Erstes Deutschland-Spiel der Fußball-WM: Public Viewing in Hückelhoven
Lokalzeit aus Aachen. 15.06.2026. 27:28 Min.. Verfügbar bis 15.06.2028. WDR. Von Donata Jertz.
Zur Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko ist einiges anders als bei vielen früheren Turnieren. Zum Beispiel wird häufig dann gespielt, wenn es hier mitten in der Nacht ist. Städtische Fanmeilen, wie es sie noch zur Heim-EM 2024 etwa in Köln, Düsseldorf, Dortmund und Gelsenkirchen gab, fallen weitgehend aus. Eine Ausnahme: Recklinghausen.
Fanmeile vor dem Rathaus Recklinghausen
Beim Public Viewing vor dem historischen Rathaus werden mindestens alle abendlichen WM-Spiele gezeigt, die bis 22 Uhr angepfiffen werden. Veranstalter sind die Stadt Recklinghausen und eine Eventagentur. Bis zu 7.500 Besucher haben Platz. Zum Auftaktspiel der deutschen Mannschaft feierten dort etwa 5.500 Menschen den torreichen Sieg gegen Curaçao.
Fans beim Public Viewing in Hückelhofen am 14. Juni
Die Stadt Heinsberg empfängt auf dem Rathausplatz bis zu 1.500 Besucher. Und auch anderswo gibt es zentrale Public Viewings mit städtischer Beteiligung - zum Beispiel in Hückelhoven im westlichen Rheinland mit bis zu 3.000 Zuschauern. Bis zu 1.000 Besucher werden bei solchen Events im sauerländischen Meinerzhagen und im ostwestfälischen Espelkamp erwartet.
Unzählige private Public-Viewing-Veranstalter
Darüber hinaus laden wieder unzählige rein private Veranstalter zum Public Viewing ein - sei es in Kneipen und Biergärten oder auch in kleinen Stadien und großen Eventlocations.
Einige große Public Viewings in NRW auf einen Blick:
- bis zu 10.000 Besucher: Arena auf Zeche Ewald, Open Air in Herten
- bis zu 5.000 Besucher: an der Bahnhofsallee in Lüdenscheid
- bis zu 4.200 Besucher: WM Arena Bocholt vor dem Mariengymnasium
- bis zu 3.000 Besucher: Stadt Dortmund Fanfest im Hafengarten
- bis zu 2.000 Besucher: Zirkuszelt in Essen-Frintrop
- bis zu 2.000 Besucher: Hafenarena in der Jovel Music Hall in Münster
- bis zu 1.500 Besucher: Stadtgarten Köln, Restaurant mit Open Air
- bis zu 1.200 Besucher: Stadion Elsewiese im sauerländischen Plettenberg
Public Viewing auf der alten Zeche Ewald in Herten
Auf dem Freigelände der Rudolf-Weber-Arena in Oberhausen versammelten sich zum Spiel Deutschland gegen Curaçao sogar etwa 15.000 Menschen. Weitere Spiele sind dort aber nicht zu sehen. Nach der großen Schlagerparty am Vortag blieb das Gelände lediglich einen Tag länger aufgebaut.
Wann bei der WM die nächsten Deutschland-Spiele stattfinden
Bei den größeren Public Viewings wollen die Veranstalter zumindest die Deutschland-Spiele übertragen. Fest stehen bislang die zwei weiteren Vorrunden-Partien in der WM-Gruppe E:
- Samstag, 20. Juni, 22 Uhr: Deutschland - Elfenbeinküste
- Mittwoch, 25. Juni, 22 Uhr: Ecuador - Deutschland
Die Termine in der K.-o.-Runde hängen davon ab, welche Platzierung Deutschland in der Gruppe E erreicht. Anpfiff könnte dann bis zum Finale mal um 21 Uhr, 22:30 Uhr oder 23 Uhr sein. Das WM-Finale am Sonntag, 19. Juli, beginnt um 21 Uhr.
Nachtruhe-Ausnahmen und Public-Viewing-Verbote
Eigentlich gilt nach 22 Uhr Nachtruhe. Zur WM können die Kommunen aber Ausnahmen erlauben. Das regeln ein Erlass der NRW-Landesregierung und eine Verordnung der Bundesregierung.
Manche Städte und Gemeinden haben Public Viewings in Teilen ganz verboten - zum Beispiel Mülheim an der Ruhr im gesamten Innenstadtbereich. Die Stadt nennt dafür Sicherheits- und Lärmschutzgründe.
Warum die Public-Viewing-Veranstalter sich zurückhalten
Die Stadt Köln nannte im Mai auf WDR-Anfrage zwei Gründe, warum sie bei diesem Fußball-Turnier nichts selbst veranstaltet: Zum einen habe sich gezeigt, "dass sich das Interesse des Publikums für Public Viewings in Grenzen hält, wenn das Turnier nicht in Deutschland stattfindet", teilte ein Stadtsprecher mit. Zum anderen sei gerade dann die Akzeptanz in der Bevölkerung "nicht immer gegeben".
Die Stadt Münster teilte mit, sie habe für den Sommer bereits zahlreiche andere Großveranstaltungen geplant. Diese würden nicht nur mögliche Örtlichkeiten für ein Public Viewing, sondern auch Ressourcen in Anspruch nehmen: Durch die angespannte Haushaltslage ein entscheidender Faktor.
Späte Anstoßzeiten und finanzielle Risiken
Viele private Veranstalter nennen die späten Anstoßzeiten als einen der Gründe, warum sie diesmal kein Public Viewing anbieten. Vor allem aber nennen sie die gestiegenen Kosten infolge der Inflation.
"Insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Personal und Infrastruktur" sei das erheblich, sagte zum Beispiel Maik Grondkowski dem WDR. 2024 hatte er auf dem Gelände seiner Firma Glas Strack in Bochum EM-Spiele übertragen. "Die Resonanz der Besucher war überwältigend." Diesmal sei das wirtschaftliche Risiko einfach zu groß.
Philipp Johnen, Eventmanager
Bei größeren Public Viewings müsse man mit vielen tausend Euro in Vorleistung gehen, sagte Eventmanager Philipp Johnen aus Mönchengladbach. Und weiter:
"Lass es dann mal bei den Deutschland-Spielen regnen. Das ist alles ein Riesenrisiko!" Philipp Johnen, Eventmanager
Johnen bedauert, dass viele Städte kein Geld für Kooperationen ausgeben. Damit trage man das Risiko für die Veranstaltungen allein. Es sei denn, lokale Sponsoren federn das Risiko etwas ab. Aber auch die seien fürs Public Viewing in diesem Jahr schwieriger zu finden, hat Grondkowski erfahren.
Hinzu komme, so Johnen, dass die FIFA ihre Lizenzrechte fürs Sponsoring beim Public Viewing verschärft habe. In der Tat will der Fußball-Weltverband laut IHK Köln genau wissen, welche lokalen Sponsoren mitmachen - auch um zu verhindern, dass sie in Konkurrenz mit den großen WM-Sponsoren stehen.
Trotz allem lässt sich Johnen nicht entmutigen. An der Kaiser-Friedrich-Halle in Mönchengladbach veranstaltet er ein Public Viewing im Kaiserbiergarten. Gäste können vorab Tickets für Tisch und Mindestverzehr erwerben. Der Fußballfan freut sich auf große WM-Erlebnisse mit bis zu 800 Gästen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen von WDR-Reportern beim Public Viewing in Herten, Oberhausen und Hückelhoven am 14.06.2026
- Auf WDR-Anfrage: Antworten zahlreicher Städte und Veranstalter in NRW zum Public Viewing
- Auf WDR-Anfrage: Sprecher der Stadt Köln
- Verordnung der Bundesregierung zu Public-Viewing zur Fußball-WM 2026
- Erlass der Landesregierung zu Public Viewing zur WM 2026
- Pressemitteilungen der Stadt Recklinghausen
- IHK Köln zu den FIFA-Lizenzbedingungen für Public Viewing
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Aachen, 15.06.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 11.05.2026, 6:00 Uhr
