Ehepaar Blum im Wohnzimmer mit einem ihrer "Krätzchen für Stolpersteine"
WDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 15.06.2028.
Wenn Andrea und Dieter Blum in ihrem Wohnzimmer an einem Krätzchen arbeiten, wird schon mal diskutiert. Jeder hat genaue Vorstellungen, wie die Kopfbedeckung aussehen soll. Ihre Krätzchen sind bunt, außergewöhnlich und alles Unikate. Dementsprechend türmen sich auf dem Esstisch Stoffe, Glitzer-Broschen und Fliegen in allen möglichen Farben.
Von queer bis königlich - jedes Krätzchen ist ein Einzelstück.
Ihr Material haben die Blums auf Märkten gefunden oder als Restbestände günstig abgekauft. Manchmal musste auch schon ein alter Kissenbezug dran glauben. "Wir lassen uns beim Design dadurch inspirieren, was wir für Accessoires finden", erzählt der 73-Jährige. "Das macht uns viel Spaß. Wir verbinden unser gemeinsames Hobby mit unserer Idee."
Damit meint Dieter Blum ihr Projekt "Krätzchen für Stolpersteine". Momentan arbeiten sie an einem Griechenland-Krätzchen in Blau und Weiß. In die Mitte sollen eine Schleife und ein kleiner bemalter Kühlschrankmagnet. Den hatten sie vor kurzem im Urlaub auf Rhodos gekauft. Darauf abgebildet: Die typischen weißen Häuser Griechenlands, mit leuchtend blauen Türen und Fensterläden.
Bunte Karnevalskappen finanzieren Stolpersteine
Jedes einzelne Krätzchen kostet 120 Euro - genau die Summe, die pro Stolpersteinverlegung benötigt wird. Stolpersteine erinnern an deportierte und ermordete Menschen während des Nationalsozialismus. Ehepaar Blum verdient an ihrem Projekt nichts. Jeder Euro fließt in das Erinnerungsprojekt.
Stolpersteine der Familie Grünbaum
So konnten die Blums in den letzten zwei Jahren insgesamt 106 Stolpersteine im Raum Bonn, Köln und Aachen finanzieren. Weil aber Hintergrundrecherchen, Produktion und behördlichen Wege pro Stolperstein aufwändig sind, sind noch nicht alle verlegt worden.
Stolpersteine: Bonner sollen Geschichte nicht vergessen
Für das Bonner Ehepaar geht es darum, möglichst viele Geschichten von Holocaust-Opfern sichtbar zu machen und damit auch ein Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus zu setzen.
"Viele Menschen wissen gar nicht, was ein Stolperstein ist." Dieter Blum
Andrea Blum sagt dazu: "Das macht mich nachdenklich, dass Leute angegriffen werden, weil sie Juden sind. Das hat auch etwas mit Zivilcourage zu tun, etwas dagegen zu steuern."
"Damit leisten wir auch eine Aufklärungsarbeit." Dieter Blum
Bislang sind mehr als 100.000 Stolpersteine in 31 europäischen Ländern verlegt worden. Die meisten davon in Deutschland.
Die kleinen Messingtafeln im Gehweg sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Ehepaar Blum aus Bonn
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Stiftung - Spuren
Sendung: WDR 5, Diesseits von Eden, 14.06.2026, 09:45 Uhr
