Sprachförderung schon vor der Grundschule
Aktuelle Stunde . 13.01.2026. 30:01 Min.. UT. Verfügbar bis 13.01.2028. WDR. Von Mathea Schülke.
30 Prozent aller Schulanfänger in NRW sprechen so schlecht Deutsch, dass sie dem Unterricht kaum folgen können, sagt Landesschulministerin Dorothee Feller (CDU). Heute hat sie gemeinsam mit Ministerpräsident Hendrik Wüst ein Programm vorgestellt, das das ändern soll.
Dafür sollen ab 2028 die Schuleingangsuntersuchungen von Herbst auf Frühjahr vorgezogen werden. In solchen Tests soll dann ermittelt werden, ob die Kinder ausreichend Deutsch sprechen. Wenn nicht, werden sie verpflichtet, "ABC-Klassen" zu besuchen. Das sind verpflichtende schulische Vorkurse, in denen Kinder gezielt auf die sprachlichen Anforderungen des Unterrichts vorbereitet werden.
Monika Maraun leitet die Paulusschule in Düsseldorf und ist ehrenamtliche Expertin bei der Gewerkschaft Erziehung und Bildung NRW. Im Interview mit dem WDR sagt sie: Die Idee ist richtig, die Umsetzung wird aber schwer.
Warum ist die Idee grundsätzlich gut?
Laut Maraun kommen auch bei ihr mittlerweile viele Kinder ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse in die Schule, die dann "stark begleitet werden müssen, damit sie dem Unterricht folgen können."
Das liege unter anderem an der fehlenden Kindergartenpflicht. "Oft fehlen den Kindern die Erfahrungen aus dem Kindergarten, und sie starten mit großen Defiziten."
Gerade für Kinder, die aus dem Ausland kämen und die Zuhause kein Deutsch sprächen, sei der Start in der Schule schwierig. Zudem kämen Eltern, deren Kinder die Förderung brauchen, oft sehr spät zu den Schul-Anmeldungen.
"Deswegen ist eine Frühförderung unerlässlich." Schulleiterin Monika Maraun
Was kann an den Plänen kritisiert werden?
Das sind laut Maraun mehrere Dinge. Eines der größten Probleme sei, dass es nicht genug Personal gebe. Derzeit sind landesweit bereits 3.000 Lehrerstellen unbesetzt. "Wir wissen jetzt schon hinten und vorne nicht, wie wir den Unterricht besetzen sollen", sagt die Schulleiterin aus Düsseldorf.
Man arbeite bereits mit Vertretungskräften und Seiteneinsteigern. "Wir müssen dann gucken, was Priorität hat, wenn Lehrer ausfallen. Was bediene ich zuerst: die Kinder in der Grundschule oder die in der Frühförderung? Das ist ein großes Problem, das nicht gesehen wird."
Schulleiterin Monika Maraun
Um das zu entzerren, setzt die Landesregierung unter anderem auf Sozialpädagogen. Maraun sieht das kritisch. "Sie werden nicht dafür entlohnt und die sprachliche Frühförderung ist auch nicht deren Aufgabe. Sie brauchen erst einmal eine Qualifikation für das Fach Deutsch. Gerade für die frühkindliche Förderung ist es unerlässlich, dass wir Fachpersonal haben."
Das zweite große Problem: Vielerorts fehlen die Räume - auch an der Paulusschule in Düsseldorf, wo es für alle Kinder beziehungsweise deren Eltern ab dem Schuljahr 2026/27 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gibt. Dadurch ist noch weniger Platz. "Bei uns sind die Räume den ganzen Tag komplett besetzt. Wir haben jetzt schon einen immensen Raummangel", sagt Maraun.
Was könnte eine Lösung sein?
Lehramtsstudenten im Praxissemester könnten gegen entsprechende Bezahlung die Frühförderung übernehmen, schlägt Monika Maraun vor. Zudem hofft sie, dass sich die Politik noch mehr mit den Schulen sowie Lehrerinnen und Lehrern austauscht. Denn:
"Man muss mit Menschen aus der Praxis reden, wie die Frühförderung umsetzbar ist. Sonst läuft das ins Aus und wird auch nicht wirklich gut." Schulleiterin Monika Maraun
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Schulleiterin Monika Maraun aus Düsseldorf
- Pressekonferenz mit Ministerpräsident Wüst und Schulministerin Feller
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 13.01.2025, 18.45 Uhr