Öffentliche Schuldbekenntnisse sind in der Politik selten. Ein Gang nach Canossa, wie ihn Ministerin Ina Scharrenbach nach der Kritik an ihrem Führungsstil antritt, erst recht. Wer sich öffentlich so demütig zeigt, wird vermutlich einen Grund haben und keine anderen Ausweg mehr sehen.
Ina Scharrenbach eilt schon lange der Ruf voraus, ein eigenwilliges Verständnis ihres Amtes zu haben. Ja, es stimmt, sie gilt als ehrgeizig, fleißig, akribisch, will nichts dem Zufall überlassen. Sie arbeitet lange und unermüdlich. Sie ist hart gegen sich selbst und gegenüber anderen.
Bisweilen erweckt sie den Eindruck, sie wisse alles, und vor allem alles besser, was ihr auch im Kabinett übrigens nicht nur Freunde macht. Das Verhältnis zwischen ihr und Ministerpräsident Wüst gilt als, sagen wir es freundlich, professionell.
Auch in ihrer Partei, der CDU, fliegen ihr nicht gerade die Herzen zu. Ina Scharrenbach hat einen messerscharfen Verstand, das erkennen viele an. Aber Menschen für sich zu gewinnen, war bislang nicht ihre Stärke. Dass Mitarbeiter aus ihrem Haus förmlich die Flucht angetreten haben, ist ein Alarmzeichen und spricht für eine weitgehend empathiefreie Führungskultur.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung im Spiegel mag überraschen, die Geschichte an sich nicht. Im politischen Düsseldorf war das schon lange Gesprächsthema, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Und wenn die Staatskanzlei schon länger davon Kenntnis hatte, zeigt das, wie sensibel der Vorgang für die Regierungsspitze ist.
Wer zu früh interveniert, setzt sich dem Verdacht aus, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen und eine wichtige Ministerin zu schwächen. Wer zu spät handelt, steht schnell im Ruf, die Dinge einfach laufen zu lassen. Oder dass er seinen Laden nicht im Griff hat.
Für Hendrik Wüst ist die Angelegenheit knifflig. Einer verdienten Ministerin, immerhin mit der politischen Hausmacht der CDU-Frauenunion im Rücken, setzt man nicht einfach den Stuhl vor die Tür. In das Bild einer Regierung, die sich vor allem für ihre störungsfreie Arbeit rühmt, passt der Vorgang aber nun so gar nicht. Eine Entschuldigung und das Versprechen, es künftig besser machen zu wollen, ist also das Mindeste.
Aber nach Canossa kann man nur einmal gehen.
Sendung: WDR 5 Westblick, Kommentar: Krise im Scharrenbach-Ministerium?, 19.03.2026, 17:05 Uhr
