Ruhe an der Nordbrücke
WDR. 03:20 Min.. Verfügbar bis 17.06.2028.
Nicht nur die Autobahn auf der Bonner Nordbrücke ist gesperrt. Auch die Römerstraße, die unterhalb der Brücke entlangführt, ist aus Sicherheitsgründen dicht. Die Sperrung teilt einen ganzen Stadtteil. Direkt vor den Bauzäunen liegt ein Eiscafé mit großer Terrasse. Doch der fehlende Autobahnlärm bringt nicht mehr Gäste, im Gegenteil. Laut Betreiber kommen seit der Sperrung 90 Prozent weniger Gäste als sonst, denn sie ist nicht mehr so einfach zu erreichen.
„Das Geschäft ist tot. Hier geht seit der Sperrung fast nichts mehr!“ Selver Alat, Vermieterin
Angst vor größerem Brücken-Neubau
Selver Alat wohnt über dem Eiscafé. Die neue Ruhe ist für sie mit viel Anspannung verbunden. Ihr gehört das Haus. Sie macht sich daher nicht nur Sorgen um das Eis-Geschäft ihrer Mieter, sondern um ihre Zukunft. "Man ist total verunsichert, was auf einen zukommt. Man kann nicht vorausplanen", sagt Selver Alat. Denn noch weiß sie nicht, ob ihr Haus bei einem möglichen Brücken-Neubau mit mehr Fahrspuren stehen bleiben kann.
Lkw und Busse bleiben stecken
Täglich fahren sich hier mehrere Lkw und Busse fest.
Die Ungewissheit sei schlimm für sie, die neue Ruhe könne sie daher nicht genießen. Vor allem auch, weil sich regelmäßig Busse und große Lkw vor der Sperrung der Unterführung festfahren. Laut piepend rangieren sie oft minutenlang, um irgendwie auf der schmalen Straße zu drehen. Der Verkehr der Fußgänger und Radfahrer hat sich auf den rund 100 Meter entfernten Leinpfad verlagert.
Arcardius muss sich den Weg jetzt mit vielen Radfahrern teilen.
Auf dem Weg direkt am Rhein herrschte vor zwei Wochen noch Ruhe. Jetzt muss Arcardius Fronzek mit Hund und Kinderwagen aufpassen, nicht umgefahren zu werden. "Beim Spaziergang mit dem Hund ist das natürlich ein bisschen blöd, weil so viel Verkehr jetzt hier ist", sagt der Familienvater, der in der gesperrten Römerstrasse wohnt. Doch auch er müsse bald wieder zur Arbeit und sich eine Alternative einfallen lassen, um über den Rhein zu kommen.
Radweg voll mit Berufs-Pendlern
Viele hier sind mit dem Rad auf dem Weg von der Arbeit zurück nach Hause. Auch Stephanie Schmitz arbeitet auf der anderen Rheinseite und startet extra früh, oft wenn es noch dunkel ist. "Das ist schon mystisch und ein bisschen unheimlich, aber im Sommer hat das was. Aber es wäre schön im Winter den Umweg nicht mehr fahren zu müssen", sagt sie und reiht sich mit dem Rad wieder in den Strom der Pendler ein.
Leeres Freibad - ungewisse Zukunft
Eine leere Autobahn konnte man in 50 Jahren Römer-Bad noch nie sehen.
Direkt neben der Nordbrücke liegt ein großes Freibad. Der Autobahnlärm gehört hier im Römerbad normalerweise einfach dazu. Jetzt ist es nicht nur ungewöhnlich ruhig, sondern wirkt verlassen. Alle Liegewiesen sind trotz 25 Grad und Sonne an diesem Nachmittag fast leer. "Natürlich ist die Ruhe schön, aber wir hoffen und müssen abwarten, ob die Leute trotz der Sperrung auch den Weg zu uns finden", sagt der Leiter des Römerbades Ralf Grimmling.
Wann die Prüfung der Nordbrücke abgeschlossen ist und es mit der Ruhe rund um die Nordbrücke vorbei ist, weiß hier an diesem Nachmittag niemand. Am Freitag soll es Neuigkeiten geben. Während Anwohner wie Selver Alat auf eine schnelle Entscheidung hoffen, genießt die 14-Jährige Isabell noch den freien Sprungturm. Ganz ohne Schlange kann sie einen Salto nach dem anderen machen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Ralf Grimmling, Leiter des Römerbades
- Gespräche mit Passanten
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Ruhe an der Nordbrücke, 17.06.2026, 19 Uhr
