Eine Frau hält eine Tafel mit der Aufschrift "ABC" hoch

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ABC-Klassen: NRW macht Sprachförderung vor der Einschulung zur Pflicht

Stand:

Viele Kinder starten mit Sprachdefiziten in die Schule. NRW will das mit verpflichtender Sprachförderung ändern.

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Mit sogenannten "ABC-Klassen" führt Nordrhein-Westfalen ein neues Modell der frühzeitigen Sprachförderung ein. Ein entsprechendes Gesetz, das bessere Bildungschancen schaffen soll, wurde am Donnerstag (19.03.2026) im Landtag debattiert. Kinder mit Sprachdefiziten sollen künftig verpflichtend an den ABC-Klassen teilnehmen.

30 Prozent der Kinder mit Sprachdefiziten

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) betonte in der Debatte mit Verweis auf die Schuleingangsuntersuchungen: "Rund dreißig Prozent der Kinder verfügen bei der Einschulung nicht über die erforderlichen Sprachkenntnisse, um dem Unterricht angemessen folgen zu können". Diese Kinder benötigten deshalb eine intensivere Vorbereitung auf den Schulstart.

Damit für die Förderung mehr Zeit bleibt, soll die Anmeldung zur Grundschule um etwa ein halbes Jahr vorgezogen werden - auf das Frühjahr des Jahres vor der Einschulung. Werden bei dieser Anmeldung Sprachdefizite festgestellt, müssen die betroffenen Kinder zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden an den ABC-Klassen teilnehmen.

Start ab dem Schuljahr 2028/2029

Die Einführung der ABC-Klassen ist zum Schuljahr 2028/2029 geplant. Die vorgezogene Anmeldung zur Grundschule greift also erstmals im Frühjahr 2028 für Kinder, die im darauf folgenden Jahr in die erste Klasse kommen.

Verantwortlich für die neue Sprachförderung sind die Grundschulen. Lehrkräfte und sozialpädagogisches Personal sollen die Kinder intensiver auf die Schule vorbereiten.

Ziel sei es, dass alle Kinder mit den gleichen sprachlichen Voraussetzungen ihre Schullaufbahn beginnen, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bei der Vorstellung des Konzepts im Januar. Ohne ausreichende Sprachkompetenz ende Bildung für viele Kinder, "bevor sie so richtig begonnen hat", betonte Wüst. Schulbildung müsse vom ersten Tag an wirksam sein - "unabhängig vom Elternhaus".

Option: Verlängerte Schuleingangsphase

Die Landesregierung plant zudem, die Schuleingangsphase für Kinder mit großem Förderbedarf von bisher zwei auf drei Jahre auszuweiten. Die Schulleitungen sollen schon vor Beginn des ersten Schuljahres individuell über die verlängerte Schuleingangsphase entscheiden können. Diese Förderung nennt sich "ABC Plus".

Opposition kritisiert die Pläne

In der Landtagsdebatte zur ersten Lesung des Gesetzes musste sich Schulministerin Dorothee Feller viel Kritik aus der Opposition anhören. Zum Beispiel daran, dass die Sprachförderung nicht durch Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas erfolgt, sondern in der Hoheit der Grundschulen liegen soll.

"Statt die Kita zu stärken, wird sie nun durch die Einführung der ABC-Klassen faktisch entwertet", betonte die FDP-Landtagsabgeordnete Franziska Müller-Rech. Die Landesregierung sage den Erzieherinnen und Erziehern mit Blick auf die Sprachförderung: "Ihr könnt das nicht. Wir nehmen euch das besser ab!"

Verpflichtende Sprachförderung in ABC-Klassen geplant

WDR 5 Westblick - aktuell 19.03.2026 06:13 Min. Verfügbar bis 19.03.2027 WDR 5

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Auch die SPD kritisiert das Gesetz scharf. Das Vorhaben sei keine Bildungsoffensive, sondern eine "Bankrotterklärung für die Chancengleichheit", sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Dilek Engin (SPD). Und der AfD-Abgeordente Christian Blex kritisierte, dass die neuen ABC-Klassen erst im Jahr 2029 starten sollen.

Kritik gibt es auch von der Lehrergewerkschaft VBE. Die Einführung der ABC-Klassen sei "weder pädagogisch noch organisatorisch durchdacht", heißt es von der VBE-Landesvorsitzenden Anne Deimel. Schon bei der Vorstellung des Konzepts hatte sie darauf verwiesen, dass für das neue Konzept zusätzliche Lehrkräfte und sozialpädagogischen Stellen nötig seien. Doch genau die fehlten schon heute an vielen Grundschulen.

NRW führt verpflichtende Vorschulklassen zur Sprachförderung ein | WDR aktuell

02:23 Min. Verfügbar bis 13.01.2028

Land sagt Kommunen mehr Geld zu

Für die Umsetzung der ABC-Klassen will das Land den Kommunen zusätzliches Geld zur Verfügung stellen. Neben weiterem Personal werden laut Personal auch zusätzliche Räume benötigt. Zudem entstehen Kosten für den Transport der Kinder zwischen Kitas und ABC-Klassen.

Unsere Quellen:

  • Landtagsdebatte zur ersten Lesung des Gesetzes am 19.03.2026
  • Pressekonferenz mit Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schulministerin Dorothee Feller (beide CDU) am 13.01.26
  • Pressemitteilung des VBE

Sendung: WDR.de, Landtag berät über ABC-Klassen, 19.03.2026, 06:00 Uhr

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Alele 29.04.2026, 19:49 Uhr

    Den Kitas werden die Hände gebunden, da ihre Angebote freiwillig sind. Ein Kind, was nicht kommt, kann nicht gefördert werden. Leider besuchen Kinder mit Migrationshintergrund die Kitas später ( da sie z.B. keinen Kitaplatz bekommen, kein Recht auf einen U3 Platz haben usw) unregelmäßiger ( da die Eltern z.B. nicht arbeiten müssen,usw) und sie bekommen häufig die schlechtere Betreuung ( die Kitas in „guten“ Stadtteilen haben z.B. kaum Kinder mit Migrationshintergrund oder die Kita in einem „schlechten Stadtteil“ hat fast keine Kinder ohne Migrationshintergrund. Sie kommen auch z.B. in Ersatzangeboten wie Welcome-Gruppen oder Kita-Ersatzgruppen in Grundschulen ( welche es heute schon gibt, mit keinen guten Erfolgsquoten). Da Bildung im Elementarbereich immer auch Bindung voraussetzt, ist das ganze echt leider nicht gut durchdacht. Einfach Kitapflicht für die letzten beiden Kitajahre und das Sprachförderprogramm ausbauen wären schnelle, viel günstigere und kindgerechtereAlternativen.

    Antworten (1)
    • WDR.de 29.04.2026, 20:24 Uhr

      Liebe Alele, vielen Dank für deinen Beitrag an unserer Diskussion. Bitte achte bei deinen Äußerungen darauf, "Gefühl" und "Fakt" voneinander zu unterscheiden. Viele Dinge, die wir im Alltag wahrnehmen, können sich möglicherweise an anderen Orten ganz anders darstellen. Viele Grüße vom WDR.de-Team

  • 1 Marion Wingerath 29.04.2026, 12:19 Uhr

    Bildung funktioniert nur über Bindung. Für die ABC Klassen werden Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld geholt um dann mit Bussen und fremden Verantwortlichen in eine fremde Umgebung geschafft zu werden. Wenn entwicklungspsychologisch bewiesen ist, wie Bildung funktioniert. Kitas erheben mit fundierten Methoden den Sprachstand damit von Lehrkräften erneut der Sprachstand erhoben werden muss. Finde den Fehler. Unfassbar und wo genau wird dabei das Kindeswohl beachtet? Vielleicht müssen wir uns nicht immer die Frage stellen ob Kinder schulfähig sind, sondern häufiger ob unsere Schulen noch kindfähig sind.

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