Insgesamt wurden demnach 93,8 Prozent der vorgesehen Unterrichtsstunden erteilt (Vorjahr: ebenfalls 93,8) - wobei darunter auch Vertretungsunterricht (9,8 Prozent, Vorjahr: 9,7 Prozent) und Distanzunterricht fallen. Planmäßig wurden 83,9 Prozent des Unterrichts erteilt (Vorjahr: 83,7).
Schulministerin Dorothee Feller (CDU) wertet die "nahezu deckungsgleichen Ergebnisse" als "Ansporn, unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung konsequent fortzuführen und weiterzuentwickeln". Der Lehrkräftemangel in NRW sei über lange Zeit entstanden.
Wir werden ihn auch nicht von jetzt auf gleich beheben können. Aber wir bleiben dran und kommen Schritt für Schritt voran. Schulministerin Dorothee Feller
Ende November hatte eine Forsa-Umfrage ergeben: Mehr als die Hälfte der Schulleitungen in NRW (58 Prozent) sieht den Lehrkräftemangel als größtes Problem an. Feller betont, in den vergangenen drei Jahren seien 9.700 zusätzliche Kräfte gewonnen worden. Allerdings fehlen weiterhin viele Lehrerinnen und Lehrer - Anfang Dezember 2025 waren an NRWs Schulen rund 8.800 Stellen unbesetzt.
Warum der Unterricht ausfällt
Das Schulministerium nennt viele Abweichungen vom Stundenplan "systembedingt". Dazu gehöre die Begleitung von Klassenfahrten, Prüfungen, Zeugnistage u.ä. Als häufigster Grund wird die Erkrankung von Lehrkräften angeführt, auch wenn die in drei von vier Stunden durch eine Vertretungslösung aufgefangen werde.
Der Landesverband NRW des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hatte bereits bei der vergangenen Statistik auf einen blinden Fleck hingewiesen: den sogenannten strukturellen Unterrichtsausfall. Der entsteht durch unbesetzte Stellen - wenn dadurch aber das Unterrichtsangebot gedrosselt werde, gelte das nicht als Ausfall. So werde "das Bild des schulischen Alltags in NRW verzerrt und nicht umfassend abgebildet".
SPD sieht in dem Zahlenwerk Bilanz der Untätigkeit
Während die CDU-Bildungsministerin die etwa gleichgebliebenen Zahlen als Motivation sieht und sich auf dem richtigen Weg weiß, wertet die oppositionelle SPD die Statistik ganz anders. Feller verkaufe "Stillstand als Ansporn".
Die Zahlen zum Unterrichtsgeschehen sind genauso schlecht wie im Vorjahr – kein Zentimeter Fortschritt. Das ist keine Randnotiz, das ist ein Alarmzeichen. Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin SPD
Engin spricht von einem bildungspolitischen Stillstand. Die SPD-Politikerin fordert u.a. eine Reform der Lehrkräfteausbildung und einen unkomplizierten Seiteneinstieg.
Schulgenaue Zahlen: Transparenz - nicht Pranger
Die Daten werden seit dem Schuljahr 2023/24 flächendeckend für NRW erhoben. Erfasst werden alle öffentlichen Grund-, Haupt-, Real-, Gesamt-, Sekundar- und Primus-Schulen, Gymnasien sowie Förderschulen für Lern- und Entwicklungsstörungen. Am 16. Dezember werden die Ergebnisse für die einzelnen Schulen im Bildungsportal NRW veröffentlicht. Für Feller ist das eine Frage der Transparenz, Schulen sollten nicht an den Pranger gestellt werden: "Wenn an einer Schule der Unterricht häufiger ausfällt, dann sagt das noch nichts über die Qualität der geleisteten Arbeit aus."
Unsere Quellen:
- Mitteilung aus dem NRW Schulministerium
- Mitteilung der SPD
- Agenturen
Sendung: WDR.de, "Wie viel Unterricht fällt in NRW aus?", 10.12..2025, 14:43 Uhr
