Wie hält es die NRW FDP mit Kubicki?

Aktuelle Stunde 18.04.2026 39:27 Min. Verfügbar bis 18.04.2028 WDR Von Lena Wensch

FDP-Landesparteitag Höne will liberales Comeback

Stand:

Mit einem starken Wahlergebnis haben die NRW-Liberalen ihrem Parteichef den Rücken gestärkt. Das Duell gegen Wolfgang Kubicki um das Amt des Bundesvorsitzenden ist damit aber noch nicht gewonnen. Höne versucht, Brücken zwischen den Parteiströmungen zu schlagen. Damit überzeugt er aber selbst im eigenen Landesverband nicht alle.

Von Steven Hartig

Henning Höne redet sich gerade über die aktuelle Migrationspolitik in Rage, als für die FDP im wahrsten Sinne des Wortes das Licht ausgeht. Die knapp 400 Delegierten in der Duisburger Mercatorhalle können ihren Landesvorsitzenden am Rednerpult nur noch als dunkle Gestalt erahnen: Stromausfall.

Höne zögert einen Moment und lacht dann: "Das kommt davon, wenn man den Grünen die Energiepolitik überlässt." Höne kann auch zuspitzen, bissig sein. Den Delegierten gefällt das.

Höne will FDP breiter aufstellen

Der 39-Jährige aus Coesfeld hält eine humorvolle, schlagfertige Rede. Die FDP müsse kämpfen gegen die Feinde der Freiheit: gegen Paternalisten von links, gegen Autoritäre von rechts. Aber auch gegen die bequeme Mitte, die den Stillstand nur noch verwaltet. Die CDU verspottet er als "schwarzen Block des Machterhalts".

Innerparteilich hingegen versucht Höne Brücken zu bauen. "Ich will zusammen führen. Ich will ein Team führen, das um die Unterschiede weiß. Das weiß, dass diese Unterschiede eine Stärke sind, dass diese Unterschiede als Chance genutzt werden können." Das Comeback der FDP werde man nur gemeinsam schaffen.

Mehr Unterstützung, aber auch Kubicki-Fans

Zwei Stunden später kann sich Höne über 84 Prozent der Delegiertenstimmen freuen. Ekstase kommt da keine auf. Höne grinst, lässt sich gratulieren und reckt den Daumen in die Höhe. Es sind zwar fünf Prozentpunkte mehr als bei seiner letzten Wahl. Ein Landesverband, der im Duell gegen FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki geschlossen hinter dem eigenen Vorsitzenden steht, sieht aber anders aus.

Wolfgang Kubicki, FDP

Wolfgang Kubicki, FDP

Ein Sechstel der Delegierten hat Nein gesagt zu Höne - vielleicht sind das Kubicki-Fans. Und selbst von Hönes Unterstützern wollen nicht alle ihn auch als Bundesvorsitzenden sehen, etwa Lars Pennekamp aus dem Kreisverband Düsseldorf: "Diese Landtagswahl ist unsere letzte Chance. Dazu braucht es deinen vollen Fokus - hier, jetzt und ganz." Pennekamp will auch deshalb auf dem Bundesparteitag für Kubicki stimmen, die FDP brauche jetzt "das alte Schlachtross".

Auf diese Kritik reagiert Höne im Gespräch mit dem WDR gelassen: "Wäre ich nicht überzeugt, dass beide Rollen vereinbar wären, würde ich nicht kandidieren."

Parteijugend mit Wunschliste

Eine eindeutige Botschaft an Höne liefert heute auch die Parteijugend. Demonstrativ versammelt sie sich vor dem Parteitagsgebäude und präsentiert drei "Gebote zur Rettung der Freiheit". Ein neuer Bundesvorsitzender müsse den Kapitalismus feiern, das soziale Aufstiegsversprechen in den Vordergrund stellen und dürfe nicht dem Populismus verfallen.

FDP-Parteijugend stellt auf NRW-Landesparteitag Anforderungen an einen neuen Bundesparteichef

Als Wahlempfehlung für Höne oder Kubicki will das niemand verstanden wissen.

Sechs Wochen bis zum Bundesparteitag

Für Höne birgt seine Kandidatur als Bundesparteichef Chancen und Risiken: In jedem Fall schärft das bundespolitische Duell Hönes Profil und Prominenz auch für den Landtagswahlkampf in NRW. Sollte er sich gegen Kubicki durchsetzen, könnten ihn allerdings mögliche Wahlniederlagen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern auch im eigenen Wahlkampf belasten.

Auf dem Bundesparteitag der FDP am 30. und 31. Mai in Berlin muss Höne jetzt 662 Delegierte von sich überzeugen. Bis dahin will er in den kommenden Wochen auf Werbetour gehen, hat Gastauftritte auf anderen Landesparteitagen angekündigt - in Bayern, Bremen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

"Je länger ich dabei bin, umso mehr unterstützen mich die Delegierten", sagt Höne heute mit Blick auf seine steigenden parteiinternen Zustimmungswerte. Und fügt grinsend hinzu: "Andersrum wäre schlimmer."

Höne wieder FDP-Chef in NRW

WDR Studios NRW 18.04.2026 00:54 Min. Verfügbar bis 17.04.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • NRW-Landesverband der FDP
  • Eigene Berichterstattung und Recherchen

Sendung: WDR2, WDR aktuell, 18.04.2026, 16:00 Uhr

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.04.2026, 18:45 Uhr

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