in Pittsburgh auf die Bühne tritt, hat er den Kampf gegen den Krebs schon verloren.

Bob Marley gilt bis heute als größter Reggaemusiker aller Zeiten. Er exportierte den Offbeat-Sound aus Jamaika nach Europa, in die USA und schließlich in die ganze Welt. Sein musikalischer und kultureller Einfluss ist bis heute spürbar. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir mit dem Reggae-DJ David Rodigan gesprochen.***


In diesem Zeitzeichen erzählt Amy Zayed:
  • Warum Marley und seine Band jeden Auftritt mit dem "Rastaman Chant" beginnen,
  • wie eine Weltkarriere mit Bambus, Blechdosen und Kabeldraht ihren Anfang nimmt,
  • worum es in "No woman, no cry" tatsächlich geht,
  • wie es Bob Marley mit seiner Musik sogar gelingt, politische Widersacher auf der Bühne zusammenzubringen.

Bob Marley bringt von der kleinen Karibikinsel Jamaika eine im Westen vollkommen unbekannte Musik in den weltweiten Popmainstream. Zusammen mit seinen Freunden Bunny Wailer und Peter Tosh gründet Marley eine Band, die noch einige Male ihren Namen ändert, bevor sie sich auf "The Wailers" einigt.

1980 spielt Bob Marley in Europa die größte Tour des Jahres, auch in den USA soll ihm danach endgültig der Durchbruch als Solo-Künstler gelingen. Zwei Mal tritt er alleine auf, zwei Mal im Vorprogramm der Commodores im New Yorker Madison Square Garden. Am 23. September 1980 spielt er sein letztes Konzert in Pittsburgh, muss aber danach die Tour abbrechen, weil er zu schwer an Krebs erkrankt ist.

Für einige Zeit geht er in ein alternatives Krankenhaus in Bayern, und versucht noch etwas Lebenszeit rauszuholen, doch dann beschließt er, zum Sterben nach Jamaika zurückzufliegen. Auf dem Rückflug wird er aber so krank, dass die Maschine in Miami zwischenlanden muss. Dort stirbt Bob Marley am 11. Mai 1981.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • David Rodigan, Reggae-DJ in Großbritannien und Jamaika
  • Bunny Wailer, Stiefbruder und ehemaliger Bandkollege von Bob Marley
  • Archivmaterial von Bob Marley und seiner Mutter Cedella Marley.
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Autorin: Amy Zayed
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Joseph Bader

Aufstand der Geburtshelferinnen: Erster Hebammentag 1890

Aufstand der Geburtshelferinnen: Erster Hebammentag 1890 WDR Zeitzeichen 22.09.2025 14:08 Min. Verfügbar bis 23.09.2099 WDR 5

Am 22.9.1890 beginnt mit dem ersten preußischen Hebammentag der Kampf der Hebammen um Anerkennung - gegen viele Widerstände. Er dauert an. Bis heute.

Die mehr als 900 Teilnehmerinnen des ersten preußischen Hebammentages senden ein Signal des Zusammenhalts und des Widerstands an die Obrigkeit und die Ärzteschaft: "Wir wollen geehrt und geachtet werden, von dem einfachsten Arbeiter bis hinauf zu den höchsten Würdenträgern, denn wir sind uns bewusst, dass wir unentbehrlich sind im Staate." *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Michelle Rump (Erste Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen in Nordrhein-Westfalen) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Carolin Courts:
  • aus welchem tragischen Grund die Berliner Hebammen 1885 einen Verein gründen,
  • welche Frau den ersten preußischen Hebammentag initiiert,
  • warum die Hygiene in der Geburtshilfe ein Thema auf dem Hebammentag ist,
  • wie prekär die Lage der Hebammen heute noch ist,
  • welche symbolische Anerkennung das Hebammen-Wesen 2023 erhält.

1850 wird in Preußen die Geburtshilfe als Pflichtfach in der ärztlichen Ausbildung eingeführt. Damit ist ein Mittel gefunden, um das Jahrtausende alte Monopol der Frauen in der Geburtshilfe zu brechen. Die Honorare der Hebammen werden zusammengestrichen, das "innerliche und äußerliche Curieren" wird ihnen verboten.

1878 wird die "Instruction für die Hebammen im Königreiche Preußen" erlassen, die den Geburtshelferinnen unter anderem Sittsamkeit und einen nüchternen Lebenswandel vorschreibt. Etwas Vergleichbares gibt es für Ärzte nicht. Von Hebammen wird außerdem fast uneingeschränkte Verfügbarkeit erwartet. Verlassen sie ihren Wohnort länger als 24 Stunden, müssen sie die örtlichen Ärzte darüber informieren.

Die fehlende Wertschätzung führt dazu, dass sich die Hebammen zusammenschließen. Sie verhandeln seither ihre Belange gemeinsam. Sie treten auch ein für den Schutz und die Würde der Mütter und der Kinder.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen:
  • Michelle Rump (Erste Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen in Nordrhein-Westfalen)
  • Mirjam Peters (Professorin für Hebammen-Wissenschaft an der Hochschule in Bochum)
  • Tina Lüpertz (Hebamme in Köln)

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Autorin: Carolin Courts
Redaktion: Matti Hesse

Er verstand das Sehen: Alhazen, der vergessene Wissenschaftler

Er verstand das Sehen: Alhazen, der vergessene Wissenschaftler WDR Zeitzeichen 21.09.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 22.09.2099 WDR 5

Er erklärt als Erster, wie Sehen wirklich funktioniert - mit Experimenten, Logik und Licht: der arabische Gelehrte Alhazen. Und gerät dennoch fast in Vergessenheit.

Über das Leben von Alhazen ist wenig bekannt. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden, die auch Eingang in spätere Biographien gefunden haben. Alhazen wirkte danach in Kairo am Hof des Kalifen al-Hakim, mit dem es angeblich aber zum Zerwürfnis kam. Alhazen wandte sich fortan ganz der Wissenschaft zu. Er schrieb mehr als 200 Bücher zu den unterschiedlichsten Themenfeldern: Mathematik, Astronomie, über das Licht der Sterne, Medizin, Meteorologie, Theologie und Philosophie. Ein Universalgelehrter, geboren vor fast 1.000 Jahren. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir mit Peter Adamson gesprochen, US-amerikanischer Professor für spätantike und arabische Philosophie in München und am Kings-College in London.***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • warum Alhazen dem Kalifen von Kairo angeblich eine Geisteskrankheit vortäuscht,
  • welch unglücklicher Umstand der Legende zufolge Alhazen anregt, über das Licht zu forschen,
  • welche Erkenntnisse Alhazen aus Experimenten mit einer Camera Obscura gewinnt,
  • wie Alhazen mit seinen Forschungen die Grundsteine bis heute angewandter Experimentalphysik legt.

Alhazen wird um das Jahr 965 in Basra, im heutigen Irak, geboren. Anscheinend ist er aber vor allem in Kairo tätig, das im Mittelalter ein wichtiger Ort für die Wissenschaften ist.

Weil Alhazen sich mit seinem Vorhaben, einen Nil-Staudamm zu bauen, übernimmt, kommt es zum Zerwürfnis mit dem Kalifen. So jedenfalls behauptet es eine Legende. Alhazen kommt demnach in Hausarrest. Alhazen verwandelt sein Gefängnis in ein Forschungslabor und widmet sich fortan ungestört seinen bahnbrechenden Experimenten, vor allem auf dem Gebiet des Sehens.

Akribisch dokumentiert Alhazen in seinem Werk "Buch der Optik", wie er schrittweise die Geheimnisse des Lichts und des menschlichen Auges erschließt. Er hat bereits erste Ideen zu einer Brille, die aber erst 300 Jahre später in Europa vom Mönch Roger Bacon erfunden wird. Alhazen selbst konstruiert die erste Camera Obscura, den Urahn des Fotoapparats, sowie "gläserne Lesesteine" - was einige bis heute behaupten lässt, er habe die Lupe oder sogar die Brille erfunden. Das stimmt so nicht, aber eventuell hat er andere durch sein Werk zu diesen Erfindungen angestiftet.


Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Peter Adamson, Professor für spätantike und arabische Philosophie in München und am Kings-College in London.
  • David C. Lindberg: Auge und Licht im Mittelalter. Die Entwicklung der Optik von Alkindi bis Kepler. Frankfurt / Main 1987
  • Hans Belting: Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks. München 2008.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Marko Rösseler
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Die Rainbow-Warrior-Affäre: mit Sprengstoff gegen Atomprotest

Die Rainbow-Warrior-Affäre: mit Sprengstoff gegen Atomprotest WDR Zeitzeichen 20.09.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 21.09.2099 WDR 5

Ein Schiff versenkt, ein Aktivist tot, ein Minister stürzt. Am 20.9.1985 wird klar: Frankreichs Geheimdienst steckt hinter dem Anschlag auf das Greenpeace-Schiff.

1985 testet Frankreich noch immer Atomwaffen in seinen Überseegebieten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace will das nicht hinnehmen und schickt ihr Schiff "Rainbow Warrior" in den Pazifik. Um die Greenpeace-Kampagne zu verhindern, lässt Frankreich das Schiff im Hafen von Auckland versenken. Doch der Sabotageakt fliegt auf und löst eine internationale Krise aus. *** für dieses Zeitzeichen haben wir mit Andreas Biedermann und Benedikt Hoffmann gesprochen, die beide im Juli 1985 zur Besatzung der Rainbow Warrior gehörten ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • wie die USA in den 1950er Jahren mit Atomwaffentests das Atoll Rongelap verseuchen,
  • über die Evakuierung der Bevölkerung durch Greenpeace,
  • wie die Besatzung die Explosionen auf der "Rainbow Warrior" im Hafen erlebt hat,
  • dass Mitglieder eines Segelclubs die entscheidenden Hinweise zur Aufklärung des Anschlags gegeben haben,
  • warum der Anschlag Greenpeace am Ende sogar stärkte.

Es ist das französische Watergate: Am 10. Juli 1985 sinkt die Rainbow Warrior im Hafen von Auckland. Das Greenpeace-Schiff wollte von dort aus gegen französische Atomtests im Pazifik protestieren. Beim Untergang der "Rainbow Warrior" stirbt der Fotograf Fernando Pereira.

Neuseeland startet eine groß angelegte Polizeiaktion, um die Hintergründe zu klären. Bald wird klar: Es handelt sich um einen gezielten Anschlag, dessen Spuren direkt zum französischen Geheimdienst führen. Die Weltöffentlichkeit ist fassungslos, die Verantwortlichen in Paris streiten lange ab, davon gewusst zu haben.

Doch die Beweise sind erdrückend: Am 20. September 1985 treten Verteidigungsminister Charles Hernu und Geheimdienstchef Pierre Lacoste treten zurück. Und zwei Tage später gibt Frankreich auch offiziell zu, dass sein Geheimdienst das Greenpeace-Schiff auf Befehl versenkt hat. Bis heute ist unklar, ob Präsident François Mitterand von den Anschlagsplänen wusste.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Andreas "Andy" Biedermann, im Juli 1985 Schiffsarzt auf der Rainbow Warrior
  • Benedikt "Benne" Hoffmann, im Juli 1985 Zweiter Offizier auf der Rainbow Warrior
  • The Sunday Times Insight Team: Rainbow Warrior. The French attempt to sink Greenpeace. Hutchinson 1986.

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Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa İnci Suvak
Technik: Moritz Raestrup

Protest gegen Leerstände: in Frankfurt startet der "Häuserkampf"

Protest gegen Leerstände: in Frankfurt startet der "Häuserkampf" WDR Zeitzeichen 19.09.2025 14:38 Min. Verfügbar bis 20.09.2099 WDR 5

Am 19.9.1970 verschafft sich eine Gruppe junger Menschen Zutritt zu einem leerstehenden Gebäude in der Frankfurter City: die erste Hausbesetzung in Westdeutschland.

"Für den Eigentümer ist das Haus ein Spekulationsobjekt, für uns ist es dringend benötigter Wohnraum", schreiben die Hausbesetzer der Eppsteiner Straße 47 auf einem Plakat. Die Besetzer sind eine bunte Gruppe aus Auszubildenden, Studierenden und Arbeitenden mit Migrationsgeschichte. Doch was für sie sozialer Protest ist, gilt juristisch als Straftat. Das bewusste Verkommenlassen von Wohnungen ist hingegen seinerzeit legal. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen mit dem Historiker Alexander Sedlmaier gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Arp:
  • wie Zeitungen gegen Schlagstöcke schützen können,
  • über Hausbesetzungen in der DDR,
  • dass Angela Merkel zeitweise "schwarz" gewohnt hat,
  • warum es trotz Wohnungsmangel heute kaum noch Hausbesetzungen gibt.

Sie kommen mit Eimern, Putzlappen, Werkzeug und Farbe: Die Besetzer der Altbauvilla in der Eppsteiner Straße 47 im Frankfurter Westend reparieren Heizungen, Toiletten, Parkett und streichen die Wände in den verlassenen Wohnungen.

Damit durchkreuzen sie die Strategie der sogenannten "Entmietungen" im Westend – eine Praxis, bei der Mieter so lange schikaniert werden, bis sie ausziehen. Die leer stehenden Wohnungen werden zu Spekulationsobjekten, bereit zum Abriss und Verkauf an den Meistbietenden, damit darauf moderne Türme entstehen können.

Die Besetzer finden breite Unterstützung in der Bevölkerung – und Nachahmer in Berlin, Hamburg und Köln. Der Häuserkampf wird zunehmend politischer und eskaliert: Demonstranten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei, die besetzten Gebäude werden gewaltsam geräumt.

In Frankfurt hat sich der Kampf gelohnt. Das erste besetzte Haus in der Eppsteiner Straße bleibt stehen, auch das Westend bleibt – zumindest teilweise – ein Wohngebiet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviepartner:
  • Alexander Sedlmaier, Historiker, Bangor University
  • Til Schulz, Besetzer und Zeitzeuge
  • Rene Rösler, Besetzer und Zeitzeuge

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Autorin: Anja Arp
Redaktion: Christoph Tiegel / David Rother

Millionärstochter mit Maschinenpistole: Patty Hearst

Millionärstochter mit Maschinenpistole: Patty Hearst WDR Zeitzeichen 18.09.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 19.09.2099 WDR 5

Die USA rätseln: Ist Patricia Hearst Opfer einer Gehirnwäsche oder eine knallharte Terroristin? Als die Erbin eines Medienimperiums am 18.9.1975 befreit wird, wird sie direkt festgeommen.

Die wohlbehütete Patty Hearst konvertiert vor den Augen der US-Öffentlichkeit vom Entführungsopfer zur linksextremen Revolutionärin. Nach ihrer Festnahme behauptet sie, dass sie unter Druck einer Gehirnwäsche ausgesetzt war. Sie sei die ganze Zeit Opfer und nie Täterin gewesen. Das Gericht verurteilt sie dennoch zu einer langen Haftstrafe, der US-Präsident begnadigt sie später. Und Hollywood hat Stoff für einen neuen Film *** Das sind unsere Quellen: O-Töne des damaligen USA-Korrespondenten Ulrich Schiller ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • wie die Kunststudentin Patty Hearst im Februar 1974 brutal entführt wird,
  • warum die Kidnapper Lebensmittel statt Geld fordern,
  • wer sich hinter der Terroreinheit SLA verbirgt,
  • ob Patty Hearst unter dem umstrittenen "Stockholm Syndrom" gelitten hat.

Patricia "Patty" Campbell Hearst, geboren 1954 in San Francisco, ist die Enkeltochter des mächtigen Medienmoguls William Randolph Hearst. Die Familie ist sehr reich, sehr katholisch-konservativ und mit den Spitzen der US-Politik eng verbunden. Damit ist Patty Hearst das ideale Entführungsopfer, das maximale mediale Aufmerksamkeit verspricht.

Am 4. Februar 1974 überwältigen zwei Männer und eine Frau der Terrorgruppierung SLA Patty Hearst in ihrem Studentenappartement: "Du bist verhaftet für die Verbrechen, die deine Familie dem Volk zugeführt hat!", rufen die Linksextremisten der Kunststudentin entgegen.

Wochenlang bleibt Patty Hearst in einem dunklen Schrank eingesperrt. Dann lässt sie verlauten, dass sie fortan als Tanya mit ihren Entführern für die Freiheit aller unterdrückten Völker kämpfen werde. Überwachungskameras zeigen sie bald bei einem Banküberfall, eine Maschinenpistole im Anschlag.

Gut 19 Monate nach ihrer Entführung, am 18. September 1975, wird Patty Hearst befreit - und festgenommen. Ob sie nur Opfer oder auch Täterin ist, darüber wird jahrelang gestritten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Patricia Campbell Hearst, Alvin Moscow: Every Secret Thing. Doubleday, New York 1981.
  • Jeffrey Toobin: American Heiress: The Wild Saga of the Kidnapping, Crimes and Trial of Patty Hearst. New York 2016.

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Frank Zirpins

Solidarnosc: Aufstieg und Fall einer Bewegung

Solidarnosc: Aufstieg und Fall einer Bewegung WDR Zeitzeichen 17.09.2025 14:35 Min. Verfügbar bis 18.09.2099 WDR 5

Es ist eine Massenbewegung: Gewaltfrei will "Solidarität" für mehr Freiheiten für die Menschen in Polen kämpfen – ihre Gründung am 17.9.1980 besiegelt das Ende des Kommunismus.

Das kommunistische Polen in den 80er-Jahren. Dort kämpft die Demokratiebewegung um die Gewerkschaft Solidarnosc für Freiheiten – mit Demos und Streiks. Gegründet wird die Solidarnosc am 17. September 1980. Das Datum gilt als Anfang vom Ende des Kommunismus in Osteuropa. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Agnieszka Zaganczyk-Neufeld, Historikerin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • dass Versorgungsengpässe die eigentliche Ursache der Streiks sind,
  • warum Karol Wojtyla für Polens Befreiungs-Geschichte zum Glücksfall wird,
  • die Geschichte hinter dem Riesen-Kugelschreiber beim Danziger Abkommen,
  • warum Solidarnosc 1982 verboten und sieben Jahre später doch wieder zugelassen wird,
  • wie die Gewerkschaft dem eigenen Erfolg zum Opfer fällt.

Polen, 14. August 1980: Die Arbeiter der Danziger Lenin-Werft legen ihre Arbeit nieder. Sie protestieren gegen die Entlassung von Anna Walentynowicz, einer aufmüpfigen Kranführerin, und fordern Lohnerhöhungen. In den folgenden Tagen bildet sich ein Streikkomitee, an dessen Spitze der vier Jahre zuvor entlassene Elektriker Lech Walesa steht.

Als dieser Ende August das Danziger Abkommen unterzeichnet, ist das die Geburtsstunde der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc ("Solidarität"). Erstmals wird im Ostblock eine unabhängige Gewerkschaft anerkannt. Am 17. September 1980 gründet sich die Solidarnosc offiziell.

Es folgen 500 Tage der Freiheit in Polen. Mit vielen Streiks: für die Freilassung politischer Gefangener, gegen Preiserhöhungen, für die Abschaffung der Samstagsarbeit. Die Gründung der Gewerkschaft gilt als ein Meilenstein beim Untergang des Sowjetimperiums. Bis zu zehn Millionen Mitglieder gehören in Hochphasen der Solidarnosc an.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Agnieszka Zaganczyk-Neufeld, Historikerin (Ruhr-Universität Bochum)
  • Agnieszka Zaganczyk-Neufeld: Die geglückte Revolution. Das Politische und der Umbruch in Polen 1976-1997. Paderborn 2014

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Autor: Heiner Wember
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Moritz Raestrup

Gottvertrauen und Pioniergeist: Die "Mayflower" auf großer Fahrt

Gottvertrauen und Pioniergeist: Die "Mayflower" auf großer Fahrt WDR Zeitzeichen 16.09.2025 14:08 Min. Verfügbar bis 17.09.2099 WDR 5

Die Überfahrt mit der "Mayflower" war eng, stinkend, gefährlich - und doch der Beginn eines der mächtigsten Gründungsmythen der USA. Am 16.9.1620 sticht sie in See.

Mit 102 Passagieren an Bord bricht die "Mayflower" am 16.09.1620 nach Amerika auf. Obwohl es sich nicht nur um Männer handelt, werden diese Siedler oft als "Pilgerväter" bezeichnet. Ihr religiöses Erbe, ihr Mut zum Widerspruch und die Entscheidungen, die sie nach der Ankunft auf dem anderen Kontinent treffen, machen sie zu einem wichtigen Teil des US-amerikanischen Gründungsmythos. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Britta Waldschmidt-Nelson (Historikerin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer:
  • warum viele religiös Abtrünnige Anfang des 17. Jahrhunderts nach Holland fliehen,
  • warum sich die Abfahrt der "Mayflower" mehrfach verzögert,
  • vom "Mayflower"-Vertrag und welche große Bedeutung ihm bis heute zugeschrieben wird,
  • von der "Mayflower II", dem einzig originalgetreuen Nachbau des historischen Schiffs.

Von Anfang an steht die Reise unter keinem guten Stern. Weil ein Proviantschiff ausfällt, betreten am 16. September 1620 mehr als 100 protestantische Separatisten den eigentlich als Frachter gebauten Zweimaster "Mayflower". Von der englischen Stadt Plymouth aus segeln die Auswanderer ins Ungewisse. Sie wollen in der nordamerikanischen Wildnis eine Kolonie gründen.

Die Atlantik-Überquerung wird zu einer Odyssee. Auf dem Schiff ist es quälend eng, außerdem lassen wütende Stürme tragende Balken bersten. Nach 65 Tagen erreicht die "Mayflower" endlich die Küste von Neu-England - weit weg von ihrem eigentlichen Ziel Virginia.

Im ersten Winter stirbt jeder zweite der frommen Siedler an Hunger, Kälte und Erschöpfung. Und auch die übrigen Kolonisten hätten keine Überlebenschance gehabt, wären ihnen nicht die Ureinwohner zu Hilfe gekommen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts werden elf Millionen Menschen den Pilgern nach Amerika folgen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Britta Waldschmidt-Nelson, Historikerin (Universität Augsburg)
  • Michael Hochgeschwender, Historiker (Ludwig-Maximilians-Universität München)
  • Whit Perry, Kapitän der "Mayflower II"
  • William Bradford: Of Plymouth Plantation, 1620-1647. New York, 1952
  • Dwight B. Heath (Hrsg.): Mourt’s Relation. A Journal of the Pilgrims at Plymouth. Bedford, 1963
  • Nathaniel Philbrick: Mayflower. A Story of Courage, Community, and War. Detroit, 2007
  • Jill Lepore: Diese Wahrheiten. Eine Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. München, 2019

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Autor: Tobias Sauer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sascha Schiemann

Agatha Christie: als Krimiautorin mörderisch gut und praxisnah

Agatha Christie: als Krimiautorin mörderisch gut und praxisnah WDR Zeitzeichen 15.09.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 16.09.2099 WDR 5

Am 15.9.1890 wird Agatha Christie geboren. Die "Queen of Crime" begeistert bis heute viele Leser und Kinogänger - darunter auch echte Kriminalbiologen wie Mark Benecke.

Sie ist die Königin des Verbrechens: Agatha Christie schreibt in 60 Jahren 66 Krimis, über 150 Kurzgeschichten und etwa 30 Theaterstücke. Mit einer Auflage von weit über zwei Milliarden gilt sie als erfolgreichste Kriminalautorin der Welt. Ihr Werk und ihre Helden wie der kauzige Meisterschnüffler Hercule Poirot und die schrullige Amateurdetektivin Miss Marple inspirieren bis heute Autoren sowie Film- und Fernsehproduzenten. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Mark Benecke (Kriminalbiologe und Autor) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Steffi Tenhaven:
  • wie realitätsnah Agatha Christies Romane Kriminaltechnik und Rechtsmedizin beschreiben,
  • warum Fingerabdrücke in der Forensik eine so wichtige Rolle spielen,
  • wie gut sich Agatha Christie mit Giften auskannte,
  • warum ein Kleinkind den Christie-Krimis sein Leben verdankt.

Sie schätzt es, ihre Opfer auf möglichst saubere und gepflegte Weise zu erledigen. Deshalb zieht Agatha Christie den Giftmord allen übrigen Meuchel-Methoden vor. Während des Ersten Weltkrieges hat sie sich als junge Apotheker-Assistentin ein beachtliches Wissen über Arsen, Strychnin und Blausäure angeeignet. So handelt bereits ihr erster Krimi, der zu dieser Zeit entsteht, von einem Giftmörder, dem der belgische Privatdetektiv Hercule Poirot das Handwerk legen muss. Neben dem arroganten Meisterschnüffler Poirot erobert vor allem die schrullige Hobby-Detektivin Miss Marple die Herzen der Krimi-Fans.

Geboren wird die Erfolgsautorin am 15. September 1890 im mondänen englischen Seebad Torquay. Agatha geht nicht zur Schule, wird stattdessen von der Mutter unterrichtet. Geschadet hat das ihrer Karriere nicht: Agatha Christie, eine Meisterin der Ablenkungsmanöver und falschen Fährten, avanciert zur erfolgreichsten Krimiautorin der Welt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Mark Benecke (Kriminalbiologe und Autor)
  • Laura Thompson: Agatha Christie - Das faszinierende Leben der großen Kriminalschriftstellerin (2012)
  • Carla Valentine: Mord ist eine Wissenschaft. Was schon Agatha Christie über Rechtsmedizin wusste (2022)

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Autorin: Steffi Tenhaven
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
Technik: Nicolas Dohle

Dom Pérignon: Der Mönch und der Champagner-Mythos

Dom Pérignon: Der Mönch und der Champagner-Mythos WDR Zeitzeichen 14.09.2025 15:43 Min. Verfügbar bis 15.09.2099 WDR 5

Dom Pérignon gilt als Erfinder des Champagners. Warum das nicht stimmt - und der Mönch (gestorben am 14.9.1715) dennoch zur Legende wurde.

Dom Perignon hat nie ein Getränk verkostet, das heute als Champagner bezeichnet werden dürfte. Die Bläschen im Glas hat er sogar für einen Makel gehalten. Und doch hat der am 14.09.1715 verstorbene Ordensmann als Kellermeister Maßstäbe gesetzt, die bis heute gelten. Ohne Dom Perignon wäre aus dem Wein der Champagne wohl nie ein "Champagner" geworden. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Otto Geisel, Weinsachverständiger ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Raoul Mörchen:
  • warum der französische Mönch Dom Pérignon den Champagner nicht erfunden hat
  • wie der Name Dom Pérignon dennoch zur Weltmarke wird,
  • wie aus fehlerhaftem Wein ein Luxusprodukt entsteht,
  • welchen Jahrgang vom Dom Pérignon James Bond am liebsten trinkt,
  • warum so viele Champagner deutsche Namen tragen,
  • und dass einige der besten „Champagner“ heute aus Deutschland kommen.

Schon im 18. Jahrhundert ist die Champagne für ihre berühmten Weißweine bekannt. Aber der Erfolg eines Jahrgangs ist noch ein Zufallsprodukt. Ändern will das der Benediktinermönch Dom Pérignon, der im Kloster Hautvillers als Kellermeister arbeitet und für die Weinproduktion verantwortlich ist.

Mithilfe seines ausgezeichneten Geschmacksinns wählt er die Trauben aus, die zusammen verarbeitet werden dürfen, um durch den Verschnitt die Weine zu veredeln. Gleichzeitig findet er heraus, dass man die Qualität eines Weines steigern kann, wenn man zuvor den Ertrag am Rebstock reduziert. Er führt auch den gesicherten Korken und dickwandigere Flaschen ein. So kann der Champagne-Wein auch im noch prickelnden Zustand angeboten werden.

Nach dem Tod von Dom Pérignon am 14. September 1715 perfektionieren seine Nachfahren seine Methoden. Den Champagner regelrecht erfunden hat der Mönch zwar nicht, ist aber so etwas wie sein geistiger Vater. Mittlerweile ist aus der einstigen Person längst der Mythos Dom Pérignon geworden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Otto Geisel, Weinsachverständiger und Kritiker-Chef des "Gault Millau"
  • Volker Raumland, führender deutscher Sektproduzent
  • Reinhard Pietsch und Manfred Weber-Lamberdière: Champagner - Eine deutsch-französische Affäre. München 2018
  • Tom Stevenson: Champagner. München 1988

Weiterführender Link:
  • Perlen im Glas: Eine Reise durch die Welt des Schaumweins

Hörtipp:
  • Unser Hörtipp: Istd er Champagner seinen PReis wert? Helmut Gote hat Champagner-Geheimtipps aus der Champagne mitgebracht in die "Alles in Butter"-Folge zum Champagner.

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Raoul Mörchen
Redaktion: Matti Hesse

Cesare Borgia, der skrupellose Fürst der Renaissance

Cesare Borgia, der skrupellose Fürst der Renaissance WDR Zeitzeichen 13.09.2025 14:24 Min. Verfügbar bis 14.09.2099 WDR 5

Von Machiavellis "Fürst" bis zu TV-Serien wie "House of Cards", die Figur des gnadenlosen Machtmenschen hat ein Vorbild: Cesare Borgia, geboren am 13.9.1475.

Ämterkauf, Vetternwirtschaft, sexuelle Zügellosigkeit und Mord: Der Name der Borgia-Dynastie steht vor allem für den Verfall des Papsttums im 15. Jahrhundert. Rodrigo Borgia treibt es als Alexander VI. besonders bunt. Und sein unehelicher Sohn Cesare tritt ganz in seine Fußstapfen. *** Als Quelle für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem genutzt: Susanne Schüller-Piroli: Borgia. Die Zerstörung einer Legende, die Geschichte einer Dynastie. Olten, 1963 ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Hans Conrad Zander:
  • dass Cesare Borgia freiwillig seine kirchliche Karriere beendet,
  • warum er eigenhändig seinen Schwager ermordet,
  • von einer Mega-Orgie im Vatikan,
  • warum bis heute nicht geklärt ist, ob Cesares Vater durch Gift oder Malaria stirbt.

Cesare Borgia wird am 13. September 1475 als einer von vier unehelichen Söhnen von Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexander VI., geboren. Er profitiert seit dem ersten Tag von der Skrupellosigkeit und Vetternwirtschaft des Borgia-Clans, einer aus Spanien stammenden Adelsfamilie. Schon im Kindesalter überträgt ihm der machtbewusste Vater kirchliche Pfründe und macht später als Papst gegen den Widerstand zahlreicher Kirchenfürsten seinen Sohn zum Kardinal.

Cesare Borgia geht zur Erreichung seiner Ziele über Leichen, möglicherweise auch in der eigenen Familie. Nach dem gewaltsamen Tod seines Bruders Juan gilt er als Hauptverdächtiger, doch stichhaltige Beweise fehlen. Man unterstellt ihm sogar Blutschande mit der eigenen Schwester Lucrezia, doch dürfte es sich dabei eher um ein von Gegnern der Borgia gestreutes Gerücht handeln.

Als Feldherr erobert Cesare Ende des 15. Jahrhunderts Teile Norditaliens, doch der Tod seines Vaters ändert sein Leben radikal. Cesare Borgia stirbt mit 31 Jahren als Söldnerführer in den Pyrenäen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Susanne Schüller-Piroli: Borgia. Die Zerstörung einer Legende, die Geschichte einer Dynastie. Olten 1963
  • Bruno Moser (Hgb.): Das Papsttum. Epochen und Gestalten. München 1983

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Autor: Hans Conrad Zander
Redaktion: Sefa İnci Suvak

Der Militärputsch in der Türkei 1980, der bis heute nachwirkt

Der Militärputsch in der Türkei 1980, der bis heute nachwirkt WDR Zeitzeichen 12.09.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 13.09.2099 WDR 5

Am frühen Morgen des 12.9.1980 übernimmt das türkische Militär die Kontrolle über das Land. Der Putsch verändert die Türkei bis heute – und hat auch Auswirkungen auf Deutschland.

Unter dem Druck der neuen Militärregierung verlassen viele Türkinnen und Türken 1980 ihr Land, Zehntausende gehen nach Deutschland. Kanzler Helmut Kohl wirbt mit einer Rückkehrprämie von 10.500 D-Mark für alle, die zurück in die Türkei gehen. Der Erfolg ist mäßig, müssen die Exilanten doch bei der Rückkehr mit Strafen rechnen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Maurus Reinkowski, Islamwissenschaftler, Universität Basel ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Edda Dammmüller:
  • warum das Militär in der Türkei wiederholt putscht,
  • von Folter und Todesurteilen nach dem Putsch,
  • warum der Westen den Machtwechsel begrüßt,
  • wie der Putsch die Gemeinschaft der Türken in Deutschland verändert.

1980 steckt die Türkei in einer tiefen Krise: Die linksgerichtete Republikanische Volkspartei und die Rechts-Zentristen blockieren sich im Parlament. Auf der Straße kämpfen Rechte gegen Linke, Türken gegen Kurden, Sunniten gegen Aleviten, Strenggläubige gegen säkular Gesinnte. Fast jeden Tag gibt es Tote.

Am Morgen des 12. September 1980 greift das Militär ein. Es sieht sich als Wächter des Staates, der dafür Sorge trägt, dass die Republik im Sinne von Atatürk geschützt wird. Generalstabschef Kenan Evren und seine Leute lösen das Parlament und die Parteien auf, die Presse wird blockiert. Die neuen Machthaber schränken die Grundrechte der Bürger ein, Oppositionelle werden bekämpft.

Der Putsch führt zu einem politischen Rechtsruck in der Türkei und bereitet letztlich den Boden für den Aufstieg von Recep Tayyip Erdoğan und seiner AKP, die seit 2002 unablässig regiert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Maurus Reinkowski, Islamwissenschaftler, Universität Basel
  • Prof. Haci Halil Uslucan, Psychologe, Leiter des Zentrums für Türkei-Studien, Universität Duisburg-Essen
  • Maurus Reinkowski: Geschichte der Türkei. Von Atatürk bis zur Gegenwart. Hamburg 2021
  • Cengiz Günay: Die Geschichte der Türkei von den Anfängen der Moderne bis heute. Frankfurt 2012
  • Udo Steinbach: Geschichte der Türkei. München 2010

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Autorin: Edda Dammmüller
Redaktion: Viviane Jelenc und David Rother
Technik: Sarah Fitzek

Der skandalöse Fluch der Lady Chatterley: David Herbert Lawrence

Der skandalöse Fluch der Lady Chatterley: David Herbert Lawrence WDR Zeitzeichen 11.09.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 12.09.2099 WDR 5

Am 11.9.1885 wird der Autor D. H. Lawrence geboren. "Lady Chatterley's Lover", sein Roman über Liebe, Freiheit und Körperlichkeit, macht ihn weltberühmt – und berüchtigt.

Sein Thema ist die Liebe und die Beziehung zwischen den Geschlechtern – und zwar jenseits aller geltenden Konventionen. David Herbert Lawrence beschreibt Anfang des 20. Jahrhunderts, was hinter geschlossenen Schlafzimmertüren passiert. Damit provoziert der umtriebige Schriftsteller Skandale und ruft die Zensur auf den Plan. *** Für deses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Christa Jansohn, Anglistin, Universität Bamberg ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • vom gewaltbereiten Vater und der eifersüchtigen Mutter von David Herbert Lawrence,
  • dass er seine Heimat "den schweren grauen Sarg England" nennt – und ständig umzieht,
  • warum sich manche Übersetzer mit seinen Werken so schwer tun,
  • wie viel Autobiografisches in seinen Skandalromanen steckt.

Geboren wird David Herbert Lawrence am 11. September 1885 in der Nähe von Nottingham. Den Lehrerberuf muss er nach einer Tuberkulose-Erkrankung an den Nagel hängen. Fortan widmet er sich dem Schreiben. Inspiriert von Sigmund Freuds viel diskutierter Psychoanalyse rückt Lawrence die weibliche Sexualität in den Fokus seiner Geschichten – und sorgt für Wirbel im prüden England.

Schon sein Roman "Der Regenbogen" wird 1915 wegen Obszönität für die Dauer des Krieges in England verboten. Das hält Lawrence nicht davon ab, sich noch detaillierter der weiblichen Lust zu widmen. In "Lady Chatterleys Liebhaber" unterhält die Ehefrau mit dem Wildhüter des Gatten eine erotische Affäre. Die Polizei lässt 1928 alle greifbaren Exemplare des als Privatdruck in Italien veröffentlichten Romans vernichten.

Erst 1960 geht "Lady Chatterleys Liebhaber" unzensiert über den Ladentisch, 30 Jahre nach David Herbert Lawrences Tod.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Christa Jansohn, Anglistin, Universität Bamberg
  • Richard Aldington: D. H. Lawrence. Reinbek 1989
  • Dieter Wellershoff: Der verstörte Eros. Zur Literatur des Begehrens. Köln 2001
  • D. H. Lawrence: Nimm mein Wort in die Hand. Gedichte. München 2018
  • D. H. Lawrence: Vögel, Blumen und wilde Tiere. Gedichte. Bonn 2000

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Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Christine Reinartz

Wiederentdecker Babylons: Archäologe Robert Koldewey

Wiederentdecker Babylons: Archäologe Robert Koldewey WDR Zeitzeichen 10.09.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 11.09.2099 WDR 5

Jahrelang gräbt Robert Koldewey (geb. 10.9.1855) sich bei glühender Hitze durch Lehm. Ihm gelingt die Sensation: Er findet das antike Babylon - und den legendären Turm zu Babel.

Hunderte Kisten mit Scherben schickt Robert Koldewey Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Gegend um Euphrat und Tigris nach Berlin: Fundstücke aus der antiken Stadt Babylon, die Koldewey im Auftrag des deutschen Kaisers freilegt. Aus den Bruchstücken wird später das Ischtar-Tor rekonstruiert, bis heute eines der Wahrzeichen des Pergamon-Museums. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Barbara Helwing, Direktorin Vorderasiatisches Museum, Berlin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • dass Robert Koldewey ein verschrobener Charakter mit Sinn für Humor ist,
  • wie drei kleine Fragmente glasierter Ziegel über seine Zukunft entscheiden,
  • über Koldeweys medizinische Selbstversuche,
  • warum er bis heute als Pionier der archäologischen Bauforschung gilt,
  • wie aus den ausgegrabenen Scherben in Berlin das Ischtar-Tor zusammengesetzt wird.

Kaiser Wilhelm II. möchte dem kolonialen Zeitgeist entsprechend seine Museen in Berlin mit antiken Schätzen schmücken. Sein Mann für diesen Auftrag ist Robert Koldewey, ein Architekt und Stadtplaner mit einer großen Leidenschaft für Archäologie.

Ziel der Ausgrabungen ist nichts Geringeres als Babylon, bekannt aus der Bibel und vom Turmbau zu Babel. Ende des 19. Jahrhunderts ist von der einstigen Weltmetropole allerdings außer ein paar Lehmhügeln nichts mehr sichtbar.

Robert Koldewey schabt und kratzt, bis die Hügel Strukturen freigeben. Bald legen mit ihm 200 Arbeiter akribisch Teile des antiken Babylon frei. Doch als die Engländer im Ersten Weltkrieg das Gebiet erobern, muss Koldewey zurück nach Berlin. Dort stirbt er am 10. September 1925.

Das ist unsere Interviewpartnerin:
  • Barbara Helwing, Direktorin Vorderasiatisches Museum, Berlin

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Autor: Marko Rösseler
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

Uns Uwe: "Das Schönste auf der Welt ist, normal zu sein"

Uns Uwe: "Das Schönste auf der Welt ist, normal zu sein" WDR Zeitzeichen 09.09.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 10.09.2099 WDR 5

Am 9.9.1970 spielt Uwe Seeler sein letztes Länderspiel, bald darauf ist auch Schluss beim HSV. Und doch gibt Uns Uwe den Menschen in Hamburg sehr viel – bis heute.

Geboren wird Uwe Seeler am 5. November 1936 in eine bescheidene, aber liebevolle Familie hinein. Auf dem Fußballplatz wird er zum ersten deutschen Superstar, doch seine Bodenständigkeit prägt ihn ein Leben lang. Auch abseits des Rampenlichts bleibt er skandalfrei, arbeitet zeitweise als Sportwarenvertreter. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderen gesprochen mit: Alexander Bleick, NDR-Sportreporter ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • wie Uwe Seeler auf der Straße das Kicken lernt,
  • von seinem sensationellsten Tor,
  • wie er es trotz Achillessehnen-Riss wieder aufs Spielfeld schafft,
  • von Seelers Ehe mit seiner Frau Ilka, die mehr als 60 Jahre besteht.

Im Sommer 1946 meldet der Vater Uwe Seeler beim Hamburger SV an. Fortan radelt der Neunjährige 13 Kilometer auf einem viel zu großen Herrenrad zum Training, egal ob es regnet oder schneit. Schnell wird aus dem "kleinen Dicken", wie ihn Freunde und Trainer rufen, ein großer Hoffnungsträger.

Dank Uwe Seeler holt der HSV 1960 die deutsche Meisterschaft. Uwe Seeler wird zum ersten "Fußballer des Jahres" gewählt, die Fans lieben den Nationalspieler auch wegen seiner Bodenständigkeit. Ein Angebot von Inter Mailand lehnt er ab. "Mehr als ein Steak am Tag kann ich nicht essen", argumentiert Seeler.

Nach der WM in Mexiko verabschiedet sich Uwe Seeler am 9. September 1970 aus der Nationalmannschaft, zwei Jahre später auch vom HSV. "Uns Uwe" bleibt über seinen Tod im Juli 2022 hinaus der Liebling der Hamburger.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Alexander Bleick, Sportreporter beim NDR
  • Uwe Seeler: Danke Fußball. Mein Leben, Hamburg 2003
  • NDR-Sondersendung zum 65. Geburtstag von Uwe Seeler vom 4. November 2001

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Autor: Burkhard Hupe
Redaktion: Matti Hesse

Peter Sellers: Monty Pythons Comedy-Vorbild

Peter Sellers: Monty Pythons Comedy-Vorbild WDR Zeitzeichen 08.09.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 09.09.2099 WDR 5

Mit einem Trick schafft Sellers (geb. am 8.9.1925) es ins Radio, als Pink-Panther-Inspektor Clouseau nach Hollywood. Er ist ein Meister der Imitation, dem der Ruhm zusetzt.

Bevor Peter Sellers als Inspektor Clouseau weltberühmt wird, tobt er sich im Radio aus: In der legendären "Goon Show" leiht er unzähligen Stimmen und Figuren Gestalt- eine schräge Mischung, die später "Monty Python’s Flying Circus" inspiriert. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen mit: Hennes Bender, Comedian und Professor Johannes Binotto, Kultur- und Medienwissenschaftler, Hochschule Luzern ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Axel Naumer:
  • warum Peter Sellers schon als Kind alle Stimmen der BBC nachsprechen kann,
  • weshalb er in Stanley Kubricks "Dr. Seltsam" gleich drei Rollen gleichzeitig spielt,
  • wie er in der Muppet-Show Kermit erklärt, dass er unmöglich er selbst sein könne,
  • weshalb "Der Partyschreck" heute eher irritiert als amüsiert,
  • und wie ausgerechnet ein stiller Gärtner in "Being There" zur Rolle seines Lebens wird.

Am 8. September 1925 wird Peter Sellers geboren - als Sohn einer Varietéfamilie. Zunächst macht er sich mit der legendären "Goon Show" im Radio einen Namen, bevor Hollywood ihn als trotteligen Inspektor Clouseau im "Pink Panther" entdeckt.

Doch Sellers kann weit mehr: In Stanley Kubricks "Lolita" verwandelt er sich in unheimliche Gestalten, in anderen Filmen parodiert er ganze Typenreihen und verschwindet dabei vollständig hinter seinen Masken.

Immer wieder stellt sich die Frage: Gibt es hinter all diesen Figuren überhaupt einen "echten" Sellers? Seine eigene, ironische Antwort lautet: "Es gab mal ein Ich - aber ich habe es chirurgisch entfernen lassen." Ein Schauspieler, der sich im Spiel selbst verliert - und gerade dadurch unvergesslich ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • DVD - The Peter Sellers Story… as he filmed it
  • DVD - The life and death of Peter Sellers
  • Ed Sikov: Mr. Strangelove: A Biography of Peter Sellers, London, 2002
  • Michael Seth Starr: Peter Sellers A Film History, North Carolina, 1991
  • Johannes Binotto: Die Maske hinter der Maske. Zur Komik von Peter Sellers, Basel 2002

Und das sind unsere Interviewpartner:
  • Hennes Bender, Comedian und Kenner der britischen Humor-Szene
  • Professor Johannes Binotto, Kultur- und Medienwissenschaftler, Hochschule Luzern

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Autor: Axel Naumer
Redaktion: Carolin Rückl und David Rother

Der moderne Vampir: John Polidori und seine unsterbliche Idee

Der moderne Vampir: John Polidori und seine unsterbliche Idee WDR Zeitzeichen 07.09.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 08.09.2099 WDR 5

Am 7. September 1795 wird John William Polidori in London geboren. Er stirbt jung, nur 25-jährig, hinterlässt aber mit "The Vampyre" das literarische Vorbild für Dracula & Co.

Schon kurz nach seinem Erscheinen sorgt Polidoris "Vampyr" auf den Theaterbühnen Europas für Aufsehen: ein bleicher Aristokrat, der Verführung und Schrecken zugleich verkörpert. Erfunden wird er 1816 in der Villa Diodati am Genfer See – in langen Nächten voller Gespenstergeschichten und Laudanum, das der kleinen Dichterrunde um Byron die Fantasie beflügelt. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen mit: Professor Dr. Hans Richard Brittnacher (Berlin, Experte für Phantastische Literatur)***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • wie aus einem serbischen Bauern ein aristokratischer Verführer wird,
  • warum Lord Byron mit einem Vampir verwechselt wird,
  • und wieso John William Polidori als Pechvogel in die Literaturgeschichte eingeht.

Am 7. September 1795 wird John Polidori in London geboren. Früh promoviert er in Medizin, doch er liebt die Literatur. Als Leibarzt begleitet er Lord Byron im Jahr 1816 auf dessen Reise nach Genf.

Dort, im verregneten "Jahr ohne Sommer", fordern sich die Dichter gegenseitig heraus, Gespenstergeschichten zu schreiben. Mary Shelley erschafft "Frankenstein". Polidori erfindet den "Vampyr" Lord Ruthven – bleich, charismatisch, verführerisch und tödlich. Damit verwandelt er den bäuerlichen Wiedergänger des Balkan-Volksglaubens in einen eleganten Aristokraten, der fortan die Salons heimsucht.

Doch der Ruhm bleibt dem jungen Autor versagt. Seine Erzählung erscheint zunächst unter Byrons Namen. Polidori verzockt sich im Leben und stirbt mit nur 25 Jahren. Sein Geschöpf aber wird unsterblich – und lässt die Welt bis heute nicht los.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Dr. Hans Richard Brittnacher (Berlin, Experte für Phantastische Literatur)
  • John Polidori: Der Vampyr, Berlin 2019.
  • John Polidori: The Diary of Dr. John William Polidori, Withorn, 2020.
  • D. L. Macdonald: Poor Polidori – A critical Biography of the Author of the Vampyre, Toronto 1991.
  • Hans Richard Brittnacher: Ästhetik des Horrors, Frankfurt a.M. 1994.
  • Claude Lecouteux: Die Geschichte der Vampire – Metamorphose eines Mythos, Düsseldorf 2008.
  • Basil Cooper: Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit, München 1974.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse
Technik: Theo Kramer

Als der Terror Flügel bekam: Der Skyjack-Sunday

Als der Terror Flügel bekam: Der Skyjack-Sunday WDR Zeitzeichen 06.09.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 07.09.2099 WDR 5

Am 6.9.1970 bringen Kommandos der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) vier Passagierflugzeuge in ihre Gewalt. Ihr Ziel: Mitstreiter freipressen und Aufmerksamkeit für ihren Kampf.

Im September 1970 eskaliert eine Serie von Flugzeugentführungen durch palästinensische Terroristen. Fast 400 Menschen sind in der Gewalt der PFLP, der Volksfront zur Befreiung Palästinas. Während in Washington, Bonn und Bern die Krisenstäbe tagen, schwitzen die Geiseln bei 40 Grad in den Flugzeugen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Annette Vowinckel, Professorin für Mediengeschichte am Leibniz-Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • wie der aufkommende Massentourismus und das Fernsehen Flugzeugentführungen für Terroristen interessant machen,
  • dass am 9. September ein fünftes Flugzeug entführt wird,
  • warum die PLO gegen die Entführungen ist,
  • worüber sich die Unterhändler innerhalb der westlichen Verhandlungsgruppe streiten.

Der "Skyjack Sunday" markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Serie von Flugzeugentführungen durch palästinensische Terroristen. An diesem Sonntag sitzen in vier Maschinen Terroristen der PFLP. Eine Entführung scheitert schnell, da mitfliegende Sicherheitsbeamte einen der Terroristen erschießen können. Seine aus früheren Aktionen bekannte Komplizin Leila Chaled wird überwältigt.

Um die Geiseln in den anderen Maschinen beginnt ein diplomatisches Tauziehen. Die westlichen Regierungen stecken in der Zwickmühle: Sollen sie hart bleiben oder den Forderungen der Palästinenser nachgeben und sich dauerhaft erpressbar machen? Die PFLP beharrt wiederum auf der Freilassung ihrer inhaftierten Komplizen. Es dauert drei Wochen, bis die letzten Geiseln freikommen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Annette Vowinckel, Professorin für Mediengeschichte am Leibnitz-Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam
  • Thomas Skelton-Robbinson, Historiker, Zürich
  • Annette Vowinckel: Flugzeugentführungen. Eine Kulturgeschichte. Göttingen 2011
  • Thomas Skelton-Robinson: The Road not taken. Crisis management, dialogues and deal-making with Palestinian Fedayeen Groups in the context of the Jordanian Triple-Hijacking incident of September 1970. In: Hänni/Riegler/Gasztold (Hg.):Terrorism in the Cold War. State Support in the West, Middle East and Latin America. IB Tauris, London 2020

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Martin Herzog
Redaktion: Frank Zirpins

Kinderrepublik statt Knast: Homer Lanes Pädagogik des Vertrauens

Kinderrepublik statt Knast: Homer Lanes Pädagogik des Vertrauens WDR Zeitzeichen 05.09.2025 14:37 Min. Verfügbar bis 06.09.2099 WDR 5

Der Pädagoge gründet Kinderrepubliken, in denen straffällige Jugendliche sich selbst regieren – mit Erfolg und Schattenseiten. Am 5.9.1925 stirbt Homer Lane in Paris.

Homer Lane ist einer der Begründer der modernen Sozialpädagogik. Statt Schelte und Strafe gibt er auffälligen Jugendlichen Eigenverantwortung, damit sie auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft lernen, moralische Entscheidungen zu treffen. Im "Little Commonwealth" kann Homer Lane ab 1912 seine Ideen verwirklichen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Bernd Dollinger, Soziologe mit Schwerpunkt Jugendkriminalität, Universität Siegen ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:
  • wie Homer Lane den Weg von der Straße in die Reformpädagogik findet,
  • warum straffällige Jugendliche bei ihm dreimal täglich Obsttorte mit Eis haben dürfen,
  • von seinem besonderen Draht zu Kindern und Jugendlichen,
  • und wie er mit Charme und brillanter Rhetorik auch Förderer und Sponsoren für seine Projekte gewinnt.

Homer Lane ist schon Anfang des 20. Jahrhunderts überzeugt: Wenn aus der Bahn geratene Jugendliche die Regeln des Zusammenlebens selbst bestimmen können, dann halten sie sich daran. Gefängnisse hingegen sieht er als kriminelle Lehranstalten, die selten zur Integration führen.

Einen ersten Praxistest unternimmt Homer Lane 1907, als er die "Ford Republik" in Detroit übernimmt. Dort leben rund 60 auffällig gewordene Jugendliche in einer reformpädagogischen Wohngruppe, finanziert von der Ford-Familie. Er lässt sie selbst bestimmen, nach welchen Regeln sie zusammenleben wollen, aber auch die Konsequenzen aus Verstößen tragen – mit Erfolg.

Bald gilt Homer Lane als die Autorität im Umgang mit jugendlichen Straftätern in den USA. 1912 folgt der Ruf nach England. In der Grafschaft Dorset baut er mit dem "Little Commonwealth" seine eigene Kinder- und Jugendeinrichtung auf. Als ihn zwei Mädchen des "unmoralischen Verhaltens" beschuldigen, muss er die Anstalt verlassen. Homer Lane stirbt am 5.9.1925 mit 50 Jahren in Paris.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Bernd Dollinger, Soziologe mit Schwerpunkt Jugendkriminalität, Universität Siegen
  • Prof. Jürgen Oelkers, Experte für historische Reformpädagogik, Universität Zürich
  • Homer Lane: Talks To The Parents And Teachers. London 1928
  • Elsie Bazeley: Homer Lane And The Little Commonwealth. London 1928
  • Johannes-Martin Kamp: Kinderrepubliken. Geschichte, Praxis und Theorie radikaler Selbstregierung in Kinder- und Jugendheimen, Wiesbaden 1995

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Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Doris Arp
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Petra Laubach

Albert Schweitzer: der umstrittene Friedensnobelpreisträger

Albert Schweitzer: der umstrittene Friedensnobelpreisträger WDR Zeitzeichen 04.09.2025 15:27 Min. Verfügbar bis 05.09.2099 WDR 5

Um nach Afrika zu gehen, wird Schweitzer Arzt - sein dritter Doktortitel. Am 4.9.1965 stirbt er als moralisches Vorbild. Später wird er als "weißer Retter" kritisiert.

Albert Schweitzer hätte als Theologe Karriere machen können - oder als Philosoph, als Musiker oder auch als Musikwissenschaftler. Aber Schweitzer verzichtet auf eine glänzende Karriere. Er tauscht Sicherheit gegen Risiko und gründet im heutigen Gabun ein Hospital - mitten im Urwald. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Nils Ole Oermann, Ethik-Professor an der Uni Lüneburg und Schweitzer-Biograf ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz:
  • von Schweitzers Klinik in Lambaréné und welche Krankheiten er dort behandelt,
  • wie sehr ihn seine Frau unterstützt, obwohl sie oft weit entfernt lebt,
  • wie Schweitzer zum Kolonialismus steht,
  • vom Streit um Schweitzers Erbe, der auch 60 Jahre nach seinem Tod weitergeht.

Der Pfarrerssohn Albert Schweitzer hätte als Theologe Karriere machen können. Seine Doktorarbeit, eine kritische Bestandsaufnahme der Forschung zum Leben Jesu, erregt 1906 Aufsehen.

Aber Schweitzer will kein Genie werden, sondern Menschen helfen. Dafür erwirbt der Theologieprofessor und Philosoph 1913 seinen dritten Doktortitel: den der Medizin. Als Arzt reist er noch im selben Jahr zusammen mit seiner Frau, der Krankenschwester Helene Breslau, nach Afrika. Im heutigen Gabun baut er mitten im Urwald eine Klinik auf. Geld dafür verdient er unter anderem mit Orgelkonzerten in Europa.

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert sich Schweitzer zusammen mit Albert Einstein gegen die atomare Bewaffnung. Für seine Bemühungen um die Völkerverständigung erhält er 1952 den Friedensnobelpreis.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Nils Ole Oermann, Ethik-Professor an der Uni Lüneburg und Schweitzer-Biograf
  • Caroline Fetscher, Publizistin
  • Nils Ole Oermann: Albert Schweitzer. Ein Lebensbild, München 2009
  • Caroline Fetscher: Tröstliche Tropen. Albert Schweitzer in Afrika. Geschichte einer deutschen Projektion, Berlin 1999
  • Christian Nottmeier (Hg.): Albert Schweitzer heute. Ethik – Religion – Weltbild, Freiburg im Breisgau 2015
  • Hines Mabika, Hubert Steinke und Tizian Zumthurm: Schweitzers Lambarene. Ein globales Spital im kolonialen Afrika, Göttingen 2024

Weiterführende Links:

Hörtipp:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Uwe Schulz
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

Reporterin an vorderster Front: Marguerite Higgins

Reporterin an vorderster Front: Marguerite Higgins WDR Zeitzeichen 03.09.2025 14:38 Min. Verfügbar bis 04.09.2099 WDR 5

Marguerite Higgins, geboren am 3.9.1920, wird berühmte Kriegsreporterin. Sie berichtet aus dem Zweiten Weltkrieg, Korea und Vietnam. 1951 erhält sie den Pulitzer-Preis.

Die US-amerikanische Journalistin Marguerite Higgins berichtet über die KZ Dachau und Buchenwald, über die Berliner Luftbrücke - und als einzige Frau aus dem Koreakrieg. Für ihr Tagebuch aus Korea erhält sie als erste Frau den Pulitzer-Preis. ***Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Martina Thiele, Medienwissenschaftlerin***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • warum Marguerite Higgins kurz nach ihrem 30. Geburtstag stundenlang in einem Schützengraben liegt,
  • welche dringende Bitte Higgins im Koreakrieg an den amerikanischen Oberbefehlshaber Douglas MacArthur richtet,
  • wie Higgins sich im Koreakrieg den Respekt der amerikanischen Soldaten verdient,
  • welche schrecklichen Dinge Marguerite Higgins im KZ Dachau sieht und den amerikanischen Lesern berichtet.

Marguerite Higgins wird 1920 in Hongkong geboren. Ihre Mutter ist Französin, ihr Vater Amerikaner. Der Erste Weltkrieg, den ihr Vater als Flieger erlebt, lässt auch die Tochter nicht los und entfacht ihre Leidenschaft: das Schreiben.

1945 ist Higgins als Kriegsberichterstatterin in Deutschland und interviewt Hermann und Emmy Göring, Julius Streicher und andere. Higgins und ihr Kollege Peter Fürst sind als einzige Journalisten bei der Befreiung des KZ Dachau dabei.

Ihre Berichte schaffen es meist auf die Titelseite der Harold Tribune. 1951 wird ihr als erster Frau überhaupt der Pulitzer-Preis verliehen, eine der weltweit wichtigsten journalistischen Auszeichnungen. Sie schafft es, die amerikanische Gesellschaft für den Koreakrieg zu interessieren. Dabei setzt sie immer wieder auch ihr Leben ein, unmittelbar an der Front.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Martina Thiele, Professorin für Medienwissenschaft an der Uni Tübingen
  • Rita Kohlmaier, Autorin
  • Rita Kohlmaier: Kriegsreporterinnen. Im Einsatz für Wahrheit und Frieden, München 2022
  • Marguerite Higgins: Kriegsschauplatz Korea. Das Tagebuch einer Kriegsberichterstatterin, Frankfurt a. M. 1951
  • Zeitungsartikel aus den 1940er- bis 1960er-Jahren

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Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Oktoberfest in Brasilien: Eine deutsche Kolonie im Regenwald

Oktoberfest in Brasilien: Eine deutsche Kolonie im Regenwald WDR Zeitzeichen 02.09.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 03.09.2099 WDR 5

Was hat die brasilianische Stadt Blumenau mit deutscher Kolonialgeschichte, Kultur und Tourismus zu tun? Am 2. September 1850 wurde sie von Hermann Blumenau gegründet.

"Macht euch nichts vor, in Brasilien fällt keine Frucht vom Himmel", warnt Hermann Blumenau in seinen Schriften, mit denen er in Deutschland neue Siedler anwirbt. Das Auswandererleben ist harte Arbeit - und hinterlässt deutliche Spuren in der Region: Die Siedler brandroden und holzen fast den gesamten Atlantischen Regenwald der Region ab, um Äcker anzulegen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Elisangela Leitzke (Historikerin und gebürtige Blumenauerin) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • mit wie vielen deutschen Einwanderern die spätere Stadt Blumenau gegründet wird,
  • mit welchen Widrigkeiten und welchem Widerstand die Kolonisten konfrontiert sind,
  • was es mit der kolonial-rassistischen Theorie des "branqueamento" auf sich hat,
  • mit welchen Getränken heute im südbrasilianischen Blumenau das Oktoberfest gefeiert wird,
  • was an Blumenau noch deutsch ist.

Hermann Blumenau ist kein typischer Auswanderer: Als er 1846 seine erste Reise nach Brasilien antritt, ist er im Auftrag einer Auswanderungsgesellschaft unterwegs, die dort geeignetes Land für Deutsche sucht. Die meisten von ihnen verlassen die Heimat aus Not. Es sind verarmte Bauern aus dem Hunsrück, Rheinland-Pfalz, Franken oder Pommern.

Für die Besiedlung wird die indigene Bevölkerung vertrieben. Wie viele Indigene in Blumenau und Umgebung getötet werden, ist nicht bekannt. Von all dem erfahren die Auswanderungswilligen in Deutschland nichts. Man will Menschen anwerben, nicht abschrecken.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Elisangela Leitzke (Historikerin und gebürtige Blumenauerin)
  • Frederik Schulze (Historiker und Lateinamerika-Experte an der Universität Köln)
  • Jutta Blumenau-Niesel (Urenkelin von Hermann Blumenau, Gründer der Siedlung)
  • Karl Fouquet: Dr. Hermann Blumenau. Ein Bild seines Lebens. Sao Leopoldo 1979
  • Elisangela Leitzke: Die deutsche Einwanderung in Brasilien im 19. und 20. Jahrhundert. Das Leben der Einwanderer und deren Nachkommen in Südbrasilien. Pastor Faulhaber als Beispiel eines Werdegangs. München 2012
  • Stefan Rinke und Karina Kriegesmann (Hg.): Zwischen Humanitarismus und Zivilisierung. Eine deutsch-portugiesische kritische Edition von Hugo Genschs "Die Erziehung eines Indianerkindes" (1908). Freiburg im Breisgau 2024
  • Frederik Schulze: Auswanderung als nationalistisches Projekt. "Deutschtum" und Kolonialdiskurs im südlichen Brasilien (1824-1941). Köln, Weimar, Wien 2016

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Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Sascha Schiemann

Faltauto, Klapprad, Hubschrauber: Der Erfinder Engelbert Zaschka

Faltauto, Klapprad, Hubschrauber: Der Erfinder Engelbert Zaschka WDR Zeitzeichen 01.09.2025 13:33 Min. Verfügbar bis 02.09.2099 WDR 5

Er faltete fast alles, nicht alles klappte: Faltauto, Klapprad, Hubschrauber. Engelbert Zaschka (geb. 1.9.1895) - ein fast vergessener Erfinder, der seiner Zeit voraus war.

Engelbert Zaschka ist ein Multitalent, Tausendsassa und Erfinder. Unter 82 angemeldeten Patenten ist auch der sogenannte "Kochgeschirr-Abrissdeckel, der als Reibeisen und Sieb verwendet werden kann". Seine große Leidenschaft aber sind faltbare Fortbewegungsmittel. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Michael Zaschka, Großneffe von Engelbert Zaschka ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • dass Zaschka eigentlich nicht die Technik, sondern Musikalität und Kreativität in die Wiege gelegt werden,
  • wie das Prinzip "Falt-Auto" funktioniert,
  • wie Sabotage Zaschkas Hubschrauber um den Erfolg bringt,
  • warum sich ausgerechnet das Klapprad durchsetzt.

Engelbert Zaschka ist seiner Zeit voraus. Schon früh erkennt er das drohende Platzproblem im Straßenverkehr. Seine Lösung: faltbare Fortbewegungsmittel. Zaschka erfindet etwa das faltbare Auto - kein Statussymbol, sondern ein Vehikel des "kleinen Mannes". Denn das Falt-Auto ist steuerfrei und lässt sich ohne Führerschein fahren. Mit "Zaschkas Klapprad" entwickelt der Visionär außerdem das "Fahrrad für die Westentasche".

Hinter seinen Erfindungen steht unter anderem ein sozialer Gedanke. Zaschka möchte Mobilität für alle praktisch und erschwinglich machen. Getreu dem Motto "Geht nicht, gibt’s nicht", erobert Zaschka auch die Luft. Während Charles Lindbergh den Atlantik überquert, arbeitet der Freiburger daran, in Hinterhöfen zu landen - mit einem Senkrechtstarter, der die Grundlage für die Entwicklung des Helikopters legt. Den Ruhm dafür ernten andere.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Zaschka, Großneffe von Engelbert Zaschka
  • Stephan Berendt, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
  • Engelbert Zaschka: Drehflügelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber, Berlin 1936
  • Morton Grosser: Gossamer Odyssey, Minneapolis 2004
  • Kyrill von Gersdorff und Kurt Knobling: Hubschrauber und Tragschrauber, Bonn 1982
  • Rolf Besser: Technik und Geschichte der Hubschrauber, Bonn 1990/1996

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Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: Matti Hesse

Geliebt, genutzt, gegessen: Was sind Tiere dem Menschen wert?

Geliebt, genutzt, gegessen: Was sind Tiere dem Menschen wert? WDR Zeitzeichen 31.08.2025 13:57 Min. Verfügbar bis 01.09.2099 WDR 5

Mit der Gründung des Welttierschutzverbands am 31.8.1950 wird Tierschutz zur globalen Frage. Doch Kriege, Klimakrise und Populismus erschweren Tierschützern die Arbeit.

Waschbären auf Pelztierfarmen, Ratten in Laboren, Schweine in engen Ställen - Tiere brauchen vielfältigen Schutz. Deshalb wird am 31. August 1950 der Welttierschutzverband gegründet. Inzwischen ist er in der Tierschutzorganisation "World Animal Protection" aufgegangen. Die steht in Zeiten von Social Media und Populismus vor ganz neuen Problemen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Friederike Schmitz, Philosophin und Publizistin ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:
  • wie mit der Industrialisierung auch die industrielle Ausbeutung von Tieren beginnt,
  • auf welchen zwei Säulen der globale Tierschutz steht,
  • wie die Gesundheit des Menschen, der Tiere und des Planeten miteinander verwoben sind,
  • was es mit "Fake Rescues" in den sozialen Medien auf sich hat.

Mit schnell wachsenden Städten wächst Anfang des 19. Jahrhunderts in England auch das Leid vieler Tiere. Sie werden oft unter qualvollen Bedingungen gehalten und geschlachtet. Bis sich schließlich Tierschützer organisieren und die englische Regierung im Jahr 1822 dazu bringen, das weltweit erste Tierschutzgesetz zu erlassen.

Nach dem Vorbild Englands organisieren sich auch andernorts Tierschützer - in Deutschland gründet der Pfarrer Albert Knapp 1837 den ersten deutschen Tierschutzverein. Auch in den USA formiert sich eine erste Bewegung. Während und nach den beiden Weltkriegen rückt das Tierwohl angesichts menschlichen Leids in den Hintergrund. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg formieren sich jedoch viele nationale Initiativen, die den Blick wieder auf die Situation von Tieren richten.

1950 entsteht mit der Gründung der "World Federation for the Protection of Animals" (WFPA) ein neuer Versuch, den Tierschutz global zu denken - als gemeinsames Projekt über Grenzen hinweg.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Jonas Colsman
Redaktion: Carolin Rückl, Sefa Inci Suvak
Technik: Thomas Bleul

Rausch und Nerven: Die Welt des Oliver Sacks

Rausch und Nerven: Die Welt des Oliver Sacks WDR Zeitzeichen 30.08.2025 14:31 Min. Verfügbar bis 31.08.2099 WDR 5

Er nimmt Drogen, rast betrunken auf seiner BMW durch die Wüste. Als Oliver Sacks am 30.8.2015 stirbt, ist er der wichtigste Neurologe des 20. Jahrhunderts.

Seine Bücher heißen: "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" oder "Der Tag, an dem mein Bein fortging". Darin beschreibt Oliver Sacks, wie der Verstand Menschen in die Irre führen kann – und letztlich in die Psychiatrie bringt. Mit viel Liebe und mit einer Portion Humor verschafft Sacks so den "Vergessenen" ein Millionenpublikum und sensilibisiert für Themen wie Tourette-Syndrom und Autismus. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Cornelius Borck***


In diesem Zeitzeichen erzählt Ulrich Biermann:
  • warum Oliver Sacks' Mutter zu ihm sagt: "Ich wünschte, Du wärest nie geboren worden."
  • wie der Neurologe zu dem Spitznamen "Dr. Kniebeuge" kommt,
  • warum sich Sacks mit Drogen und Schlafmitteln betäubt,
  • dass Oliver Sacks den Stoff für den oscarnominierten Film "Zeit des Erwachens" liefert.

Oliver Sacks' Eltern sind Neurologen, und er tritt in deren Fußstapfen. Aus der Enge des britisch-jüdischen Oberschichts-Elternhauses flüchtet er in die USA. Er genießt die Freiheiten der aufkommenden Hippie-Bewegung, vor allem als homosexueller Mann. Nächtelang rast er auf dem Motorrad durch Kalifornien – nicht immer nüchtern.

1966 nimmt Oliver Sacks eine Stelle in einer Klinik für unheilbar Kranke in New York an. Dort trifft er auf Überlebende der Europäischen Schlafkrankheit, die alle nahezu leblos vor sich hinvegetieren. Es gelingt ihm, sie mit dem neuen Medikament L-Dopa zeitweise aus der Starre zu holen.

Das Buch darüber, "Awakenings – Zeit des Erwachens", wird erst als Theaterstück aufgeführt, dann mit Robin Williams und Robert De Niro verfilmt. Oliver Sacks wird fortan zur Stimme der psychisch Kranken und trägt mit seinen Geschichten zur Entstigmatisierung neurologischer Erkankungen bei. Er stirbt am 30. August 2015 mit 82 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Cornelius Borck, Medizinhistoriker
  • Oliver Sacks: Briefe. Hamburg 2025
  • Oliver Sacks: Stumme Stimmen. Hamburg 1990
  • Oliver Sacks: Awakenings – Zeit des Erwachens. Hamburg 2008

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ulrich Biermann
Redaktion: Frank Zirpins

Hurrikan Katrina: die Naturkastrophe und das Staatsversagen

Hurrikan Katrina: die Naturkastrophe und das Staatsversagen WDR Zeitzeichen 29.08.2025 14:24 Min. Verfügbar bis 30.08.2035 WDR 5

Am 29. August 2005 trifft ein extrem starker Wirbelsturm die US-Golfküste. Er verwüstet die Mississippi-Metropole New Orleans. "Katrina" gerät zum nationalen Trauma.

Katrina ist nicht nur eine der größten Naturkatastrophen, Katrina ist auch eine Katastrophe unklarer Zuständigkeiten. Mindestens 1.836 Menschen sterben in New Orleans durch den Wirbelsturm, Hunderttausende verlieren ihr Zuhause. Viele Einwohner kehren nicht in die Stadt zurück. 20 Jahre nach der Katastrophe leben in New Orleans 25 Prozent weniger Menschen als vor Katrina.


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • warum der Wirbelsturm Katrina nicht allein verantwortlich für seine verheerenden Folgen ist,
  • warum in New Orleans rasend schnell das Wasser steigt,
  • warum vor allem Kranke, Alte, Arme und Schwarze in der Stadt zurückbleiben,
  • wie Sparmaßnahmen die Hilfe nach dem Sturm behindern,
  • warum Katrina eine Rassismus-Diskussion auslöst.

Trotz aller Warnungen vor dem Hurrikan Katrina sind die Bars im French Quarter der Stadt New Orleans am Vorabend der Katastrophe gut gefüllt. Derweil lädt sich der Sturm über dem warmen Wasser des Golfs von Mexico rasant auf und nimmt Kurs auf Louisianas Küste.

Experten warnen vergeblich vor den Folgen eines Hurrikans der Kategorie Fünf. Eine Computersimulation zeigt deutlich, dass die Stadt versinkt, wenn ein tropischer Wirbelsturm der Stärke fünf sie trifft. Mit einer Windgeschwindigkeit von 280 Stundenkilometern erreicht Katrina diese Stufe bereits über dem Golf von Mexiko.

Katrina trifft New Orleans in den frühen Morgenstunden am 29. August 2005. Häuser wackeln, aber die Zerstörungen sind nicht übermäßig groß. Die Hoffnung, die Stadt sei noch einmal vergleichsweise glimpflich davongekommen, ist aber verfrüht. 8,5 Meter hohe Wellen drücken gegen die Deiche, die wie Kanäle und Pumpen zum Teil schon hundert Jahre alt sind und dem Druck nicht standhalten. Die Wiege des Jazz versinkt in den Fluten.

Unsere wichtigste Quelle und unser Interviewpartner:
  • Prof. Ivor van Heerden, Meereswissenschaftler, ehemaliger stellvertretender Direktor des "Louisiana State University Hurricane Center"
  • Ivor van Heerden and Mike Bryan: The Storm. What went wrong and why during Hurricane Katrina - the inside story of a Louisiana scientist. Penguin Books 2006.

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Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Christoph Tiegel/Sefa Inci Suvak
Technik: Alexander Buske

Der unendliche Zauber fantastischer Geschichten: Michael Ende

Der unendliche Zauber fantastischer Geschichten: Michael Ende WDR Zeitzeichen 28.08.2025 14:09 Min. Verfügbar bis 29.08.2099 WDR 5

Am 28. August 1995 stirbt der Schriftsteller Michael Ende. "Jim Knopf", "Momo" und "Die unendliche Geschichte" haben ihm Weltruhm und seine Kritiker zum Schweigen gebracht.

"Alle großen Kinderbücher der Welt sind gar nicht für Kinder geschrieben gewesen", sagte Michael Ende einmal. Die Bücher seien vielmehr von Kindern adaptiert worden, "weil sie darin etwas gefunden haben, was für sie brauchbar war." *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Roman Hocke (Michael Endes Lektor, Verwalter seines literarischen Nachlasses) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • welche Begebenheit den Anstoß zu "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" gibt,
  • wie Michael Endes guter Freund Roman Hocke "Die unendliche Geschichte" deutet,
  • was Michael Ende mit Bertolt Brecht zu tun hat,
  • mit welchen Vorwürfen Kritiker auf die Bücher von Michael Ende reagieren,
  • warum der Schriftsteller gegen die Verfilmung von "Momo" vor Gericht zieht.

Michael Ende kommt im November 1929 in Garmisch-Partenkirchen zur Welt. Kurz nach seiner Geburt ziehen die Eltern mit ihm nach München, wo er im Künstlerviertel Schwabing aufwächst. Sein Vater Edgar ist Maler, einer der ersten Surrealisten in Deutschland. Seine Kunst wird von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert.

"Um zu lernen, wie man schreibt", wie Michael Ende sagt, macht er 1948 an der Otto-Falckenberg-Schule in München eine Ausbildung als Schauspieler. Zehn Jahre später setzt er sich an sein erstes Buch "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer". Es wird mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Um dem Rummel zu entgehen, zieht Ende mit seiner ersten Frau nach Italien.

Dort entstehen "Momo" und "Die unendliche Geschichte". Nach dem Tod seiner Frau geht Michael Ende 1985 zurück nach München, wo er seine japanische Übersetzerin heiratet und die letzten zehn Jahre seines Lebens verbringt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Roman Hocke (Michael Endes Lektor, Verwalter seines literarischen Nachlasses)
  • Michael Ende: Die unendliche Geschichte. München 2010
  • Michael Ende: Momo oder Die Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Stuttgart 2005
  • Thomas Hettche: Herzfaden. München 2020

Weiterführende Links:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother

Das Guinness-Buch der Rekorde: vom Pub-Streit zum Weltbestseller

Das Guinness-Buch der Rekorde: vom Pub-Streit zum Weltbestseller WDR Zeitzeichen 27.08.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 28.08.2099 WDR 5

Ein schneller Vogel und viele Fehlschüsse bringen Guinness-Geschäftsführer Hugh Beaver auf eine Idee: Ein Nachschlagewerk für Rekorde. Am 27.8.1955 erscheint es erstmals.

Wer kann am allerbesten Hirsche nachmachen? Wer kann am schnellsten durch Schlamm laufen? Bei welcher Arschbombe spritzt das Wasser am höchsten? Bei solchen Fragen gibt es bis heute keine Antworten in klassischen Nachschlagewerken. Aber seit 1955 werden die Antworten darauf jährlich in einem Kompendium aufgeführt, das selbst Rekorde schlägt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professor Christian Gaum (Leitung Sportpädagogik, Ruhr Universität Bochum) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
was das Guinness-Buch der Rekorde mit irischem Bier und einer Marketing-Idee zu tun hat,
welche Zwillingsbrüder die ersten Rekorde und Kuriositäten zusammenstellen,
was als Grund für den kommerziellen Erfolg des Guinness-Buchs der Rekorde vermutet wird.

"Das höchste Gebäude der Welt ist das Empire State Building." Das - zum Beispiel - steht in der ersten Ausgabe des Guinness-Buch der Rekorde. Diese bricht selbst einen Rekord und erobert nach wenigen Monaten noch vor Weihnachten 1955 den Platz Eins der Bestsellerliste. Auch die späteren Ausgaben kommen gut an.

1956 erscheint die erste amerikanische Ausgabe, 1962 die französische und 1963 die erste deutsche. Danach folgen Exemplare auf Dänisch, Japanisch, Hebräisch, Arabisch, Indonesisch, Isländisch und so weiter. Mittlerweile sind es weltweit 40 Sprachen. Heute ist es nicht mehr nur ein Buch: Es gibt auch einen Youtube-Kanal und eine App.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
Professor Christian Gaum (Leitung Sportpädagogik, Ruhr Universität Bochum)
Guinness World Records 2005. 50-Jahre-Jubiläumsausgabe. Hamburg 2004

Weiterführende Links:
Stichtag: 23.01.1803: Todestag des Brauereigründers Arthur Guinness
ZDF Magazin Royale: Officially Amazing (not): Guinness World Records

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

Lidia Poët: von der ausgestoßenen Anwältin zum Serienstar

Lidia Poët: von der ausgestoßenen Anwältin zum Serienstar WDR Zeitzeichen 26.08.2025 14:10 Min. Verfügbar bis 27.08.2099 WDR 5

Am 26.8.1855 wird in einem kleinen Alpendorf Lidia Poët geboren. Sie wird die erste Anwältin Italiens - aber um ihre endgültige Zulassung muss sie jahrzehntelang kämpfen.

Bis 2023 ist der Name Lidia Poët außerhalb juristischer Fachkreise weitgehend unbekannt. Bis der Streaming-Dienst Netflix den Stoff entdeckt und eine Drama-Serie in Auftrag gibt. "Das Gesetz nach Lidia Poët" ist ein weltweiter Erfolg und macht die Anwältin zum Star. Denn ihre Geschichte ist einmalig: 1883 wird sie als erste Italienerin in die Anwaltskammer aufgenommen – und fliegt nach drei Monaten wieder raus. Doch dabei bleibt es nicht. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Professorin Angelika Nußberger (Akademie für europäischen Menschenrechtsschutz Universität zu Köln) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • zu welchem Thema Lidia Poët ihre Doktorarbeit schreibt,
  • wodurch die Juristin selbst zum Rechtsfall wird,
  • wie viele Jahre sie auf ihre dauerhafte Zulassung als Anwältin warten muss,
  • welche Chancen Frauen in Rechtsberufen zu dieser Zeit in den USA und Europa haben,
  • was über das Privatleben von Lidia Poët bekannt ist.

Lidia Poët wird am 26. August 1855 in Perrero geboren - 60 Kilometer von Turin entfernt. Sie ist das jüngste von sieben Geschwistern einer wohlhabenden Familie. Vater Giovanni ist Bürgermeister. Lidia legt das Abitur ab und geht in die Schweiz, um Gymnasiallehrerin für Deutsch, Englisch und Französisch zu werden.

Doch anstatt als Lehrerin zu arbeiten, schreibt sich die 22-jährige in Turin für das Jurastudium ein. Denn seit ein paar Monaten sind Frauen in Italien zum Studium zugelassen. Das ist damals noch Neuland: In Italien werden Frauen im 19. Jahrhundert rechtlich ähnlich behandelt wie Minderjährige. Sie dürfen nicht wählen und keine öffentlichen Ämter ausüben. Sie besitzen weder das volle Verfügungsrecht über ihr Vermögen noch über ihre Kinder.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Angelika Nußberger (Akademie für europäischen Menschenrechtsschutz Universität zu Köln)
  • Marion Röwekamp (Juristin und Historikerin, Autorin eines Lexikons über frühe deutsche Juristinnen)
  • Ilaria Iannuzzi, Pasquale Tammaro: Lidia Poët, la prima avvocata. Milano 2024
  • Francesca Tacchi: Eva togata - Donne e professioni giuridiche in Italia dall’Unità a oggi. Turin 2010

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Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
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Mutter aller Fake-News? Die New York Sun "entdeckt" den Mond

Mutter aller Fake-News? Die New York Sun "entdeckt" den Mond WDR Zeitzeichen 25.08.2025 14:46 Min. Verfügbar bis 26.08.2099 WDR 5

Die New York Sun berichtet ab 25.8.1835 über Fledermausmenschen und Tempel auf dem Mond. Als Satire gedacht, wird es die Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.

In der New Yorker Zeitung "The Sun" erscheint im August 1835 eine schier unglaubliche Geschichte über auf dem Mond gesichtete Fabelwesen. Offensichtlich können vermeintliche Nachrichten noch so abgedreht sein - sobald sie gedruckt sind, glauben Menschen sie. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dr. Tobias Jogler, dem Astropyhsiker und Leiter des LWL-Planetariums Münster ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
  • wie die Satire-Idee des Journalisten Richard Adams Locke völlig nach hinten losgeht,
  • von der Geburt der Fledermausmenschen, die auf dem Mond fliegen, sprechen, Kunst schaffen und Tempel bauen,
  • was es mit dem kosmischen Pluralismus auf sich hat,
  • vom Konzept der "Penny Papers",
  • wie Zeitungen im 19. Jahrhundert Falschmeldungen einfach voneinander abschreiben.

Es ist die Sensation im Sommer 1835 - die New Yorker Morgenzeitung "The Sun" druckt einen Bericht aus dem "Edinburgh Journal of Science", wonach der renommierte Wissenschaftler Sir John Herschel mit seinem Teleskop auf der Mondoberfläche Pflanzen, Bäume und seltsame Fabelwesen entdeckt hat. Weil die Geschichte sich so gut verkauft, wird eine sechsteilige Reihen daraus.

Sun-Herausgeber Benjamin Day verdient gut mit den Artikeln. Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung bringt er die ganze Sache gesammelt als illustrierten Nachdruck für einen Vierteldollar pro Exemplar heraus. Er hat kein Interesse daran, die Falschmeldung aufzudecken. Erst zwei Wochen nachdem der letzte Teil der Serie in der Sun erscheint, kommt die Wahrheit ans Licht.

Schaden erleidet die Sun durch die Enthüllung nicht, im Gegenteil: Sie wird nach dem großen Mond-Schwindel eine der meistgelesenen Zeitungen der Welt. Das Konzept der "Penny Papers" wird auch von anderen Herausgebern aufgegriffen. Es ist der Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Matthew Goodman, Autor des Buches “The Sun and The Moon”
  • Dr. Tobias Jogler, Astropyhsiker, Leiter des LWL-Planetariums Münster
  • Matthew Goodman: The Sun and the Moon. New York 2008

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Autor: Christoph Tiemann
Redaktion: Sefa Inci Suvak