Der Sparkasse Gelsenkirchen drohe eine "Klagewelle ungeahnten Ausmaßes", sagt Daniel Kuhlmann. Der Anwalt aus Datteln habe bereits die Vollmachten von etwa 200 Kunden, die er in diesem Fall vertritt - täglich würden sich weitere Betroffene melden. Nächste Woche will er beim Landgericht Essen die ersten Klagen einreichen. Er rechne damit, dass am Ende rund 1.000 Kläger zusammen kommen können.
Währenddessen laufen die Ermittlungen nach dem Einbruch in die Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer: Viele fragen sich, warum die Täter anscheinend tagelang ungestört blieben und nicht weiter aufgefallen sind. Mit einem großen Spezialbohrer verschafften sie sich einen Zugang in den Tresorraum und räumten die mehr als 3.000 Schließfächer leer.
Erstes Verfahren "besonders wichtig"
Mit der Klage zum recht frühen Zeitpunkt will der Anwalt sicherstellen, dass nicht ein anderer Anwalt vorprescht, denn das erste Verfahren sei besonders wichtig. Werde die erste Klage abgewiesen, beziehungsweise verloren, würden sich die Gerichte daran orientieren, so Kuhlmann. Der Anwalt bereitet derzeit vier bis fünf Einzelklagen vor.
Dabei handelt es sich nach seiner Aussage um Fälle mit einer klaren Beweislage. Das bedeutet, die Mandanten konnten klar auflisten, was in ihrem Schließfach gelegen hat. Ein Mandant sei zum Beispiel der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Er habe zum Beispiel angegeben, dass eine Rolex-Uhr, Goldmünzen und Bargeld im Tresorfach gelegen hätten, das könne er auch belegen.
Gutachten könnte Sicherheitsmängel aufklären
Kuhlmann wirft der Bank vor, das Sicherheitskonzept sei nicht ausreichend gewesen. "Nach unseren Informationen gab es im Tresorraum nicht einmal einen Einbruchsbewegungs- oder Erschütterungsmelder und auch auf den Feueralarm aus dem Tresorraum wurde nicht reagiert", heißt es in einem Schreiben der Kanzlei. Ob die Bank den Raum nicht ausreichend gesichert hat, könnte durch ein Gutachten geklärt werden.
In einem möglichen Gutachten müsste der Kanzlei zufolge geklärt werden, ob die Sparkasse niedrigere Sicherheitsmaßnahmen als andere Geldinstitute genutzt habe. Von Fachverbänden festgelegte Branchenstandards spielten im Gutachten ebenso eine Rolle wie das, was in der Praxis tatsächlich umgesetzt würde. Der Chef der Sparkasse Gelsenkirchen verteidigt die Sicherheitsvorkehrungen: "Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert."
Kunden sollen Fotos und Belege suchen
Betroffenen rät die Kanzlei außerdem, Belege für die Gegenstände in den Schließfächern zu sichern – etwa Fotos, Rechnungen und Kaufbelege. Das helfe bei der Aufklärung. Laut Sparkasse Gelsenkirchen ist der Inhalt der Schließfächer ohnehin bis zu einem Betrag von 10.300 Euro versichert.
Zeitliche Abfolge weiterhin unklar
Wann genau sich der Bank-Einbruch in Gelsenkirchen ereignete, ist bis heute ungeklärt. Der Tatzeitpunkt könnte entweder auf die Weihnachtsfeiertage oder das darauffolgende Wochenende fallen. Der Wert der Beute lag möglicherweise bei über 100 Millionen Euro, berichtet die dpa.
Die Polizei sucht weiterhin mit Fahndungsbildern nach den mutmaßlichen Tätern. Außerdem sind zwei Autokennzeichen aufgetaucht, die womöglich zu einem der Fluchtfahrzeuge gehören. Ein Zeuge habe die beiden Nummernschilder am Sonntagmittag am Dortmunder Hauptbahnhof gefunden, heißt es von der Polizei.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Anwalt Daniel Kuhlmann
- Nachrichtenagentur dpa
- Polizei Gelsenkirchen
- Sparkasse Gelsenkirchen
Sendung: WDR.de, Sparkasseneinbruch Gelsenkirchen: Jetzt verklagen die Kunden die Bank, 05.01.2026, 19:38 Uhr