Ministerpräsident Wüst (CDU) am Wahlabend auf einer Wahlparty

Kommentar: Ein Warnschuss, der nicht überrascht

Stand:

NRW wird, gegen den Bundestrend, immer schwärzer, Grüne verlieren kräftig, AfD wächst kräftig, die SPD erodiert. Ein Kommentar.

Von Christoph Ullrich Christoph Ullrich

Das Ergebnis überrascht kaum. Und dennoch kann man viel aus ihm lernen. Zum einen: NRW wird immer schwärzer - mit Ausnahme der Bundestagswahl 2021 liegt die CDU beständig bei Wahlen vorne. Seit nun bald acht Jahren zerbröckelt die einstige Vormachtstellung der Sozialdemokratie in beträchtlichen Maße.

Aber es ist keine allzu harte Abstrafung für eine eher stotternd gestartete schwarz-rote Bundesregierung. In Berlin hatte man immense Angst vor dem ersten und auch letzten Stimmungstest in diesem Jahr. Jetzt ist man mit einem blauen Auge davon gekommen.

Verdreifachung bei der AfD

Dennoch sollte man das Ergebnis als Warnschuss ernst nehmen - die in NRW heilos zerstrittene AfD bestätigt ihre Ergebnisse der Bundestagswahl nicht, verdreifacht sich trotzdem. Dabei bietet sie zu wichtigen kommunalpolitischen Fragen keine Antworten.

In Gelsenkirchen schafft sie ein Ergebnis um die 30 Prozent. Das war erwartbar. Aber die Partei performed trotzdem in NRW weit unter Bundestrend - auch das gehört zur Wahrheit dazu und in der AfD wird daher weiter gestritten.

Dagegen schneidet die SPD deutlich besser ab, als man es aktuell erwarten konnte - auch wenn das Ergebnis von knapp über 20 Prozent nach alten Maßstäben eine Katastrophe bleibt. Wie man so in anderthalb Jahren bei der Landtagswahl Amtsinhaber Hendrik Wüst von der CDU ernsthaft herausfordern will, bleibt ein Rätsel.

Grüne sind Verlierer des Abends

Ministerpräsident Hendrik Wüst

Ebenso, wie die Stimmung in der schwarz-grünen Landesregierung so geräuschlos bleiben kann, wie man es eigentlich immer gerne erzählt hat. Ministerpräsident Wüst sollte sich gestärkt sehen, sein kleiner Koalitionspartner ist der Hauptverlierer des Abends. Die Grünen müssen sich jetzt noch stärker profilieren - auch gegen den großen Koalitionspartner in Düsseldorf.

Die Wahl jedoch abschließend zu beurteilen, ist zu früh. Natürlich wird mit der stärkeren AfD die Arbeit in den Räten schwerer - die meisten wollen und werden nicht mit ihr arbeiten. Aber durch ihre Stärke gibt es in zwei Wochen in nahezu allen großen Städten an Rhein und Ruhr eine Stichwahl.

Stichwahlen mit der AfD

Und deshalb wissen wir erst in zwei Wochen wirklich, wie stark diese Wahl das Land verändert hat. Was passiert nämlich, wenn Gelsenkirchen doch noch an die AfD fällt? Kann die SPD Dortmund noch halten? Verschwinden grüne Rathausspitzen von der NRW-Landkarte oder gewinnen sie sogar Köln, Münster, Bonn, Aachen und vielleicht sogar Düsseldorf?

All das ist noch offen und die kommenden zwei Wochen werden spannender, als das viele erwartet hatten.

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