Hendrik Wüst, CDU, Ministerpraesident des Landes Nordrhein-Westfalen, schaut sich das Kajak von Edina Müller an

Kommentar: Nur Hendrik Wüst zu sein, wird Hendrik Wüst nicht reichen

Stand:

Hendrik Wüst erlebt gerade nichts Exklusives. Ein Jahr vor der Landtagswahl bröckelt der Putz an der eigenen Erzählung, das ist auch schon anderen in seinem Amt passiert.

Jürgen Rüttgers glaubte man irgendwann nicht mehr, der selbsternannte Arbeiterführer zu sein. Hannelore Kraft wurde nicht mehr als die Kümmerin wahrgenommen und Armin Laschet ließ man ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr jede Schlitzohrigkeit durchgehen.

Am Ende entschieden sich die Menschen, dem Image keinen Glauben mehr zu schenken. Kraft und Rüttgers wurden abgewählt, Laschet verlor krachend eine Bundestagswahl und stellte seine Ämter daraufhin zur Verfügung.

Verlässlich oder ambitionslos?

Hendrik Wüst könnte der nächste sein, der in eine solche Falle tappt. Lange war er der Ministerpräsident des geräuschlosen Regierens, ein Gegenpol zum Chaos der jeweiligen Bundesregierungen. Er inszeniert sich bis heute gerne als Mann der Mitte, der verbindet. Wer das loben will, spricht von Verlässlichkeit, wer das kritisieren will, nennt es ambitionslos.

Die Leute stört es bisher nicht. Die Umfragen bewegen sich auf höchsten Werten. Vor allem seine persönlichen. Aber langsam greifen die ersten Hände in die Speichen der eigenen Erzählung.

Da war zum Beispiel ein Bauerntheater zu viel auf Instagram. Da ist ein Kinderbildungsgesetz, das eilig verändert werden muss, weil die Kritik am Gesetzesentwurf verheerend ist.

"Maximale Transparenz" und Hendrik Wüst

Es gibt eine schwer erkrankte Ministerin, die mit erheblichen Vorwürfen des Machtmissbrauchs umgehen und sich den Fragen eines Ausschusses stellen muss. Es wird ein unwürdiges Schauspiel, das fürsorgliche Regierungschefs im Vorfeld verhindert hätten.

Und dann ist da noch ein seltsames Verständnis von Transparenz. Bei der parlamentarischen Aufklärung des Solingen-Attentats grätscht die Staatskanzlei rein. Sie verlangt, dass Fragen der Opposition nicht ausführlich beantwortet werden, obwohl eine - inzwischen zurückgetretene - Ministerin transparent antworten wollte. Mit der von Wüst persönlich im Landtag versprochenen "maximalen Transparenz" hat das wenig zu tun. Nicht nur deshalb murren inzwischen Teile des Koalitionspartners.

All das sind zwar keine großen Skandale, keine Probleme, die einen Ministerpräsidenten zu Fall bringen. Zumindest keinen, der für ein klares Leitbild steht. Nur daran fehlt es Hendrik Wüst. Mal setzt er den Rotstift bei Sozialverbänden an und zieht diesen nach Protesten zurück. Mal ist er liberaler Ordnungspolitiker, mal fordert er mehr Engagement in Gerechtigkeitsfragen.

Wüst fehlt es an Inhalt und Gegnern

Wenn man es hart formulieren wollte, hat Wüst kein eigenes Thema, außer dass er Hendrik Wüst ist: Höflich, telegen und ohne große Ecken wie Kanten. Das reicht langfristig nicht. Das einzige, was ihm aktuell noch sehr hilft, ist die Tatsache, dass es seinen Wettbewerbern wiederum an was ganz anderem fehlt: Einem echten Gegner oder einer Gegnerin. Aber das dachte man lange Zeit auch bei Rüttgers, Kraft und Laschet.

Hinweis: In einer ersten Fassung des Kommentars war die Rede davon, dass Wüst seine steuerpolitischen Positionen verändert habe. Dies hat er aber in der jüngsten Vergangenheit nicht öffentlich geäußert. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen und haben den Text entsprechend angepasst.

Bröckelt das Image des Ministerpräsidenten?

WDR 5 Westblick - aktuell 14.04.2026 03:01 Min. Verfügbar bis 14.04.2027 WDR 5

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Sendung: WDR 5 Westblick, Kommentar zu Hendrik Wüsts Politik, 14.04.2026, 17:05 Uhr

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