Kulturelle Großprojekte in NRW : Wenn die Kosten aus dem Ruder laufen
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Ob bei der Oper in Köln, der Beethovenhalle in Bonn oder der Kunsthalle in Bielefeld: Regelmäßig werden kulturelle Prestigeprojekte deutlich teurer als geplant - trotz enger Haushaltskassen. Nicht immer geht das gut aus.
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- Neues Kurhaus in Aachen wird nach Sanierung eröffnet. Die Kosten haben sich mehr als verdoppelt.
- Viele Neubauten oder Sanierungen von Kulturstätten in NRW werden deutlich teurer als geplant.
- Bund der Steuerzahler fordert bessere Planung und rechtzeitiges Umsteuern so wie in Düsseldorf.
- Aber Kultur sei essenziell wichtig für das Zusammenleben in einer Kommune, sagt der Städte- und Gemeindebund.
Am Freitag ist es endlich soweit: Nach über zehn Jahren Leerstand wird das Neue Kurhaus in Aachen eröffnet - als Veranstaltungsort für Konzerte, Kunst und Kultur und Kongresse. Für die umfassende Sanierung waren ursprünglich einmal 25,5 Millionen Euro eingeplant. Daraus sind jetzt aber 58,5 Millionen geworden - mehr als das Doppelte. Das hatte für erhebliche Diskussionen im Aachener Stadtrat gesorgt.
Kostensteigerungen durch Pandemie und Krieg nur teilweise erklärbar
Das Kurhaus, das zwischen 1914 und 1916 erbaut wurde, sollte modernisiert werden und zugleich der historische Charakter der Räume möglichst erhalten bleiben. Das alles wurde dann teurer als gedacht. Denn zwischen der Planung und der Umsetzung des Bauvorhabens lagen die Corona-Pandemie und der Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Dadurch stiegen die Kosten für Baumaterial stark an.
Nach Angaben der Stadt Aachen war das die eigentliche Ursache der Kostensteigerung. Umplanungen oder eine ehrgeizige Erweiterung der ursprünglichen Pläne habe es nicht gegeben.
Jens Ammann vom Landesverband NRW vom Bund der Steuerzahler Deutschland lässt das als Argument nur teilweise gelten. "Natürlich ist es so, dass man solche externen Effekte nicht einplanen kann, und trotzdem darf man sich darauf auch nicht ausruhen." Seiner Ansicht nach seien Corona und der Ukraine-Krieg zwar Bausteine für Baukostenüberschreitungen, "aber in der Regel sind das nicht zwingend die alleinigen Gründe, sondern eher ein schönes Alibi".
Schauspiel und Oper in Köln als "Lehrbuch der mangelhaften Planung"
Ähnlich lange wie in Aachen hat es auch in Köln gedauert, bis die dortige Oper und das Schauspiel in diesem Jahr wieder zurück in die Innenstadt gezogen sind. 15 Jahre lang waren beide in Mülheim ausgelagert gewesen. Statt ursprünglich 253 Millionen Euro kostete die Sanierung der Bühnen schließlich 1,5 Milliarden Euro. Es sind Summen, die aufgrund der Haushaltslage der Stadt Köln eigentlich zu hoch sind.
Die Sanierung der Operngebäude entwickelte sich für die Stadt Köln zu einem Millionengrab.
"Man könnte das als Lehrbuch der mangelhaften Planung nennen", sagt Jens Ammann. Und ergänzt: "So wie in Köln, sehen wir seit Jahrzehnten massive Baukostenüberschreitungen, weil im Vorfeld nicht gut geplant worden ist." Das führe dann zu erheblichen Mehrkosten, die über Jahrzehnte eine Last für die Steuerzahler seien. Als positives Gegenbeispiel nennt er hingegen die Oper in Düsseldorf.
Aus für die Oper in Düsseldorf - gerade noch rechtzeitig?
Auch in Düsseldorf wurden Standort und Finanzierung eines neuen Opernhauses jahrelang kontrovers diskutiert. Anders als in Köln wurde der Bau nun jedoch Anfang Juni überraschend abgesagt. "Es gehört Mut dazu, diese Entscheidung zu treffen, wenn man merkt: Wir können uns das nicht leisten", sagt Ammann.
Für den Neubau war ein Kostendeckel von einer Milliarde Euro vorgesehen gewesen - doch es wurde bereits im Vorfeld bezweifelt, ob diese Summe eingehalten werden kann. Vermutlich wären es, nach Informationen vom Tagesschau-Podcast "15 Minuten", sogar zwei Milliarden geworden.
Schon ein Architekturwettbewerb für den Entwurf der neuen Oper samt Vorplanung hatte die Stadt mehrere Millionen gekostet. Doch nun ist kein Geld mehr da - die Stadt muss sparen. Denn es besteht ein Haushaltsdefizit von knapp 500 Millionen Euro. Daher wurde der Neubau gestoppt. Stattdessen soll die derzeitige Oper an der Heinrich-Heine-Allee saniert werden.
Der Landesverband NRW des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V. begrüßt die Absage der Oper in einem offiziellen Statement.
"Für den Bund der Steuerzahler NRW wäre eine solche Belastung für den städtischen Haushalt nicht vertretbar gewesen. Gerade in Zeiten hoher Baukosten, steigender Zinsen und wachsender Investitionsbedarfe müssen Kommunen Prioritäten setzen." Landesverband NRW des Bundes der Steuerzahler Deutschland
Indem auf den Opernneubau verzichtet werde, schaffe die Stadt Spielraum für andere notwendige Investitionen.
"Je mehr die kommunalen Haushalte unter akuter Finanznot leiden, desto schwerer wird es - auch argumentativ -, den Kulturbereich vor Ort weiter (in gewohnter Weise) finanziell zu unterstützen", sagt auch Florian Gellen vom Städte- und Gemeindebund auf WDR-Anfrage.
Teure Prestigeprojekte werden zu Wahrzeichen
In Bielefeld hat man sich, anders als in Düsseldorf, trotz leerer Kassen dazu entschieden, die Bielefelder Kunsthalle zu sanieren. Die Generalsanierung soll mindestens 45 Millionen Euro kosten. Laut aktuellem Stand soll das Museum ab Mitte 2027 saniert werden und Anfang 2030 wiedereröffnet werden.
Die Bielefelder Kunsthalle könnte 2027 bis 2030 wegen Sanierung geschlossen werden.
Die im Jahr 1968 nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Philip Johnson erbaute Kunsthalle Bielefeld ist dessen einziger Museumsbau in Europa und gilt daher als bedeutsames historisches Denkmal. Zugleich aber auch als Wahrzeichen der Stadt.
Einen ähnlichen Wahrzeichen-Charakter hat das Kulturzentrum Dortmunder U, das bereits 2010 nach einer zweijährigen Umbauphase wiedereröffnet wurde. Doch auch hier wurde sich deutlich im Budget verplant: Bewilligt wurden im März 2008 52,8 Millionen Euro, gekostet hat es letztlich fast 90 Millionen Euro - Geld, das die Stadt eigentlich gar nicht hatte.
Der Dortmunder U Turm
Geld fehlt an anderer Stelle
Das Geld, das in Kulturhäuser gesteckt wird, fehlt Städten und Gemeinden dann zum Beispiel beim Straßenbau oder der Sanierung von Kitas und Schulen. Und gleichzeitig sind Kulturstätten und Eventorte ein wichtiger Teil der kulturellen Infrastruktur von Städten und Gemeinden.
"Kulturangebote sind unverzichtbar für das gemeinsame Miteinander in den Städten und Gemeinden und wirken sich unmittelbar auf die Lebensqualität vor Ort aus. Kommunen dürfen nicht zur gesichtslosen Verwaltungsstelle werden." Florian Gellen, Sprecher Städte- und Gemeindebund NRW
So gilt beispielsweise der multifunktionale Kulturort Dortmunder U, der ehemals die Union-Brauerei beheimatete, heute als symbolisch für den bisweilen erfolgreichen Strukturwandel des Ruhrgebiets und die kulturelle Umnutzung industrieller Bauwerke.
Kostenexplosionen auch in Bonn und Solingen
Deutlich teurer als erwartet war auch die Sanierung des Beethovenhauses in Bonn, das im Dezember 2025 nach neun Jahren Renovierung wiedereröffnet wurde. Statt der ursprünglich angedachten 61 Millionen Euro hat die Sanierung nun mindestens 230 Millionen Euro gekostet.
Die Beethovenhalle in Bonn wurde neun Jahre kostenspielig saniert.
Aktuell diskutiert die Stadt Bonn auch über eine Zukunft der Bonner Oper und des Schauspielhauses. Um Kosten zu sparen, sollen die beiden Häuser möglicherweise auf ein neues Gelände in Bonn-Beuel zusammengelegt werden. "Die Verwaltung präferiert den Neubau in Beuel, weil das die wirtschaftlichste und kostengünstigste Variante ist, mit der man gleichzeitig die Vielfalt des kulturellen Angebotes der Stadt Bonn erhalten kann", sagte Stadtsprecherin Barbara Löcherbach dem WDR bereits im Februar dieses Jahres.
Andere Umbau-Pläne sehen die Sanierung der einzelnen Standorte vor. Laut Verwaltung wäre das allerdings deutlich teurer.
Sanierung oder Abriss in Solingen
Kontrovers diskutiert wird auch die mögliche Sanierung des Theaters in Solingen, die, wie die Rheinische Post berichtete, bis zu 30 Millionen Euro kosten soll. Zugleich steht auch weiterhin ein kompletter Abriss des maroden Gebäudes zur Debatte. Das Theater müsste dann auf einem komplett neuen Gelände entstehen. Bis Juli soll eine Entscheidung fallen.
Ob das Theater in Solingen saniert oder abgerissen werden soll, steht bislang noch nicht fest.
Wuppertal hat mit der Sanierung des Pina-Bausch-Zentrums begonnen. Kosten: mehr als 160 Millionen Euro. Um die Baukosten zu senken, wurde bei den Plänen der Rotstift angesetzt: Kleinerer Multifunktionsraum, überarbeitete Fassade, keine Tunnelverbindung.
Verschärfte Haushaltslagen zwingen zu besserer Planung
Künftig dürfte es nicht unbedingt leichter werden, Millionen- oder Milliarden-Sanierungen oder Neubauten im Kultursektor umzusetzen. "Angesichts der sich immer weiter verschärfenden Haushaltslage der Kommunen fallen auch der Kulturbereich und Veranstaltungen dem Sparzwang zum Opfer", sagt Florian Gellen vom Städte- und Gemeindebund NRW. 2025 habe es in NRW ein Rekorddefizit von mehr als neun Milliarden Euro gegeben.
Gellen weist jedoch auch darauf hin, dass der Kulturbereich zu den sogenannten freiwilligen Leistungen zähle. "Im Gegensatz zu den gesetzlichen kommunalen Pflichtaufgaben besteht im Kulturbereich also eine Stellschraube, um noch irgendwie Geld einzusparen."
Um Kostenexplosionen für andere Bau- oder Sanierungsprojekte in Zukunft gering zu halten oder gar ganz zu verhindern, appelliert Jens Ammann an eine bessere und realistischere Planung.
"Man sollte im Vorfeld klar definieren, was genau gebaut werden und welchen Preis es haben soll und ob man sich das mit der aktuellen Haushaltslage leisten kann - und dann bei diesen Plänen bleiben." Jens Ammann, NRW-Landesverband Bund der Steuerzahler Deutschland e.V.
Es sei schon öfter vorgekommen, dass während eines Bauprojektes noch Ergänzungen gemacht werden, die vorher in der Planung nicht vorgesehen waren - damit stiegen die Kosten automatisch. Grundsätzlich sollte man daher immer eher großzügig kalkulieren und etwaige Folgekosten von vorneherein mit einplanen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Jens Ammann vom Landesverband NRW vom Bund der Steuerzahler Deutschland e.V.
- Statement von Florian Gellen vom Städte- und Gemeindebund NRW
- Stadt Aachen
- Aachen Event
Sendung: WDR.de, Wenn Baukosten bei Kultur-und Eventlocations in NRW explodieren, 12.06.2026, 5:04 Uhr

4 Kommentare
Kommentar 4: Omer Selimovic schreibt am 13.06.2026, 12:01 Uhr :
Guten Tag, die letzte Oberbürgermeisterin Sybille Keupen und der jetzige Ziemons sollten inklusive aller Beteiligten am Kurhaus Disaster in Aachen ins Gefängnis gesteckt werden. Für solche sinnlosen Schwachsinn ist Geld da, und die Stadt steckt in der Haushaltssperre, und die Infrastruktur verrotet, und Wohnungen fehlen zu Tausenden, die sollten sich in Grund und Boden schämen.
Kommentar 3: Hermann schreibt am 12.06.2026, 13:52 Uhr :
Würde Köln endlich mal die gleiche Summe in die verfallenden Schulen und in die Einstellung von fehlenden Lehrern investieren , hätte man auch nachher Leute beschäftigt die rechnen können . Aber es ist wie es ist .
Kommentar 2: Dortmunder schreibt am 12.06.2026, 10:50 Uhr :
Wenn Inflation im Supermarkt das Einkommen ganz auffrisst, bleibt für Theaterbesuch nichts mehr übrig. Das gilt für Kommunen auch, „rechtzeitiges Umsteuern“ beim Prestigeprojekt Oper Düsseldorf war genau die richtige Konsequenz. „Teure Prestigeprojekte werden zu Wahrzeichen“ für Geldverschwendung, wenn anschließend Bürgerdienste keine Termine mehr frei haben oder Autofahrer über Parkausweise und mehr Blitzer die Zeche zahlen. Erst muss der Kühlschrank voll sein, dann kann ich fragen wie teuer das Bild an der Wand sein darf. Wenn Kommunalpolitiker das umgekehrt sehen müssen sie in Haftung genommen werden, dafür gibt es Kommunalwahlen. Am Ende wird es immer teurer als geplant aber je weniger notwendig, je mehr müssen Kosten vorher künstlich runter gemogelt werden. Olympia NRW ist dafür auch ein Beispiel auf Landesebene. Zum auch gut passenden Beispiel Dortmunder U halte ich mich diesmal zurück, zu schwierig Wortwahl und Formulierung als Betroffener bei großzügiger Auslegung § 188 StGB.
Kommentar 1: Mike schreibt am 12.06.2026, 09:35 Uhr :
Es ist doch überall so, daß Kosten explodieren, egal was neu gebaut wird, siehe Brücken, etc.. Wer soll diese Kultur denn noch genießen? Die Alten sterben ja bekanntlich weg. Mit ihnen nicht nur die Bauernhöfe, sondern auch Kneipen und Discotheken. Demnach werden auch Theater und Opern aussterben. Wenn keiner mehr vorhanden ist, den diese Art der "abendländischen" Kultur interessiert, wer soll denn dann noch hingehen?