Eine Frau zündet eine Crackpfeife an

Was NRW-Städte gegen offene Drogenszenen tun wollen

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Mikrohandel mit Drogen meint den Verkauf kleiner Mengen unter Konsumenten. Auch in Konsumräumen. Doch der Weg dahin ist schwierig.

Es wirkt wie eine große Koalition - nur eben auf städtischer Ebene: Der neue Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester von der SPD ist genauso dafür wie der Düsseldorfer CDU-Oberbürgermeister Stephan Keller. Sie sprechen sich beide dafür aus, sogenannten "Mikro- oder Ameisenhandel" mit Drogen in Drogenkonsumräumen zu ermöglichen. Allerdings gilt bei Drogenhandel grundsätzlich eine Strafverfolgungspflicht für die Polizei - einfach mal wegschauen: das geht nicht. Anders handhabt das Zürich im Umgang mit der Crack-Krise: da toleriert die Polizei den Mikrohandel.

Beim Mikrohandel geben Konsumenten kleine Mengen untereinander weiter. Wenn man das in Drogenkonsumräumen zulässt, dann - so der Gedanke - kann man diese Form des Drogenhandels aus dem öffentlichen Raum holen und so auch Szenen wie etwa am Düsseldorfer Hauptbahnhof oder Kölner Neumarkt besser in den Griff bekommen. Außerdem wären Drogenabhängige dann besser zu erreichen und zu unterstützen.

Offene Drogenszene: "enormer Handlungsdruck" in NRWs Städten

Burmester wünscht sich im Interview mit der "Kölnischen Rundschau" eine "Experimentierklausel für einzelne Städte" im Betäubungsmittelgesetz. Mikrohandel sei wichtig für den Erfolg etwa des geplanten neuen Suchthilfezentrums in Köln. "Wir sind uns auf NRW-Ebene da sehr einig." Keller sieht das ähnlich. Er sagt dem WDR, das Züricher Modell setze auf eine "klare Trennung zwischen Hilfeangebot und Strafverfolgung". Das schaffe Rechtssicherheit, sei deeskalierend - und "bleibt konsequent gegenüber kriminiellen Strukturen". Düsseldorf könne aber keinen Alleingang machen, es brauche "eine entsprechende Entscheidung auf Landesebene".

Suchtforscher Prof. Dr. Daniel Deimel

Suchtforscher Prof. Dr. Daniel Deimel

"Der Handlungsdruck in allen Großstädten in NRW ist enorm - und das vereint sie." Das sagt Daniel Deimel, der in Köln lebt und dort lange in Einrichtungen der Suchthilfe gearbeitet hat. Inzwischen ist er Professor für Gesundheitsförderung und Prävention an der TH Nürnberg. Für ihn wäre es ein wichtiges "Puzzlestück", Mikrohandel zuzulassen und so Menschen von der Straße zu holen.

Maßnahme gegen Drogenszene?

WDR 5 Westblick - aktuell 10.03.2026 03:48 Min. Verfügbar bis 10.03.2027 WDR 5

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Crack hat die Lage verändert

Deimel sagt: seitdem Crack zu einer vorherrschenden Droge geworden ist - also rauchbar gemachtes Kokain - habe sich die Drogenszene deutlich verändert. Der Rausch hält nur kurz, der nächste Kauf folgt schnell. Und es gibt noch keine Ersatzstoffe zur Behandlung. Auch Deimel sieht das Züricher Vorgehen als beispielhaft. Dort gilt das Motto: "Draußen gilt Null Toleranz, drinnen ist ein sicherer Hafen."

Das ist ein ganz zentraler Schritt, um auch die Konflikte in den Sozialräumen zu befrieden. Daniel Deimel

Große Skepsis bei den Fachministern der Landesregierung

Laumann im WDR-Interview

NRW Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Der Ruf aus den NRW-Großstädten nach einer Initiative der Landesregierung findet allerdings wenig Echo. Das zeigt sich auch schon daran, dass NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann von der CDU sich auf WDR-Anfrage nur schriftlich äußern möchte. Er sieht zwar den Unterstützungsbedarf für schwerst drogenabhängige Menschen - deshalb auch der Rückhalt für Drogenkonsumräume. Zugleich stehe er der Idee des Mikrohandels "sehr kritisch gegenüber". Für Drogenbeschaffung gebe es "in Deutschland aus guten Gründen keinen legalen Weg". Für Laumann gilt: wer diese Tür öffnet, unterstütze letztlich Organisierte Kriminalität.

Innenminister Herbert Reul - ebenfalls CDU - zeigt sich gleichermaßen skeptisch. Ein solcher Handel stehe im Widerspruch zu allem, was derzeit rechtlich gelte. Jeder Handel mit Betäubungsmitteln sei strafverfolgungspflichtig. Wolle man das wirklich ändern, brauche es eine "sehr gründliche Debatte". Für die betroffenen Menschen könne das ein Weg sein, aber mit Blick auf die Bekämpfung der Drogenkriminalität habe er seine Zweifel. "Vielleicht gibt es auch keine einfache Lösung."

Kriminalstatistik zeigt erhebliche Crack-Zunahme

Deimel hält weiter dagegen. Auch wenn er sich weiter für eine rechtliche Änderung einsetzt, sagt er doch auch: "Wir haben diese Zeit einfach nicht." Es brauche Modelle auf kommunaler Ebene und den Mut, solche Dinge auszuprobieren. Entsprechende Bereitschaft höre er auch aus Polizeipräsidien in NRW.

Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt auch die jüngste Kriminalstatistik für NRW für 2025: Im Zusammenhang mit Kokain und Crack verzeichnet die im Vorjahresvergleich einen Anstieg bei den erfassten Fällen um 16,7 Prozent auf (plus 1.074 Fälle).

Unsere Quellen:

  • Interview mit Daniel Deimel, Professor für Gesundheitsförderung und Prävention
  • Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul
  • Statement von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann
  • Düsseldorfs Oberbürgermeister Keller auf WDR-Anfrage
  • Kölns Oberbürgermeister Burmester in der "Kölnischen Rundschau"
  • eigene Recherchen

Sendung: WDR 5, Westblick "Mit Mikrohandel gegen offene Drogenszene vorgehen?", 10.03.2026, 17:05 Uhr

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