Stichwahlen in NRW: SPD verliert Dortmund, Grüne verlieren, AfD geht leer aus
Stand:
Die Stichwahl 2025 in den Kommunen ist entschieden. Die SPD verliert Dortmund und gewinnt Köln, die Grünen gewinnen Münster, die AfD verliert. Fast 150 Stichwahlen um Bürgermeister-, Oberbürgermeister- und Landratsämter standen am Sonntag an.
Aufatmen und Schrecken lagen am Sonntagabend vielerorts nah beieinander bei der Auszählung der Stichwahlen 2025 in NRW. Während in Hagen und Gelsenkirchen die von vielen gefürchtete Option eines AfD-Oberbürgermeister vom Tisch ist, herrscht bei der SPD in Dortmund Entsetzen: In der Herzkammer der Sozialdemokratie geht nach mehr als 75 Jahren der Staffelstab an die CDU.
Im Endergebnis liegt der Herausforderer der CDU, Alexander Kalouti, mit 52,9 Prozent vorne. Amtsinhaber Thomas Westphal (SPD) dagegen ist abgeschlagen mit 47,1 Prozent. Kalouti wurde von Parteifreunden bejubelt.
Die Grünen dürfen sich über einen Sieg in Münster freuen - dort gewann der Grünen-Kandidat Tilman Fuchs mit knapp 58 Prozent deutlich gegen seinen CDU-Herausforderer Georg Lunemann (42 Prozent). In Aachen, Köln und Bonn dagegen mussten sich die Grünen Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen gegen ihre Herausforderer geschlagen geben.
AfD verliert haushoch
Die AfD, die in Hagen, Duisburg und Gelsenkirchen im letzten Rennen um das Oberbürgermeisteramt stand, konnte sich nirgendwo durchsetzen: In Gelsenkirchen unterlag Kandidat Norbert Emmerich mit 33,1 Prozent gegen Herausforderin Andrea Henze von der SPD (66,9 Prozent). In Duisburg gewann Sören Link (SPD) mit 78,6 Prozent haushoch gegen den AfD-Kandidaten Carsten Groß (21,4 Prozent).
In Hagen konnten die Wähler zwischen Dennis Rehbein (CDU) und Michael Eiche (AfD) entscheiden. Dort unterlag der AfD-Bewerber mit gut 28 Prozent, Konkurrent Rehbein gewann das Oberbürgermeisteramt mit klaren 71,7 Prozent der Stimmen.
SPD: Licht und Schatten
Wenn die SPD in Dortmund auch eine historische Niederlage verschmerzen muss - andernorts gab es auch tröstliche Ergebnisse für die Sozialdemokraten: In Köln, wo es zunächst nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Grünen-Kandidatin Berivan Aymaz und Torsten Burmester (SPD) aussah, konnte die SPD am Ende ihren Kandidaten als neuen Oberbürgermeister der Stadt Köln feiern. Burmester gewann mit fast 54 Prozent deutlich vor Aymaz mit 46,5 Prozent.
Auch in Oberhausen holte die SPD das Oberbürgermeisteramt nach zehn Jahren zurück. Der bisherige CDU-Oberbürgermeister Daniel Schranz unterlag dort dem SPD-Kandiaten Thorsten Berg. Auch Mülheim an der Ruhr holte sich die SPD zurück: In einem denkbar knappen Rennen gewann SPD-Kandidatin Nadia Khalaf mit nur 67 Stimmen Vorsprung und 50,1 Prozent.
Gewinner und Verlierer der Stichwahlen
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CDU mit teils überraschenden Siegen
Für seine CDU sieht NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ein "starkes Ergebnis", wie er am Sonntagabend bei der CDU-Wahlparty in Düsseldorf sagte.
In der Landeshauptstadt Düsseldorf entschieden die Stimmberechtigten zwischen OB Stephan Keller (CDU) und Clara Gerlach (Grüne): Keller gewann mit gut 60 Prozent weit vor Gerlach (39,5 Prozent).
Zu den teils überraschenden Erfolgen der Christdemokraten gehört auch das Wahlergebnis in Leverkusen: Mit 56,6 Prozent der Stimmen wurde dort CDU-Kandidat Stefan Hebbel für das Oberbürgermeisteramt gewählt. Sein SPD-Konkurrent Uwe Richrath unterlag mit 43,4 Prozent.
Auch in Bonn und Aachen unterlagen die bisherigen Amtsinhaberinnenn - Sibylle Keupen (parteilos, unterstützt von den Grünen) und Katja Dörner (Grüne) - ihren Herausforderern von der CDU, Michael Ziemons und Guido Déus. In Essen gewann der bisherigen CDU-Oberbürgermeister Thomas Kufen erneut, die SPD-Kandidatin Julia Klewin unterlag.
In Bielefeld übernahm die CDU mit Christiana Bauer die Stadtspitze vom langjährigen SPD-Oberbürgermeisters Pit Clausen. Auch die beiden ostwestfälischen Landkreise Herford und Lippe werden künftig nicht mehr von SPD-Landräten geführt, sondern von der CDU.
Fast 150 Stichwahlen in NRW - einfache Mehrheit entscheidet
Nach den Kommunalwahlen vor zwei Wochen standen am Sonntag überall dort Stichwahlen an, wo sich im ersten Durchgang keine Mehrheit für einen der Kandidierenden ergeben hatte. Nur in zwei nordrhein-westfälischen Großstädten - in Hamm und in Herne - waren bereits im ersten Wahlgang am 14. September Oberbürgermeister mit absoluter Mehrheit gewählt worden.
In 21 von 23 kreisfreien Städten ging es in der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters. In 15 von 31 Kreisen waren Stichwahlen um das Landrats-Amt notwendig. Zudem mussten über 100 kreisangehörige Städten und Gemeinden über das Bürgermeisteramt abstimmen.
Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte sind hauptberufliche Wahlbeamte. Gewählt werden sie für fünf Jahre. Bei den Kommunalwahlen 2020 hatte es NRW-weit 128 Stichwahlen gegeben.
CDU landesweit stärkste Partei
Bei den Kommunalwahlen vor zwei Wochen landete die CDU bei den Wahlen der Räte in kreisfreien Städten und den Kreistagswahlen landesweit bei 33,3 Prozent (minus 1,0 Prozentpunkte im Vergleich zu den letzten Wahlen 2020). Seit 1999 war die CDU bei allen NRW-Kommunalwahlen landesweit die stärkste Partei.
Die SPD lag bei 22,1 Prozent (minus 2,2 Prozentpunkte). Die Grünen fielen auf 13,5 Prozent (minus 6,5). Die AfD legte deutlich zu auf 14,5 Prozent (plus 9,4). Die FDP erreichte 3,7 Prozent (minus 1,9). Die Linke kam auf 5,6 Prozent (plus 1,8). Sonstige: 7,3 Prozent.
Der WDR berichtet am Sonntag im Fernsehen, Radio und online über die Stichwahlen.
Unsere Quellen:
- Landeswahlleiterin
- Hochrechnungen und Endergebnisses von Infratest dimap
- eigene Recherchen
- Aktuelle Angaben zur Wahlbeteiligung der Städte Köln und Dortmund
- Nachrichtenagentur dpa