Entscheidung zur Bonner Nordbrücke | WDR aktuell
WDR. 02:26 Min.. Verfügbar bis 19.06.2028.
Es ist die verhältnismäßig gute Nachricht an diesem Tag für Bonn. Die Bonner Nordbrücke bleibt auch weiterhin für den Verkehr dicht, sie muss teilweise neugebaut werden. Aber: Die geplante Bauzeit soll nur zwei Jahre betragen. Und auch wenn das - mit Blick auf Mammut-Bauprojekte wie zum Beispiel die Leverkusener Brücke, an der schon seit fast zehn Jahren gebaut wird - auf den ersten Blick unrealistisch klingen mag: Brückenbau-Experte Heinrich Bökamp, Chef der Ingenieurskammer NRW und Prüfingenieur für Baustatik sagt: "Das kann tatsächlich gelingen - es darf nur niemand klagen."
Bauzeiten heute relevanter bei der Vergabe
Heinrich Bökamp
Zum einen habe sich in den Vergabeverfahren in den vergangenen Jahren viel getan: Ging es früher vor allem um den günstigsten Preis, gebe es heute auch Punkte für kürzere Bauzeiten, so Bökamp. Zum anderen kann heute viel mehr mit im Werk vorgefertigten Bauteilen gearbeitet werden, durch die man auf der Baustelle hinterher sehr viel Zeit einsparen könne. Man habe in NRW bereits gute Erfahrungen mit solchen Schnellbausystemen gemacht, sagt Bökamp.
Allerdings gibt es auch Faktoren, auf die man wenig Einfluss hat, sagt der Experte: Etwa, wenn der Unterlegene im Vergabeverfahren Klage einreicht. Das könne zu Verzögerungen führen, die einfach nicht vorhersehbar sind. Deswegen sei wichtig, dass parallel zu den Abbrucharbeiten bereits die Ausschreibung auf den Weg gebracht wird, sodass Baufirma und Planer zeitnah gefunden werden können.
Abbruch soll zeitnah beginnen
Zwei bis drei Monate dauere so ein Abbruch, schätzt er. Danach gehe es daran, die Pfeiler der Brücke zu erneuern. Erst dann kann der Überbau beginnen. "Das geht dann aber in der Regel zügig."
Auch sei es ein Vorteil, dass die Genehmigungsphase im Fall einer bereits bestehenden Brücke auf das Nötigste zusammengestaucht werden könne. Der Standort der Brücke habe sich schließlich nicht verändert.
Bauweise heute widerstandsfähiger
Der Grund, warum zahlreiche Brücken in ganz NRW in so einem schlechten Zustand sind, ist schlichtweg Ermüdung des Materials: Der Verkehr hat exponenziell zugenommen, für die Anzahl an LKW sind die Bauwerke nicht ausgelegt. "Heute werden sie widerstandsfähiger gebaut", so Bökamp. Damit man danach wieder Ruhe hat - für die nächsten 70 Jahre.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz im Bundesverkehrsministerium
- Gespräch mit Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 19.06.2026, 12.45 Uhr
