Öffentlicher Drogenkonsum: Was dagegen tun?

Aktuelle Stunde 19.05.2025 09:47 Min. UT Verfügbar bis 19.05.2027 WDR Von Claudia Weber

Drogen in NRW: Was die Stadt Krefeld gegen öffentlichen Konsum macht

Stand:

Immer öfter sieht man in NRW-Städten Menschen, die Drogen konsumieren. Wird das Problem größer? Und was kann dagegen getan werden?

In Köln hat eine Schulleiterin gerade Alarm geschlagen. Die Drogenszene hat sich vor einem Gymnasium in der Innenstadt breit gemacht. Wenn die Kinder in die Schule wollen, müssen sie teilweise über bedröhnte Junkies steigen. Das ist kein Einzelfall.

Wer zu Fuß oder mit dem Rad vor allem in den großen Städten in NRW unterwegs ist, der sieht auf Gehwegen herumliegende Spritzen, Fixerbesteck in öffentlichen Treppenhäusern und Abhängige, die in der Innenstadt vor den Augen der Passanten Drogen nehmen.

Gleichzeitig ist die Zahl der Drogendelikte, die die Polizei in NRW erfasst hat, zuletzt stark gesunken. Lag sie 2023 bei fast 74.000, waren es laut der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2024 "nur noch" fast 49.000 Fälle. Das hängt jedoch maßgeblich mit dem Cannabisgesetz zusammen, das am 1. April 2024 in Kraft trat. Seitdem ist der Besitz und der Anbau von Cannabis in Deutschland für Erwachsene unter bestimmten Vorgaben legal. Da dies nun nicht mehr als Delikt gewertet und geahndet wird, taucht es folglich auch nicht mehr in der Kriminalstatistik auf.

Abhängige konsumieren Drogen auf dem Theaterplatz in Krefeld

Abhängige konsumieren Drogen auf dem Theaterplatz in Krefeld

Doch wie können die Städte dem öffentlichen Drogenkonsum begegnen? Beispiel Krefeld. Früher traf sich die Drogenszene um den Theaterplatz in der Innenstadt. Bis zu 200 Menschen konsumierten hier täglich Crack und Heroin.

Mittlerweile ist der Theaterplatz geräumt, die Drogenszene vertrieben. Die Regeln für aggressives Betteln und Alkoholkonsum in der Innenstadt wurden verschärft.

Drogenhilfezentrum in Krefeld

Zugleich gibt es seit zwei Jahren ein Drogenhilfezentrum mit Konsumraum. Hier werden mehr als 1.500 Mal im Monat Drogen genommen. Es ist etwa eine Viertelstunde zu Fuß vom Theaterplatz entfernt und liegt im so genannten Hardenbergviertel.

Anwohner Martin Grünwald ist zwiegespalten. "Dass jeder, der dort konsumiert, nicht in der Öffentlichkeit konsumiert, das ist auf jeden Fall ein Plus. Aber es gehört eben auch zur Wahrheit. Wenn aufgrund der Hausordnung dort einer rausgeworfen wird, wird er bei uns reingeworfen ins Viertel und dann ist er bei uns."

Der kommunale Ordnungsdienst soll dann bei Problemen helfen. Die Teams streifen durch die Stadt und vertreiben jeden, der öffentlich Drogen nimmt. Jetzt ist die Szene zersplittert.

Crack weit verbreitet

Laut einer Umfrage der Technischen Hochschule Nürnberg und der Hochschule Düsseldorf ist Crack in mehreren Städten NRWs mittlerweile die am häufigsten konsumierte Droge – noch vor Heroin. Zu diesen Städten gehören Düsseldorf, Münster, Essen und Köln.

Crack ist eine Art rauchbare Form von Kokain und wirkt anders als Heroin. "Der körperliche Verfall, der psychische Abbau ist fast schon sichtbar. Und das macht die Menschen eben auch in der Öffentlichkeit sehr auffällig", erklärt Delk Bagusat, Vorsitzender der Caritas.

Fast jeder vierte Drogen-Tote hat 2024 Crack im Blut gehabt. Eine Droge, die schnell süchtig macht und von der man nur schwer loskommt.

Immer mehr Suchtkranke abhängig von Crack

Auch in der Kölner Innenstadt rund um den Neumarkt sieht man immer häufiger Abhängige, die harte Drogen wie Crack und Heroin am hellichten Tag konsumieren. Die Polizei sagt, dass es deswegen auch mehr Dealer gibt.

Ende 2024 forderte Polizeipräsident Johannes Hermanns deswegen die kontrollierte Abgabe auch harter Drogen an Abhängige in Konsumräumen. "Das hätte den Vorteil, dass die Schwerstabhängigen sich nicht an verunreinigter Ware bedienen müssen und wir auch den Handel nicht unbedingt in die Nähe des Konsumraums ziehen."

Suchtforscher plädiert für Mikrohandel in Einrichtungen

Suchtforscher Prof. Dr. Daniel Deimel

Suchtforscher Prof. Dr. Daniel Deimel

Der Suchtforscher Daniel Deimel schlägt eine ähnliche Lösung vor. "Wir brauchen dringend Lösungen, dass der Mikrohandel, also der Drogenhandel auf der untersten Ebene, in diesen Einrichtungen ermöglicht wird. Denn nur dann werden sich die Menschen von den öffentlichen Räumen hin in die Einrichtungen dauerhaft verlagern.

Vorbild dafür könnte Zürich sein. Dort wird der Handel in kleinen Mengen zwischen Suchtkranken toleriert. So werden die Abhängigen von der Straße ferngehalten, was die Anwohner entlastet.

"Man hat den Mikrohandel in die Einrichtungen verlagert. Also den Handel von Konsument zu Konsument. Und dies hat nachweislich den Konsumenten weiter geholfen. Es gibt einen sehr guten Zugang zur Suchthilfe und auf der anderen Seite wurden dadurch Sozialräume entlastet." Suchtforscher Daniel Deimel

Unsere Quellen:

Über dieses Thema berichten wir am 19. Mai 2025 auch im WDR-Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18:45 Uhr

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