Ein älteres Paar geht Arm in Arm durch eine Einkaufsstraße

Rente in NRW Fast ein Drittel der Rentner geht vorzeitig in Ruhestand

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Die Schere geht seit Jahren immer weiter auseinander: Weil die Zahl der Rentner schneller steigt als die Zahl der Beitragszahler, fehlt dem System Geld. Neue Daten bestätigen diesen Trend und befeuern die Diskussion um die Zukunft der Alterssicherung.

Im Kern ist es eine erfreuliche Entwicklung: Statistisch gesehen leben wir immer länger. Für das deutsche Rentensystem wird das jedoch zunehmend zum Problem. Ende des vergangenen Jahres haben rund 19 Millionen Menschen eine Altersrente bekommen - so viele wie noch nie. Das geht aus neuen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervor, die dem WDR vorliegen.

Demgegenüber stehen rund 40 Millionen Beitragszahler. Aktuell finanzieren etwa zwei Berufstätige einen Rentner. Anfang der 60er-Jahre lag dieses Verhältnis noch bei sechs zu eins. In Nordrhein-Westfalen gab es zuletzt 3,683 Millionen Rentnerinnen und Rentner.

Und viele Menschen starten weiterhin früher in den Ruhestand. Im vergangenen Jahr nahm knapp ein Drittel aller Neu-Rentner für eine vorzeitige Rente Abschläge in Kauf. Diejenigen, die sich für solch einen früheren Ruhestand entschieden, arbeiteten im Schnitt 33 Monate weniger als gesetzlich vorgesehen.

Die so genannte Regelaltersgrenze wird schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Beschäftigte des relevanten Geburtsjahrgangs 1959 konnten im vergangenen Jahr nach 66 Jahren und zwei Monaten in Rente gehen. Der Geburtsjahrgang 1960 muss für die abschlagsfreie Rente bereits zwei Monate länger arbeiten.

Länger arbeiten? Ist die Rente mit 70 machbar?

WDR 10.06.2026 03:01 Min. Verfügbar bis 09.06.2028 WDR Online

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Vergleichsweise hohe Renten in Nordrhein-Westfalen

Die gesetzliche Rente fällt in Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch aus. Laut Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Bruttorente nach mindestens 35 Versicherungsjahren in NRW zuletzt bei monatlich 1.773 Euro, wobei Männer gut 500 Euro mehr erhielten als Frauen.

In Nordrhein-Westfalen haben viele Männer in gut bezahlten Jobs im Bergbau gearbeitet. Sie erhalten heute daraus vergleichsweise hohe Renten. Rentenatlas 2025, Deutsche Rentenversicherung

Anteil der Frührentner sinkt in NRW

Auffällig: Der Anteil derer, die frühzeitig in Rente gehen, ist in den vergangenen Jahren gesunken. So ging im Jahr 2011 noch fast jeder Zweite frühzeitig in Rente. Die Rente Rentenversicherung führt das darauf zurück, dass die "Altersrente für Frauen" und die "Altersrente wegen Arbeitslosigkeit" zuletzt weggefallen sind.

Viele Ältere Menschen arbeiten weiter

Hinzu komme, dass mehr Menschen über über 60 Jahre einen Job haben. Während im Jahr 2015 noch gut jeder Zweite zwischen 60 und 64 Jahren weiterhin gearbeitet hat, waren es zehn Jahre später schon etwa zwei Drittel. Und: Viele Seniorinnen und Senioren in NRW arbeiten auch im Rentenalter noch weiter.

Laut Daten des Zensus waren in NRW zuletzt rund zehn Prozent aller Über-65-Jährigen noch erwerbstätig. Die so genannte Aktivrente soll das Arbeiten im Alter seit diesem Jahr attraktiver machen. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen.

Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber beraten über Zukunft der Rente

Die Zukunft der Rente ist einer der Themen, wenn sich die Spitzen der Koalition am Mittwochabend am Kanzleramt mit Gewerkschaften und Arbeitgebern treffen. Entscheidungen sind hier allerdings nicht zu erwarten. Die soll es erst in der Sitzung des Koalitionsausschusses am 1. Juli geben. Zuvor möchte noch die Rentenkommission ihren Bericht mit Vorschlägen für eine Reform der Alterssicherung vorlegen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte zum Beispiel zuletzt eine verpflichtende Betriebsrente gefordert, Unterstützung dafür gab es aus der SPD. Die betriebliche Altersvorsorge ist eine freiwillige Zusatzrente und ergänzt die gesetzliche Rente. Sie wird über den Arbeitgeber organisiert. Einzelheiten dazu sind in der Regel in Tarifverträgen oder auf betrieblicher Ebene geregelt.

Die Arbeitgeber fordern längere Lebensarbeitzeiten. Damit die Lohnnebenkosten nicht weiter steigen. Es liegen noch viele weiter Vorschläge auf dem Tisch, um die hart gerungen wird.

Unsere Quellen:

  • WDR-Anfrage Deutsche Rentenversicherung
  • Rentenatlas 2025
  • IT.NRW: Selbständigkeit von Seniorinnen und Senioren in NRW
  • Informationen von epd, dpa und AFP

Sendung: WDR.de, "Fast ein Drittel der Rentner geht vorzeitig in Ruhestand", 10.06.2026, 17:03 Uhr

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