Michael Steidle und Folkert Hemmen stehen auf einer roten Lok.

Wie Tüftler den alten Endbahnhof der Rhein-Sieg-Eisenbahn wieder aufbauen

Unterwegs

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Manche Menschen bauen gerne Modelleisenbahnen. Die Männer vom Museumsbahnhof Asbach bauen lieber in Originalgröße. Stück für Stück rekonstruieren sie den alten Endbahnhof der ersten öffentlichen Schmalspureisenbahn Deutschlands.

Von Angela Sinne

Als der Tieflader mit der kleinen, grünen Diesellok um die Ecke biegt, beginnen Michael Steidle und Folkert Hemmen zu strahlen: "Das ist einfach ein Highlight!", sagt Steidle. Der 29-Jährige ist Vorsitzender und Gründungsmitglied des Vereins "Museum der Rhein-Sieg Eisenbahn Asbach". Und die kleine Diesellok, eine V5, die gerade auf ihn zurollt, ist die neueste Errungenschaft seines Vereins. Das 18. Fahrzeug für ihren Fuhrpark und ein Schatz, den sie sich schon seit Jahren für ihren Bahnhof gewünscht haben.

Michael Steidle und Folkert Hemmen bei der Ankunft ihrer lang ersehnten V5-Lok

00:30 Min. Verfügbar bis 26.11.2027

Selbstständig fahren kann die kleine Rangierlok noch nicht. Früher zog sie in Hennef die Dampflokomotiven in die Werkstatt. Zuletzt stand sie als Ausstellungsstück in Sankt Augustin. Aber gefahren ist sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch das macht nichts: Die Männer vom Museumsverein sind alles erfahrene Tüftler, sie haben schon ganz andere Lokomotiven wieder hergerichtet. Manche der Vereinsmitglieder arbeiten als Lokführer, Schlosser oder Mechaniker und bringen viel Erfahrung mit.

Die erste öffentliche Schmalspureisenbahn Deutschlands

Seit Jahren haben alle, die hier regelmäßig auch aus Bonn, Köln, dem Rhein-Sieg-Kreis oder der Eifel herkommen, ein Ziel: Den alten Endbahnhof der Rhein-Sieg Eisenbahngesellschaft wieder aufzubauen. So, wie der Bahnhof zuletzt in den 50er Jahren aussah. Der alte Wartesaal zweiter Klasse beherbergt eine Ausstellung mit Uniformen, Fotos und anderen Fundstücken zur Geschichte der RSE. Draußen in den Wagenhallen stehen die Fahrzeuge.

Hier arbeitet Steidle gerade an der großen, roten Diesellokomotive V13. Sie diente zuletzt als Ersatzteillager für die Zillertalbahn - und sah auch entsprechend aus: "Das ist quasi ein kompletter Eigenbau", sagt Steidle und zeigt auf den freiliegenden Innenraum der Lok. Er zählt auf: Auspuffanlage, Tanks, Motor - alles haben die Tüftler selbst besorgt und eingebaut. "Als die Lok kam, war hier eigentlich nur das Getriebe drin. Alles andere war einfach leer." Seit ihrer Rückkehr aus Österreich nach Asbach im Jahr 2013 schrauben die Eisenbahn-Fans an der 18 Tonnen schweren Lok, die noch vor 60 Jahren auf den Strecken der Rhein-Sieg Eisenbahn unterwegs war.

Ein Stück Eisenbahn-Geschichte retten

Die Rhein-Sieg-Eisenbahn war die erste öffentlich betriebene Schmalspureisenbahn Deutschlands. Mit einer Spurweite von nur 785 Millimetern verband sie gut 100 Jahre lang den Westerwald und das Bröltal mit dem Industrieviertel von Bonn: Sie brachte Basalt und andere Rohstoffe nach Bonn-Beuel oder weiter auf den Rhein. Und beförderte später auch Passagiere.

Eine Schmalspurbahn hatte den großen Vorteil, dass man die Schienen direkt auf die Straße verlegen konnte. Das Bröltal war so eng und kurvenreich, dass man mit einer normalen Bahnverbindung zahlreiche Tunnel und Brücken hätte bauen müssen. Mit einer Schmalspurbahn konnten die Ingenieure viel Geld sparen.

1967 wurde die Bahn stillgelegt, die Gleise abgebaut. Aber die Männer vom Museumsbahnhof finden immer wieder alte Relikte: Ausrangierte Güterwaggons, Dampf- oder Dieselloks, die sie in mühevoller Arbeit restaurieren und wieder zum Fahren bringen. Manche haben sie gekauft. Andere, wie die V5, bekommen sie als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Eine 8-Tonnen-Lok mal schnell in die Wagenhalle schieben? Unmöglich

00:25 Min. Verfügbar bis 26.11.2027

Vor zwei Jahren haben sie sogar damit begonnen, wieder historische Gleise zu verlegen. 140.000 Euro haben die Schienen und Weichen gekostet, die sie in monatelanger Arbeit selbst auf einem neuen Schotterbett verlegt haben. Bisher können sie darauf nur auf dem Bahnhofs-Gelände rangieren.

Aber sie träumen schon: "Wenn man uns lässt, dann bauen wir auch noch weiter", sagt Steidle. Eine richtige Strecke, dort, wo früher die Gleise lagen. Damit irgendwann auch ihre Dampfloks wieder richtig fahren können.

Über dieses Thema haben wir auch am 12.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Bonn, 19.30 Uhr.