Sparkassen-Chef Michael Klotz äußert sich zu Einbrüchen
Aktuelle Stunde . 14.01.2026. 24:31 Min.. UT. Verfügbar bis 14.01.2028. WDR. Von Carmen Krafft-Dahlhoff.
Michael Klotz ist seit November 2025 Chef der Sparkasse Gelsenkirchen. Wenige Wochen nach seinem Amtsantritt als Vorsitzender des Vorstandes kam es zu einem spektakulären Einbruch in die Filiale im Stadtteil Buer.
Unbekannte drangen kurz nach Weihnachten in den Tresorraum ein und leerten die Schließfächer. Der Schaden könnte bei rund 100 Millionen Euro liegen. Im Interview hat sich Michael Klotz den Fragen unserer WDR-Reporterin gestellt.
WDR: Der Bankeinbruch ging weltweit durch die Medien. Wie fühlen Sie sich als Sparkassen-Chef?
Michael Klotz: Diese Betroffenheit betrifft ja nicht nur mich persönlich. Es betrifft die gesamte Sparkasse und 3.000 unserer Kunden, die Opfer einer schweren Straftat geworden sind. Ich habe so etwas noch nie erlebt in meiner 42-jährigen Zeit, die ich bei der Sparkassen-Organisation bisher verbracht habe. Ich bemühe mich intensiv, alles zu tun, um den Betroffenen zu helfen und durch den kommenden Prozess zu begleiten.
WDR: Was immer - ab dem ersten Tag und auch heute - der Wunsch der Geschädigten ist, ist der Wunsch nach Nähe. Und der ist nicht erfüllt worden aus Sicht der Geschädigten.
Klotz: Wir haben - so gut es uns möglich war - von Anfang an versucht, viele Informationen zur Verfügung zu stellen. Wir haben am nächsten Tag eine Hotline geschaltet, die über Silvester und über das Wochenende erreichbar war und nach wie vor erreicht werden kann.
Wir stellen alle Informationen über unsere Homepage ein, wir haben die Kunden mittlerweile angeschrieben und die nächsten Schritte mitgeteilt. Wir hätten gerne mehr persönlichen Kontakt zu den Betroffenen gehabt und aufgenommen, das war aber wegen der Vielzahl so nicht möglich.
WDR: Können Sie bitte einmal den Tathergang, wie er sich jetzt darstellt, schildern?
Die Betonwand zum Tresorraum war kein Hindernis für die Bank-Einbrecher in Gelsenkirchen-Buer.
Klotz: Soweit wir das aufgrund der polizeilichen Ermittlungen bisher wissen, sind die Täter ja offensichtlich über unsere Tiefgarage in die Filiale Buer in das Gebäude eingedrungen. Dabei haben sie mehrere Sicherungssysteme überwunden und sich durch einen innenliegenden Archivraum, durch eine dicke Betonwand in den Tresorraum unserer Filiale gebohrt.
WDR: Wie war das möglich?
Klotz: Das sind vielfach natürlich Spekulationen. Gesichert wissen wir nach wie vor nicht, wie die Täter überhaupt ins Gebäude gekommen sind.
WDR: Es hat zwei Alarme gegeben. Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes war vor Ort. Warum hat er nicht nochmal geguckt, nachdem die Feuerwehr gesagt hat: Da ist ein Fehlalarm.
Klotz: Es gab in der Tat zwei Alarme: Einen Alarm am 29. Dezember, bei dem die Tat festgestellt wurde, und einen Alarm am 27. Dezember, bei dem dann ja Einsatzkräfte vor Ort und auch der Wachdienst im Gebäude waren. Das Ganze ist als Fehlalarm eingestuft und die Alarmsysteme sind wieder scharf geschaltet worden. Wie genau dieser Einsatz abgelaufen ist, dazu liegen mir bisher auch keine konkreten Erkenntnisse vor. Auch das ist ja Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.
WDR: Würden Sie erwarten, dass bei einem solchen Fehlalarm die beauftragte Sicherheitsfirma trotzdem nochmal nachschaut?
Klotz: Der Tresorraum an sich ist zunächst verschlossen. Da kann man nicht so ohne Weiteres reingucken, auch nicht die Feuerwehr oder der Wachdienst. Nach welchen Kriterien die Feuerwehr diesen Alarm als Fehlalarm eingestuft hat, das kann ich nicht beurteilen. Wir wissen nicht genau, wie das abgelaufen ist.
Wir wissen auch nicht, wie die Situation vor Ort war und was man dort hätte konkret erkennen können. Es ist natürlich schon ein Stück weit überraschend, dass das nicht aufgefallen ist. Aber warum, können wir aktuell nicht sagen.
WDR: Sie haben in der Vergangenheit immer wieder betont, die Sicherheit ist auf dem aktuellen Stand, dem Stand. Was meinen Sie konkret damit?
Klotz: Unsere Kunden erwarten, dass wir ihre Wertgegenstände sicher verwahren. Dafür setzen wir Sicherheitssysteme ein, die auf dem anerkannten Stand der Technik sind - und das gewährleisten wir durch Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachfirmen. Wir haben innerhalb der vergangenen zwei Jahre die Einbruch- und Brandmeldeanlagen in unseren Gebäuden erneuert.
WDR: NRW-Innenminister Herbert Reul hatte sich geäußert, dass das Finanzministerium das Sicherheitskonzept der Sparkasse nochmal durchleuchten will.
Klotz: Das habe ich so nicht verstanden. Ich habe das eher dahingehend verstanden, dass wir natürlich als Sparkasse hergehen werden und aufgrund des Tathergangs unser Sicherheitskonzept, die technischen und baulichen Gegebenheiten nochmal auf den Prüfstand stellen. Das Finanzministerium NRW ist die Sparkassenaufsicht - und die bekommt von uns eine laufende Berichterstattung zum Tathergang und zu der Tat.
WDR: Wie sieht es in dem Tresorraum aus?
Klotz: Dort liegen aus 3.000 aufgebrochenen Fächern die Gegenstände, Urkunden, Werte auf dem Boden, die die Täter hinterlassen und nicht mitgenommen haben. Wir haben vor einigen Tagen gemeinsam mit der Polizei, Sparkassen-Mitarbeitern und unter notarieller Begleitung begonnen, diese Dinge aus dem Tresor herauszunehmen, zu inventarisieren und kategorisieren.
So sollen möglichst viele dieser Gegenstände den Kunden zugeordnet werden. Das erfolgt an sieben Tagen in der Woche. Erste Schätzungen der Polizei, die ich dazu gehört habe, sind, dass dort rund 500.000 Gegenstände liegen sollen. Momentan hat nur die Polizei Zugang zum Tresorraum.
WDR: Was machen Sie jetzt, damit die Geschädigten ihre Anzeige und ihre Inventarlisten vorlegen können?
Klotz: Wir haben für alle Geschädigten, die uns über die Hotline erreicht und uns ihre Einwilligung gegeben haben, die Daten zunächst erstmal an die Polizei übergeben, die eine Anzeige aufnehmen wird. Wir werden den Betroffenen demnächst nochmal eine Inventarliste als Muster zur Verfügung stellen, weil es jetzt ganz wichtig ist, dass die Betroffenen die Dinge auflisten, die im Schließfach waren.
Die Betroffenen können diese Liste dann als Hilfsmittel nehmen. Die wird auch Hinweise enthalten, was man berücksichtigen sollte und was man als Belege zusammenstellen sollte. Wir sind dabei, eine Anlaufstelle zu schaffen, wo anschließend die Betroffenen die Schadensmeldung mit uns besprechen können.
WDR: Sind Sie in Sorge, dass es zum Rechtsstreit kommt?
Klotz: Wir haben mit unseren Kunden in den entsprechenden Mietverträgen vereinbart, dass die Inhalte dieser Fächer bei Abhandenkommen bis zu 10.300 Euro abgesichert sind. Darüber hinausgehende Ansprüche ergeben sich aus zusätzlichen Versicherungen, beispielsweise Hausratversicherungen, die unsere Kunden abgeschlossen haben. Das ist natürlich nie auszuschließen, dass es da auch zu Klagen kommen wird in diesem Zusammenhang.
WDR: Weil die Sicherheit unzureichend war ...
Klotz: So wird es behauptet von den Rechtsanwälten, die ihre Mandanten auf diesem Weg der Klage unterstützen wollen. Das sind Behauptungen, dass unsere Tresorräume nicht sicher waren. Das sehe ich anders. Meiner Meinung nach waren die sicher. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch Anwälte um Mandanten werben, wenn es darum geht, diese Verfahren durchzuführen.
WDR: Haben Sie die Absicht, persönlich etwas zu den Betroffenen zu sagen?
Klotz: Ich kann das Bedürfnis gut nachempfinden, aber wir sind ja gerade noch in der Akutphase. Und wir sind gerade noch sehr intensiv mit den Aufräumarbeiten und Sortierarbeiten in unserem Tresorraum beschäftigt.
Wir überlegen intensiv, wie wir die Kommunikation mit den Betroffenen verbessern können. Und wir werden auch überlegen, ob es eine Möglichkeit gibt, zukünftig im größeren Umfang persönlich mit den Betroffenen in Kommunikation zu gehen.
Das Interview führte WDR-Reporterin Carmen Krafft. Für die Online-Version wurde es sprachlich geglättet, ohne den Inhalt zu verändern.
Unsere Quelle:
- Interview mit Michael Klotz, Chef der Sparkasse Gelsenkirchen
Sendung: WDR.de, Sparkassen-Chef zu Bankeinbruch in Gelsenkirchen, 14.01.2026, 13.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 14.01.2026, 18.45 Uhr