Von Aachen über Bonn quer durch NRW bis in den Norden des Landes in Münster und Bielefeld: Opern-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Landesweit sind an gleich 15 Standorten Opern-Aufführungen zu erleben. "Damit hat NRW die dichteste Opernlandschaft in Deutschland", sagt WDR-Opernexperte Stefan Keim. "Viele Menschen in anderen Bundesländern und über Deutschland hinaus beneiden uns um unsere Opernlandschaft."
Bundesweit gibt es 84 Häuser, in denen Opern aufgeführt werden. Hier in NRW schlüsseln sich die 15 Standorte wie folgt auf: In neun Städten sind Opernsparten im jeweiligen Theater beheimatet. Eigene Opernhäuser gibt es in Bonn, Köln, Düsseldorf, Wuppertal, Duisburg und Dortmund.
Die Aufführungen seien in aller Regel gut besucht, insofern lohne es sich, dass es diese Stätten gibt, betont Keim. Doch manche dieser Häuser sorgen für Diskussionen - häufig aus dem Grund, weil sie sanierungsbedürftig sind. Und solche Sanierungen verschlingen Unsummen.
Aus für den Neubau der Düsseldorfer Oper
So sollte es in Düsseldorf statt einer Sanierung einen Neubau der Oper geben. Doch dieses Vorhaben ist erst einmal vom Tisch. Wegen der hohen Kosten. Das Aus für den Neubau stößt auf ein gespaltenes Echo. Eine junge Frau findet die Entscheidung "super", wie sie bei einer WDR-Umfrage sagt. Schließlich sei die alte Oper "sehr schön". Ähnlich äußert sich eine andere Passantin: "Warum soll man so viel Geld ausgeben, wenn die alte Oper noch zu nutzen und für einen Neubau kein Geld da ist?"
Ein anderer Befragter findet es indes schade, dass es keinen Neubau der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf geben wird. Nahezu täglich müsse etwas im derzeitigen Operngebäude repariert werden und dieses Geld würde man besser gesammelt in einen Neubau stecken, meint er. Eine weitere Passantin bedauert ebenfalls, dass es keinen Neubau des Düsseldorfer Opernhauses gibt. "Ich hatte mich so gefreut, dass das Vorhaben Formen annimmt", sagt sie.
Auch in Köln und Bonn Diskussionen um Sanierung der Opernhäuser
Auch in anderen NRW-Städten gab es rund um die Sanierung von Opernstätten teils heftige Diskussionen. Noch gar nicht lange ist es her, dass sich die Modernisierung der Oper Köln zu einem historischen Millionengrab entwickelte. Nach 14 Jahren Bauzeit und Baukosten von rund 1,5 Milliarden Euro startet der reguläre Spielbetrieb offiziell im September 2026.
Ursprünglich waren für das Projekt drei Jahre und rund 253 Millionen Euro veranschlagt. Das hatte für teils erheblichen Unmut bei den Kölnerinnen und Kölnern gesorgt.
In Bonn ist derzeit die Diskussion um die Zukunft der Bonner Bühnen in vollem Gange. Die marode Bausubstanz der Spielstätten zwingt die Stadtverwaltung zum Handeln. Die Stadtspitze favorisiert die Verlagerung der Oper und des Schauspiels in den Stadtteil Beuel. "Das sorgt jedoch bei vielen Menschen für einen Aufschrei, weil sie meinen, dass die Oper unbedingt im Zentrum der Stadt beheimatet sein soll", so Keim.
Andere NRW-Städte sind bei der Sanierung weiter
Andere Städte sind in Sachen Sanierung schon weiter. So verlief in Gelsenkirchen die Sanierung des Musiktheaters im Revier (MiR) abschnittsweise. "Der denkmalgeschützte Nachkriegsbau aus dem Jahre 1959 wurde in zurückliegenden Jahren schrittweise renoviert", so Keim. So wurden im Jahr 2010 der Zuschauersaal und die Akustik modernisiert. 2016 investierte die Stadt rund 2,7 Millionen Euro in die Erneuerung des Bühnenbodens. Auch der Orchestergraben wurde akustisch umgestaltet. Bereits im Jahr 2003 gab es in mehreren Bauabschnitten eine Sanierung der Fassaden.
In Bielefeld liegt die Sanierung des historischen Stadttheaters - auch bekannt als das Opernhaus - zwei Jahrzehnte zurück: 2006 wurde das Gebäude nach einer umfassenden zweijährigen Renovierung und Sanierung wiedereröffnet. Damals war die Theaterstiftung Bielefeld ins Leben gerufen worden, die Eigentümerin des Gebäudes wurde. Auch bürgerschaftliches Engagement sowie Millionen-Spenden sorgten dafür, dass ein Großteil der Kosten gedeckt werden konnten.
Neubau der Düsseldorfer Oper abgesagt
WDR. 01:47 Min.. Verfügbar bis 05.06.2028.
Quellen:
- WDR-Opernexperte Stefan Keim
- ibk-bauphysik.de
- Stadt Gelsenkirchen zu Abschlussbericht Umbaumaßnahmen im MiR
- Theaterstiftung Bielefeld zu Sanierung
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 05.06.2026, 18:08 Uhr