Lachgas-Verbot für Jugendliche beschlossen: Das gilt in NRW schon heute

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Viele Städte in NRW haben den Lachgas-Verkauf an Jugendliche verboten. Nun zieht die Bundesregierung nach. Wie gefährlich ist die Partydroge? Welche Städte in NRW verbieten den Verkauf schon? Und wie hilfreich ist so ein Verbot wirklich?

Wer sonntagmorgens durch die Innenstädte geht, stößt gerade in Party-Gegenden immer wieder auf silberne oder bunte Kartuschen, die auf der Straße oder im Müll liegen: Lachgas. Eigentlich kommt das Gas in der Küche zum Einsatz, etwa beim Aufschäumen von Sahne. Entsprechend harmlos heißen die Marken, zum Beispiel "Exotic Whip" oder "C.R.E.A.M. Giant".

Doch in den vergangenen Jahren wurde Lachgas wegen seiner berauschenden Wirkung vor allem von Jugendlichen zunehmend als Partydroge benutzt. Eine Droge, die man nicht in dunklen Ecken bei suspekten Personen kaufen muss. Stattdessen bekommt man sie ziemlich problemlos in Geschäften, Kiosken, online und sogar an Automaten.

Bundestag will Lachgas-Verkauf an Jugendliche verbieten

Das soll sich nun ändern. Der Bundestag hat in der Nacht zum Freitag beschlossen, den Verkauf von Lachgas an Kinder und Jugendliche künftig zu verbieten. Auch die Abgabe über Automaten sowie der Online-Versand sind dann nicht mehr erlaubt.

Lachgasbehälter in einem Mülleimer

Leere Lachgaskartuschen nach einer Partynacht

Zudem wird die Lachgas-Höchstgrenze pro verkaufter Einheit deutlich herabgesetzt. Zukünftig dürfen nur noch kleine Patronen mit einer Füllung von bis zu 8,4 Gramm verkauft werden, die man beispielsweise in Sahnespendern nutzt. In Kiosken und Läden an beliebten Ausgehmeilen bekommt man derzeit noch deutlich größere Kartuschen mit 2 Kilogramm Lachgas.

Gesundheitsministerin Warken: "Hohes Risiko für die Gesundheit"

"Lachgas ist kein Spiel und keine harmlose Partydroge, sondern ein hohes Risiko für die Gesundheit: Gefrierverletzungen oder Bewusstlosigkeit bis hin zu bleibenden neurologischen Schäden können die Folge sein", sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).

Lachgas wirkt euphorisierend und dient in der Medizin als leichtes Betäubungsmittel gegen Ängste und Schmerzen. Beim Konsum direkt aus der Kartusche kann es jedoch zu Erfrierungen und Lungenverletzungen kommen.

Und auch der Konsum mittels eines Ballons, wie er bei Jugendlichen häufig ist, birgt Risiken: Das enthaltene Distickstoffmonoxid (N2O) kann zu Bewusstlosigkeit führen und bleibende Nervenschäden verursachen.

Viele NRW-Kommunen haben bereits selbst Verbote erlassen

Schon die vorherige Regierung hatte ein Verbot geplant, konnte es wegen des vorzeitigen Koalitionsendes der Ampel aber nicht mehr umsetzen. Darauf haben viele Kommunen und Städte in NRW die Dinge selbst in die Hand genommen und ein kommunales Verkaufsverbot an Jugendliche ausgesprochen. Dortmund hat bereits Mitte Februar den Anfang gemacht, im Laufe des Jahres haben dann unter anderem Bielefeld, Wuppertal, Gütersloh, Neuss, Dormagen und Mülheim/Ruhr nachgezogen.

Lachgas-Verbot in Köln: "Narkosemittel gehört in die Hände von Ärzten"

Auch in Köln hatte der Missbrauch von Lachgas durch Minderjährige "besorgniserregend zugenommen", so die Einschätzung der Stadt. Das Gas sei in vielen Kiosken und Geschäften konsumfertig angeboten worden, "oft in auffälligen Verpackungen, die gezielt junge Menschen ansprechen", hieß es in einer Mitteilung.

Ein Warenautomat, unter anderem mit Lachgasflaschen bestückt, steht vor einem Ladengeschäft.

Künftig ist Lachgas nicht mehr an Automaten erhältlich.

Ein Unding, finden auch Mediziner. "Ein Narkosemittel gehört nicht in den allgemeinen Verkauf, sondern das gehört in die Hände von Ärzten. Und nicht zwischen Gummibärchen", sagte der Kölner Neurologe Volker Limmroth der Ärzte-Zeitung.

Kölner Kioske verstoßen oft gegen Jugendschutz

Seit Ende Mai ist der Verkauf an Jugendliche in Köln verboten, und nach Einschätzung des Ordnungsamtes sei dadurch auch der Konsum "spürbar" zurückgegangen. Um die Einhaltung des Verbots zu überprüfen, führt die Stadt zusammen mit Polizei und Ordnungsamt regelmäßig Testkäufe mit Jugendlichen durch.

Ein Kontrollmechanismus, der offenbar nötig ist. Denn die "Verstoßquote" beim Jugendschutz ist laut einem Stadtsprecher "erschreckend hoch". Bei 62 Prozent der Testkäufe durch Minderjährige sei ihnen Tabak, Alkohol, Vapes und/oder Lachgas verkauft worden. Bei Lachgas sei die Tendenz allerdings fallend.

Auch wenn es derzeit keine bundesweiten Zahlen zum Konsum gibt, gehen Experten davon aus, dass immer mehr Menschen Lachgas nehmen. Laut dem "Deutschen Ärzteblatt" haben Giftnotrufe in Deutschland zunehmend mit Lachgas-Vergiftungen zu tun. So habe sich die Zahl der Anfragen wegen Lachgas beim Giftnotruf der Charité Berlin von 2023 auf 2024 nahezu verdoppelt.

2 Kilo Lachgas kosten unter 50 Euro

Dass Lachgas vor allem bei Jugendlichen beliebt ist, liegt nicht nur daran, dass die Partydroge frei verfügbar ist - sie ist auch recht günstig: Eine 2 Kilo-Flasche kostet im einschlägigen Internethandel knapp 50 Euro. Damit können bis zu 250 Ballons gefüllt werden.

Eine Frau mit einem Lachgasballon

Lachgas wird oft aus Ballons konsumiert.

Laut dem aktuellen MoSyD-Jahresbericht (Monitoring-System Drogentrends), der seit 2001 die Drogenszene in Frankfurt erfasst, gaben 14 Prozent der dort befragten Jugendlichen an, schon einmal Lachgas konsumiert zu haben. Nach zwei Jahren steilen Anstiegs sei der Wert 2023 im Vergleich zu 2022 (17 Prozent) leicht zurückgegangen. Dennoch habe Lachgas "weiterhin hohe Präsenz unter jungen Menschen in der Öffentlichkeit", so die Autoren.

Verbot und Aufklärung zeigen Wirkung

Den Rückgang bringen die Studienmacher mit einer "kritischeren Bewertung" der Droge in Zusammenhang. Sprich: Die Risiken und Gefahren beim Lachgas-Konsum werden bekannter, entsprechend zurückhaltender sind Jugendliche beim Konsum.

Einen solchen Effekt erhofft sich auch das Bundesgesundheitsministerium mit dem geplanten Verbot. David Steindl, Leiter des Giftnotrufs der Charité, verweist gegenüber der Berliner Ärztekammer auf den positiven Effekt, den das landesweite Lachgas-Verbot in den Niederlanden gehabt hätte. Dort seien die Anrufe wegen Vergiftungserscheinungen im Zusammenhang mit Lachgas "rapide gesunken".

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AP; KNA
  • Deutsches Ärzteblatt
  • Ärzte-Zeitung
  • Berliner Ärztekammer
  • Universität Frankfurt: MoSyD Jahresbericht 2023
  • Mitteilung Stadt Köln
  • Pressesprecher Stadt Köln

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