Der Landtag hat über die Bonner Nordbrücke debattiert, eine der vielen Problembrücken in Nordrhein-Westfalen. Schwarz-Grün hatte dazu eine aktuelle Stunde beantragt. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) kündigte am Donnerstag in Düsseldorf an, die Brücke solle wie die Wiehltalbrücke bei Gummerbach "so lang wie möglich in Betrieb" gehalten werden. Dies tue die Landesregierung zusammen mit dem Bund.
"Möglichst schnell" müssten in solchen Fällen Ersatzbrücken entstehen, sagte Minister Krischer weiter. Dies sei die Herausforderung der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Zugleich kritisierte der Grünen-Politiker, der Bund saniere derzeit noch zu wenige Autobahnbrücken - statt, wie geplant, 400 Brücken bundesweit pro Jahr, seien es 2025 nur 170 gewesen.
Teilsperrung ab Mitte Januar 2026
Die Stadt Bonn war nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche von der Ankündigung der Autobahn GmbH überrascht worden, die gesamte Rheinbrücke Bonn-Nord der Autobahn 565 für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen zu sperren. Sonderuntersuchungen hätten zunehmende Schädigungen des 660 Meter langen Bauwerks aus den 1960er-Jahren zutage gefördert, lautete die Begründung des bundeseigenen Unternehmens. Daher sei das Fahrverbot für schwere Lkw erforderlich.
Die Lkw-Sperrung ab voraussichtlich Mitte Januar 2026 gilt als Hiobsbotschaft für die staugeplagte Region. Ausweichmöglichkeiten für schwere Lkw führen über die A555 und die A4 und damit den bereits hochbelasteten Kölner Autobahnring.
SPD: "Symptom des Kaputtsparens"
Die Bonner Nordbrücke sei "kein Ausreißer, sondern ein Symptom des Kaputtsparens der nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Wüst, Brandes und Krischer", sagte SPD-Fraktionsvize Alexander Vogt. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) habe in seiner Zeit als Verkehrsminister bis 2021 die Investitionen in Autobahnen und Autobahnbrücken massiv zurückgefahren.
Der Fall der Bonner Brücke sei ein "Stresstest", räumte der CDU-Abgeordnete Daniel Scheen-Pauls ein. "Eklatantes politisches Versagen" monierte Klaus Esser (AfD). Christof Rasche (FDP) fürchtet eine "vollständige Vollsperrung für den Wirtschaftsverkehr" in der Region Köln-Bonn. Martin Metz (Grüne) kritisierte mangelnde "Generationengerechtigkeit" in der schwarz-roten Verkehrspolitik im Bund.
2.500 marode Brücken in NRW
Die Brösel-Brücken sind in NRW ein Dauerthema. Bei einer WDR-Datenanalyse kam heraus, dass landesweit mindestens 2.500 Brücken marode sind. Die Liste der Problembrücken ist also lang: von der Rahmedetalbrücke, die sogar zu einem Untersuchungsausschuss im Landtag führte, bis zur maroden A59-Brücke über der Ruhr in Duisburg.
Eine Ursache der Misere: In NRW sind besonders viele Brücken alt - auch im Vergleich zu anderen Bundesländern - etwa Bayern. Viele Brücken in NRW wurden ab Mitte der 1960er-Jahre errichtet und sind nicht auf die heutige Verkehrsbelastung ausgerichtet. Nicht neu ist die Kritik, dass Bund und Länder seit Jahrzehnten zu wenig in die Sanierung dieser Brücken investiert haben.
Unsere Quellen:
- Landtagsdebatte in Düsseldorf
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR 2, Landtag diskutiert über Bonner Nordbrücke, 18.12.2025, 11:15 Uhr
