Tanita Bankwitz im Homeoffice mit Kind

Tanja Bankwitz: Homeoffice und Kinderbetreuung

Eltern am Limit: Dauernotbetreuung in Wittener Kita

Stand:

Der evangelische Kindergarten in Witten-Herbede ist seit Monaten im Dauernotbetrieb. Weil immer wieder Personal fehlt, müssen Kinder zu Hause bleiben. Für berufstätige Eltern eine riesige Belastung.

Von Kristin Trüb

Jeden Tag schaut Tanita Bankwitz angespannt auf ihr Handy. Denn oft kommt die Nachricht, dass die Kita in den Notbetrieb gehen muss, ganz kurzfristig. Dann heißt es improvisieren. Wenn ihr fünfjähriger Sohn wegen Personalmangels nicht in die Kita kann, muss die zweifache Mama ihn im Homeoffice beschäftigen. "Das löst einen enormen Druck auf mich und meine Arbeit aus", berichtet sie.

Kita fast dauerhaft im Notbetrieb

Auch bei anderen Eltern ist die Verzweiflung groß. Seit einem Jahr dokumentieren sie, wann die Kita in den Notbetrieb geht. Für 2025 kommen sie auf insgesamt 51 Tage, an denen die reguläre Betreuung wegen Personalmangels eingeschränkt war. Im Januar 2026 sind bereits 16 weitere Tage hinzugekommen. Notbetreuung ist aktuell Dauerzustand.

Starke Krankheitswelle belastet Kita-Alltag

Träger der Kita ist der evangelische Kindergartenverbund Hattingen-Witten. Niemand dort bestreitet die Schwere der Situation. Die Verantwortlichen verweisen auf eine besonders starke Krankheitswelle in diesem Winter und auf langzeiterkrankte Fachkräfte.

Außenansicht der Kita Herbede

Evangelische Kita Herbede

Die evangelische Kita Herbede in Witten besteht aus drei Gruppen, für die jeweils mehrere Fachkräfte vorgesehen sind. Grundlage dafür ist das Kinderbildungsgesetz (KiBiz), das den rechtlichen und finanziellen Rahmen regelt. Diese Vorgaben hätten wenig mit der Realität zu tun, kritisiert Angelika Arend vom evangelischen Kindergartenverbund Hattingen-Witten. Fällt eine Fachkraft aus, müsse man sofort improvisieren – oft mit direkten Auswirkungen für die Familien.

Politik ist gefragt

Den Frust der Eltern kann Arend gut verstehen. "Allerdings müsste dieser Druck an die Politik und nicht an die pädagogischen Fachkräfte vor Ort weitergegeben werden", sagt sie. Als Träger sei man mit den Rahmenbedingungen konfrontiert und könne sich nur im Rahmen dessen bewegen.

Eltern wollen Kita wechseln

Nadine Pischke mit ihrem Kind in den Armen

Nadine Pischke betreut ihr Kind zuhause

Für die Eltern ist das jedoch nur ein schwacher Trotz. Nadine Pischke hat für ihre Familie bereits Konsequenzen gezogen. Ihre Tochter war seit mehreren Wochen nicht mehr in der Kita. Deswegen hat sie ihre Arbeitszeit reduziert und den Vertrag mit der Kita fristlos gekündigt. Auch viele andere Eltern bemühen sich um einen Kitawechsel.

Zwar hat sich die Personalsituation in der Kita seit einigen Tagen etwas entspannt. Das Vertrauen der Eltern ist dennoch nachhaltig erschüttert. Sie befürchten, dass der nächste Notbetrieb nur eine Frage der Zeit ist.

Dauernotbetreuung in Wittener Kita: Eltern am Limit

WDR Studios NRW 26.02.2026 00:43 Min. Verfügbar bis 26.02.2028

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Ev. Kindergartenverbund Hattingen-Witten

Sendung: WDR2, Lokalzeit Dortmund, 26.02.2026, 09:31 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Ruhrgebiet

1 / 2