Schwarz-weiß Foto der Wuppertaler Schwebebahn aus dem Jahr 1901, die Bahn fährt aus dem Bahnhof Breitestraße heraus, unten auf der Straße stehen Menschen und es fährt eine elektrische Straßenbahn

125 Jahre Wuppertaler Wahrzeichen: die Anfänge der Schwebebahn

Wuppertal | Heimatliebe

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Jubiläum für ein einzigartiges Wahrzeichen: Die Wuppertaler Schwebebahn wird 125 Jahre alt. Dabei ist sie eigentlich etwas älter.

Von Stefan Weisemann

Die Breitestraße in Elberfeld im Jahr 1901: Die Männer haben ihre besten Anzüge an und tragen Hüte. Auch die Kinder haben sich herausgeputzt. Auf der Kopfsteinpflasterstraße begegnen sich Straßenbahn und Pferdekutsche. Das Spannende, ja Sensationelle, aber passiert auf diesem Foto über den Köpfen: Dort schwebt eine Bahn gerade aus dem Bahnhof.

An vier großen Rädern gleitet ein Waggon der neuen Schwebebahn an einem Stahlgerüst entlang. Die Fahrt ist ruckelig und schaukelig, aber auch komfortabel: Die Fenster des Waggons schmücken Vorhänge, Raucher und Nichtraucher haben getrennte Bereiche. Doch das Wichtigste für die schwebenden Fahrgäste dürfte sein, dass sie endlich vorankommen.

Von Kaisern und Elefanten: Die Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn

01:34 Min. Verfügbar bis 01.03.2028

Das war lange Zeit nicht so. Seit den 1880er Jahren erleben Elberfeld und Barmen, heute beides Bezirke von Wuppertal, einen Boom. Zehntausende Menschen ziehen auf der Suche nach Arbeit hierher. Auf den schmalen Straßen wird der Verkehr immer dichter. Fuhrwerke stauen sich, auch von Pferden gezogene Bahnen lösen das Problem nicht. Und für breitere Straßen oder andere Verkehrsmittel ist im engen Tal der Wupper einfach kein Platz.

Innovation im Tal der Wupper

Die Lösung hat der Kölner Ingenieur und Zuckerfabrikant Eugen Langen. Er tüftelt schon seit Langem an einer Schwebebahn. Das heutige Wuppertal ist der ideale Ort, die Idee umzusetzen. Die Unterstützer des Projekts jubeln über den Einzug von Fortschritt, Moderne und Innovation an der Wupper. Und übertönen damit am Ende die Skeptiker, für die die Schwebebahn mal ein "wahnsinniges Unterfangen" und mal sogar "Satanswerk" ist.

1898 werden die ersten 400 Meter Stahlgerüst gebaut. Noch im selben Jahr fährt zum ersten Mal eine Schwebebahn über der Wupper. Zunächst mit nur 16 Kilometern pro Stunde, ganz vorsichtig. Alles klappt, deshalb werden die Erbauer schnell mutiger. Ein paar Monate später, die Strecke ist inzwischen etwas länger, kommt die Bahn schon auf 40 Kilometer pro Stunde.

Der Kaiser fährt Schwebebahn

Schon bald hat die Schwebebahn ihre ersten richtigen Fahrgäste. Niemand geringeren als Kaiser Wilhelm II. und seine Frau Auguste Viktoria. Am 24. Oktober 1900 besteigt das Kaiserpaar mutig Waggon Nummer 5 der Schwebebahn, den extra hergerichteten und bis heute erhaltenen "Kaiserwagen". Rund um die Bahnhöfe drängen sich damals die Menschen, um einen Blick auf den über ihnen schwebenden Kaiser zu erhaschen.

Am 1. März 1901, einem Freitag, ist es dann so weit: Die Schwebebahn wird offiziell in Betrieb genommen. Ohne große Feier, aber mit viel Andrang. Zunächst kommen die Bahnen alle zehn Minuten. Doch weil so viele fahren wollen, wird noch nachmittags auf einen Fünf-Minuten-Takt umgestellt. Die Menschen im Wuppertal lieben ihre Schwebebahn vom ersten Tag an.

Wechselvolle Bahn-Geschichte

Und so schwebt sie durch 125 Jahre. Übersteht Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg. Macht große Schlagzeilen, als die Elefantendame Tuffi bei einer Werbeaktion aus der Bahn in die Wupper springt. Und sorgt für Trauer und Bestürzung, als 1999 beim schwersten Schwebebahn-Unglück fünf Menschen sterben und viele weitere verletzt werden.

Und heute? Gilt die Schwebebahn immer noch als Meisterwerk der Technik. Als Unikat. Als Magnet für Touristen aus aller Welt. Und als der schwebende Stolz vieler Wuppertaler. Nicht nur für die mehr als 80.000 Menschen, die jeden Tag mit ihr unterwegs sind.

Sonderbriefmarke zum 125. Jubiläum der Wuppertaler Schwebebahn, rechts ein Bild der Schwebebahn von 1901, links dieselbe Stelle zur heutigen Zeit

125 Jahre Schwebebahn: Sonderbriefmarke der Post zum Jubiläum

Der frühe Moment der Schwebebahn aus dem Jahr 1901 an der Breitestraße, heute Robert-Daum-Platz, ist als Foto geblieben. Und jetzt auch als Briefmarke. Die Post hat sie zum 125. Schwebebahn-Jubiläum herausgegeben. Darauf rechts das alte Foto, links ein Foto derselben Stelle von heute. Und auch heute noch wirkt die schwebende Bahn in Wuppertal wie eine kleine Sensation.

Sendung: Lokalzeit.de, Von Kaisern und Elefanten: Die Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn, 01.03.2026, 08.57 Uhr.