Deutschlandweit einzigartig: Lachgas-Studie in Köln gestartet
00:36 Min.. Verfügbar bis 09.09.2027.
Deutschlandweit einzigartig: Lachgas-Studie in Köln gestartet
Stand:
Lachgas ist zu einer beliebten Partydroge geworden - auch am Steuer. Immer mehr Verkehrsunfälle passieren unter dem Einfluss des Rauschmittels. Um das strafrechtlich besser verfolgen zu können, haben Forscher der Uniklinik Köln eine Lachgas-Studie gestartet.
Alkohol, Marihuana, Kokain und andere Drogen sind für Dr. Martin Jübner Tagesgeschäft. Er analysiert für die Kölner Polizei Blut- und Urinproben im Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln.
Neben den "konventionellen" Rauschmitteln ist in den vergangenen drei Jahren eine andere Droge in sein Blickfeld geraten: Lachgas. "Aus der eigenen Erfahrung und den Gesprächen mit anderen forensischen Toxikologien in Deutschland wissen wir, dass immer häufiger Verkehrsdelikte mit dokumentiertem Lachgaskonsum auftreten", sagt Jübner im Gespräch mit dem WDR.
Studie: Wie lange ist Lachgas im Körper nachweisbar?
Rechts unten die Lachgasflasche, die für die Studie benutzt wird, darüber die frei verkäufliche Variante
Um mögliche Straftaten besser verfolgen zu können, führen Jübner und sein Forscherkollege Paul Stach eine besondere Lachgas-Studie durch. In Kooperation mit dem Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln möchten sie herausfinden, wie lange das Gas im Körper nachweisbar ist.
Für die Studie werden zehn Probanden auf zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe durchläuft jeweils zwei Studientage. Am ersten Studientag inhaliert jeder Proband einzeln einen Ballon mit acht Gramm Lachgas.
Am zweiten Studientag nehmen die Mitglieder der Gruppe die gleiche Dosis in einem geschlossenen Auto zu sich. Einer der fünf Probanden inhaliert das Rauschmittel nicht, sondern ist dem Lachgas als Passiv-Konsument ausgesetzt. Die Wissenschaftler entnehmen den Probanden in regelmäßigen Abständen Blut-, Urin- und Atemluftproben.
Test im Fahrsimulator: Wie fahrtüchtig ist man nach Lachgaskonsum?
Was die Studie besonders macht: Sie überprüft auch, wie sich der Lachgaskonsum auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt. Dabei kommt erstmals ein Fahrsimulator zum Einsatz. Dieser Simulator des Bunds gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS) wird extra für die Studie ins Institut für Rechtsmedizin transportiert.
Lachgas wird in der Regel aus Ballons konsumiert.
Die Hoffnung der Kölner Forscher ist außerdem, Möglichkeiten zu finden, um den Zeitpunkt des Konsums nachweisen zu können. "Bei Alkohol kann man zurückrechnen, das funktioniert bei Lachgas bisher noch nicht", sagt Studienleiter Jübner.
Der Konsum von Lachgas allein ist in Deutschland nicht strafbar. Deswegen führt die Polizei dazu keine Statistiken. Anders sieht es beim Führen eines Kraftfahrzeugs aus. "Treten keine Ausfallerscheinungen auf, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Bei Ausfallerscheinungen des Fahrers kann es eine Straftat sein", sagt eine Sprecherin der Kölner Polizei. Zu Ausfallerscheinungen zählt zum Beispiel, wenn die Person Schlangenlinien fährt.
Mehr Unfälle unter Einfluss von Lachgas?
Statistiken, wie viele Unfälle in den vergangenen Jahren auf Lachgaskonsum zurückzuführen sind, existieren nicht. Die Polizei unterscheidet bei ihren Unfallzahlen nur zwischen Alkohol und anderen Rauschmitteln.
Doch die Meldungen häufen sich. Innerhalb des letzten Monats gab es in Oberhausen und Duisburg drei schwere Unfälle. Dabei wurden insgesamt sechs Menschen teils schwer verletzt. In allen drei Fällen fand die Polizei Lachgasflaschen in den Fahrzeugen. Es besteht der Verdacht, dass die Fahrer unter dem Einfluss des Rauschmittels standen.
Lachgaskonsum kann zu dauerhaften Lähmungen führen
Lachgas hemmt die Aufnahme von Vitamin B12, das im Körper für die Bildung und Regeneration von Nervenzellen zuständig ist. Regelmäßiger Konsum kann zu Nervenschädigungen führen. Die Symptome reichen bis hin zu Lähmungserscheinungen und der Unfähigkeit, zu gehen. Bei einem Konsum über einen längeren Zeitraum können die Symptome dauerhaft sein.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Dr. Martin Jübner und Paul Stach von der Uniklinik Köln
- Polizei Köln
