Eine Lehrerin zeigt das Schriftliche Dividieren einer Schülerin an der Tafel

Müssen Grundschüler schriftlich dividieren können?

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Könnten wir in den Grundschulen auf das schriftliche Dividieren verzichten? Der Streit wird gerade wieder sehr emotional geführt. Wir zeigen, um welche Unterschiede es geht und wie die Pläne für NRW aussehen.

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Das schriftliche Dividieren gilt in der Mathematik als die schwierigste Grundrechenart: Man muss dafür das Teilen, Multiplizieren und Subtrahieren beherrschen, oft passieren dabei Fehler. Pädagogen und Schulforscher sehen schon länger das Problem, dass Grundschüler diese Rechenart zu früh erlernen müssen, ohne sie ausreichend zu verstehen. Manche Kinder würden dabei lediglich "automatisch eine Art Rechenanleitung befolgen", anstatt ein tieferes Verständnis für das Dividieren zu entwickeln, sagt das niedersächsische Kultusministerium.

Diskussion ums schriftliche Dividieren in der Grundschule

WDR Studios NRW 13.01.2026 02:12 Min. Verfügbar bis 13.01.2028 WDR Online

Deshalb wurde dort das Kerncurriculum geändert, Auswirkungen erleben die Dritt- und Viertklässler ab dem Schuljahr 2027/28. Dann wird das schrifliche Dividieren nicht mehr in der Grundschule gelehrt, sondern erst in der fünften Klasse. Der Matheunterricht in der Grundschule soll in Teilschritten darauf vorbereiten, so der Plan. Dividieren sollen die Grundschüler zwar lernen, aber zunächst nur "halbschriftlich". So funktionieren die beiden Methoden:

Schriftliches Dividieren auf einer Tafel

Beim schriftlichen Dividieren kommt ein Algorithmus zum Einsatz, das heißt: Ein ganz bestimmter Lösungsweg, der stets gleich funktioniert und schrittweise zu einer Lösung führt. Man teilt die erste Ziffer (4) der linken Zahl durch die rechte Zahl (5). Da das nicht geht, holt man die zweite Ziffer (2) hinzu und hat 42. Jetzt muss man seine Einmaleins-Kenntnisse anwenden und die Zahl bestimmen, die ein Vielfaches der rechten Zahl (5) ist, dabei aber möglichst nahe an der 42 liegt. Das wäre die 40. In die 40 passt die 5 8-mal hinein, somit hat man die erste Lösungsziffer 8. Es bleibt ein Rest von 2 (=42-40), der wieder nicht durch 5 teilbar ist. Also muss man von oben die nächste Zahl (6) herunterholen. Das wiederholt man so lange, bis die Rechnung abgeschlossen ist.

Halbschriftliches Dividieren auf einer Tafel

Beim halbschriftlichen Dividieren gibt es keinen einheitlichen Rechenweg. Generell gilt: Man zerlegt die Zahl in Portionen, die man leichter teilen kann, teilt diese Portionen, und addiert die Ergebnisse. Während der eine 4.260 in 4.000, 200 und 60 aufteilt und durch 5 dividiert, nimmt der andere vielleicht die 4.000, 250 und 10. Für den Mathematikdidaktiker Timo Leuders ist das "geschicktes Kopfrechnen auf Papier. Die Zwischenschritte, die ich mir nicht merken kann, schreibe ich auf. Am Ende zähle ich die Teilergebnisse zusammen", sagte er der FAZ.

Kultusministerkonferenz hat bereits 2022 Bildungsstandards geändert

Die Entscheidung in Niedersachsen wird zwar derzeit heiß diskutiert, ist aber kein Alleingang. Bereits 2022 wurden in der Kultusministerkonferenz (KMK) die Mathematik-Bildungsstandards entsprechend verändert. Mehrere Bundesländer haben diese Änderung bereits angeschoben, darunter Berlin, Brandenburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, andere befinden sich noch in einer früheren Phase der Umsetzung und Diskussion.

NRW will am schriftlichen Dividieren festhalten

In Nordrhein-Westfalen will das Schulministerium am schriftlichen Dividieren in der Grundschule festhalten. Auf Anfrage des WDR hieß es aus dem Schulministerium: "In den Grundschulen von Nordrhein-Westfalen wird schriftlich dividiert, das schreiben die Lehrpläne vor. Eine Änderung ist nicht geplant."

Dorothee Feller, CDU, Ministerin für Schule und Bildung, NRW

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)

Wenn man im Lehrplan nachliest, fällt allerdings eine Unterscheidung auf: Die Schülerinnen und Schüler sollen die schriftlichen Rechenverfahren inklusive der Division "erläutern" und "beschreiben" können. Wenn es aber um das sichere Können geht, werden nur noch die schriftliche Addition, Subtraktion und Multiplikation aufgeführt. Von Division ist hier keine Rede mehr.

Schriftliche Division als "Ziffernzauber"

Susanne Prediger, Dortmunder Professorin für Mathematikdidaktik, hält das schriftliche Dividieren für "Ziffernzauber: "Wir denken nur über die einzelnen Ziffern nach und schreiben die geschickt untereinander, so dass alles passt", sagte sie dem WDR. "Wir dürfen einen Moment lang vergessen, dass die 3 in der 342 eine 300 ist, und es klappt trotzdem, wenn wir alles sauber untereinander schreiben."

Beim halbschriftlichen Rechnen sei dies anders, man würde immer mitdenken, was die Ziffern bedeuten: "Die Forschung zeigt: Wenn die Kinder nicht vergessen, was die Ziffern bedeuten, dass sich etwa 342 in 300 und 40 und 2 zerlegen lässt, machen sie weniger Fehler." Zudem sei das halbschriftliche Rechnen eine gute Grundlage, um später besser Algebra zu verstehen.

"Wichtig ist eine nachvollziehbare Begründung"

Der Grundschullehrer erklärt eine Rechenaufgabe an der Tafel.

Mathematikunterricht ist im Wandel

Zustimmung kommt auch von der Landeselternschaft Grundschulen in NRW: Beim Mathematik-Unterricht in der Grundschule stünden heute andere Lernziele im Vordergrund als vor 20 oder 30 Jahren. Das Problem dabei: "Viele Eltern sind selbst anders zur Schule gegangen und erwarten diese Rechenwege daher weiterhin." Daher sei es wichtig, ihnen eine klare und nachvollziehbare Begründung zu geben, warum bestimmte Rechenverfahren nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gelehrt werden. Halbschriftliche Verfahren förderten das Verständnis deutlich besser als ein früh eingeführtes rein schriftliches Verfahren.

Lehrerverbände kritisieren Entscheidung

Die spätere Einführung der schriftlichen Division in Niedersachsen sorgt aber auch für viel Kritik. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Stefan Düll, glaubt: "Dieser Schritt kann sich auf der weiterführenden Schule rächen". So gingen traditionelle Fähigkeiten verloren, sagte er gegenüber der Bild-Zeitung. Auch Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, hält die Entscheidung für den falschen Weg. Durch das Untereinanderschreiben beim schriftlichen Dividieren erlernten Kinder "sauberes, formales Arbeiten".

Schüler sollen beim Rechnen "nicht aufhören zu denken"

Angst, dass mit den geänderten Lehrplänen Mathe-Kompetenzen verloren gehen, hat Didaktik-Professorin Prediger dagegen nicht: "Natürlich sollen Schülerinnen und Schüler rechnen können, das ist ja gar keine Frage. Aber wir wollen Rechenwege wählen, bei denen sie nicht aufhören zu denken, sondern bei denen sie verstehen, was sie tun. Wir versuchen seit 30 Jahren, eine schönere, klügere Art von Mathematik in den Grundschulen zu verankern."

Auch für Hedwig Gasteiger von der Universität Osnabrück ist die schriftliche Division kein Selbstzweck. Es sei keine Frage, ob die Kinder solche Algorithmen lernen sollten, sondern eher, wann und in welchem Umfang. Prinzipiell sei es zwar nicht falsch, auch schon Grundschulkindern das schriftliche Dividieren beizubringen, sagte sie der "Zeit". Allerdings müsste dafür auch ausreichend Unterrichtszeit zur Verfügung stehen. Dass das ein Problem ist, zeigen aktuelle Statistiken: In NRW ist 2024/25 laut Schulministerium jede 20. Schulstunde ausgefallen.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Diskussion ums schriftliche Dividieren in der Grundschule, 14.01.2026, 6.02 Uhr

Kommentare zum Thema

49 Kommentare

  • 49 Purzelbär500 16.01.2026, 01:02 Uhr

    Mein Kommentar bezieht sich als Antwort auf den von Streber, vom 15.01 um 18:25 Uhr. Hartcore, wird mit d geschrieben. Du bist scheinbar nicht in Bayern zur Schule gegangen, woher kommt dann deine Weisheit, welche du hier mittels Kommentar von dir lässt?

  • 48 Thea 16.01.2026, 00:21 Uhr

    Ist das neben der Tafel eine Lehrkraft oder die Ministerin mit ihrer Gucci? Schriftliches Multiplizieren wird doch umgekehrt geschrieben wie bei Divison das sollen die Kinder dürfen. Wie sollen da Kinder günstig kaufen können oder sagt die KI der Kasse was günstiger wär.

  • 47 Streber 15.01.2026, 18:25 Uhr

    Wieso müssen ausgerechnet die faulen keine Division lernen schaut euch mal Bayern an was die für Sachen auf Hartcore lernen müssen

  • 46 Snaffers 15.01.2026, 17:46 Uhr

    Die Unterteilung einer Zahl in Faktoren klappt bei Divisoren von 1,2,5,10 für die leistungsschwächeren Schüler sicher halbwegs problemlos, aber, wie ist es bei 44 737:7? Sehen die Kinder hier wirklich 42000 oder fangen, wenn's dumm läuft in 7000er-Schritten an? Oder auch "4x7=28 weiß ich, also 28 000:7? Wäre ja beides ok, aber mit 28 000 als erstem Teilschritt garantiere ich dafür, dass sie sich bei der folgenden Subtraktion (44 737-28 000 verrechnen). Das standartisierte schriftliche Verfahren erfordert ein sicheres Beherrschen aller 1x1-Reihen (ja, das funktioniert auch mit Reigen in Reihenfolge auswendig gelernt notfalls) und bleibt dabei immer im kleinen 1x1. Schriftliche Division sollte in der Grundschule mindestens ein Angebot sein, so wie eben auch sonst unterschiedliche Rechenwege angeboten werden - und dann darf jeder selbst entscheiden, was ihm am besten liegt. Es generell nach Klasse 5 zu verschieben ist nicht der richtige Weg.

    Antworten (1)
    • Peter Schmid 15.01.2026, 18:52 Uhr

      Sehr gut erklärt. Auch ich sehe das schriftliche Dividieren klar im Vorteil. Alles baut auf das 1x1 auf. Bei der anderen Methode fängt doch das Problem schon mit den ersten 4 Ziffern an. 4000:5=800. klar doch. Zwar keine primäre 1x1 Zahl, aber jedem Schüler ist doch klar, dass das Ergebnis nur 800 sein kann. Träumt weiter Mathe-Didaktiker, die ein Buch geschrieben haben und alles genau erklären können und natürlich die Mathematik schöner machen wollen. Mich würde zu diesem Thema die Meinung von Peter Scholze, dem Preisträger der Fields Medaille interessieren, der mit 24 Jahren schon Professor an der Uni Bonn wurde.

  • 45 Michael Hofmann 15.01.2026, 14:42 Uhr

    Alles muss geändert und gleichgeschaltet werden: Beim Kinderfußball heißt es Funino, die Tore werden nicht mehr gezählt und die unterlegene Mannschaft darf einen zusätzlichen Spieler auf das Feld stellen; Bei den Bundesjugendspielen gibt es keine Sieger- oder Ehrenurkundutellafaße mehr, damit auch das 10jährige, zweibeinige 100kg Nutellafaß sich nicht schlecht fühlt, von der Schreibschrift kann man seine dysfuntkionalen Nachkommen befreien lassen und das Nachbarskind findet ohne Routenplanung in Google Maps die Schule nicht, welche in 750 Meter Luftlinie vom eigenen Zuhause liegt, wenn Mutti nicht fährt - und jetzt kommt von einer niedersächsischen Kultusministerin, die selber weder Studium noch Ausbildung abgeschlossen hat, dieser Vorschlag. Anderererseits wird sich gewundert, warum wir in MINT-Fächern bei der Pisa Studie so schlecht abschneiden....Ohne Worte.

  • 44 Monika Nagel 15.01.2026, 14:42 Uhr

    Dieses Thema erinnert an die Geschichte der Schildbürger. Einst als klug beschrieben und gefragt um ihre weisen Ratschläge, wurde ihnen das zuviel. Sie beschlossen zu verdummen. Als Höhepunkt bauten sie ein Haus ohne Fenster und trugen anschließend das Licht in Körben hinein. In diesem Sinne verkommt unsere Schulbildung. Hier sollen doch wohl Grundlagen für ein ganzes Leben gebildet werden. Hierzu gehören auch schriftliches Dividieren.

  • 43 Meixner Kordula 15.01.2026, 10:15 Uhr

    Beide Methoden haben was für sich. Die halbschrifliche Division erfordert logisches Denken und erhöht durch die Aufspaltung der einzelnen Zahlen im Kopf, die Fehlerquote. Die alte Methode ,erfordert ordentliches Aufschreiben und es handelt sich um max. eine dreistellige Zahl ,die zu teilen .Zahlen auf dem Papier sind sichtbar und reduzieren damit eine Fehlerquote.

  • 42 Meixner Kordula 15.01.2026, 10:07 Uhr

    Beide Methoden haben was für sich. Die halbschrifliche Division erfordert logisches Denken und erhöht durch die Aufspaltung der einzelnen Zahlen im Kopf, die Fehlerquote. Die " alte Methode " ,erfordert ordentliches Aufschreiben und es handelt sich um max. eine dreistellige Zahl ,die zu teilen .Zahlen auf dem Papier sind sichtbar und reduzieren damit eine Fehlerquote.

  • 41 Karel M. 15.01.2026, 10:06 Uhr

    Ob es eine gute Idee ist, der zunehmenden Verdummung unserer Gesellschaft auch noch Vorschub zu leisten ?

    Antworten (1)
    • Meixner Kordula 15.01.2026, 10:21 Uhr

      Leider werden wir nicht gefragt ob die Verdummung das richtige Ziel ist. Die Tatsache ,daß die Schüler heute dem Leistungsstand von dem aus den 90 ziger Jahren nicht entsprechen ist gegeben.Die Anforderungen nehmen Leider ab ,statt zu.

  • 40 Copello 15.01.2026, 09:38 Uhr

    Hier wird ja nur die halbe Wahrheit erzählt. Schriftliches dividieren wird ja genau dann wichtig , wenn es nicht 4260 durch 5 zu rechnen gilt sondern 2350 geteilt durch 8. Mit Nachkommastellen, ggf etlichen oder auch unendlichen oder Perioden. Perioden zu erkennen soll man mir mit halbschriftlichem Dividieren mal zeigen. Wenn Laien, der auch ich bin, diese Diskussion führen, führt das zu nichts. Das sollten Experten tun.

  • 39 Rollo 15.01.2026, 09:17 Uhr

    Halbschriftliche Division überfordert die Lernenden auch. Wählen sie beliebige Zahlen zwischen 7000 und 8000 z.B. 7365 Und teilen halbschriftlich durch 5. Wie sehen Ergebni und Rechenweg aus?

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