Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine zufällige Begegnung. Ein Mann mit Kamera spricht Ministerpräsident Hendrik Wüst an, der am Rhein in Düsseldorf mit einigen Begleitern entlangläuft. Scheinbar spontan lässt sich der CDU-Politiker vor der Staatskanzlei fotografieren. Die Bilder landen unter anderem auf Instagram und Tiktok.
Video-Shooting war abgesprochen
Doch das Video eines Influencers, der sich als "Straßenfotograf" bezeichnet, entstand laut einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" vom Mittwoch in Wahrheit gar nicht aus einer zufälligen Begegnung. Vielmehr war das Shooting abgesprochen. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen als Instagram-Model, um die Social-Media-Reichweite eines professionellen Fotografen zu fördern?
Der Influencer sagte der dpa: "Das Einzige, was im Vorfeld abgestimmt war, war, dass Herr Wüst, der offenbar mehrere Termine vor Ort hatte, mit seinem Team an dem entsprechenden Ort entlanglaufen würde und ich die Möglichkeit bekäme, ihn fotografisch anzusprechen." Auf seiner Internetseite erklärt er, dass er seit einigen Jahren "professionell" fotografiert.
SPD: "Inszenierte Authentizität"
In dem Video ist allerdings zu hören, wie einer der Begleiter Wüsts versucht, den Fotografen abzuwimmeln. Mit einem Lächeln willigt der Ministerpräsident dann aber ein, sich fotografieren zu lassen. Wüst sagt: "Du bist Fabiano." Als ob er den Fotografen spontan erkannt hätte. Doch genau das war wohl nicht der Fall.
Die SPD verspottet Wüst schon länger als "Insta-Ministerpräsident". NRW-SPD-Generalsekretär Frederick Cordes kritisiert Wüsts jüngsten Social-Media-Auftritt. "Wer Authentizität inszenieren muss, sollte sich nicht wundern, wenn am Ende weniger über das Bild als über die Glaubwürdigkeit gesprochen wird." NRW brauche keinen Influencer im Amt, so Cordes, "sondern einen verlässlichen Regierungschef, der sich nicht nur dann unter die Menschen mischt, wenn die Kamera läuft".
Die Angelegenheit könnte ein wiederkehrendes Motiv des 2027 in NRW anstehenden Landtagswahlkampfs werden: Wüst sucht die große Social-Media-Bühne, um seine Popularität weiter auszubauen. Die SPD setzt dagegen den Vorwurf, der MP habe außer netten Bildern nichts zu bieten.
Mehr Klicks als Pudel Sally
Auf dem Instagram-Account gibt es Hunde, Katzen und jetzt auch einen Ministerpräsidenten zu sehen
Auf Tiktok wurde das Wüst-Video über 1,2 Millionen Mal gesehen. Über 100.000 Likes hat das Video auf dem Insta-Account des Fotografen bekommen. Deutlich mehr als der nebenstehende Clip mit der Duisburger Pudel-Hündin Sally, die nur ein paar Tausend Likes erhielt, obwohl sie mindestens so brav für den Influencer posierte wie Wüst.
In den Kommentaren gibt es vereinzelt auch Kritik an dem inszenierten Video. Der Fotograf betont, er habe dafür "keinen Cent erhalten". Auch die Staatskanzlei erklärt, es sei kein Geld geflossen. Fabiano will künftig transparenter darauf hinweisen, wenn ein Treffen vorab geplant war.
Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Bei dem genannten Video handelt es sich nicht um eine bezahlte Partnerschaft. Die Landesregierung kommt einer Vielzahl von Anfragen nach, die von Journalistinnen und Journalisten sowie über soziale Medien eingehen."
Unsere Quellen:
- SPD-Generalsekretär NRW-Cordes auf WDR-Anfrage
- Nachrichtenagentur dpa
- eigene Recherchen
Sendung: WDR.de, SPD kritisiert scheinbar spontanen Instagram-Auftritt von Wüst, 18.02.2026, 14:27 Uhr
