Ein Mann steht in einem Garten und hält einen frisch geerntetes Bund Radieschen in die Kamera.

Hobby-Gärtner Alexander präsentiert die Radieschen aus seinem eigenen kleinen Garten.

Südstadtgärten in Oerlinghausen Integration und gute Nachbarschaft im Kleingartenverein

Stand:

In den Südstadtgärten in Oerlinghausen gärtnern Menschen aus verschiedenen Ländern nebeneinander. Das stärkt die Nachbarschaft.

Vorsichtig zieht Alexander an den grünen Blättern. Ein wenig Widerstand, dann löst sich die erste Radieschenknolle aus der Erde. Wenige Handgriffe später hält er ein ganzes Bund in der Hand.

Für ihn ist das die erste Ernte des Jahres. "Das macht mir Spaß, ich verbringe viel Zeit hier", sagt der 60-Jährige, der vor 14 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland gekommen ist. Seine Parzelle ist sein Ersatz für einen eigenen Garten.

Hier lernt jeder von jedem

Zwei Menschen stehen vor einem Holzkonstrukt auf dem Weinreben wachsen, sie untersuchen etwas daran.

Vassili fragt Anna um Rat zu seinen Trauben.

Ein paar Meter weiter unterhalten sich Anna und Vassili auf Russisch. Sie stehen in Vassilis Garten unter einem selbstgebauten Konstrukt aus Holz. Fast das gesamte Dach ist mit Weinreben bewachsen. "Er sagt, die Reben wachsen blöd übereinander und fragt, wie er die auseinander bekommt", übersetzt Anna. Eigentlich gilt Vassili hier als der Experte fürs Gärtnern. Bei ihm wachse das Gemüse immer gut und alle wollen normalerweise Tipps von ihm, erzählt Anna mit einem Lächeln.

Vassili kommt ursprünglich aus Sibirien, Anna aus Kasachstan. Schnell wird deutlich, warum das hier ein besonderer Ort ist: Jeder hat seinen eigenen Garten, aber die Leidenschaft zum Gärtnern verbindet sie.

Der Garten als Rückzugsort

Anna baut in ihrer Parzelle zum Beispiel Sauerampfer an – ein Kraut, das säuerlich schmeckt und einen leicht zitronigen Geschmack hat. "Damit befüllen wir immer die Pierogis", erzählt die 43-Jährige. Sie schätzt den Kontakt mit den anderen, für sie ist der Garten aber vor allem ein Rückzugsort: "Wenn ich herkomme, stecke ich mir am liebsten die Kopfhörer in die Ohren und schalte einfach ab."

Das weiß auch Friederike David. Sie ist die Vorsitzende des Vereins, der hinter den Südstadtgärten steckt.

"Das ist hier wie so eine Oase. Die Menschen, die hier hin kommen, haben viel Arbeit, viel um die Ohren, teilweise viele Kinder, die brauchen einen Ort, wo sie Ruhe haben und der ist hier." Friederike David, Vorsitzende Südstadtgärten Oerlinghausen e.V.

Südstadtgärten fördern Nachbarschaft und Integration

Auch sie hat hier ihren kleinen Gartenabschnitt. Hier gärtnern rund zehn Nationen nebeneinander, sie alle wohnen in der Südstadt und wollen so die Nachbarschaft stärken und Vorurteile abbauen. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist hier höher als in anderen Stadtteilen.

Vier Männer stehen zusammen und haben Werkzeug in der Hand, sie beraten sich.

Auch Teil der Südstadtgärten: Gemeinsame Projekte.

Einmal im Monat gibt es einen Gemeinschaftsnachmittag. Manchmal wird gemeinsam gegrillt, an anderen Tagen etwas zusammen erledigt. So wie heute: An dem gemeinsamen Sitzbereich wollen sie einen Sonnenschutz aufhängen.

Georgische gegen sibirische Tomatensamen

Ein Mann steht mitten in einem Gewächshaus und lacht. Auf dem Boden sind verschiedene Pflanzen in der Erde.

Das kleine Gewächshaus in Jimmys Garten war ein Geschenk seiner Frau.

Zurück zwischen den einzelnen Parzellen fällt Jimmys Abschnitt auf. Hier weht eine große georgische Flagge. Jimmy ist in den Neunzigern aus Georgien nach Deutschland geflohen, weil er als Kriegsjournalist verfolgt wurde. In seinem Gartenabschnitt steht mitten drin ein Gewächshaus, in dem er seine georgischen Tomaten anpflanzt.

Seine Heimat spielt hier in seinem Abschnitt eine Rolle, aber er sagt: "Ich habe mittlerweile mehr Freunde hier als in Georgien. Dort ist meine Heimat, aber mein Zuhause ist längst hier, in Deutschland." Regelmäßig tauscht er sich mit den anderen hier in den Südstadtgärten aus, tauscht Samen. Zuletzt georgische Tomatensamen gegen sibirische mit Vassili.

Eines wird deutlich: Hier kommen viele Nationalitäten und vor allem viele persönliche Geschichten zusammen – aber sie alle verbindet eine Sache: das Gärtnern.

Integration und gute Nachbarschaft im Kleingartenverein

WDR 15.06.2026 00:49 Min. Verfügbar bis 14.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Gepräche und Beobachtungen der Reporterin vor Ort
  • Verein Südstadtgärten Oerlinghausen e.V.

Sendung: WDR.de, Integration und gute Nachbarschaft im Kleingartenverein, 16.06.2026, 07:01 Uhr

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