Reform in der Kitabetreuung | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 15.04.2026 12:08 Min. UT Verfügbar bis 15.04.2028 WDR Von Fritz Sprengart

Mehr Fachkraft-Betreuung in NRW-Kitas: Ministerin reagiert auf Kritik

Stand:

Das Kinderbildungsgesetz ist eine Dauerbaustelle in NRW. Familienministerin Schäffer hat nachgebesserte Reformpläne vorgestellt. Bei den umstrittenen Kernzeiten geht sie auf die Kritiker zu.

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NRW-Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) hat am Mittwoch in Düsseldorf Korrekturen bei der Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) angekündigt. So soll die Kernzeit, in der Kita-Kinder von qualifiziertem Fachpersonal betreut werden müssen, 35 Stunden pro Woche statt - wie urprünglich geplant - nur 25 Stunden betragen.

Mehr Kernzeiten-Stunden pro Woche

Die Kernzeit "muss dabei mindestens fünf Stunden pro Tag umfassen", so die Ministerin. Das sahen auch die bisherigen Pläne schon vor. Der Rest der Mindest-Kernzeit von 35 Stunden kann auf die Wochentage verteilt werden.

Familienministerin Verena Schäffer (Bündnis 90/Die Grünen)

Verena Schäffer (Grüne)

Die Grundidee von Kernzeiten, in denen Fachkräfte eingesetzt werden müssen, und Randzeiten, in denen Ergänzungskräfte alleine die Betreuung übernehmen dürfen, hatte massive Kritik ausgelöst. Möglich werden soll sie in Zukunft durch eine entsprechende Personalverordnung.

"Mindestens eine sozialpädagogische Fachkraft" müsse immer in der Kita anwesend sein, betonte Schäffer. Außerdem soll das Kern- und Randzeiten-Modell für die Kitas freiwillig sein. Auch das war im bisherigen Gesetzentwurf schon so vorgesehen.

Nachbesserungen sollen kommen

Eine weitere Nachbesserung dagegen: Die Kinder- und Familienministerin versprach rund 50 Millionen Euro zusätzlich für die Sprachbildung. Insbesondere Kitas "in herausfordernden Lagen" sollen laut Schäffer unterstützt werden. Sie sprach von einer "Investition in die Zukunft" der Kinder in Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt soll für die Reform nach Angaben der Ministerin sogar gut 100 Millionen mehr zu Verfügung stehen als ursprünglich genannt. Grünen-Politikerin Schäffer hatte das Ministeramt Ende Januar nach dem Rücktritt von Josefine Paul (Grüne) übernommen. Kurz darauf brachte sie den noch unter Pauls Ägide erarbeiteten Entwurf ins Parlament ein.

Grüne Ministerin korrigiert grüne Ex-Ministerin

Nun setzt Schäffer mit ihren Nachbesserungen und Ergänzungen eigene Akzente, die von der schwarz-grünen Landtagsmehrheit umgesetzt werden sollen. Die "Kernziele" der Reform, nämlich "Verlässlichkeit und frühkindliche Bildung", blieben aber gleich, betonte Schäffer.

Rolle rückwärts bei Kita-Reform?

WDR Studios NRW 15.04.2026 00:41 Min. Verfügbar bis 14.04.2028 WDR Online

Im Juli soll das Gesetz verabschiedet werden. Gegen die Kibiz-Reform gibt es seit Wochen Proteste, unter anderem von der Gewerkschaft Verdi und den Wohlfahrtsverbänden. Sie befürchten, dass Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen verschlechtert werden und Qualitätsstandards sinken. Verheerend waren auch die Reaktionen von Kita-Trägern und Opposition.

Personalmangel großes Problem

Die Probleme sind massiv: Wegen Personalmangels und steigendem Förderbedarf kommt es in den rund 10.000 Kitas in NRW regelmäßig zu Ausfällen in der Betreuung. Darum wollte Schwarz-Grün unter anderem größere Gruppen von Kindern möglich machen, damit mehr Kinder betreut werden können. Schäffer sagte nun: "Gruppen sollten grundsätzlich nicht größer werden."

Die bislang vorliegenden Stellungnahmen von Sachverständigen zu einer Anhörung des Landtags am 23. April seien "ein Generalverriss", sagte der familienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dennis Maelzer. Schäffer kündigte an, auf die Expertise der Fachleute hören zu wollen.

Warnung vor Kinder-Verwahrung

Zahlreiche Kritiker befürchten durch das Konzept der Rand- und Kernzeiten eine Verschlechterung der frühkindlichen Bildung und warnen davor, die Kinder eher zu verwahren statt zu fördern.

Die SPD als größte Oppositionsfraktion im NRW-Landtag kritisierte die Kibiz-Reform als "Stückwerk". Auch mit den angekündigten Änderungen werde das Grundproblem der Kita-Finanzierung über sogenannte Kindpauschalen nicht behoben, sagte der SPD-Familienpolitiker Maelzer. Notwendig sei ein Systemwechsel hin zu einer einrichtungsbezogenen Sockelfinanzierung. Kindpauschalen sind die Mittel, die ein Träger pro betreutem Kind erhält.

Gewerkschaften fordern mehr Änderungen

Die Gewerkschaft Verdi sieht in Schäffers Ankündigungen ein "erstes Signal", das jedoch "bei weitem" nicht ausreiche. So greife das angekündigte Paket finanziell zu kurz, sagte Verdi-Landeschefin Gabriele Schmidt. "Was bislang auf dem Tisch liegt, ist monetär weiterhin ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Kitas brauchen eine auskömmliche Finanzierung und echte Entlastung für die Beschäftigten, keine halbherzigen Korrekturen."

Ähnliche Kritik kam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit dem Kern- und Randzeitenmodell drohe in armen Kommunen eine Benachteiligung von Kindern, die ohnehin mit schlechten Startbedingungen aufwachsen, sagte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik. Schäffers Korrekturen sei aber auch "ein Zeichen dafür, dass der massive Druck von Beschäftigten, Eltern und Gewerkschaften Wirkung zeigt".

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Nachrichtenagenturen dpa und epd
  • SPD, Verdi, GEW laut Mitteilungen

Sendung: WDR.de, Rolle rückwärts bei Kita-Reform?, 15.04.2026, 11:33 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 15.04.2026, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Claudia Theobald 17.04.2026, 12:55 Uhr

    Die Behauptung, unsere Kitas seien hochwertige Bildungseinrichtungen, ist ein Narrativ, das der Realität nicht standhält. Seit vielen Jahren sind sich Wissenschaft und Fachpraxis über personelle und räumliche Mindeststandards für eine gute Kita- Qualität einig. Räumlich: mindestens 6qm pro Kind in den päd. genutzten Innenräumen und 10-15% im Außengelände. Personell: 1 Fachkraft auf 3 Kinder unter 3 Jahren, 1 Fachkraft auf 7,5 Kinder von 3-6 Jahren oder 1 Fachkraft auf 5 Kinder von 1-6 Jahren. Gruppengrößen: 10-12 Kinder in U3 Gruppen, 18 Kinder in Ü3 Gruppen und 15 Kinder in altersübergreifenden Gruppen. So, jetzt bitte überprüfen, wie weit die Kita- Realität von diesen Mindestanforderungen entfernt ist und die Politiktrotzdem entgegen der fachlichen Grundlagen von hochwertiger Bildung und eine dem Entwicklungsstand angemessene Förderung und Betreuung als Standard für unsere Kitas spricht. Wie gesagt, geht es nicht um Gold- sondern um Mindeststandards für eine gute Kita-Qualität.

  • 1 Andrea Heinrichs #Tagesmu 16.04.2026, 21:31 Uhr

    Was die Kids brauchen ,ist Stabilität, Richtungen und liebe! Uns werden Kinder genommen (weil die Kitas bestehen bleiben müssen) wo ich denke.... viel zu früh!!!!!Als viele Kids da waren , durften sie "gerne " am besten windelfrei (danach) bei uns bleiben , jetzt wo weniger Kinder da sind ......MÜSSEN , und sagen sie MIR nicht das Gegenteil , in die Kita!!!Die aber nichts geregelt bekommen!!!! Ich könnte soviel sagen . ....schade ! DAS SYSTEM greift nicht mehr ! Wo kann man besser lernen ??? 25/30 Kids , oder höchstens 5kids????.Individuel und inklusiv.???????All DAS ist gegen u seren kids! Gerne dürfen Sie sich mit MIR in Verbindung setzen!!!!!! Ich könnte sooo viel dazu sagen! Q5 Jahre Tagesmutter ++++ inklusion!!! Bin ich politisch ??? NEIN!!! Aber die Kids haben was besseres verdient!!!!!!!!!!!!!!!!!

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