Seit Corona können Firmen ihre Hauptversammlungen auch virtuell abhalten. Viele Firmen sind inzwischen wieder zur Präsenz in großen Hallen zurückgekehrt. Der Essener Energiekonzern RWE nicht. Er lädt auch in diesem Jahr zu einer Versammlung am Computer, Tablet oder Handy. Das soll es Aktionären weltweit leichter machen, daran teilzunehmen, sagt der Konzern.
So bekommen die Aktionäre allerdings auch nicht mit, was während der Hauptversammlung vor der Konzernzentrale in Essen passiert. Dort will ein Bündnis aus Klimaschützern und NGOs protestieren. Es werden 30 bis 50 Teilnehmer erwartet.
Protest bei RWE: Was wollen die Klimaschützer?
Das Bündnis fordert, dass RWE deutlich mehr Geld für den Ausgleich von Klimaschäden zurücklegt. "Das Unternehmen hat diese Schäden mit verursacht und trägt durch seine aktuelle Geschäftstätigkeit, wie durch den Bau der Rheinwassertransportleitung, immer noch dazu bei", heißt es.
Ganz konkret geht es beim Protest auch um 39 Bauern aus Pakistan. Ihr Land war 2022 von massiven Regenfällen und Überschwemmungen betroffen, damals wurde ein Drittel von ganz Pakistan überflutet. Die Bauern sind der Meinung, dass die Katastrophe durch den Klimawandel verursacht wurde. Den RWE-Konzern wollen sie für seinen weltweiten CO2-Ausstoß anteilig haftbar machen.
Bei der Flutkatastrophe 2022 in Pakistan haben Millionen Menschen ihr Zuhause verloren.
Bauern aus Pakistan wollen Geld von RWE
Die Bauern fordern bis zu eine Million Euro von RWE und dem Zementhersteller Heidelberg Materials. Ende Dezember 2025 haben sie Klage gegen beide Firmen eingereicht. RWE hält die Forderungen für unbegründet und sieht die Klage als Versuch, "klimapolitische Forderungen in deutsche Gerichtssäle zu verlagern".
Vertreter des Bündnisses wollen sich auch in der Hauptversammlung dazuschalten. Der Fall dürfte in der Versammlung aber allenfalls eine Nebenrolle spielen. Stattdessen geht es unter anderem um die Dividende für dieses Jahr. RWE will 1,20 Euro pro Aktie zahlen, zehn Cent mehr als letztes Jahr. Davon profitieren auch viele Städte und Kreise in NRW, die an RWE beteiligt sind.
Positive Jahresbilanz bei RWE
Zuletzt hatte RWE eine positive Jahresbilanz gezogen. 2025 hat der Konzern einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro gemacht, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. In den nächsten Jahren will RWE sein Geschäft mit erneuerbaren Energien, Batteriespeichern und Gaskraftwerken enorm ausbauen. Hier sollen 35 Milliarden Euro investiert werden.
Unsere Quellen:
- RWE
- Bündnis medico international
- bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, RWE-Hauptversammlung wird von Protesten begleitet, 30.04.2026, 6:10 Uhr
