Montage: Menschen gehen über das Gelände einer Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, NRW-Karte

So sind Geflüchtete in NRW auf die Kommunen verteilt

Stand:

Rückläufige Flüchtlingszahlen entlasten die Kommunen, aber (noch) nicht die Justiz. Wie Geflüchtete auf die NRW-Kommunen verteilt sind.

Von Rainer StriewskiRainer Striewski

Eure Themen, eure Wahl: In der Woche vor den Kommunalwahlen beschäftigen wir uns in Online-Analysen und den WDR aktuell-Radionachrichten mit den Themen, die von den Menschen in NRW bei diesen Wahlen laut NRW-Trend als wichtigste Probleme vor Ort wahrgenommen werden.

Das Erste, was viele Flüchtlinge sehen, die nach NRW kommen, ist Bochum. Genauer: Den Gersteinring 50 in Bochum-Mitte. Denn hier befindet sich die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) des Landes NRW. Sie ist zentrale Anlaufstelle für alle Personen, die erstmals oder erneut einen Asylantrag stellen und verpflichtet sind, in einer Aufnahmeeinrichtung des Landes zu wohnen.

Die meisten Menschen, die sich in Bochum vorstellen, sind derzeit Syrer, gefolgt von Menschen aus Afghanistan, der Türkei oder dem Irak. Das zeigt die aktuelle Top-10-Liste der Herkunftsländer für die Landeseinrichtungen von Ende Juli:

Schutzsuchende aus der Ukraine fehlen in dieser Top-10-Liste der Landeseinrichtungen. Denn sie unterliegen keiner Wohnsitzverpflichtung und können sich auch direkt bei Kommunen melden.

Eure Themen, eure Wahl: Das sagt ihr zum Thema Migration und Integration

Wir wollen eure Meinung zu den Themen wissen, die die Menschen in NRW vor der Kommunalwahl als drängendste Probleme empfinden. Das sagt ihr zum Thema Integration und Migration.

Junger Mann schaut in die Kamera

Martin, 26, aus Dülmen: "Es ist wichtig, dass viele Flüchtlinge momentan viele Integrationskurse besuchen. Es kommen viele Flüchtlinge aus Afghanistan, aus Syrien, aus Ukraine. Und die sagen immer, sie suchen eine neue Deutschkurse. Ich wünsche mir auch von den Politikern, dass die viele Deutschkurse für die neuen Flüchtlinge anbieten."

Jakob, 37, aus Blomberg: "Ich wünsche mir von der Kommunalpolitik, dass Zuwanderer, wie in der Schweiz zum Beispiel, echten Willen und Eigeninitiative bei der Integration zeigen müssen, wenn sie Teil der Gesellschaft werden wollen. Gleichzeitig sollten wir, wie es in Dänemark zum Beispiel vorgemacht wird, unsere Werte klar und selbstbewusst vermitteln, damit einfach jeder weiß, wofür wir stehen hier in Deutschland."

Christa, 61, aus Schermbeck: "Ich habe immer schon mal Wohnungen vermietet und ich sehe jetzt auch wieder eine junge Familie - er ist Arzt, sie ist Apothekerin, haben ein kleines Kind - dass sie erstmal zum Nichtstun verdammt sind, weil sie einfach gewisse Scheine machen müssen, ihre Unterlagen anerkannt bekommen müssen. Und das ist natürlich ein Ding, wo vielleicht auch niederschwellige Angebote den Menschen gemacht werden müssen, die hier herkommen."

Nils, 28, aus Soest: "Dadurch, dass ich auch beruflich viel mit ausländischen Bürgern zu tun habe, ist natürlich auch wichtig, eine gute Versorgung der ausländischen Mitbürger, die wir in Deutschland haben. Im Kreis Soest haben wir auch viel damit zu tun. Bei der Auslandsbehörde sind viele Anträge, die monatelang rumliegen. Mehr Arbeitskräfte eventuell dafür einstellen, die sich auch wirklich gut um Anträge kümmern - das ist so das, was ich sagen würde."

Alia, 52, aus Duisburg: "In meiner Umgebung habe ich viele Leute, welche schon lange hier leben in Deutschland und sich richtig Mühe geben, sich zu integrieren. Und sie arbeiten auch schon jahrelang, aber kriegen immer noch keine richtigen Papiere. Es wäre schön, wenn es für diese Leute etwas leichter wird."

Hans-Otto, 73, aus Köln: "Ich fühle mich wohl. Allgemein bin ich zufrieden mit dem Umfeld. Köln ist eine weltoffene Stadt, ob das schwarz ist, weiß ist, ob das evangelisch, katholisch, Moslem, egal! Ich bin für alles offen - und dass Köln weiterhin offen ist, sollen sie beibehalten."

Martin, 26, aus Dülmen: "Es ist wichtig, dass viele Flüchtlinge momentan viele Integrationskurse besuchen. Es kommen viele Flüchtlinge aus Afghanistan, aus Syrien, aus Ukraine. Und die sagen immer, sie suchen eine neue Deutschkurse. Ich wünsche mir auch von den Politikern, dass die viele Deutschkurse für die neuen Flüchtlinge anbieten."

56 Landesunterkünfte in NRW

Das Land NRW verfügt aktuell über 56 Landesunterkünfte:

  • fünf Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE),
  • 30 Zentrale Unterbringungseinrichtungen (ZUE) und
  • 21 Notunterkünfte (NU).

Insgesamt stehen in den Landeseinrichtungen derzeit 34.960 Plätze zur Verfügung: 7.320 in den Erstaufnahmeeinrichtungen und 27.640 in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen und Notunterkünften.

Damit hat sich die Zahl der Unterkünfte im Vergleich zu Anfang des Jahres (36.971 Plätze) etwas verringert. Und auch die Auslastung der Landeseinrichtungen ist in den vergangenen Monaten deutlich gesunken:

Grund ist der Rückgang der Flüchtlingszahlen in Deutschland und NRW, unter anderem durch Abkommen mit Staaten in Nordafrika sowie stabilere Lagen in Ländern wie Syrien oder Libyen. Bis Mitte August verzeichnete NRW 14.440 neue Flüchtlinge. Im gesamten vergangenen Jahr waren es noch 42.109 Flüchtlinge, 2023 sogar noch 64.711.

Kommunen werden (teilweise) entlastet

"Die zurückgehenden Zahlen der Asylanträge bringen eine Entlastung, allerdings ausschließlich mit Blick auf Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten, die neu in den Kommunen ankommen", erklärte Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW.

Trotz der momentanen Entspannung hätten die Städte und Gemeinden in NRW aber ihre Belastungsgrenze insgesamt schon längst erreicht, so Sommer weiter. "Denn die Menschen, die schon in den vergangenen Jahren zu uns gekommen sind, müssen weiter angemessen untergebracht, versorgt und integriert werden."

"Erfüllungsquote" der Kommunen unterschiedlich

Für die Verteilung der geflüchteten Menschen auf die Kommunen in NRW ist zentral die Bezirksregierung Arnsberg zuständig. Sie berechnet wöchentlich erneut unter anderem auch aufgrund der Bestandsmeldungen der Kommunen, wie viele Geflüchtete eine Kommune laut Verteilschlüssel aufnehmen müsste. Heraus kommt eine sogenannte "Erfüllungsquote".

Einige Kommunen haben zum Stichtag keine Meldungen zum Ist-Bestand abgegeben. Deshalb kann hier keine korrekte Erfüllgungsquote angegeben werden.

Die Zuweisung ausländischer Flüchtlinge erfolgt nach Angaben der Bezirksregierung nur in aufnahmepflichtige Städte und Gemeinden. Eine Erfüllung oder Übererfüllung der Aufnahmeverpflichtung habe zur Folge, dass für diese Städte und Gemeinden keine weiteren Zuweisungen vorgenommen werden. Ausnahmen könnten allerdings bei der Zusammenführung von Eheleuten oder Eltern und ihren minderjährigen Kindern oder aus sonstigen humanitären Gründen gemacht werden.

So funktioniert die Verteilung von Geflüchteten in NRW

Die Zuweisung der Flüchtlinge erfolgt in NRW durch die Bezirksregierung Arnsberg. Sie richtet sich nach einem Verteilschlüssel, der alle Städte und Gemeinden gleichsam berücksichtigt. Einberechnet wird hierbei etwa der Einwohneranteil der Gemeinden an der Gesamtbevölkerung (Einwohnerschlüssel) und der Flächenanteil der Gemeinde an der Gesamtfläche (Flächenschlüssel).

Die Städte und Gemeinden melden zudem der Bezirksregierung Arnsberg monatlich die von ihnen in der Vergangenheit aufgenommenen Flüchtlinge. Aus den Meldungen und dem Verteilschlüssel wird dann für jede Stadt und Gemeinde berechnet, wie viele Flüchtlinge sie aktuell aufnehmen muss. Gibt es in einer Stadt oder Gemeinde eine Unterbringungseinrichtung des Landes, werden die dort vorgehaltenen Unterbringungsplätze zum Teil von der berechneten Aufnahmeverpflichtung abgezogen.

Anstieg von Asylklagen

Die rückläufige Zahl der Asylanträge in Deutschland hat zwar die Kommunen, aber noch nicht die Jutiz erreicht. So verzeichnen die Verwaltungsgerichte bundesweit einen Anstieg von Asylklagen. Insgesamt gingen in diesem Jahr bis zum 30. Juni 76.646 neue Hauptsacheverfahren bei den Verwaltungsgerichten ein. Das sind mehr Fälle als im Gesamtjahr 2023 (71.885). Allein in NRW meldeten die Gerichte im ersten Halbjahr 13.304 Klagen.

Über das Thema berichten wir am Donnerstag (11.09.) in der Aktuellen Stunde um 18.45 Uhr.

Unsere Quellen:

  • Bezirksregierung Arnsberg
  • Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration

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