Stimmabgabe an einer Wahlurne

Meinung Wählen ab 16 - gegen die Politikverdrossenheit!

Stand:

Schon ab 16 bei Landtagswahlen wählen? Es könnte gegen Politikverdrossenheit helfen, meint die 15-jährige Schülerpraktikantin.

Von Emma Hell

Das heutige Editorial wird etwas anders als sonst. Und das liegt an … Trommelwirbel … mir! Ich bin Emma Hell, 15 Jahre alt und Schülerpraktikantin in der landespolitischen Redaktion des WDR. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Warum schreibt eine Schülerin der zehnten Klasse, unerfahren und unausgebildet, diesen Text?

Nun, die Antwort ist: Hier geht es um mich. Oder vielmehr um alle jungen Menschen in NRW, die ungefähr so alt sind wie ich. Denn der Landtag hat sich in dieser Woche mit dem Absenken das Wahlalters beschäftigt.

Bei anderen Wahlen schon möglich

Bei einigen Wahlen, wie der Europawahl oder den Kommunalwahlen, dürfen junge Menschen ab 16 Jahren schon mitwählen. Jetzt wird im Landtag darüber diskutiert, ob eben diese Gruppe an Jugendlichen auch zukünftig bei Landtagswahlen ihre Stimmen abgeben kann. Bislang ist das, wie bei der Bundestagswahl, erst ab 18 erlaubt. 

Die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP wollen das Wahlalter jetzt gemeinsam auf 16 Jahre senken – schwarz-grün hatte das auch im Koalitionsvertrag schon so vereinbart. Sie benötigen dafür eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, die dürfte es mit den vier Fraktionen auch geben.

Die AfD ist dagegen

Natürlich könnte man sagen, dass Minderjährige nicht die gleichen Rechten und Pflichten haben wie Volljährige, und deswegen auch nicht so wichtige Entscheidungen treffen dürfen. So argumentiert die AfD, die als einzige Partei im Landtag nicht mit der Senkung des Wahlalters einverstanden ist. Der Abgeordnete Andreas Keith sagt zum Beispiel: "Das Wahlrecht ist an die Volljährigkeit gekoppelt und das ist gut so". Allerdings würde mich dann interessieren, warum bei Europa- und Kommunalwahlen Jugendliche ab 16 bereits wählen können. Das widerspricht sich meiner Meinung nach ziemlich.

Mehr Demokratie, weniger Verdrossenheit

Ich persönlich bin nämlich der Ansicht, dass das Wahlalter für die Landtagswahlen in NRW auf 16 Jahre herabgesetzt werden sollte. Zum Beispiel, weil es für mehr Demokratie in unserem Bundesland sorgen würde. Die heutige Gesellschaft wird immer älter, weswegen die jüngere Generation weniger repräsentiert wird und ihre Interessen weniger vertreten werden. So gibt es in vielen Parteiprogrammen auch nur wenige Vorhaben für Minderjährige. Zusätzlich sorgt das Wahlrecht ab 16 für mehr und früheres Interesse an der Politik und vielleicht sogar für größeres Vertrauen in Wahlen und Demokratie.

Außerdem denke ich, dass so der viel diskutierten Politikverdrossenheit vorgebeugt werden könnte. Junge Menschen meinen oft, dass sie nichts verändern könnten und sehr wenig politisches Mitbestimmungsrecht hätten – teilweise zu Recht, wie ich finde. Sowas führt zu Konflikten und Unzufriedenheit.

Zwei Anläufe gescheitert

In NRW gab es schon zwei Anläufe für die Absenkung des Wahlalters, 2016 und 2020. Beide Versuche scheiterten, denn CDU und FDP stimmten damals dagegen. Die aktuelle Diskussion kommt also nicht aus dem Nichts. Darüber hinaus gibt es das Wahlrecht ab 16 für Landtagswahlen schon in einigen anderen Bundesländern, zum Beispiel in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, oder Hamburg. Nordrhein-Westfalen wäre also kein Ausnahmefall.

Bei der nächsten Landtagswahl 2027 bin ich 17 Jahre alt. Da würde ich gerne meine Stimme abgeben. Der Demokratie zuliebe, und um NRW ein kleines bisschen selbst mitgestalten zu können. Ich bin mir sicher, dass es vielen anderen Jugendlichen in dieser Situation ähnlich geht.

Dieser Text erscheint auch als Editorial in "18 Millionen - Der Newsletter für Politik in NRW". Jeden Freitag verschicken wir die Themen, die NRW bewegen - an politisch Interessierte, Aktive, Gewählte, und Politik-Nerds. Hier können Sie den Newsletter kostenlos abonnieren: