Deutlicher Rückgang von Drogendelikten in NRW nach Cannabisgesetz

Stand:

Die Zahl der Cannabisdelikte in NRW ist vergangenes Jahr um die Hälfte zurückgegangen. Seit April 2024 gilt eine Teillegalisierung.

Von Sabine Tenta

Es gehört zu den meist diskutierten Gesetzen in Deutschland - das Konsumcannabisgesetz (KCanG), das eine Teillegalisierung des Cannabis-Konsums vorsieht. Das "Lagebild Rauschgiftkriminalität 2024" der NRW-Polizei stellt nun einen sehr deutlichen Rückgang der Kriminalität rund um diese Droge fest. Obwohl das Gesetz erst im April vergangenen Jahres in Kraft getreten war, findet es bereits deutlichen Niederschlag in den Zahlen.

Cannabis-Delikte haben sich halbiert

Laut Lagebild ging die Anzahl der Delikte mit Bezug zu Cannabis um gut die Hälfte (53,3 Prozent) zurück auf 21.777 Fälle.

Auch die Zahl der Tatverdächtigen hat sich halbiert, sie ging um 52,6 Prozent zurück auf 18.397. Die meisten von ihnen hatten eine deutsche Staatsangehörigkeit, 6.708 sind Nichtdeutsche.

Die Menge des von den Behörden sichergestellten Cannabis hat sich sogar um 86,2 Prozent reduziert, von 3.788 Kilogramm (2023) auf 523 Kilogramm.

Diese positive Entwicklung hat Auswirkungen auf die gesamte Statistik: Dem Bericht zufolge ist die Zahl aller Rauschgiftdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 34,2 Prozent zurückgegangen auf 48.626 Delikte. Das sei der niedrigste Wert innerhalb der letzten zehn Jahre. Auch die Zahl der Tatverdächtigen von Rauschgiftdelikten ging deutlich zurück auf 37.469.

Damit sinkt auch der Anteil der Rauschgiftkriminalität an der Gesamtkriminalität, er liegt nun bei 3,5 Prozent, im Vorjahr lag er bei 5,2 Prozent.

Rückgang bei Heroin, Zunahme bei Kokain und Crack

Die Delikte rund um die Droge Heroin haben ebenfalls abgenommen, hier gibt es einen Rückgang um 19,3 Prozent von 2.620 auf 2.115 Fälle. Die Lage auf dem Schwarzmarkt habe sich für Heroin mit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan geändert, heißt es im Bericht. Das Anbau-Verbot von Mohn sei dort weitgehend durchgesetzt worden.

Die Delikte rund um die Drogen Kokain und Crack haben mit einer Zunahme von 4,3 Prozent auf 6.433 ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Ebenfalls zugenommen haben die Delikte zu synthetischen Betäubungsmitteln. Hierzu zählen Amphetamin, Methamphetamin/Crystal-Meth, Ecstasy/MDMA und LSD.

Große Gefahr der Designerdrogen

Bei den Neuen psychoaktiven Substanzen (NpS), die auch als Designerdrogen bekannt sind, gibt es einen Anstieg der Delikte um 38,5 Prozent auf 1.136 Fälle. Die chemisch hergestellten Stoffe ahmen die Wirkung herkömmlicher Drogen nach.

Die Polizei weist darauf hin, dass bei dieser Drogen-Gruppe die Gefahr einer Überdosierung oder schwerwiegender Nebenwirkungen besonders hoch sei. Je nach Zusammensetzung enthielten die Drogen unterschiedliche Konzentrationen von Wirkstoffen. Selbst Kleinstmengen von deutlich unter einem Gramm könnten bereits tödlich sein.

Lachgas-Missbrauch nimmt deutlich zu

Der Missbrauch von Lachgas als berauschende Droge ist nicht strafbar. Der Anstieg der festgestellten Missbrauchsfälle ist dramatisch - von 363 im Jahr 2023 auf 1.097 Fällen 2024. Die gesundheitlichen Gefahren sind groß, 2024 bezahlten in NRW sieben Menschen ihren Konsum mit dem Leben, 2023 waren neun Todesfälle verzeichnet worden.

Lagebild Rauschgift

WDR Studios NRW 01.12.2025 00:44 Min. Verfügbar bis 01.12.2027 WDR Online

Mehrere Städte in NRW haben den Verkauf von Lachgas an Kinder und Jugendliche bereits verboten, auch auf Bundesebene wird ein entsprechendes Verbot geprüft.

Neuer Drogenschmuggel mit "Knastpapieren"

Neu ist laut Lagebild der Schmuggel von Drogen in die Justizvollzugsanstalten des Landes über sogenannte Knastpapiere. Das sind mit Wirkstoffen getränkte Papiere, die als Brief verschickt werden. Die Drogen würden dann unter anderem durch Rauchen oder Schlucken konsumiert. Wie hoch die Wirksamkeit dieser Knastpapier-Drogen ist, zeige sich an der hohen Zahl von Vergiftungen, die mit derartigen Zubereitungen in Zusammenhang gebracht würden.

Weiter stellt der Bericht fest, dass durch die voranschreitende Digitalisierung die Verfügbarkeit von Rauschgift weiterhin zunimmt: "So bietet der weltweite Verkauf von verbotenen Substanzen über Messenger Dienste, sowie im Clear- und Darknet einen einfachen und komfortablen Weg, sich Rauschgifte illegal zu beschaffen und mittels Postversand schicken zu lassen."

Zahl der Rauschgifttoten auf hohem Niveau

Die Zahl der Rauschgifttoten war in den letzten Jahren immer wieder gestiegen und ist nun leicht gesunken auf 769 Tote im Jahr 2024. Der Bericht spricht von einem "weiterhin hohen Niveau".

Unsere Quellen:

  • Lagebild Rauschgiftkriminalität 2024
  • eigene Berichterstattung

Sendung: WDR Hörfunknachrichten, 01.12.2025, 13:00 Uhr

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