Weniger Asylsuchende: Entspannung in den Kommunen

Aktuelle Stunde 21.08.2025 17:19 Min. UT Verfügbar bis 21.08.2027 WDR

Geringere Flüchtlingszahlen entlasten Kommunen in NRW

Stand:

Die Asylzahlen sinken weiter und sorgen auch in den Kommunen NRWs für Entlastung. Einige Notunterkünfte können abgebaut werden.

Die Zahl der Asyl-Erstanträge in Deutschland ist von Januar bis Juli um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervor. Insgesamt registrierten die Behörden in den ersten Monaten gut 70.000 Erstanträge. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des BAMF in diesem Zeitraum noch mehr als 140.000 Anträge. 15,3 Prozent der gut 70.000 Erstanträge betrafen in Deutschland geborene Kindern im Alter von unter einem Jahr.

Entspannung in den Kommunen

Auch in NRW sind die Zahlen rückläufig. 2024 wurden dem bevölkerungsreichsten Bundesland 42.109 Flüchtlinge zugewiesen. Im Jahr davor waren es noch 64.711 Flüchtlinge. Das geht aus Zahlen des NRW-Flüchtlingsministeriums hervor. Demnach verzeichnete NRW im aktuellen Jahr (Stand 19. August) bislang 14.440 neue Flüchtlinge.

"Die zurückgehenden Zahlen der Asylanträge bringen eine Entlastung, allerdings ausschließlich mit Blick auf Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten, die neu in den Kommunen ankommen", erklärte Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW.

Auch der Städtetag NRW spürt eine gewisse Entlastung der Kommunen. Einige Notunterkünfte könnten nun wieder abgebaut werden, erklärte Städtetag-Geschäftsführer Christian Schuchardt gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Gründe für die sinkende Zahl der Asyl-Erstanträge sind unter anderem Abkommen mit Staaten in Nordafrika sowie stabilere Lagen in Ländern wie Syrien oder Libyen. Dadurch geht die Anzahl der Asyl-Erstanträge in der gesamten EU schon länger zurück - und nicht erst seit den von Innenminister Dobrindt im Mai eingeführten Grenzkontrollen.

"Schon 2024 hat sich gezeigt, dass die Zugangszahlen von Geflüchteten im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig sind. Diese Entwicklung hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, wie zum Beispiel Kriege und Konflikte", erklärte NRW-Flüchtlingsministerin Josefine Paul (Grüne). Zudem forderte sie aber auch den Bund auf, Migrationsabkommen mit wesentlichen Herkunftsländern abzuschließen und den Zugang von Zugewanderten zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. "Wir müssen bei der Frage der besseren Steuerung von Prozessen auch das Thema Integration verstärkt in den Blick nehmen", so Paul.

Zahl der Rückführungen gestiegen

Trotz der momentanen Entspannung hätten die Städte und Gemeinden in NRW aber ihre Belastungsgrenze insgesamt schon längst erreicht, betonte Christof Sommer vom Städte- und Gemeindebund NRW. "Denn die Menschen, die schon in den vergangenen Jahren zu uns gekommen sind, müssen weiter angemessen untergebracht, versorgt und integriert werden."

"Die enormen Herausforderungen und die angespannte Lage bleiben bestehen." Christof Sommer

Und auch Städtetag-Geschäftsführer Schuchardt betonte, dass etwa die Rückführung von ausreisepflichtigen Asylbewerbern besser und schneller funktionieren müsse.

In NRW ist die Zahl der Rückführungen im Zuständigkeitsbereich der NRW-Ausländerbehörden seit 2021 gestiegen - von 2.903 auf 4.440 im vergangenen Jahr.

Unsere Quellen:

  • Flüchtlingsministerium NRW
  • Josefine Paul in einer Mitteilung des Flüchtlingsministeriums
  • Aktuelle Zahlen des BAMF
  • Christof Sommer in einer Mitteilung des Städte- und Gemeindebundes NRW
  • Christian Schuchardt in der Augsburger Allgemeinen

Über dieses Thema berichten wir am 21. August 2025 auch im WDR Fernsehen: WDR aktuell, 12.45 Uhr.

Weitere Beiträge zur Politik in NRW

1 / 2