Atommüll aus Jülich in Ahaus angekommen | Aktuelle Stunde

WDR 00:25 Min. Verfügbar bis 25.03.2028

Castor-Transport: Atommüll aus Jülich in Ahaus angekommen

Stand:

152 Behälter mit rund 300.000 Brennelement-Kugeln sollen aus einem alten Versuchsreaktor in Jülich nach und nach in Richtung Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus transportiert werden. In der Nacht zu Mittwoch ist der erste Transport angekommen.

Von Marie Roters

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Nach WDR-Informationen startete der Transport am Dienstagabend kurz nach 22 Uhr. Für die Sicherheitsbehörden bedeutete das einen Großeinsatz. 2.400 Polizistinnen und Polizisten sicherten laut NRW-Innenministerium die hochradioaktive Ladung ab: Zum Beispiel am Startpunkt am Forschungszentrum Jülich - oder in Ahaus, wo der Atommüll ins Zwischenlager soll. Um 2 Uhr in der Nacht ist der erste Transport angekommen. Laut Polizei verlief der erste Transport ohne besondere Zwischenfälle.

Die Castoren mussten etwa 170 Kilometer vom Kreis Düren bis ins Münsterland transportiert werden, einmal quer durch Nordrhein-Westfalen. Der tonnenschwere Spezial-Lastwagen ist dabei in erster Linie über die Autobahnen in NRW gefahren.

90 Millionen Euro für den Transport nach Ahaus

Bereits seit 2013 steht fest: Der Atommüll in Jülich muss weg, denn seitdem besteht keine Aufbewahrungsgenehmigung mehr. Kurzzeitig stand auch der Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich im Raum - das hatte man wegen hoher Kosten wieder verworfen.

 Gelbe Castorenbehälter lagern im Forschungs-Zentrum Jülich.

Gelbe Castorenbehälter im Forschungs-Zentrum Jülich

Nach Angaben der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) sollen die Vorbereitung und der Transport in das Brennelemente-Zwischenlager nach Ahaus 90 Millionen Euro kosten, die Kosten für den begleitenden Polizeieinsatz über die Autobahn nicht eingerechnet. Ein neues Zwischenlager in Jülich wäre demnach deutlich teurer.

Kritik der Atomkraftgegner am Zwischenlager

Atomkraftgegner kritisieren den Castor-Transport seit Jahren. Bei einem Infoabend warfen sie den Betreibergesellschaften vor, eine alternative Lagerung in Jülich nicht ausreichend geprüft zu haben. Ein Kritikpunkt: Der Atommüll wird nicht in ein Endlager, sondern in Ahaus in ein weiteres Zwischenlager gebracht.

Darüber hinaus stellten die Atomkraftgegner die Sicherheit der Transporte in Frage. Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft versicherte aber, dass die Strahlung während der Transporte geringer sei als die tägliche Hintergrundstrahlung. Demnach müsse man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem Langstreckenflug nach New-York.

Verschiedene Initiativen gegen Atomkraft demonstrierten seit dem frühen Dienstagabend gegen die Transporte - sowohl in Jülich als auch in Ahaus.

Kritik auch von der Landesregierung

Die NRW-Landesregierung ist ebenfalls gegen die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus. "Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castor-Transporte gerne verzichten", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Vorfeld. Das sieht auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur so. "Wir hätten uns eine andere Entscheidung des Bundes gewünscht und haben dazu in der Vergangenheit alle Handlungsoptionen ausgeschöpft, um unnötige Transporte zu vermeiden." Das Land habe keine Entscheidungsgewalt in dieser Sache, so die Grünen-Politikerin.

Ein Polizeiwagen sichert während der Demonstration der Anti-Atom-Initiativen die Zufahrt zum Zwischenlager

Das Zwischenlager in Ahaus

Vor knapp vier Jahren hatten CDU und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, sich "für eine Minimierung von Atomtransporten" einzusetzen. "Im Fall der in Jülich lagernden Brennelemente bedeutet dies, dass wir die Option eines Neubaus eines Zwischenlagers in Jülich vorantreiben", heißt es dort weiter.

Ein solcher Neubau wäre Voraussetzung gewesen, um die Transporte zu verhindern. Die Landesregierung hatte dafür Grundstücke in Jülich gesichert und auch Geld im Landeshaushalt eingestellt. Das nützte nichts, denn das letzte Wort in der Frage "Transport oder Neubau" hat der Bund.

Der hat zwar die Neubau-Pläne für ein Jülicher Zwischenlager nie offiziell für beendet erklärt, der Prozess dauert aber sehr lange - eine Genehmigung dafür liegt bis heute nicht vor. Die Transport-Lösung nach Ahaus dagegen kam schneller voran.

BUND scheitert mit Klage

Der Umweltverband BUND hatte in der Vergangenheit versucht, die Transporte mit einer Klage zu stoppen. Anfang März entschied jedoch das zuständige Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg: Die Castor-Transporte dürfen stattfinden.

Der Transport der Castoren

Bis zu vier Schwerlasttransporter zu je 130 Tonnen können jeweils einen Castor von Jülich nach Ahaus transportieren. Insgesamt soll der Konvoi um den Castor-Transport rund 100 Fahrzeuge umfassen, außerdem sind mehrere tausend Polizeibeamte in ganz NRW im Einsatz, schätzt die Polizeigewerkschaft GdP.

Die Genehmigung dafür wurde im Sommer 2025 erteilt und ist zwei Jahre gültig. Bei insgesamt 152 Castoren mit Atommüll ist in nächster Zeit also mit vielen Castortransporten ins Münsterland zu rechnen.

In Ahaus befindet sich eines von insgesamt 16 Zwischenlagern - dort wird aktuell der Atommüll gelagert. Ein Endlager gibt es derzeit noch nicht, nach einem passenden Standort wird gesucht.

Castor Transporte sollen gleich starten

WDR 24.03.2026 00:21 Min. Verfügbar bis 23.03.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • BGZ Ahaus
  • JEN Jülich
  • Bundesamt BASE
  • Stadt Ahaus
  • Landesregierung NRW
  • Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND
  • Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"

Sendung: WDR.de, Castor-Transport soll starten: Atommüll aus Jülich kommt nach Ahaus, 24.03.2026, 5.59 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 25.03.2026,18:45 Uhr

Hinweis der Redaktion am 24.03.2026 um 18.30 Uhr:

In einer früheren Version des Textes stand, dass man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen müsse, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem 20-stündigen Flug nach New York. Gemeint ist aber lediglich ein Flug ohne Zwischenstopp. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert. 

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 Maximilian 25.03.2026, 12:43 Uhr

    Auf was hofft die Menschheit? In welchen Zeiträumen denken wir? Die Mini-AKW werden diskutiert, weil wir CO2 einsparen wollen. Den Klimawandel wollen wir bekämpfen. Der Atommüll ist in jeder Kategorie aber eine Ewigkeitslast, weil der Zeitraum unüberschaubar bleibt. Eisen rostet u. einen korridierten Castor können wir in Deutschland nicht mehr reparieren, weil wir keine Abklingbecken mehr haben. Aber das stößt, wie man an den wenigen Kommentaren sehen kann, kaum auf Interesse. Business as usual. Ich bin unsicher, ob wir regenerative Energien schon als Übergangstechnologie bezeichnen sollten, wie es Merz übrigens schon getan hat. Wie sollen denn später die hohen Temperaturen für die Zukunftstechnologie der Kernfusions- Kraftwerke erzeugt werden? Auch die sichere Lagerung des Atommülls von einigen Hundertjahren darf angezweifelt werden? Es bleibt ein Ritt auf dem Feuerball.

  • 6 Maximilian 24.03.2026, 20:34 Uhr

    Der Atommüll wird das Erbe sein, den die Menschheit auf Erden hinterlässt. Kein Mensch wird jemals einen Behälter öffnen und ein Endnuklid feststellen.

  • 5 DerPilot 24.03.2026, 15:02 Uhr

    Nur aus Neugier: Welche Route muss man fliegen, um 20 Stunden nach New York zu benötigen? Ich vermute, dass gemeint war, dass man 20 Stunden neben den Behältern stehen müsste um die gleiche Dosis zu erhalten, die man auf einem 8-9 Stunden Flug nach New York erhalten würde. Das bedeutet sogar, dass die Stahlung aus den Behältern nur halb so groß ist, aus dem Artikel anzunehmen ist ;)

    Antworten (1)
    • WDR.de 24.03.2026, 18:55 Uhr

      Hallo DerPilot! Danke für den aufmerksamen Hinweis. Gemeint sind 20 Stunden im Flieger ohne Zwischenstopp. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

  • 4 axelbernd 24.03.2026, 14:04 Uhr

    Es ist absurd anzunehmen, dass jemand 20 h neben einem Castor steht. Transport heißt, es bewegt sich was, also gibt es nur minimale Zeiten, in denen jemand exponiert ist. Transporte radioaktiver Stoffe sind sicher. Es gibt weltweit keinen einzigen Transport bei dem es einen Unfall gab, der Personen geschädigt hat. Der Castor ist dicht und bleibt es selbst nach einem Flugzeugabsturz auf ihn.

    Antworten (1)
    • Maximilian 24.03.2026, 15:06 Uhr

      Der Transport geht in eine oberirdische Betonhalle und die ist angesichts der weltweiten sich entwickelnden Bedrohungslage nicht sicher. 200.000 Jahre wird sich die Menschheit um die sichere Verwahrung des Atommülls kümmern müssen.

  • 3 Der Niederrheiner 24.03.2026, 12:18 Uhr

    90 Millionen Euro, um den Dreck in ein Zwischenlager zu stecken, aus dem es in ein paar Jahren wieder raus muss. Plus die Kosten für 2400 Polizeibeamte, die das sichern müssen. Und es gibt immer noch "Spinner", die überzeugt sind, dass Atomenergie die günstigste Form der Gewinnung sei. Deutschland besitzt kein Endlager - und wird auch nie eines finden. Genau wie der Rest der Welt - auf der ganzen Welt gibt es keines ! Macht aber nix - angereichertes Plutonium strahlt ja nur 21 Millionen Jahre lang. Das ganze Eingabefeld hier reicht nicht aus, um alle "Ur" aufzuzählen, die man nennen müsste, um allen Ur-Enkeln gerecht zu werden, denen wir eine unendliche finanzielle, wie gesundheitliche Last aufgeladen haben. Und das mal für gerade 75 Jahre Atomenergie.

    Antworten (2)
    • Tomte 24.03.2026, 15:45 Uhr

      Da hat ja jemand richtig viel Ahnung :-) Die Kosten für den Transport sind ja vor allem deshalb so hoch, weil die "Anti-Atom-Spinner" den Aufwand so in die Höhe treiben. Überall auf der Welt werden neue Kernkraftwerke geplant. Nur Deutschland mit seiner Angst vor Technik und "Strahlen" spielt wieder eine Sonderrolle und verstromt munter weiter Kohle und Gas.

    • Carl 26.03.2026, 08:34 Uhr

      Die Transportkosten entstehen nicht wegen Demonstranten, sondern weil Atommüll so gefährlich ist, dass er selbst für ein paar hundert Kilometer mit Spezialbehältern, Sicherheitszonen und massivem Polizeischutz bewegt werden muss. Und wirtschaftlich ist Atomstrom erst recht kein Argument. Neue AKW liegen je nach Studie grob bei ca. 14–49 ct/kWh, Wind und Solar meist eher bei etwa 4–10 ct/kWh. Dazu kommt das Restrisiko. Wäre ein Super-GAU real privat versicherbar, wäre Atomstrom unbezahlbar. Genau deshalb will ihn heute kaum ein Energiekonzern noch ohne Staatsgarantien bauen.

  • 2 Johann Moritz 24.03.2026, 11:35 Uhr

    Strenge Geheimhaltung kann bei einem derartigen Transport durchaus zu gravierenden Problemen führen. Etwa, wenn auf der vorgesehenen Strecke genau zum Zeitpunkt des Transports Bauarbeiten durchgeführt werden müssen. Ich stelle mir grade vor, der Transport würde auf der Rhein-Sieg-Bahnstrecke durchgeführt, die praktisch tagtäglich immer wieder mal spontan dicht ist, weil wieder irgendwas nicht funktioniert. Oder wenn - unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich - doch mal was schiefgehen sollte. Dann weiß in der Umgebung weder THW noch Feuerwehr Bescheid. Drum sollten solche Transporte nicht unter strenger Geheimhaltung durchgeführt werden. Die, die es nicht merken sollen, merken es sicherlich trotzdem, und die, die es unbedingt wissen sollten, haben keine Ahnung.

    Antworten (1)
    • Thomas C. 24.03.2026, 15:25 Uhr

      Ist der Kommentar Ernst gemeint? Geheimhaltung heißt doch nur, dass die Öffentlichkeit nicht vorab informiert wird. Natürlich ist ansonsten die Wegstrecke akribisch mit allen Eventualitäten und den zuständigen Stellen vorgeplant.

  • 1 Maximilian 24.03.2026, 09:45 Uhr

    Nach New York fliegt man nicht 20 Std, sondern 8 Std - 40 min. Außerdem fliegen die meisten Menschen nicht täglich nach New-York. Welche Hintergrundstrahlung ist gemeint?

    Antworten (1)
    • WDR.de 24.03.2026, 11:05 Uhr

      Vielen Dank für das Feedback. Mit „Hintergrundstrahlung“ ist die natürliche Strahlenbelastung gemeint, der wir alle ständig ausgesetzt sind. Etwa durch kosmische Strahlung, die Erde oder auch bestimmte Baustoffe. Diese wird häufig als Vergleichswert genutzt, um zusätzliche Strahlenbelastung einzuordnen. Vielen Dank für den Hinweis zu der Flugzeit, das wird von der Redaktion entsprechend angepasst werden. Liebe Grüße, Ihr Team von WDR-Aktuell

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