Mehr als 30.000 Meldungen zu fehlenden Fachkräften seien seit Jahresbeginn eingegangen. Von den insgesamt 11.309 Kitas in NRW seien 5.719 - also mehr als die Hälfte - von Schließungen wegen Personalausfällen betroffen. Weil einige Einrichtungen mehrfach betroffen waren, beziffert der Bericht die Gesamtzahl der Ausfälle auf 7.355.
In 90 Prozent der Fälle seien kurzfristige Erkrankungen der Grund gewesen. Außerdem habe es oft Besetzungsprobleme aufgrund vakanter Stellen - wegen Mutterschutz oder Elternzeit - gegeben.
Verbesserungen durch KiBiz-Reform?
Umso spannender dürfte die Frage sein, ob sich die Lage durch die lange angekündigte Reform der Kindertageseinrichtungen verbessern wird. NRW-Familienministerin Josefine Paul (Grüne) stellte am Montag den nun fertigen Gesetzentwurf vor.
Zusammen mit den kommunalen Spitzenverbänden, den kirchlichen Trägern und Freien Wohlfahrtsverbänden hatte Paul im Oktober ein Eckpunktepapier für ein neues Kinderbildungsgesetz (KiBiz) unterzeichnet. Ziel: Kinderbetreuung soll "verlässlicher" werden.
In dem Entwurf ist von einer "Personaloffensive" und einer "dauerhaften Finanzstabilisierung des Systems der frühkindlichen Bildung" die Rede.
Mehr Geld ins System pumpen
Mehr Geld für Kitas: Ministerin Paul
Ab 1. August 2027 sollen Kita-Träger jährlich zusätzlich 200 Millionen Euro erhalten. Ab 1. August kommenden Jahres würden unabhängig davon zusätzlich 200 Millionen Euro pauschal als freiwillige Leistung bereitgestellt, sagte Paul. Außerdem wolle sich das Land künftig stärker an der Finanzierung der Ausbildung zu Kinderpflege- und Erzieherberufen beteiligen.
Ein weiterer Fokus des neuen KiBiz: Sprach-Kitas sollen mehr Geld bekommen und als dauerhafte Einrichtungen gesetzlich abgesichert werden. Sie erhoffe sich dadurch mehr "Chancengerechtigkeit", sagte Paul. In die selbe Richtung zielt auch die geplante Einführung von "Chancen-Kitas": Gleichzeitig Familienzentrum, sollen hier Kindern mit höherem Unterstützungsbedarf - besonders sprachlich - gefördert werden.
Flexiblere Kitazeiten
Was Eltern besonders interessieren dürfte: Kitazeiten sollen künftig "passgenauer" buchbar sein. Bisher konnten Kitas Wochenbetreuungszeiten von 25, 35 oder 45 Stunden anbieten. Demnächst soll das Zeitkontingent in Fünf-Stunden-Schritten differenzierbar sein.
In den Randzeiten dürfen Kitas künftig in Eigenverantwortung den Betreuungsschlüssel und die Qualifikation des eingesetzten Personals festlegen. Die Kernzeit, in der Fachpersonal vor Ort sein muss, liegt demnach bei mindestens fünf Stunden am Tag. Und: In "Hochphasen" dürfen Kitas auch bis zu vier Kinder mehr aufnehmen, als in der jeweiligen Gruppe eigentlich zulässig.
Nachdem das Kabinett dem Gesetzentwurf bereits zugestimmt hat, geht er nun in die Verbändeanhörung. Wirksam werden kann die Reform frühestens am 1. August 2027.
SPD: "Sparmaßnahmen statt Qualität"
Die SPD-Fraktion im Landtag reagierte empört: Der Landesregierung lege mit dem neuen Kurs den "Rückwärtsgang" ein, erklärte der familienpolitische Sprecher Dennis Maelzer. "Der vorgelegte Entwurf legt keinen Fokus auf Qualität, sondern auf Sparmaßnahmen."
Sparen bei den Kitas?
Besonders erschreckend seien die künftig möglichen Gruppengrößen: "Das ist keine gute frühe Bildung, das ist zusätzlicher Stress für Kinder und Beschäftigte", so Maelzer. Gleichzeitig solle der Einsatz von Fachkräften "künftig nach Kassenlage der Träger" erfolgen. "Nur noch fünf Stunden am Tag soll garantiert werden, dass Fachkräfte in den Gruppen stehen."
Lösung durch Springer-Pools?
Weniger Fachkräfte und größere Gruppen könnten das Problem nicht lösen, so Maelzer. Die SPD schlägt statt dessen die Einrichtung einer trägerübergreifenden Vertretungsregelung durch sogenannte Springer vor. Vorbild für dieses Modell sei Rheinland-Pfalz, aber auch in Velbert gebe es bereits ein Modellprojekt.
Dazu sagte eine Sprecherin des Familienministeriums auf WDR-Nachfrage: Ein solcher Springer-Pool allein löse kein Problem. "Es stehen dadurch nicht auf einmal zig neue Fachkräfte zur Verfügung." Außerdem bestünde so das Risiko, dass häufig Fachkräfte mit Kindern arbeiten würden, die sie nicht gut kennen. "Frische Ideen" seien aber "immer willkommen", so die Sprecherin. Und wo Springer-Pools vor Ort "als gute Möglichkeit gesehen werden, können Einrichtungen dies bereits umsetzen".
Die SPD hat zu dem Thema einen Antrag im Familienausschuss gestellt, der am Donnerstag diskutiert werden soll. Titel: "Entwicklung der Kita-Schließungen seit 2022".
Unsere Quellen:
- Pressegespräch mit NRW-Familienministerin Josefine Paul (Grüne)
- Statements Dennis Maelzer (SPD)
- Statement Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen
Sendung: WDR 5, Westblick, 08.12.2025, 17:04 Uhr