Der Fall Scharrenbach | Aktuelle Stunde
Aktuelle Stunde . 27.03.2026. 13:49 Min.. UT. Verfügbar bis 27.03.2028. WDR. Von Daniela Rüthers-Becker.
Mit Spannung war der Auftritt der Ministerin erwartet worden. Ina Scharrenbach (CDU) sollte im Bauausschuss des Landtags Auskunft über die gegen sie erhobenen Vorwürfe geben. In ihrem Ministerium soll eine von "Angst und Schrecken" geprägte Atmosphäre herrschen, so berichtete der "Spiegel" erstmals vergangene Woche. Von "gesundheitsschädigenden Umgangsformen" war dabei die Rede, von einem "desaströsen Führungsverhalten".
Ganz im Gegensatz dazu stand der Auftritt der Ministerin am Freitag. Sichtlich angefasst und mit den Tränen kämpfend ging Ina Scharrenbach auf einige Vorwürfe ein. Wer sie kenne, der wisse, dass sie noch nie in ihrem Leben einen Menschen habe scheitern sehen wollen, erklärte die Ministerin.
"Ich fühle das nicht, ich denke das nicht, ich handle danach nicht." Ina Scharrenbach (CDU)
Seit Mittwoch werde ihr eine solche Aussage zugeschrieben, sagte sie mit stockender Stimme. Dem WDR liegt eine E-Mail vor, die der Präsident von IT.NRW, Oliver Heidinger, dem Staatssekretär Scharrenbachs geschickt hat.
Darin führt Heidinger aus, dass er gehört habe, die Ministerin wolle ihn "scheitern sehen", damit sie ihn "endlich absetzen könne". Dies soll Scharrenbach gegenüber einem Unternehmen, mit dem IT.NRW eng zusammenarbeitet, geäußert haben.
Betroffenheit im Bauausschuss
"Wir arbeiten nicht so und wir setzen auch nicht endlich Menschen ab'", erklärte Scharrenbach im Ausschuss. "Wir haben noch nie Menschen abgesetzt." Generell nehme sie Kritik an ihrer Mitarbeiterführung aber an und sei darüber bereits im Gespräch mit Abteilungsleitern und Personalräten.
Es sei nicht zielführend, wenn ihr Haus und IT.NRW in der Öffentlichkeit und letztlich auch auf dem Rücken aller Mitarbeiter eine solche öffentliche Auseinandersetzung führten, monierte Scharrenbach.
Ähnlich betroffen wie Scharrenbach wirkte auch ihr Staatssekretär Daniel Sieveke (CDU). Auch ihm brach im Ausschuss mehrfach die Stimme. "Das macht auch was mit mir", erklärte er.
Scharrenbach räumt Fehler ein
Nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen in Bezug auf ihren Führungsstil hatte die Ministerin in der vergangenen Woche bereits Fehler eingeräumt und angekündigt, offene Gespräche führen sowie anonymes Feedback einholen zu wollen.
Wenn ihr vorgeworfen werde, dass sie eine "zu hohe Führungstiefe habe", dann nehme sie das ernst, erklärte Scharrenbach nun im Ausschuss. Dabei betonte sie auch: "Es geht nicht alles über meinen Schreibtisch." Sie räumte jedoch ein, dass es bei ihr im Alltagsgeschäft zu kurz komme, auch einmal Danke zu sagen.
"Ich bin manchmal zu direkt. Das weiß ich. Und auch daran arbeite ich." Ina Scharrenbach (CDU)
Zählfehler bei Abgängen von Mitarbeitern
Im Ausschuss korrigierte Scharrenbach zudem frühere Angaben zu Personalabgängen in ihrem Ministerium. Die Zahl von 261 Beendigungen sei missverständlich gewesen und beruhe teilweise auf einem Zählfehler. Tatsächlich seien in neun Jahren 94 Beschäftigte in den Ruhestand gegangen.
Weitere Fälle entfielen etwa auf Todesfälle oder Versetzungen im Zuge der Ressortneuordnung. Als "echte" Kündigungen oder Versetzungen auf eigenen Wunsch blieben 111 Fälle in neun Jahren, also im Schnitt elf pro Jahr, so Scharrenbach.
SPD fordert Sonderermittler
Nach der fast fünfstündigen Ausschusssitzung kritisierte Christian Dahm, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion: "Ministerin Ina Scharrenbach hat sich auch in der von uns beantragten Sondersitzung im Landtag bei den betroffenen Beschäftigten nicht entschuldigt. Das wäre wichtig gewesen, nicht nur für ihr Verhältnis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im eigenen Haus."
Er wiederholte dabei seine Forderung nach einem unabhängigen Sonderermittler zur Aufklärung und Aufarbeitung der Vorwürfe. "Gleichzeitig muss Frau Scharrenbach ihr Ministeramt ruhen lassen, bis die Vorwürfe vollumfänglich aufgeklärt sind", so Dahm.
Unsere Quellen:
- Sondersitzung des Bauausschusses im Düsseldorfer Landtag
- Statement von Christian Dahm (SPD)
- eigene Berichterstattung
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR aktuell, 27.03.2026, 16:00 Uhr
Sendung: WDR 5 Westblick, Bewegte Ministerin Scharrenbach weist Mobbing-Vorwürfe zurück, 27.03.2026, 17:05 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 27.03.2026, 18:45 Uhr
