Fehlender Nachwuchs in der Anti-AKW-Bewegung in Ahaus

WDR 03:21 Min. Verfügbar bis 19.05.2028

Atommüll-Gegner in Ahaus "Wichtig ist, den Popo hochzubekommen"

Stand:

Der Protest in der Anti-AKW-Bewegung hat sich über die Jahre verändert - auch in Ahaus. Viele Mitglieder der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" sind schon Jahrzehnte dabei. Aber wo bleibt der Nachwuchs?

Von Marie Roters

Hartmut Liebermann findet sich in dem kleinen Archiv im Büro der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" an der Bahnhofstraße gut zurecht. Hier stapeln sich Schilder, Ordner und alte Plakate aus den letzten Jahrzehnten - und trotzdem: der 77-Jährige findet auf Anhieb, was er sucht.

Atommüll soll nach Ahaus kommen

Denn Mitte der 70er-Jahre steht fest: In Ahaus soll zukünftig Atom-Abfall gelagert werden. Liebermann gründet mit anderen Protestlern die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus". Der Ahauser erinnert sich daran, dass in der Stadt damals viel Empörung aufkam.

"Es hat sich sofort sehr viel Wut und Widerstand in der Stadt geregt." Hartmut Liebermann, Gründungsmitglied "Kein Atommüll in Ahaus e.V."
Requisiten für den Protest der Atommüll-Gegner

Requisiten für den Protest der Atommüll-Gegner im Büro der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus".

Und das zeigt sich auch auf den ersten Demonstrationen: "Bei einer unserer ersten Demonstrationen waren es immerhin schon 1.500 Menschen", erzählt Liebermann.

Höhepunkt ist der Protest 1998

Über die Jahre habe sich der Protest immer wieder verändert, mit mal mehr, mal weniger Demonstranten. Der Höhepunkt ist der Protest im März 1998 an Tag X, so nennen die Atomkraft-Gegner den Transport-Tag des Castors.

Sechs Castor-Behälter mit Brennelementen aus den Kernkraftwerken Gundremmingen und Neckarwestheim werden damals nach Ahaus gebracht: Demonstranten blockieren stundenlang Straßen, Ketten sich an Schienen fest, Tausende protestieren.

Probleme, Nachwuchs zu finden

Annika Enzmann und Hartmut Liebermann schauen sich Bilder früherer Proteste an.

Annika Enzmann und Hartmut Liebermann schauen sich Bilder früherer Proteste an.

Bilder, die es heute nur noch in abgespeckter Form bei den Protesten gibt, denn ähnlich wie viele andere Vereine, hat auch die Bürgerinitiative Probleme, Nachwuchs zu finden.

Auch deswegen hat es Annika Enzmann vermutlich sehr schnell sehr weit in dem Ahauser Verein gebracht. Sie ist noch kein Jahr Teil der Bewegung und schon Teil des Vorstands.

Thema mit Atomausstieg erledigt

Enzmann glaubt, dass vielen Menschen weniger Freizeit übrig bleibe - und dadurch noch weniger Zeit fürs Ehrenamt. Auch der endgültige Ausstieg aus der Atomkraft habe zudem dazu geführt, dass sich für viele junge Menschen das Thema Atomkraft erledigt habe, mutmaßt die 51-Jährige. Mit ihrem Engagement will Enzmann vor allem die jüngere Zielgruppe erreichen, zum Beispiel über Social Media.

"Wichtig ist, den Popo hochzubekommen." Annika Enzmann, Vorsitzende der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus e.V."

Für Liebermann, Enzmann und ihre Mitstreiter steht fest: Sie wollen weitermachen, egal wie viel Nachwuchs oder Zulauf die Bürgerinitiative bekommt.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Annika Enzmann, Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus e.V."
  • Gespräch mit Hartmut Liebermann, Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus e.V."
  • Archiv des WDR

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 20.05.2026, 19.30 Uhr

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