Wie Mido aus Gronau zum Unternehmer wurde

WDR 02:25 Min. Verfügbar bis 16.06.2028

Vom Geflüchteten zum Friseur "Am Anfang war es sehr schwer für mich"

Stand:

Eine Million Menschen kommen 2015 nach Deutschland - Mido ist einer von ihnen. Inzwischen ist er Chef eines Ladens in Gronau-Epe.

Von Marie Roters

Eigentlich heißt Mido Ahmed Abdulrahman. Doch alle nennen den heute 36-Jährigen aus dem Irak nur "Mido". So heißt inzwischen auch sein Salon in Gronau-Epe, mit dem er sich einen lang ersehnten Traum verwirklicht hat. Der Familienvater beschäftigt inzwischen mehrere Mitarbeiter - der Weg dahin war allerdings alles andere als einfach.

Flucht über die Türkei nach Deutschland

Mido studiert in seiner Heimat, will Polizeibeamter werden. Aber er hat noch ein weiteres Hobby: Mido kommt aus einer Friseur-Familie, hilft immer wieder im Salon seines Bruders aus. Der heute 36-Jährige entschied sich 2015, über die Türkei und Serbien nach Deutschland zu fliehen - zu groß war die Bedrohung durch Terrororganisationen in seinem Heimatland, dem Irak.

"Wir konnten nicht in Freiheit leben, ich musste eine Lösung finden für meine Ehefrau und meine vier Kinder." Mido, flüchtete 2015 aus dem Irak

Viele Wege legt er zu Fuß zurück

Herausforderungen gibt es vor allem zu Beginn einige für Mido. Sprachkurse waren zum Zeitpunkt von Midos Flucht sehr gefragt. Erst einige Monate später fand er einen Platz in einem der Kurse der VHS in Ahaus. Für einige Monate lebt der Iraker in Vreden-Lünten, läuft mehrmals die Woche zu Fuß nach Vreden oder Alstätte für Einkäufe.

"Am Anfang war es sehr schwer für mich. Andere Sprache, andere Kultur, anderes Wetter. Ich habe versucht Deutsch über YouTube zu lernen." Mido, flüchtete 2015 aus dem Irak
Ausschnitt von mehreren Urkunden und Zertikaten, die eingerahmt an der Wand hängen.

Midos Zeugnisse - aus seiner Heimat im Irak und aus Deutschland.

Weite Wege sind für Mido kein Hindernis. Als er Ende 2016 mit der gesamten Familie nach Gronau zieht, geht es für ihn morgens schon früh aus dem Haus: Auf zum Integrationskurs nach Ahaus, nach Feierabend geht es mit dem Zug von Ahaus über Gronau nach Ochtrup.

Fußball-Freunde helfen

Eine Konstante in Midos Leben ist der Fußball: Dort findet er auch direkt zu Beginn seiner Zeit in Deutschland Freunde und vor allem eine große Unterstützung. Denn als Mido 2023 seinen eigenen Salon in Gronau-Epe eröffnet, stärken sie ihm den Rücken. Vor allem, als Mido beschloss, auch noch Friseurmeister zu werden, sind sie für ihn da.

Eine Wand voll behangen mit Bildern von u.a. Fußballspielern und Manschaften.

Fußball ist Midos großes Hobby - das sieht man auch in seinem Salon.

Inzwischen hat Mido viele Stammkunden in seinem Geschäft in Gronau-Epe. Einer von ihnen ist Holger.

Mido kann enorm stolz darauf sein, was er sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Er ist ein Vorbild für viele andere. Holger, Stammkunde von Mido

Mido wirkt wie ein offener, sehr freundlicher Mensch - genau das habe ihn weit gebracht, da ist der 36-Jährige sich sicher. Und er hat noch große Pläne für die Zukunft. Am liebsten will er seinen Laden vergrößern, eine zusätzliche Abteilung für Kinder eröffnen und irgendwann auch die ganz großen Fußballstars in seinem Salon stylen - und damit Hobby und Beruf verbinden.

Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Ahmed Abdulrahman (Mido)
  • Gespräche mit Midos Kunden

Sendung: WDR.de, Wie Mido aus Gronau zum Unternehmer wurde, 18.06.2026, 5.00 Uhr.

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