Kriminalstatistik: Neue Zahlen 2025

Aktuelle Stunde 20.04.2026 29:25 Min. Verfügbar bis 20.04.2028 WDR Von Alexander Roettig

Kriminalstatistik 2025 mehr Tötungs- und Sexualdelikte in NRW

Stand:

Erstmals seit 2022 ist die Zahl der Straftaten in Deutschland rückläufig. Auch in NRW registrierte die Polizei weniger Delikte. Einige besonders gravierenden Formen der Kriminalität nahmen aber zu.

Die Zahl der von der Polizei erfassten Straftaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr gesunken. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Demnach wurden im vergangenen Jahr 5,6 Prozent weniger Straftaten registriert als 2024. Ein Grund für den Rückgang ist allerdings die Teillegalisierung des Besitzes und Anbaus von Cannabis im April 2024.

Doch auch in anderen Bereichen, die davon nicht betroffen sind, gab es eine positive Entwicklung: So wurden bundesweit 2,3 Prozent weniger Gewaltverbrechen aktenkundig als im Jahr zuvor. Sorgen bereitet allerdings die nach wie vor steigende Zahl tatverdächtiger Kinder. Ganz anders als in NRW. Hier konnte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bereits im März einen Rückgang vermelden.

Zahl der Straftaten in NRW gesunken

Auch in NRW gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2025 weniger Straftaten als im Vorjahr. "Nordrhein-Westfalen ist ein Stück sicherer geworden", so Reul Anfang März in Düsseldorf. Die Zahl der Straftaten sank der offiziellen Statistik zufolge um drei Prozent auf rund 1,36 Millionen Fälle (2024: 1,4 Millionen).

So gingen die Zahl unter anderem auch bei der Messerkriminalität leicht zurück. Zudem gab es laut Minister weniger Gewaltdelikte, Cybercrime, Wohnungseinbrüche und Ladendiebstähle. Mit rund 500.000 Fällen machten allein die Diebstähle 2025 etwa 37 Prozent aller erfassten Straftaten aus.

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Mehr Totschlagsdelikte

Allerdings registrierte die Polizei bei einer Reihe von besonders gravierenden Formen der Kriminalität einen Anstieg. So nahm die Zahl der Tötungsdelikte in der nordrhein-westfälischen Kriminalstatistik um 6,1 Prozent zu. 508 Fälle von Mord und Totschlag - das ist laut einer Auflistung von Innenministerium und Polizei ein Höchststand in den letzten zehn Jahren.

Insgesamt waren es laut Statistik sogar 622 "Straftaten gegen das Leben", denn hier kommen neben Totschlag, Mord und Tötungsversuchen noch Tötungen auf Verlangen hinzu. Als Morde wurden 52 Fälle eingestuft (2024: 58). Der Anstieg in dieser Deliktgruppe ist laut Innenministerium also auf den Anstieg bei Totschlagsdelikten zurückzuführen. Die Aufklärungsquote bei Mord und Totschlag lag den Angaben zufolge bei rund 93 Prozent.

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Anstieg bei Sexualstraftaten

Auch die Zahl der Sexualstraftaten nahm in NRW demnach im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent zu. 2024 wurden 30.567 Fälle gezählt, 2025 waren es 32.144. Die Polizei registrierte eine Zunahme bei Vergewaltigungsdelikten (plus 8,5 Prozent) und beim sexuellen Missbrauch von Kindern (plus 2,7 Prozent).

Ein weiterer Trend in NRW: In allen Altersgruppen stieg bei Sexualstraftaten die Anzahl der Tatverdächtigen im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Kindern (plus 6,8 Prozent) und bei den Heranwachsenden im Alter von 18 bis 21 (plus 11,2 Prozent) fiel der Anstieg am stärksten aus.

Reul erklärte den Anstieg bei den Sexualstraftaten unter anderem damit, dass mehr Strafanzeigen gestellt würden. Außerdem ermittelt die Polizei laut Innenminister intensiver - unter anderem mit dem Einsatz von KI. "Wer in diesem Bereich tief wühlt, findet auch mehr", sagte Reul.

Insgesamt zählte die Polizei bei allen erfassten Straftaten landesweit 478.700 Tatverdächtige, davon waren knapp 74 Prozent männlich. 163.077 Verdächtige hatten laut Landesinnenministerium nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. 53,7 Prozent aller erfassten Fälle wurden den Angaben zufolge aufgeklärt.

Warum die Polizeistatistik nicht das ganze Bild liefert

Das Zahlenwerk listet die bekanntgewordenen Straftaten auf. Wie groß das Dunkelfeld ist, bleibt offen. Hinzu kommt, dass die Zahlen der tatsächlich rechtskräftig verurteilten Straftäter teils ein anderes Bild ergeben als die polizeiliche Kriminalstatistik. Die alljährlichen Kriminalstatistiken werden deshalb aber nicht nachträglich korrigiert.

Die Kriminalstatistik wird wie immer auch politisch diskutiert. Die SPD als größte Oppositionsfraktion sieht "wenig Licht, aber neue Schatten" in dem Zahlenwerk. "Die Zunahme an sexualisierter und häuslicher Gewalt, die weite Verbreitung harter Drogen und die nach wie vor hohen Gewaltdelikte bei Kindern und Jugendlichen besorgen uns sehr und verlangen höchste Aufmerksamkeit", sagte die SPD-Innenexpertin Christina Kampmann.

Die Sozialdemokraten verweisen auf die Zahlen bei den Rauschgiftdelikten. Wegen der Teil-Legalisierung von Cannabis gibt es hier insgesamt einen Rückgang. Im Zusammenhang mit Kokain und Crack verzeichnet die Kriminalstatistik aber einen Anstieg um 16,7 Prozent auf (plus 1.074 Fälle).

Für die FDP im Landtag ist die Zunahme von registrierten Sexualdelikten "besonders besorgniserregend". Der FDP-Innenpolitiker Marcel Hafke sagte: "Wir brauchen einen besseren Opferschutz, schnellere Verfahren und konsequente Täterverfolgung – ohne Wegsehen und ohne Ausreden." Innenminister Reul betonte, dass man nicht zufrieden sein könne. Aber insgesamt liege die Kriminalität in NRW "fast acht Prozent" unter dem Niveau im Jahr 2016. Der CDU-Politiker ist seit Mitte 2017 Innenminister von NRW.

Mitarbeit: Amber Berger (Grafiken)

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz von NRW-Innenminister Reul
  • Handout des NRW-Innenministeriums mit dem Zahlenmaterial
  • Pressemitteilungen von SPD und FDP im Landtag

Sendung: WDR 5, Weniger Straftaten gemeldet, 02.03.2026, 17:05 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 02.03.2026, 18.45 Uhr
Sendung: wdr.de, Polizeiliche Kriminalstatistik vorgestellt , 20.04.2026, 10:47 Uhr

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