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Geplantes Drogenhilfezentrum in Düsseldorf weiter in der Kritik

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Anwohner, Eltern und benachbarte Schulen sorgen sich um das Viertel. Das wurde bei einem Infoabend nochmal deutlich.

In Düsseldorf steht das geplante künftige Drogenhilfezentrum im Stadtteil Oberbilk weiter in der Kritik. Das wurde bei einer Bürgerinfo der Stadt am Dienstagabend deutlich, zu der rund 400 Menschen gekommen waren.

Anwohner, aber auch Eltern benachbarter Schulen haben aus ihrer Sicht immer noch zu wenig darüber erfahren, wie das Drogenhilfezentrum konkret funktioniert und die Nachbarschaft und die Kinder geschützt werden sollen. Viele befürchten, dass sich der Ruf des Viertels weiter verschlechtert und viele darunter leiden.

Stadt kann Bedenken vieler nicht ausräumen

Viele Besucher gingen am Abend unzufrieden nach Hause, auch Tamara Raddatz, deren Tochter das benachbarte Lessing-Gymnasium besucht: "Ich habe heute keine Antworten auf meine Fragen bekommen, das Konzept wurde nicht konkret erklärt." Raddatz sorgt sich, dass die Schule durch das neue Zentrum nicht mehr attraktiv ist und Lehrkräfte abwandern könnten.

EIn Mann mit durchsichtiger Brille, Bart und grauem Haar in einem Saaleingang

Anwohner Michael Göring

Michael Göring wohnt in der Nachbarstraße und ist zwiegespalten: "Ich finde es gut, dass sich die Stadt um die Suchtkranken kümmern und sie von der Straße holen will. Aber mir ist unklar, wie sie die Kinder und Schüler in der Nachbarschaft vor dem Drogenkonsum schützen will."

Stadt will Drogenszene verteilen

Die neue Anlaufstelle soll in einem ehemaligen Mehrfamilienhaus in der Eisenstraße eingerichtet werden, direkt hinter dem Hauptbahnhof und mitten in einem Wohngebiet sowie in unmittelbarer Nähe zweier Schulen. Die Pläne sind Teil des städtischen Projektes "Sicherheit im Bahnhofsumfeld" - kurz SiBu.

Anwohner-Protest gegen Drogenhilfezentrum in Düsseldorfer Wohngebiet

02:39 Min. Verfügbar bis 02.02.2028

Ein Ziel besteht darin, die Drogenszene aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, auf dezentrale Einrichtungen zu verteilen und den Betroffenen Hilfs- und Beratungsangebote zu machen - nach dem sogenannten "Zürcher Modell". Auch begrenzter Konsum und Handel soll dort in den Räumen sowie dem dazugehörigen Außengelände möglich sein - als Anreiz, von der Straße in den geschützten Raum zu wechseln.

Anwohner und Pflegschaft kritisieren Standort

Alexander Dierold vor Hauswand

Besorgter Anwohner: Alexander Dierolf

Diese Vorstellung passt vielen Anwohnern wie Alexander Dierolf überhaupt nicht. Er hat eine Onlinepetition gegen die Pläne gestartet, die aktuell knapp 1900 Menschen unterstützen. "Hier gibt es viele dunkle Ecken, in die sich die Drogensüchtigen von vor dem Hauptbahnhof zurückziehen können, Beschaffungskriminalität, das ist hier nicht der richtige Ort", sagt Dierolf.

Auch die beiden benachbarten Schulen haben in Briefen an die Stadtspitze den Standort als "völlig inakzeptabel" bezeichnet. Der Innenhof des geplanten Drogenhilfezentrums sei nur durch eine Mauer vom Schulhof getrennt, heißt es. "Wir befürchten einfach, dass die Kinder da unmittelbar harten Drogenkonsum mitbekommen. Man kann den Innenhof von vielen Klassenräumen aus einsehen", erklärt Christoph Werthmann, Pflegschaftsvorsitzender des Lessing-Gymnasiums.

Sozialarbeiter verteidigen das Konzept

Christoph Werthmann vor Wand

Pflegschaftsvorsitzender Christoph Werthmann

Verschiedene Akteure der Drogenhilfe in Düsseldorf verteidigen jedoch das neue Konzept, das sie gemeinsam mit der Stadt erarbeitet hätten. Ziel sei es, den Menschen, die sich im Umfeld des Hauptbahnhofs aufhalten, eine Anlaufstelle zu bieten, um sie erstmal niedrigschwellig versorgen zu können, erläuterten sie bei einem Vor-Ort-Termin vergangene Woche.

Es handele sich um drogenkranke Menschen, denen eine Alternative zur Straße geboten werden müsse - und das möglichst in zentraler Lage, denn Angebote an den Stadträndern würden nicht angenommen, das zeige sich auch in Köln, erklärte Michael Harbaum, Geschäftsführer der Drogenhilfe Düsseldorf.

Stadt betont Sicherheit für Anwohner

Im öffentlichen Raum sollen dann Ordnungsamt und Polizei dafür sorgen, dass Störungen, Drogenhandel und -konsum im Umfeld unterbunden werden, erklärt Koch. Und es nicht zu ähnlichen Zuständen kommt wie an einer anderen Anlaufstelle für Süchtige im Stadtteil Flingern, wo sich Anwohner schon lange über den offenen Konsum auf der Straße beklagen.

Kritik bei Bürgerinfo zu Drogenhilfezentrum Düsseldorf

WDR Studios NRW 03.02.2026 00:35 Min. Verfügbar bis 03.02.2028 WDR Online

FDP fordert Alternativen

Im Frühjahr soll das geplante Drogenhilfezentrum an der Eisenstraße an den Start gehen. Bisher hatte eine breite politische Mehrheit - mit Ausnahme der AfD - die Pläne der Stadt unterstützt.

Jetzt fordert jedoch die FDP für die Ratssitzung kommende Woche, alternative Standorte in der Innenstadt zu prüfen. Sie schlägt etwa eine temporäre Lösung mit Containermodulen vor oder Flächen auf dem Grundstück rund um das städtische Gesundheitsamt.

Unsere Quellen:

  • Stadt Düsseldorf
  • WDR-Interview mit Dezernentin Miriam Koch (Grüne)
  • FDP-Ratsfraktion Düsseldorf
  • Drogenhilfe Düsseldorf
  • WDR-Interview mit Anwohner Alexander Dierolf
  • WDR-Interview mit Pflegschaftsvorsitzendem Christoph Werthmann

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 13.01.2026, 19.30 Uhr
Sendung: WDR.de,
Kritik bei Bürgerinfo zu Drogenhilfezentrum Düsseldorf, 03.02.2026, 21.41 Uhr

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