Demonstration Bonner Psychotherapeuten | Aktulle Stunde
WDR. 00:30 Min.. Verfügbar bis 13.06.2028.
Lange Wartezeiten : Psychotherapeuten schlagen bei Demo in Bonn Alarm
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Mit einer symbolischen Warteliste, einem Protestchor und vielen ganz persönlichen Geschichten von Betroffenen und Fachkräften hat am Samstag die Regionalgruppe Bonn/Rhein-Sieg des Aktionsbündnisses Psychotherapie auf dem Bonner Münsterplatz demonstriert.
"Die symbolische Warteliste steht für die vielen Menschen, die auf Hilfe warten und macht zugleich sichtbar, was geschieht, wenn Unterstützung nicht rechtzeitig ankommt", sagt Anne Meurers, Psychotherapeutin aus Bonn. "Wenn Menschen monatelang oder über ein Jahr auf Behandlung warten müssen, verschärfen sich Erkrankungen oft massiv."
Psychische Erkrankungen auf Platz 3
Eine Patientin ist sich sicher: "Meine gesundheitliche Situation ist nur so schlimm geworden, weil sie jahrelang nicht behandelt wurde". Sie sagt, da hat keiner was von. "Weder ich, noch mein Arbeitgeber." 2024 waren psychische Erkrankungen laut DAK-Psychreport der dritthäufigste Grund für Krankheitstage. Betroffene fehlten im Schnitt 33 Tage.
Honorare wurden bereits um 4,5 Prozent gekürzt
Bereits seit dem 1. April zahlen die Krankenkassen 4,5 Prozent weniger für psychotherapeutische Behandlungen. Jetzt fürchten die Therapeutinnen und -therapeuten erneut Einschnitte. Die Finanzkommission Gesundheit empfiehlt der Bundesregierung weitere Kürzungen, auch in diesem Bereich. "Wenn unsere Leistungen tatsächlich gedeckelt werden", sagt Gesa Mühlenberg aus Bonn, "habe ich 35 Prozent weniger Einkommen."
Wartezeit für Patienten beträgt bis zu 18 Monaten
"Ich kann Menschen, die dringend auf Hilfe hoffen, aktuell gar keine Perspektive bieten, wann sie vielleicht eine Therapie beginnen können, weil ich nicht weiß, wie psychotherapeutische Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen ab dem nächsten Jahr vergütet werden", ergänzt Franziska Scholz, Psychotherapeutin aus dem Rhein-Sieg-Kreis.
Sie hat die Wartezeit für gesetzlich Krankenversicherte in ihrer Praxis von 18 Monaten (vor der Honorarkürzung) auf unbestimmte Zeit verlängert. "Wenn sich an den Plänen nichts mehr ändert, werden die Therapie-Kapazitäten um 30 bis 40 Prozent sinken", schätzt Jonas Zoller, Psychotherapeut aus Bonn.
"Wir können den Leidensdruck der Familien kaum noch auffangen"
Imke Hummel betreut vor allem Familien. Schon heute sei es schwierig, überhaupt einen Platz für die Diagnostik zu bekommen. "Die Familien telefonieren sich die Finger wund, nur um auf eine Warteliste zu kommen. Ich weiß nicht, wie wir bei diesen Strukturen den Leidensdruck dieser Menschen auffangen können."
Laut Statistischem Bundesamt waren 2024 psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausbehandlungen von Kindern und Jugendlichen. Depressionen sind demnach über alle Altersgruppen hinweg die häufigste Diagnose für stationäre Behandlungen aufgrund von psychischen Erkrankungen.
Unsere Quellen:
- Aktionsbündnis Psychotherapie
- Statistisches Bundesamt
- Deutsche Ärztekammer
- GKV-Spitzenverband
- DAK Psychreport 2025
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 13.06.2026, 18.45 Uhr