Sie hatten es Ende Oktober schon angekündigt und jetzt Taten folgen lassen: 39 Landwirte aus der pakistanischen Provinz Sindh haben eine Klimaklage vor dem Landgericht Heidelberg eingereicht. Im Visier: der Essener Energiekonzern RWE sowie der Zementhersteller Heidelberg Materials.
Größte Flutkatastrophe des Landes
Die Bauern aus Pakistan fordern eine anteilige Entschädigung für massive Schäden, die sie nach eigener Aussage bei einer der größten Flutkatastrophen des Landes erlitten haben. Die war im Jahr 2022, damals überschwemmte Starkregen einen großen Teil von Pakistan. 33 Millionen Menschen wurden obdachlos, die Fluten zerstörten Häuser, Felder und Lebensgrundlagen im ganzen Land.
Verzweifelter Landwirt
Bei der Flutkatastrophe stand alles unter Wasser
Auch die Felder von Abdul Hafeez Khoso wurden vollständig überflutet: "Der Schaden hat uns in einer Spirale aus Armut, Schulden und Verzweiflung gestürzt", sagt der 42-Jährige. Und fügt an: "Mit der Klage fordern wir nicht nur Entschädigung, sondern Gerechtigkeit. Wir verlangen, dass die Welt von uns Kenntnis nimmt und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden".
Die Bauern aus Pakistan sind der Meinung, dass die Flutkatastrophe durch den Klimawandel verursacht worden ist und wollen die Konzerne für ihren weltweiten CO2-Ausstoß anteilig haftbar machen. Einer neuen Studie zufolge soll RWE mindestens für 0,68 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen und Heidelberg Materials für 0,12 Prozent verantwortlich sein. RWE ist ein Stromkonzern, Heidelberg Materials stellt Zement her.
Konzerne weisen Vorwürfe zurück
Die Anwälte der Kläger hatten beide Konzerne bereits Ende Oktober darüber informiert, dass sie Schadensersatzansprüche geltend machen würden. Die Konzerne weisen die Vorwürfe jedoch zurück und so wurde Ende vergangenen Dezember die Klage vor dem Landgericht Heidelberg eingereicht.
Die Bauern aus Pakistan werden von den Menschenrechtsorganisationen medico international, ECCHR sowie den pakistanischen Organisationen HANDS Welfare Foundation und der National Trade Union Federation unterstützt.
Nicht die erste Klimaklage gegen RWE
Es ist nicht das erste Mal, dass es zu einer Klimaklage gegen den Essener Energiekonzern RWE kommt. Ein Landwirt aus Peru hatte vor elf Jahren Geld von RWE für Schutzmaßnahmen an einem Gletschersee gefordert. Er befürchtet, dass der Klimawandel für das Abschmelzen der Gletscher sorge und sein Haus eines Tages überspült werde.
Das OLG Hamm wies die Klage ab. Es hatte keine konkrete Gefahr für das Haus des Klägers festgestellt, weil es zu weit vom Ufer des Sees entfernt liege. Im Urteil hat das Gericht jedoch festgehalten, dass deutsche Unternehmen grundsätzlich für die Folgen des Klimawandels im Ausland haftbar gemacht werden können.
Neue Klimaklage gegen RWE: Bauern aus Pakistan fordern Schadenersatz
Lokalzeit Ruhr. 28.10.2025. 01:47 Min.. Verfügbar bis 28.10.2027. WDR. Von Rainer Kuka.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter
- Medico International
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 28.10.2025, 19.30 Uhr.
Sendung: WDR 2, Lokalzeit Rhein und Ruhr, 20.01.2026, 13.31 Uhr.
