Sparkasseneinbruch in Gelsenkirchen Thema im Innenausschuss des NRW-Landtages

Lokalzeit Ruhr 13.01.2026 02:35 Min. Verfügbar bis 13.01.2028 WDR Von Rainer Kuka

Reul: 230 Ermittler im Einsatz nach Bankeinbruch in Gelsenkirchen

Stand:

Der Innenausschuss im NRW-Landtag beriet über den Einbruch in eine Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen. Innenminister Reul berichtete. Er attestierte den Tätern professionelles Vorgehen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat bei den Ermittlungen zum Gelsenkirchener Bankeinbruch zur Geduld gemahnt. "Wir werden noch lange brauchen", sagte Reul am Dienstag im Innenausschuss des Landtags in Düsseldorf. Der Anspruch sei: "Das Ding klären wir auf."

Mittlerweile sucht die Polizei laut Reul mit 230 Ermittlern nach den Tätern. Im Tresorraum und dem danebenliegenden Archivraum hätten Schätzungen zufolge unter anderem 500.000 Gegenstände auf dem Boden gelegen. Diese müssten akribisch untersucht werden. "Auf jedem dieser Gegenstände könnten relevante Spuren sein", sagte Reul. "Das sieht aus wie 'ne Müllkippe da."

Die Ermittler seien außerdem dabei, 10.000 Stunden Videomaterial auszuwerten. Insgesamt gebe es derzeit acht Terrabyte Daten. Reul wies Spekulationen über Schwarzgeld in dem Fall zurück. Er betonte vielmehr den Opferschutz der Betroffenen.

Der erste Alarm

In der Sitzung wurde auch über die Rolle von Polizei und Feuerwehr gesprochen, die schon am 27. Dezember auf einen Alarm hin ausgerückt waren und dabei nichts bemerkt hatten. Festgestellt wurde der Einbruch erst zwei Tage später nach einem weiteren Brandalarm.

Herbert Reul im Portrait

Innenminister Herbert Reul (CDU)

Reul schilderte, wie Feuerwehr und Polizei am 27. Dezember nach einem Brandalarm vorgingen. Da der Alarm aus dem Tresorraum der Filiale gekommen sei, hätten sich Polizei und Feuerwehr auf den Weg gemacht. Der Zugang zum Tresorraum war laut Reul allerdings durch ein verschlossenes Rollgitter versperrt.

Der Vorraum konnte nach Darstellung des Innenministers aber gut eingesehen werden. Reul betonte mehrfach, dass es sich um einen Feuerwehreinsatz gehandelt habe. Da von den Feuerwehrleuten "kein Rauch, kein Anschlag, kein gar nichts", so Reul, festgestellt wurde, sei der Alarm als Fehlalarm eingestuft worden. Dabei sei neben Feuerwehr auch ein Polizist und der Sicherheitsdienst der Bank vor Ort gewesen. Alle Beteiligten hätten die Lage gleich eingeschätzt.

"Keine Amateuridee"

Auf dem Weg zum Rollgitter seien die Einsatzkräfte laut Reul auch an dem Archiv vorbeigelaufen, von dem aus – wie später festgestellt wurde – die Bohrungen der Täter stattgefunden haben. Die Tür dorthin hinein soll bisherigen Erkenntnissen zufolge allerdings geschlossen gewesen sein. Polizei und Feuerwehr kamen den Tätern also am 27. Dezember möglicherweise sehr nah.

Es habe kein Überfallalarm und auch kein Einbruchalarm angeschlagen, "sondern nur Brandalarm", sagte der Innenminister. Die Brandalarme seien Sache der Feuerwehr. Die Polizei wäre nur bei Brandstiftung zuständig gewesen. Die Feiertage für eine solche Tat zu nutzen, sei "keine Amateuridee" gewesen, sagte der Innenminister. Der oder die Täter hätten sogar die "Coolness" gehabt, etwa den Bohrer nach der Nutzung wieder mitzunehmen.

Minister zur Rolle der Sparkasse

Reul äußerte sich auch zu der Frage, ob die Sicherheitsmaßnahmen der Sparkasse ausreichend waren. Die Anwälte der geschädigten Kunden bezweifeln das - und könnten deshalb vor Gericht fordern, dass die Bank für den kompletten Schaden haftet. Der Minister erklärte, die Sparkasse werde eine "detaillierte Aufarbeitung der vorhandenen Sicherheitstechnik“ vornehmen. Außerdem werde das Sicherheitskonzept für die "Schrankfachanlagen der Sparkasse" überprüft.
 
"Dafür ist aber die Bank zuständig", sagte Reul. "Dass das sicher sein muss, ist eine logische Selbstverständlichkeit." Die Polizei könne nicht vor jede Bank einen Streifenwagen stellen, sagte der Innenminister.

Sparkassenraub Thema im Landtag

Aktuelle Stunde 13.01.2026 43:16 Min. UT Verfügbar bis 13.01.2028 WDR Von Sebastian Auer

In einem vertraulichen Teil der Innenausschusssitzung präsentierte der Innenminister den Abgeordneten noch weitere Details, die er öffentlich aus ermittlungstaktischen Gründen geheimhalten wollte.

Rekordverdächtige Tat

Ende Dezember hatten sich die bislang unbekannten Täter über ein Parkhaus Zutritt zu der Sparkasse in Gelsenkirchen verschafft und ein großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum zu gelangen. Fast alle 3.250 Kundenschließfächer der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer wurden aufgebrochen.

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Am Dienstag teilten die Ermittler nach der Innenausschusssitzung neue Erkenntnisse mit. Anhand der ausgewerteten Daten lässt sich demnach sagen, so die Polizei Gelsenkirchen, "dass die Täter am Samstag, 27. Dezember 2025, um 10.45 Uhr das erste Schließfach in dem Tresorraum aufbrachen". Die letzte digitale Aufzeichnung der Öffnung eines Schließfaches war demnach um 14.44 Uhr.

In vier Stunden 3.000 Fächer aufgebrochen

In einer Zeitspanne von mindestens vier Stunden wurden demnach laut Polizei Schließfächer aufgebrochen, der Tresorraum verwüstet und durch "die Mitnahme der Inhalte" über 3.000 Menschen massiv geschädigt. "Ob und wie lange sie zuvor schon in dem Gebäude waren und wie lange sie gebraucht haben, um die Beute abzutransportieren, ist weiter Gegenstand der Ermittlungen", hieß es.

Ins Gebäude gelangt sind die Täter offenbar durch eine manipulierte Fluchttür. Die könne eigentlich von außen nicht geöffnet werden. Durch die Manipulation sei den Tätern aber "ein ungehinderter Zugang vom Parkhaus in das Sparkassengebäude" gelungen, so die Ermittler.

Einer der größten Bankdiebstähle der Landesgeschichte

Bei einer geschätzten Schadenssumme von 100 Millionen Euro und tausenden Betroffenen handelt es sich um einen der größten Bankdiebstähle der Landesgeschichte. Deshalb stellten die Abgeordneten auch viele Nachfragen - etwa zu den Sicherheitsvorkehrungen der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer. Vieles bleibt weiter unklar - etwa die mögliche Rolle von Insidern.

"Auch die Landesregierung muss alles daransetzen, dass Vertrauen nicht verloren geht, sondern zurückgewonnen wird." Christina Kampmann (SPD), innenpolitische Sprecherin

Die SPD-Fraktion hatte die Sondersitzung des Innenausschusses beantragt und teilte mit, dass sie umfassende Unterstützung für die Opfer erwartet, etwa durch Beratung und Hilfe. Für viele Betroffene sei der Einbruch eine persönliche Katastrophe.

Unsere Quellen:

  • Sitzung des Innenaussschusses
  • Eigene Recherchen
  • Mitteilung SPD-Antrag Sondersitzung Innenausschuss
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 13.01.2026, ab 6:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 13.01.2026, 18:45 Uhr

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