Eine Person macht ein Kreuz auf einem Wahlzettel. Symbolbild: Landtagswahl in Baden-Württemberg

16 ist das neue 18 Was bei der Landtagswahl 2027 in NRW wichtig wird

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Die Landtagswahl 2027 in NRW wird eine besondere Wahl. Nicht zuletzt wegen der Herabsetzung des Wahlalters.

16 ist das neue 18. So lässt sich die wichtigste Neuerung für die Landtagswahl im nächsten Jahr auf den Punkt bringen: Erstmals können junge Menschen über die Zusammensetzung des Landtags abstimmen, die am 25. April 2027 das 16. Lebensjahr vollendet haben.

Die Zahl der Wahlberechtigten dürfte dadurch um etwa 300.000 Personen wachsen, schätzt das Innenministerium. Insgesamt können 12,9 Millionen im nächsten Frühjahr ihre Stimme abgeben. Soweit die Zahlen, die heute schon einigermaßen feststehen.

Wenn das bevölkerungsreichste Bundeslandtag wählt ist gern von einer kleinen Bundestagswahl die Rede: fast ein Viertel der Wahlberechtigten in ganz Deutschland leben nämlich in NRW. Sicherlich spielt die bundespolitische Stimmung, wie sie rund um den Landtagswahltag herrscht, auch eine Rolle.

Sie kann Rückenwind für die eine, Gegenwind für die andere Partei bringen. Ob die Wähler hierzulande dann tatsächlich mit der Wahl des Landtags auch der Bundesregierung eine Art Zwischenzeugnis ausstellen, ist hingegen Ansichtssache.

Landtagswahl 2027 in NRW: Scheinwerfer auf die Landespolitik

Wie die Lage im April 2027 sein wird – weltpolitisch, bundespolitisch, landespolitisch – ist nicht vorherzusagen. Aber die Wahlkampfstrategen der Parteien in NRW werden sich Mühe geben, den Scheinwerfer auf die Politik im Land zu richten: Schule, Kitas, Bildung, innere Sicherheit, Verkehr, die Lage der Wirtschaft sowie die Situation auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt zum Beispiel.

Alles klassische Politikfelder, die den Ausschlag geben können, wo die Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz machen. Für die Parteien aber geht es nicht nur um Mandate. Sondern auch darum, politische Trends zu brechen. Vor allem Abwärtstrends.

FDP für Landtagswahl 2027 im Existenzkampf, SPD läuft früheren Erfolgen hinterher

Das gilt akut für die FDP, aber auch für die SPD. Ganz anders sieht es aus Sicht von AfD und Linke aus. Ihre Barometer deuten gerade auf Hochdruck und gute Aussicht. Anders gesagt: Die Wahl könnte sich als eine historische Wegmarke erweisen.

Um den politischen Liberalismus steht es gerade nicht gut in Deutschland. Die Partei, die sich als legitime Erbin und Gralshüterin der bürgerlichen Freiheitsbewegung begreift, ist in einem Kampf um ihre Existenz. Für die FDP und ihren Spitzenmann Henning Höne geht es bei der Landtagswahl in einem Jahr um alles oder nichts.

Verpasst sie nach Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz auch in NRW den Einzug ins Parlament, dann war’s das wohl mit den Freidemokraten. Bis dahin muss Höne sich vor allem an Hendrik Wüst und der Union reiben ("schwarzer Block des Machterhalts"). Einfache Aufgaben sehen anders aus.

Ähnlich wichtig, wenn auch unter anderen Vorzeichen, könnte der Urnengang im April nächsten Jahres für die Sozialdemokratie sein. Die Erzählung von der traditionellen SPD-Hochburg NRW, in der sie 39 Jahre ohne Unterbrechung regierte, ist inzwischen etwas für die Geschichtsbücher. Was der Geschichtslehrer und Spitzenkandidat, Jochen Ott, gut weiß.

Die Partei von Johannes Rau macht schwere Zeiten durch, im Osten der Republik, im Süden. Auch im Westen läuft sie den Erfolgen von einst hinterher und versucht es mit waghalsiger Sprachakrobatik ("NRW, jetzt erst gerecht!"). Dass die CDU in diesem Jahrtausend nun schon die dritte Legislaturperiode eine Mehrheit hat und die Staatskanzlei bevölkert, kann selbst der überzeugteste Genosse nicht mehr als Betriebsunfall der Geschichte hinstellen. Rüttgers, Laschet, Wüst – die Ahnenreihe muss der SPD wehtun, mindestens so wie ihre Umfragewerte.

Grüne im Schatten der CDU

Wüst und Neubaur

Wüst und Neubaur

Auch die Grünen werden versuchen, aus dem Schatten Hendrik Wüsts und der CDU zu treten. Als kleiner Koalitionspartner drohen sie in der öffentlich angerührten Harmoniesoße fast unterzugehen. Ihre Kernthemen, vor allem Klimaschutz, ziehen gerade nicht, Spitzenpersonal vom Schlage eines Cem Özdemir haben sie in NRW nicht.

Die AfD hingegen darf auf einen Erfolg hoffen, ein sattes Plus am Wahlsonntag. Was vor allem daran liegt, dass sie 2022 doch sehr bescheiden abgeschnitten hat. Ob die Linke zum zweiten Mal in ihrer Geschichte den Einzug schafft, ist nicht gewiss, aber möglich.

Unter Hendrik Wüst liegt die CDU in allen Umfragen der jüngsten Zeit klar vorn. Allerdings mit sinkender Tendenz. Langjährige Beobachter wissen, dass sich die Dinge in der Politik schnell ändern können. Ein kleiner Anlass kann ausreichen. Mit seiner freundlichen, bisweilen kumpelhaften Art lässt der Westfale Wüst derzeit nichts anbrennen.

Ob auf Terminen oder in seinen Social-Media-Kanälen, Wüst erweckt den Eindruck, als verstehe er sich als Chef-Animateur des Landes, der mit einem Sport- und Bewegungsprogramm die schlechte Stimmung vertreiben will.   

Das letzte Jahr ist immer das schwierigste

Aus den Niederungen der Tagespolitik hält Wüst sich gern raus, da dürfen die Fachminister ran. Nur punktuell äußert er sich zu den heißen Eisen, dann oft als ein Meister des Ungefähren. Er dürfte sich bislang in seinem Kurs bestätigt sehen: öffentlichen Streit in der Koalition vermeiden, den Menschen aufgeschlossen begegnen, sich als ideologiefreier Problemlöser mit Zug zur politischen Mitte präsentieren.

"Politik kann einen Unterschied machen", sagt er gern und listet dann die Leistungsbilanz seiner Regierung auf. Die Methode Wüst wirkt. Ob sie auch im Wahlkampf zieht, wenn die Nervosität steigt und die Parteien in den Kampfmodus schalten, ist offen. Die Menschen wählen Regierungen eigentlich nicht für ihre Bilanzen, erst recht nicht dafür, dass sie sich nicht gestritten haben.

Mit wem versprechen sie sich eine bessere Zukunft für das Land, wem trauen sie Führung zu? Und wer verkörpert glaubwürdiger den Anspruch, die Probleme auch tatsächlich lösen zu wollen und zu können? Danach wird entscheiden. Gerade in Zeiten mit steigendem Problemdruck gilt für Regierungen: Das letzte Jahr ist immer das schwierigste.

Ein Jahr vor der Wahl: Wo steht das Land?

18 Millionen. Der Podcast für Politik in NRW 24.04.2026 32:42 Min. Verfügbar bis 23.04.2031 WDR Online

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Sendung: WDR online, 18 Millionen, Ein Jahr vor der Landtagswahl, 24.04.2026.

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