Ein altes Bild einer Straßenbahn, die zwischen den Externsteinen hindurch fährt.

Die Straßenbahn fuhr mitten durch die Externsteine

Als die Straßenbahn noch durch die Externsteine fuhr

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Tief in den Filmarchiven des WDR lagert ein schwarz-weißer Schatz: ein alter Streifen aus den 1920er- oder 1930er-Jahren. Zu sehen sind die Externsteine, Ostwestfalen-Lippes mystisches Wahrzeichen. Und eine Straßenbahn, die mitten hindurchfährt.

Ein Waldstück bei Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe. Auf der Landkarte, die Werner Zahn mit ausgestrecktem Arm vor sich herträgt, ist dieser Ort mit rotem Filzstift eingekreist. Hier war er noch nie. "Die Karte habe ich von einem alten Bekannten. Der hat mir gesagt, dass wir hier mal suchen sollen", erzählt er. Zahn ist 77 Jahre alt, Gymnasiallehrer außer Dienst. Weißer Anzug, Gehstock, Lederschuhe. Er ist so etwas wie die letzte Verbindung zu einem Stück lippischer Geschichte, das heute fast vergessen ist: den lippischen Straßenbahnen.

Als die Straßenbahn noch durch die Externsteine fuhr

Lokalzeit OWL 24.03.2026 03:15 Min. Verfügbar bis 24.03.2028 WDR Von Luca Peters

Als Kind ist er selbst noch mit ihnen gefahren. Heute sammelt er alles über sie, was er in die Finger kriegen kann: alte Fotos, Fahrkarten, Schmalfilm-Aufnahmen. Draußen dagegen scheint kaum noch etwas von ihnen übrig geblieben zu sein. Keine Schienen, keine Oberleitungen, keine Haltestellen. Die Straßenbahnen sind aus der Landschaft verschwunden. "Man muss schon genau hinschauen", sagt Zahn. Dann finde man sie vielleicht doch noch - ihre Spuren.

Eine Straßenbahn für das Fürstentum

Lippe im Jahr 1900. Das kleine, aber ambitionierte Fürstentum will in die Moderne - auch wenn große Teile des Landes damals noch sehr ländlich geprägt sind. Der neueste Schrei: Straßenbahnen. Fast jede größere Stadt, jede Region im Deutschen Kaiserreich, die etwas auf sich hält, baut sich zu dieser Zeit ihr eigenes Straßenbahnnetz. Die Trams gelten als sichtbares Zeichen von Fortschritt und Aufbruch.

Auch in der Landeshauptstadt Detmold, in der damals wenig mehr als 10.000 Menschen leben, gehen in diesem Jahr die ersten Straßenbahnlinien in Betrieb. Sie führen einmal quer durch die Innenstadt, bis in die damals noch eigenständigen Gemeinden Hiddesen und Berlebeck.

Nach Paderborn mit der Tram

Die lippische Straßenbahn ist zunächst eine Erfolgsgeschichte. In einer Zeit, in der das Auto noch keine Rolle spielt, verspricht sie preisgünstige Mobilität für alle. Schnell gehen weitere Linien in Betrieb: Eine führt von Detmold aus über Horn nach Blomberg, eine weitere zwischen den Externsteinen hindurch und über das Eggegebirge bis nach Paderborn. Was heute unvorstellbar scheint, war für ihre Erbauer die naheliegendste Lösung.

Die Trasse folgt der Reichsstraße 1, einer uralten Handelsroute, die Ostpreußen mit dem Rheinland verband und ebenfalls zwischen den Externsteinen hindurch verlief. Die lippische Straßenbahn ist verlässlich, aber langsam. Für die knapp 40 Kilometer nach Paderborn benötigt die Bahn fast zwei Stunden. "Die Schüler haben sich einen Spaß daraus gemacht, vorne auszusteigen, Blumen zu pflücken und dann hinten wieder einzusteigen", erzählt Zahn. "Bei uns hieß die Bahn immer Ruckeltante."

Warum die lippischen Straßenbahnen verschwanden

Während Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg einen beispiellosen Aufschwung erlebt, setzt gleichzeitig der Niedergang der lippischen Straßenbahnen ein. Modernere Busse und ein hoher Investitionsstau setzen den in die Jahre gekommenen Trams zu, die immer unrentabler werden. 1953 fährt schließlich die letzte lippische Straßenbahn. Die Verbindung nach Blomberg war bereits Jahre vorher wegen Fahrgastmangels eingestellt worden. "Viele Leute waren wehmütig, aber es gab auch welche, die sich gefreut haben. Die Bahn war schließlich nicht besonders komfortabel", meint Zahn heute.

Werner Zahn in einem Wald. In der Hand hält er die Karte, die er von einem Bekannten erhalten hat.

Werner Zahn und die "Schatzkarte", die zu den Spuren der alten Straßenbahn führen soll

Am Waldrand, direkt neben einer wenig befahrenen Straße, ragt ein Stück rostiges Metall aus dem Boden. Vor Jahrzehnten muss es jemand zu einer provisorischen Leitplanke umfunktioniert haben. Werner Zahn beugt sich herunter, dann nickt er. Eine alte Schiene der lippischen Straßenbahnen - vielleicht die letzte ihrer Art. Genau danach hatte Zahn gesucht.

"Ich hatte Angst, konnte kaum schlafen. Ich hatte schließlich nur diese Karte und wusste nicht, ob wir was finden." Zahn wird sich den Fundort merken, ihn irgendwo in seinem Archiv dokumentieren. Solange Menschen wie er weiter sammeln und suchen, ist die Straßenbahn in Lippe noch nicht ganz verschwunden.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 20.03.2026, 19.30 Uhr.

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